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ie-eraufbau-espersonalkreditgeschästs setzt Hebung der Schuldnermoral voraus
dem einen bestimmten Tage zurückzuzahlen. Aber man nimmt diese Verpflichtung nicht genau; wenn es gerade unbequem ist, mutz der Gläubiger eben warten: .Außerdem könnte er eigentlich etwas nachlassen. Was braucht er so viel an dem Geschäft zu verdienen? Ich habe mich zwar verpflichtet, aber wenn er mich darauf festnagelt, dann ist das eine formal-juristische Gemeinheit!' Es ist traurig zu sagen, daß diese Auffassung über Der- pflichtungen leider recht verbreitet ist und daß sich allzu viele Menschen daran gewöhnt haben, sie als normal anzusehen Es fängt im Privatleben an — Aerzte, ferner Bäcker, Fleischer und andere Lieferanten des täglichen Bedarfs können ein Lied davon singen —, es greift über auf das ge> s ch ä f t l i ch e Leben', und dort wirkt es auf die Dauer ruinös. Man mag schreiben, reden, schimpfen, drohen, auf einer derartigen Schuldnermoral läßt sich ein Personalkredit nicht aufhauen, und wenn sich darin nichts ändert, wird es dabei bleiben, daß die Kreditgeber sich Pfänder sichern, weniger wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, als weil ß/ dadurch eine Waffe gegen Böswilligkeit und Laxhra in der Hand haben."
Abschließend weist Finanzrat Schilling darauf hin, daß die Ausmerzung kreditunwüröiger Zemente und der Wiederaufbau eines Personalkreditgeschäfts auch ein Schritt vorwärts auf dem Wege zur Zinssenkung sein werde. „Einen wesentlichen Kostenbestandteil bei den Banken sind heute die V e r l u st e, die nach aller Erfahrung im Kreditgeschäft eintreten, und für die Deckung dieser Verluste müssen die Banken in den Zins eine Risikoprämie einkalkulieren. Ist das Kreditgeschäft so gesäubert, daß Verluste normalerweise nicht mehr eintreten, so kann diese Risikoprämie fort- fallen und der Zins hierdurch d er billigt werden. Gerade durch organische Maßnahmen, die dem Wesen des Kreditgeschäftes entsprechen, können auf diesem Wege Erfolge erzielt werden, auf deren Dauer man rechnen kann."
Der Reichsmini st er für Volksaufklärung und Propaganda hat die Vorführung des Filmstreifens von der Ermordung des jugoslawischen Königs und des französischen Außenministers Barthou aus Gründen des internationalen Taktes für ganz Deutschland verboten.
Italienfeindliche Kundgebungen in Süi s awien.
London, 11. DEL (DNB.) Reuter meldet, daß es in Laibach (Slovenien) zu italienfeindlichen Kundgebungen gekommen sei. Die Menge hatte oer-
hängigkeit seines Staates zu verstärken. „U n a b -1 wenn er nicht überzeugt gewesen wäre, daß in hängigkeit von allen Großmächten!" ihren Händen seine Politik am besten aufge-
günstigungen wie der Reichsverbilliaungsschein A.
Mit der Beseitigung der Bezugsscheine für die Haushaltsmargarine ist d e r e n S t e u e r f r e i. heit aufgehoben worden. Eme Schlechterstel- lung der Bezugsberechtigten tritt dadurch nicht ein, da die Verteuerung durch die Ausgabe des zweiten Reichsverbilligungsscheines wieder ausgeglichen wird. m
Um im Rahmen des Fettplanes die Versorgung der Minderbemittelten mit der billigeren Konßlm- Margarine sicherzustellen, konnte auf das Be. stellscheinsystem nicht verzichtet werden; der Besitz des mit rotem Strich versehenen Reichs- oerbilligungsscheines B gewährt einen Anspruch auf bevorzugte Zuteilung von mindestens einem Pfund Konsummargarine, sofern der Bezugsberechtigte rechtzeitig vorher den Stammabschnitt M dem Bestellschein der Verkauf stelle vor- liegt. , v
Der Stammabschnitt enthält demnach drei Reichs- verbilligungsscheine A, sowie drei Reichsverbil- ligungsscheine B. Der auf dem Stammabschnitt befindliche Bestellschein gilt für drei Pfund Konsum- Margarine. Die Gültigkeit der Reichsverbilllgungs- scheine ist jeweils auf einen Monat begrenzt.
MueBestimmungenfürdieFeiiversorgung der minderbemittelten Bevölkerung.
Ein zweiter Reichsverbilligungsfchein statt der bisherigen Bezugsscheine für Haushaltmargarine.
Berlin, 12. Okt. (DNB. Funkspruch). Wie der „Völkische Beobachter" meldet, beschäftigt sich em Erlaß der zuständigen Ministerien mit der Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung. Zn dem Erlaß heißt es: „Die zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung getroffenen Maßnahmen werden für die Monate November und Dezember 1934 sowie für Januar 1935 mit folgender Maßgabe durchgeführt: Wie seither erhalt der Minderbemittelte monatlich einen Reichs- o e r b i l l i g u n g s s ch e i n für Speisefette (Gruppe A), der beim Einkauf von mindestens einem halben Pfund der auf dem Stammabschnitt angegebenen Fettwaren mit einem Wert von 25 Pfennig in Zahlung gegeben werden kann. Dagegen ist von der Ausgabe der Bezugsscheine für Haushaltmargarine abgesehen worden. Diese werden durch einen weiteren R e i ch s v e r b i ll i g u n g s s ch e i n (Gruppe B) ersetzt, um dem Inhaber des Stammabschnittes die Möglichkeit zu geben, a n - stelle von Margarine auch andere Fettwaren verbilligt zu beziehen. Der Reichs- verbilligungsschein B gewährt die gleichen Ver-
Savg im Sonderzug nach Aaram übergeführt, wo er in den späten Abendstunden eintrefft Am 15. Oktober, morgens, erfolgt die W
Senat und Skupschtina beschlossen dann, dem ermordeten König d en
Dem ermordeten König wird der Ehrenname „Der Einiger" beigelegt.
Vereidigung des Regentschastsrats.-Hälselraten um die Person des Mörders.
Neben dem Widerhall in den verbündeten Staaten interessiert sich die hiesiae Presse in erster Linie für die Person des Attentäters. Nachdem einwandfrei festgestellt werden konnte, daß der Paß des Mörders und damit auch sein Name und alle Angaben über ihn gefälscht waren, blieb als einziger Anhaltspunkt die Tätowierung am Körper des Attentäters zurück, die den Totenkopf und die Inschrift der Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation aufwies. Aber auch dieser Anhaltspunkt wurde in den letzten Stunden völlig wertlos, denn die Blätter berichten aus Marseille, man habe dort durch chemische Analyse feststellen können, daß die Tätowierung höchstens vier Wochen alt sei und dem Attentäter sicherlich aus dem Grunde beigebracht worden war, um die Nachforschungen auf eine f a l sch e Spur zu lenken.
Das Kabinett Uzunowitsch bleibt im Amt.
Belgrad, 11. Okt. (DNB.) Der südslawische Ministerpräsident Uzunowitsch hat sämtliche Aemter seines Kabinetts der Negentschaft z u r Verfügung g e st e l l t. Die Regentschaft beschloß hierauf, daß die jetzige Regierung Uzunowitsch i m A m t e bleibt.
Ein Volk trauert um seinen König
Don unserem Dr. Sch.-Äerichterstaiter.
fahrt nach Belgrad, wo sich zum Empfang u. a. die Mitglieder des Regentschaftsrates und der Regierung, sowie Vertreter von Senat und Kammer einfinden werden. Der tote Könih wird vom Bahnhof ins Alte Palais übergeführt, wo ein kurzer Gedächtnisgottesdienst abgehalten wird. Am 16. und 17. Oktober wird die Bevölkerung an der Bahre vorüberziehen dürfen, um Mitternacht des letztgenannten Tages wird der Sarg in d i e B e l - grober Kathedrale gebracht, wo am 18. Oktober, morgens, ein feierliches Requiem abgehalten wird. Sodann erfolgt die Ueberführung in die Kirche in Oplenatz, wo die Beisetzung unter militärischen Ehren erfolgen wird.
Infolge der Landestrauer sind sämtliche Veranstaltungen und Darbietungen abgesagt. Die Restaurants und Kaffeehäuser werden um 22 Uhr geschlossen. Die Blätter widmen ihren Nachrichtenteil ausschließlich den Ereignissen, die im Zusammenhang mit der Mordtat stehen. Die Stellungnahme der .Weltpresse wird ausführlich wiedergegeben.
Des Königs Reise nach Paris wurde auch im Rahmen dieser Frage unternommen untr gewertet. Alexander fuhr nach Frankreich, um die Sicherheit seines Staates zu verteidigen. Gewiß wollte er mit Barthou und den anderen französischen Ministern freundschaftliche Reden tauschen; aber dabei war man doch überzeugt, daß er den Franzosen den südslawischen Standpunkt klarmacken werde. Don entscheidender Bedeutung wäre diese Reise gewesen. Denn Südslawien war soeben an einem der wichtigsten Punkte seiner Außenpolitik angelangt. Die Rückkehr eines Triumphators hatte man erwartet, und statt dessen wird nun ein toter Monarch in seine trauernde Heimat zurückkehren.
Die Trauer in Südslawien ist tief und aufrichtig, denn König Alexander war mehr als ein König. Er war zugleich auch Führer und Vorbild seines Volkes. Er hatte in den Feldzügen als Regent Freud und Leid mit den Soldaten geteilt. Er war der Mann mit der sichersten Hand und mit dem klarsten Kopf. Er hatte den jungen Staat durch alle innen- und außenpolitischen Gefahren geführt, die sich in bedrohlicher Höhe aufgetürmt hatten. Der König war an seiner Politik niemals irre geworden. Er setzte einen einmal gefaßten Entschluß langsam, aber mit unerschütter- licher Folgerichtigkeit durch. Es gab bei ihm fein Schwanken und kein Zaudern, eine einmal eingeschlagene Richtung beizubehalten, und wenn er jahrelang um den Erfolg ringen mußte — schließlich siegte er doch.
Seine Konsequenz nötigte auch seinen Gegnern Hochachtung ab. Sie mußten erkennen, einen Mann vor sich zu haben, der mit der Größe seiner Aufgaben wuchs. Und es wird als besonders tragisch empfunden, daß er in dem Augenblick, als diese Aufgaben am größten waren, aus dem Leben scheiden mußte. Denn noch niemals hatte Südslawien in der zwischenstaatlichen Politik eine so große Rolle gespielt wie in eben diesen Tagen. Der Stolz und die Vaterlandsliebe der Südslawen sträuben sich gegen den Gedanken, daß diese Entwicklung nun ein Ende gesunden haben könnte. Die Entschlossenheit, die bisherige Politik des Königs weiter zu führen, ist daher auch für niemanden überraschend, der die Seele dieses Volkes kennt.
Immerhin ist man sich bewußt, durch den Tod des Königs einen unersetzlichen 23 e r I u ft erlitten au haben. Wenn der Weg, den Alexander ging, für ihn schon schwer war, so wird er für die Kräfte seiner Nachfolger noch schwerer sein. Die ganze Verantwortung liegt jetzt beim Regentschaftsrat, dessen Mitglieder der König in seinem Testament noch selbst bestimmte. Es sind Männer, die sein höchstes Vertrauen genossen, in seine geheimsten Pläne einaeweiht waren und seine Politik zweifellos fortsetzen werden. Denn für Experimente ist jetzt keine Zeit Der König hätte sie auch sicherlich nicht als feine Nachfolger bestimmt,
Staatsfinanzrat Hermann Schilling, Mitglied der Generaldirektion der Preußischen Staatsbank (Seehandlung), beschäftigt sich in einem Aufsatz in der „Rhein-Mainischen Wirtschaftszeitung" mit dem Perfonalkreditgeschäft der Banken. „Es muß zunächst unumwunden zugeaeben werden, daß sich bei den Banken eine gewisse Ueberschätzung der Sicherheit ausgebildet hat, die durch die Verpfändung von Sachwerten oder wenigstens deren Vorhandensein beim Kreditnehmer gegeben ist." Gerade die Erfahrung der letzten Jahre haben aber gezeigt, wie schnell Sicherheiten wertlos werden können. Wichtig sei bei der Kreditgewährung die Untersuchung bef Frage: Was kann aus b e m Unternehmen werben. Unb bie Beantwortung bieser Frage ist eben abhängig von ben persönlichen Eigenschaften unb Vorzügen bes betreffenben Unternehmers. „In Wirklichkeit ist ebenb ie Sicherheit, bie in ben organischen Entwicklungsmöglichkeiten eines Unternehmens liegt, größer als biejenige, die durch Verpfändung irgendwelcher Werte des Unternehmens beigebracht werden kann. Dies ist der Gesichtspunkt, unter dem der alte jedem Bankier vertraute Satz ailt, daß die „ungedeckten" Kredite die besten find.
Leider fehle immer noch das Vertrauen, ohne das nun einmal kein Kreditgeschäft zustande kommen kann. Schilling verlangt deswegen gegen d i e wirklich Kreditunwürdigen, also diejenigen, welche das Vertrauen mißbrauchen, strenge Maßregeln. Eine neutrale Kredit- kontrolle soll jeden auf eine schwarze Liste setzen, der sich irgendwelcher Verstöße gegen die Vertrauenspflichten schuldig gemacht hat.
Schilling wendet sich aber nicht nur gegen die Auswüchse, sondern auch gegen eine „merkwürdig laxe Auffassung", die vielfach gegenüber Kre- di t v e r p f l i ch t u n g e n eingedrungen ist. „Gewiß, man bestreitet nicht, diesen oder jenen Betrag schuldig zu sein, sich verpflichtet zu haben, ihn an
sucht, das italienische Konsulat anzu- greifen, bod) sei sofort Polizei eingeschritten unb habe Uebergriffe verhindert. Die Kundgebungen ereigneten sich nach einer Protestvevsammlung, in der die Redner behaupteten, daß sämtliche Anschläge gegen das Leben des Könias Alexander, auch derjenige vom letzten März in Agram, von Italien finanziert und vorbereitet worben seien. Wahrscheinlich sei auch der Mörder Kalemen von derselben Seite angeftiftet worden. „Evenmg Standard" berichtet, daß auch in Agram, Sera- jewo und anderen Städten ernste Italienfemduche Ausschreietungen zu verzeichnen seien. In Laibach habe die Menge den italienischen Konsul aus feinem Hause gezerrt und auf ihn einaeschlagen. Der Polizei sei es gelungen, ihn in Sicherheit zu bringen, bevor er ernstlich verletzt wurde.
Teilnahme der Wehrmacht am Winterhilfswerk.
DNB. Berlin, 11. Okt. Reichswehrminister Generaloberst von B l o m b e r g hat für die Teilnahme der Wehrmacht am Winterhilfswerk des deutschen Volkes eingehende Richtlinien erlassen. In den Richtlinien wird u. a. bestimmt: Betätigung für das WHW. i ft Dienst. Die Truppe hat sich in den Dienst des WHW. zu stellen, soweit die Aus« bildungsbelange dies irgendwie zulassen. Fahrzeuge, Kraftfahrzeuge, Feldküchen, Kochkessel und personelle Kräfte sind zu Transporten, Sammlungen Speisungen und sonstigen Hilfsarbeiten für das Winterhilfswerk zur Verfügung zu steilem Musik- und Trompeterkorps sind im Benehmen mit den zuständigen örtlichen Führern des WHW. dienstlich für die Winterhilfe zu g e ft e 11 e n. Dies geschieht entweder durch dis Teilnahme an amtlichen Veranstaltungen der NS.- Volkswohlfahrt oder durch Abhalten von Wohltätigkeitskonzerten, deren Gefamterlös dem WHW. zuließt. Die Wehrmacht beteiligt sich an der Durch- ührung eines „ E i n h e i t s e f f e n s ". Mann- chaftsküchen, Offiziersheime und Messen geben an olchen Tagen ein Eintopfgericht aus. Gleiches wird von allen privaten Haushaltungen der Wehrmachtsangehörigen erwartet.
Oer NGOFB. (Stahlhelm) im Winterhilfswerk.
Berlin, 11. DH. (DNB.» Die Mitglieder des NS. Deutschen Frontkärnpferbunde5 (Stahlhelm) haben sich bereits im vergangen» Winter als ehrenamtliche Helfer in der Drganv fation bes Winterhilfswerkes betätigt. Die Bun« b e s 1 e i t u n g hat nunmehr burch Erlaß voni 6. Oktober auch für bas Winterhilfswerk bes deutschen Volkes 1934/35 bie Mitarbeit ber Karne raben als selbstoerstänblich angeorbnet. Es müsse Ehrenpflicht eines jeben Stahl' Helmers fein, ben bebrängten beutfchen Volksgenossen mit allen Mitteln und Kräften zu helfen. So wie ein Beauftragter der Bundesleitung Mitglied der Reichsarbeitsgemeinschaft des Winterhilfswerkes ist, fo müsse jede nachgeordnete Dienst- ft e l (e bes NSDFB. (Stahlhelm) burch einen Verbinbungsmann in b e m örtlichen Arbeitsausschuß bes Winterhilfswerkes verankert fein. Der Stahlhelm BDF, hat gerabe auf bem Gebiete ber Fürsorge stets Vordilbliches geleistet unb in seinem über 15jährigen Kampf Er« fahrungen gesammelt, bie er durch feine Dienststellen und Kameraden der Leitung des Winterhilfswerks gern und freudig zur Verfügung stellen will- Mit den Worten: „Kameraden! Stellt erneut untei Beweis, daß ihr jederzeit bereit seid, fuj meradschaftlich mitzuarbeiten an de«
Einiger" zu geben, nachdem fein Vater König Peter I. seinerzeit den Beinamen „Der Befreier" erhalten hatte. Das Präsidium teilte diesen Beschluß der parlamentarischen Körperschaften in einem Telegramm dem neuen König Peter II. nach Paris mit. Weiter wurde der junge König gebeten, sobald als möglich nach Südslawien zu kommen. Am Schluß der Sitzung sprach Prinz Paul einige Dankesworte für das Vertrauen, das man ihm entgegenbringe. Als er darauf das Gebäude der Skupschtina verließ, bereitete ihm die auf ber Straße harrenbe Menge große Hulbigungen.
^Programm fürdieVeisetzung König Alexanders
Beigrab, 12. Okt. (DNB. Funks pruch.) Der Kreuzer „Dubrow nik" mit den sterblichen Ueberreften bes Königs Alexanber wirb am 14. Oktober, um 6 Uhr, geleitet von sämtlichen südslawischen Kriegsschiffen in Spa lato eintreffen. Nach einem Gedächtnisgottesbienst wirb bie Bevölkerung an bem Sarge vorbeiziehen. Um 10 Uhr wirb ber
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Belgrab, 10. Oktober 1934.
Die Nachricht vom tragischen Tobe bes Königs Alexanber schlug in Beigrab wie eine Bombe ein. Obwohl schon die ersten Meldungen keinen Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit gestatteten, sträubte sich der politische Sinn der Bevölkerung im Anfang dennoch, sie als zutreffend anzunehmen. Es bedurfte einiger Zeit, bis man an die Tatsache des Anschlages glauben, und wieder einiger Zeit, bis man sich klar werden konnte, daß der König verwundet sei. Als man sich aber schließlich sogar von seinem Tode überzeugen mußte, entstand eine ungeheure Derwir- rung, in die sich alsbald Verwünschungen gegen den Mörder mischten.
Nicht nur die Kinos brachen sofort ihre Vorstellungen ab, und nicht nur die großen Restaurants schlossen ihre Räume, sondern auch die kleinen und kleinsten Ladenbesitzer stellten aus eigenem Antrieb die Arbeit ein. Alles strömte a u f bie Straße unb hetzte von ber Straße wieber in bie Wohnung zurück. Eine Stunbe nach Eintreffen bes ersten Gerüchtes von einem Anschlag auf ben König machte Beigrab bereits einen vollstänbig menschenleeren Einbruck. In ben Wohnungen aber saßen bie Nachbarn zusammen unb niemand bachte an Schlaf. Denn es wurde über ben Morb gesprochen ...
War König Alexanber nicht burch Rumänien, Bul- ' garien, die Türkei und Griechenland, also durch al le Balkan st aaten gereift und von überall heil und gesund zurückgekehrt, obwohl gerade dort so mancher Feind auf ber Lauer gelegen haben mochte? — Unb gerabe in Frankreich mußte ihn das Schicksal ereilen, im befreundeten Frankreich? — Verstehen denn die Franzosen nichts von Polizei? Wissen sie denn nicht, wie man das Leben eines Königs schützt? Sie luden ihn zu Gast und schicken ihn als Toten wieder nach Hause! So ereiferten sich die Nachbarn. Daß auch Barthou zu den Opfern gehörte, wußten sie vorläufig noch nicht.
Aber nicht nur der Umstand, daß der König gerade in Frankreich ermordet wurde, schien ihnen unfaßbar. Auch ber Zeitpunkt, zu bem das Verbrechen geschah, gestaltete die Nachricht noch grausamer; denn der König hatte im Begriff gestanden, große Pläne zu verwirklichen. Die ganze südslawische Bevölkerung verfolgte mit Freude und Begeisterung seine Versöhnungsbestrebun- g e n gegenüber Bulgarien. Und als selbst bie Nörgler erkennen mußten, baß biete Politik gute Fortschritte machte, war seine Volkstümlichkeit gestiegen wie nie zuvor. Es hanbelte sich bei ber Bulgarienpolitik nicht nur um die Annäherung an einen sprachverwandten Stamm, sondern um den Beginn einer freundschaftlichen Aussprache, die schließlich sogar einmal zur Vereinigung beider Staaten führen könnte. Der König von Südslawien war bestrebt, an Stelle eines Feindes im Rücken einen Freund zu gewinnen und damit die Sicherheit und mit der Sicherheit wiederum die Unab
stsche Außenminister befanden, nur von zwei höheren Offizieren au Pferde um- □ eben war und außerdem sehr dicht an der Zufchauermenge oorbeifuhr.
Oer Ueichsbauernführer rüst zum Wmterhilfswerk auf.
Berlin, 11. Okt. (DNB.) Der Reichsbauernfüh- rer R. Walther Darrs veröffentlicht zum WHW. folgenden Aufruf:
Deutsches Landvolk!
Der Führer hat anläßlich der Eröffnung bes bies- jährigen Winterhilfswerks alle beutfchen Männer unb Frauen in Stadt uni) Land aufgerufen, durch eine unerh örte Opferwilligkeit im Geben für das Winterhilfswerk mit» zuhelfen im Kampfe aegen Not und Elend in unserem Volke. Mit derselben selbstverständlichen Treue, mit der bas Landvolk all bie Jahre vorher hinter bem Führer staub, wenn er es zum Kampfe aufrief, stellt es sich auch jetzt wiederum geschlossen hinter ihn. Mein Ruf ergeht an alle, insbesondere an diejenigen, denen ber Segen bes Himmels in diesem Jahre eine gute Ernte beschert hat. Die Reichsregierung hat bem Reichsnährstand ihr besonderes Vertrauen bekundet, indem sie ihn in diesem Jahve mittler Erfassung berSpen- ben aus ber Landwirtschaft beauftragt hat. Ich erwarte daher von sämtlichen Dienststellen des Reichsnährstandes, daß sie entsprechend den ihnen zugehenben Sonderanweisungen rasche unb straff disziplinierte Arbeit leisten werden.
Die Trauersitzung der Nationalversammlung. Huldigungen für den jungen König.
Belgrad, 11. Okt. (DNB.) In der südslawi- chen Hauptstadt rüstet man zu den Begräbnis- eierlichkeiten für ben verblichenen König Alexanber, reffen Leichnam im alten Hofpalast mitten in der Stadt aufgebahrt werden wird. Die schwarzen Fahnen in den Straßen der Stadt werden immer zahlreicher. In den Schaufenstern sind umflorte Bilder des Königs aufgefteUt. Vor den Blumenhandlungen drängen fick die Menschen, um die Kränze und Schleifen zu sehen, die für bas Begräbnis bestellt würben.
Der Senat unb bie Skupschtina traten am Donnerstagmittag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, um ben burch bie Verfassung vorgeschriebenen Gib auf König Peter II. abzulegen. Der Sitzungssaal ber Skupscytina sowie bie Vorhalle unb bie Wanbeigänge waren mit schwarzem Tuch ausgeschlagen. Sämtliche Senatoren unb Abgeorbnete sowie bas biplomatische Korps waren anwesenb. Die Galerien waren bis auf ben letzten Platz gefüllt. Der Präfibent bes Senats, Tomaschitsch, eröffnete bie Sitzung mit einer kurzen Trauerrebe für ben ermorbe- ten König Alexanber, besten außerorbentliche Taten im Kriege unb im Frieben er feierte. Bei ber Erwähnung bes neuen Königs Peter II. bereitete bie Versammlung biefem stürmische Hulbigungen. To- maschitsch verlas fobann ben Abgeorbneten unb Senatoren bie Eibesformel, bie biefe stehenb unb mit zum Schwur erhobenem rechten Arm nachsprachen. Nach ber Verewigung der Parlamentsmitglieder wurde Prinz Paul feierlich in ben Saal geleitet. Er unb bie beiben a n b e» ren Mitg 1 ieber bes Regentschaftsrats oroie bie brei Stellvertreter begaben sich zum Prä- ibium unb legten in bie Hände des Senatspräsi- )enten den verfassungsmäßigen Gib ab, bemzufolge sie bem König bie Treue halten unb auf Grunb der Verfassung unb ber Staatsgesetze herrschen würben.


