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Ur. 259 Erstes Blatt

184- Jahrgang

Freitag, 12. Oktober MH

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Zwei vermutliche Helfershelfer an der schweizerischen Grenze verhaftet. - Die Suche nach dem Schuldigen für die ungenügenden Sicherheitsmaßnahmen.

rsay ausgebahrt

am Quai

Villain Fontainebleau Unterschlupf gesucht haben. Als sich Donnerstag früh Polizei in der Villa einfand, fl ü ch t e t e ein Unbekannter. ErTonnte trotz vieler von den Polizisten abgegebener Revoloer- schüsse in den Wald von Fontainebleau entkommen. Die Verfolgung ist ausgenommen worden. Es soll sich um jenen unter dem Namen Chalny in einem Pariser Hotel eingetragenen Begleiter des Mörders handeln, der am 30. September in dessen Begleitung und einer ande­ren Person in Paris eingetroffen war. Man ist überzeugt, daß er unmittelbar an dem Ver­brechen beteiligt gewesen ist. Zwölf Süd- flamen, bei denen Haussuchungen abgehalten wurden, wobei der Polizei zahlreiches Material in die Hände fiel, das noch nachgeprüft wird, sind ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden.

Paris, 11. Oft (DNB.) Donnerstagvormittag ist in Paris d e r Sonderzug mitder Leiche B a r t h o u s eingetroffen. Mit demselben Zuge kamen Königin Maria von Südslawien und der Präsident der Republik, Lebrun,

Noch kein Geständnis der Verhafteten.

War im Fall des Mißlingens ein zweiter Anschlag in Paris geplant? Paris. 11. Oki. (DNB.) Die Polizei von

Sl n n e m a f s e an der Schweizer Grenze, wenige Kilometer von Genf, hat in der vergangenen Nacht gwei angebliche Helfershelfer des Marseiller Mörders verhaftet, die am Vorabend in Annemaffe singetroffen waren. Die beiden Verhafteten waren iim Besitz von Ausweispapieren, die auf den Namen D e n e f ch und N o v a x lauteten, und sollen am Mittwoch aus Paris angekommen fein. Man ffand bei ihnen verschiedene Gegenstände, die aus demselben Kaufhaus stammen, von dem auch der Marseiller Mörder feine Kleider bezogen hatte. Die Verhaftung geschah in den brühen Morgenstunden in einem Hotel von T h o n o n auf Anweisung von Paris. Die beiden Verhafteten haben keinen Widerstand geleistet. Sie hatten tschechoslowakische Pässe bei sich, lOie vom tschechoslowakischen Generalkonsulat in -aus Triest ausgestellt waren, muhten aber zugeben, Daß die Pässe gefälscht waren. Die Vernehmung wurde dadurch erschwert, dah Benesch und Novax «er französischen Sprache kaum mächtig waren. Den Verhafteten wurden Photographien un­terbreitet, auf denen sie in Gesellschaft des Mörders Kalem en zu sehen waren. Dadurch gezwungen, zuzugeben, dah sie kalemen kannten, »ersuchten sie jedoch, jeden weiteren Zusammenhang mit ihm oder gar mit der Tat ab z ust re lten. Ls scheint jedoch, dah sie es waren, mit denen kalemen zuletzt einige Tage in Paris »erbrachte. Entgegen der von einigen pariser Abendblättern ausgestellten Behauptung, wonach sie üin Geständnis abgelegt hätten, erklärt die Agentur havas, dah sie n u r z u g e g e b e n hätten, loen Mörder zu kennen. Sie hätten aber jede mittelbare oder unmittelbare Beteiligung an vem Verbrechen abgeleugnet.

Ein Kraftwagenführer aus St. Quen- liin erklärte der Polizei, er habe am Dienstag xlnen Ausländer, der auf dem v-Zug [parisBrüssel ausgestiegen war, von St. Quen- 1:ln erst nach Lille und dann nach Roubaix [gefahren, wo der Reisende nach Bezahlung des Fahrpreises verschwand. Der Kraftwagenfahrer will in dem Fahrgast Benesch wledererkannt «haben, dessen Bild in der presse veröffentlicht wor- ven ist. Man hält es nicht für ausgeschlossen, dah «lefer Mazedonier einen Anschlag gegen den König Alexander in Paris hatte versuchen I'ollen. Als der Betreffende in St. Quentin von «em geglückten Anschlag gegen den König i.n Marseille Kenntnis erhielt, habe er seine Reife unterbrochen.

Ein aufgestöberter Helfershelfer entkommen.

Paris, 11.Oft (DNB.) Ein Helfershelfer oder Mitwisser des Marseiller Mörders soll in einer

Der zurückgetretene französische Innenminister S a r r a u t.

den französischen Auhenrninister gelingen konnte, ist zurück getreten. Der Generaldirektor der Sicherheitspolizei B e r l h o i n wurde seines Postens enthoben, ebenso der Präfekt des DepartementsBouches-du-Rhone Louhannaud.

In den Zeitungsbetrachtungen kommt zum Aus­druck, es fei gut, wenn, wie im vorliegenden Fall, d i e verantwortliche Persönlichkeit für das, was unter ihrer Leitung stehe, e i n st e h e. DasJournal" sagt: Die Ungnade fällt auf Män­ner, von denen einige nur infolge ihrer

Soll Flandin der Nachfolger Varthous werden?

Paris, 11. DFL (DNB.) Der französische Innenminister S a r r a u t, der von der französi­schen presse dafür verantwortlich gemacht wurde, dah der Anschlag auf den südslawischen König und

DerKönigsmörder war schwer bewaffnet

Wie demMatin" aus Marseille berichtet wird, war der Mörder des Königs von Südslawien außerordentlich schwer bewaffnet. Man fand bei ihm eine Mauser - Maschinen­pistole, Kaliber 7,65 mm, 1240 g schwer, 28,8 cm lang, bei der Ladestreifen von 10 oder 20 Kugeln Verwendung finden, ferner eine Walter- P i st o l e , Kaliber 7,65 mm, und eine Bombe, deren Herkunft nicht festzustellen ist. Sie enthält etwa 80 g Cheddit. Es ist eine Bombe, wie sie Anarchisten gewöhnlich nicht besitzen, sondern wie sie im Kriege Verwendung findet. An Patronen besaß Kalemen zwei zwanzigschüsfige ßabe ft reifen für die Mauser- und sechs Ladestreifen zu neun Schuß für die Walter-Pistole.

Stellung geopfert werden, die sich aber selbst als Opfer angeboten haben, da sie eingesehen hätten, dah die BezeichnungLeiter" künftighin nicht mehr von der Verantwortung befreit fein dürfe. In mehreren Blattern wird angesichts des folge­richtigen Rücktritt Sarrauts das Verbleiben des umstrittenen Justizministers E h e r o n im Amte scharf gerügt.

Bei der Umbildung des Kabinetts soll Doumergue möglichst wenig das politische Gleich­gewicht stören wollen. So würden herriot und Tardieu Staatsmini st er ohne Ge­schäftsbereich bleiben. Die Ernennung des derzeitigen Ministers für öffentliche Arbeiten, Flandin, zum Nachfolger Varthous am Quai d'Orsay nehme an Wahrscheinlichkeit zu. Als künftiger Minister für öffentliche Arbeiten wird der Abgeordnete p e r n o t genannt. Für das Innenministerium sollen die Abgeordneten Oueuille, Laval oder Lamoureux in Frage kommen. In rechtsstehenden Kreisen spricht man auch von dem jetzigen Pensionsminister Louis Marin als kommenden 3 uff h mini- ff er. Allerdings löst die Möglichkeit einer solchen Anwartschaft bereits den Einspruch der Links­kreise aus, da Marin die am weitesten rechts­gerichtete Persönlichkeit des Kabinetts Doumergue ist und die öffentliche Meinung, soweit sie links orientiert ist, nicht wünscht, dah das Justizministe­rium einer zu sehr rechts eingestellten Persönlich­keit ausgeliesert wird. Neuerdings nennt man als möglichen Justizminister auch den Generalstaats- anroatf Matter.

Innenminister Sarraul znin Rücktritt gezwungen

Weitergreisende Umbildung des Kabinetts Doumergue.

mit seinem Gefolge in der französischen Hauptstadt an. Am Bahnhof hatte sich eine gewaltige Menschen­menge eingefunden. Die polizeilichen Sicherheits­maßnahmen waren so streng, daß der Bahnhofs­platz in weitem Bogen abgesperrt und das Betreten des Bahnhofsgebäudes selbst den Vertretern der Presse untersagt war. Auf dem Bahnsteig warteten die Königinmutter Maria von Rumä­nien und viele französische und südslawische Wür- denträger auf die Ankunft des Zuges. Das diplo­matische Korps, darunter der deutsche Ge­schäftsträger, Botschaftsrat Förster, war voll­zählig versammelt. Der Sarg mit der sterblichen Hülle Varthous wurde nach dem Außenmini­sterium am Quai d'Orsay übergeführt und dort im Uhrensaal, der in eine Trauerkapelle um­gewandelt worden ist, aufgebahrt.

Königin Maria von Südslawien ist am Don­nerstagabend in Begleitung ihres Soh­nes, der Königinmutter Maria von Rumänien, der Prinzessin I l e a n a von Rumänien und deren Gatten Prinz A n t o n von Habsburg und des südslawischen Außenministers I e f t i t s ch nach Belgrad abgereist. Präsident Lebrun, Ministerpräsident Doumergue sowie die meisten in Paris anwesenden Minister hatten die Königin an den Zug begleitet.

Der Film von der Bluttat in Marseille.

In London und in einem Pariser Kino vorgeführt.

London, 11. Okt. (DNB.) Tausende von Lon- donern sahen am Donnerstag einen Film, der an Schrecken alles in den Schatten stellt, was je bisher gezeigt worden ist: Die letzten Augenblicke des Kö­nigs Alexander und Varthous sowie der Sturm der wahnsinnigen Menschenmenge auf den Mörder zogen am Auge vorbei.

Es ist kein Wunder, daß die französischen Behor- den alles getan haben, um zu verhindern, daß dieser Film Über die Grenze gelangt und auch die für Neuyork bestimmten Filmstreifen in Cher­bourg beschlagnahmt haben. In England da­gegen wird er in mindestens 15 0 0 Licht­spieltheatern gezeigt werden. Unter den heu­tigen Besuchern dieses Films befand sich eine ganze Anzahl Beamter der G e h e i m p o l i z e i von Scot­land Pard, die aufs eingehendste die Gesichter der Marseiller Menschenmasse prüfte, um zu sehen, ob man irgendwelche bekannten internationalen Ver­brecher darunter feststellen kann.

Der Film von dem Anschlag in Marseille sollte am Mittwochabend auch in allen Pariser Lichtspiel­theatern vorgeführt werden. Im letzten Augenblick hat die Polizei die öffentliche Vorführung aber verboten. Der in London gezeigte Film i ft nicht das Original, sondern er ist stark be­schnitten. Nur ein einziges Pariser Lichtspielhaus zeigte den Film trotz des Verbotes. Augenzeugen berichten, daß aus diesem Dokument deutlich her­vorgehe, wie mangelhaft der Sicherheits- dienst organisiert gewesen sei.Paris Soir" schreibt, man könne nicht von einer Kette von Polizeibeamten sprechen, die die Bevölkerung zu­rückhielt, sondern man sehe nur hier und da einen Beamten, der alle Mühe habe, die Straße frei zu machen. Außerdem stelle man an Hand dieses Filmes mit Erstaunen fest, daß d e r Wagen, in dem sich der König und der franzö-

Der Sarg des Königs Alexander wird in Marseille von Seeoffizieren an ?Lord des ZerstörersDubrownik" getragen. Links: Die Königin-Witwe Maria und der französische Präsident Lebrun.

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Der elfjährige K ö n i g P e t e r von Jugoslawien unb feine Großmutter, die Königin-Mutter von Rumänien verlassen bas Ritz-Hotel in London, um sich zum Bahnhof zu begeben und dann über Paris nach Belgrad zu reifen.

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