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Nr. 160 Drittes Blatt

Donnerstag, 12. Juli MH

Gießener Anzeiger ^General-Anzeiger für Oderhessen)

Wieder Friede in Arabien.

Bon unserem JH.-Berichierstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kairo im Juli.

Nach wochenlangen Verhandlungen ist in Tais in Arabien der Friede zwischen dem Imam Yahia und dem König Ibn Saud abgeschlossen worden. Das ist ein Ereignis das alle Propheten weiterer kriegerischer Verwicklungen in Arabien Lügen straft: es hat sich eben gezeigt, daß auch im 'fernen Arabien die Tatsachen stärker sind als die Wünsche irgendwelcher Interessenten, so daß es im Grunde genommen bei der Gleichge­wichtslage bleibt, die auch vorher zwischen dem Yemen und dem chedjas bestand. Zwar hat der Imam Yahia vom Demen auf bestimmt? Grenzgebiete verzichten müssen, auf den Hafen Dam, die Oasen des N e d j r a n , aber die Küsten- tiefebene, die sogenannte Tihama^ und die wich­tige Hafenstadt H o d e i d a sind i h m geblieben. Das einzige positive Ergebnis des Konfliktes ist somit, von diesen Punkten abgesehen, das völ­lige Verschwinden des kleinen Sul­tanats von Assir, das bisher als Pfuffer zwischen dem Yemen und dem Reiche Ibn Sauds lag. Als äußeres Zeichen dessen hat der Imam vom Demen auch sämtliche Angehörige des Fürsten­hauses von Assir an Ibn Saud ausgeliefert, um damit alle etwaigen Ansprüche dieses Herrscher­hauses ein für allemal zu beenden.

Wenn man diese territoriale Regelung in ihrer vollen Konsequenz verstehen will, so muß man da­von ausgehen, daß es sich für beide Teile bei die­sem Streit nicht um Lebensfragen handelte. Es war weder das Kerngebiet des Demen, noch etwa irgendein Kerngebiet Ibn Sauds bedroht. Es handelte sich um eine der für Arabien typischen Grenzkonflikte, die stets entstehen, wenn in einem der kleinen Grenzstaaten Thronstreitigkeiten auftauchen. Das war in Assir der Fall. Wenn

dort Einigkeit über die Nachfolge des vor einigen Jahren verstorbenen Jdrissi geherrscht hätte, wäre es kaum zur kriegerischen Auseinandersetzung ge­kommen. Nachdem sich die beiden Anlieger des strittigen Gebietes nun dahin geeinigt hatten, das Land von Assir untereinander aufzuteilen, war da­her der ganze Konflikt auch ausgestanden. Die Begleitmusik, die aus diesem Krieg Ibn Sauds gegen den Yemen einenVersuch zur Unterjochung des letzten großen arabischen freien Staates" machen wollte, hatte also Unrecht. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß Ibn Saud so weitreichende Absichten überhaupt nicht gehabt hat, und daß der Traum eines sogenannten Großarabischen Reiches nur ein Phantasieprodukt von Unbeteiligten war.

Das kommt im übrigen im Friedensvertrag sehr klar zum Ausdruck, da sich beide Staaten gegenseitig das Recht zugestanden haben, unab­hängig voneinander diplomatische Beziehun­gen zu anderen Mächten zu unterhalten. Wenn im Friedensvertrag auch eine Klausel enthalten ist, nach der beide Länder eine gemeinsame arabische Politik betreiben wollen, so ist darin nicht mehr zu sehen, als eine der üblichen Freundschaftsbeteuerun­gen, die nun einmal bei Friedensverträgen gang und gäbe sind. Ibn Saud weiß sehr wohl, daß der Demen ein unabhängiger Staat ist und bleiben wird, und daß es sich für ihn kaum verlohnen dürfte, dieses Gebiet zu erobern. Ganz abgesehen davon, daß man mit Fug und Recht daran zwei­feln kann, ob er hierzu auch militärisch in der Lage wäre. Wenn man das Ergebnis des Krieges auf eine Formel bringen will, so kann man vielleicht sagen: das Gleichgewicht in Arabien ist wiederhergestellt; mehr aber auch nicht, obgleich Ibn Saud durch diesen Feldzug stark an Prestige gewonnen hat.

Dieses politische Ergebnis des Friedens von Taif ist zweifellos auch geeignet, die Großmächte zufriedenzustellen, die in dieser Weltgegend gewisse Interessen wahrzunehmen haben: Großbritan­nien und Italien. Ihre Haltung in dem gan­zen Konflikt ist ja auch dadurch bedingt gewesen.

Mussolini aus der Dreschmaschine.

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Bei dem Ausdreschen des ersten Getreides, das auf dem neugewonnenen Irland der Pontinifchen Sümpfe bei Littoria geerntet wurde, arbeitete der Duce selber drei Stunden lang an der Dreschmaschine.

OieKönigsberg" in England.

Ein Funkbild von dem KreuzerKönigsberg" auf der Reede von Portsmouth.

Man muß sich klar darüber sein, wie unangenehm es für die Engländer gewesen wäre, wenn Ibn Saud tatsächlich den Demen erobert hätte. Das sogenannte Protektorat von Aden nach Singapur der mächtigste Stützpunkt der britischen Flotte im indischen Ozean hätte zum Nachbarn eine Großmacht erhalten, die keineswegs bequem ist. Aber hätten sich die Engländer dagegen ernst­lich wenden können, da sie doch mit Ibn Saud so eng befreundet, um nicht zu sagen, verbündet sind? Und dann hätte die Niederlage des Yemen doch auch in den Augen der Araber und Aethiopier eine Niederlage der Italiener bedeutet, die ihrerseits mit dem Yemen sehr Gut-Kind sind. Da nun aber schließlich Italien und England in dieser Welt­gegend eine gemeinsame Linie der Politik ge­funden haben, so ist nicht von der Hand zu weisen, wie schwer dieser unter Umständen durch die Er­oberung des Yemen gestört wäre. Es ist schon so, daß die Engländer mit der im "Frieden von Taif getroffenen Lösung sehr einverstanden sein können, da es auf diese Weise der britischen Politik möglich bleibt, gleichmäßig die Freundschaft mit den Italienern und Ibn Saud aufrechtzuerhalten und doch ihre maritimen Interessen zu wahren. Ja, noch mehr, sie haben möglicherweise durch ihre ge­schickte Diplomatie etwas erreicht, was sie seit lan­gem erstrebt haben: daß auch der Yman vom Yemen die britische Freundschaft schätzen gelernt hat.

Daß auch die Italiener mit diesem Frie­den einverstanden sein können, liegt angesichts der geschilderten Sachlage auf der Hand. Ihre Inter­essen im Yemen bleiben gewahrt, und sie können sogar eine Festigung ihres Einflusses verzeichnen, nachdem sich herausgestellt hat, wie wertvoll ihre diplomatische Stellung in diesem ganzen Spiel für alle Beteiligten war.

Und schließlich wird auch die übrige ara­bische Welt sich mit den hier geschaffenen Tat­sachen gern abfinden. Wenn zwei mächtige orien­talische Herrscher sich versöhnen, so ist schon das allein ein Grund für alle Angehörigen des Islam, sich zu beglückwünschen, denn man weiß auch im

Orient, daß d er F r i e d e der einzelnen Staaten untereinander ein Unterpfand für ihreUn» a b h ä n g i g k e i t ist, während aus Konflikten nur remde Mächte ihren Vorteil ziehen. Die Tatsache, daß Ibn Saud auf größere Eroberungen verzichtet hat, muß dabei besondere Befriedigung erwecken, weil nun die übrigen arabischen Staaten Trans­jordanien, Syrien und der Irak nicht mehr zu befürchten brauchen, daß Ibn Saud an territoriale Erweiterungen seines Gebietes denkt, die sich ja selbstverständlich gegen diese Länder richten müß­ten. Die Jnteressenahme der Großmächte hat zu deutlich gezeigt, daß das nicht ohne weiteres mög­lich ist, so daß der Frieden von Taif auch in die­sen Ländern beruhigend gewirkt hat.

Insgesamt darf man also erwarten, daß mit die­sem staatspolitischen Akt die Beunruhigung im Orient wieder einer gewissen Stabilität gewichen ist, die für einige Zeit wenigstens eine friedliche Entwicklung erwarten läßt.

Oie Kirchhainer Viehmarkthalle niedergebrannt.

]| Kirchhain, 11. Juli. Die etwa 60 Meter lange und 30 M/ter breite Kirchhainer Fe st- und Viehmarkthalle ist gestern abend bis auf die Grundmauern ein Raub der Flam- m e n geworden. In einer knappen halben Stunde war das Gebäude, ein etwa 30 Jahre alter Holz­bau, eingeäschert. Man vermutet, daß der Brand durch Selbstentzündung infolge der Hitze entstanden ist-

Gerechte Strafe.

LPD. Marburg, 11. Juli. Das Marburger Gericht verurteilte einen.S ch w ä tz e r , der die S A. in gröblich ster W ei s e beleidigt hatte, zu sechs Monaten Gefängnis.

Tefch°"d°v°r, Rn jSnen aus Potsdam entlehnten, naturalistilchen

Für die weitaus meisten Besucher Bayreuths, namentlich in der Festspielzeit, ist die Stadt am Roten Main so unlösbar mit dem Namen Richard , Wagners verknüpft, daß nur wenige der . markgräflichenRefidenzdie Aufmerksam­keit widmen, die sie verdient. Dank den guterhalte- ; neu oder in neuester Zeit wiederhergestellten Bau­denkmälern aus dem 18. Jahrhundert steht Bay­reuth in der Reihe der kultur- und kunstgeschicht- lich wichtigen Fürstenstädte der späten Barockzeit mit in vorderster Linie. Die für den jetzigen Zu­stand entscheidende Bauperiode ist aber doch die der Markgräfin Wilhelmine, geborene Prinzessin von Preußen, die als Gemahlin Friedrichs des , Vielgeliebten" (173563) dergestalt vomBau­wurm" des 18. Jahrhunderts besessen war, daß man noch heute die mainfränkische Residenz die Stadt der Markgräfin nennen darf. Sind doch die meisten Bauten von Bedeutung auf ihr Geheiß und unter ihrer tätigen Mitarbeit entstanden. Das Neue ' Schloß, das Opernhaus, die Anlagen und Lust­schlösser der Eremitage ohne Wilhelmine wgren sie voraussichtlich nicht das, was sie uns heute sind.

Als die kritische Schwester Friedrichs des Großen am 22. Januar 1732 an der Hand ihres Erb­prinzen zum ersten Male ihre neue Heimat betrat, muß Bayreuth, obwohl schon länger als ein Jahr­hundert Residenz der Markgrafen von Branden­burg-Kulmbach. noch ein recht armseliges Nest und die schwiegeroäterliche Hofhaltung nicht gerade nach der neuesten Mode zugeschnitten gewejen sein. Noch zwölf Jahre später, als Wilhelmine ihre Denkwür­digkeiten zu Papier brachte, denkt sie mit Schaudern an die mit saurem Wein, Rosinen und Zwiebeln an- gemachtenteuflischen Ragouts", mit unverhohlener Verachtung an die mit Spinneweben tapezierten, schmutzigen Gänge und die zerfetzten Damastvorhänge imAlten Schloß", in dem das junge Paar zu­nächst Wohnung nahm. Was außer diesemAlten Schlosse", einer unregelmäßigen, burgartigen Anlage aus dem 17. Jahrhundert, sonst noch an Bauten aus vorwilhelminischer Zeit in Bayreuth vorhanden ist läßt sich rasch aufzählen: die spätgotische Stadt­kirche mit der Fürstengruft, ferner eine große Laterne, das wildbarocke Reiterstandbild für den Markgrafen Christian Ernst als kaiserlicher Feld- marfchaU, und schließlich in der gewöhnlichder Brandenburger" genannten Vorstadt St. Georgen ' die 1725 erbaute Kirche des Ordens de la sindentä ober des Roten Adlers, mit einem THch"

OasBayreuth der Markgräfin

Bon Ernst v. Aiebelschütz.

auf dem der Markgraf Georg Wilhelm, dieser Narr in solio", wie Liselotte von Orleans ihn betitelte, sich mit dem Manövrieren einer Mimatur- flotte zu vergnügen pflegte.

Das war ziemlich alles, was Bayreuth im Jahre 1732 von einer gewöhnlichen Landstadt gerade noch i unterschied. Denn die Menschen waren es gewiß nicht der Markgraf ein Säufer mit geschwächtem Verstand, die Damen und Kavaliere des Hofes dummwie ein Käsekorb",wie ein Koffer , ober wie bie Vergleiche ber Prinzessin noch lauten mögen. Aber alle biefe Zustänbe, so unerfreulich sie waren, scheinen bie verwöhnte Schwester bes großen Preu- ßenköniqs nur ermuntert zu haben, aus bemteuf­lischen" Nest einen Fürstensitz ganz nach ihrem eigenen Geschmack zu machen Unb bas ist ihrjn bem Vierteljahrhunbert ihrer Bayreuther Wirksam­keit überraschenb gelungen.

Was sie ansaht, zeugt immer non jener geistigen Wendigkeit und Munterkeit, durch die sich der Kunstdilettantismus der Frauen häufig f? VV genehm van dem der Manner unterscheidet Ziemitch unbekümmert im Benutzen fremder Vorbilder weiß sie doch ihren Schöpfungen die eigene Nate zu geben die Nate der Heiterkeit und sreien Anmutz die um ko überraschender wirkt, als man sie nach der Lektüre der allzu kritischen und oft boshaften Memoiren nicht erwartet. Ihr Geschmack ist mehr aus das Intime und Natürliche als auf das Groß­artige gerichtet, obwohl ihr in dem 1744 begonne­nen Opernhaus ein F^fttiaum gegluckt ist, der zu den repräsentativsten in Deutschland gehört. Das Lob bezieht sich vor allem aus den noch ganz erhaltenen Zuschauerraum, der durch die dreihig Meter tiefe Bühne zu einem Redoutensaal von wahrhaft fürstlicher Pracht erweitert werden konnte und dessen noch heute märchenhafte Schönheit trotz des unansehnlichen Materials Holz, Stuck und Pappe - in der Geschichte des Theaterbaues so­weit wir sie verfolgen können völlig ohne Vergleich dasteht Der Raum, von Guifeppe und Carlo B biena stuckiert, ist nicht Rokoko, sondern ein verspätetes italienisches Barock seine Grundfarbe ; schi f-rblau, mit einer verschwenderisch ausge reuten Golddekoration, die namentlich an der Furstenloge

1 in der Mittelachse ihre Triumphe feiert.

Das zweite Werk Wilhelmines wenn wir von den zahlreichen auf markgräfliche Anregung zurück- aebenben Privathäu ern in ebler Sanbstemquabe- ?ung absthfn bürfen - ist basNeue Schloß" von 1754 unb bas ältere Opernhaus, von St. Pierre erbaut Das schönste baran ist bie Innenausstattung Ln ionpn niis Votsbam entlehnten, naturalistilchen

Rokokvformen, bie ben Raum in eine heitere Blumenlaube zu verwanbeln scheinen, wie fid) denn bie Markgräfin in ben kleinen Abmessungen des Buboirs wohler fühlte als en scene barin ganz bas Kinb einer Zeit, in ber sich ber Uebergang von bem gekünstelten Schäferstil bes Rokokos zur wirklichen, ungeschminkten Natur vollzog. Von ben vielen, entzückenb betorierten Zimmern bes Schlosses sei ber kostbare Speisesaal genannt, eine braunver­täfelte Galerie, bie Wänbe von Palmen gegliedert, über bereu Kronen sich bie Decke als ein blauer, von golbenen Drachen unb Vögeln burchflogener Himmel wölbt.

Aber was wäre bas Bayreuth ber Markgräfin ohne ben länblichen Luftfitz in feiner Nähe, bie Eremitage"! Die reizenbe Parkanlage, an drei Seiten vom Roten Main umflossen, stammt noch aus ber Zeit Georg Wilhelms, boch war ba- mals basObere Schloß" noch bas, was ber Name besagt: ber Schauplatz eines geheuchelten Einsiebler- lebsns, gespielt von ber Hofgesellschaft, bie sich hier in künstlichen Grotten zuBußübungen" versam­melte. Diesem Firlefanz machte bie aufgeklarte Markgräfin ein schnelles Enbe, inbem sie bie Zellen | wohnlich ausgestalten ließ unb so bie Eremitage in ihr Sanssouci" verwanbelte, wo nun in fort- ! schreitenber Bauführung ein liebenswürbiger, welt- offener Geist Wohnung fanb. In bieser ausgelufteten Eremitage hat bie Markgräfin 1744 ihre Memoiren geschrieben.

Ganz ihr eigenes Werk ist basUntere Schloß ober Orangerie, eine halbkreisförmige Arkaben- galerie mit einem Sonnentempel in ber Mitte unb einem System von Treppen unb Wasserwerken im Parterre, bas in Verbinbung mit bem Grün bes Gartens ein Gesamtkunstwerk von seltenem Reiz bildet zumal heute, nachbem ber bayrische Staat bie ganze Anlage, Architektur unb Wasserkünste einer benkmalspflegerisch mustergültigen Wieberher- stellung unterzogen hat, bie er mit Recht bem An­denken einer ber bebeutenbften Frauen bes 18. Jahrhunberts schulbig zu sein glaubte.

Denn zuletzt ist es eben boch ber Geist ber Markgräfin, nicht ber bes ehrlichen, aber simplen Gemahls, ber in Bayreuth unb Hessen Um­gebung hier wären noch bie NieblichkeitenFan­tasie" unbSanspareil" zu nennen seine unver­wechselbaren Spuren hinterlassen unb ben Namen ber kleinen fränkischen Resibenzstabt für immer mit bem ber Lieblingsschwester Friebrichs bes Großen üerbunben hat.

ShakespearesWintermärchen" im Marburger Schloßparktheater.

ShakespearesWintermärchen" ist ben Marbur­ger Feftspielbesuchern nicht unbekannt. Nach bem überroältigenben Einbruch ben bieses zauberische Spätwerk bes größten bramatischen Genies ber germanischen Welt bei seiner Aufführung im ver­gangenen Jahre hinterließ, ist man ber Marburger Festspielleitung zu Dank verpflichtet, wenn sie es nachmals auf ben Spielplan setzte. Unb man kann nach ber Erstaufführung in ber biesjährigen Spiel­zeit sagen, baß bas Stück in Ausstattung unb Spiel noch eine Steigerung erfahren hat, bie nicht mehr überboten werben kann. Immer roieber berounbcrt man bie Entfaltungsmöglichkeit, welchen ber breite Raum ber Marburger Freilichtbühne gerabe für bie Aufführung berarfiger Stücke mit ihren bunt- bewegten Massenszenen bietet unb bie Festspiellei- ter Dr. Fritz Bubbe sowie Bühnenbilbner Franz Merz geschickt auszunutzen verstehen. Das ausge­zeichnete Ensemble verhalf ber eigentümlichen Shakespeareschen Verbinbung von zwei Welten, ber höfisch-gesellschaftlichen unb ber bäuerlichen, in vor­trefflichem Zusammenspiel zu einbringlicher Wir­kung, vorteilhaft aufgelockert burch bie artistischen unb Satyrtänze ber Tanzgruppe Günter H e ß. Es ist eine Lust für bie Tänzer unb Tänzerinnen, um gebunben unb frei auf ber breiten Naturbühne ba- hinzuwirbeln. Meisterhaft unb lebenswahr gestaltet Lothar Körner als König von Sizilien bie ver- blenbete Eifersucht bes Gatten unb seinen reumüti­gen Zusammenbruch. Seine Leistung feierte beson­ders in ber büster-strengen Gerichtsszene höchste Triumphe. Neben ihm bie beispielhafte Darstellung ber Königin Hermione burch Renee Stodrawa, ihre Unnahbarkeit, stolze Reinheit unb ßeibbereih schäft trotz aller Kränkungen. Hugo Firmbach verkörperte ben König von Böhmen voll männlicher Schönheit unb königlicher Würbe. Das Liebes­paar PerbitaFlorizel fanb in $anft Raffel unb Hansgeorg Laubenthal vortreffliche Ver­treter. Den Höhepunkt heiteren Genusses verschaff­ten, wie schon so manches Mal, bie köstlichen Cha- rafterftubicn bes alten Schäfers burch Lubwig L i n f m a n n , seines Sohnes burch Freb Schroer unb bes Spitzbuben Autolicus burch Paul R o l a n b. Ausgezeichnet waren die Leistun­gen von Robert F o r s d) als Antigonus, Mathilde Rebler als Pauline unb Karl Striebeck als Schäferknecht. Oft spontan mitten in ben Szenen einsetzenber Beifall galt ber Geschlossenheit ber Auffyhrung, bem schönen Bühnenbilb unb ben ber- üorrqgenben Einzqlleistungen.