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Nr. 134 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Dienstag, 12. Juni 1954

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Persien im Spiel der Mchte.

Zum Besuch des Schahs in Ankara.

Die Engländer sind auch auf Schah Rhiza Khan Pahlawi, den Beherrscher von zehn Millionen Menschen und diktatorischen Gebieter über 1,6 Millionen Quadratkilometer Boden nicht gut zu sprechen und das, obwohl der unerquickliche Streit zwischen der persischen Staats- und Schatz­kasse und der von der britischen Admiralität kon­trollierten Anglo-Persian Oil Company von den dazu eingesetzten Dölkerbundsinstanzen ge­schlichtet werden konnte. Beide Teile fahren seit­dem mit dem salomonischen Urteil von Dr. Benesch nicht schlecht. Die Anglo-Persian garantiert der Re­gierung in Teheran eine jährliche feste Einnahme von einer Million Goldpfunden und wird ihrerseits bei der Ausbeutung der Petroleumfelder Südper­siens sicherlich nicht zu ihren Ungunsten abschneiden.

Der Teheraner Korrespondent derTime s" hat vor einiger Zeit dem englischen Mißtrauen gegenüber den neupersischen Regierungskünsten und Verwaltungsgewohnheiten beredten Ausdruck ver­liehen. Mit süßsauren Worten kommt dabei zum Ausdruck, daß sich die Dinge in den vergangenen neun Jahren 1925 bemächtigte sich Rhiza Khan Pahlawi bekanntlich auf etwas aewaltsüme, aber nicht ungewöhnliche orientalische Art des Pfauen­thrones doch wesentlich gebessert hätten. Die Finanzlage sei, wenn auch nicht befriedigend, so doch auch nicht mehr katastrophal; die zu Unbot­mäßigkeiten neigenden Räuber und Nomadenstämme unterboten und entwaffnet; die Verkehrsverbin­dungenhundertmal" besser usw.

Was verdrießt denn also, so fragt man sich ver­wundert, die Engländer? Persien ist weder briti- sche Kolonie noch britisches Mandat. Es könnte mithin der gutenTimes" gleichgültig sein, ob die Militärbegeisterung des Schahs soweit geht, daß er einen turkmenischen Häuptling mit einem Tritt vor den Bauch bestrafte, als dieser es wagte, bei einem Pferderennen den ersten Platz vor einem persischen Offizier zu belegen. So ein unsportliches Verhalten kostete dem Schah natürlich alle englischen Sympathien. Nein, der britische Aerger muß andere, weniger sportliche Gründe haben. Ihnen nachzuspüren, ist gerade in diesen Tagen, da sich der Schah zu einem Besuch in Ankara auf­gemacht hat und dre Türkei wiederum im Gefolge der Sowjetunion eine gewisse Rolle in Genf spielte, sicherlich nicht uninteressant.

Der Blick in ein politisches Handbuch der Vor­kriegszeit würde Persien aufgeteilt zeigen in drei Gebiete, in die nördliche russische Interessen­sphäre, deren Südgrenze vom Sohab bis Jspahan und Jesd reichte und die Hauptstadt Teheran ein­schloß, in die östliche an Afghanistan grenzende englische Interessensphäre, deren Westgrenze von Birdjano über Karman nach Bender reichte, und in das dazwischenliegende W ü st e n g e b i e t. Don einem souveränen Staat konnte in bezug auf das Persien der Vorkriegs-, Kriegs- und ersten Nach­kriegszeit nicht gesprochen werden. Erst das außen­politische Erstarken S o w j e t r u ß l a n d s und die damit ständig gesteigerte Spannung zwischen der britischen und russischen Politik im vorderen Orient ermöglichte es dem neuen Persien, sich einigermaßen zu behaupten. Rhiza Khan Pahlawi ver­stand es außerordentlich geschickt, sich die Unter­stützung Moskaus zu sichern, ohne den Engländern einen direkten Anlaß zum Einschreiten zu bieten. Die Russen wiederum waren klug genug, nicht die plumpe Diplomatie der Interessensphären aufzu­greifen, sondern sich ihren Einfluß auf dem Um­wege über gelegentliche Hilssstellungen und wirt­schaftliche Vorzugsangebote zu sichern. Man muß dem persischen Schah schon das seltene Zeugnis politischer Klugheit ausstellen, daß er, Herrscher eines Staatswesens, in dem eine wohlwollende aufgeklärte" Despotie mit den Resten des Feudal­wesens zu kämpfen hat, die Gefahr bannte, daß eine überstürzte Frühindustrialisierung Persien wehr­los zu einem Anhängsel der UdSSR, gemacht hätte Eine von Schweizer Instrukteuren verhält­nismäßig gut geschulte Armee stand ihm dabei zur

Seite

Sowohl Moskau wie London haben wiederholt Len Versuch unternommen, dem Schah zur Option zwischen ihnen zu zwingen. Er ist stets ausgewichen, ?a bat sich nicht gescheut, den Engländern wie der Streit mit der Anglo-Persian Oil bewies arob zu kommen. Möglich war em solches Verhal­ten natürlich nur durch eine Anlehnung an die beiden enq verbündeten Mächte S o wj e tru ß - land und die Türkei. Mit letzterer Macht mieten dazu erst gewisse Schwierigkeiten bet-it.g und gewisse Mißverständnisse aus der Welt geschafft werden, die im Gefolge der Kurdenfrage auf- qetaucht waren. Als sich die türkische Regierung nämlich vor zwei Jahren entschloß, die aufitandl- schen kurdischen Stämme endgültig niederzuschlagen, mußte sie die Erfahrung machen, daß sich die frei- beitsliebenden Rebellen beim Herannahen starker türkischer Truppen über die Grenzen i n p e rsi - sches Gebiet zurückzogen. Daraus entstanden Grenzstreitigkeiten6 unb ein scharfer Notenwechse zwischen Ankara und Teheran, der beinahe zu Feindseligkeiten geführt hatte, wenn nicht die Sow jets vermittelnd emgegriffen hatten. Die Türkei konnte um so eher einlenken, als die völlige Nieder roerfung der Kurden gelang. Bald darauf lm No­vember 1932, sand in Ankara eine Besprechung zwischen dem türkischen und persischen Außenmm. ster statt, in der alle Differenzen zwischen den bei­den Ländern beigelegt werden konnten.

Der Eindruck, den die Perser von der straffen Zusammenfassung und der halb parlamentarischen, halb diktatorischen Führung der Staatsgeschafte in der Türkei gewannen, muß außerordentlich groß gewesen sein; entschloß sich doch Schah Rhiza Khan

Oie neue marxistische Terrorwelle in Oesterreich.

Sin neuer Sprengstoffanschlag.

Wien, 11. Juni. (DNB.) Nach dem neuesten Lagebericht der Sicherheitspolizei ist in der Nacht auf der Triester Südbahn st recke bei Steinhaus am Semmering ein neuer Spreng- stoffanschlag auf das Bahngleis verübt wor­den. Der Eisenbahnverkehr wurde zunächst durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Bahnkörper konnte jedoch in kurzer Zeit wieder in Ordnung gebracht werden. Der Verkehr wickelt sich auf der Südbahnstrecke wieder normal ab. In den Bundes­ländern haben sich ferner im Laufe der letzten Nacht Sprenastoffanschläge ereignet. Ferner teilt die Sicherheitspolizei mit, daß in Wien im Laufe der Nacht ein umfangreiches Waffen­lager beschlagnahmt wurde, bei dem 117 Handgranaten, Bomben und Sprengkörper gefun­den wurden. Die Polizei erklärt, daß es sich hier­bei um die gleichen Sprengkörper handelt, die in den letzten Tagen bei den Sprengstoffanschlägen auf Eisenbahnbrücken und Eisenbahngleise verwendet wurden. Das Kabinett wird, wie verlautet, noch heute zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen­treten, um über weitere Maßnahmen zu beraten. Auch internationale diplomatische Schritte sollen erwogen werden.

*

Was die österreichischen Kleingeister an Zerrissen­heit anstifteten, ruft das Wort ins Gedächtnis, das vor hundert Jahren einer der graziösesten Wiener Lokaldichter prägte, Ludwig Bauernfeld, Da­mals, unter Metternichs Regiment, war äußerlich Oesterreich das Land der Phäaken an der Donau, wo sichimmer der Braten drehet am Spieß". Aber Bauernftld schrieb:Zittere, großes Oesterreich vor deinen kleinen Beamten".

Seit der Bundeskanzler Dollfuß nicht wagte, das Volk Oesterreichs an die Urne zu rufen, um zu bestätigen, ob es das Regiment der Dollfuß, Fey und Starhemberg autorisiere, ist bas Regierungs­schiff zwischen zwei Klippen hin- unb hergeschleu- bert worben. Einst warben bie Marxisten um Herrn Dollfuß, bamit der Nationalsozialismus zwi­schen bem marxistischen unb dem schwarz-gelben Mühlstein zerrieben werbe.

Dem offiziellen Bünbnis mit dem Marxismus standen römische Belange entgegen. Aus diesen Interessen heraus erfand Dollfuß den besonderen österreichischen Menschen, und statt auf dem Wege über den Dolkswillen eine national- deutsche Reformpolitik zu beginnen, kam es zu dem furchtbaren Bürgerkrieg, nachdem jahrelang gerade die Christlich-Sozialen des Herrn Dollfuß mit dem Marxismus paktiert unb zugelassen hatten, baß er sich schwer bewaffnet. Ein Typ dieses kleri­kalen Marxistenfreundes war ber Wiener Führer ber Christlich-Sozialen Kuntschak, ber Oester­reichs Erzberger sein wollte. Heute bezichtigen bie geflohenen Marxistenführer Dollfuß unb bie Seinen, er habe solange mit ben Marxisten verhandelt, bis bie Zeiten reif für bas Wiener Blutbad geworden seien. Damals wurde hier der vollkommene Gegen­satz der Dollfuß-Methoden zu denen des Dritten Reiches bargelegt. Der Nationalsozialismus war zur Macht burch das Volk gelangt unb hat die Macht hart unb unbarmherzig gegenüber nihilisti­schen Elementen angewanbt, dadurch aber bie Um blutigfeit bes Umbruchs erreicht. Dollfuß bagegen hat gegen bas Volk unb ohne es zu befragen Oesterreich in ben Wirbel ber Anarchie gestürzt, er hat Blut gesät unb erntet Haß.

Wer auch nur wenig vertraut ist mit ber Vorstel­lungswelt Des Marxismus, weiß, baß gerabe ber Austromarxismus, ber im Linzer Programm terroristische Maßnahmen nicht verwarf, in Dollfuß ben Mann erblickt, ber mit marxistisch-moskowiti- schen Mitteln bekämpft werben muß. Unmittelbar nach bem Versuch, ben Marxismus mit Stumpf unb

Stiel baburch auszurotten, baß man feine Massen nicht, wie es in Deutschland geschah, von ben Irr­wegen abzog, sonbern sie zu vernichten versuchte ein irrsinniges Unterfangen, ba baburch 49 Prozent aller ehemaligen Wähler in Kampfstellung gerieten setzten einzelne Terrorakte ein, bie zunächst von ber Dollfußregierung in Bausch unb Bogen ben Nationalsozialisten angefreibet würben. Aber bas ßügengebäube ist schnell zusammengebrochen.

Der Nationalsozialismus als Jbee unb Bewe­gung lehnt ben Jndivibualterror ab, der ein Pro­dukt des Marxismus iift. Sein männliches Prinzip weicht keinem Gegner aus, aber nihilistische Un­taten sind Verzweiflungsakte geistig Verkümmer­ter, Fanatisierter, die, wie die Sozialrevolutionäre im alten Rußland und die marxistischen Syndika­listen, bes Wahns sind, durch Schreckenstaten könne eine Aenderung schlechter Zustände herbeigeführt werden. Der Nationalsozialismus will dagegen Auf­klärung der Massen und Durchbruch des natio­nalen Massenwillens. Beides wollen Dollfuß und die Marxisten nicht. Ein Wiener Blatt hat vollkom­men recht, wenn es Dollfuß anklagt, die Attentate einiger kleiner Gruppen von Terroristen hätten einen Zustand herbeigeführt, der sich nur mit den

Berlin, 11. Juni. (DNB.) Aus Anlaß der An­wesenheit des Reichserziehungsministers Rust in den Ländern Baden, Württemberg und Bayern fanden unter Hinzuziehung der beteilig­ten Referenten eingehende Besprechungen über alle im Vordergrund stehenden Fragen des Schul- und Hochschulwesens statt. Die Verhandlungen führten zu einer vollen Uebereinftimmung hin­sichtlich ber in allernächster Zeit burchzuführenben Reformmaßnahmen mit bem Ziele weiterer Vereinheitlichung unb Vereinfachung bes Unterrichtswesens. Außer ber vom Reichsminister Rust in feiner Münchener Ansprache bereits bekanntgegebenen Vereinbarung mit bem Reichsjugenbführer Balbur von Schirach über bie Abgrenzung ber zeitlichen Inan­spruchnahme ber Jugenb burch Eltern- Haus, Schule unb Staatsjugenb stauben bie Fragen bes Schuljahrbeginns, ber i n - neren Schulreform, ber Verwaltungs­vereinfachung auf bem Gebiete bes Schul- unb Hochschulrechtes sowie ber Lehrerbilbung im Vordergrund ber Derhanblungen.

In München besuchte ber Minister u. a. bie Universität unb würbe bort von bem Rektor ber Universität unb ber Technischen Hochschule über­aus herzlichst begrüßt. Der Rektor wies auf bie historische Bedeutung bes Augenblicks hin, ba zum ersten Male in ber beutschen Geschichte ein für bie nationale Erziehung ber beutschen Jugenb verant­wortlicher Reichsminister gerabe von den Münchener Hochschulen begrüßt werben könne. In einer aus­führlichen Ansprache bankte ber Minister ber Hoch- schulleyrerschaft unb ben Stubenten unb benutzte bie Gelegenheit zu längeren grunbsätzlichen Ausfüh­rungen über bie Stellung ber Wissenschaft im natio­nalsozialistischen Deutschen Reich.

3n Ergänzung ber Ausführungen, die ber Reichs­erziehungsminister vor ber bayerischen Lehrerschaft bes RLLV. über bie tommenbe Jt e u e i n t e i - lung bes Schuljahres machte, erfahren wir von amtlicher Seite: Der Plan einer Reueinteilung bes Schuljahres sieht gegenüber ber in Preußen geltenben Ferlenorbnung als Wesentlichstes eine Verlängerung ber Sommerferien um

sprichwörtlichen ^mazedonischen Zuständen" ver­gleichen lasse.

Das neue Deutschland ist durch den National­sozialismus ein starker Staat der Zucht und Ord­nung, durch Dollfuß ist Oesterreich das Gegenteil geworden. Wie jämmerlich ist eine Regierung, die nicht in der Lage ist, ihren Anspruch auf Autorität durchzuführen, die immer versicherte, sie sei stark und das Volk wolle diese Regierung und Ordnung, und dann sehen muß, daß ihre Methoden das Gegen­teil erzeugen. Bisher hat die Regierung Dollfuß, ob­gleich sie grundlos die schwersten Anklagen gegen den Nationalsozialismus erhob, noch niemals nach­weisen können, daß die Urheber des Terrors Na­tionalsozialisten waren, sondern es stellte sich immer wieder heraus, daß die Terroristen Marxisten und die aufgefundenen Waffen im Besitz von Äustro» Marxisten roaren.^ Es ist doch beispiellose Brunnen- Vergiftung, wenn ohne weiteres von der klerikalen Presse alles, was in Oesterreich geschieht, den Na- tionalsozialisten ^ugeschoben wird, ohne daß auch nur die Spur eines Beweises vorhanden ist, daß die Marxisten frei herumlaufen, aber die Träger des nationalen Erneuerungsgedankens in Oesterreich vogelfrei sind.

etwa vier Wochen vor. Die übrigen Ferienzeiten werben eine entsprechenbe Kür­zung erfahren.

Diese zusätzlichen vier Wochen Sommerferien sol­len ber Lehrerschaft bazu bienen, s i ch a H n jährlich in Gemeinschaftslagern na- tionalpolitisch, wissenschaftlich unb körperlich z u überholen. 3n biefen vier Sommerwochen soll sich ber beutsche Lehrer in Ge­meinschaft unb Kamerabschaft immer roieber von neuem bie Kraft holen, um an ber ihm anvertrau­ten beutschen 3ugenb bie Ausgaben erfüllen zu kön­nen, bie ihm ber nationalsozialistische Staat zvge- roiefen hat. Am als Führer nicht nur in bet Schule, sonbern im Leben selbst Vorbilb sein zn können, erforbert es bes immerwährenben Ein­satzes aller Kräfte unb aller Erprobung ber ganzen Persönlichkeit. Eine solche Erprobung sollen bähet bie vier Wochen Gemeinschaftslager für ben Lehret ebenfalls barstellen. Aus diesem Grunde ist bie verlängerte Ferienzeit gleichzeitig auch gebucht als eine ftänbige, alljährlich wieberkehrenbe Lei- ftungsprüfung, bei ber sich zu ergeben haben wirb, wer als Lehrer unb Erzieher für sein ver­antwortungsvolles unb hohes Amt noch b ie n o 11 roenbige jugenbliche Spannkraft be­sitzt, ohne bie roeber nach nationalsozialistischen Zie­len erzogen, noch in nationalsozialistischem Geiste gelehrt werben kann. Der Lehrer wirb baher in Zukunft mit bem Staatsexamen nur eine notwen- bige vorbilbung abgeschlossen haben, nicht seine Bilbung überhaupt. Bei ihm, ber in täglicher un­mittelbarer Verbinbung mit ber 3ugenb steht, heißt sie: Fortwährenbe Ergänzung unb Hebung aller Kräfte.

Die vier übrigen Ferienwochen wer­ben bem Lehrer uneingeschränkt für seine Fa­milie unb zu seiner anberroeitigen Verfügung stehen. Das übrige Schuljahr ist nur noch bu-ch wesentlich kürzere Ferien zu ben Weih- nachts- unb Offerfelerfagen unterbrochen.

Neueinteilung des Schuljahrs.

Um vier Wochen verlängerte Sommerferien. Alljährliche Gemeinschafts­lager her Lehrer.

Pahlawi, nach türkischem Muster eine geschlossene persische Volkspartei als Stutze seiner Regierung zu gründen. Seitdem läßt sich eine ständige freund­schaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten verzeichnen. Trotzdem besitzt die jetzt angekündigte Reise des Schah nach Ankara einen so starken demonstrativen politischen Charakter, daß die freundschaftliche Zusammenarbeit an sich zur Er­klärung kaum ausreicht. Es dürfte auch kaum ein Zufall sein, daß sie zu einer Zeit erfolgt, in der von türkischer Seite die Dardanellenfrage neu aufgeworfen wird, in der die Türkei in Genf eng an der Seite Rußlands aufmarschiert und da­für das besondere Wohlwollen Frankreichs erntet. In Moskau kennt man noch aus derfluchwürdi­gen" zaristischen Zeit her die Hebel, deren man sich zu einem Druck auf England bedienen muß. Sie lassen sich am wirkungsvollsten im vorderen Orient ansetzen. Was vermöchte aber dem eng­lischen Einfluß in Persien mehr schaden als ein jo offenkundiger Anschluß des Schahs an das franzo- sisch-russisch-türkische Paktsystem?

Kommunistische Propaganda in der englischen Wehrmacht.

London, 11. Juni. (DNB.) Das konservative Unterhausmitglied Generalmajor Sir Alfred Knox fragte den Staatssekretär für Auswärtige Angele­genheiten, ob ihm bekannt fei, daß die Dritte Inter­nationale von Moskau augenblicklich aufrühre, rische Propaganda unter den briti­schen Truppen unternehme und welche Aktio­nen dagegen geplant seien. Der Finanzsekretär des

Kriegsamtes, DuffCooper, erwiderte: Die Ant­wort auf den ersten Teil der Anftage lautet beja­hend. Es würde nicht im öffentlichen 3 n = t e r e ff e liegen, die verfügbaren Informationen zu veröffentlichen. Eine Aktion kann nur un­ternommen werden, wenn genügend Beweismaterial dafür vorhanden ist, daß ein Bruch des G e - fetzes stattgefunden hat. Knox gab sich mit dieser Antwort jedoch nicht zufrieden. Er betonte, daß Agitationsmaterial der Dritten Internationale i n täglichem Umlauf unter den britischen Trup­pen sei und forderte das Foreign Office auf, g e - gen di e russische Regierung, ohne deren Zustimmung die Kommunistische Internationale nicht einen Tag bestehen könne, vorzugehen. Duft Coo­per erklärte, daß die Vorlage zur Erleichterung der Bekämpfung staatsfeindlicher Umtriebe den Behör­den es ermöglichen würde, gegenüber den Leuten, die dieses Materiatt in Umlauf setzten, wirksamer vorzugehen.

Deutschlanh tritt hem Waffenausfuhr­verbot nach Bolivien unh Paraguay bei.

Genf, 11. Juni. (DNB.) Dem englischen Bot­schafter in Berlin ist auf seine Anfrage wegen der Haltung Deutschlands zum Waffenausfuhrverbot nach Bolivien und Paraguay folgende Antwort erteilt worden:Die deutsche Regierung erklärt, daß sie auch nach ihrem Austritt aus dem Völkerbund den Grundsatz der Erklärung vom März 1933, die sie mit anderen Staaten im Völker­bund unterzeichnet hat, weiter anerkennt, wonach die Ausfuhr und der Transport von Waf­

fen, Kriegsmaterial, Flugzeugen oder ihren Teilen, sowie Munition, die nach den kriegführenden Län­dern Bolivien und Paraguay bestimmt sind, ver­boten werden." Die deutsche Regierung hat hin» zugefügt, daß sie bereit ist, im Einklang mit dieser Erklärung zu handeln, vorausgesetzt, daß alle anderen beteiligten Regierungen sich wie früher verpflichten, ebenso zu verfahren.

Wo bleibt die Abstimmungs- kommission?

Das Laargebict wartet?

Saarbrücken, 12. Juni (WK.) Ziemlich sang- und klanglos hat die hohe und höchste Diplo­matie nun wieder Genf verlassen, unb nur noch wenige Schlachtenbummler bevölkern die Straßen der schönen Schweizer Stadt. Die weitere Betreu­ung der laufenden politischen Angelegenheiten, so­weit sie die Maschinerie des Völkerbundes angehen, liegt nun bei dem Völkerbundssekreta­riat selbst, nachdem die maßgebenden auslän­dischen Staatsmänner wieder nach Hause zurückge­kehrt sind. Umso nachdrücklicher muß immer wie­der daran erinnert werden, daß dem Völkerbunds­sekretariat laut Entschließung der Ratsversamm- lung noch eine außerordentlich wichtige Aufgabe be­vorsteht, nämlich sich um die endgültige Zu­sammensetzung der Dreierkommission für die Abstimmung im Saargcbiet zu bemühen, um die Kandidatenliste so rasch wie mög­lich den Ratsinstanzen zur Genehmigung vorzu­legen. Wir haben schon vor einigen Tagen das Be­denken gehegt, daß möglicherweise durch ben büro-