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Ser lange Weg zum Weltrekord.

Von der Nömerstraße zur Avus.

Auf der Berliner Avus hat der Rennfah­rer Hans Stuck mit dem neuen Rennwagen der Auto-Union den Stundenweltre­kord für Deutschland erobert. Mit einer Leistung von 217,110 Kilometern steht Deutschland zum ersten Male auf der Re­kordliste.

Als der Rennfahrer Hans Stuck diesen Welt­rekord aufstellte, erreichte er in der Geraden der Avus Geschwindigkeiten, die 240 Kilometer über­stiegen, und seine schnellste Runde wurde mit 220,885 Stundenkilometer gemessen: das sind Ge­schwindigkeiten, die noch vor wenigen Jahren be­zweifelt worden wären; vor einem halben Jahr­hundert noch hätte man solche Rekorde für unmög­lich gehalten, vor einem Jahrhundert aber wäre jeder, der solche Zahlen genannt hätte, ausgelacht worden, denn damals war es die Zeit, in der die ersten Eisenbahnen zu laufen begannen, als die Aerzte meinten, diese Geschwindigkeiten des neuen Verkehrsmittels könnten Krankheiten für die Rei­senden und für die Zuschauer hervorbringen, als der Herzog von Wellington sich dahin äußerte, kein menschliches Wesen sei imstande, einen Luft­druck von mehr als 16 Meilen in der Stunde aus­zuhalten ... so ist die Geschichte der großen Ge­schwindigkeiten, die schließlich zu den Weltrekorden führen, ein immerwährender Widerruf von Irr­tümern und falschen Ansichten, die durch Tat und Leistung aufgehoben wurden, sie ist aber auch ein langer 'Weg, der durch kulturgeschichtlich fesselnde Kapitel menschlicher Bemühungen und andauernden Strebens führt.

Wenn Julius Cäsar reiste, benutzte er den vierrädrigen offenen Reisewagen der Römer, mit dem er es bis auf 20 deutsche Meilen am Tage brachte; hatte er große Eile, so konnte er mit dem zweirädrigen Karren bei häufigem Wechsel der Pferde oder Maultiere sogar 25 Meilen täglich zurücklegen. Solche Strecken brauchte man nicht an den Meilensteinen abzulesen, die an den Straßen­rändern aufgestellt waren: es gab schon Meßvor­schriften, die im Wagen selbst angebracht wurden die Vorläufer der heutigen Taxameter. Auch sonst wirkt der Reiseluxus der Römer vielfach ganz mo­dern; es gab Bücher in Reisebuchform, es gab Stra­ßen und Stationsverzeichnisse und Wegkarten, die Vorläufer der heutigen Kurs- und Reisehandbücher, von denen eins, das um 300 n. Ehr. züsammenge- stellt war, nicht weniger als 372 Römerstraßen­namen enthielt. Ja, man war bei der Massenhaftig­keit der vorhandenen Sklaven auch darauf verfallen,

solche Fahrzeuge durch Hebelwerke antreiben zu lassen, die im Wageninnern angebracht wurden ein so betriebener Reisewagen mag damals etwa wie ein Kraftwagen gewirkt haben.

Wieder hat sich nach Jahrhunderten die Anschau­ung von der Geschwindigkeit gewandelt. Wir sind in Deutschland, in einem Volkstum, dessen Götter­himmel, dessen Wanderzüge seit je untrennbar ge­wesen sind von dem Pferd und seiner Wertung; das Pferd war das einzige Mittel zur Ueberwin- dung des Raums. Im 15. Jahrhundert hören wir, daß die viel besuchte Strecke Augsburg-Venedig durchschnittlich in elf Tagen zurückgelegt wurde; durch häufigen Pferdewechsel kam man auf die Zeit von einer Woche. In Jahre 1494 vollbrachte ein Reiter des Herzogs Albrecht von Sachsen eine rei­terliche Leistung, eine Art Rekord: er überwand die Straße von Nürnberg nach Venedig in der außerordentlichen Zeit von vier Tagen und 103A Stunden statt in elf bis vierzehn Tagen.

Es hob sich im 15. Jahrhundert die Straße von Brüssel über Tirol nach Italien von vielen ande­ren Straßen als bedeutungsvoll ab. Um die kürzeste Linie zu gewinnen, wurden auch so unwegsame Strecken wie über die Eifel und den Hunsrück nicht vermieden; ihre Stationen waren alle vier bis fünf Meilen ziemlich gleichmäßig verteilt, und über­all waren Boten- und Pferdewechsel. Jeder o ft = reiter hatte auf seinem Stundenpaß die Zeit der Uebernahme seines Postsacks zu vermerken, und ein Bote löst den andern ohne Aufenthalt ab und ritt mit seiner gewöhnlichen Geschwindigkeit: eine Meile stündlich. So konnte die 764 Kilometer lange Strecke im Jahre 1504 in SVz Tagen zurückgelegt werden.

Und wieder drei Jahrhunderte später erbietet sich F u l t o n, der Erbauer des ersten Dampf­schiffs, Napoleons Schiffe mitkochendem Wasser nach England zu treiben" es war das Ver­hängnis des Korsen, daß er den Erfinder für einen Narren hielt und nicht erkannte, daß die Zeit an­brach, in der die Pferde durch die Pferdekräfte der Maschine abgelöst werden sollten. Auch auf ande­ren Gebieten drängte man auf die Ueberwindung des Raumes: 1832 wurde zwischen Berlin und Trier ein optischer Telegraph angelegt, mit dem man einen Satz über fünfzig Stationen in 15 Minuten befördern konnte. Gegenüber solchen Geschwindigkeiten mußte die Postkutsche bereits alt­modisch wirken. Goethe erkannte die ungeheure Bedeutung der Lokomotive auch für die poli­tische Neubildung Deutschlands:Es sei von Inland und Ausland unter deutschen Staaten nicht mehr die Rede". Als er diese Worte im Jahre 1828 I sprach, lief in England schon die Maschine Ste- p h e n s o n s mit der himmelstürmenden Schnellig­keit von 53 Kilometern in der Stunde.

Und wie stand es am Ende dieses Jahrhunderts? Deutschland hatte 1891 mit dem Doppelschrauben­dampferFürst Bismarck" erstmalig dasBlaue Band des Ozeans" errungen; als damals schnellstes Schiff der Welt brauchte er für die Strecke nach Neuyork 6 Tage, 11 Stunden, 44 Minuten. 1879 hatte die Berliner Gewerbe-Aus­stellung mit ihrer elektrischen Bahn einen unerwarteten Erfolg gehabt; sie legte ungefähr 5 Meter in der Sekunde zurück! Im Jahre 1903 wurde die Dampflokomotive von der elektrischen Schnellbahn geschlagen, als der Versuchszug der AEG. auf der Strecke MarienfeldZossen die doppelte Geschwindigkeit des schnellsten O-Zugs er­reichte: 210 Kilometer in der Stunde. Aber diese Leistung blieb aus wirtschaftlichen Gründen für den Verkehr nicht auswertbar.

Hören wir noch etwas über den Stundenrekord des Autos. Er betrug vor dem Kriege 173 Kilo­meter, war 1926 auf über 200 Kilometer gestiegen und erreicht jetzt mit der Leistung Hans Stucks feine augenblickliche Höhe, die nicht die letzte und endgültige fein wird. Aber wir sehen aus dieser kurzen Üebersicht der Geschwindigkeiten, daß es ein sehr langer und mühseliger Weg gewesen ist, den die Menschheit bis zu diesem Ziele zurückzulegen hatte.

Kinder.

Von Waldemar Keller.

Hellmuth ist ungezogen gewesen, will aber trotz­dem aus der großen Bonbonschachtel essen, die seine Mutter zum Geburtstag bekommen hat.

Hach!" lacht ihn die immer vergnügte Mutter aus,du, du willst ein Bonbon!? Da mußt du lange warten. Wenn ich blond werde--dann

kann der Junge eins kriegen." Die Mutter ist schwarz wie die Nacht.

Am andern Tage naht sich Hellmuch und sagt Gutenmorgen. Merkwürdig liebevoll streicht er sei­ner Mutter über die Haare.

Ein bißchen blonder bist du schon", flüstert er.

Der kleine Peter, noch nicht vier Jahre alt, geht am Sonntag mit feinen Eltern spazieren. In einem Gartenrestaurant wird zu Mittag gegessen.

Der Garten ist dicht besetzt. Peter interessiert sich für alles, nur nicht für fein Essen. Strenge Ver­mahnung.

Peter löffelt, aber immer wieder blickt er auf. Es scheint, daß ihn der Tisch nebenan, wo ein Sportjüngling mit seiner Weekend-Freundin Gänse­braten verspeist, ganz besonders fesselt.

Vater", fragt er plötzlich,foarf man mit dem Wester essen?"

Niemals, mein Junge."

Worauf sich Peter entrüstet zu jenem Mädchen am Nebentisch wendet und es anfährt:

Haste gehört? Nimm die Gabel!"

*

Heinz, 8 Jahre alt, sucht Beschäftigung. Man legt ihm Familienphotographien aus dem Jahre 1900 vor. Zum Besehen.

Das meiste interessiert ihn nicht. Aber das Bild der Großmutter, im würdigen, bis auf den Erd­boden reichenden Rock, starrt er lange an.

Vater", fragt er endlich, und Entsetzen zittert in seiner Stimme,Vater, hatte Großmutter keine Beine?"

*

Wolfgang geht mit seinem Vater spazieren. Er hat in der Schule etwas von Samentieren gehört, ohne begriffen zu haben, was das ist. Der Vater versucht, die Antworten auf die Fragen seines Sprößlings diplomatisch zu dämpfen, zumal man sich in einer viel begangenen Allee befindet. Aber Wolfgang läßt nicht locker. Endlich hat er kapiert.

Man geht wieder in die Stadt zurück. Da bleibt Wolfgang mit einem Ruck stehen, deutet kopftchüt- telnd auf ein Firmenschild und fragt:Was für ein Samentier ist denn das nun wieder?"

Furchtbar, ein Vater zu fein.

Auf dem Schild stand: Posamentier.

Baktenen-Mörder in Kalkutta.

Um Liebe und Erbschaften werden wohl die meisten Morde begangen. Eine Erbschaft von 25 000 Mark war es, die zwei indische Aerzte auf den immerhin nicht alltäglichen Einfall brachte, den un­liebsamen Nebenbuhler durch eine Bakterienvergif­tung zu beseitigen. Im November letzten Jahres wurde Amande, der verhaßte Alleinerbe der begehr­ten Tausender, durch ein geheimnisvolles Tele­gramm nach Kalkutta gerufen. Dort bemerkte er am Bahnhof, wie ein Unbekannter ihm nachschlich. Er fühlte einen leisen stechenden Schmerz am rech­ten Arm, dem er weiter keine Beachtung schenkte, der aber dann bald schwere Symptome zeigte. Die Blutuntersuchung, die von ärztlichen Autoritäten vorgenommen wurde, ergab eindeutig das Vorhan­densein von Pestbazillen einer besonderen Art, die in Kalkutta seit 50 Jahren nicht mehr vorge­kommen waren, wohl aber in Bombay. Dies wurde den Mördern zum Verhängnis, denn es erwies sich, daß der eine von ihnen, Dr. Bhattacharya, erst vor kurzem die Einrichtungen des Institutes zu Bom­bay besichtigt hatte, wo solche Bazillen gezüchtet wurden. Heber dietüchtigen" Mediziner wurde eine schwere Kerkerstrafe verhängt.

ilr. 60 Dritter Blatt

Aus der provinziathauptstavt.

Wenn die Schnepfe streicht.

Von Ernst Hölzel.

Als ich gestern am Bach entlangging, trippelte Wippstert", die Bachstelze, von Stein zu Stein, und heute saß der Rotschwanz auf dem Gartenzaun und knickste, als ich vorüberkam, gerade als wolle er sich von seiner Südlandreise zurückmelden. Unb dazu schien die Märzentonne so hell und lockend, daß e« kein Halten im Zimmer mehr gab. Denn Bach­stelze und Rotschwanz sind die Vorboten des Vogels mit dem langen Gesicht", der Waldschnepfe, die während des Winters in den Fruchtlandschaften der Mittelmeerländer auf den Tag harrte, wo em rätselhafter Trieb sie packte und mit unwidersteh­licher Gewalt in alljährlich gleicher Weise ihrer Brutheimat irgendwo in Deutschland, Rußland, Finnland oder Skandinavien zueilen ließ.

Es ist noch lange 'Zeit bis zur Dämmerstunde, in der der Schnepf streicht. Aber solchen Vor­frühlingstag muß man auskosten. Mit Gekrächze zieht ein Klug Saatkrähen über mich weg, indes ich mit dem treuen Hund zur Seite dem Walde durch Feld und Wiese zuschreite, das helle Juchzen der Dohlen mischt sich hinein, ein Bussardpaar zieht im Liebesspiel seine Kreise im blauen Aether. Silbern glänzen der Salweide Kätzchen am Wald­rand, der uns nun aufnimmt. Der Boden ist weich geworden von der Frühlingssonne und strömt den eigentümlichen Duft aus, der dem Waldboden eigen ist. Leise murmelt der Waldgraben, an dem das erste frische Grün sprießt. Ein Sprung Rehe zieht langsam über die Waldschneise, ein braver Bock ist darunter, der gut über die Lauscher geschoben hat. In drei Wochen, wenn er gefegt hat, wollen wir uns ihn noch einmal ansehen. An der Halde des Steinbruchs drängen die ersten Triebe des Huf­lattichs ans Licht. Fast hätte ich darüber die Katze übersehen, die sich wohl im Geröll sonnte und nun wie das böse Gewissen verschwinden will. Doch noch langt es, und schon fährt ihr die kleine Kugel des Schonzeitlaufes mitten ins Leben. Stolz schlägt sich der Drahthaar den oft bei Schnee gespürten Räuber um den Behang und bringt ihn seinem Herrn. Solch ein Schuß macht Freude, denn er bedeutet Vogelbrut und Junghasen. Auf die Höhe des Bergwaldes führt mein Weg dorthin, wo ich feit Jahren vergeblich den Märzbecher suche, das schöne, große Schneeglöckchen, das einst hier in großer Zahl gewachsen sein soll, bis menschliche Habsucht und menschlicher Unverstand es ausrotteten, um es in den Gärten der Stadt ein meist rasches Ende finden zu lassen. Ich folge dem Höhenweg, der in wenigen Tagen begleitet fein wird von einem bunten Teppich von Lerchensporn, Lungenkraut, weißer und gelber Anemone, und komme an den Hang, der gen Sü­den hin geneigt tagsüber warm in der Sonne lag und den der Berg gegen den Nordwind schützt.

Hier, wo Eschen, Weiden, Fichten und Lärchen zu­sammen mit jungen Buchen wachsen, wo am Wald- graben die ersten Schlüsselblumen zu leuchten pfle­gen und wo der Seidelbast im Verborgenen blüht und köstlich duftet, will ich den Abend erwarten. Dort drüben über der Lahn sinkt die Sonne, die Silhouetten der Buraen grüßen herüber. Mein Hund hat sich an mich oeschmiegt, den Kops auf dem Knie, sonst ohne Regung, als lausche er gleich mir dem Liede der Singdrossel, die dort oben auf der Spitze der Fichte singt. Es ist so still, daß man das Rascheln der Maus im Fallaub hört. Zur Rechten in einem Fichtenhorst rumort es, trappelt und raschelt, kommt näher, scheint zu sichern, macht kehrt und verstummt. Das Auge sieht nichts, nur das Ohrt verrät das rätselhafte Wefen; schon kommt es wieder, hält still, prüft wohl den Wind, der ihm verdächtig schien, und bann wechselt ein Dachs eilig auf altem Wechsel über eine kleine Lichtung. Der Hund zittert am gan­zen Körper. Er hat Lust zu einem Zweikampf wie einst im Herbst, als er untertags einen Dachs im Felde aufstöberte. Noch einer ber Familie Grim­bart folgt unb ein britter Schmalzmann schließt bie

Sieben« Anzeiger <Se»«al-A»zrlg« fflt vderhejien)Montag, N. März 1134

Gebt uns Brot!

Brotsammlung des Deutschen Jungvolks am 16. und 17. März.

Noch liegt große Not über manchen Teilen unseres Vaterlandes, noch gibt es auch Gegenden, die noch über das tägliche Brot verfügen. Da kommen Jun­gen, felber in der Not geboren, künden ein neues Wort, hart und schwer: Junge Kameradschaft. Sie tragen gemeinsam das Schicksal ihres Volkes, die Nol und feine Freude. Sie sind die jungen Banner­träger dort, wo die Gefahr droht, dort, wo Not herrscht. Und ihre Fackel leuchtet hinein in das Dun­kel, durchbricht strahlend die Finsternis, durch das Opfer des eigenen Ichs, für das Volk. Sie werden die Künder eines neuen Sozialis­mus, der nicht aus Witleid geboren wurde, sondern aus jener tiefen Kameradschaft alles zu opfern weiß, was ihm die Not auferlegt.

Als jene latenfreudigen Jungen kommen wir von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, klopfen an jede Tür, betteln nicht, sondern sprechen von jener großen Ausgabe: 2D i r müssen helfen, denn da drun­ten in den Städten fehlt noch das tägliche Brot. Und wieder werden wir stehen wie einst die Väter: Oberheffen in vorderster Linie an der Front. 3m stolzen Gefühl, einen neuen

harten Gegner bezwingen zu dürfen gegen alle Not, in dem ernsten Glauben an das Gelingen. Ihr aber müßt uns helfen zu bestehen, so wie ihr einst auf uns geschaut habt, in gläubiger Zuversicht an die Zukunft. Darum helft jenen Jungen, die am 16. undl7. WärzumdasläglicheBrotfür die hungernden mancher Städte bitten. Sie kommen im Namen des ganzen Volkes. Das gesamte O b e r h e s s e n sei in den kommenden Tagen eine große O p f e r g e m e i n s ch a s t, eine große Familie, die ihr letztes Brot dar­bringt, wenn es die Not erfordert.

So glauben wir mit euch nicht bange zu fein um die Entscheidung, denn keiner wird zurück- st e h e n wollen, wo es auf die Bereitschaft eines jeden ankommt.

helft uns, dem Winterhilfswerk des deutschen Volkes zu helfen. Gebtuns Brot zur großen Sammlung am 16. und 17. März.

heil Hiller!

Der Jungvolk-Sachbearbeiter im Oberbann 4/13. Gez.: Philippi.

ungeheurer Bedeutung ihre Arbeit für das gesamte deutsche Volk ist. .

Die Gausührung des Winterhllfswerks.

An die Gießener Bevölkerung.

Die Hitler-Jugend soll einmal das Erbe bet heutigen Generation übernehmen. Wer heute noch als Hitler-Junge in ben Reihen ber nationalsozra- listischen Gesamtbewegung steht, wirb in nicht allzu- ferner Zeit einmal bas tragenbe Element im natio­nalsozialistischen Staate sein.- Eine eingehenbe Schulung aber ist notwenbig, um aus bem Hitler- Jungen ben hunbertprozentigen nationalsozialisti- chen Menschen zu formen, ber einmal so hanbelt, wie es vor ber Jbee unseres Führers verantwortet werben kann.

Wir bitten beshalb alle Volksgenossen unb ganz besonbers Parteigenossen: Stellt uns Bücher unb Broschüren mit nationalsoziali­stischem Stoff zur Verfügung. (Es gibt aus ben Zeiten bes Kampfes noch so viel Schnft- material, bas wir noch sehr gut gebrauchen können. Im übrigen soll uns aber auch jeb.es anbere gute Buch willkommen sein. Schicken Sie uns eine Post­karte- wir kommen eilenbs zu Ihnen.

Die Bannführung 116.

Henny Porten in Gießen.

Am heutigen Montag, 15.04 Uhr, trifft wie am Samstag im Anzeigenteil bekanntge­geben würbe bie Filmschauspielerin Henny Porten in Gießen ein, um heute unb morgen bei ben Vorführungen ihres neuesten Films

Reihe. Ein Hase hat ausgeschlafen unb hoppelt bem Felbe zu. Immer weniger wirb bas Licht, immer mehr verschwinben bie Einzelheiten. Der Sang ber Drosseln, Amseln unb Rotkehlchen schläft allmählich ein. Mit lautem Gockern unb Poltern streicht ein Fasanenhahn zu seinem Schlafbaum. Alle Sinne sinb gespannt. Dort überben Hochwalb kommen zwei Vögel eiligen Fluges heran, fester faßt bie Hanb ben Kolbenhals, doch es sinb Enten, die dem Flusse zu­klingeln. Ich schaue ihnen nach und schrecke zusam­men.Puitz, puitz", da verschwinden sie, die ersten Schnepfen, gegen das Dunkel des Hochwaldes, heben sich wie zum Spott, zu weit für den Schuß, zum Himmel empor und verwinden dem Auge. Verpaßt!

Aber sie sind da! Und während ich noch nachdenke, wie das eigentlich war, da klingt esQuoarr, quoarr" ans Ohr, als wenn es ein Bauchredner wäre, der da noch unsichtbar herankommt, und dann schaukelt sie heran, biegt dort um die Fichte, weicht hier der Lärche aus und, wie sie freikommt, packt sie ber Hagel. Dumpf klingt ber Aufschlag bes Vogels auf den Boden. Der liegt in tiefem Dunkel, und nun zeige Hund, was du kannst! Er hat sie fallen sehen, weiß die Richtung und verschwindet in der Nacht. Und dann prüftet er los, daß ich lachen muß. Er hat gefunden, aber die Witterung der Schnepfe ist ihm, wie vielen Hunden, unangenehm, und er bringt sie nur aus Pflichtgefühl. Es ist als wolle er den unangenehmen Duft durch Schnaufen und Prusten vor der Nase wegblasen, damit er ihn nicht zu riechen braucht. Das ist immer dieselbe Ge­schichte, aber für mich stets das Zeichen, daß er ge­funden hat. Und nun sitzt er vor mir, stolz die Erste" im Fang, ich lobe ihn und liebele ihn ab und versöhne ihn so mit der unangenehmen Aufgabe.

Die Nacht sank herunter, der Waldkautz ruft und antwortet mir, als ich ihn locke. Am Berghang schreckt ein Reh, als wir der Straße zuschreiten, und will sich gar nicht beruhigen. Der Mond kommt hinter dem Hochwald hoch und erleuchtet den Weg. Und als wir dem Dorfe zuschreiten, da klingt das Trompeten von Kranichen an mein Ohr und dann wird der dunkele Keil der wandernden Nordlands­vögel sichtbar, der vor der Mondscheibe vorüber­zieht und all die Fragen wachwerden läßt, die sich mit dem rätselhaften Zuge der Vögel verbinden. Es ist eine der schönsten Zeiten im Jagdjahr, wenn der Schnepfe Zug uns den Frühling verkündet.

Amtsantritt des neuen Gießener Kreisdirektors.

Der neue Kreisdirektor des Kreises Gießen Pg. Kloster mann hat die Amtsgeschäfte des Gieße­ner Kreisbirektors übernommen. Zu seiner Be­grüßung versammelten sich bie Beamten und An­gestellten bes Kreisamts Gießen unter Führung von Oberregierungsrat Dr. Schönhals im Sitzungssaale des Kreisamtes. Hier brachte Ober­regierungsrat Dr. S ch ö n h a l s dem neuen Kreis­direktor ben Willkommensgruß seiner Mitarbeiter dar mit der Versicherung, daß die Beamten und Angestellten des Kreisamtes dem neuen Chef des Amtes stets treue Gefolgschaft im nationalsozialisti­schen Geiste leisten und ihre ganze Kraft in den Dienst ihrer Aufgabe stellen würden. Kreisdirektor Klo st ermann erwiderte in seiner Dankesan­sprache, daß er sich als den Garanten des national­sozialistischen Geistes und Gedankengutes im Kreise Gießen ansehe und bie Verwaltung stets im natio­nalsozialistischen Geiste führen werde. Unter Hin­weis auf die hohen Ziele der nationalsozialistischen Bewegung forderte er seine Mitarbeiter auf, immer ihre ganze Kraft dem Dienste des Vaterlandes zu widmen und treue Pflichterfüllung, jeder auf seinem Posten, zu üben. Die interne Veranstaltung fand ihren Abschluß mit einem Treugelöbnis zu dem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler, in das Kreisdirektor Klo st ermann feine Worte aus­klingen ließ.

Oie Nationalsozialistische Volkswohl­fahrt wirbt

Die NS.- Volkswohlfahrt ist gegenwärtig die einzige Organisation der NSDAP., die noch Mitglieder aufnimmt.

Wer in die NS.-Volkswohlfahrt eintritt, hat Ge­legenheit, vom ersten Tage an in vorderster Front Arbeit im nationalsozialisti­schen Sinne zu leisten.

Die NS.-Volkswohlfahrt braucht energische und tatkräftige Mitarbeiter, die als politische Soldaten unter vollem Einsatz aller Kräfte zu kämpfen bereit sind. Die Arbeit der NS.-Volks­wohlfahrt ist von allergrößter Bedeutung für das deutsche Volkstum. Die NS.- | Volkswohlfahrt war die Trägerin des Winterhilfs- I wertes. Schon daraus ist zu erkennen, von welch

Mutter und Kind" persönlich zugegen zu sein und mit dem Gießener Publikum Bekannt­schaft au schließen. Henny Porten wird in sämt­lichen Vorstellungen des Lichtspielhauses vor Beginn der Filmvorführungen auf der Bühne er­scheinen, ebenso wird sie bereit sein, auf Wunsch Autogramme zu geben. Anläßlich des Besuches der Künstlerin hat das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 60, kinderreiche und bedürftige Mütter zu den Vor­führungen des FilmsMutter und Kind" am heutigen Montag und am morgigen Dienstag als Gäste eingeladen. Unser Bild zeigt Henny Porten und Peter Voß als Anna und Jürgen in dem FilmMutter und Kind", der heute zum ersten Male im Lichtspielhaus erscheint.

Daten für Montag, 12. März.

1607: der Dichter Paul Gerhardt in Gräfenhai­nichen geboren (gestorben 1676); 1877: der Reichs- innenminister Wilhelm Frick in Alsenz (Pfalz) ge­boren; 1933: Reichsflaggen: Hakenkreuz und Schwarzweißrot.