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Dienstag, U. Dezember 1934
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
m. 289 Zweites Blatt
Wie sie sammelten.
Ein Held seiner Liebe
ÄasRchtseüam,,HausderÄeulschenEkzieWg
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Das Haus wird in Bayreuth auf Betreiben des Staatsministers und Reichsamtsleiters Sch e mm über dem Main erdichtet, um damit symbolisch auszudrücken, daß der in ihm künftig herangezogene Geist zur Ueberbrückung der „Main-Linie" beitragen soll.
Gr schwieg 20 Jahre lang auf der Teufelsinsel. — Spätes Geständnis auf dem Totenbett.
Seelenqualen auf der Teufelsinsel.
Der Begnadigte kam auf die Teufelsinsel. Er führte sich gut. Aber er wurde dennoch zermürbt durch die klimatischen Bedingungen und durch die G e w i s s e n s q u a l, die auf ihm lastete — nicht wegen der Schuld, die gar nicht seine war, sondern weil er sich um seine Frau grämte.
Einmal schrieb er nach Hause an seine Frau, weshalb denn auch sie schweige? Denn sie wisse doch, was wirklich geschehen wäre. Sie verstand den Brief nicht und antwortete deshalb auch nicht darauf.
Für die Behörden gab es keinen Fall Fournier mehr. In Men Nächten trug sich Fournier wohl mit dem Gedanken, öen Gerichtsbehörden zu melden, daß er es gar nicht war — damals. Aber würde man ihm denn heute noch Glauben schenken? Waren nicht auch die Indizien gegen ihn gewesen?
„Ich tvar's damals — in jener Nacht. /z
Es gab keinen Fall Fournier, bis ein Gerichtsbeamter eines Morgens zu dem an Krebs sterbenden
Bilder vom Tage der nationalen Solidarität. Oben: Deutschlands populärster Flieger U d e t in der Nähe des Sportpalastes. — Unten: Frau Goebbels vor dem Berliner Columbus-Hous.
Der Rückgang der Säuglingssterblich« feit in Hessen und Hessen-Nassau.
LPD. Der Rückgang der Säuglingssterblichkeit in Deutschland hat in den letzten 20 Jahren außerordentlich erfreuliche Fortschritte gemacht. Während im Jahre 1913 von 100 Lebendgeborenen im Deutschen Reich noch durchschnittlich 15,1 im ersten Lebensjahre starben, waren es im Jahre 1933 nur noch 7,6. In Preußen betrugen die Durchschnittssätze der Säuglingssterblichkeit 1913 15,0, im Jahre 1933 wie im ganzen Reich 7,6.
Hessen hatte schon vor 20 Jahren mit 9,3 v. H. eine sehr geringe Säuglingssterblichkeit aufzuweisen (Reichsdurchschnitt 15,i v. H.), die bis zum Jahre 1933 noch erheblich abnahm. Im letzten Jahre starben in Hessen von 100 Lebendgeborenen im Durchschnitt nur 5,5 Kinder im ersten Lebensjahr, und auch in den vier vorhergehenden Jahren war der Durchschnittssatz nicht bedeutend höher. 1929 betrug er 6,7, 1930 und 1931 5,9, 1932 5,6 und 1933 5,5, womit Hessen nach Hessen-Nassau den zweitniedrigsten Platz in der Säuglingssterblichkeit in Deutschland innehat.
In Hessen-Nassau liegen die Verhältnisse ganz ähnlich. Auch hier war schon 1913 mit 9 v. H. eine außerordentlich geringe Säuglingssterblichkeit erreicht worden; bis 1933 ist ein Rückgang bis auf 5,3 v. SS. festzustellen, und mit dieser Zahl hat Hes- sell-Nassau die geringste Säuglingssterblichkeit in ganz Deutschland. 1929 betrug der Vomhundertsatz 6,1, 1930 und 1931 5,5, 1932 5 und 1933 5,3.
(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Paris, im Dezember.
Wie die Justizbehörden nach Guyana und an die Polizeiverwaltung in Nemours mit- geteilt haben, hat sich die völlige Unschuld des &or 20 Jahren zum Tode verurteilten, später begnadigten Raoul Fournier durch ein Totenbett-Geständnis ergeben. Hinter diesem Geständnis steht eine tragische Liebesaffäre.
Gin anonymer Brief.
Nachdem Raoul Fournier sechs Jahre mit feiner sehr reizvollen Gattin verheiratet war, steckte iman ihm eines Abends, als er von einer Geschäfts- ireife kam, im Gedränge einen anonymen Brief zzu. Seine Gattin betrüge ihn. Alle Welt wisse »es. Nur er merke es offenbar nicht. Fournier zerriß Iden Zettel und glaubte nicht daran. Aber da waren Verschiedene Kleinigkeiten, die den einmal gesäten Merdacht immer wieder aufsteigen ließen. Dieser Modert Gauß en,' der bei ihm angestellt war, Machte der Frau mehr den Hof, als es sonst bei reinem Angestellten und der Gattin des Chefs üiblich ist.
Raould Fournier wollte seine Frau auf die Eß r o b e (teilen. Er schützte eine längere Reise wor und kehrte an der nächsten Station um. So tarn er kurz vor Mitternacht nach Hause.
Dort bot sich ihm ein furchtbares Bild. Im Wohnzimmer, vor dem Kamin, saß Robert Gaußen tot in einem Lehnstuhl. Vor ihm kniete — von ^hysterischem Schluchzen geschüttelt — seine Gattin. Was war geschehen? Es war jetzt keine Zeit, über Untreue zu sprechen. Frau Fournier gestand, man 'habe hier beisammen gesessen. Am offenen Fenster 'hätten sie einen Laut gehört. Gaußen habe aufstehen wollen, um zu sehen, was es gebe. In diesem Augenblick sei ein Schuß gefallen.
Um sie zu reffen ...
Fournier sah sich den Raum an. Das Fenster war geschlossen und die Scheibe ganz. Sie habe das Fenster später zugemacht, sagte die Frau. Fournier iiuchte weiter. Unter einem Diwan neben dem Fenster tag eine Pistole. Sie wisse nicht, wie die Waffe »orthin komme, schluchzte die Gattin. Fournier machte sich seinen eigenen Reim auf die Vorgänge.
Nach reiflicher Uebedegung zweifelte er nicht ijtaran, daß seine Frau den Liebhaber aus irgendwelchen Gründen erschossen habe. Wer weih, was in ihr vorging?
Jedenfalls begab sich Fournier noch in der gleichen lNacht zur Polizei und „g e ft a n d" dort, die Mord- rnt begangen zu haben. Er liebte feine Frau — trotz Mem, was vorgefallen war, so sehr, daß er die schuld auf sich nehmen wollte, um sie zu retten.
Ein qlaubhastes Geständnis.
Das Gericht prüfte den Fall. Der Tatbestand war infach: die sorgsam ausgeklügelte Rache des b e ■ otogenen Gatten. Angeblich weggereist, heimlich zurückgekehrt, die Liebenden belauscht und dann Isen Liebhaber erschossen. Was brauchte man denn v och an Beweisen, wenn das Geständnis vorlag? (Ein einwandfreies Geständnis, an das übrigens so- lar (und das war die Tragödie, von der Fournier ; iuchts ahnte) feine eigene Frau glaubte — Fournier wurde damals z u m Tode verurteilt. Die Einwohner seines Kreises reichten Gnadengesuch äber Gnadengesuch ein. Der Verurteilte wurde zu ?benslänglicher Gefangenschaft auf der Teufelsinsel ig jiegnabigt.
Abel Grivaud gerufen wurde. Er hatte dem Priester ein Geständnis abgelegt, und dieser hatte ihn ersucht, auch den Gerichten die gleichen Bekundungen zu machen.
Und dieser Abel Grivaud behauptete, daß er vor 20 Jahren in jener Nacht den Robert Gaußen e r - schossen habe. Er sei in Frau Fournier verliebt gewesen und habe Robert Gaußen für seinen Nebenbuhler gehalten. An diesem Abend — er wußte von der Reise des Gatten— wollte er die Frau besuchen, — und belauschte statt dessen eine Unterhaltung mit dem Nebenbuhler am Kamin.
Er lief rasend vor Wut nach Haufe. Er kehrte mit der Waffe zurück. Er schoß — und traf durch das offene Fenster auf den ersten Schuß. Die Waffe warf er ins Zimmer und lief davon ...
*
Man hat Raould Fournier sogleich frei- gelassen. Er wird in den nächsten Wochen nach Europa, nach Nemours, in sein Haus zurückkehren. Gerechtfertigt, ein Held seiner Liebe und seiner Schweigsamkeit — aber nach 20 Jahren Guyana ein gebrochener Mann ...
Ob die Frau, für die er das alles tat, es ihm jetzt lohnen wird? — Ob ihr Herz es noch vermag? — Denn sie glaubte ja selbst an die Schuld Raouls, die er auf sich nahm, weil, er meinte, es fei die ihre ...
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Tanzkultur und Theater.
: Betrachtungen zu den Deutschen Tanzfestspielen vom 9. bis 16. Dezember.
Don Edith von Schrenck.
Wieder versammeln sich in diesen Tagen die ^nzschaffenden des Reiches zu einer großen Schau ttles dessen, was auf diesem Gebiet in unsrer Zeit her Wandlung und des Aufbruchs geleistet und an» neftrebt wird. Mancher wird sich fragen: Wozu die- e?5 Aufgebot? Wozu dieser Aufwand der Zurschau- ; ellung tänzerischer Gestaltung, eines Gebietes, das cheinbar weit abliegt von allen. Problemen des »'ages? Ist es notwendig, daß man die Menschen -eranlaßt, sich mit den Fragen von Tanz und Tänzer, von Wert und Bedeutung der heutigen Tanzkunst zu befassen? Gehört das nicht zum Luxus einer Zeit von Wohlleben und befriedeter Kultur? . Zweifel dieser Art führen mitten hinein in die trennenden Fragen der Kultur und des Thearer- lchens überhaupt, denn mit den Begriffen „Tanz" Md „Tänzer" find nicht Speziolleiftungen und vir- blvse Künste gemeint, sie bedeuten vielmehr die Er- tgeinung des tänzerischen Menschen überhaupt, das tbißt des gestaltenden, darstellenden Menschen stllechthin, desjenigen Menschen, der, im Mittelpunkt non Leben und Kultur, Wesen eines Volkes in klarer farm zum Ausdruck bringt, der die inneren Forderungen einer Menschengemeinschaft mit starker In- tmfität aufnimmt und empfindet, in symbolhafter farm aus sich hevausstellt und mittels seines Kör- prs, als seines Instrumentes, in der Zeit sichtbar nacht.
'Deshalb ist in den Zeiten wahrer Kultur der Tanz inrner ein wesentlicher Bestandteil des Volks- und l eisteslebens gewesen, und er ist heute mehr denn jl berufen, neue Kräfte und Anregungen in die Gebete der darstellenden Künste und der Volkskultur iiiedjaupt zu bringen, gerade heute, wo abgelebten thb verfahrenen Zuständen ein Ende gemacht wer- trn soll, wo neue gemeinschaftsbildende und leben- dge Ideen auf allen Gebieten schöpferisch wirksam $i werden beginnen. Freilich ist es wahr, daß eine eigte innere Gemeinschaft sich nie willkürlich herbei- sthren läßt, und was wir in diesem Sinne von den arten Kulturvölkern, den Griechen, Indern und r.iegyptern kennen, sind aus dem Volksganzen ge- aachsene Erscheinungen, aus der Kraft gemeinsamer $oeen, religiöser, volkstümlicher oder geistiger Art, (ras alter Kultur und Tradition. Es könnte gewiß i e ein Einzelner solche Feste erdenken, wie sie bei bm Griechen gefeiert wurden, wo jeder in Gesang, c-piel und Tanz sich am Gesamtwerk beteiligte, zu- xchörig dem Sinn und der Idee des Ganzen und ihr völlig hingegeben.
Uns ist im Laufe der Jahrhunderte die innere Einheit des Einfachen und Einfältigen verloren gegangen, so weit, daß schließlich alles Mechanische, Konstruiert-Jntellektuelle überschätzt wurde; deshalb war auch so vieles, was sich Tanz nannte, nur der Ausfluß dieser chaotischen Zeitströmungen; anstatt Ausdruck menschlichen Erlebens sah man willkürlichpathetische Gesten und leere Akrobatik. Auch die Religiosität des gotischen Menschen, dessen hohe Kraft der Glaubensgemeinschaft Jahrhunderte lang in Domen und Plastiken Ausdruck und Symbol fand, ging uns verloren. Die Einheit eines geistig-zentralen Menschen schien für immer unerreichbar
Uns ist aber heute aufs Neue eine gemeinschaftsbildende Idee erstanden, ihr Fundament heißt: Aufbau aus innerer Kraft und innerer Schau. Die Bühne, die Stätte symbolischer Gestaltung wahrhaftigen Menschentums, muß sich zu den schöpferischen Quellen lebendigen Ausdruckswillens erneut bekennen, und was bis jetzt nur vereinzelt erkannt und in die Tal umgesetzt wurde, muß in dem Bewußtsein aller Verantwortlichen erneut als klare Forderung aufstehen und als Faktor neuer Theaterkultur aufgestellt werden. Der tänzerische Mensch ist bis heute mit all seiner mannigfaltigen rythmisch gestaltenden Kraft noch nicht einbezogen in das allgemeine Bühnengeschehen, noch steht er vielfach vereinzelt als Fremdkörper zwischen den kulturellen und künstlerischen Gebieten da, die Stätte ist ihm nicht bereitet. Und doch ist er der lebendigste, von Ursprung berufene Träger der Gestaltung auf der Bühne, eng verbunden dem organischen Rhythmus der Natur und dadurch befähigt, dem gesprochenen Werk bildhaften Aufbau zu verleihen. Solange der Tänzer als Spezialvirtuose angesehen wird, so lange nicht Sänger, Schauspieler und Spielleiter den organischen Körperrhythmus empfinden lernen und ihn mit als ausdruckschaffende Kraft in ihre Gestaltung einbeziehen, so lange bleibt aller lebendige Aufbruch und alle große Gestaltung des Tänzers auf einem begrenzten Gebiet isoliert.
Die deutschen Tanzfe st spiele sollen nun in doppeltem Sinn ein Aufruf sein: einerseits an alle diejenigen, die verantwortlich die Stätten der deutschen Bühnenkunst verwalten, sie möchten den gestaltenden Kräften des Tänzers Raum geben und Gelegenheit, ihren Willen und die Intensität ihres Glaubens in den Dienst großer Aufgaben zu stellen. Andererseits geht ein Ruf an die Zuschauer: der Tanz soll für sie nicht nur Vergnügen und ästhetische Unterhaltung bedeuten — es geht um mehr und.um Wesentliches. Nur auf der Basis von wahrem Miterleben und hohem Menschenanspruch kann der Tanz, wie alle Kunst, emporwachsen, und io hilft dann auch der Schauende aus einem hohen Be
dürfnis heraus mit in jenem Schaffen, daß die Kunst wieder in Schönheit und Reinhet zum Symbol des geistig bewegten Lebens werde.
Sogeleier mit Gold ausgewogen.
Sechs Eier des Riefenalks, die kürzlich auf einer Londoner Versteigerung feilgeboten wurden, brachten die beträchtliche Summe von 1130 Guineen, also über 15 000 Mark. Ein einziges dieser Eier wurde mit 300 Guineen bewertet. Das ist aber noch kein Rekordpreis, sondern vor einigen Jahren erhielte ein solches Alk-Ei *650 Guineen. Auf derselben Versteigerung, auf der ein so heftiges Bieten um die Eier entstand, brachten zwei ausgestopfte Riesenalke ebenfalls bedeutende Summen; für das männliche Tier wurden 500, für das weibliche 480 Guineen angelegt. Der Riesenalk ist ein wunderbarer Vogel, der heute vollständig ausgestorben ist und dessen Bälge und Eier daher mit Gold ausgewogen werden. Mann kennt nur noch etwa 75 Eier des Tieres, von denen 44 in Großbritannien, 14 in den Vereinigten Staaten, 7 in Frankreich, 5 in Deutschland, zwei in Holland und je eins in Dänemark, Portugal und der Schweiz sind. An ausgestopften Exemplaren oder Bälgen zählt man nicht mehr als ein Dutzend, die als seltene Kostbarkeiten in Museen und Privatsammlungen bewahrt werden. Noch vor einem Jahrhundert muß der Vogel in ziemlich beträchtlicher Anzahl in den südlichen Teilen des Eismeeres vorhanden gewesen sein. Am zahlreichsten waren die Alk-Kolonien wohl auf Island und Neufundland; sie befanden sich dort nicht auf den großen Inseln selbst, sondern auf den kleinen Felsinseln in der Nähe, die, beständig von wütender Brandung umtobt, ihnen sichere Nistplätze boten. Manche isländischen Schären führen noch heute den Namen „Geirfuglasker", d. h. Riesenalks- Klippen, und geben Kunde davon, daß hier früher der „Geirfugl" der Isländer gehaust hat. Die Nachrichten von diesen Tieren wurden aber vor 100 Jahren immer spärlicher, und es war bereits eine große Seltenheit, als man im Jahre 1840 einen Riesenalk in St. Kilda erbeutete. Unglücklicherweise überraschte das Schiff, das den kostbaren Gast mit sich führte, ein furchtbarer Sturm, für den man den armen Vogel verantwortlich machte. Er wurde als eine „Hexe" getötet. Der letzte Riesenalk dürfte der Vogel gewesen sein, der 1844 in Island erlegt wurde. Als die Tiere, die etwa die Größe einer Gans, ein an der Oberseite glänzend schwarzes, an der Kehle schwarzbraunes Gefieder und einen langen Schnabel hatten, zuerst von den Seeleuten in Island, Grönland und Neufundland entdeckt wurden, war ihr Schicksal schon besiegelt, denn man schlachtete sie erbarmungslos ab. Englische und
französische Schiffer drangen zu ihren Brutplätzen vor, trieben die hilflosen Vogel über Planken in die Boote, „so viel diese aufnehmen konnten", töteten sie und salzten sie als Dauernahrung ein. Der Fang der Vögel war verhältnismäßig leicht, denn sie hatten ihre Flugfähigkeit völlig eingebüßt. Da sie an niedrigen geschützten Küsten brüteten, sa konnten sie das Land erreichen, ohne ihre Schwingen gebrauchen zu müssen, und so verkümmerten diese allmählich. Alle Beobachter erwähnen, daß sie stets mit hocherhobenem Kopf, aber eingezogenem Nacken schwammen und sofort untertauchten, wenn sie Gefahr witterten. Sie gingen oder liefen mit kleinen kurzen Schritten aufrecht einher wie ein Mensch und stürzten sich aus vier bis fünf Metern Höste in das Meer, wenn sie verfolgt wurden. Niemals hat man bemerkt, daß sie ihre Eier verteidigten; bei Angriffen suchten sie sich, freilich ziemlich erfolglos, durch Beißen zu wehren. Als die Zahl der Riesenalke immer mehr zusammenschmolz, wurde die Jagd auf sie unvorteilhaft. Aber nun erstanden ihnen neue Feinde in Sammlern, die ihre Bälge und Eier für Museen erbeuteten. Dadurch wurde die Ausrottung vollendet. Von der großen Zahl der gesammelten Eier hat sich nur ein kleiner Teil als naturgeschichtliche Kostbarkeit erhalten.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Eduard Bötticher, der bis vor kurzem an der Universität Gießen wirkte und dann als Ordinarius für Bürgerliches Recht, Zivilprozeß und Wirtschaftsrecht an die Universität Heidelberg berufen wurde, ist jetzt dort zum Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ernannt worden; Professor Bötticher bleibt aber Mitglied der Juristischen Fakultät.
Professor Dr. Hans von Heutig, Ordinarius für Strafrecht an der Universität Kiel, hat einen Ruf an die Universität Bonn erhalten.
Professor Dr. Kurt P o h l i s ch , Extraordinarius für Psychiatrie an der Universität Berlin, ist zum ordentlichen Professor für Psychiatrie an der Universität Bonn ernannt worden.
Der ao. Professor Dr. Walter von Brunn an der Universität R v st v ck ist zum ordentlichen Professor der Geschichte der Medizin an der Universität Leipzig ernannt worden.
Professor Dr. Ernst E n g e l f i n g, Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität Köln, bat einen Ruf an die Universität Heidelberg erhalten.
Der entpflichtete Professor Dr. Gottfried Hügel- mann von der Universität Wien hat einen Ruf als Ordinarius für Deutsches Recht an der Universität Freiburg i. B. erhalten.


