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Barthou aufgebahrt. Der Köni,

ziere aus dem Gefolge des toten Herrschers ein- gesargt und unter militärischen Ehren jum Hafen übergeführt, wo der südslawische Kreuzer D u b r o w n i k" sie an Bord nahm. An der Spitze

Das Staatsbegräbnis für Barthou ist auf Samstagvormittag festgesetzt. Barthou hatte in seinem Testament eine schlichte Beerdigung ge­wünscht. Der französische Kabinettsrat glaubte jedoch, sich hierüber hinwegsetzen zu sollen, weil er der Auffassung war, daß der Tod des Außenmini-

Totenbett die serbische Genera!

Großkreuz der Ehrenlegion. Gegen Mittag führte der Chef des Protokolls des französischen Außen­ministeriums die Königin Maria und den Präsi­denten Lebrun in die Totenkapelle.

Um 16 Uhr wurde die sterbliche Hülle König Alexanders im Beisein der Königin und der Offi-

sters unter besonders tragischen Um -1 ständen erfolgt sei, die ein S t a a t s b e g r a b- n i s rechtfertigen. Nach einer religiösen Feier in der Kapelle des Jnvalidendoms wird tue sterbliche Hülle Barthous in der 9 a m i 1 i e n« gruft auf dem Friedhof Pere Lachaife beigesetzt werden. Ursprünglich hatte die Regierung geplant, Barthou ins Pantheon überführen zu lassen, jedoch hat sie davon abgesehen, um den letzten Willen des Verstorbenen zu achten.

Oie italienische Marine beabsichtigt eine letzte Ehrung König Alexanders.

Paris, 11. Okt. (DNB. Funkspruch.) Wie das Echo de Paris" zu wissen glaubt, hat der italie­nische Marine-Attachä sich beim Marinemlnlsterlum erkundigt, zu welchem Zeitpunkt der südsla­wische KreuzerDubrownik mit der LeichedesKönigsAlexander die Meer­enge von Messina durchfahren werde. Die italienische Marine beabsichtigt, ein Geschwa­der zu entsenden, das den toten südslawischen König auf hoher See die letzten Ehren er­weisen soll.

Oer südslawische Staat.

Geschichtliche Hintergründe zum Attentat von Marseille.

Von Or. Walther Schmied-Kowarzik, Professor an der Hochschule für Lehrerbildung Friedberg und Priv.-Oozeni an der Universität Gießen.

Wer war der Mrder?

Oer tschechische Paß eine Fälschung.-Auf der Suche nach den Helfershelfern.

des Trauerzuges schritt der Präsident der französischen Republik, neben der K o - nigin Maria der südslawische Außenmini­ster, dann folgten der Präsident der französischen Kammer und die übrigen Würdenträger. Der Sarg wurde von sechs französischen Offizieren einer Ab­ordnung von sechs südslawischen Offizieren über­geben, die ihn auf das Kriegsschiff brachten. Der südslawische Kreuzer ist bald darauf in See ge- a a n a e n. Der KreuzerDubrownik' wird von zwei französischen Kreuzern und einer Torpedoboot-Zer st örerflottille begleitet. Der Kriegsmarineminister Pi6tri wird an Bord eines der französischen Kreuzer die sterbliche Hülle König Alexanders heimgeleiten und in Belgrad zu­sammen mit dem Kriegsminister Marschall Pötain die französische Regierung bei den Beisetzungsfeier- lichkeiten vertreten.

Königin-Witwe Maria von Jugoslawien.

den Zug nach Paris bestiegen. Auf dem Viktoria - Vahnhof waren außerordentliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Zahlreiche Polizeibeamte in Uniform und Zivil überwachten die Bahnsteige. Vor dem Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge anqe- sammelt, die in ehrfürchtigem Schweigen der An­fahrt des Königs und der Königin zuschauten.

In Paris ist König Peter in Begleitung seiner Großmutter am Mittwochabend eingetroffen. Schon bei der Landung des aus England kommen­den Dampfers in Calais waren umfang­reiche polizeiliche Schutzmaßnahmen getroffen worden. Dasselbe geschah auch auf dem Bckhnyof in Paris. Um ganz sicher zu gehen, ließ man sogar den 0-Zug, an dem ein Salonwagen für den jungen König angehängt worden war, 15 Kilometer von Paris entfernt in der Ortschaft Gonesse halten. König Peter II. und seine Großmutter verließen hier den Zug und legten den Weg bis Paris im Kraftwagen zurück. Der junge König wurde vom Arbeitsminister F l a n d i n im Namen der französischen Regierung empfangen. König Peter wohnt in der Privat­wohnung des südslawischen Gesandten in Paris, die Königinmutter Maria von Rumänien hat in einem großen Hotel in der Pariser Innenstadt Wohnung genommen.

Das Testament des Königs Alexander.

Belgrad, 10. Okt. (DNB.) Das Testament König Alexanders, in dem er die Mitglieder des Regentschaftsrates bestimmte, ist vom 5. Januar 1934 auf dem Sommerschloß in Veles datiert und hat folgenden Wortlaut:

Nach meinem freien Willen und in meiner tief­sten Ueberzeugung, damit am besten den Interessen meines teuren Vaterlandes, des Königreiches Süd- flawien, sowie meinem teuren Volke und dem könig­lichen Hauses zu dienen, bestimme ich auf Grund des § 42 der südslawischen Verfassung für den Fall, daß der Thronfolger aus Gründen, die im § 41 der Verfassung aufgezählt sind, die königliche Gewalt nicht ausüben kann, zu Mitgliedern des Regentschaftsrates:

Den Prinzen Paul Karageorgewitsch, den Senator und Kultusminister Radenko S t a n k o w i t s ch

sowie den Statthalter des Save-Banats Ivan P e r o w i t s ch.

Zum Vertreter des Prinzen Paul bestimme ich den Armeegeneral Vojislaw T o m i t s ch, den Kom­mandanten von Belgrad, zum Vertreter des Herrn Radenko Stankowitsch den Senator Iowa B a n j a n i n und zum Vertreter des Herrn Pero- v i t s ch den Senator Setz.

Diesen Akt schrieb und unterfertigte ich eigenhän­dig in zwei Originalexemplaren, von denen das eine Ihre Majestät die Königin und das andere der Ministerpräsident zu verwahren haben wird.

Beide Exemplare dieses Aktes befinden sich in Umschlägen, die durch mein Siegel versiegelt sind.

(gez.) Alexander Karageorgewitsch König von Südslawien.

König Alexanders letzte Fahrt.

Samstag Staatsbegräbnis für Barthou.

Der südslawische König ist von einem Kroaten er­schossen worden. Wie ein Blitz erhellt diese Tat die Gegensätze innerhalb desKönigreichs der Serben, Kroaten und Slowenen" (S. H. S. = Srbski, Hra- vatski, Slovenski).

Südslawien ist kein Staatmit einem ein­heitlichen Volk, das durch eine gemeinsame Kultur und Geschichte zusammengehalten wird. Zwar spricht die amtliche Bevölkerungsaufnahme von 74,4 v. H. Staatsbürgern der serbischen (kroatischen, ma­zedonischen) Muttersprache und zählt als Minder­heiten nur die Slowenen mit 8,5 v.H., die Deutschen mit 4,3 v. H., die Ungarn mit 3,9 v. H., die Erneuten oder Albaner mit 3,7 v. y)., die Rumänen mit 1,9 v. H. auf. Aber die Zersplitterung der Bevölkerung ist in Wahrheit viel größer. Die Regierung rechnet zu den fast 75 v. H. Serdokroaten die Mazedonier im Südosten des Landes hinzu, einen Volksstamm, der zwischen Ser­ben und Bulgaren in der Mitte steht. Das Bündnis, das eben jetzt zwischen dem südslawischen und dem bulgarischen Königreich angebahnt worden ist, soll, wie verlautet, als Gegenleistung (für die versprochene bulgarische Neutralität im Falle eines südslawisch­italienischen Krieges) eine bessere Behandlung der Mazedonier durch das herrschende serbische Staats­volk vorsehen.

Aber all dies ist noch nicht der große Riß, der durch das Land hindurchgeht. Dies ist der Gegen­satz zwischen den katholischen Kroaten und den meist griechisch - orthodoxen Serben (11 v. H. der Bevölkerung sind mohammeda­nisch, im ehemaligen Bosnien wohnend). Wenn auch die serbokroatische Hochsprache eine einheitliche ist, so besteht doch schon von Aussprache und Mundart abgesehen durch die verschiedene Schrift ein großer Gegensatz: die Kroaten benutz­ten seit altersher die lateinische, die Serben die kyrillische Schrift, die erst in der Gegenwart allmäh­lich durch die Lateinschrift ersetzt wird. Allmählich: denn durch einen Regierungsbeschluß kann zwar die Schrift in Schulen und Aemtern geändert werden, doch lernen dadurch die schreibkundigen Erwachsenen nicht mit einem Schlag die anbefohlene neue Schrift. IFür die Schreibunkundigen, deren Zahl unter den Serben nicht gering ist, ist diese Frage freilich von geringerer Bedeutung.)

Wichtig ist und bleibt aber der religiöse Gegensatz, der mit einem vielhundertjährigen geschichtlichen Schicksal gleichlaufend ist. Das Land umfaßt 46,6 v. H. Griechisch-Orthodoxe, 39,4 v. H. Römisch-Katholische, 11 v. H. Mohamme­daner (meist Serben), 1,8 v. H. Protestanten (meist Deutsche), 0,5 v. H. Juden. Die Slowenen im äußer-

Heißt der Mörder Suck? Nachforschungen in südslawischen Lmigrantenkreisen.

DNB. Paris, 10. Okt. Die in Paris vorgenom­menen polizeilichen Nachforschungen scheinen ein­wandfrei ergeben zu haben, daß der Attentäter von Marseille einen auf den Namen Kalemen gefälschten Paß führte. Ob sein wirklicher Name Suck lautet, unter dem er sich am 30. Sep­tember in einem kleinen Pariser Hotel eingetragen hat, bleibt festzustellen. Von In­teresse ist, daß dieser Suck, in dessen Lichtbild das Hotelpersonal sofort den Mörder er­kannte, und sein Begleiter, der sich als Wlades- law B e n e s ch angemeldet hatte, öfter von einem dritten Mann besucht worden sind, dessen Name Nikomir Malis gelautet haben soll. Ein aus Südslawien gebürtiger Nikomir Malis war der französischen Polizei seit längerem als v e r - oächtig gemeldet worden. Kurz vor der An­kunft des südslawischen Königs hatte man den Befehl erteilt, auf ihn besonders scharf zu achten. Er war bereits im vergangenen Jahre in Marseille wegen Diebstahles zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und nach Verbüßung der Haft aus Frankreich ausgewiesen worden.

Die Annahme, daß der Attentäter von Marseille Helfershelfer gehabt hat, scheint durch die Aussage eines Hotelbesitzers aus Aix-en-Pro­vence bestätigt zu werden, der erklärte, daß drei Personen, darunter der Mörder des Königs Alexander, am Sonntagabend in seinem Hotel abgestiegen seien. Der Attentäter, den der Hotelbesitzer nach dem in der Presse verbreiteten Lichtbildern genau wiedererkannte, habe die Eintragung in das Hotelregister immer wieder aufgeschoben. Seine Gefährten hätten sich Egon Kramer, 24 Jahre alt, geboren in Fiume, kroatischer Nationalität, und als Sylvester C h a l - n y, tschechoslowakischer Staatsangehöriger, von Beruf Kaufmann, eingetragen. Beide hätten an­gegeben, daß sie nach Paris wollten. Kramer soll als erster im Hotel eingetroffen fein, Chalny und der Mörder feien im Laufe der Nacht zum Montag nachgekommen und hätten sich als Brüder Kramer ausgegeben. Kramer habe Montagnachmit-

Man neigt in Südslawien daher zur An- nähme, daß der Mörder Mazedonier fei und findet für diese Auffassung in dem Umstande eine Bestätigung, daß er am Körper die Zei- chen und die Buch st oben der Inneren Revo- lutionären Mazedonischen Organisation (J M RO.) eintätowiert hatte.

offizielle Persönlichkeit ihn begleitet hätte. (Er habe f i ch selb st einen Mietwagen gesucht, der ihn ins Krankenhaus gebracht habe.

Echo de Paris" erklärt: Innerhalb der Sicher­heitspolizei wimmelt es neben einigen ordentlichen Leuten von Abenteurern, Gangsters, geldgierigen Beamten und Politikern.Matin" fragt, weshalb dem König nicht das übliche Ehrengeleit in Form einer Schwadron berittener Truppen gegeben worden sei, was die Ausführung des An­schlages erschwert hätte.Ordre" nimmt die Sicher­heitspolizei in Schutz und erklärt dem Sinne nach, ganz so schlimm dürfte sie wohl nicht sein, wie man sie jetzt hinstelle.

König peter in Paris.

Außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen der Polizei.

DNB. London, 10. Okt. König Peter II. von Südslawien, der in den frühen Morgen­stunden des Mittwoch von dem tragischen Tod seines Vaters benachrichtigt worden war, begab sich im Laufe des Vormittags nach London ins Hotel Ritz, wo er von feiner Großmutter, der Königin Maria von Rumänien erwartet wurde. Kurz vor 14 Uhr begaben sich König Peter und Königin Maria zum Viktoria-Bahnhof, wo sie

tag das Hotel verlassen, während seine beiden Gefährten die Nacht zum Dienstag im Hotel verbrachten und sich Dienstag früh ein reichliches Frühstück geben ließen und überdies eine große Menge Alkohol zu sich nahmen. Der Attentäter soll Dienstagvor- mittag bann in der Hotelhalle die aufliegenden Zeitungen mit den Vorberichten über die Ankunft des Königs von Südslawien sehr eingehend gelesen haben. Er und sein Ka­merad hätten noch das Mittagessen im Hotel einge­nommen und seien gegen 13 Uhr f o r t ge­gangen mit der Erklärung, sie würden bann zum Abendessen zurück sein. Um 18.30 Uhr sei aber nur Chalny roieber im Hotel eingetroffen. Er habe seine Kameraben entschuldigt, bas Abenb­essen eingenommen, bie Rechnung beglichen unb sei bann verschwunben.

In Paris find in sübslawischen Emi­grantenkreisen viele Haussuchungen vorge­nommen worben, so u. a. bei bem früheren sub­slawischen Innenminister Pribitschewitsch, ber Kommandeur ber Ehrenlegion ist. Man hat bei ihm eine Menge von Schriftstücken beschlagnahmt, bie ber Staatsanwaltschaft übergeben würben. Ein besonberes Augenmerk hat bie Polizei auf bas so­genannte sübslawische Komitee gerichtet, besten Geschäftsräume burchsucht würben, unb besten Mitglieber einem eingehenden Verhör unterzogen worben finb. Auch ber Sübslawis ch e n G e - s e l l s ch a f t stattete bie Polizei einen Besuch ab. Sie sprach ferner bei Wlabimir Rabitsch, bem Sohne bes bekannten kroatischen Abgeorbneten, ber vor brei Jahren im sübslawischen Parlament er­schossen würbe, vor. Als bie Polizei vor seiner Wohnung erschien, tauchten dort zwei südstawische Staatsangehörige auf, bie sofort festgenommen würben, weil sie sich im Besitz von Schuß­waffen befanben.

Paris, 10. Okt. (DNB.) Präsibent Lebrun hat bei seinem ersten Beileibsbesuch, ben er ber Königin von Südslawien abstattete, mit ber Königin in großen Zügen bie Regelung ber Trauer­feier besprochen. Die sterbliche Hülle bes Königs würbe auf einem Katafalk in ber Präfektur neben - \a trägt auf feinem ilsuniform unb bas

ften Norbweften (an ber österreichischen und italie­nischen Grenze) sowie bie ihnen benachbarten Kroa­ten finb katholisch (auch ber größere Teil ber Deut­schen ist katholisch). Griechisch-orthobox sinb bie Serben unb bie Mazedonier sowie anbere Dolks- splitter im ©üben.

Das verschobene Bekenntnis bes katholischen Norbwesteiis unb bes griechisch-orthodoxen Süd- ostens ist Ausbruck des völlig verschiebenen Schick­sals bieser Gebiete. Slowenien unb Kroa­tien stauben frühzeitig unter westlichem Kultur- einfluh: von Rom empfingen sie das Christentum, schon die Karolinger übten die Oberhoheit über sie aus, und bie Slowenen blieben im Grunde bis 1918 in einem deutschen Staatsverband. Diewin- dische Mark" der Karolinger, von deutschen Grafen beherrscht, kam bald unter österreichische Verwaltung und blieb in diesem Kulturbereich bis zum Zusam­menbruch des Habsburger Staates. Kroatien, das nur kurze Zeit selbständig ist, wird 1091 mit Un­garn vereinigt und teilt die Geschicke dieses Staa­tes, der seit 1526 von den österreichischen Herrschern regiert wird. Mit Ausnahme des östlichen Teils von Kroatien (der im 16. und 17. Jahrhundert von den Türken besetzt ist) verbleibt dieses Gebiet unter ber Herrschaft ber Krone bes heiligen Stephan bis zum Wendejahr 1918.

Ganz anbers bie Geschichte Serbiens: Zu­nächst unter byzantinischer Oberhoheit, von Byzanz zum Christentum bekehrt, vermögen bie Serben von 1043 bis 1389 einen eigenen Nationalstaat zu halten, ber unter Stephan Duschan um 1350 eine ruhmreiche Macht entfaltet Dann befinben sie sich jahrhunbertelang unter türkischer Herrschaft, bis sie 1804, enbgültig 1816 bas altserbische Lanb mit Beigrab als Hauptstabt befreien unb im wesent­lichen als selbständigen Staat (zwischen 1840 unb 1860 in gewisser Abhängigkeit von ber Türkei) auf­rechterhalten können. In unserem Jahrhundert ver­größert ber Krieg gegen bie Türkei ben serbischen Staat unb am Enbe bes Weltkriegs fällt ihm bas gesamte serbokroatische Gebiet Bosniens, bes un- garlänbifdjen Kroatiens unb bes österreichischen Sloweniens zu.

Es ist klar, baß ßänber von solcher Verschieden- heit ber Kultur unb Geschichte kein einheit­liches Ganzes bilben können. Kroatien verlangte im neuen sübslawischen Staat immer roie­ber Autonomie, boch bie Serben, bas herr­schend Staatsvolk, gewährten sie nicht, sondern regierten zentralistisch. So kam ber Unwille des kroatischen Volksstammes in den letzten Jahren verschiedentlich zum Ausdruck. Das Marseiller Atten­tat ist ein Glied in ber Kette bieser Kämpfe.

Ungarn wehrt sich gegen Verdächtigungen.

Bub ap e st, 10. Okt. (DNB.) In der Presse kommt neben dem Beileid unb der Entrüstung über bas Marseiller Attentat bie Empörung über bie gegen Ungarn gerichteten Verbuch- tigungen ber französischen Presse zum Ausbruck. Die Blätter roenben sich scharf gegen bie Behauptung einiger französischer Blätter, baß Un­garn ber kroatischen (Emigration -u o r schub geleistet habe unb bamit inbireft für bas Attentat von Marseille verantwortlich sei. In biefem Zusammenhang kommen in ber Presse auch Angriffe gegen bie französische Außenpolitik in Südosteuropa zum Ausbruck. Das ber Regierung nahestehenbe8-Uhr-Abenbblatt" schreibt, Ungarn hoffe, ber blutige Anschlag von Marseille werbe ben Staatsmännern Europas bie Augen öff­nen, baß nunmehr enblich neue Wege be­gangen werben müßten, unb baß mit neuen Mitteln bie fo bringenb erforberliche Beruhi­gung Europas zu erreichen fei. DerPester Lloyd' lehnt gleichfalls aufs entschiebenfte benperfibfcn Angriff" ber französischen Blätter gegen Ungarn ab. Wenn man ber Verantwortung an ber Mar­seiller Tragödie nachspüren wolle, so könne man mit Recht auf die Unzulänglichkeit ber mit ber Bewachung betrauten französischen Po - l i 3 e i o r g a n e Hinweisen.

Der Führer an den südslawischen Regentschaflsral.

Berlin, 10. Okt. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat an den R e g e n t s ch a f t s- r a t in Belgrad nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet:

Ew. Königliche Hoheit und die übrigen Mit­glieder des Regentschaftsrates bitte ich, die Ver­sicherung meiner aufrichtigsten An­teilnahme an dem schweren Verlust entgegen­zunehmen, ben Sübslawien burch ben so tragischen Tob Seiner Majestät bes Königs Alexanber er­litten hat. , , ,,

(Gez.) Abolf Hitler, Deutscher Reichskanzler."

Im Auftrag bes zur Zeit von Berlin abroefenben Reichsmini st ers bes Auswärtigen be­gab sich ber Chef bes Protokolls Gefanbter Graf von B a f f e w i tz in bie Köni^ich Jugoslawische Gesanbtschaft unb in bie französische Botschaft und sprach zugleich auch im Namen ber Reichsregierung bem Kgl. jugoslawischen Ge- sanbten, Herrn Balugdzic, unb bem französi­schen Botschafter, Herrn Francois Poncet, bas Beileib anläßlich bes Ablebens Seiner Maje­stät bes Königs von Jugoslawien unb bes franzö­sischen Ministers ber Auswärtigen Angelegenheiten, Herrn Barthou, aus.

Das vierte Todesopfer.

Marseille, 10. Okt. (DNB.) Eine von ben beim Anschlag auf ben König von Sübslawien ver­letzte Frau ist heute ihren Verletzungen erlegen. Damit hat sich bie Zahl ber Opfer auf vier erhöht.

Das kommunistische-marxistische Wahlbündnis in Frankreich.

Paris, 11.Okt. (DNB. Funkspruch.) Ein in ber kommunistischenHumanite" unb im marpf/i- schenPopulaire" veröffentlichter gleichlautender Aufruf gibt bie Bestätigung bafür, bah die Kommunisten unb Marxisten beim zweiten Wahlgang ber Kantonalwahlen am fommenben Sonntag zusammengehen und m den einzelnen Bezirken geschlossen für ben jeweils aussichtsreicheren Anwärter Kommunisten ober Marxisten stimmen werben. In ben Bezirken, in benen ein rabikalsozialistischer A n wär- t e r gegenüber einem Vertreter ber Reaktion und Faschismus aussichtsreicher in ber Stichwahl steht, werben bie Kommunisten unb Marxisten ge­schlossen für ihn stimmen, wenn er bie nationale Einigung ab lei) ne, bie als Wanbschirm für ben Faschismus biene, unb wenn er sich verpflichte, mit ben Kommunisten unb Mar­xisten zusammen biebemokratischen Freiheiten" zu oerteibigen.

Erfolge der Truppen in Spanien.

Das erste Standgerichtsurteil.

Paris, 11. Okt. (DNB.-Funkfpruch.) Nach einer Mitteilung bes spanischen Innenministeriums stellt sich bie Lage in Spanien zur Zeit wie folgt bar: In Mabrib unb einigen Provinzstädten wirb ro e i t e r ,g e ft r e i f t, bie Ruhe ist aber nicht gestört. In San Sebastian waren einige be- beutungslose Zwischenfälle zu verzeichnen. In Astu­rien rücken bie Regierungstruppen zielbewußt und erfolgreich vor. Die Aufstänbischen werben allmählich zurückgebrängt. In den Vorstäbten von O v i e b o unb ben Bergwerkszentren von M i e- res unb Olloniego haben noch bie Auf­ständischen die Oberhand. In Anbetracht der für bie Aufstänbischen hoffnungslosen Lage unb bet großen Anzahl von Arbeitern, die sich den Truppen be« reite ergeben haben, wirb bamit gerechnet, baß sich bie ausstänbische Stabt jeben Augenblick ergibt und bie Regierungstruppen ihren Einzug halten können. Von Militärfliegern würben Blätter mit einem Auf­ruf eines Truppenbefehlshabers über bem auf' stänbifchen Grubengebiet abgeworfen, in bem die Aufstänbischen aufgeforbert werben, sich zu ergeben, um unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Je länger man mit ber Uebergabe warte, besto strenger werde bie zu erroartenbe Strafe fein. Aus ber Umgebung von Oviebo würben am Mittwochabend weitere 14 Tote unb zahlreiche Verwundete gemeldet, ebenso bie Gefangennahme von 1600 Mann. Sämtliche Parteistellen ber katalanischen Linken würben ge* schlossen. Im übrigen Spanien herrscht Ruhe.

Nach einer Havasmelbung aus Mabrib kam es trotz aller Sicherungsmaßnahmen am Mittwoch- nachmittag wieder zu Schießereien zwischen Aufstänbischen unb Polizei, vor allem in ben Vor­städten von Mabrib. Mehrer Personen sind verletzt worben. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Das Standgericht in Bar­celona hat fein erstes Urteil gefäH t. Ein Major Bosch, ber auf Seiten der Aufständischen stand, wurde zu lebenslänglichem If ängnis verurteilt.