Heinrich v. Treitschse.
Der deutsche Geschichtsschreiber Heinrich von T r e i t s ch k e, dessen Geburtstag sich am 15. September zum 100. Male jährt, war ein Vorkämpfer der deutschen Einheit unter Preußens Führung.
Zwetschen 8 bis 10, Nüsse 30, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurken 15 bis 20, Einmachgurken, 100 Stück 50 bis 70, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 15 bis 25, Radieschen, das Bund 10, Frühäpfel, das Pfund 8 bis 15 Pf.
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** Beendigung des Brückenumbaues im Bahnhof Gießen. Die neue Brücke, die die
Reichsbahnstrecke Gießen — Frankfurt noch innerhalb des Gießener Bahnhofes über die Strecke Gießen—Köln führt, wurde dieser Tage fertiggestellt. An den äußeren Brückenträgern hatten die beteiligten Handwerker zum Zeichen ihrer Freude über den glücklich vollendeten Umbau Blumengebinde angebracht. Der Umbau aestaltete sich sehr schwierig, da er, ohne den regen Verkehr auf dieser Strecke zu stören, vollzogen werden mußte.
♦♦ Vereinigung eh em. Angehöriger des Landwehr-Inf. - Rgts. Nr. 116. Man berichtet uns: Am Samstag fand im „Württemberger Hof" die Monatsversammlung der Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Landwehr-Jnf.-Rgts. Nr. 116 statt, die zugleich Gedenkfeier des Tages der Feuertaufe des Regiments war. Der Dorfitzenoe, Kamerad W. B o p f, begrüßte die zahlreich erschienenen Landwehrkameraden, gedachte in ehrenden Worten der vielen bei Vitry Gefallenen und betonte, daß man heute im Reiche Adolf Hitlers den Opfertod all der Helden wieder ganz anders werte, als in dem ersten Jahrzehnt nach dem Kriege. Er erteilte dann dem Kameraden Prof. Dr. Eger das Wort, der den Gang der Schlacht, die besondere Teilnahme des Landwehrregiments 116 und persönlich Erlebtes an unserem Geiste vorüberziehen ließ und allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck von dem gewaltigen Geschehen der Marneschlacht gab. Unter den Gefallenen unseres Regiments in den drei Tagen bei Vitry befanden sich viele Söhne unserer Stadt. Ihr Andenken wird in der Landwehrvereinigung stets gepflegt werden. Eine Abordnung legte am Sonntagmorgen unter dem Geläute der Glocken am 116er-Denkmal einen Kranz zu Ehren unserer Helden nieder.
Bornottzen.
— Tageskalender für Dienstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Earneval und Liebe".
Oberhessischer Verein für Znnere Mission.
Im Saale des Evangelischen Vereinshauses fand gestern nachmittag die Hauptversammlung des oberhessischen Vereins fürJnnere Mission statt.
Der stellvertretende Vorsitzende, Landgerichts- vräsident i. R. Neuenhagen - Gießen eröffnete die Tagung mit einem Gruß an Propst Knodt und an den Landesführer der Inneren Mission Nassau-Hessen, Direktor Röhricht- Darmstadt. Der von ihm vorgetragene Jahresbericht gedachte der Heimgegangenen Herren Kirchenrat Strack (Ehrenmitglied) und des Vorsitzenden Professor Dr. Weimar, deren Andenken in der üblichen Weise geehrt wurde. Von den beiden Herbergen zur Heimat zeigt die Herberge in Friedberg eine bessere Entwicklung, als die in Gießen, bedingt durch die Zeitumstände.
Die Rechnung für 1933, vorgetragen von dem Rechner, Kaufmann Horst- Gießen, zeigt ein qün- stiges Bild.
Bei der Dorstandsergänzungswahl wurden neu- gewählt zum Vorsitzenden Superintendent i. R. D. Wagner- Gießen, ferner Propst Knodt- Gießen und Professor Keller- Friedberg. Außerdem hat der Landesführer der Inneren Mission nach den neuen Satzungen Sitz und Stimme in den Vorstandssitzungen. Der geschäftsführende Ausschuß wurde durch Zuruf neu gebildet.
Die weiteren Verhandlungen leitete der neue Vorsitzende D. Wagner, der mit der Annahme dieses Amtes einem letzten Wunsch seines Vorgängers Or. W e i m a r entsprach und bekannte, was er dem Oberhessischen Verein auch aus den Tagen von O.Schlosser zu danken habe.
Direktor Röhricht- Darmstadt gab einen Bericht über „Die Lage der Inneren Mission in der Reichskirche und der Evangelischen Landeskirche." Er sagte u. a.: So nötig die Arbeit der NSV. ist, so gewiß hat auch die Kirche weiter die Pflicht zur Liebesarbeit. Die christliche Botschaft ist nicht nur Wort, sondern auch Tat. Eine Kirche ohne Innere Mission macht sich einer Versäumnis schuldig. Der Stand der Inneren Mission in der Reichskirche ist im großen und ganzen erhalten. Eine neue Regelung des Sammlungswesens steht bevor. Hie und da werden Freundeskreise der Jneren Mission gesammelt. Die Pflegegeldrückständö der Anstalten sind z. T. bedeutend. Reichskirche und Zenträlaus« schuß für Innere Mission schlossen 1933 einen Der- trag, der die innere und äußere Selbständigkeit der Verbände wahrt. Das Führerprinzig wird auch in der Inneren Mission eingeführt. In Nassau- Hessen hat der Landesführer die Führung und nicht die Leitung der Inneren Mission. ihrem Gebiet schlossen sich drei vorhandene Verbände zusammen unter einem Führerrat. Die Liebesarbeit der Kirche und die Wohlfahrtsarbeit des Staates und der Partei haben eine Arbeitsgemeinschaft, in der die Spitzenverbände ihre Selbständigkeit behalten. Wir wollen mithelfen, daß noch weiterhin die Innere Mission ihren Dienst an Kirche und Volk tun kann.
Die klaren Ausführungen wurden durck eine lebhafte Aussprache beantwortet. Stiftsoechant Kahn- Lich sprach über „Die Arbeit der Arns- burger Anstalt" und bat um Zuweisung von Kindern.
Der evangelische Ägendsonnlag in Gießen.
Am vorgestrigen Sonntag waren die evangelischen Gottesdienste zur Feier des evangelischen Jugendsonntags bestimmt und sollten alle unter das Lutherwort gestellt sein „Evangelium heißt auf deutsch aute Botschaft, gute Mär, gute neue Zeitung, gut Geschrei, daran man singet, saget und fröhlich ist".
Diese Losung stand auch über dem Hauptgot- tesdienst in unserer Stadtkirche, zu dem sich eine große Gemeinde von Jugend und Erwachsenen versammelt hatte. Außer den Konfirmanden der beiden Stadttirchengemeinden waren auch viele Jungen und Mädchen früherer Konfir- mandeniahrgänge der Einladung gefolgt, und HI., wie BdM. waren in großen Gruppen geschlossen zum Gottesdienst anmarschiert. Schon der Anblick der zahlreichen Jugendgemeinde inmitten der Erwachsenen war eine besondere Freude für jeden, der unsere Jugend, der sein Volk und seine Kirche lieb hat. Erst am Samstag hat unseres Volkes Führer in Nürnberg mit ernsten und begeisternden Dorten zur Jugend gesprochen, von der großen Verantwortung, die sie als Deutschlands Zukunft hat. Und wir wissen uns mit dem Führer einig in der lieber- zeugung, daß Treue und Gehorsam, Tapferkeit und Opferwille, Ehrenhaftigkeit und Gemeinsinn nur genährt werden und aus die Dauer wirksam bleiben, wenn wir in letzter Verantwortung vor Gott stehen, wodurch unserem Leben erst wieder Sinn und wahre Freude gegeben wird. So war der ganze Gottesdienst ein Ruf zu dieser letzten Verantwortung und eine Botschaft echter Lebensfreude. Das klang heraus aus den Worten der Schriftlesung des 103. Psalms und des Philipperbriefes, das grüßte uns als unvergängliches Evangelium in den wundervollen Chorälen der Reformationszeit „Nun lob, mein Seel, den Herren" und „Nun freut euch, lieben Christen gemein". Da die beiden Stadtkirchengemeinden gemeinsam ihre Jugend zu dieser Feier aufgerufen hatten, so wirkten auch die beiden Gemeindegeistlichen hier zusammen. Pfarrer Becker hielt die Eingangsliturgie, die durch einen Kanon der Konfirmandenmädchen und zwei Lieder der Chorschule unter Leitung von Staotoraanist Lehrer Simon besonders bereichert war. Pfarrer Balz hielt dann die Predigt über den von der Landeskirchenregierund bestimmten Text aus dem 40. Psalm „Es müssen drin sich freuen und fröhlich sein, die nach dir fragen, und die dein Heil lieben, müssen sagen: der Herr sei hochbgelobt!" Die Predigt war
ein packender Aufruf an die Jugend zu wahrer Lebensfreude, die in Christus uns geschenkt wird. Christliche Botschaft ist im tiefsten Sinn „Frohbotschaft", sie weiß nichts von feiger Knechtseligkeit und griesgrämigen Kopfhängen, sondern sie ist erfüllt von getrostem Mut in allen Lebenslagen und mündet immer in Lob und Preis Gottes, der in Christi Kreuz tiefste Sinngebung unseres Lebens schenkt. Darum: Evangelische Jugend, kämpft int Fähnlein Christi — Gott krönt den Kampf mit rechter Lebensfreude! —
Auch die abendliche Feierstunde um 20 Uhr hatte wieder eine größere Gemeinde in der Stadtkirche zusammengeführt. Sie bot in einem feingeschlossenen Aufbau den 119. Psalm unter dem Thema „Das ewige Wort". Die Konfirmanden der beiden Gemeinden hatte sich zu diesem Abend gerüstet. Ein Sprechchor von etwa 30 Knaben bot im Wechsel mit den Luurgen den 119. Psalm im Chor oder in Einzelstimmen dar, und die Jungen waren mit ganzem Ernst bei ihrer Sache, so daß diese Art der Verkündigung sichtlichen Eindruck machte. Ein Singchor aus Konfirmandinnen hatte unter des Stadtorganisten Lehrers Simon Leitung einige alte einstimmige Lieder (Psalmen) eingeübt und vertiefte durch diese feinen Gesänge und durch einen Kanon den Eindruck des gesprochenen Wortes. In Einzelabschnitte geteilt, deren Ueberschrift immer von dem Ansager mitgeteilt wurde, erwuchs der ganze Psalm wie ein mächtiger Bau: „Die horchend« Seele", „Tägliches Hören", „Erleuchtete Augen" usw. bis hin zum Letzten „Das ewige Wort". Immer wieder klangen dazwischen die Lieder der Gemeinde, die auch dann im Wechsel mit dem Chor die Feierstunde schlossen mit dem Gebetslied „Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ".
Es war eine Feierstunde ganz besonderer Art, wie wir sie zum ersten Male so in der Stadtkirchä hatten. Aber wie wir von vielen Seiten hörten, hat sie ihren Eindruck nicht verfehlt, so daß der mehrfache Wunsch ausgesprochen wurde, nach diesem guten Anfang die Art dieser Wortverkündigung auch später fortzusetzen. Es ist ein bis jetzt in unseren Gemeinden noch wenig beschrittener Weg, die großen Schätze, die wir im Wort unserer Luther-Bibel und in unseren Chorälen haben, zu heben, ihrer uns als Gemeinde und einzelne bewußt zu werden und durch sie uns beschenken zu lassen.
Beginn der Winterarbeii der Gießener Stenographen.
Mitgliederversammlung und Bunter Abend.
Als Auftakt für die Arbeit des Winterhalbjahres, die mit den heute beginnenden Kursen ihren Anfang nimmt, hatte die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft zu einer Mitgliederversammlung auf die „Karlsruhe" eingeladen, die gleichzeitig als Werbeveranstaltung gedacht und ausgestaltet war. Wie groß das Interesse der Mitglieder an ihrer Sache ist, beweist die Tatsache, daß sich die Räume der „Karlsruhe" einmal als zu klein erwiesen, um die erschienenen Mitglieder und Gäste alle aufnehmen zu können. Eine besondere Bedeutung verlieh diesem Abend die Anwesenheit des Gaugebietsführers des Gaues Hessen-Nassau der Deutschen Stenographenschaft, Dir. Pg. Werner (Darmstadt) und unseres Kreisgebietsführers K. H. K u h l. .
In feiner Eröffnungsansprache begrüßte der
Ortsgruppenführer
Oiplom-Handelslehrer Dehmer
die Mitglieder und Gäste, besonders den Gaugebietsführer Dir. Pg. Werner, betonte, wie sehr sich oie Ortsgruppe über diesen Besuch freue, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß wir Dir. Werner bald wieder bei uns sehen möchten. Er begrüßte außerdem den Kreisgebietsführer K. H. K u h l und die Vertretungen der benachbarten Ortsgruppen u. a. Butzbach, Wieseck und Londorf.
In den Vordergrund seiner Ausführungen stellte er die Forderung, daß
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Vornan von Anny von panhnys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
14. Fortsetzung. Nachdruck oerbotenl
Siebzehntes Kapitel.
Detlef Westkamp erinnerte sich jetzt, wo er Hilfe brauchte, an einen guten Schulfreund, der mit ihm die Klassen des Gymnasiums bis zur Prima empvr- ge Heitert, sich nach einigen Semestern Jura für das Kriminalfach entschieden und rasch Karriere gemacht hatte. Er suchte ihn mittags in seiner Privat- wohnuna auf, wo er gerade mit seinen Eltern bei Tisch saß. Er strahlte bei Detlefs Erscheinen über das ganze Gesicht, in das Energie ein paar scharfe Linien gezogen, und sprang auf — begrüßte ihn.
„Bin sowieso mit dem Essen fertig, Detlef! Also komm mit in mein Zimmer!"
Rach kurzer Unterhaltung mit den Eltern seines ehemaligen Schulfreundes folgte er Rolf Boldt in dessen Arbeitszimmer.
„Nett, daß du mich auch mal besuchst", meinte der junge Kriminalrat, „ich nehme doch an, es handelt sich um einen privaten Besuch?"
Detlef Westkamp zuckte die Achseln.
„Da man bei der Polizei ja Wahrheit zu schätzen weiß, muß ich gestehen, ich komme zu dem Beamten, möchte aber zugleich den Schulfreund um Hilfe bitten, in einer Angelegenheit, die mich sehr beschäftigt, und die ich nicht gleich an die große Glocke hängen möchte."
Hum!, machte Rolf Boldt, und dann bot er Platz an, schob Detlef ein Kästchen mit Zigaretten zu und lächelte:
„Also, lege los, oller Schwede — ich werde ganz Ohr sein."
, Da erzählte ihm Detlef Westkamp von den ererbten Talern Werner Oldens und von allem, was damit zusammenhing.
Er unterbrach ihn nicht, meinte nur am Schluß: „Gratuliere Dir zu deiner Braut! Nach deiner Beschreibung, die du von ihr miteingeflochten hast, könnte ich ja auf dich neidisch werden."
Er schüttelte den Kopf.
„Sonderbar, daß man sich an den offenbar ziemlich wertlosen Münzen vergriffen hat."
Detlef Westkamp antwortete:
„Ich meine, die auf der abgeschliffenen Seite angebrachten Gravierungen müssen etwas zu bedeuten haben. Immerhin sind die Taler dadurch natürlich erst völlig entwertet worden."
„Jedenfalls handelt es sich um einen Diebstahl — und Diebstahl bleibt Diebstahl!" sagte Kriminalrat Boldt. Er fuhr fort:
„Hier im Hause wohnt mein bester Beamter. Er wird jetzt auch daheim sein, der soll zu uns herunterkommen. Ein lebendiges Nachschlagewerk ist er. Der kennt alle Gauner und Verbrecher von Frankfurt und Umgebung, auch die halben, die
erst unterwegs sind zum Verbrechen. Kennt alles Volk, was nicht ganz hasenrein ist."
Er klingelte. Ein Mädchen trat ein.
„Fragen Sie doch, bitte, nach, ob Herr Schwarz zu Hause ist, Erna! Wenn ja, bann möchte er in dringender Angelegenheit sofort zu mir kommen."
Knapp drei Minuten waren vergangen, da stand schon Kommissar Schwarz bei den beiden Herren, und nachdem er ein paar Stichworte und eine genaue Beschreibung des Paares erhalten, antwortete er prompt:
„Wenn ich mich auf die Beschreibung verlassen kann, dürfen Sie sich auf meine Auskunft verlassen. Die beiden Herrschaften kenne ich und bin überzeugt: ihre Existenz ist nicht einwandfrei. Sie fühlen sich beide merkwürdigerweise in den Altstadtkneipen am wohlsten. Er heißt Erich Merten und hat offiziell eine Leihbücherei. Doch bin ich überzeugt, er lebt nicht allein davon — er macht noch irgendwelche unterirdischen Geschäfte. In der Bücherei steht er wie ne Vogelscheuche auf Urlaub herum, schlecht aefämmt, dösig, mit zerknüllter Kledage, und in der Altstadt spielt er den Vornehmen — da ist er in tipptopper Schale."
„Eigentlich wäre es doch umgekehrt klüger", warf Boldt ein. „In der Altstadt durch Eleganz aufzufallen, scheint mir blöd."
„Die Platinblonde ist eine frühere Tänzerin, die Engagements an allen großen Varietes und Kabaretts hatte, und die bann bös reinschlitterte, als sie bei einem sehr vornehmen Herrn erpressen wollte. Der hatte kein besonbers schlechtes Gewissen unb übergab bas Dämchen gleich ber Polizei. Seit sie aus bem Kittchen gekommen, ift's mit ihr bergab ge- gangen. Sie finbet kein gutes Engagement mehr, unb etwas bicklich ist sie auch geworben, bie Suse Beßler. Als Tänzerin nannte sie sich ,La bei la SusinaV'
Bolbt nickte.
„Wirb schon stimmen — es hanbelt sich sicher um bas Paar. Unb was meinen Sie, Schwarz: Wie sollen wir ben beiben jetzt beikommen?
Schwarz zog den Mund breit.
„Ich möchte es auf diese Weise versuchen: ich gehe nämlich von der Idee aus, baß sich bie gestohlenen Taler wahrscheinlich bei Merten finben werben. Er hat eine Leihbücherei. Wir können bei ihm offiziell nach verbotenen Büchern suchen. Bei ber Gelegenheit schnüffeln wir bann überall herum, unb wenn sich bie Taler bei ihm befinben, kriegen wir sie sicher."
„Gut — Ihr Vorschlag ist angenommen! Ich gebe Ihnen freie Hanb, Kommissar, Sie werben die Sache schon deichseln."
Kommissar Schwarz entfernte sich, unb bie beiben ehemaligen Schulkameraben saßen noch ein Stünb- eben zusammen, sprachen von früher unb von jetzt. Bolbt mußte bann aufs Präsibium. Sie verließen gemeinsam bas Haus. Ehe man sich mit festem Hänbebruck trennte, versprach Bolbt, es Detlef Westkamp sofort wissen zu lassen, wie bie Haussuchung bei Merten ausgefallen.
Ziemlich zufrieben ging Detlef Westkamp heim nach Sachsenhausen.
Er war kaum zu Hause angelangt, als Kommissar Schwarz schon mit zwei Kriminalbeamten den Laben Erich Mertens betrat.
Gleich brei Kunben, noch bazu solche bie er nicht kannte. Etwas befremdet sah Erich Merten das Trio an.
Der eine davon schien ihm bekannt. Natürlich, das war ja der Kommissar, der zuweilen nachts in den Altstadtkneipen auftauchte unb vergnügten Menschen die Stimmung verbarb.
Was wollte benn ber bei ihm? Unb bie zwei Begleiter stammten sicher aus bemselben Nest wie ber Kommissar. Vorsicht!, rief er sich innerlich selbst zu, fragte höflich:
„Womit kann ich ben Herren dienen?" Er wies auf die Bücherregale. „Have ein reich ausgestattetes Lager und hoffe, Sie zufriedenzuftellen."
„Wollen sehen, Herr Merten, ob Sie das können!" gab Schwarz ruhig zurück. „Schließen Sie vor allem die Tür, hängen Sie Ihr Schild .Geschloffen!^ raus, und bann wollen wir uns Ihre Bücher anschauen, ob vielleicht etwas babei ist, was nicht hier rein gehört." Er zeigte feine Dienstmarke. „Kriminalpolizei will bei Ihnen Haussuchung nach verbotenen Büchern halten. Wir werben uns eilen, bamit Sie keinen Schaben burch weglaufenbe Kunben haben."
Er hatte etwas pomabig Ruhiges in feiner Art; man fiel leicht auf ihn herein, glaubte ihm.
Erich Merten atmete orbentlich befreit auf. Wenn es sich um weiter nichts hanbelte, war es ja aut. Verbotene Bücher führte er nicht —- bas Risiko lohnte sich nicht.
Er holte bereitwillig bas Schilb „Geschlossen!" hervor, brachte es vor ber Scheibengarbine ber Eingangstür an unb brehte ben Schlüssel im Schloß herum.
Er war sehr freunblich — ihm war ein Stein vom Herzen gefallen, benn sein Gewissen war niemals ganz rein. Verbotene Bücher — von ber Gesetzüvertretung war sein Gewissen ganz rein. Dem Ausgang ber Haussuchung konnte er mit Ruhe entgegensehen.
Er beobachtete mit vergnügter Miene, wie sich bie Beamten ans Werk machten, lächelte noch, als Schwarz ihn aufforberte, ihn in seine Privaträume zu führen.
Er wohnte in einem geräumigen Zimmer hinter bem Laben; auch eine kleine Küche mar vorhanben, in ber er sich selbst ben Kaffee und manchmal Mittagessen bereitete.
Er zuckte die Achseln.
„Hier hinten sind keine Bücher mehr, meine Herren — schade um die Arbeit!"
Er erhielt keine Antwort.
In der Küche, im Besteckkasten, in dem sich ein paar armselige, billige Löffel, Gabeln unb Messer herumtrieben, ftanb eine Pappschachtel. Don ganz hinten, verdeckt von mehreren angeschmutzten Servietten, holte sie der Kommissar heraus.
Merten lächelte noch immer.
„Mein Reichtum ist darin, ein paar von Großvater ererbte Taler. Zwei Broschen vom Groß- mamachen."
Schwarz hatte die Pappschachtel schon geöffnet, erkannte auf den ersten Blick: er hatte bereits das gefunden, weswegen er hergekommen war. Daß man hier keine verbotenen Bücher finden würde, davon war er überzeugt, sonst griente der gerissene Bruder nicht so seelenruhig.
„Komische Taler sind das!" meinte er gemütlich. „Habe sowas noch nicht gesehen. Abgeschliffen, graviert mit allerlei Zeichen, die kein Christenmensch versteht."
Er hütete sich, etwas davon merken zu lassen, daß er wußte, es handelte sich um griechische Buchstaben.
„Stecken Sie das Zeug nur wieder weg!" sagte Merten lässig.
Aber ber andere dachte gar nicht Daran, bas zu tun. Er zog einen Zettel unter ben Talern hervor, auf bem verschiedene »Worte standen, die sinnlos untereinander gereiht waren. Er fragte:
„Was heißt bas?"
Merten zog leicht bie Brauen zusammen.
„Weiß nicht, Herr Kommissar! Irgendein alter Papierfetzen, auf bem ich ein Silbenrätsel zu lösen versucht habe, ober begleichen."
„Gut! Für alle Fälle will ich mal die ganze Herrlichkeit.mitnehmen — ich meine Ihres Grog- oaters sonderbare Taler. Draußen in Bornheim wohnt nämlich ein Herr, dem sind gerade solche sonderbaren Taler, dje er von feinem Großvater geerbt hat, abhanden gekommen. Und Sie werden mich begleiten; ich bin nämlich von der fixen Idee besessen, die Taler tonnten dem Herrn in Bornheim gehören. Drollig — nicht wahr? Aber ich leide zuweilen an fixen Ideen! Machen Sie sich fertig/*
Erich Merten Dämmerte es jetzt, Daß Der Polizei' besuch gar nicht verbotenen Büchern gegolten unb er sehr leichtsinnig gewesen sei. Die Taler nicht besser verwahrt zu haben.
Er mußte sich in Gegenwart Des Kommissars anziehen und ftanb eine halbe Stunbe später schon vor Kriminalrat Bolbt.
Vorläufig würbe Merten auf ber Polizei behalten, unb Schwarz fuhr mit ben Talern hinaus nach Bornheim. Merlen behauptete nämlich, Suse Beßler nur flüchtig zu kennen, wenn er ihr auch neulich einmal bie Taler gezeigt habe, brüben in einer Sachsenhäuser Apfelweinwirtschaft. Er ahnte, ber harmlos aussehenbe Mensch, bem einer ber Taler vor bie Füße gerollt war, steckte irgenbwie hinter ben Unannehmlichkeiten, bie man ihm bereitete.
Abwarten unb Tee trinken!, bachte er. Schließlich konnte man ihm ber Taler wegen ben Kopf nicht herunterreißen. Und wenn sie zu bem Bornheimer Musiklehrer zurückwanberten, mußte er sich eben Mühe geben, sie abermals in feinen Besitz zu bringen.
Er ließ nicht nach, bis ihm fein Plan gelungen fein würbe. Der alte Musiker wußte mit bem Rätsel ber Taler ja boch nichts anzufangen.
(Fortsetzung folgt.)


