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Nr. 212 Dritter Blatt Girhener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Dienstag, 11. September (934

Obsternte.

! Die Leiter steht fest. Ich nehme das Körbchen mit dem Haken und steige in die Höhe. Meine Kinder stehen unterm Baum und schauen nach oben. Sie sind ganz still. Es ist uns allen fast feierlich zu Mute.

Wie oft haben wir im Laufe des Sommers nach dem Baum geblickt, um festzustellen, ob die Früchte auch bald reif sind. Fast täglich brachten mir die Kleinen einige wurmige Aepfel und forderten immer wieder:Jetzt müssen wir die Aepfel pflük- ken. Sie sind alle reif!" Ich hatte Zeit, ich ließ mich nicht täuschen.

Als ich aber heute morgen einige Früchte hoch­hob und dabei bemerkte, daß sie sich leicht vom Fruchtboden lösten, da holte ich die Leiter.

Ich nehme den ersten Apfel in die Hand. Er ist noch ganz warm von der Sonne. Rote Streifen durchziehen seine Schale. Die Arbeit der Sonne. So hing er nun Wochen am Baum, ließ sich vom Winde schaukeln und reifte in der Sonnenhitze zu der köstlichen Frucht. Die Schale war dunkelgrün und schimmert nun ins Gelbliche. Wie wird er uns in den kalten Wintermonaten munden!

Ganz vorsichtig lege ich ihn in das gepolsterte Körbchen. Dann aber überblicke ich noch einmal den ganzen Baum, die Fülle der Früchte, die mir im Sonnenschein entgegenleuchten. Weiter links steht ein Birnbaum. Auch dort lachen uns goldne Früchte an. Sie werden morgen gepflückt werden.

Im Grasgarten stehen die Zwetschenbäume. Wir ernteten schon von ihnen. An den Spalieren locken die letzten Pfirsiche, daneben die dunklen Trauben. Welche Fülle und welchen Segen spendet uns dieser Herbst!

Meine Kinder stehen immer noch stumm. Sie warten, bis der Vater das gefüllte Körbchen her­abreicht. Aber auch sie scheinen zu verstehen, war­um ich zögere.

So muß es dem Bauern zumute sein, wenn er vor seinem reifen Fruchtacker steht und die Sense bereit hält, um die Halme zu schneiden. Ehrfurcht und Dank erfüllen sein Herz...

Aber die Kinder werden nun doch ungeduldig. Ich fülle also das Körbchen und steige herab. Nun lesen wir die Aepfel in die Körbe, ganz vorsichtig, ganz behutsam. Wie die Augen der Kleinen strah­len! Am liebsten möchten sie in die glänzenden Früchte beißen! Warten können! heißt es auch hier. Es sind doch Winteräpfel.

In den Nachbargärten herrscht auch lebhaftes Treiben. Ueberall stehen Leitern, von allen Seiten hört man Rufen, Lachen und fröhliche Stimmen. Die Obsternte im Siedleraarten ist das schönste Fest des ganzen Jahres. Lachender Sonnenschein, köstliche Früchte und frohe Gesichter! Deutsche Aepfel und deutsche Birnen! P.

Auöparteiamtlichen Bekanntmachungen

Der Bezirk Londors des NSLB. hält am morgigen Mittwoch, 12. September, 14.30 Uhr, eins Bezirksversammlung bei Höchst in Lon- d o r f ab.

Der Kreis Schotten des NSLB. hat am morgigen Mittwoch zwei Konferenzen, die beide um 15 Uhr in Schotten imHessischen Haus" bzw. in U l r i ch st e i n bei Groh stattfinden.

Im NSLB. Kreis Friedberg versam­melt sich die FachschaftKörperliche Ertüchtigung" am morgigen Mittwoch um 14.30 Uhr in Fried­berg in der Turnhalle der Aufbauschule bzw. auf dem Sportplatz, die FachschaftHöhere Schule" trifft sich ebenfalls am morgigen Mittwoch um 16 Uhr imPfälzer Hof" in Bad-Nauheim zur Erledigung von Organisationsfragen und zu einem Vortrag des Pg. Dr. Knieriem über Nichtdeutsche Minderheiten in Deutschland".

Deutsche Arbeitsfront.

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

Fahrt ins Donaulal.

Vom 15. bis 23. September findet eine Fahrt ins schöne Donautal statt. Die Fahrt geht ab Frank­furt über Schwetzingen, Karlsruhe, Offenburg durch

Die Mein der SS. von Nürnberg.

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Der Aufmarsch der SS.-Formattonen auf dem Bahnhofsplatz unmittelbar nach der Ankunft des Zuges. Im Vordergrund die Gießener SS. unter dem Kommando des SS.-Sturm- bannführers H a i n b a ch. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)

Gestern um 14.40 Uhr traf der Abschnitt XXL der SS. unter dem Kommando des Oberführers Unger (Kassel), mit einem- Sonderzug vom Reichs- parteitaa in Nürnberg kommend, auf dem hiesigen Bahnhof ein. Die Stürme wurden von einer gro­ßen Menschenmenge erwartet und herzlich empfan­gen. Die vom Führer am Sonntag mit der Blut­fahne feierlich geweihteStandarte Gießen", das neue Feldzeichen unserer SS., wurde jedoch von den Heimkehrern nicht mitgebracht, da nach einer neueren Weisung die bis gestern mittag in Gießen noch nicht bekannt war das ehrwürdige Feldzeichen bis zum Abschluß des Parteikongresses

in Nürnberg verbleiben muß und nunmehr nach dem Abschluß des Parteitages durch ein Sonder­kommando hierher überführt werden wird. Die Standarte wird dann feierlich eingeholt werden.

Die SS.-Formationen nahmen gestern nachmittag nach der Ankunft zunächst auf dem Bahnhofsplatz Aufstellung, wo sich Oberführer Unger von seinen Kameraden verabschiedete und die weitere Heim­fahrt antrat. Anschließend marschierten die Forma­tionen zum Caf6 Leib, wo die Auflösung des Nürn­berg-Transportes erfolgte. Anschließend rückten die Stürme in ihre Heimat ab.

den romantischen Schwarzwald nach Donaueschin­gen. Besonders die Fahrt durch den Schwarzwald wird den Urlaubern viel Freude bereiten. Ziel­station der Fahrt ist Donaueschingen. Von dort aus werden die Urlauber in den Orten zwischen Beuron Sigmaringen und Ehingen untergebracht. Die Rückfahrt erfolgt am 23. September ab Ulm und führt über Stuttgart.

Die Kosten für diese Fahrt nach Süddeutschland betragen nur 28,50 Mark. Anmeldungen bis Diens­tag, 11. September, auf der Geschäftsstelle, Schqn- zenstraße 18, Zimmer 10.

Fahrt zur Samländischen Bernstelnküsie.

Am 22. September findet die letzte Bäderfahrt statt. Die Samländische Bernsteinküste ist diesmal das Ziel unserer Urlauber. Noch viel zu wenig be­kannt ist dieses schöne Land im deutschen Üsten. Ueberaus viel werden die Urlauber auf dieser Fahrt 3U sehen bekommen: Tannenberg, das National­denkmal in seiner monumentalen Wucht, und Ma­rienburg, die große Ordensstadt des Ostens.

Am 22. September erfolgt die Abfahrt von Frank­furt a. M., mit einer Uebernachtung in Hohenstein, nach Königsberg. Von dort aus werden die Urlau­ber in den Küstenorten an der Ostsee untergebracht. Jeder einzelne Urlaubsort bietet etwas Besonderes: Pillau an der einzigen Verbindungsstelle des Kuri- schen Haffs mit der Ostsee, Palmnicken mit dem einzigen Bernsteinbergwerk der Welt, Georgenwalde an der Samländischen Steilküste, Kranz, das be­kannte Seebad an der Ostsee, und Rositten auf der Kurischen Nehrung. Zum Gold der deutschen Ost­

see, zur Bernsteinküste, führt diese Acchrt. Die Ur­lauber werden Gelegenheit haben, die Bernstein­fischer bei ihrer mühevollen Arbeit zu beobachten.

Die Gesamtkosten für diese schöne Fahrt betragen nur 51 Mark. Die Rückfahrt wird am 30. Sep­tember, morgens, erfolgen. Auf der Rückfahrt wird Marienburg besichtigt. Uebernachtung erfolgt in Berlin. Am Montag. 1. Oktober, abends treffen die Urlauber wieder ein.

Anmeldungen werden bis zum Freitag, 14. Sep­tember, entgegengenommen.

Rückkehr der PO. und SA. aus Nürnberg.

Am morgigen Mittwoch, 12. September, 5.35 Uhr, kehrt dis PO. des Kreises und der Stadt Gießen im Sonderzug von Nürnberg zurück. Die SA. kommt sofern nicht in letzter Stunde noch andere Dispositionen getroffen werden ebenfalls am morgigen Mittwoch, und zwar um 17.57 Uhr, in Gießen an.

Erntedankfest 1934.

Von der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben:

Auch in diesem Jahre wird das Erntedankfest dem Einzelhandel Veranlassung geben, seine Schau­fenster zu schmücken und dadurch der Bedeutung oieses Tages Rechnung zu tragen. Um der brach­liegenden Heimindustrie Aufträge zuzuführen und an dem Gedanken der Arbeitsbeschaffung tatkräf­tig mitzuarbeiten, wird empfohlen, künstliche Blu­

men und Blumengebinde, sowie Seidenbänder, die ebenfalls in Heimarbeit hergestellt werden, zu ver­wenden.

Wirtschastsbelebung und Arbeits­beschaffung bei Rinn & Eloos.

Trotz der bekannten wirtschaftlichen Schwierig­keiten in der Zigarrenindustrie hat sich die Zigar­renfabrik von Rinn & Eloos A G. in Heuchelheim in anerkennenswerter Weife ent­schlossen, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft einen erheblichen Beitrag zu leisten. Die Firma Rinn & Eloos läßt in der Durchführung dieses Ent­schlusses gegenwärtig in ihrer Zentralfabrik in Heuchelheim wiederum bauliche Erweiterungen vor­nehmen. Ferner haben die Filialbetriebe des Hauses in der weiteren Umgebung von Gießen, insbeson­dere in den Kreisen Gießen und Wetzlar, in der jüngsten Zeit eine erneute Ausdehnung erfahren. Auch in den entfernter liegenden Produktions­gebieten der Firma, in den Kreisen Marburg, Biedenkopf, Schmalkalden (Thüringen) und Geln­hausen, wo sich bekanntlich Zweigbetriebe der Firma befinden, sind die Maßnahmen zum Betriebsaus­bau in der Durchführung begriffen. In jüngster Zeit wurde dabei die frühere 'Zigarrenfabrik von Oldenkott in Roth (Kreis Gelnhausen) von der Firma Rinn & Eloos als neue Zweigfabrik in Betrieb genommen. Durch die erfreuliche Initiative der Werkleitung war es auf diesen Wegen des Wirtschaftsaufbaues möglich, in den letzten Mona­ten die Belegschaft um 500 Köpfe zu erhöhen. Da­mit ist die Gesamtzahl der in der Firma beschäftig­ten Angestellten und Arbeiter erheblich über 5000 angewachsen.

Fliegergeist wird nie verwehn!

Man sage nicht, Flieaergeist wolle etwas Be­sonderes für sich! Wenn schon, dann in dem Willen, erster zu sein im Dienst am Vaterland!

Fliegergeist erfüllte den deutschen Adler, bis Eigennutz und Wahnsinn ihm seine Flügel raub­ten! Nacht für Nacht führte die Kriegsflieger nur eines immer wieder über den Feind: die eiserne Pflichterfüllung im Dienst am Vaterland! Und was machte diesen Dienst leicht und führte zusammen? Nichts anderes, als das gleiche Erleben in Not und Gefahr und das Wissen, im Dienst einer würdigen Idee zu kämpfen! Damals wie heute!

Nicht das Leben ist das Höchste, sondern die Idee! Sich ihr.zu eigen zu geben, kennzeichnete den Weg und Sieg Adolf Hitlers, ist der Wille der heutigen Fliegerei! Materialismus, Pazifismus und Verrat zerschlugen der alten Fliegerei ihr stolzes Haus! Ein Deutschland der Ehre und Kraft baut es wieder auf, nicht um des.Schwertes willen, sondern um die Schwingen zu regen zum Fluge für Deutsch­lands Ehre und Freiheit!

Fliegergeist kennt und will nur eines: aus der Liebe zum Vaterland mitzuhelfen am Wieder­aufbau der deutschen Nation! Und du, deut­scher Volksgenosse, willst nicht selbst Mitarbei­ten? Doch? Dann sei du schon morgen Mitglied im Deutschen Luftsport-Verband!

Anmeldungen bei der Flieger-Ortsgruppe Gießen (Kreisamt), Fernruf 2951, 2952.

Gießener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n, 11. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,35 bis 1,40, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 8%, Wirsing, das Pfund 15, Weiß­kraut 10 bis 12, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römisch­kohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 30 bis 40, Feldsalat 80 bis 90, To­maten 15, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 40 bis 60, Kartoffeln 5 Pf. der Zentner 4,50 bis 5 Mark, Falläpfel, das Pfund 3 bis 4 Pf., Pfirsiche 15 bis 30, Brombeeren 30, Preißelbeeren 30 bis 35, Birnen 8 bis 12,

Küchenchef im Londoner Zoo.

Von Sir Galahad.

Er hat nichts zu lachen, obwohl so viele seiner Stammgäste Rohköstler sind, daß man glauben sollte, es wäre der reine Ruheposten, die Tierküche zu leiten. Der Laie aber ahnt nicht, wie das an den Nerven zehrt, wird eines Morgens aus dem Vor­ratsraum gemeldet: Die einzige Büchse mit einge­machten Bananenfliegen ist verschimmelt, und nicht einmal Grünfliegen sind mehr da für dos Kolibri­frühstück; oder wenn schnell an den nächsten Ozean telephoniert werden muß um frische Meeralgen, :weil die letzte Flugpostsendung irrtümlich Süß­wasseralgen enthielt, weshalb irgendein fataler ; Lurch in den Hungerstreik zu treten droht, und na­türlich hat der Küchenjunge wieder den Fang der sechs Kakerlaken vergessen, die der brasilianischen «Spinne jede Woche ärztlich verordnet sind.

Hungerstreik! Diese üble Waffe rücksichtslos zu «gebrauchen, haben die meisten Tiere noch besser jheraus als Gandhi. Besonders die Schlangen. Diesen !Wesen der schlanken Linie ist ja überhaupt jeder iVorwand recht. Von solchen Dingen weiß die Direk- ltion des Londoner Zoos gar vieles zu erzählen, mit iührer Erfahrung an zehntausend täglich zu füttern­den Mündern, Mäulern, Rachen, Schnäbeln der ab­sonderlichsten Art; das gibt Erfahrung.

Wie gesagt, am ärgsten treiben es angeblich die Schlangen, und wenn eine Königskobra sich in der Gefangenschaft auf einen ganz bestimmten Lecker­bissen kapriziert, der hundert Mark kostet, so muß er eben her, sonst macht sie es wie der große Wasser- Python mit seinem Hungerstreik von einundeinhalb Jahren.

Besonders kränkend für den Küchenchef erwies ffich einmal der Fall eines neuen Albinopythons. Die Rückkunft des verlorenen Sohnes ist sicher nicht io festlich begangen worden, wie die Ankunft dieses kostbaren Reptils. Ein besonders gemästetes rosa Milchferkel, geschlachtet und appetitlich hergerichtet, rroartete den Ankömmling, von dem man wußte, i;r habe schon ein paar Monate gefastet. Doch ver­brämt durch die lange Fahrt, sah er voll Ekel weg; auch weg von Hühnern, Tauben, jungen fetten Mäusen, taufrischen Fröschen, kleinen Schlangen, hie so glatt rutschen. Als nach vier Monaten Gefahr bestand, der Albinopython werde zu müde und 'chwach werden, um überhaupt noch fressen zu kön­nen, selbst wenn er wieder wollte, hielt man ihm hen' Rachen mit Gewalt gespreizt und ließ Eier, Milch, Glykose den Schlund hinunterrinnen. Eine ..liiere Schlange entwickelte die Manie, sich nur

von weißen Ratten zu nähren; eine besonders Aparte entschied sich für Mayonnaise.

Alle Leiter zoologischer Gärten klagen über un­berechenbare Eßlaunen ihrer Schützlinge, wodurch die ohnedies schon schwierige Ernährung manchmal fast unmöglich wird. Ohne andere Sorgen und maß­los angeödet, denken die Tiere den ganzen Tag nur darüber nach, was sie bei der nächsten Mahlzeit für neue Mucken zeigen könnten, als wüßten sie den eigenen Anschaffungspreis genau, und wie viel da­her von ihrem Wohlsein abhängt. Doch gibt es da auch wieder lobenswerte Ueberraschungen. Vor der Ankunft eines seltenen Affen, dem der Ruf voraus- aing, er genieße zu Hause in Südamerika nur be­sondere tropische Vögel und Schmetterlinge, höch­stens noch den einen oder anderen Prachtkäfer, fürchtete sich schon das ganze Personal; gerade die­ser aber zeigte sich von Hausmannskost entzückt und fand Beefsteaks überaus bekömmlich.

Oft ist das Futter für kleine Tiere weit müh­samer und schwieriger zu beschaffen als für große unter den Fleischfressern ein Tiger leichter zu ernähren als mancher Käfer. Aergste Sorgenkinder aller Zoos waren bis vor kurzem die Kolibris, ja es erschien überhaupt hoffnungslos, die Winzigen, phantastisch Schönen in der Gefangenschaft halten zu wollen. Alle verhungerten. Wie eine Diät finden für geflügelte Elfenprinzen mit Krone und Schweif, kleiner als ein Spatzenei und märchenzart? Jetzt scheint das Wunder in mehreren Zoos zu gelingen nach ziemlich einheitlicher Methode. Eine Art Säug­lingsnahrung wird ihnen auf Dschungelweise ser­viert. In ein frei hängendes Kindermilchfläschchen, geformt wie ein tiefer Blütenkelch, kommt eine Mischung aus Blumenhonig, kondensierter Nestle- milch, Fleischextrakt, Bananenfliegen und einer grünen Fliegenart, da Kolibris in Freiheit die In­sekten mit einsaugen, während sie, flirrend vor den Kelchen, ihre langen feinen Schnäbel in den Nektar tauchen.

Eine fast mikroskopische Nahrung erhalten auch die Seepferdchen: Wasserflöhe, einzeln kaum mit freiem Auge sichtbar, werden eigens für sie gezüch­tet und dann literweise in die Aquarien geschüttet. Die Masse machts! Leguanen und Waranen kommt es wieder nur auf die hübsche Farbe des Futters an.

Ganz uninteressanten Geschmack haben die großen Fresser; Bären etwa würden weitermachen, bis sie platzten, ließe man das zu. So aber bekommen sie einfach 5 Pfund Pferdefleisch, einen Laib Schwarz­brot, 2 Pfund Keks täglich, und damit Schluß; nur der Eisbär erhält feine Fleischportion noch mit Le­bertran befeuchtet, gegen Heimweh, und ein paar Heringe obendrein. Den Seelöwen und Robben i

würde das nie genügen, unter vierzig Pfund Fische kommen sie schwer aus, dem Walroß sind sogar hundert Pfund nur etwa wie ein erster Gang.

Elefanten machen gerne Faxen, bleiben aber meist sehr gesittet dabei. Ein Elefant im Londoner Zoo, Geschenk des Prinzen von Wales, mag zwar Drangen nicht, doch wird berichtet, daß er zuge­worfene Früchte dem Spender höflich mit dem Rüffel wieder zurückreiche.

Für die großen Menschenaffen würde trotz ihrem nervösen Getue schon ein guter Chef aus einem Luxusfanatorium genügen: gekochte Hühner, Eier, belegte Brötchen, vielerlei Salate, Trauben, Ba­nanen muß er ihnen appetitlich zurichten, sie ge­wöhnen sich leicht daran, mit Messer und Gabeln von Tellern zu essen und verlangen das sogar selbst nach einiger Zeit; auch eine halbe Flasche Portwein ab und zu kann bei Tisch nicht schaden

Während Tiere sonst sehr Kaltes wie sehr Heißes meiden, hat ein Schimpanse eine Leidenschaft für Eiskreme entwickelt. Seine Methode, sie zu befrie­digen, ist sehr einfach: Kauft ein Besucher bei dem nahen Erfrischungsstand eine Portion, so winkt und schreit er so lange aus dem Käfig, bis man auch ihm davon zu kosten gibt. Durch nettes Verlangen nach dem Löffel und der Waffel, um manierlich essen zu können, steigert er das Entzücken der Zu­schauer derart, daß ihm ein heißer Sommersonntag manchmal bis zu zwanzig Portionen einbringt. Affen lieben aber auch heißen Tee, besonders mit viel Zucker, behaupten, heiße Milch sei ihnen schon langweilig, und weil sie im Winter etwas Warmes trinken sollen, gibt man ihnen das beliebte Ge­tränk. Wärter, die sich mit demfive-o-clock verspäten, werden an empfindlicher Stelle gezwickt.

Am bequemsten hat es die Küchenleitung ein­gestandenermaßen mit den italienischen Mauer­eidechsen Die verpflegen sich selbst, fangen täglich so viele Insekten, wie sie brauchen, nämlich so viel, wie ihr eigenes Körpergewicht beträgt und halten dadurch auch noch die Terrarien von allerhand Un­geziefer rein. Und da wundern sich Besucher über die Häufigkeit, mit der man in zoologischen Gärten kleine, trotz überfremdeten lateinischen Namen van Spaziergängen her schlicht vertraute Tierchen trifft!

Karneval und Liebe/'

Dies ist ein wienerisches Lustspiel mit Musik aus der Produktion des Neuen Deutschen Lichtspiel- Syndikats. Carl Lamac, der ansonsten die Filme der Anny Ondra betreut, schrieb das Drehbuch und führte Regie. D"r ewige Kulissenzauber des Theater­betriebes, wirbelnder Wiener Fasching und eine kleine Liebes- und Verlobungsgeschichte bilden die

dankbaren Motive der Handlung. Die Musik ist nach Motiven von Johann Strauß zusammen­gestellt, verfügt aber auch über eine Anzahl leicht sang- und tanzbarer modern instrumentierter Schla­ger. Das Ganze, in gefälliger, reichlich ausgestat­teter Inszenierung dargeboten, bildet eine nette Unterhaltung für einen verregneten Nachmittag oder Abend. Die Hauptrolle des vom Publikum angeschwärmten Gejangsstars ist für die beweg­liche Luftspielbegabung Hermann Thimigs wie geschaffen, der sich auch der musikalischen Seite dieser Aufgabe überraschend geläufig gewachsen zeigt. Lien Deyers, hübsch und blond, ist eine anmutige, junge Liebhaberin mit Sinn für dis­kreten Humor. Vom übrigen Ensemble heben sich die beiden Komiker Hans Moser und Rudolf Carl angenehm hervor. Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus; das Beiprogramm bringt die neue Wochenschau, einen heiteren Kurz­tonfilm mit Ralph Arthur Roberts und je einen Vorspann zu den FilmenWas bin ich ohne Dich?" undMaskerade".

Oie Einladung.

Der amerikanische Redakteur Harare Greeley wurde von einem Freund zu Tisch gebeten und sagte schriftlich zu. Der Freund vermochte aber die unmögliche Handschrift Greeleys nicht zu entziffern; er zeigte sie seinen Freunden, um zu wissen, ob Greeley zu Tisch kommen werde ober nicht, aber niemand war imstande, die Hieroglyphen zu ent­ziffern. Da gab ihm jemand scherzhaft den Rat, es doch einmal mit einem Apotheker zu versuchen, die doch dafür bekannt seien, die schwierigen Doktor­handschriften lesen zu können. Greeleys Freund ging auf diesen Vorschlag ein; er eilte zur nächsten Apotheke und übergab dem Apotheker schweigend das Papier. Der setzte seine Brille auf, versuchte zu lesen, schüttelte den Kopf, starrte seinen Besucher an und versuchte wieder zu lesen; der Ueberbringer konnte sich schließlich nur durch einen geheuchelten Hustenanfall vor dem Lachen schützen. Da schien der Apotheker den Sinn des ihm vorqelegten Papieres begriffen zu haben, denn mit plötzlichem Entschluß sagte er:Schön, schön, wollen Sie gleich darauf warten?" Damit erklärte sich der Besucher aufs höchste belustigt, einverstanden und wartete nun in großer Spannung auf den Fortgang der Ereignisse. Nach fünf Minuten brachte ihm der Apotheker eine sorgsam eingewickelte Flasche urü) das vermeintliche Rezept.Einen Dollar, wenn ich bitten darf!" sagte der Apotheker,es ist ein aus­gezeichnetes Mittel gegen Husten."