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ltrJ59 Zweiter Blatt

Gie^lmAnzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Mittwoch, ll.Zuli (954

NGV.-Photo-Wettbewerb.

Nehmt teil am Photo-Wettbewerb »Mutter und Kind".

Auskunft in jeder NSV.-Ortsgruppe.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Deutsches Brauchtum.

Wenn wir den Begriff desBrauchtums" ergrün­den und seine Wurzeln erkennen wollen, dann müssen wir auf den Grund herabsteigen, zu jenen Quellen, aus denen das Brauchtum seine Kräfte gewinnt, dann müssen wir den Weg gehen, der zur Volks­gemeinschaft führt, zu den durch Blut und Schicksal verbundenen Menschen. UnterBrauchtum" ver­stehen wir die in Jahrtausenden gewachsene, gestalt­gewordene Sittenform unserer Ahnen.

Da jedes völkische Gemeinschaftsleben Unterord­nung der individuellen Freiheit fordert, so hat sich das Volk eine Ordnung geschaffen, welche jenseits von festgelegten Paragraphen im Brauchtum wur­zelt. So stark wir deutsches Brauchtum und deutsche Sitte aber auch bejahen mögen, weil wir erkannt haben und wissen, wieviel neue Schaffenskraft wir aus ihnen schöpfen können und welche ungeheuren Werte in ihnen schlummern, so stark wehren wir uns auch gegen neue Formen, neue Bindungen, gegen Rituale, die in die heutige Zeit mit ihren

fortgeschrittenen Erkenntnissen nicht mehr passen. Dieser Zwiespalt liegt nicht etwa in unserem persön­lichen Empfinden, sondern im Volk selbst. Wir er­kennen an der Gegenwart, daß die Organisationen mit festen Symbolen und scharf umgrenzten Bräu­chen die größte Geschlossenheit und den stärksten Anhang haben! Daraus ergibt sich unverkennbar, daß wir eine Symbolik, ein Brauchtum nötig haben, um den Zusammenhalt des Volkes zu wahren und .feine Stoßkraft nach außen hin zu stärken. Das Dolksganze ist einem breiten Strome zu vergleichen, aus dem dann und wann eine berufene Führerper- fönlichkeit herausragt, und um dieses gewaltigen Stromes willen müssen wir ein völkisches Brauch­tum besitzen, dessen Warze! immer irgendwie im Mythos und in der Ehrung eines Höheren ruht.

Wir haben das deutsche Brauchtum aufzufassen als das weltanschauliche Erleben unserer Vorfahren, welches sowohl eine Bindung bedeutet an die Ver­gangenheit, wie gleichzeitig eine vorwärtsstrebende an die Zukunft. Gerade unsere Generation ist in be­sonderem Maße dazu berufen, den Schatz des Erb­gutes zu hüten und durch die Hinzufügung von Neuem zu bereichern, denn der Sinn des Lebens will es, daß im Neuen immer das Alte aufersteht! In jedem volksverbundenen deutschen Menschen ruht noch ein unbewußter Rest deutschen Brauchtums, und dort, wo diese Quelle am reinsten fließt, im deutschen Brauchtum, müssen die ersten Ansatzpunkte der Er­neuerung des Brauchtums liegen.

So wie wir im Johannisfeuer die germanische Sonnenwende wieder finden, so ist im Weihnachts­fest das alte Fest der Wintersonnenwende festgehal­ten. In den deutschen Märchen, Sagen, Liedern und im leicht beschwingten Reigen erkennen wir, umge­formt zwar, aber dennoch rein in Form und Art er­halten, die Gottesverehrung unserer Ahnen. Die Tierfiguren, Runen und Verzierungen an den Sim­sen der Fachwerkbauten unserer Bauernhäuser er­innern an die heiligen, schützenden Tiergottheiten germanischer Vorzeit.

Das Brauchtum ist der Ausdruck eines lebendigen Volkes! Weil wir die Lebensformen der nordischen Rasse bejahen, die unser Volk vor Jahrhunderten aus einem rein nordischen Lebensgefühl heraus ge­schaffen hat, darum wollen wir deutsches Volkstum wieder aufleben lassen. Da aber deutscher Geist ver­kümmern muß, solange seine Form noch undeutsch ist, doch muß es unser heiliges Bestreben sein, Form und Inhalt wieder zu einer Einheit zusammen zu schmelzen! Deutscher Geist kann nur nach seinem eigenen Stilgesetz leben und bleibende Werte schaffen.

Spart mit dem Wasser!

Die Direktion des städtischen Gas- und Wasser­werks schreibt uns:

Die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Wasser aus dem Pumpwerk Queckborn wird angesichts der großen anhaltenden Trockenheit und des dadurch bedingten niedrigen Grundwasserstandes auf Schwierigkeiten stoßen, wenn mit dem Wasser nicht sparsamer' umgegangen wird. Das städtische Gas- und Wasserwerk ersucht deshalb alle Wasser- oerbraucher, ihre Entnahmestellen wie Zapfhähne, Abortspülungen usw. nachzusehen und gegebenen­falls instandsetzen zu lassen sowie das Waschen der Autos mit dem Leitungswasser einzustellen. Läßt der Wasserverbrauch nicht nach, dann wird die regelrechte Wasserversorgung in Frage gestellt und es müssen einschneidende Zwangsmaßnahmen ange­ordnet werden.

Gewaltige Steigerung des Wafferverbraucbes

Wie außerodentlich stark der Wasserver­brauch in der jüngsten Zeit gestiegen ist, kann man daraus ersehen, daß noch in den ersten Tagen

dieses Monats der tägliche Verbrauch sich auf etwa 7 000 bis 8 0 0 0 Kubikmeter W a s- s e r erstreckt, am Montag mit einem gewaltigen Ruck auf 10 850 Kubikmeter anstieg und gestern eine weitere erhebliche Steige­rung auf 12 260 Kubikmeter erfuhr. Das sind Verbrauchsmengen, die selbstverständlich zu st arten Bedenken hinsichtlich der Vor­ratsbeschaffung führen müssen. Die Leitung des Städtischen Gas- und Wasserwerks hat daher vollkommen recht, wenn sie an die Bürgerschaft den dringenden Appell zu größter Spar­samkeit im Wasserverbrauch richtet. Um selbst auf diesem Wege der Sparsamkeit mit gutem Beispiel voranzugehen, hat das Gas- und Wasser­werk das Sprengen der Straßen, der öffentlichen Anlagen und das Spülen der Kanäle mit sofortiger Wirkung e i n ge- st e l l t. Nunmehr ergeht auch an die Gartenbesitzer der dringende Mahnruf, das Besprengen der Vorgärten mit Wasser aus der Wasser­leitung unbedingt sofort einzu st eilen, damit der gesamte Wasservorrat für den Verbrauch für Mensch und Tier sichergestellt werden kann. Hoffentlich werden unsere Mitbürger diesem berech­tigten starken Mahnruf bereitwillig st Folge leisten.

Aufruf zum Tag der Rosen!

Der Stellvertreter des Führers hat als letzte öffentliche Sammlung den Tag der Rose am 14. und 15. Juli 1934 genehmigt.

An diesem Tage werden im ganzen Reich zwölf Millionen deutsche Naturrosen zusammen mit einer Anstecknadel und einem Seidenband zum Preise von 20 Pf verkauft.

Der Reingewinn dieser Aktion dient zur Finan­zierung der INütterschulung des deutschen Frauenwerks und des Hilfswerkes .Mutter und Kind". Reben diesen beiden Aufgaben wird aber vor allem auch dem deutschen Gärtner eine außerordentliche wirtschaftliche Hilfe zuteil werden. Dadurch, daß der stellvertretende Füh­rer die Aktion genehmigt hat. kann man er­sehen, welche Bedeutung der Führer selbst dem Tage der Rose gibt.

Es darf an diesen Tagen kein Büro eines Rechts­anwalts, kein Wartezimmer eines Arztes, über­haupt keinen Raum, in dem Menschen wohnen oder zusammenkommen,, geben, in dem nicht, wenn auch nur ein kleines Sträußchen, diese Rosen zu finden sind.

Die Geschäfte und Firmen werden aufgefordert, ihre Schaufenster und Auslagen dem Tage der deutschen Rose anzupassen. Es ist selbstverständlich, daß hierbei nur die zum Verkauf gelangenden Rosen der NSV. Verwendung finden werden.

Die Buchhandlungen werden aufgefordert, Rosen­bücher zur Auslage zu bringen, um das Publikum auch so auf die Königin der Blumen, die Rose hinzuweisen.

Deutsche Jungen und deutsche Mädchen erfreuen am 14. und 15. Juli ihre Mutter durch den Kauf wenigstens einer Rose.

helft mit das Werk vollenden!

Am 14. und 15. Juli darf es im Gau Hessen- Nassau keinen Volksgenossen geben, der sich nicht durch den Kauf einer Rose zu dem Wollen des Führers bekennt.

Heil Hitler!

Gez. Müller-Scheid, Gaupropaganda­leiter und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda.

NG.-GemeinschaftKraft durch Freude"

Gleibergfest am 15. Juli.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" ver- anstattet im Rahmen des G l e i b e r g f e st e s ein sog.offenes Singen". In dem inneren Ruinenhof der Burg werden unter fachmännischer Leitung eine Reihe bekannter Volkslieder gemeinschaftlich ge­sungen. Das Amt für Volkstum und Heimat in der NSG.Kraft durch Freude" geht dabei von dem Gedanken aus, daß das Singen nicht etwa nur Sache der Gesangvereine ist, sondern daß es wieder vom ganzen Volke gepflegt werden muß. Ein solches offenes Singen" wird die Freude am deutschen Volkslied und am fröhlichen Musizieren in un­geahnter Weise wecken und hochhalten.

Der Programmverkauf für Dqg Gleibergfest ist sehr gut, es wird ratsam fein, sich bald mit einem Programm, das gleichzeitig zum Eintritt berechtigt, zu versehen. Das Programm kostet 20 Pf. (Er­werbslose 10 Pf.) und ist zu haben:

bei den Amtswaltern der Deutschen Arbeitsfront und den Betriebszellenobleuten der größeren Betriebe,

bei den Amtswaltern der PO.,

bei der Oberhessischen Tageszeitung, bei dem Gießener Anzeiger,

im Musikhaus Challier. ______________________

Zweite Rheinfahrt am Sonntag, 22. Juli.

Die Teilnehmer an der zweiten Rheinfahrt müssen bis spätestens Samstag, 14. Juli, das Geld auf der Geschäftsstelle der NS.-GemsinschaftKraft durch Freude" eingezahlt haben. Der Fahrpreis für Bahn und Schiff beträgt 4,90 RW. ohne Mittagessen, mit Mittagessen 5,50 RIN. Für die Fahrt mit der Zahn­radbahn auf den Niederwald werden Gutscheine zu 0,70 R2N. ausgegeben. Kartenausgabe erfolgt Don-- nerstag, 19. Juli.

Amt für Technik (früher Abtlg. WZTAB.)

An sämtliche Ortsgruppen- und Stühpunktleiter des Kreises.

Die Gauleitung beabsichtigt, zum Zwecke weiterer Arbeitsbeschaffung die das Landschaftsbild verder­benden Abraum-, Schlacken- und Abfallhalden, Kauten, Gruben und Löcher im Gelände durch den Einsatz von freien Arbeitskräften beseitigen zu lassen.

Den Ortsgruppen- und Stützpunkten, in deren Bereich sich Derartige Halden usw. befinden, aehen, soweit die Kreisleitung vom Vorhandensein solcher Schönheitsfehler Kenntnis hat. Fragebogen zu, die auszufüllen und sofort an dasA m t für

Kinder dürfen alles.

Von Max Gidow.

An jedem der zärtlich-warmen Abende dieses Nachsommers war die Strandpromenade des klei­nen Nordseebades bunt belebt. Bis in die früh ein­fallende, sich mild befternende Nacht hinein lustwan­delte alles, was an Kurgästen noch vorhanden war, auf der breit gepflasterten Deichkrone: ältere Damen und Herren, die den Sonnenuntergang stumm be­wundern wollten, aber von Bekannten in ein Ge­spräch über Speisen und Preise in den Pensionen verwickelt wurden; jüngere Ehepaare, die Arm in Arm auf den sacht steigenden Mond warteten; junge Leute, die mit unterdrücktem Lachen nebeneinander gingen und weder vom versinkenden noch vom auf­schwebenden Gestirn etwas anderes gewahrten als den Widerschein in ihren Augen. Dazwischen liefen Kinder, nur wenige noch von den vielen, die tags­über am Strande mit eifervollem Ernst ihre Burgen gebaut hatten, doch immerhin genug, um mit dem hellen Geläut ihrer Stimmen die Nähe und Ferne zu durchdringen.

Je dichter die Dunkelheit wurde, um so lichter wurden die Reihen der abendlichen Prozession, um so mehr vereinzelten sich die Gruppen und Paare auf der langen Promenade. Nur die Kinder sam­melten sich noch einmal, kurz bevor die mahnenden Zurufe der Väter und Mütter einen energischen Ton annahmen, an einer bestimmten Stelle des Deiches. Dort waren die grauen Steinplatten, die den Schrägabhang der Strandbefeftigung bildeten, von ungezählten Kinderfüßen und -Leibern glatt ge­schliffen. Zwei spiegelnd polierte Rutschbahnen lie­fen von der Höhe des Weges zum lockren Sand hinunter, und es war ein ungeschriebenes Recht aller kleinen Badegäste, norm Schlafengehen noch einmal die Glätte des Steins zu probieren.

Von den vielen Bänken der Promenade, die dem Schutz und Benutz des lustwandelnden Publikums empfohlen sind, liebte ich am meisten jene, die zu Häupten der beiden Rutschbahnen stand. Seit ich diese wunderbare Vergnügungsstätte entdeckt hatte, saß ich allabendlich dort und sah dem Treiben der Kinder zu. Dabei erfuhr ich zum ersten Male (oder hatte ich das nur vergessen?), auf wie verschiedene Art sich rutschen läßt. Ich lernte, daß es zwar leicht

ist, auf die schiefe Bahn zu gelangen, daß aber Kunst dazu gehört, mit Anmut abwärts zu gleiten, und daß es höchster Anstrengung bedarf, die schiefe Bahn wieder empor zu klimmen.

Es gab Meister im Rutschen, dort am Strande der Nordsee. Sie beherrschten alle Möglichkeiten der gleitenden Bewegung. Dann gab es Charaktere, die im Bewußtsein ihrer Eigenart sich nur auf eine einzige Weise vergnügten. Es gab Genießer, die mit vielen Mitteln die eilige Lust zu verzögern trachte­ten. Unentschlossene, die der Freude ängstlich ent» qeaensahen, stets etwas unglücklich im Sande lan­deten und doch das Zaudern ihrer Furcht immer von neuem kosten wollten. Es gab Schwerblütige und Tolle, Sachliche und Schwärmerische, Oberfläch­liche und Gewissenhafte.

Und alle rutschten. Einmal nur mit der Sitz­fläche, Dann der Länge nach auf dem Rücken, das nächste Mal auf dem Bauche liegend. Kopfüber, kopfunter. Hockend und gestreckt. Mit den Händen rudernd oder bremsend. Schnell oder langsam. Kon­ventionell oder individuell. Es wurden Höchst- leiftunqen im kunstvollen Rutschen vollbracht und Rekorde in der Häufigkeit aufgestellt. Es wurden Lehrgänge im Wiederhinaufklimmen abgehalten. Mit Ledersohlen gelang es fast nie, aber auch in Gummischuhen oder barfuß nicht immer. Für manche war der Weg zur neuen Lust mit einem Umweg zur nächsten Treppe verbunden, aber die kleine Mühe verringerte das Vergnügen nicht.

Ich hatte schon oft den Kindern zugesehen und mit einigen sogar eine kleine, lächelnde Freundschaft geschlossen, so mit der hinkenden Achtjährigen, deren Freude am tollsten überschäumte, mit dem zwergen­haft anmutenden Jungen im Trainingsanzug, der von allen der Gewandteste war, und mit dem stroh­blonden Buben, der seine Lust sieghaft hinaus­trompetete. Ich hatte mich immer nur mit den kleinen Rutschbahnbesuchern beschäftigt und auf die promenierenden Erwachsenen kaum geachtet. An einem Abend aber war es anders.

Eine junge Frau kam den Weg entlang, in heiterem Gespräch mit zwei Herren. Zu Häupten der Rutschbahn blieben die drei stehen und schauten gleich mir den Kindern zu. Al- sie sich wieder zum Gehen wandten, seufzte die junge Frau hörbar auf und sagte mit einem letzten Blick auf die spiegelnde Bahn, ein wenig bedauernd und ein wenig traurig:

Ach ja, Kinder dürfen alles..." Dann ging sie, von den auflachenden Herren flankiert, weiter.

Ich sah ihr nach. Kinder dürfen alles... Stimmt das wirklich? Und wäre das ein Grund zum Be­dauern und Traurigsein? Wie war es denn, als wir acht- und zehnjährig waren? Durften wir den Wiesenhang oder das Treppengeländer hinunter rutschen? Wir taten es, natürlich, es war eine herr­liche Sache, die aber geheim gehalten werden mußte, sonst wurde die glattgewordene Sitzfläche wieder aufgerauht und zwar nicht auf vergnüg­liche Art.

Kinder dürfen alles? Fühlten wir uns als Kinder nicht eingeengt von taufend Verboten, aber taufend Geboten? Hieß es nicht immer bei jeder freien Regung: Du mußt, du sollst nicht, du kannst auf keinen Fall, du darfst unter keinen Um­ständen! Ist das seither alles anders geworden? Meinten wir damals nicht, nur die Großen dürften alles?

Nun sind wir selbst groß geworden, die Gesetze und Regeln sind mit uns gewachsen, und wir sind nicht weniger eingezwängt als früher. Damals frei­lich hatten die Verbote noch ihren Reiz. Wir waren ja doch die Rutschbahn hinuntergesaust, hatten zap­pelnd im Sand gelegen, uns leicht erhoben und bann versucht, die schiefe Ebene wieder empor zu klimmen. Heute ist das sehr viel mühsamer für uns.

Es war still um mich geworden. Die Kinder waren längst von den mahnenden Stimmen der Mütter und Väter nach Hause gerufen worden. Die Promenade lag einsam. Der Mond war auf- gegangen, die polierten Steine der Rutschbahn spiegelten sein blasses Licht

Ich stand auf und trat an den Rand der Ab­schrägung. Einmal wollte ich es auch versuchen. Ich kauerte mich hin, und es wurde ein wunderbares Gleiten, das nur zu schnell vorbei war. Also noch einmal versucht! Und wieder! Und nochmals! Und ich rutschte im Mondschein, bis höhnisch-empörtes Gelächter mein Vergnügen unterbrach, und ich vor den spitzen Blicken eines älteren Ehepaares abseits flüchten mußte. Ich hörte noch, was der warm ver­packte Mann feiner offenbar schwerhörigen Frau zuflüsterte:So ein Idiot!" sagte er.

In der milden Nacht, die eigentlich viel zu schön war, um mit ihr allein zu fein, seufzte ich zwischen Bedauern und Traurigsein: Ach ja, Kinder dürfen alles!

Technik", Postfach 81, Gießen, zurückzu- senden sind. Fehlanzeige erforderlich.

Die Ortsgruppen und Stützpunkte, die keine Fragebogen erhalten haben, in deren Bereich sich aber Halden und Kauten der obenbezeichneten Art befinden, die zu beseitigen wünschenswert erscheint, fordern Fragebogen sofort beim21 m t für Tech - n i k", Postfach 81, Fernruf 2045, an.

Oer neue Leiter

der städtischen Betriebe.

Mit Wirkung vom 1. Juli ab haben unsere städti­schen Betriebe (Elektrizitätswerk, Gas- und Wasser­werk und Volksbad) einen neuen Leiter in der Per­son des Herrn Diplom-Ingenieurs Robert Lotz erhalten. Der neue Chef der städtischen Betriebe, der Mitte der dreißiger Jahre steht, war in den letzten sieben Jahren Leiter der städtischen Betriebe in Bingen, vorher war er in der Privatindustrie tätig. Das Wirken des neuen Leiters unserer ge­samten Betriebe wird von der Bürgerschaft, der die große Bedeutung unserer städtischen Unterneh­mungen für das Gesamtwohl der Bevölkerung gut bekannt ist, mit den aufrichtigsten Wünschen be­gleiten.

Erfolgreiche Gießener Handwerks­meister.

In Bad Homburg fand am Samstag und Sonn­tag die Landesoerbandstagung der rhein-mainischen Friseure statt. Mit dieser Tagung war ein Preis- Frisieren verbunden, das den Handwerksmeistern Gelegenheit gab, ihre Kunstfertigkeit zu zeigen. Bei diesem Wettbewerb konnten auch zwei Gießener Friseure mit Preisen bedacht werden. In der -Klasse wurde Herr Wenninger, Gießen, und in der 6-Klasse Herr Weinbrenner, Gießen, ausgezeichnet.

Warum deutscher Gparerbund?

Versammlung des Sparerbundes. Ortsgruppe Gießen.

Die Ortsgruppe Gießen des Sparerbundes hielt gestern unter der Leitung des Führers der Ortsgruppe, Herrn Lorenz, eine außer­ordentlich gut besuchte Versammlung im Hotel Hindenburg ab. Der Versammlungsleiter begrüßte insbesondere die auswärtigen Interessenten. Sein Gruß galt ferner dem Redner Des Abends, Dem MinisterpräsiDenten a. D. Prof. Dr. Werner, Der über Das ThemaWarum Deutscher SparerbunD?" sprach. Dem Verbrechen, Das nach Dem Weltkrieg über Das Deutsche Volk hereingebrochen sei, so führte er u. a. aus, sei ein zweites gefolgt: Die Inflation, Die uns Den Weltkrieg zum zweiten Male habe ver­lieren lassen. Das Unrecht, Das an vielen Volks­genossen Damals begangen roorDen sei unD unter Dem sie heute alle noch litten, habe Den vergangenen Staat in seinen GrunDfesten erschüttert. Nun aber bahne sich eine Besserung an, Die Dem Sparer, Der in Der Inflation alles verlor. Den Rest feines Lebens zu sichern geeignet sein könnte.

Er, Der ReDner, habe sich in Den vergangenen Monaten unD seit Die Regierung ADolf Hitler Die Führung in DeutschlanD übernommen habe, stets Dafür eingesetzt, Daß Die SparerschutzverbünDe weiter- bestehen könnten. Im Reiche bestehe, mit Ausnahme von Württemberg, ein Verbot Des SparerbunDes nicht. Er erörterte ferner Die Entwicklung Des Sparerbundes im Dritten Reich und gab Die neu bearbeiteten unD herausgegebenen Satzungen be­kannt. BefonDers hob er Den § 2 hervor, in Dem Die Ziele Des SparerbunDes feftgelegt finD, Die Darin bestehen. Das Sparen unD Den Spartrieb zu för- Dern, Den Sparern Schutz angeDeihen zu lassen, unD sich für Die Abwehr aller SchäDigungen Durch Währungen einzusetzen. Ein weiterer Passus sieht vor: Wahrung aller Rechte Der Sparer unD Gläu­biger unD Ausgleich Der SchäDen Durch Währungs­verfall.

Für das Bestehen des Sparerbundes bestehe, so führte der Redner weiter aus, feine Gefahr. Der Sparerbund stehe im Reiche und in den Landes­verbänden unter rein nationalsozialistischer Füh­rung. Gegenwärtig sei man bestrebt, Verbindung mit Organisationen, die gleichgearteten Zielen zu­arbeiten, zu gewinnen. Das demnächst zu erwar­tende Kapitalkleinrentner-Gesetz werde einen Fort­schritt über den gegenwärtig bestehenden Zustand hinaus bedeuten. Es werde aber noch nicht als eine Erlösung zu betrachten sein. Die Sparerschutzbe-

Oie letzten Honigkuchenbäcker von Budapest.

Wer Budapest, die schöne Residenzstadt auf bei- Den Seiten Der Donau besuchte, Durfte es nicht ver­säumen, Das romantische altserbische StaDtviertel Taban zu besichtigen, Das nun, wie Die unwohn­lichen unD ungefunDen Viertel vieler auch anDerer europäischer GroßstäDte, nieDergerissen roirD. Da­mit ist aber in BuDapest ein altes Handwerk Dem Untergang geweiht, Das nur in Diesem alten Taban in seiner ursprünglichen Form noch besteht, weil es hier allein, allen VerorDnungen unD Verboten zum Trotz, sechzig Jahre nach Der Auslösung Der In­nungen unD Zünfte in Ungarn, noch einen innungs­mäßigen Zusammenhalt wahren unD Die alten Zunftgebräuche beibehalten konnte. Von Diesen Bäckern von Taban stammen alle Die berühmten Honigkuchenherzen, Die jeDem FremDen, Der Ungarn besucht, als Spezialität Des LanDes zum Kauf an­geboten roerDen. Inmitten Des Zuckergusses finD ein kleines Spiegelchen unD ein bedrucktes und bemal­tes Kärtchen auf Die Lebkuchenmasse aufgeklebt, auf Dem ein LiebesgeDicht unD zwei feftoerfdjlungene HänDe zu sehen finD. Früher rourDen Die* Holzfor­men, in Degen Diese Honigkuchen gebacken rourDen, von Den Honigbäckern selbst geschnitzt, unD es fin­den sich heute noch seltene Formen Darunter, so eine aus Dem Jahre 1841, Die Den Kaiser Franz Josef hoch zu Roß im Krönungsornat Der ungarischen Könige zeigt. Von Diesen kleinen ZuckerbäckerläDchen haben auch Die schönen eßbaren ungarischen Hu­saren, Die Wiegen unD KinDer, Die Schwerter und Rosen aus Lebkuchen unD Die sog.Küsse", eine be- sonDers originelle Lebkuchenform, ihren Weg Durch Das ganze LanD angetreten unD finD zusammen mit Den ebenfalls von Den Honigkuchenbäckern ver­fertigten Wachskerzen Der Schmuck Der Christbäume unD 'Der Gräber am Allerseelentag in ganz Ungarn geworben Ob eine UmfieDlun^ Der Honigkuchen­bäcker in Die Durch Das Lieferangebot an großen Wohnungen unD LäDen leerstehenDen vornehmeren StaDtgegenDen gelingt, ist sehr fraglich, Denn sie halten an ihren alten Lebensgewohnheiten unD Sit­ten fest unD finD schwer zu beroegung, an anDerem ten fest unD sind schwer zu bewegen, an anderem aus Ungarn werden, wenn seine treuen Lebkuchen- Herzen gebrochen sind?