Gegenseitige Achtung des nationalen Volkstums ist die beste Sicherung des Friedens.
Eine Ltnterredung mit Reichsinnenmimsier ör. Frick. — Oie Saar bleibt deutsch. — „Kein öder Zentralismus, aber eine starke Reichsgewalt" — der Grundsatz für die Reichsreform.
Berlin, 11. 3ulL (Eigenbericht.) Reichsminister des Innern Dr. Wilhelm Frick gewährte dem Hauptschriftleiter des „Deutschen Schnelldienstes", Pg. karoly Kampmann eine Unterredung, die eine Reihe zeitgemäßer Fragen zum Inhalt hatte. Wir geben die Antworten des Herrn Reichsmlni- sters auf unsere Fragen im nachstehenden wieder:
1. Eine halbamtliche Zeitung des Auslandes hat zu Ihrer Rede bei der DDA.-Tagung in Mainz zum erstenmal in positiver Weise Stellung genommen. Wird nach Ihrer Auffassung, Herr Reichsminister, der Grundsatz der gegenseitigen Achtung des Volkstums allmählich auch die anderen Länder Europas so sehr durchdringen, daß die Möglichkeit kriegerischer Verwicklungen praktisch ausgeschlossen erscheint?
Der Reichsminister: Weine Rede bei der VDA.- Tagung in Wainz war nichts anderes als das Unterstreichen und herausarbeiten des wichtigen nationalsozialistischen Grundsatzes, daß die Liebe zum eigenen Volkstum, die Achtung fremden Volkstums zur selbstverständlichen Folge hat. Ich bin als überzeugter Rationalsozialist der Auffassung, daß die Achtung des fremden Volkstums eine der wichtigsten Sicherungen vor kriegerischen Auseinandersetzungen ist. Die Achtung vor fremdem Volkstum bedeutet im Leben der Völker genau dasselbe, wie die Achtung vor fremden Eigentum im privaten Leben. Wir sprechen deshalb auch von einem nationalen Besitz st and des Volkstums. Denn in allen Ländern gegenseitig der Grundsatz der Achtung des fremden Volkes anerkannt wird, kann die Möglichkeit einer dauernden Befriedung in Europa sehr wohl erreicht werden. Gerade deshalb, weil man dem Rakionalsozialismus immer wieder unterschiebt, er würde eine Politik des Angriffs auf fremde Gebiete machen, betonen wir immer wieder, im vollsten Einverständnis mit dem Führer, der diesen Grundsatz in klarster Weife wiederholt ausgesprochen hat: Uns g e - lüstet nicht nach fremdem Volkstum oder fremdem Gebiet; aber was deutsch ist, soll auch in Zukunft deutfch bleiben!
2. Das Saarland gehört nicht nur blutsmäßig, sondern auch staatsrechtlich
zum Deutschen Reich. Welche Aufgaben stellen sich Ä)nen, Herr Reichsminister, b e i der Ueüernahme des Abstim- mungsgebietes in die Verwaltung des Deutschen Reiches?
Der Reichsminister: Das Saargebiet ist In der Gestalt, wie es der Versailler Vertrag geformt hat, weder politisch noch wirtschaftlich eine Einheit. Staatsrechtlich gehört das Saargebiet zu sieben Achtel feiner Bevölkerung zur Rheinprovinz und zu einem Achtel zur bayerischen Pfalz. Es zählt insgesamt 823 000 Einwohner, die sich fast ausnahmslos zum deutschen Volkstum bekennen. Die Saar i ft deutsch und soll auch deutsch bleiben. Die durch die Rückgliederung bedingten Verwaltungsausgaben werden unter Aufsicht des Reichsministeriums des Innern von den Regierungen der beiden beteiligten Länder nach der Volksabstimmung und der Rückgabe des Saargebietes an das Reich durchzuführen fein. Für das ganze deutsche Volk wird die Heimkehr des Saargebietes, ebenso wie für die deutschen Menschen an der Saar, eine Zell beglückender Erhebung sein.
3. Nach Ihren Worten, Herr Reichsminister, sollte durch die Personalunion mit dem Reichs mini st erium des Innern die Selbständigkeit des Preußischen Innenministeriums zunächst erhalten bleiben. Sind die Voraussetzungen für eine Aenderung dieses Zustandes und für eine weitere Vereinheitlichung im Verwaltungsaufbau des Deutschen Reiches bereits gegeben?
Der Reichsminister: Personal-Unionen führen Im Laufe der Zeit zwangsläufig zu einer immer weitergehenden Ausgestaltung der zunächst nur in der Spitze des Behördenchefs hergestellten Verbindung. Das schließliche Aufgehen der beiden Mini st erlen. ineinander ist Bestandteil der endgültigen Gesamtregelung, die sich nicht auf das Verhältnis zwischen einem Reichs- und einem preußischen Ministerium und nicht auf das Verhältnis Reich und Preußen beschränken kann.
4. Welche Fragen sind es, die bei der von Ihnen, Herr Reichsminister, angekündigten Weiterentwicklung der Reichsreform zuerst einer Lösung bedürfen?
Der Reichsminister: Die Weiterentwicklung der Reichsreform bestimmt sich im Tempo wie sachlich ganz nach der politischen Rotwendigkeit und Zweckmäßigkeit und den sich daraus ergebenden Entschlüssen des Führers. Fast jeder Tag fördert diese Entwicklung in Gesetzgebung und Verwaltung. So brachte die letzte Sitzung des Reichskabinetks vom 3.Juli 1934 allein auf drei Gebieten eine weitgehende Vereinheitlichung bisheriger Länderverwaltungen: im Gesundheitswesen, im Vermessungswefen und im Forst- und Iagdwesen.
5. Als Sie, Herr Reichsminlster, die Leitung des Preußischen Ministeriums des Innern übernahmen, bezeichneten Sie es als die Aufgabe des zweiten Jahres der nationalsozialistischen Regierung, das Reich neu aufzubauen und organisch zu gliedern. Welches sind die Gesichtspunkte, nach denen der Aufbau und die Gliederung des Reiches erfolgen werden?
Der Reichsminister: Der Aufbau des Reiches muh fo geartet fein, daß sich letztlich aufallenreichs- wichtlgen Gebieten die zentrale Reichsgewalt durchsetzt. Der Aufbau muß mitdemgeringsteuAufwandvonKrafl größte Leistungen zu erzielen geeignet fein.
Dies bedeutet nicht öden Zentralismus und einförmige Rivelllerung. Es werden genügend Gebiete übrig bleiben, auf denen sich in den deutschen Landschaften reiches Eigenleben entfallen kann. Richts liegt uns ferner, als etwa das westliche Departement-System zu kopieren, das der ganzen Entwicklung des deutschen Volkes fremd ist. Die deutschen Reichsgaue werden deshalb als Gebletskürperfchaften eigene Rechtspersönlichkeit besitzen; ihnen wird nach dem Vorbild preußischer Provinzen auch die Möglichkeit der Se l b st v e r w a l t u n g eröffnet fein.
Die Reugliederung des Reiches ist heute im Einheilsstaat nicht mehr ein Problem der räumlichen Abgrenzung staalsähnlicher Gebilde. Die Einteilung des Reiches ist nur mehr eine Frage derzweckmäßlgskenverwaltungsglle- d e r u n g. Sie wird nach diesem Gesichtspunkt unter weitgehender Berücksichtigung des historisch Gewordenen zu erfolgen haben.
Lügen haben kurze Beine.
Or. Goebbels rechnet mit den Schwindelmanövern der Auslandspresse ab.
Berlin, 10. Juli. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels sprach Dienstagabend über alle deutschen Sender über das Thema „Der 30. Juni im Spiegel des Auslandes". Der Minister führte in seiner Rede, die in deutscher, englischer, französischer, spanischer und portugiesischer Sprache während der Nacht und im Laufe des Mittwoch auch nach Nord- und Südamerika und Asien übertragen wurde, u. a. folgendes aus:
Meine Volksgenossen und Dolksgenossinnen! Wenn ich heute abend zu Ihnen spreche, so möchte ich mich mit Ihnen an das gesamte Ausland wenden. Ich rufe Sie alle zum Zeugen auf für einige, in der ganzen Journalistik fast beispiellos dastehende Fälle der Lüge, Verleumdung und Verzerrung eines wahren Tatbestandes. Der 30. Juni ist in Deutschland reibungslos und ohne jede innere Erschütterung verlaufen. Der Führer hat mit seiner Autorität und einer bewundernswerten Kühnheit die Revolte eines kleinen Klüngels von Saboteuren und krankhaften Ehrgeizlingen blitzartig niedergeschlagen. Die Ruhe und Ordnung wurde dabei im ganzen Lande nicht g e - st ö r t. Eine ungeheure Vertrauenswelle schlug Adolf Hitler bei seinem mutigen Vorgehen aus der ganzen Nation entgegen. Wenn sich etwas in Deutschland geändert hat, so höchstens, daß das Volk seitdem mit noch größerer Liebe und Anhänglichkeit dem Führer und dem von ihm repräsentierten politischen Regime zugetan ist.
Es wäre anMnehmen gewesen, daß die internationale Weltpresse, die ja doch ihre Beauftragten und gut bezahlten Vertreter in Berlin und anderen großen Städten des Reiches unterhält und damit die Möglichkeit hatte, sich über die Vorgänge des 30. Juni durch Augen- und Ohrenzeugen einwandfrei und objektiv unterrichten zu lassen, mit der im internationalen Verkehr üblichen Wahrheit und Klarheit auch diese Vorgänge dargestellt und beurteilt hätte. Denn es ist ja ihre Aufgabe, ihr Lesepublikum nach bestem Wissen und Gewissen zu unterrichten, um ihm damit die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Urteil über die großen poli» tischen Bewegungsmomente unserer Zeit zu bilden.
Das ist aber statt dessen der Fall gewesen? Abgesehen von einer Reihe seriöser Auslandszettungen, die auch in diesem Falle die ruhige Heberlegung und die Nüchternheit des Urteils nicht verloren haben, ist der übrige Teil der internationalen Weltpresse geradezu in einen Taumel böswilliger Verhetzung und hysterischer Verleumdung hin- eingeraten.
Die deutsche Regierung hat die Vorgänge des 30. Juni mit einer beisviellosen Offenheit dem eigenen Volke und der Welt dargelegt. Sie hat mit nichts zurückgehalten und in allem der Wahrheit die Ehre gegeben. Denn sie war der Ueberzeugung, daß die Niederschlagung der Revolte von der Nation und von der Welt dann am besten verstanden würde, wenn ihre Hintergründe und die daraus ohne Eingreifen des Führers vermutlich entstandenen Gefahren ohne jede Vertuschung der Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wurden. Auch darin unterscheidet sie sich von ihren Vorgängerinnen, daß sie Dinge, die die öffentliche Krttik her
ausfordern, nicht mit dem Mantel der Liebe zudeckt, sondern sie ohne jede Rücksicht den Augen des Volkes preisgibt, damit das Volk erkenne, wie notwendig und richtig ihr Handeln ist.
Die deutsche Presse hat der Regierung bei diesem Beginnen mit einer dankenswerten Disziplin und Aufgeschlossenheit zur Seite gestanden. Sie hat damit bewiesen, daß die große Erziehungsarbeit, die der Nationalsozialismus und fein Regime an ihr geleistet haben, nicht ohne Früchte geblieben ist. Der § 13 des Schriftleitergesetzes vom 4. Oktober 1933 bestimmt, daß Schriftleiter „die Aufgabe haben, die Gegenstände, die sie behandeln, wahrhaft darzustellen und nach ihrem besten Wissen zu beurteilen". Und nach § 14 desselben Gesetzes sind sie verpflichtet, aus ihren Zeitungen alles fernzuhalten, „was die Ehre oder das Wohl eines anderen widerrechtlich verletzt, seinem Rufe schadet, ihn lächerlich oder verächtlich macht".
Mit heuchlerischem Pathos ist ein großer Teil der Auslandspresse in den vergangenen Monaten gegen dieses Gesetz zu Felde gezogen. Sie behauptete, es stelle eine brutale Knebelung der Mei- nungs - und Gewissensfreiheit dar. In Deutschland könne kein offenes Wort mehr gewagt werden. Die Wahrheit sei aus der Presse unseres Landes verbannt. Jedenfalls aber haben Regierungen und Völker anderer Nationen von diesem Gesetz auch ihre Vorteile gehabt. Denn mit derselben Strenge, mit der wir darüber wachten, daß es im innerpolitischen Verkehr gewahrt und geachtet, haben wir auch dafür gesorgt, daß es im Verhältnis der deutschen Presse zum Auslande eingehalten wurde. Wir haben es nicht geduldet, daß Staatsmänner anderer Nationen in der deutschen Presse beleidigt, herabgesetzt ober verächtlich gemacht wurden.Jeder Minister eines anderen Landes wird in Deutschland mit derselben Achtung behandelt, wie der Minister des eigenen.
Wie hat die Auslandspresse diese noble Auffassung beantwortet? Jeder Journalist, der als Auslandsvertreter in Berlin oder in einer anderen Stadt des Reiches die Augen und Ohren aufmachte, konnte unschwer feststellen, daß im ganzen Lande die Ruhe und Ordnung keinen Augenblick gestört ober bebroht war, baß alles sich orbnungsgemäß abspielte, baß bas Volk in feiner Gesamtheit bie Vorgänge im Zusammenhang mit bem geplanten Hochverrat mit einer beispiellosen Begeisterung begrüßte, baß bie Autorität bes Führers auch in ben kleinen Kreisen, bie uns bisher reserviert gegen- überftanben, um ein vielfaches gestiegen ist, baß von einer Krise bes Regimes überhaupt nicht gerebet werben konnte, baß es vielmehr burch bie Beseitigung ber Meuterer erst seine letzte Festigung erhalten hat.
Was hat ein beträchtlicher Teil ber Auslandspreise und der ausländischen Sender daraus gemacht? Eine Lügenphantasie, die in Ihrer Bosheit nur noch verglichen werden kann mit dem Grenelmärchenfetdzug, der während des Krieges gegen Deutschland Inszeniert wurde. Allerdings war sie diesmal miserabel organisiert. Man kann den Inspiratoren dieser Hetze nur den guten Rat geben, in Zukunft vor- kommendenfalls bessere Verbindung untereinander aufrechtzuerhalten, weil sonst auch der blindeste Leser zu argwöhnen anfängt, daß hier
nach Strich und Faden gelogen wird. Während der „Daily Herold" am 6. Juli berichtet, daß der Führer erschossen worden sei, wußte „O e u v r e" zu vermelden, daß es überhaupt kein Komplott gegen Adolf Hitler gegeben habe. Die „R e - publique" aber brachte zwei Tage vorher die erstaunenswerte Neuigkeit, daß Adolf Hitler eine Diktatur im Namen der Reichswehr ausübe und nur noch als ihr Beauftragter handle. Der „M a - t i n" meldete am nächsten Tage, daß die Stellung des Reichskanzlers durch die letzten Ereignisse stark geschwächt sei, während der „I n t r a n s i g e a n t" gleich zwei Attentate auf den Führer mitzuteilen wußte. Nachdem allo Adolf Hitler erschossen worden war, wurden auf iyn zwei Attentate versucht, seine Stellung wurde dadurch außerordentlich geschwächt und als sich obendrein noch herausstellte, daß gar kein Komplott gegen ihn bestanden hatte, übte er nunmehr im Namen der Reichswehr die Diktatur aus.
Am 7.Juli bringt der „Mati n" einen Tat- suchendericht von einem Augenzeuge n, ber als SS.-Mann bei ber Verhaftung in Wiessee zugegen gewesen sein soll. Danach ist Adolf Hitler überhaupt nicht nach Wiessee gefahren. Er habe im Braunen Hause gesessen, und die Verhaftung selbst sei durch Major Buch vorgenommen worden. Ein seriöses französisches Blatt also schenkt dem sogenannten Augenzeugenbericht eines mysteriösen, vielleicht selbst erfundenen SS.-Mannes mehr Glauben als dem Zeugnis des Führers selbst und seiner nächsten Mitarbeiter. Wir müssen also alle Gespenster gesehen haben ober traumgewandelt sein, als wir das Vorgehen bes Führers in Wiessee erlebten!
„Der Attentatsruhm des „I n tra n si g e a n t" läßt den „F iga r o" nicht ruhen. Und so erfindet er denn ein neues Privatattentat auf ben Führer. Der „Jntransigeant" hatte es a u f eine Land- straße verlegt, der „Figaro" verlegt es zur Ab- wechslung aus ein Arbeitsdienstlager. Um dieselbe Stunde weiß R u ß la n d der Welt mitzuteilen, daß Adolf Hitler nach diesem Blutbad zweifellos das Ausland anfallen werde, während der Straßburger Sender feststellte, daß Deutschland keineswegs in der Lage sei, einen Krieg zu unternehmen.
Der „Inlranslgeanl" erfährt am 5. Iuli, daß der Führer von einem Heer von Spitzeln umgeben fei und sich deshalb feine Briefe nur noch an die Abreffe von Frau Goebbels senden lasse. Was um so gemeiner ist. als ber „Intranslgeank" bamit bem Führer burch Verrat bieses Geheimnisses bie letzte Hlög- lichkett nimmt, überhaupt unkontrolliert Briefe zu empfangen.
Die „Morning Post" hat Einblick in ein ganz geheimes Testament des Herrn Reichspräsidenten getan und dort entdeckt, daß er Herrn von Popen zu seinem Nachfolger eingesetzt habe. Der „Daily Telegraph" meldet 24 Stunden später, daß der Herr Reichspräsident im- Sterben liege. Am selben Tage empfängt Hindenburg den Führer und am folgenden Tage das siamesische Königspaar in Neudeck. Infolgedessen sieht sich der „Manchester Guardian" veranlaßt, mitzuteilen, daß der Herr Reichspräsident zurücktreten wolle. Zur selben Stunde werben die Danktelegraryme des Oeneralfelb-
Marschalls an ben Führer und an den preußisch^ Ministerpräsidenten veröffentlicht. Man sollt- meinen, baß bamit ben ßügenfaorifanten der letzt- Wind aus den Segeln genommen sei. Aber fehlge« schossen! Der „Daily Expreß" hat des Rätsels Lösung gefunden: Die Danktelegramme Hinden« burgs wurden erzwungen mit der Drohung, daß man zwei der engsten Freunde des Reichspra- sidenten sonst erschießen werde. Am selben Tage weiß der Straßburger Sender als letzte Neuigkeit zu vermelden, daß Hindenburg bereits vor zwei Monaten ein Einschreiten gegen Göring, Goebbels und Rosenberg gefordert habe, und überläßt es seinen Hörern, sich zu erklären, wieso nun dieses Einschreiten gegen ganz andere Leute ge- richiet wurde.
Ein riesiges Feld sensationeller Lügenmelbun- gen ergibt sich vor allem für bie englische Presse in Bezug auf bas haus hohenzollern. Danach Hal ber Kaiser aus Trauer auf feinem Schloß in Doorn eine schwarze Fahne gehißt. Der ehemalige Kronprinz und Prinz August Wilhelm haben Hausarrest erhallen. Zur gleichen Zeit teilt ber „Intran- sigeant" mit, baß ber ehemalige Kronprinz auf- geforbed worben fei, Dentschlanb sogleich zu verlassen unb im Flugzeug bereits in Doorn eintraf.
Während „Daily Expreß" in diesem Falle zweifellos den Vogel abfchoß mit der Mitteilung, Deutschland sei auf dem besten Wege, die Mo- narchie wiedereinzuführen, Adolf Hitler schwanke nur noch zwischen dem ehemaligen Kronprinzen und dem Prinzen Louis Ferdinand. Der „Paris Soir" indes geht den Dingen auf den Grund. Er hat von einem ganz sicheren Gewährsmann ersah, ren, daß der ehemalige Kaiser den National, sozialisten 35 Millionen zur Derfu, gung ge st eilt habe und er nun mit Recht er, dost sei, daß sie chr Versprechen nicht einhielten und ihn wieder zum Kaiser machten.
Wie stümperhaft aber diese englischen und französischen Meinungsfabrikanten sind, beweist Radio Wien am 1. Juli mit der Mitteilung, daß alle Hohenzollernprinzen verhaftet worden sind, wogegen Radio Straßburg erfährt, daß Prinz August Wilhelm ins Ausland geflüchtet sei. Nun aber wird „Daily Expreß" die Sache zu bunt. Ohne sich durch vorgefaßte Meinungen und Darstellungen in feinen eigenen Spalten irgendwie beirren zu lassen, spürt er die Wurzeln dieser ganzen Entwicklung auf und findet zu seinem Erstaunen, daß die monar- chistische Restauration seit langer Hand vorbereitet war, daß sie nicht etwa in Potsdam oder Doorn ausgekocht, sondern — man sehe, wie einfach und klar — zwischen Mussolini und Hitler in Venedig beschlossen worden sei.
helfe was helfen mag, denken sich nun bie Sudelköche unb nehmen sich der Einfachheit halber reihum alle deutschen Reichsminister vor. Am 1. Juli meldet Information die Verhaftung von Papens. Schwerin-Krosigks und Seldtes. Worauf der Wiener Rundfunk vor Reid erblaßt und prompt und gottesfürchttg mitteilt, daß soeben — man bedenke soeben! — wie wahrheitsgetreu das klingt — soeben also Reichsbankpräsidenl Dr. S ch a ch t in Lichterfelde erschossen worben sei. Währenb also ber Wiener Sender nur mit einem erschossenen Reichsbankpräsidenten aufwarten kann, läßt Radio Straßburg sich nicht lumpen und richtet Herrn von Papen hin. Und um das Bild abzurunden, vernimmt er ganz deutlich Kanonendonner aus der Richtung München. Ieht aber geht der Moskauer Rundfunk aufs ganze und erschießt in einer Massenexekution den sächsischen Ministerpräsidenten von Killinger, General von Hammerstein, Herrn von Gleichen, den ehemaligen Reichsminister Treviranus, den Lhef der Heeresleitung General von Fritsch und Graf helldorf. Wohlgemerkt, Männer, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielten oder spielen unb bei benen sich jedermann unschwer davon überzeugen kann, bah sie noch außerorbenttich lebendig sinb.
Unterdes meldet Straßburg, baß die deutschen Städte menschenleer sind und durch die Straßen bis an die Zähne bewaffnete Polizei unb SA. herumziehen. Don Rußland erfahren wir zur gleichen Zeit, daß die Reichswehr in schweren blutigen Kämpfen mit der SA. in Pommern, Schlesien und Bayern liegt, bei denen es Tote und Verwundete in Massen gegeben hat. Woraus der Rundfunksprecher in Moskau schlicht und einfach die Konsequenz zieht und über den Aether den Satz in die Welt hinausschmettert: In Deutschland herrscht b l ut i g e 5 Chaos. Dieser Satz trifft sich um dieselbe Minute im Weltenraum mit dem Satz des Prager Ansagers, der erklärt, daß in Deutschland völlige Ruhe herrsche. Mit diesen primitiven Feststellungen hat man also offenbar, weil sie sich immer widersprechen, kein Glück, und so begibt man sich spornstreichs ins Gebiet der hohen Politik.
Der Wiener Sender erklärt, daß die deutsch- englischen Transferverhandlungen abgebrochen worden sind, weil alle Weisungen aus Berlin plötzlich ausblieben. Am selben Tage wird in London das deutsch-englische Transferabkommen unterzeichnet. Da lob ich mir doch den Luxemburger Sender, der am 4. Juli entdeckt, daß in Rumänien und Bulgarien von der Donau massenhaft Leichen angeschwemmt worden sind.
Mau erspare mir wettere Einzelheiten. Der Ekel kommt einem hoch, wenn man sich jetzt, ba bie Auslanbpresse insgesamt vorliegt, einen Heberblick barüber verschafft, unb bann damit vergleicht, wie vornehm, nobel unb anffänbig Vorgänge bes Anslanbes in ber beutschen Presse behanbell werben. Dann kann man nur in Seelenruhe ausrufen: Ach, was find wir Wilbe boch für bessere Menschen!
Meine Volksgenossen unb Volksgenossinnen! Ich wende mich an Sie und mit Ihnen an die ganze Welt. Ich frage die Welt, ob sie diese Methoden einer bewußten und systemati- schen Vergiftung ber öffentlichen Meinung b i l lägt unb sich zu eigen macht. Ich frage den anständigen Auslandjournalisten, ob er sich durch das gewissenlose und hinterhältige Treiben seiner Berufskollegen selbst kompromittieren lassen will. Ich frage jeden Mann der Oeffentlichkeit, der noch ein Gefühl für Wahrheit und persönliche Sauberkeit im Verkehr von Menschen unb Völkern untereinander besitzt, ob diese Abirrungen


