Nr. 133 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzriger für Gberhefsen)
Montag, V. Zum 1934
Aus der Provinzialhauptstadt
wohnt Herr | und demgemäß grüßte er kameradschaftlich jeden Londoner Polizisten. Und doch ist ihre nüchtere
er mürbe sogar bei Drange der Geschäfte
»ter das nach ihm be- Achter auf, das zum
Sängerschaft der Festhalle der Darrn- sowie Volks-
stellte Hauptmann o. D nannte Freikorps d.
Massenchöre geboten wurden. In fanden Massenvorführungen städter Turn- und Sportvereine statt, tänze aus der hessischen Heimat.
aus, das Kriegervereinswesen habe in der Zeit nach Herz — er springt zu — auf den Damm — will dem großen Kriege eine erhebliche Krisis durchlebt, sich ihn holen. — Ein Wagen in voller Fahrt. — Neben den Regimentsvereinen hätten auch die Krie- Der Fahrer zieht erschreckt die Bremse, kann sein gervereine durchaus ihre Daseinsberechtigung. Sie I Auto aber nicht mehr zur rechten Zeit zum Halten
Uniform recht unköniglich; der dunkle Filzhelm gibt einen wenig dekorativen Abschluß nach oben.
Diese braven Männer verdienten es, dojj der Dichtkunst gepriesen zu werden; zum mindesten gehört dem bobby ein Denkmal der Dankbarkeit der Nation am Trafalgar Square, wo Nelsons Ruhm verewigt steht.
ten dieselbe Farbe wie die Armbänder haben. Als Ende des 17. Jahrhunderts die Trikotbeinkleider immer mehr aus der Herrenmode verschwanden und Tuchbeinkleider an ihre Stelle traten, mochte man sich doch nicht von dem liebgewordenen Schmuck der Strumpfbänder trennen, sie wurden über der Hose getragen, waren mit schönen Schnallen geziert und fielen in breiten Schleifen über das Bein herab. Bussy-Rabutin erzählt, daß auch die hohen Prälaten ihre Strumpfbänder sorgsam auswählten. Die Kardinäle trugen über ihren roten Seidenstrümpfen goldgestickte Strumpfbänder; nur des Freitags waren sowohl Strümpfe wie Bänder in einem zarten Grau gehalten. Ludwig XV. noch hat sich so malen lassen, daß seine Strumpbänder, wahre Kunstwerke, was Stickerei und edle Arbeit der Schnallen anbelangt, sichtbar wurden.
Am Sonntag abend fanden in allen Lokalen der Stadt kameradschaftliche Zusammenkünfte statt. — Wie die Reichsbahn bekannt gibt, waren bereits Sonntag mittag 80 000 Gäste zu der Festtagung in Darmstadt eingetroffen. Dazu kommen die vielen Zehntausende, die mit Wagen und Rädern gekommen sind.
Vielfach sind die Pflichten des Londoner Schutzmannes. Er muß einen Dieb festnehmen, einen Selbstmordkandidaten überlisten, ein durchgehendes Pferd festhalten, einen besetzten Kinderwagen zum rettenden Ufer geleiten usw. All das geschieht immer und überall mit derselben gleichbleibenden höflichen Hingabe. Belustigt meint M. V. Hughes, er würde sogar bei seinem humanen Gemüt im Drange der Geschäfte einem Straßenpassanten, der ihn unvermittelt darum angeht, hilfsbereit Geld
bringen, — und Herbert wird von den Rädern erfaßt. —
Ja, der Junge lief direkt in den Wagen — heißt es dann.
Täglich lesen wir in den Zeitungen von Unfällen, die das Leben und die Gesundheit von Kindern zerstörten. Beispielsweise wurden im Monat März 1934 allein in Berlin 103 Unfälle durch Kinder verursacht, die auf der Straße spielten. 5 Kinder unter 14 Jahren wurden getötet.
Major v. Wachter zum Oberstleutnant befördert.
Der Kommandeur des I. (Hess. Grenadier-Batls. Jnf.-Regt. 15 Major v. Wachter wurde mit Wirkung ab 1. Juni d. I. zum Oberstleutnant befördert.
Nächtlicher Zecher: „Bitte, wo Brown?"
Zuschauern herzlich und begeistert begrüßt. Der zwei Stunden dauernde Festzug wurde durch zahlreiche Kapellen begleitet. Er nahm sein Ende auf dem Festplatz, wo durch die Darmstädter
Wucher mit Rikschas.
Ein heftiger Kampf ist zwischen der Schanghaier Stadtverwaltung und den Unternehmern ausgebrochen, die die Rikschas, die zweirädrigen, von Kulis gezogenen Wagen des Fernen Ostens, kontrollieren. Man ist der Tatsache auf die Spur gekommen, daß mit den Rikscha-Lizenzen ein schamloser Wucher getrieben wird. Ein Ausschuß, der das Rikscha-Geschäft in der internationalen Niederlassung von Schanghai untersuchte, stellte fest, daß die 10 000 Erlaubnisscheine, die für Rikschas ausgegeben wurden, in den Händen einer Gruppe von 144 Unternehmen find und daß die Marktpreise für Lizenzen, für die an die Stadt 20 Mark pro Stück bezahlt werden, bis zu 700 Mark betragen. Die meisten Inhaber der Lizenzen besitzen selbst keine Rikschas. Eine Chinesin, die über 405 Lizenzen verfügt, gibt diese an andere Unternehmer weiter, die sie wiederum an die Kulis vermieten. Gegen 140 000 Menschen leben allein von dem Rikscha-Geschäft in dem internationalen Bezirk, aber die Gesamtzahl in ganz Schanghai ist. viel größer, da es im ganzen 60 000 Miets-Rikschas gibt. Infolge der hohen Miete tun sich gewöhnlich drei Kulis zusammen, die das Gefährt für 24 Stunden mieten, wobei jeder 8 Stunden arbeitet. Der durchschnittliche Verdienst dieser menschlichen Motoren beläuft sich unter diesem System auf etwa 50 Pfennig am Tage. Die Rikscha-Firmen wehren sich hartnäckig gegen die Forderung, die Mietspreise wenigstens auf die Hälfte herabzusetzen. Man wollte die Kulis gegen ihre Aussauger organisieren. Aber diese Arbeitstiere des Fernen Ostens" weigerten sich, irgend etwas zu unternehmen, aus Furcht, auch noch ihren Hungerlohn zu verlieren.
Bundesführers des Kyffhäuserbundes Generalleutnant a. D. von F a b e ck, der betonte, daß die Armee siegreich aus dem Felde heimaekehrt fei. Mit der Ernennung Adolf Hitlers Aum Kanzler sei der Weg zur Freiheit wieder geöffnet worden.
Aeußerst eindrucksvoll war die den Abschluß des Festaktes bildende Aufführung des Weihespiels „Deutsches Erwachen" von Derwaltungsoberinspek- tor Meyer mit verbindendem Text von Rechnungsdirektor Enders. — Nach dem Fahnenausmarsch wurde die Kundgebung geschlossen. Noch viele Stunden entwickelte sich auf dem großen Feftplatz das rege Treiben des echten Volksfestes. — Am Sonntag früh begann schon um 5.30 Uhr das große Wecken durch zahlreiche Musikzüge und Pfeiferkorps. Anschließend wurden die noch ankommenden Vereine am Bahnhof empfangen. Um 12 Uhr fand dann der
große historische Festzug statt. Die Festwagen der Verbände, Vereine, Innungen und Ständegruppen wurden in den reichgeschmückten Straßen von den Zehntausenden von
Aus der Geschichte des Strumpfbandes.
Auch das Strumpfband ist der Mode unterworfen, und es hat nicht immer bas verborgene Dasein geführt, wie schon bas Beispiel des Hosenbandordens zeigt, der als höchste Auszeichnung des englischen Königshauses sichtbar über dem Strumpf unter dem Knie getragen wird. Aber von biefem etwas ungewöhnlichen Fall abgesehen, der seine besondere Geschichte hat, sind über bas Strumpfband und seine Bedeutung für die Kleidung verschiedener Stände aufschlußreiche Tatsachen zu berichten. So waren die Beinlinge, die eine strumpfartige Fortsetzung der enganliegenden Beinkleider bildeten, wie sie im Mittelalter getragen wurden, durch kostbar gezierte Bänder miteinander verknüpft, und es lag durchaus in der Absicht dieser Zeit, diesen Schmuck des Knies nicht zu verbergen, sondern recht prachtvoll zur Schau zu tragen. Schon die römischen Gladiatoren und Tierkämpfer zeigten, was man auf alten Mosaiken feststellen kann, ihre weit über die Waden herabhängenden Strumpfbänder sehr deutlich. Im 10. und 11. nachchristlichen Jahrhundert war das Stumpfband ein sehr wichtiger Bestandteil der Kleidung, dem die menschliche Eitelkeit die größte Aufmerksamkeit schenkte. Die Bänder wurden am Knie in verschiedenen Farben getragen und waren herrlich geziert. In ber französischen Kirche DÄömont wird noch heute ein Paar ehrwürdiger Strumpfbänber bewahrt, die auf das Alter von acht Jahrhunderten zurücksehen können. Aber nicht nur die Herren, sondern auch die Damen trugen, wie die Chroniken der Höfe berichten, edel- steinbesetzte Strumpfhalter; die Farbe ber Bänder wurde mit denen der Wäsche und Taschentücher in feine Uebereinftimmung gebracht. Rabelais berichtet, in bem Jdealbilde seiner Abtei Thölöme, in der er ein Vorbild vornehmer Geselligkeit und schöner Lebenskunst darstellte, bei der Toilette der Damen auch über ihre Strumpfbänder. Die Frauen trugen damals herrliche scharlachrote Strümpfe aus feinem Tuch mit bestickten Borten, die drei Finger über bas Knie emporgingen. Die Strumpfbänder muß
»Mütter, euch geht es au!"
Herbert hat einen Spiegel bekommen, einen schönen, runden, blanken Spiegel. Der Onkel hat ihn mitgebracht. Herbert steht auf der Sonnenseite der Straße und läßt drüben in den Fenstern, die im Schatten liegen, den Schein seines blitzblanken Spiegels spielen. Die Sonne ersetzt ihm den Scheinwerfer. Das macht Spaß. Herbert steht auf dem Bürgersteig sicher inmitten der Brandung des Verkehrs. Die Autos und Motorräder flitzen an ihm vorbei. Er sieht sie nicht. Er ist diesen Anblick gewohnt — ein Stadtkind. Da trabt in gemütlichem Galopp ein Pferdefuhrwerk vorbei. Herbert sieht auf. Ein seltener Anblick für ihn. Er vergißt sein Spiel Interessiert sieht er dem Gespann nach mit dem Wunsch im Herzen, auch einmal im Hatte- hühwagen durch die Stadt zu fahren. Da macht es kling und „rrr" rollt der schiene Spiegel aus seiner Hand. Herbert versucht ihn zu fassen. Aber wie ein Reifen rollt das kleine, blanke Ding über den Bürgersteig auf den Asphalt. Der große Bogen, den sein Spiegel beschreibt, läuft in kleine Spiralen über und langsam endet die kreisende Bewegung.
d^nz leise macht es „klack" und da liegt er nun mitten auf dem Damm.
Herbert möchte ihn gerne wiederhaben. Er tritt verlegen von einem Bein auf das andere. Hilflos steht der kleine Mann. Die Autos sausen vorbei, die Motorräder knattern vorüber. Keiner der Fahrer bemerkt die hange Sorge unseres kleinen Herbert, der in jedem Gefährt den Zerstörer seines so schönen Spiegels fürchtet. Er möchte Ihn doch gerne wiederhaben. Jeden Moment kann ein Rad über feinen schonen Spiegel sausen und bann ist es vorbei. Er sieht noch das schöne Bild auf der Rückseite. Ts lacht ihn an und dann saßt sich Herbert ein
Oer Londoner Schutzmann.
23tm Or. 3- Horn, Gießen.
In ber wild wogenden Brandung bes Londoner Straßenverkehrs ist der Schutzmann ber ruhende Pol in ber Erscheinungen Flucht. Und in der Tat verdienen biese stattlichen und kraftvollen Gestalten unsere bewundernde Anerkennung und unsere höchste Wertschätzung. Dieser Ueberzeugung gibt z. B. K. C a p e k in seinen Leiters from England in grotesk übertreibender Darstellung mit folgenden Worten überzeugenden Ausdruck: „Sie sind wie Oötter: um einen Kopf überragen sie die sterblichen Menschen, und ihre Macht nähert sich der Allmacht Gottes. Wenn einer seine Hand in Piccadilly hebt, kommt Saturn zum Stillstand, und Uranus strebt auf seiner himmlischen Bahn erst wieder weiter, wenn er bie Hand wieder sinken läßt. Ich sah niemals etwas so Uebermenschlicheres."
leihen.
Es ist bewundernswert, wie er an belebten Straßenkreuzungen mit einem Mindestmaß von Gesten dem drohenden Zusammenprall von eilig jagenden Menschen und von Fahrzeugen aller nur denkbaren Beschaffenheit Einhalt gebietet. Die eine Hand läßt den von rechts kommenden Strom wie einen Vach im Winter erstarren, und der von links her rauschenden Flut gewährt die andere Hand beschleunigten Ablauf. Wenn du eilender Autofahrer in einen solchen erstarrenden Lavastrom gerat , Jo murre nicht, sondern beobachte und würdige unseren Freund in seinem menschenfreundlichen Tun, dein Gemüt wird reichen Gewinn baoontragen. Aller Augen hängen an seinen weißen Aermelauf- schlägen, die gleich Sternen in dunkler Nacht den sichern Weg künden.
Ein wahrhaft enzyklopädisches Wissen wird von dem Auskunftbegehrenden bei ihm vorausgesAt. Englands humoristische Zeitschrift "Punch brachte einmal folgende Unterhaltung als klassische Jllu- firation dafür, wie man des Polizisten Wissen und feinen SchaMvn als schlechthin absolut erachtet.
Hessischer Soldatentag in Darmstadt
60 Jahre Kameradschaft Hassia.
feien nötig zur Pstege des kameradschaftlichen Gei- stes bis in die kleinste Gemeinde hinein. Ueberall mußten die alten Soldaten zusammengefaßt werden, damit sie Schulter an Schulter mit den jungen Stampfern der SA. und SS. die alten Sodaten- tugenhen pflegten. Die NSDAP, habe immer die größte Hochachtung vor den Soldaten des großes Krieges gehabt. Nicht der Soldat draußen ian Felde habe versagt, die Ursache des Zusammenbruches sei die volksfeindliche Politik ber Heimat und die Geldsackpolitik ber Heimat gewesen. Aber gerade bei dieser Achtung vor der Leistung der Frontsoldaten würden diese verstehen, wenn man ihnen zurufe: ,,Achtet im gleichen Maße die alten Soldaten Adolf Hitlers, habt Respekt vor dieser stählernen Jugend, die bis zum 30. Januar 1933 ohne Aussicht, jemals belohnt zu werden, ihr Leben für das deutsche Volk in die Schanze geschlagen hat. „Mancher der alten Soldaten, der in den vergangenen Jahren abseits gestanden habe, werde heute begreifen, daß es der gleiche Frontgeist gewesen sei, der diese Jugend zu ihrem Opfermut beseelt habe. Der gleiche Geist der Opferbereitschaft und des Dienens. Heute, wo die Kriegervereine vom Nationalsozialismus erfaßt feien, schlügen sie auch wieder wahrhaft im Volke Wurzel. So sei fein Wunsch, daß auch die Hassia nicht nur ein Zusammenschluß von alten Soldaten sei, sondern eine Kameradschaft, die bereit fei, alles einzusetzen für den Wiederaufbau der Nation.
Oberbürgermeister und Kreisleiter W a m b o l d t überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Stadt Darmstadt. Als letzter Redner sprach im Namen des
Oberstleutnant v.W achter entstammt einer alten Hessen-Darmstädter Familie, die jetzt in fünfter Generation den hessischen Regimentern Offiziere stellte. Nach altem Brauch trat darum auch der 17jährige v. Wachter 1908 als Fahnenjunker in das stolze Hess. Leibgarde-Regt. Nr. 115 ein, wurde 1910 zum Leutnant befördert und rückte als 22jähriger Offizier mit feinem Regiment in den Weltkrieg aus. Bei den Angriffskämpfen bei Neufchateau 1914 wurde er schwer verwundet. Nach seiner Genesung 1915 wurde er als Oberleutnant und Adjutant der Unteroffiziersschule Wetzlar zugeteilt, von wo er 1917 als Adjutant zum Oberkommando VIII. nach dem Osten versetzt wurde. Noch im Dezember 1917 zum Hauptmann befördert, nahm er beim Garde-Re- servekorps an den Vormärschen auf Riga, Reval usw. teil, bis dieses Garde-Reseroekorps wieder nach Flandern versetzt wurde. Von Flandern aus machte er mit diesem Korps den Rückmarsch nach Berlin mit, wo er in dem berüchtigten Moabit demobilisieren mußte. Auf Befehl der 25. Division
Schutze der hessischen, badischen und roürttembergi- scheu Lande gegen die Spartakisten und Unruhestifter diente. Bei dem blutigen Karfreitag 1919 in Offenbach wurde das Korps eingesetzt und unter Führung von Hauptmann v. Wachter bewiesen die Truppen ihre soldatischen Tugenden. Im Herbst 1919 wurde dann das Freikorps v. Wachter in die Reichswehr ausgenommen und bildete das Reichswehr-Regiment Nr. 35 in Darmstadt, das später in das Reichswehr-Jnfanterie-Regiment 15 umge- wandelt wurde, so daß Hauptmann v. Wachter von 1920 bis 1923 mit seinen Leuten die 1. Kompanie Infanterie-Regiment 15 bildete, deren Chef er war. Nach zweijährigem Dienst beim Ausbildungs- Bataillon Infanterie-Regiment 15 in Marburg wurde v. Wachter 1926 als Lehrer an die Jnfan- terie-Schule nach Dresden kommandiert. Am L Oktober 1932 übernahm der Major v. Wachter oas Kommando des I. (Hess.) Grenadier-Bataillons Infanterie-Regiment Nr. 15, das gleichsam die Tradition seines Freikorps weiterführt. Zugleich war er Landeskommandant von Hessen.
Einen Ehrentag für fein Bataillon brachten die Manövertage im Herbst 1933 als der Führer und Reichskanzler als erste Truppe das Hess. Bataillon auf dem Marsch nach der Rauhen Alb ansprach und die Grenadiere begrüßte. Oberstleutnant v. Wachter verkörpert den Typ des besten deutschen Offiziers: pflichtbewußt und exakt, dabei von gewinnender Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie es die Opferbereitschaft seiner Truppe beweist, die im Hilfswerk schon vor dem Umbruch (Kinderspeisung, Weihnachtsbescherung für Bedürftige) vorbildlich ist.
Führerwechsel im Baun 116 der HI.
Der in den letzten Monaten mit der Führung des Bannes 116 der Hitler-Jugend beauftragte Scharführer Alfred Häuser wurde am 1. Juni nach Darmstadt versetzt, wo er die Führung des Bannes 115 (Starkenburg) übernahm. An seine Stelle trat der Gefolgschaftsführer Otto Häuser aus Friedberg, der am Samstagabend den Unterführern des Bannes 116 durch Gebietsführer Walter Kramer vorgestellt wurde. In her Aula des hiesigen Gymnasiums fand die kurze feierliche Vorstellung statt.
Nach Einführungsworten von Oberbannführer W. Blumenröder ergriff der Gebietsführer das Wort zu folgenden Ausführungen:
Die Hitler-Jugend soll diejenige' Gliederung der nationalsoziaistischen Bewegung fein, die in sich die Grundbegriffe des Nationalsozialismus am schönsten verkörpert. Wir müssen diejenige Einheit sein, die in ihren Reihen den Begriff der deutschen Revolution klar und eindeutig erfaßt hat und wie sie die Voraussetzung ist für den Endsieg unseres Führers. Deshalb müssen Führer und Gefolgschaft auf Gedeih und Verderb verbunden sein. Die dann wachsende Gemeinschaft gibt uns die stolze Ueberzeugung, daß die Kameradschaft und das treue Zusammenhalten in uns zur höchsten Blüte entfaltet worden sind. Wenn wir heute hier zusammengekommen sind, dann muß ich euch etwas für den Augenblick äußerst Notwendiges sagen. Wir betonen an uns immer wieder den revolutionären Geist, den wir in uns tragen. Diese revolutionäre Einstellung bedeutet aber nicht Ablehnung alles dessen, was in der Vergangenheit war. Vielmehr holen wir uns die Kraft zu neuem Vorwärtsstür- men bei den heldischen Vorbildern der deutschen Geschichte. Wir verehren jene Menschen, die schon in den vergangenen Jahrhunderten im Glauben an eine bessere Zukunft für Deutschland in den Tod gingen. Und wenn wir die Geschichte Nachlesen, dann finden wir immer wieder, daß die deutsche Jugend auch in den vergangenen Jahrhunderten schon für Deutschland gekämpft und, wenn es galt, auch für Deutschland gestorben ist. So sind wir gewissermaßen heute ein Glied in der Kette dessen, was das deutsche Volk aus sich heraus hervorgebracht hat.
Was an Edlem in den vergangenen 14 Jahren geschah, gebietet uns Ehrfurcht. Ich erinnere an Schlageter, Horst Wessel und Herbert Norkus. Das schlechte Landesverräterische aber befiehlt uns radikale Zertrümmerung. Denkt immer daran, daß
Polizist: „Gewiß sind Sie selbst Herr Brown." Zecher: „Ganz recht, also wo wohne ich?" Einmal sah ich wie ein Schutzmann einen Betrunkenen durch - den riesenhaften Verkehr der Oxford Street zu steuern sich mühte; nicht mit drohenden Gebärden, sondern mit dem gütigen Zuruf „Come along, Sir!“ entriß er ihn dem sicheren Untergang. Sehr interessant ist es, den Schutzmann und die englische Volksmenge bei einem Straßenzwischenfall irgendwelcher Art zu beobachten. Völlig taub ist er gegen die persönlich gefärbten Unschuldsbeteuerungen der entsprechenden Sünder; in aller Seelenruhe trifft er seine Erkundungen und Anordnungen. Er läuft nicht Gefahr, daß sich das kritische Publikum an ihm neckt ober sogar offen gegen ihn Partei ergreift. Gewiß ist er der Schrecken der Gauner aller Fakultäten, aber den 99 Gerechten ist er ein helfender Freund. Er tritt nicht als strafende Nemesis auf und braucht auch keinen Säbel zu tragen. Das einzige Symbol feiner polizeilichen Autorität ist ein kurzer Knüttel (trun- cheon), der in einem Lederfutteral ruht und nur im äußersten Notfall das Tageslicht schauen darf.
Kein Wunder, daß sich der Schutzmann schon lange feinen Platz im Herzen feines Volkes erobert hat; ber Dolkswitz nennt ihn bobby ober peeler (nach Bob sRobertj Peel), ber dem englischen Polizeiwesen seine heutige Gestaltung gegeben hat). Mit dem folgenden Kompliment ehrt den bobby das französische Volk: Your police do notliing, yet everything is done by them. (Eure Polizei tut nichts, aber alles geschieht durch sie.) Die meisten englischen Theater geben zu Weihnachten eine Pantomime. Den Schluß bildet ein Possenspiel, bei dem des Schutzmanns breiter Buckel viele Schläge hinnehmen muß, während sein Partner, der Clown, mit der Hammelkeule triumphierend davoneilt. Man lacht auf Kosten des armen bobby; aber es ist kein feindliches Lachen, es ist ein Lachen geboren aus dem Gefühle warmer Sympathie mit dem Geschlagenen. Sein Unterliegen im unschuldigen Spiel des Theaters ist psychologisch ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit gegenüber seiner Allmacht in der Wirklichkeit des Straßenverkehrs.
Ein erotischer Fürst hatte zum erstenmal seine heimischen Urwälder verlassen und sich für langer^; Zeit zum Besuch nach London begeben. Als er nach ber Heimkehr gefragt würbe, was in der Riesenstadt am meisten auf ihn Eindruck gemacht habe, antwortete er festen Tones: The Kings in blue. (Die Könige in Blau.) Ihm war es klar, daß eine solche Autorität nur Königen gegeben sein kann;
Darmstadt, 10. Juni. (LPD.) Herrliches Sonnenwetter grüßte am ersten der beiden Festtage die Tausende alter Soldaten, die aus Anlaß der 60- jährigen Gründungsfeier der Kriegerkameradschaft Hassia nach Darmstadt gekommen waren. Die Einleitung der Veranstaltung bildete am Samstag früh die große Verbandstagung im Städtischen Saalbau. Der Führer des Landesverbandes Hessen-Darmstadt im Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser, Generalleutnant a. D. von Oidtmann eröffnete die Tagung und wies besonders auf die großen Verdienste hin, die sich der verstorbene Reichsführer des Kyffhäuserbundes General v. Horn erworben hat. Der Kyffhäuserbund stelle heute die SA.-Reserve II und formiere sie. Der Führer ging dann auf die Neueinteilung des Landesverbands Hessen ein, zu dem die Pfalz hinzukvmmt, während Oberhessen nach Kurhessen kommt. Zum Schluß seiner Rede streifte der Redner die Geschichte der Hassia. Man dürfe nie vergessen, die Jugend zur Hochachtung vor den Taten ihrer Väter zu erziehen.
Die Grüße des Reichskriegerbundes Kyffhäuser wurden durch Generalleutnant v. F a d e ck (Berlin) überbracht. Anschließend wurden Kassen- und Geschäftsbericht gegeben. Die einzelnen Punkte der Tagesordnung, wie Kleinkaliberschießen, Zeitungswesen, Vortragswesen, Sammelwesen und Unter- stutzungswesen wurden rasch erledigt. Zum Abschluß der Tagesordnung behandelte Major a. D. v. Wange n h e i m Luftschutzfragen. Anschließend überreichte Generalleutnant v. Oidtmann den Fäh^enabord- nungen des Kriegervereins Darmstadt und des Kameradschaftlichen Kriegeroereins 1874 anläßlich ihres Jubiläums die Hafsiamünzen mit Schleifen.
Am Nachmittag fand der imposante Fahnenmarsch van säst 200 Fahnen vom Hauptbahnhof bis zum Schloß statt. Zehntausende von Zuschauern umsäumten die Marschstraßen. An dem Festmarsch der Fahnen nahmen über 250 Fahnen der Hassia teil. Neben den Militärvereinen nahm auch der Stahlhelm am Zuge teil. Vor dem Schloß erfolgte als Abschluß des Fahnenmarsches ein schneidiger Vorbeimarsch vor dem Landesverbandsführer.
Bei dem
großen Festakt,
am Abend in der Festhalle, begrüßte der Führer der Feftkeitung, Eidenmüller - Darmstadt, alle Erschienenen. Im Namen der Hassia dankte der Redner der Darmstädter Bevölkerung für ihre überaus herzliche Aufnahme der alten Soldaten. Nach der Rienzi-Ouvertüre erfolgte die große Festansprache des Landesverbandsführers. Dieser hessische Svldatentag werde in engster Verbindung mit der gesamten Bevölkerung gefeiert und fei ein echtes Volksfest. Dem deutschen Volke liege das Soldatische so sehr im Blute, daß man Volk und Soldat niemals werde trennen können. Eine besondere Aufgabe der alten Soldaten fei es, der deutschen Jugend immer wieder die Großtaten Deutschlands in den Jahren des Krieges nahezubringen. Daraus würde die Jugend Kraft schöpfen zur Bewältigung der großen Aufgabe, die der Wille des Führers ihr vorzeichne. Der gefallenen Kameraden gedenkend sagte Generalleutnant v. Oidtmann, daß man ihrer nicht trauernd nur gedenken solle, vielmehr wären sie auf etwig leuchtendes Vorbild, das zur Nacheiferung ansporne. Der Redner schloß mit einem Treuegelöbnis zum Führer.
Nach dem Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes führte
Gtaatsminister Jung


