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HU33 Zweites Blatt

Lietzener AnzelgntGeneral-Anzetger fürOberhessen)

Montag, U.Zuni 1934

Richard Strauß, persönlich.

Eine Handvoll Anekdoten zum 11. Juni.

23on Hans Sturm

Daß man einmal es mögen rund dreißig Jahre her fein über Dissonanzen, Frivolität, Melodien­leere und Formmangel desNeutöners" Richard Strauß zeterte und dabei die anschmiegsame und dennoch stoßkrästige Polyphonie (besonders seines Till E u l e n s p i e g e l") fast übersah, jedenfalls nicht immer als seine neudeutsche Art erkannte, diese Zeit ist vergessen. Heute wissen wir, daß kein deut­scher Komponist seit Richard Wagner unser Mu­sikdenken bis zum Weltkrieg und auch noch später so stark beeinflußte wie er. Sein Werk sympho­nische Stücke, Oper», Lieder ist klassisch gewor­den; es steht im breiten Schlagschatten desWohl­temperierten Klaviers" von Johann Sebastian Bach. Der Musikant Strauß wird ergänzt durch den Diri­genten Strauß, der einen Mozart deutsch gibt, die ganze Schalkhaftigkeit eines Haydn mit bajuva- rische-r Fülle heraushebt oder, von Berlioz gepackt, dessenPhantastische Symphonie" aufrauschen läßt zu hinstürmender Gegenwart.

Weniger bekannt, trotz mehrerer guter Biogra­phien, ist der Mensch Richard Strauß, den einmal ein Musikkennerunanekdotisch" genannt hat; und doch können manche Begebenheiten um ihn, manche Arabesken seines Alltags, das Bild des Musikanten und Dirigenten umrahmen.

In seinen Jugenderinnerungen erzählt er von seinen Anfängen:Für mein öffentliches Debüt stellte mir Bülow als Aufgabe Mozarts Klavier­konzert 0-Moll. Statte ich auch den Sommer fleißig geübt, so zitterte ich, als keineswegs durchgebildeter Pianist, doch höllisch davor, das Stück unter Bülows Leitung zu spielen. Nachdem der erste Satz leidlich gelungen war, ermunterte mich der liebenswürdige Meister mit den Worten:Wenn Sie nicht was Besseres wären, könnten Sie auch Klavierspieler sein."

DerGuntram", ein Jugendwerk, ist bekanntlich ganz im Banne Richard Wagners entstanden. Auf diesen Zusammenhang spielt eine recht bissige Ant­wort an, die Strauß einmal auf einer Probe erhielt. Als nämlich den Cellisten zum großen Aerger des Komponisten eine Stelle immer wieder mißlang, rief der alte Menther:Herr Hofkapellmeister, ärgern Sie sick; nicht, die Stelle bringen wir im Tristan auch nie heraus."

1868 dirigierte Strauß in Meiningen und war ein besonderer Freund des berühmten Meininger Schauspiels, von dem er keinen Abend versäumte. Im April verließ er Meiningen und berichtet davon folgendes:Als ich mich bei den hohen Herrschaften verabschiedete, spendete mir Frau von Heldburg*, die aui Bülow und der Kapelle Ruhm immer etwas eifersüchtig gewesen war, die huldvollen Abschieds­worte: ,^Seine Hoheit der Herzog und ich bedauern sehr, baß wir Sie so bald schon wieder verlieren (ich setzte bereits zur ersten geschmeichelten Verbeu­gung an). Sie waren der beste Claqueur**, den wir seit langem im Schauspielhaus besessen haben."

Um 1900 Strauß hatte eben seineAlpen- s y m p h o n i e" beendet saß in einem Münche­ner Braustübl ein Künstlerstammtisch beisammen; unter den angeregt Streitenden waren auch Richard Strauß und ein als unerbittlicher Gegner Strauß» scher Musik bekannter Kritiker. Zu vorgerückter Stunde kam die trotzdem vortreffliche Unterhaltung auf das ThemaKrokodile", und ein Mediziner be­mühte sich, den Unterschied zwischen einemAlliga­tor" und einemKaiman" festzustellen, wurde aber bald kurzerhand von dem Musikkritiker unterbrochen,

* Eigentlich Ellen Franz, als Freifrau von Held­burg dritte (morganatische) Gemahlin des Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen.

** (Bezahlter) Beifallklatscher im Theater.

der behauptete, beides wäre dasselbe. Als sich Strauß einmischte, fragte der Kritiker etwas hastig: "versteht denn ein Musikant überhaupt etwas von Krokodilen?" Ruhig sagte der Komponist:Genau so viel wie ein Musikkritiker von Musik!" Darauf konnte der Kritiker nur erwidern:Stimmt! Und Richard Strauß ist tatsächlich der beste, nein, der allerbeste Krokodilkenner der Gegenwart!"

Auf einer Konzertreise war Richard Strauß ein­mal Gast in einer englischen Familie. Während die Tochter des Hauses, wohl dem berühmten Gast zu­liebe, am Flügel eine Beethoven-Sonate mit fliegen­den Armen und reichlichem Pedal herausarbeitete",

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unterhielt sich der Komponist derSalome" in einer Ecke des Saales mit einem Londoner Mu- sikprofeffor sehr angeregt und legte dabei feinen Arm um den Kopf einer Beethoven-Büste, natürlich ohne irgend einen besonderen Grund. In einer Pause nahm die Dame des Hauses den Professor, der ein langjähriger Freund des Hauses war, bei» feite und sagte:Finden Sie, lieber Professor, es nicht auch zum mindesten merkwürdig, daß Strauß sich bei seiner Unterhaltung mit Ihnen auch noch auf den Bronzekopf seines großen Landsmannes stützt, dessen Klaviersonate meine Tochter den Gästen nahebrachte. Seien Sie ehrlich! Was sagen Sie i>a,3u?" Mit einem feinen Lächeln antwortete der Gefragte:Wenn ich ganz ehrlich sein soll, ich glaube, Strauß hat Beethoven nur die Ohren zu­halten wollen, weil er, hm, seinem großen Lands- mann den Genuß nicht gönnte!" Der letzte Satz der Sonate fiel unter den Tisch.

Zu der unvollendet gebliebenen heiteren Oper Die drei Pintos" von Carl Maria von Weber hatte Gustav Mahler einen Schluß komponiert. Nach der Uraufführung wurde Richard Strauß gefragt, was er zu diesem ergänzten Fragment sage.Da müßte ich erst wissen", meinte Strauß,was in dem Werk gewebt und was gemahl ist."

Im Speisewagen. Dem Komponisten gegenüber nimmt einHerr" (Marke Neureich) geräuschvoll Platz, streckt die Beine in den Wagen, schnauft, wühlt mit der Rechten in seinem strohigen Haar, fächelt sich mit der Speisekarte Kühlung zu, zieht mit der Nase und schneuzt sich dann dröhnend. Strauß hört und sieht sich das geduldig an. Als aber wenige Minuten später sein Gegenüber das Essen

hinabschlingt und dabei gluckst und schmatzt, erkun­digt er sich lammfromm:... und mit den Ohren können Sie gar nichts?"

Einmal bat ihn eine junge Verwandte, ihm Vor­spielen zu dürfen. Strauß ließ das mehr als un­fertige Spiel mit Engelsgeduld über. sicb ergehen. Als die letzten Töne des Klaoierkonzeries seines vergötterten Mozart verklungen waren, erhob er sich und verbarg Erstaunen und Empörung über so viel DilMantismus in den von väterlichem Wohlwollen untermalten Worten:Heirate recht bald, mein liebes Kind!"

Richard Strauß ist ein leidenschaftlicher und guter Skatspieler. In einem Kurhaus spielt er einmal mit einem Fremden. Gewinnt und gewinnt. Der Fremde wird immer unruhiger und braust endlich auf:Sie sind ein Glückspilz!" Richard Strauß lächelt: Wieso?" Der andere antwortet erregt:Sie spielen ja heute mit einem unerhörten Schwein!" Der Komponist lächelt wieder:Verzeihung mit wem sagten Sie eben spiele ich heute?"

Es war im Jahre 1930. Ein Theaterdirektor be­sprach mit dem Komponisten die Ausführung einer Strauß-Oper.Spielen Sie .Ariadne auf Naxos', wenn ich als Ehren-Naxiote (kurz zuvor hatte die Jnselftadt Naxos ihn und einem deutschen Archäolo­gen zum Ehrenbürger ernannt) einen Vorschlag machen darf." Bedenklich wiegte der Theatermann den Kopf und sagte:Ich weiß nicht, ob wir nicht doch lieber den .Rosenkavalier' geben. Sehen Sie, die .Ariadne auf Naxos' mag das bedeutendste Ihrer Werke, gewissermaßen der Mont Blanc Ihrer Schöpfungen sein, der .Rosenkavalier' ist vielleicht, na, sagen wir einmal, nur der Rigi. Aber schauns, auf den Rigi gehen halt viel mehr Leute!"

Der Weg des großen deutschen Symphonikers unserer Tage kam her von den herrlichen Quartetten desgöttlichen Amadeus" und dem tiefen Melodien­zauber des alten Haydn, führte über Wagner zu Bruckner und kehrte der schärfer Hinhorchende wird es bestätigen wieder zu Mozart und Haydn zurück, aber der Weg des siebzigjährigen Meisters ist noch nicht zu Ende.

Graf Golms Intendant der Berliner Volksbühne.

Bernhard Graf Solms, bisher Intendant des Friedrich-Theaters in Dessau, wurde als Inten­dant an die Volksbühne am Horst-Wessel-Platz in Berlin berufen.

Daten für Montag, 11. Juni.

1847: der englische Seefahrer John Franklin auf einer Polarexpedition gestorben (geboren 1786); 1859: der österreichische Staatsmann Fürst von Metternich gestorben (geboren 1773); 1864: der Komponist Richard Strauß in München geboren; 1929: der österreichische Außenminister Gras Julius Andrassy in Wien gestorben (geboren 1860).

Der Adlerschild für Richard Strauß.

Der Adlerschild, die höchste Auszeichnung des Deutschen Reiches, die demSchöpfer und Meister deutscher Musik" Richard Strauß anläßlich seines 70. Geburtstages vom Reichs­präsidenten verliehen wurde.

?-

Oer Meister

desRosenkavaliers".

Zum 7V. Geburtstag von Richard Strauh.

Äon Dr. Hans Schaar.

Wenn das deutsche Volk seinem großen Musiker in diesen Tagen eine Fülle von Glückwünschen dar­bietet, so bekennt es sich damit aufs neue zu seiner geistigen Aufgabe und vor allem zu dem Werk im gewaltigen Reich der Töne, dem auch Richard Strauß sein ganzes Leben gewidmet hat. Wäre die Musik unserer Zeit ohne ihn überhaupt denk­bar? Gewiß nicht! Ein Blick auf sein Schaffen überzeugt uns von dem großen Einfluß, den er auf das geistige Leben der Nation ausgeübt hat und von den starken Eindrücken, den feine Schöp­fungen auch jenseits der Grenzen hinterlassen haben, so daß Deutschlands Weltgeltung auf dem Gebiete der Musik bis in die Gegenwart unerschüttert blieb, weil sie neuen belebenden Zufluß erhielt. Man nannte Strauß einst den Generalmusik­direktor von Europa und verlieh ihm damit einen Ehrentitel, der seine umfassende Bedeutung treffend kennzeichnet. Und doch ist seine Geltung nicht ein für allemal geprägt; noch immer steht feine Gestalt zwischen zwei Lagern, den begeisterten Anhängern und leidenschaftlichen Gegnern, wenn sich dieser Widerstreit auch seit langem zu seinen Gunsten entschieden hat. Man mag zu dem Künstler und Menschen Strauß stehen wie man will, er ist von hinreißender Lebendigkeit und machtvollem Schwung, so daß niemand ohne Aus­einandersetzung an ihm oorübergehen kann. In seiner Musik wohnen viele Seelen, die Zeugnis ob­legen von der Entwicklung dieses Geistes und von den großen Wandlungen, durch die er hmdurchge- fdiritten ist, bevor er zu dem wurde, der heute als einer der führenden Geister der Nation vor uns steht.

Richard Strauß hat sich zu dieser Wand­lungsfähigkeit, die den Reichtum seines Künstler­tums voll zur Entfaltung bringt, stets unumwunden bekannt und keine schiefen Umdeutungen seiner frü­heren Werke versucht. So äußerte er sich m einem Gespräch schon vor vielen Jahren:Wenn Sie einen Schaffenden unserer Tage ernst nehmen, so dürfen Sie nicht gleich den Stab über ihn brechen, sondern müssen sich die Frage vorlegen, ob per Komponist ihrem Fassungsvermögen vielleicht nicht doch Dorangeeilt war. Nichts Schlimmeres als das Festhalten an erstarrten Formen. Mein eigener Vater hatte diesen großen Fehler. Weil. er im Jahre 1865 als Hornist des Münchener Hoftheaters

der Meinung war, daß er Wagner nicht verstehe, so wollte er seine Ansichten auch später nicht ändern."

Vom Vater hatte Richard Strauß die musikalische Begabung und die Freude am Handwerk des Mu­sikanten: der alte Franz Strauß hat Wagner und Hans von Bülow in ihrer Münchner Zeit schon viel zu schaffen gemacht. Von ihm stammt wohl auch ein gut Teil der Abneigung, die der junge Strauß gegen Richard Wagner gehabt hat, dem er dann später so begeistert, aber doch in stol­zer Selbstbehauptung, gefolgt ist. Der Gewalt dieser Einstellung zu dem Genius der beutfchen Musik gibt ein Brief des Komponisten an T h u i 11 e nach einerSiegfried"-Aufführung ungeschminkt Ausdruck:Gelangweilt habe ich mich wie ein Mops, ganz grauenhaft habe ich mich gelangweilt, so fürchterlich, daß ich Dir's gar nicht sagen kann, es war scheußlich. Die Einleitung ist ein langer Paukenwirbel mit Bombardon und Fagotten, die in den tiefsten Tönen brüllen, was so dumm klingt, daß ich gerade hinausgekacht habe." Diese kräftige Sprache im Munde eines Vierzehn- oder Fünfzehn­jährigen zeigt aber schon, wie der ganze Mensch von der Musik gepackt ist und leidenschaftlich in ihr lebt; außerdem ist sie ein Beispiel der bajuvarischen Grobheit, bie Richarb Strauß zeitlebens nicht ver­lassen hat.

Schon mit vierzehn Jahren hatte er seine Kon- trapunttftubien vollenbet unb sechs Jahre später vertraut ihm Hans von Bülow, ber Gönner unb Beschützer bes jungen Himmelstürmers, zum ersten Mal ein Orchester an. Das war im Jahre 1885, als ber Jüngling herzoglicher Musikbirektor in Mei­ningen würbe unb bie Zuhörer burch bie instru­mentale Pracht seiner Musik entzückte. Bülow hatte den sieggewohnten jungen Strauß damals in An­spielung auf Richard WagnerRichard II." ge­nannt, eine Bezeichnung, die später so manche Miß­deutung begünstigte und die zeitweilig völlig ab­wegig so verstanden wurde, als ob in Strauß der Ueberroinber" Wagners auf ben Plan trete. Als Opernkomponist begann er im Jahre 1894 sogar > ganz wagnerisch. Nicht minber groß sinb bie Ein- ! flüsse ber Lisztschen Tonbichtungen. Auch bie . Wirkung ber anberen Großen im Reiche ber Musik, Beethoven, Mozart, Hoybn unb Schu­bert sinb unverkennbar zu spüren. Richarb Wag­ner unb Franz Liszt waren seine eigentlichen Lehrmeister; barüber sagte er einst:Ich glaube, ich habe von Wagner gelernt, was es überhaupt nur von ihm zu lernen gibt: bie Opernkomposition auf Grunb ber Verbindung von Text und Musik; .die Behandlung des Rezitativ eines Richard Wag­ner muß jedem modernen Musiker Beispiele geben I unb Vorbilber zugleich, ich meine, ich habe ba

I nichts außer Acht gelassen unb bin boch nicht in ben I Fehler gefallen, zu kopieren."

Die Fülle seiner Werke ist fast unermeßlich. In ben sinfonischen Dichtungen unb Opern hat sich seine Eigenart zuerst unb am nachdrücklichsten ge­zeigt. Er stürmte zuerst als ein kühner Experimen­tator voran, und während dieser Zeit hat er seinen heftigsten Gegnern den Fehdehandschuh hingewor­fen. Aber allmählich sind auch diese Widersacher, denen Strauß in seiner sinfonischen DichtungE i n Heldenleben" ein Denkmal gesetzt hat, still ge­worden. Aber auch Strauß hat sich geändert unb ist ruhiger unb reifer geworden; die gewagten Ver­suche, die seinen Gegnern alsrücksichtslose Neue­rungen" erschienen, sind einer größeren Einfachheit und Innerlichkeit gewichen. Die Aufführung seiner S a l o m e" erregte noch 1908 in Neuyork einen Sturm der Entrüstung, so daß die Absetzung vom Spielplan erfolgen mußte. Auch als Liederkompo­nist hat sich Richard Strauß einen bleibenden Platz in der deutschen Musik errungen; seine Vertonun­gen von Texten von Dehmel, Liliencron, Mackay, Bierbaum und H e n ck e l l sind fein­abgestimmte Stimmungsbilder.

Von vielen ist Richard Strauß vorgeworfen wor­den, daß seine Musik zu sehr Erzeugnis blendender Gehirnarbeit sei, daß in ihr manche gesuchte Ur­sprünglichkeit sei und baß Wissen und technisches Können an ihr mehr beteiligt seien als Herz und Gemüt. Darauf läßt Strauß sich selbst vernehmen: Wenn man mir vorwirft, ich schreibe zu kompli­ziert zum Teufel! Noch einfacher kann ichs nicht ausdrücken, und ich strebe nach möglichster Einfach­heit; ein Streben nach Originalität gibt es bei einem wirklichen Künstler nicht. Was meine musikalische Ausdrucksweise oft überfeinert, rhythmisch zu subtil und reichhaltig erscheinen läßt, ist wahrscheinlich ein Geschmack, der mir leicht als gewöhnlich, schon oft dagewesen und daher überflüssig, nochmals wieder­gekaut zu werden, erscheinen läßt, das andern, nicht bloß Laien, als höchst modern und dem zwanzigsten Jahrhundert angehörig vorkommt." Die besonders stark ausgeprägte Jnstrumentierungsgabe in feinen späteren sinfonischen Dichtungen hat 'dem Vater einmal die Bemerkung abgenötigt:Dabei bekomme man ein Gefühl, als wenn man die Hosen voll Maikäfer habe." Was hier humorvoll-bajuvarisch ausgedrückt ist, bezeichnet die wunderbare Geschmei­digkeit der Jnstrumentationskunst dieses großen deutschen Musikers und Tondichters, von dem P u c c i n i aus Anlaß derSalome"-Aufführung geäußert hat, er sei der Einzige aus der nachwag­nerischen Periode, der sich neben dem Bayreuther Meister nicht wie ein Zwerg neven einem Riesen ausnimmt.Richard Strauß", so sagte der Italie­ner,ist ein gewaltiges musikalisches Temperament,

stark wagnerisch, aber dennoch von selbständiger Schaffenskraft und Originalität."

Das deutsche Volk ehrt in Richard Strauß an diesem hohen Feiertage die Größe seiner musikali­schen Ueberlieferung, die in der Gegenwart einen so treuen Bewahrer und selbständigen Weiterge­stalter gefunden hat.

Zeitschriften.

Der Naturforscher" vereint mitNa- tur und Technik", Juniheft Hugo Bermühler 23er- lag, Berlin-Lichterfelde. Nachdem Ausführungs- befhmmungen zu dem Gesetz zur Verhütung erb- kranken Nachwuchses erschienen sind, ist es an der Zeit, die Auswirkungen dieses wichtigsten Gesetzes zur Volksaufartung, sowie des Gesetzes gegen ge­fährliche Gewohnheitsverbrecher zu überblicken. Die- ser Aufgabe unterzieht sich Professor Dr. Walter- Bremen in seinem BeitragDie Gesetze zur Volks­aufartung". R. Hundt gibt in seinem Beitrag "Wie lebten die Graptolithen?" eindrucksvolle Bil­der und interessante Ausdeutungen dieser mittel­deutschen Funde aus frühester erdgeschichtlicher Vor- zeit. Wie es erreicht wurde, durch sorgfältige Schallmessungen und Versuche em allen bei unse­ren Schreibmaschinen Lärm verursachenden Teilen die Geräusche soweit herabzumindern, daß sie nicht mehr stören, ist in einem bebilderten Beitrag aus­geführt. Eine andere deutsche Erfindung von weitgreifender Bedeutung, den Siemens-Funk- Fernschreiber, erläutert Dipl.-Jng. H. Kalden. Reizvolle Bilder aus dem Leben unserer Kröten und Frösche gibt der bekannte Tierphotograph Hermann Fischer, Braunschweig, während Dr. H. W. Frick- hinger die Frage erörtert, ob bei der Aufzucht der Wisente in Bialowies Fehler gemacht wurden, Me wir nun bei den Versuchen zur Wiedereinbürge­rung dieses Rindes zu vermeiden trachten müssen. Dem oft enttäuschten Bilderjäger für die Arbeit zutreffende Empfindlichkeitszahlen zu geben, ist das Ziel der OI^-Normung der Empfindlichkeit der photographischen Schichten. Darüber berichtet (Ber» Hard Isert, Magdeburg. Andere Beiträge behan­deln die Versuche an Lebewesen mit dem vor für» zem entdecktenschweren Wasser", ferner die Feinde unserer Honigbiene, die Verteilung des Nikotins beim Rauchen, die Kennzeichen des Kreuzotterbisses, die Größe der Welt in Zahlen usw. Somit bietet auch das vorliegende Heft desNaturforscher" dem Naturfreund wegen seiner Reichhaltigkeit und schö­nen Bebilderung viel Wissenswertes" und Wertvol- les. Trotz wissenschaftlicher Genauigkeit sind die Beiträge allgemeinverständlich gehalten, so daß die Zeitschrift jedem, der sich mit den Vorgängen in der Natur beschäftigt, warm zu empfehlen ist.