Mittwoch. N.WrN1954
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
M. 84 Zweiter Blatt
r Alexander Graf von Auersperg) in Laibach ge- i- baren (gestorben 1870); — 1921: Kaiserin Auguste > Viktoria im Hause Doorn gestorben (geboren 1858).
aufnahmen entgegengenommen.
Die Leitung der Ortsgruppe Gießen-Nord hatte gestern abend die im Ortsgruppenbereich wohnenden Vereinsführer zu einer Besprechung in das „Aquarium" berufen, tue der Prüfung von Mitteln und Wegen zur Arbeitsbeschaffung diente.
Don dem Sprecher der Ortsgruppenleitung, Pg. B u r g e l e i t, wurden die Vereinsführer eindringlich auf die große Bedeutung einer beschleunigten und nach besten finanziellen Kräften durLgeführten Arbeitsbeschaffung hingewiesen. Es wurde dabei hervorgehoben, daß es sich um Arbeitsbeschaffung im w e i t e st e n Sinne des Wortes handelt, also nicht etwa nur um Bauarbeiten auf Sportplätzen, Schietzständen, Turnstätten usw, sondern auch um die Beschaffung von Materialien der verschiedensten Art, kurz um jede Maßnahme, durch die anderen Volksgenossen Absatz von Waren aller Art und die Beschäftigung von Arbeitskraft auf allen Gebieten ermöglicht wird. Dabei ist weiterhin in Betracht zu ziehen, daß sich der Appell zu dieser umfassenden Arbeitsbeschaffung nicht etwa nur an Vereine mit gut ausgestatteten Kassen richtet, sondern auch alle diejenigen Vereine in Betracht gezogen werden, deren Geldmittel an sich nur bescheidenen Umfang haben, die es aber doch gestatten, immer noch irgendeine An-
Inder NS. -Frauenschaft G i e ß e-n - S ü d werden die Sprechstunden jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr in der Wohnung der kommissarischen Ortsgruppenleiterin Frau Schaefer, Großer Steinweg 7, abgehalten. Dort werden auch Neu-
Dieses Wort unseres Reichsluftfahrtministers Göring weist den deutschen Volksgenossen eine hohe Pflicht zu.
Den deutschen Luftsport mit allen Kräften zu fördern, muß Ehrensache aller
Deutschen sein.
Natürlich kann nicht jeder Deutsche Flugzeugführer werden. Aber der unvergleichliche Gei st eines Boelcke, Jmmelmann, Richthofen, Loerzer, Udet und so vieler anderer Helden unserer deutschen Kriegsfliegerei muß im Dritten Reich Gemeingut aller Deutschen sein!
Im Gegensatz zu allen anderen Staaten kann die deutsche Sportfliegerei von Reichs wegen nicht gefördert werden. Der Opferwille aller deutschen Volksgenossen, der sich beim Winterhilfswerk so glänzend bewährt hat, muß auch der deutschen Sportfliegerei zu Hilfe kommen, denn der deutsche Sportflieger ist allein auf die Mittel angewiesen, die ihm von privater Hand zur Verfügung gestellt werden. Darum heißt es für jeden deutschen Volksgenossen:
Alles für die deutsche Sportfliegerei und damit für die deutsche Ration!
Wer an dieser hohen vaterländischen Aufgabe im Reiche Adolf Hitlers mitarbeiten will, wird
AuspatteiamttichenBekanntmachungen
Der nächste Ortsgruppenabend der R S. - F r a u- enschaft Gießen-Ost findet am morgigen Donnerstag, 20,15 Uhr, im Haus der Deutschen Arbeit statt.
Arbeitsbeschaffungsaktion in der Ortsgruppe Gießen-Nord
„Das deutsche Volk muß einVolkvonAliegernwerden!"
Mitglied des Deutschen Luftsportoerbandes (DLV.). Mitglied kann jeder unbescholtene deutsche Volksgenosse werden. Der m o - natliche Beitrag beläuft sich auf n u r 1 R M. für aktive und 2 RM. für fördernde Mitglieder. Die fördernden Mitglieder haben dieselben Rechte wie die aktiven Mitglieder, sie tragen das gleiche Fliegerabzeichen am Rock, bzw. den gleichen Fliegerwimpel am Fahrzeug.
Fördernde und aktive Mitglieder sind eine gleichberechtigte Gemeinschaft im DLV. als Diener unserer großen deutschen Ration und Mithelfer am Werk unseres Führers Adolf Hiller!
Anmeldungen zum Deutschen Luftsportverband (DLV.) nimmt der Führer der Flieger- Ortsgruppe Gießen, Oberingenieur Kurz- Gießen, Wernerwall, Büro der AEG., entgegen. Die Mitgliedschaft kann auch bei der Geschäftsstelle dieser Zeitung zur Weiterleitung an die Flieger- Ortsgruppe Gießen angemeldet werden.
I Deutsche Volksgenossen! Seid opferbereit für die deutsche Sportfliegerei! Folgt auch hier treu und tatbereit unserem großen Führer Adolf Hitler!
Daten für Mittwoch, 11.April.
1806: der Dichter Anastasius Grün (Anton sperg) in Laibach ge-
und die Balkonblumen den ganzen Sommer über recht „mickerig" aussehen. Alles schickt sich eben doch nicht für einen. Und wenn die Hausfrau bedenkt, was sie bei der offensichtlichen Minderwertigkeit unsachgemäßer Handwerksarbeit dafür noch alles „so nebenbei" geben muß, wird sie unter allen Umständen zu dem Ergebnis kommen, daß ordentliche Handwerksarbeit immer billiger ist als alle Pfuscher- und Schwarzarbeit. Außerdem nehmen jene Pfuscher und Schwarzarbeiter, die weder Steuern noch soziale Abgaben zahlen, den ordentlichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den verschiedenen Handwerksberufen die Arbeit fort und vermehren die Arbeitslosigkeit.
Darum ist es vor allem auch im Hinblick auf das gedeihliche Ganze unserer Volkswirtschaft Pflicht jeder Hausfrau, das ordentliche Handwerk durch ihre Aufträge zu unterstützen, um dem schädlichen Schwarzarbeitertum das Wasser abzudrosseln. Diese Mahnung richtet sich besonders jetzt im Frühjahr auch an die Gartenbesitzer. Jeder, der seinen Garten in Ordnung bringen lassen will, möge bedenken, daß sachgemäße Arbeit immer die billigste ist und daß überdies der ordentliche Gärtner seinen Gehilfen und Arbeitern die ihnen zustehenden Löhne zahlt und zu seinem Teil seine volkswirtschaftlichen Pflichten erfüllt. Das Gleiche mögen auch die Grabstellenbesitzer beherzigen und die Herstellungs- und Pflegearbeiten dem zuständigen Friedhofsgärtner und nicht irgendwelchen Schwarzarbeitern übertragen.
Der oft gehörte Vorwurf, die kleinen Auftrage aus dem Haushalt würden von den Handwerkern nicht als lohnend genug angesehen, oder nur nachlässig und überteuert ausgeführt, trifft das ordentliche Handwerk nicht. Der Handwerker, der seine feste Kundschaft hat und halten will, wird in allen großen und kleinen Fällen in gleicher Weise bemüht sein, beste, schnellste und billigste Arbeit zu leisten. Die Hausfrau aber muß den Anfang machen und nur den dafür zuständigen Tischler, Maler, Gärtner, Installateur usw. mit der Durchführung notwendig erscheinender Ersatzarbeiten betrauen. Und auf die Dauer wird sie so am besten zufriedengestellt sein.
schaffun g selbst zu einem an und für sich nicht hohen Betrag vorzunehmen. Der maßgebende Grundsatz bei dieser Arbeitsbeschaffungsaktion ist der, daß viele Wenig im Zusammenwirken aller Kräfte doch ein Viel ergeben und dadurch für zahlreiche Volksgenossen auf irgendeine Weise Arbeit und Brot geschaffen werden kann.
Der anerkennenswerte und vorbildliche Appell der Ortsgruppenleitung Gießen-Nord an die Vereinsführer fand erfreulicherweise überall volles Verständnis und durchweg größte Bereitschaft zur Umsetzung des guten Gedankens in die Tat. Man konnte von mancherlei Arbeitsplänen und Beschaffungsabsichten hören, die im einzelnen zum Teil nicht allzu großen Geldaufwand nötig machen, in der Gesamtheit betrachtet aber doch eine recht ansehnliche Leistung darstellen, von der man für zahlreiche Volksgenossen allerlei gewinnbringende Beschäftigung erwarten kann. Die Vereinsführer werden in möglichst kurzer Zeit der Ortsgruppenleitung Gießen-Nord die entsprechenden 'Meldungen über ihre Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen einreichen, damit diese Aktion in dem lokal begrenzten Rahmen ihre gebührende Einordnung in den großen Plan der zweiten Arbeitsschlacht finden kann.
Aus der Provinzialhauptstadl. -Der Mann von meiner Auswartesrau. /
Nur zu häufig hört man es: „Handwerker — ach, die nehmen wir gar nicht". Aber auch der Stoßseufzer: „Nur keine Handwerker im Haus", kann nicht verhindern, daß es dann und wann ohne Handwerksarbeit im Haushalt einfach n-icht geht, daß Ausbesserungen und Verbesserungen zur rei- j bungslosen Weiterführung dringend erforderlich l sind. Was tut in diesem Fall die „kluge" Hausfrau? Da hat sich irgendein Arbeitsloser angeboten — der Mann von der Aufwartefrau, irgendein Untermieter, der Sohn vom Hauswart usw. usw. — das ist dann der Mann im Haushalt, der angeblich alles 5 versteht und sich alles übernimmt. Er weißt die ' Küche, wie er den Fußboden streicht, macht die , Gardinen an und bastelt an der Lichtleitung, klebt die Tapeten an, bessert das Ofenrohr aus, besorgt ebenfalls Erde und Blumen für die Balkonkästen. Er würde der Hausfrau auch das neue Frühjahrskostüm nähen — warum denn nicht, das kann doch jeder Schneider. — Ja, aber da hat es geschnappt, da macht die Hausfrau nicht mit, denn davon versteht sie etwas, und sie weiß, daß der angebliche Alleskönner doch nicht kann, was ein ordentlicher Schneider kann und daß er ihr das Kostüm totsicher verpfuschen würde. Was aber soll sie mit einem „verpatzten" Kostüm anfangen! Da ist nicht nur die Arbeit, sondern Stoff und Zutaten zugleich wertlos.
Es wäre nur zu ihrem und des Haushaltes Besten, wenn die Hausfrau auch in den anderen Dingen so beschlagen und etwas nachdenklicher wäre. Dann würde sie nämlich feststellen, daß Küche und Fußboden unsachgemäß gestrichen, daß die Tapeten bald wieder lose hängen, der Ofen nach wie vor raucht und der Steckkontakt gleich wieder durchknackst, daß die Gardinen keinen Schick haben
Die Oienststunden der Polizei.
Aus verwaltungstechnischen Gründen hat sich die Notwendigkeit ergeben, die D i e n st st u n d e n der Polizeidirektion Gießen für den Publikum s v e r k e h r ab 15. April von 7.30 bis 14 Uhr, und Samstags von 7.30 bis 12 Uhr festzusetzen.
Oer Berufswettkampf in Gießen.
Jungarbeiterin der Tabakbranche bei der Arbeit. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Der Berufswettkampf der Gruppe „Nahrung und Genuß" fand am 10. Ostermond in der Berufsschule statt. Gegen 9 Uhr hatten sich etwa 40 Prüflinge des Bäcker- und Metzgergewerbes ein- gefunden, an ihrer Spitze die Obermeister der beiden Innungen, Rektor Adam, und als Vertreter der Hitlerjugend Organisationsleiter Willi Hanke. Die Arbeiten dieser Gruppen bestanden zumeist aus Fragen des praktischen Lebens, die die Prüflinge in zwei Stunden zu beantworten hatten. Am Nachmittag folgten Berechnungen, Aufsatz und einige theoretische Fragen, die von den Kenntnissen der Jungen Zeugnis ablegen sollten. Manche Frage, die einfach aussah, entpuppte sich als schwerstes Geschütz, das nicht auf den ersten Ansturm genommen werden konnte. Hervorzuheben ist der große Eifer, mit die Prüflinge bei der Lösung der gestellten Aufgaben beschäftigt waren. Man darf mit Interesse den Leistungsergebnissen dieser Berufsgruppe entgegensehen.
Keine neuen Schulbücher zu Ostern.
Wie wir berichteten, hat das Ministerium die bisher eingeführten Schulbücher auch für dieses Jahr vorgeschrieben. Damit sollte erreicht werden, daß für die Bearbeitung neuer Lehrbücher im Sinne des nationalsozialistischen Denkens genügend Zeit zur Verfügung stehe. Es wird in Zukunft nicht mehr jedes Jahr Neuauflagen, oder andere Schulbücher geben. Die frühere Stabilität soll auch in der gesamten deutschen Erziehung zum Ausdruck kommen. Deshalb war es zweckmäßig, diese Arbeit nicht zu überstürzen, sondern sie ausreifen zu lassen. Gerade die Umstellung der Bildung, die vielfach ein gänzlich neues Bildungsziel verfolgt, stellt so gewaltige Aufgaben, ist eine so umfassende Arbeit, daß eine lange Vorbereitungszeit notwendig war, sollte nicht schon im nächsten oder übernächsten Jahre eine Ueberarbeitung notwendig werden.
Damit aber im kommenden Schuljahr das notwendige Wissen erreicht wird, ergeht heute nochmals der Ruf an alle Eltern, den Kindern die eingeführten Schulbücher in die Hand zu geben. Nur wer sein Handwerkszeug in Ordnung hat, kann etwas leisten. Wie beim Handwerk, wie bei jeden Arbeit, so auch in der Schule. Es geht nicht an, daß die Eltern sich, wie in den vergangenen Jahren, auf die Verfassung berufen und von der Schule die Bücher verlangen. Von Ausnahmen abgesehen, die sich auf die ganz Mittellosen beschränken, ist jeder deutsche Volksgenosse verpflichtet, feinem Kinde durch die Anschaffung der notwendigen Bücher die Bildung vertiefen zu helfen. Wissen ist Macht, und durch Wissen werden wir Deutschland am ehesten wieder zu seiner Macht, und Stärke verhelfen. Jede
Der „Offenbacher Schreiber"
Zum Tode von Professor Rudolf Koch.
Der unter dem Ehrennamen „Der Offenbacher Schreiber" in Fachkreisen rühmlichst bekannte Leiter der Schriftklasse der Offenbacher Kunstgewerbeschule, Professor Rudolf Koch, ist, wie bereits kurz gemeldet, am vergangenen Montag im Alter von 57 Jahren einem schweren Leiden erlegen.
Rudolf Koch wurde am 20. November 1876 in Nürnberg geboren; in seiner Vaterstadt erhielt er auch, an der dortigen Zeichenakademie und der Kunstgewerbeschule, seine erste Ausbildung. Als Mitarbeiter von Karl K l i n g s p o r kam Rudolf K o ch im Jahre 1906 nach Offenbach, wo er zunächst in der Klingsporschen Schriftgießerei gemeinsam mit Ernst Engel eine ungemein fruchtbare Tätigkeit
der Jnselbändchen erschien und außergewöhnlich tarken Erfolg gehabt hat.
Der starke innere Drang zur Qualität, das untrügliche Gefühl für Material und Werkzeug, die Sicherheit des Geschmacks, der Ideenreichtum feines Schaffens und das Kerndeutsche und Männliche seiner künstlerischen Empfindung kennzeichnen die Persönlichkeit des Verewigten. Ein reiches Leben voller Arbeit, voller künstlerischer Erfolge und auch voller Anerkennung. Die evangelische Fakultät der Universität Münster verlieh dem auf dem Gebiet religiöser Kunst besonders erfolgreichen Künstler den Ehrendoktor, die Weltausstellung für Kunstgewerbe Turin dieses Jahres würdigte ihn durch ihre Goldene Medaille. Für das deutsche Volk, für Hessen und besonders für Offenbachs Kunstgewerbeschule ein unersetzlicher Verlust künstlerischer und auch rem menschlicher Art.
Ue ine
entfaltete.
Smei Jahre später wurde Koch von Professor Dr Hugo Eberhardt als Leiter einer Schrift- klasse an die Offenbacher Kunstgewerbeschule berufen. Kochs jahrzehntelange kunstgewerbliche Tätigkeit in Offenbach ist leider von der breiteren Oeffentlichkeit in Deutschland noch langst nicht nach Gebühr gewürdigt worden. Nicht nur die Offenbacher Kunstgewerbeschule, sondern das gesamte deutsche Kunstgewerbe hat mit dem Tode von Nu- dolf Koch einen außerordentlich schweren Verlust
Gießener Stadttheater.
„Der grüne Wagen."
erlitten.
Rudolf Kochs Verdienste um eine kraftvolle künstlerische Ausgestaltung der deutschen Schrift und zugleich um eine Reinigung und Verfeinerung des kunstgewerblichen Geschmacks m weiten Kreisen unseres Volkes sind kaum zu überschätzen Von den von Koch geschaffenen, besonders charakteristischen Schrifttypen seien hier nur genannt die „Deutsche Schrift" von 1910, die „Maximilianschrlft und die „Frühlingsfraktur" von 1917, die "Wattauschrlft von 1933 Es sei hier ferner an die -RudolfiNischen Drucke" erinnert, die Koch seit dem Jahre 1911 zu jammen mit R. und W Gerstung herausgab.
Was der schöpferischen Initiative von Prosi Koch zu danken ist, wurde bis heute weiteren Kreisen noch nicht bewußt. Immerhin kennt man wertvoll Erzeugnisse kunstgewerblicher Graphik genug, die aus Offenbach stammen. Sie wurden, vor allem unter Verwendung von Frakturtypen, im tauf Jahre zu mancher Publikation verwandt. Dann die Schriftteppiche, Schriftblätter und auch die große, nach Art der alten mit Vogelperspektive hergestellten Blätter angefertigte Landkarte von Deutschland, von der auf der Senefelder-Ausstellung der Kunst- gewerbeschule Offenbach ein interessanter zu sehen war. Es sei auch auf das
Nach der etwas geheimnisvollen ersten Ankündigung hatten einige Interessenten vermutet, es handle sich um ein ausgekochtes Kriminalstück; aber mit Nichten: „Der grüne Wagen" entpuppte sich im Rampenlicht, von Herrn Löffler mit komödiantischem Humor auf die Räder gestellt, als eine Revue in zwanzig Bildern, erdacht und in Szene gesetzt von Paal Wrede. Oder sagen wir: als ein bunter Abend mit einem ausgedehnten und abwechslungsreichen Variete-Programm und teilweise gradezu weltstädtischen Attraktionen. Das Stadttheater- Orchester unter der bewährten Leitung von Kapellmeister Fritz C u j e eröffnete die Dortragsfolge nut der Ouvertüre zu der Operette „Flotte Burschen von Suppe. Herr Karl Tank sang den Prolog aus „Bajazzo" und gab mit diesem immer gern gehörten Paradestück eine hübsche und sehr beifällig ausgenommene Talentprobe. Leny Haase brachte anschließend eine lustig und burschikos exerzierte Tanz- groteske. Maria Perry vom Stadttheater sang, im Biedermeier-Kostüm anmutig anzusehen, sehr zier- voll und wohlgeschult den „Frühlingsstlmmen - Walzer von Johann Strauß; Herr Löffler hatte eine reizende Dekoration für ihren Auftritt entworfen. Die zwei Kulleys erwiesen sich als tüchtige Parterre-Akrobaten nach dem berühmten komischen Vorbilde „Humsti-Bumsti" während die acht Gießener Sängerknaben zu den Klangen des Hohenfriedberger Marsches ein lebendes Bild aus dem u v_ Siebenjährigen Kriege stellten. Anny und Ewald ter Ausschnitt Bäu l ke zeigten sich m großer Form und ernteten
mischen Beifall. Großen Erfolg hatte ferner gegen Ende des erften Teils der Xylophon-Virtuose Adolf K r e u t e r, der sein Instrument mit erstaunlicher Korrektheit und Sicherheit beherrschte. Eine besondere Attraktion des „Grünen Wagens" war das Originalprogramm des bekannten Südwestfunk-Komikers Harry C o b l e r, der das geschätzte Auditorium mit einer Fülle von Späßen in überwiegend kölnischer Mundart glänzend unterhielt und gar nicht aus dem Lachen herauskommen ließ. Im zweiten Teil des Programms erwies sich Herr C o b- I e r in einer amerikanischen Groteske überdies als perfekter Step-Tänzer und hatte zuletzt viele Mühe, sich dem heftigen Applaus ohne eine weitere Zugabe zu entziehen.
Nach der Pause, während deren sich das Publikum an einem Schallplattenkonzert der Firma Chal- lier im Foyer erfreute, spielte zunächst das Stadttheater-Orchester unter Leitung von Kapellmeister C u j e den Czardas aus der komischen Oper „Ritter Päsmän" von Joh. Strauß, dann hörten wir, wiederum in einer mit ganz einfachen Mitteln reizend hergerichteten Szenerie, die drei „Tee-Gern-Seher Maria Perry, Alfred Fiermen t und Karl Feußer das Terzett „O du himmelblauer See" aus der Operette „Das verwunschene Schloß" singen. Zwei junge Rokokodamen, Minna und Erika tanzten alsdann ein niedliches Menuett zur Spieluhr. Fred Portunelli unterhielt mit mancherlei Scherzen die Leute «auf feine Weise und zeigte sich als ein Schnellmaler von beachtlichen Qualitäten, der in ganz kurzer Zeit auf Wunsch eine farbenprächtige Königsee-Landschaft auf die Leinwand zauberte und auch sonst mit allerlei Ueberraschungen aufwartete. Eine höchst seriöse Nummer: Kammersänger John Gläser aus Frankfurt sang zunächst mit großem Einsatz seines ausgezeichnet geschulten Organs eine Arie aus „Bajazzo", dann, zarter und lyrischer, eine der hübschesten Melodien der „Toni aus Wien", zuletzt, sehr wirkungsvoll, eine Zugabe auf italienisch; der Gall wurde vom Gießener Publikum geziemend gefeiert. Erna Renz und die acht Gießener Sängerknaben stellten ein lebendes Bild zu der berühmten Soldatenweise „Mein Nam' ist Annemarie", und Hansi Stadler, Wolfgang Kühne, Heinz-Albrecht Marcks. Karl Volck, sowie der „Hund von einem Intendanten" spielten zuguterletzt mit viel Humor eine hanebüchene Satire auf den unsterblichen Amtsschimmel unter der schlagkräftigen Überschrift „Die Ohrfeige". — Das Haus war außerordentlich gut besucht, das Publikum unterhielt sich drei Stunden lang in bester Stimmung und spendete den Attraktionen des „Grünen Wagens" reichen Beifall. hth.
Heilmittel einst und jetzt.
Zu den Arzneien der Altvorderen, die sich heute vielfach nur noch als Hausmittel erhalten haben, gehört z. B. die Aloe, die noch immer als Abführmittel dient; sie war als das „Heilige Bittere" schon vor 3000 Jahren bekannt; der Vergessenheits-Trank Ne» penthes, den die Helden des Homer schlürften, dürfte Opium gewesen sein, das jedenfalls als Produkt des Mohns lange vor Christi Geburt in Gebrauch war. Das Rizinus-Oel wird schon von Hero- dot erwähnt. In neuerer Zeit ist das Chinin, von der Cinchona-Rinde stammend, eine wichtige Waffe im Kampf gegen Krankheiten geworden, seitdem es zum ersten Male 1636 die Gattin des spanischen Vizekönigs von Peru von schwerem Fieber geheilt hatte; den südamerikanischen Eingeborenen war diese Wirkung längst bekannt. Digitalis, noch immer ein wertvolles Mittel bei Behandlung von Herzkrankheiten, wird aus den Blättern des Fingerhuts gewonnen; ursprünglich wurde es äußerlich als Balsam angewendet und im 16. Jahrhundert gegen Epilepsie eingegeben. Von einer alten Bäuerin erfuhr der englische Arzt Dr. Withering, daß man die Blätter des Fingerhutes Wassersüchtigen zur Heilung eingebe, und seitdem ist dieses Rezept mit Nutzen angewandt worden. Sarsaparilla, auch ein altes Mittel, heilte Kaiser Karl V. von der Gicht; Jpecacuanha rettete den Thronerben Ludwigs XIV< bei euer schweren Ruhrerkrankung. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann die große Entwicklung in der Auffindung immer neuer Heilmittel. Morphium wurde 1816 zuerst rein hergestellt, und um dieselbe Zeit gelang die Isolierung des reinen Strychnin, später die des Chinin und Coffein. 1831 wurde Chloroform zum erstenmal dargestellt. Jod und Brom traten auf den Plan, und nun entwickelte sich die Ausnutzung der Kohlenteer-Produkte, die die Grundlage der meisten synthetischen Drogen bilden, die wir heute kennen. Aus dieser Quelle stammt z. B. das Aspirin. Die Verbesserung der Betäubungsmittel machte, seitdem der englische Chemiker Davy um 1800 die Verwendung des Lachgases für diese Zwecke erkannt hatte, immer größere Fortschritte und führte zu den heutigen vollendeten Formen. Die dritte große Leistung des 19. Jahrhunderts auf diesem Gebiete wurde dann von der organischen Chemie vollbracht, die auch die modernen Schlafmittel schuf. Vorher hatte man hauptsächlich Alkohol benutzt, um sich in Schlummer zu versetzen; dann wurde 1869 das Chloral entdeckt, dem bald Sul- sonal, Trional und Veronal folgten, die die Vorläufer der unzähligen heutigen Schlafmittel sind. Diese großen Erfolge haben aber in manchen Kreisen zit I einem blinden Glauben an derartige ^Medikamente geführt, der natürlich auch seine Schatten jetten hat.


