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Verlauf und Erfolg des Tages der Nationalen Solidarität.

Ergebnis: Stadt Gießen 5225,25 Mk., Reichswehrgarnison 548 Mk., Kreis Gießen 5725,62 Mk., insgesamt also 12000,87 Mk.

Der 8. Dezember 1934, der Tag der Nationalen Solidarität, wird in unserer Stadt für alle Zeiten ein leuchtendes Beispiel der Opferfreudigkeit und der Volksgemeinschaft aller deutschen Menschen bleiben. Alle Volksgenossen und Volksgenossinnen bekundeten an diesem Tage durch neue Taten der hilfsbereiten Nächstenliebe, daß sie sich eines fühlen in der großen deutschen Familie, daß sie gewillt sind, im Geiste des Führers Adolf Hitlers für­einander und damit auch für den Aufbau eines bef- seren Deutschland einzustehen. Es war begeisternd und ergreifend, zu sehen, mit welcher Freudigkeit und Hingabe hier Männer und Frauen aller Schich­ten und Berufe wirkten und strebten, fei es als Sammler oder als Spender und Spenderin, alle geeint in dem Gedanken, für das deutsche Winter­hilfswerk an diesem Tage der nationalen Gemein­schaft das Beste an Hilfsmöglichkeiten zu erreichen. Mit den führenden Männern der Partei und aller ihrer Gliederungen standen viele andere Volksge­nossen aus allen Berufen der schaffenden deutschen Brüder zusammen in der großen Front der Samm­ler, zogen sie alle hinaus in die Straßen und in die Häuser, um in ihre Sammelbüchsen die Spenden am Tage der Nationalen Solidarität für das Lie­beswerk an unseren hilfsbedürftigen Brüdern und Schwestern abzuholen, pilgerten sie treppauf und treppab, wanderten sie durch alle Lokale vom Nach­mittag und bis tief in den Abend hinein. Und vor­bildlich wie dieser Sammeleifer war in gleicher Weise die Opferfreudigkeit aller Bevölkerungskreise, gaben alle mehrfach, ja vielfach, strengten sich viele, viele mit der Höhe ihres Opfers in schöner Weise an und alle miteinander schufen sich ein zwar unsichtbares, aber im vollendeten Werk herrliches Denkmal des Gemeinschaftsgeistes und des Gemein­schaftsopfers, das ein ansehnliches Stück der gewal­tigen Kundgebung des deutschen Volkes für Adolf Hitler und fein vom Vertrauen des Volkes ge­tragenes Aufbauwerk darstellt.

Der Tag der Nationalen Solidarität vereinigte Zunächst etwa 400 Sammler im Caf6 Leib, wo die Sammelbüchsen verteilt wurden. Dann ging's hin-

Nach einer kurzen Abendbrotpause folgten die Kundgebungen der vier Gießener Ortsgruppen zum Tag der Nationalen Solidarität. Ueberall waren die Säle bis zum letzten Platz gefüllt.

Ortsgruppe Gießen-Nord.

Im Saale des Caf6 Leib war die Ortsgruppe Gießen-Nord versammelt. Nach einigen instrumenta len Darbietungen des Musikzuges der Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann hieß Ortsgruppenleiter Thomas die vielen Besu­cher willkommen. Der Führer der SS.-Standarte 83 Jakob er erinnerte in feiner Ansprache zunächst an den heroischen Geist, mit dem bei Ausbruch des Weltkrieges unsere Feldgrauen hinauszogen zum Schutze von Volk und Heimat, er ließ vor dem geisti­gen Auge feiner Zuhörer weiter die gewaltige Woge der vaterländischen Begeisterung jener Kampf- und Notjahre wieder erstehen und wies dann aus den Dolchstoß von hinten hin, durch den Menschen ohne Verantwortungsgefühl unser Heer und Volk zum Zusammenbruch brachten. Nachdem er die Leidens­jahre des deutschen Volkes unter dem früheren Sy­stem kurz gestreift hatte, hob er die wunderbare Einigung des deutschen Volkes durch den Führer Adolf Hitler nach all der langen Zerrisienheit und Spaltung der deutschen Stämme hervor. Wir alle müßten nun dafür sorgen, daß diese Einigkeit immer erhalten bleibe. An diesem Staate Adolf Hitlers werde niemand etwas rütteln können. Man sehe ganz klar, wer für und wer gegen diesen Staat sei.

aus an die Arbett. Dor dem Stadüheater hatte sich mittlerweile eine große Menschenmenge versammelt, um hier die Uebertragung des Konzerts des Stadttheaterorchefters aus dem Theater anzuhören, während Intendant König und seine Mitarbeiter sowie viele weitere Sammler unermüd­lich die Sammelbüchsen herumreichten. Dann folgten die Konzerte des Mufikzugs der Stan­darte 116 auf dem Kreuzplatz und beim Cafä Hettler, gleichzeitig sammelten die SA.-Führer, mit Standartenführer Lutter an der Spitze, und viele andere Sammler in der Menschenmenge und in den Geschäften. Als die SA.-Musik am Casä Hettler gerade ihre Darbietungen beschloß, kam die Reichswehr (Spielleute, Musikkorps und eine Gesangsabteilung in Stärke von 150 Mann) von der Licher Sttaße, Ludwigsplatz, Gartenfttaße, Hindenburgwall her anmarschiert, dann ging's den Seltersweg herunter, über den Kreuzplatz, Markt­platz, Marktstraße durch die Neustadt zum Oswalds- garten; auf dem Marsche der Soldaten durch die Stadt spielte die Musik schneidige Märsche, oder fangen die Soldaten flotte und schöne Soldaten­lieder, denen man mit aroßer Freude zuhörte. Wie vorher schon der Musitzug der SA., so war auch die Reichswehr rechts und links, vorn und hinten von einer riesigen Menschenmenge umgeben, die strammen Schritts mitmarschierte und mit ganzem Herzen dabei war. Auf Oswaldsgarten fand die Große Serenade der Reichswehr statt, wobei Taufende von Volksgenossen den vom Fackel­schein der Reichswehr stimmungsvoll beleuchteten weiten Platz als Zuhörer umstanden. Von hier aus wurde ein Teil der Feier auf den Frankfurter Sender übertragen. Die Veranstaltung, bei der der Kreisleiter Pg. Klo st ermann und alle Mit­glieder der Kreisleitung sowie alle übrigen Sammler die Spenden einheimsten, wurde mit freudigem Sieg-Heil auf den Führer beschlossen.

Diele Tausende von Dolksgenosien waren auf den Straßen. In den Hauptverkehrsstraßen herrschte bis in den Abend hinein riesiges Gedränge. Und überall wurde gesammelt und immer und immer wieder geopfert.

Bei vielen Dolksgenosien herrsche leider noch schwere Not, die zu lindern unser aller Pflicht fei um unseres Volkes willen. Aller Kampf und alles Streben gehe heute wie einst nur um Deutschland. Diesem Ge­danken und diesem Ziel widme sich auch unsere deut­sche Jugend. Unserem Volke sei das Glück beschieden, an seiner Spitze Adolf Hitler zu haben, in feinem Geiste müßten wir alle unsere Kräfte anspannen und nutzen im Dienste des Vaterlandes und seiner Zu­kunft in der deutschen Jugend.

Nach der mit großem Beifall aufgenommenen An­sprache unterhielt der SA.-Musikzug durch weitere gute Musik, ferner wurden gemeinsam Kampflieder der nationalsozialistischen Bewegung gesungen. Eine Musterriege der Gießener Turnerschaft unter dem Kommando von Karl Reuter bereicherte Den schö- nen Abend noch durch hervorragende turnerische Darbietungen, die ebenso wie die ausgezeichnete Mu­sik mit reichem Beifall dankbar anerkannt wurden. Mit freudig aufgenommenem Sieg-Heil auf den Führer und mit dem Horst-Wessel-Lied fand der Abend feinen Abschluß.

Ortsgruppe Gießen-Ost.

Die Kundgebung der Ortsgruppe Gießen-Ost im würdigen Rahmen des Stadttheaters abgehalten wurde zu einer schönen Feierstunde. Das Stadt­theaterorchester leitete mit der Ouvertüre zuDie lustigen Weiber von Windsor" ein.

Anschließend sprach Oberbürgermeister Ritter. Der Tag der nationalen Solidarität, so führte er

u. a. aus, fei zu einem Festtag für das ganze deutsche Volk geworden. Die Wett werde auf­horchen, denn das deutsche Volk habe zum zweiten Male bewiesen, daß es den nationalen Sozialis­mus zutiefst erkannt hat. Jeder habe freudig ge­spendet. Die letzte Hoffnung der Feinde des deut­schen Volkes sei es gewesen, daß der Winter und der Frühling so viel Not und Elend über viele Volksgenossen bringen werde, daß aus der Ver­zweiflung eine Zersetzung der Dolkskraft erwachsen werde. Diese Hoffnung sei zuschanden geworden. Mit Stolz könnten wir auf das deutsche Volk blicken. Der Geist der Gegenwart, der Geist des Führers müssen weiter gepflegt werden. Der Be­griff der Volksgemeinschaft sei zur Tat geworden. Im Bekenntnis zum Führer wünschten wir alle, daß auch der letzte Widerstand gegen das neue Deutschland gebrochen werde, daß Deutschland wieder frei werde und es wieder heißen könne: Deutschland, Deutschland über alles". Das ae- meinfam gesungene Deutschlandlied bekräftigte Die letzten Worte des Redners.

Der wettere Verlauf der Feierstunde war schön­geistigen Darbietungen gewidmet. Mitglieder des Stadttheaters hatten sich zur Verfügung gestellt. So hörte man zunächst von Herrn Neuhaus zwei Gedichte^und zwar zunächst ein Gedicht, in dem das große Werk der Winterhilfe eine feine Vergeisti­gung erfuhr, und dann eine Dichtung unter dem TitelDer Weichensteller", in dem das Pflichtgefühl in letzter Konsequenz in einem einfachen Manne zum Ausdruck kam. Die Art des Dortraaes machte die Rezitationen zu einem feinen Erlebnis. Herr Kühne brachteDie Teilung der Erde" von Friedrich von Schiller zum Vorttag, Frau Rose Stirl verlas ein MärchenWie der Teufel auf die Freite ging" und dann Andersens Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzchen. Der Inten­dant vermittelte das symbolische,Lied vom Bauen" (Zenke). Die Zuhörer dankten den ausgezeichneten Darbietungen mit lebhaftem Beifall. Nicht weniger dankbar wurden die musikalischen Darbietungen des Stadttheater - Orchesters ausgenommen, das den Walzer aus dem Rosenkavalier, dann die Ouver­türe zuPrinz Methusalem" und schließlich einen Marsch zum besten gab.

Die Schlußansprache hielt Intendant König, der in klaren Worten über wirkliches Opfern sprach. Mit dem begeistert aufgenommenen dreifachen Sieg-Heil!" auf den Führer und mit dem Horst- Wessel-Lied fand die Kundgebung ihren Abschluß.

Ortsgruppe Gießeu-Süd.

Im vollbesetzten Saale des Gießener Studenten­hauses fand die Kundgebung der Ortsgruppe Gie- ßen-Süd statt. Mit einem Fanfarenmarsch des Jungvolks wurde die Kundgebung eröffnet. Orts­gruppenleiter Schwarz begrüßte die zahlreich Er­schienen und sprach über die Bedeutung des Tages der Nationalen Solidarität.

Oberfeldmeister Lösch vom NS.-Arbeitsdienst 5/222 führte dann u. a. aus: Wie im vergange­nen Winter, fo erlebe das deutsche Volk auch in diesen Tagen wieder echte Opferbereitschaft. Der Führer selbst habe die Losung zu diesem Winter- Hilfswerk gegeben, denn unsere Gegner würden auch in diesem Winter sehen, daß das Deutsche Reich nicht zusammenbreche, sondern daß wir tat­kräftig im Winterhilfswerk gegen Hunger und Kälte marschieren. Obwohl schon viele Volksgenos­sen wieder in der Arbeitsprozeß eingeschaltet wur- den, fei doch noch ein Rest von Arbeitslosen da, die unser aller Unterstützung bedürften. Am heuttgen Tage sammelten die Führer aller Organisationen und bekundeten, daß das deutsche Volk eine Schick­salsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb gewor­den sei. An Stelle des Geschwätzes von der inter­nationalen Solidarität habe die braune Armee Adolf Hitlers die nationale Solidarität gefetzt. Keiner dürfe müde werden, jeder müsse ohne Rast und Ruhe für das Winterhilfswerk werben. Wir

Die Kundgebungen her Gießener Ortsgruppen.

ständen htrg vor dem Weihnachtsfest, urtb ßtz Wfr noch nie Not gekannt haben, könnten sich nicht'vor stellen, wie dankbar arbeitslose Volksgenossen seien wenn sie merken, daß ihnen aus ganzem fien»» geholfen werde. Pg. Losch schloß mit der Aussor. derung: das Winterhilfswerk rufe und alle müft. ten helfen.

Nach einem Marschpotpourri, das der Lands« knechttrommelzug des Fähnleins Goten tm Stamms Welfen vortrug, folgte ein Sprechchor, wirkunas. voll oorgetragen von unseren Gießener Arbeits. bienftmännern. Auf denDarmstädter Marsch* folgte das GedichtAn die Miesmacher". Dann stellte die Arbeitsdienstabteilung Gießen mehrere lebende Bilder, die wirkungsvoll ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte veranschaulichten. Zum Abschluß der lebenden Bilder fangen die Arbeitsdienstmän- ner das Lied heiliges Feuer brennt in dem Land- Dann folgteEin Zapfenstreich", gespielt von den Fanfarenbläsern des Jungvolks. Um den Versag, melten etwas vom Sport zu zeigen, stellten di? Arbeitsleute noch zwei Pyramiden. Die Darbietup, gen des NS.-Arbeitsdienstes und des Jungvolk; wurden mit großem Beifall ausgenommen.

Ortsgruppenleiter Schwarz dankte für die tv kräftige Unterstützung bei der Ausgestaltung fo Abends. Er ermahnte nochmals zur Mithilfe fe dem Winterhilfswerk. Sein Sieg-Heil galt fc, Führer und Kanzler Adolf Hitler. Die erste Stropi des Horst-Wesiel-Liedes schloß die Kundgebung ah. Bei diesem Schluß war ein seltenes Schauspiel jj sehen, denn die Arbeitsdienstabteilung war auf bet Bühne vor dem Bilde Adolf Hitlers mit ihre: Fahne und präsentiertem Spaten angetreten.

Ortsgruppe Gießeu-Mitte.

Die Ortsgruppe Gießen-Mitte traf sich in der Univerfitätsaula. Die Kapelle des Marine-Sturm, banns leitete mit einigen Musikstücken die Fei« ein.

Ortsgruppenleiter Horst eröffnete die Kund­gebung mit einem begeistert aufgenommenen Sieg- Heil auf den Führer. Die vereinigten Gießener Männerchöre unter Leitung von Universitätsprofessor Dr. Temesvary brachten den ChorNun schweige jeder von feinem Leid" zum Vorttag.

Dann sprach der Kanzler der Universität, Pros. Dr. Hummel. Wie die oolksverbindenden Feiern des 1. Mai und des Erntedankfestes, fo würde auch derTag der Nationalen Solidarität" gefeiert Alle diese Feiertage seien in ihren Beziehungen gleich und dienten dem einen Ziel: Herstellung der wahren Volksgemeinschaft. Bei der jetzigen Veranstaltung stehe ein bestimmter Dolksteil im Vordergründe des Geschehens. Den beffergefteöten Kreisen unseres Volkes sollte die Möglichkeit gegeben werden, zu beweisen, daß sie nicht nur bereit seien, Spenden zu geben, sondern daß sie darüber hinaus auch bereit seien, für die Aermsten unseres Volkes, denen heute noch nicht auf dem üblichen Wege Brst uni Verdienst gegeben werden könnte, zu werben und zu wirken. Aber auch diejenigen Kreise, an die die Sammler sich wendeten, sollten beweisen, tafo V* durch Opferbereitschaft das Los der Aermsten hu; Volkes zu lindern bereit feien. Jeder, der jum deutschen Volke gehören wolle, müffe bereit fein, nicht nur durch Spenden seine Opferbereitschaft zum Ausdruck zu bringen, sondern sich selbst der Allge­meinheit zu opfern. Nur bann könne unser Volk auf die Dauer erhalten bleiben. Eingedenk des Wahl- spruchesDeutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen^ solle jeder dazu bereit fein, sogar fein Leben herzugeben, wenn die Interessen der Volksgemeinschaft es erforderlich machen.

Wie sehr die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen den Zuhörern zu Herzen gegangen waren, bewies die in einer Pause einsetzende Sammelaktion. Jeder griff freudig zum Geldbeutels um fo fein Scherflein beizutragen zum Gelingen des großen Werkes. Unterdessen wartete die Marine- Sturmbannkapelle mit schneidigen Musikvorträgen auf. Anschließend brachten die Gießener Manner­chöre noch zwei Gesangsvorttäge zu Gehör.

Dann sprach Ortsgruppenleiter Horst die Schluß­worte. Dabei führte er u. a. aus, daß es noch tzroft Not unter vielen Volksgenossen gebe. Der Führer wolle diese Not lindem, und das deutsche Volk iei ihm mit dankbarem Herzen gefolgt. Mit einen.

Römisches Mosaik.

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im Dezember.

Die Römerin geht in Seide.

Seit die berühmte Seidenindustrie Italiens durch die allgemeine Krisis und besonders durch die japa- nische Konkurrenz an die Wand gedrückt wird, daß ihr der Atem auszugehen droht, gehen die Römerin- nen ins Stoffgeschäft und wühlen in Seide. Was Linnen, was Kattun! Viel zu teuer. Aber hier, diese nationalen Gewebe man kriegt sie für lächerliches Geld. Die Römerin muß sparen und geht daher in Seide. Was kann sie dafür, daß die Welt ver­rückt ist?

Wo es früher nur für einen Besatz langte, gibt es heute ein ganzes Kleid. Man kann Zimmerwände mit Seide bespannen, und es kostet nicht mehr als eine Tapete. In diesen unsagbar blauen Vorwinter- tagen, dem zweiten Frühling Roms, blüht und duf­tet und knistert es auf der Sttaße, wie sonst nur im Salon.

Vielleicht braucht man heuer überhaupt keinen Pelz, vielleicht kann man den Winter in Samt und Seide verbringen?

Niemand hat Geld, jeder kauft...

Wenn man die Leute hört, müssen sie demnächst in ihren ungeheizten Zimmern verhungern, und wenn Mussolini ruft, kann er sich des Geldes nicht erwehren. Wie viele Staaten könnten es gegen» roärtig wagen, eine nur vierprozentige Anleche auf­zulegen, zu all den zahlreichen von gestern hinzu, und wüßten dann nicht, wohin mit dem Ueberfluh? Italien hat viele Schulden, so gegen 105 Milliarden, ja, hundertfünf Milliarden, und der Spötter Pas- quino würde jetzt wohl an die Säule schreiben, das habe nichts auf sich, denn es handle sich ja bloß um schwebende Schulden. Am nächsten Morgen müßten jedoch die Römer erkennen, daß der Finanz­minister au5 dieser luftigen Stratosphäre aus den bekannten Boden der vollzogenen Tatsachen herab­gestiegen ist, um statt der ausgeschriebenen zwei neuen Milliarden deren vier einzuheimsen. So war binnen wenigen Tagen die Anleihe überzeich­net.

Was tut nun Mussolini? Reibt er sich die Hände und wühtt im Mammon, wie die Römerin in Seide? Bewahre, er gibt die zwei überschüssigen Milliarden zurück. Ordnung muß sein.

Der erste Winker.

Ein großer neuer Autobus rollt über die Straße des Triumphes, er trägt das Wappen mit der stol­

zen zweitausendjährigen Inschrift SPQR., das Volk steht und hebt den Arm. Auf Deutsch heißt das: Senat und Volk von Rom grüßen den ersten Win­ker! Er leuchtet wie eine Rakete, er pst aus­gelassen vor Freude wie ein Böckchen, das zum erstenmal auf die Wiese kommt, er strampelt vor Lebenslust und zeigt sich schon zweihundert Meter vor der Kurve, er mochte gar nicht zurück in seine Klause, es gefällt ihm da außen: Ich bin da! Ich bin da! Ich bin da!

Es ist schon ziemlich lange her, daß ich versprochen habe, das Ereignis getreulich in meiner Chronik zu melden, sowie es eintrete, sowie der erste Winker im römischen Verkehr auftauche. Ich möchte mein Ver­sprechen hiermit eingelöst falben. Die Wunder wollen nicht enden: gestern die erste Radlerin, heute...

Jetzt kann es nicht mehr fehlen, jetzt muß sogar das römische Verkehrsproblem lösbar fein. Sofern es die Radfahrer gestatten.

Die Straßenschnaken.

An der Tagesordnung sind wieder einmal, wie jedes Jahr einmal, die ciclisti, gemeinhin velocipe- dastri genannt, das heißt ungefähr so viel wie Rad- lümmel, oder, wenn man höflich bleiben will, zan- zare ober Sttaßenschnaken. Rom horchte auf, als von Karlsruhe die Kunde kam, dort seien bei einer Verkehrsstteife 300 Radler gestellt worden, weil sie nicht vorschriftsmäßig fuhren.

Rom hat ungefähr zehnmal so viel Einwohner wie Karlsruhe, mithin würde eine Razzia an die dreißigtausend Radler zur Strecke bringen müssen. Wie, die Rechnung stimmt nicht? Es müßte drei- tawfenb heißen? Durchaus nicht. Denn es darf vor­ausgesetzt werden, daß jene Karlsruher wenigstens eine Glocke ober eine Laterne hatten, Erfindungen, von denen ihre römifehen Kollegen noch nichts ge- hört haben. Von den Karlsruhern werben schätzungs­weise 10 v. H. die Verkehrsvorschriften nicht beachtet haben, von den Romern unterlassen es 100 v. H. Wenn es nach den Gesetzen ginge, so wäre Italien, jagte man früher, das beftregierte Land der Welt. Unter Mussolini ist es um vieles besser geworden, die Autofahrer vor allem werden mit geradezu klösterlicher Strenge überwacht und sindsempre in contravenzione, immer in straffälligem Zustand, weil sie einfach nicht mehr aus und em wissen vor Vorschriften. Auch für die Fahrräder sind Glocke und Bremse, Licht und Rückstrahler vorgeschrieben, aber seltsamerweise dürfen sie das alles als roba dell'altro mondo betrachten, als unfaßbar und unausführbar.

Weshalb man sich nun Tag für Tag in den Zei­tungen den Kopf darüber zerbricht, wie es wohl möglich wäre, aus der lärmreichsten Stadt dieser Erde dieStadt des Schweigens" zu machen.

Die Peterskirche wird b e f re i t

Von der altangesehenen Gründerfirma Romulus & Remus hoffnungslos verbaut, weiß Rom sehr wohl um die Ursachen seiner Verkehrsnot und redet daher nicht nur den zuchtlosen Radfahrern ins Ge­wissen, sondern sucht sich auch durch kühne Sttaßen- durchbrüche aus der traditionellen Enge zu befreien. Manche behaupten, für bie Freilegung des Ko­losseums, des Kapitols, der Engelsburg und des Augusteums feien nicht so sehr historische und äscheti- sche, als verkehrstechnische Erwägungen maßgebend gewesen. In Wirklichkeit geht natürlich beides Hand in Hand, und der Duce weiß schon, was er will, wenn er nun dasRom Mussolinis" auch über den Tiber hinüber und in die Leostadt hineingreifen läßt.

Die Borgfa müssen weg! So lautet die neueste Losung, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese engen, häßlichen und ungesunden Straßen» schluchten, die Engelsburg und Peterskirche trennen, binnen kurzem nun auch daran glauben müssen. Nach alter Auffassung Durften und sollten sie sich bis dicht an die Peterskirche hevandrängen, damit der Pilger plötzlich und hoheitsvoll aus dem irdi­schen Elend die majestätische Pracht des Papsttums auftauchen sah. Heute werden wir durch so drastische Gegensätze eher peinlich berührt und wenn auch die Nörgler nicht fehlen, die spöttisch fragen, ob denn das neue Rom nach Theatermanier mit großen Aspekten arbeiten wolle, es bleibt dabei: Weg mit den Borghi!

Oas Vogelfenster.

Von Maria paschen.

Jetzt entdeckten die Haubenmeisen das Futterhaus und wurden seine täglichen Gäste. An Meisenarten hat es nie gefehlt, aber diese graubraune Gesellschaft mit dbn gesträubten schwarzweißen Federschöpfchen auf dem Kopfe war ein neuer Anblick. Auch den Sumpf- und Blaumeisen und den größeren Kohl­meisen scheint dieser Vetter aus dem Tannenwald ziemlich fremd zu fein, oder ist es der Kopfputz, der ihnen Furcht einflößt? Jedenfalls zeigen sie ihren Schrecken deutlich, wenn eine der Haubenmeisen auf der Stange vor dem Futterhaus landet und der Wind in ihrem Schopf steht, dann lassen sie das Korn, an dem sie gerade pickten, erschrocken fallen und suchen das Weite.

Eine Kohlmeise ist dreister als die kleine zierliche Sumpfmeise, das scheint ausgemacht, aber vor dem Kleiber weichen rie beide. Er ist ein seltsamer Ge­selle, frech und zudringlich und auf feinen Vorteil

bedacht. Käme es ihm wohl in den Sinn, sich die Meisen am Futterhaus niederzulasfen, ein iymr körn bedächtig zwischen die Füße zu nehmen zugleich die schmale Sitzstange fest umklammernM dies nun mit aller Kraft, deren der kleine W? nacken fähig ist, mit den wohlgezielten Hieben m spitzen Schnabels aufzuhämmern? Nein, er fornmt nur, um zu hamstern. Wer weiß, in welchen W1 und Baumrinden er die Körnier verstecken mag, um sie dann in Ruhe zu verzehren oder auch zu lieren! Gewiß, auch die Blaumeisen und Eumpp Meisen holen sich manchmal ein Hanfkorn, das ft m großer Hast forttragen, um es in den Dannen ju verspeisen, aber dies ist Schüchternheit, sie wollen den vielbesuchten Futterplatz bald wieder räumen.

Der Kleiber kommt niemals eines einzigen Kornv wegen. Er hamstert, soviel der Schnabel nur? fassen vermag. Einer brachte es in seiner Gesch» lichkeit sogar so weit, daß sein Schnabel roie Kammer vier runde Hanfkörner erfaßte, sie 1°^ wie in einer Röhre eingeklemmt, während Schnabelspitze noch einen Sonnenblumenfern trage muß. So huschen sie, fast wie graue Mäuse ajüu sehen, zum Futterhaus herein und hinaus, in wfa Bewegungen scheu, wie das schlechte Gewissen sewe - in ihrem Gehabe dreist und nicht zu vertreiben, uj® weil sie schneller sind als alle, so erringen sie 9 größten Vorteil.

Nur einer fürchtet sich nicht vor dem Kleiber: der Buchfink. Wenn er einmal das Feld behauptet., haben die anderen gute Weile, bis sie an bie. kommen. Breit setzt er sich mitten ins Futternäpl^ und beißt ein Korn nach dem andern auf. Die W Hälften läßt er wieder in den Napf indes er sich mit dem weißen Kern beschäftigt, b kommt doch ein Störenfried, so genügt es, paß ? den Kopf wendet oder die Federn ein plustert, um jeden andern Vogel in die t^ut9r schlagen. So sitzt er, ein Bild des Friedens, Futternapf, ohne Furcht, ohne Eile auch, und P fo lange Körner, bis er gesättigt ift

Hochschulnachrichten. # f

Die Ordinarien Professor Dr. Werner Jaeg* von der Universität Berlin, Professor Dr- ^ Regenbogen von der Universität J)e* berg, Professor Dr. Gerhart Roden«aj° .

der Universität Berlin, Professor. Dr. Schadewaldt von der Universität F r e t und Professor Dr. Eberhard Stech ow u Universität München sind zu^.Mitglleve . Erfurter Akademie gemeinnütziger SSW, ten gewählt worden.