fr. 288 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Montag, lü. Dezember 1934
Geschichten aus aller Wel»
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Heß; Fehling, Mattern, Birkenbiel, Leuthäuser, Ritter. Der neue Mann im Tor dürfte sich bewährt haben. Die Verteidigung zeigte sich der Lage durch, aus gewachsen und war besser als man erwartete. In der Läuferreihe überragte Heß. Die Stürmerreihe war nie in der Lage, die gegnerische Hintermannschaft ernst zu gefährden. Der rechte Flügel war trotz mehrfacher Umstellung der aktivste Teil des Sturmes. Birkenbiel litt an den Folgen einer Verletzung des Vorsonntages und konnte sein Kön- nen bei starker Bewachung nicht voll entfalten. Leuthäusers Leistung genügt nicht für eine Liga- Mannschaft. Die Leitung des Schiedsrichters konnte befriedigen.
Gleich zu Beginn finden sich die Hiesigen überraschend schnell und erzwingen eine leichte Feldübe- legenheit, die die ganze erste Halbzeit andauern sollte. In dieser Spielperiode hatte die Hiesigen mehrmals Gelegenheit, in Führung zu gehen, aber alle Stürmer verrieten eine erschreckende Schußunsicherheit. Ein Schuß des Rechtsaußen meisterte der hiesige Tormann in großer Manier im Fluge. Sieben Minuten vor Halbzeit gehen die Hiesigen durch Leuthäuser, der sich den Ball aus dem Ge- dränge vor dem Wetzlarer Tor fischte und einschoß, in Führung. Bis zur Halbzeit ereignete sich nichts nennenswertes. Nach Wiederbeginn eröffneten die Wetzlarer eine Generaloffensive. In der zehnten Spielminute nach Halbzeit schießt der Wetzlarer Halblinke einen von der Latte abgesprungenen Ball erneut aufs Tor. Helmert wehrt ab, doch der Spiel- leiter entscheidet Tor, da nach seiner Ansicht der Ball die Torlinie überschritten hatte. Ein zweifel- Hafter Erfolg für Wetzlar! Nach Wiederanstoß drängt Wetzlar weiter und erzielt eine 2:1-Füh> rung. Langsam kommen die Hiesigen auf und tragen zeitweise flüssige Angriffe vor. Noch 15 Minu- ten sind zu spielen, als Birkenbiel, der mit einer Vorlage von Knauß an der Verteidigung vorbei wollte, unfair im Strafraum gelegt wurde. Den Elfmeter, von Ritter placiert aber nicht scharf genug geschossen, kann der Wetzlarer Tormann im Sprung ablenken. Das war die Entscheiduna. Wetz- lar kommt erneut auf und kann durch Wohlge» muth, der seine Gegner umdribbelte und einen haltbaren Ball in die kurze Ecke schoß, ein drittes Tor erzielen. Der Wetzlarer Linksaußen läuft die Linie entlang, überläuft die Gießener Verteidigung und stellt durch einen Bombenschuß — das schönste Tor des Tages — den 4:1-Stcmd her. Der Schlußpfiff des Unparteiischen trennte zwei mit größter Kranftanstrengung kämpfende Gegner, die durch ihre faire Spielweise sich die Sympathien der Zuschauer sicherten.
Göbel ein lustiger Käfer, Paul Nieren machte das geschäftige Sandmännchen; ein Weihnachtsmann mit wallendem weißen Bart und gewaltigen Filzstiefeln war Herr Geiger, und auf dem Mondberg wohnte der Mann im Mond namens Heinrich Hub, der sich als ein rechter Wüterich und Kinderschreck gebärdete. Auch alle übrigen, große und kleine, waren mit Eifer bei der Sache.
Hen Jahren im Theater gesehen haben, ist „Peteros Mondfahrt" entschieden das hübscheste. Das »?3Oen alle Kinder, große, kleine und ganz kleine, cc gefunden haben, die gestern nachmittag Par- lii und Ränge bis auf den letzten Platz füllten, rill die ältesten werden sich am Ende besinnen, daß ■ fit $5 vor ein paar Jahren schon einmal hier erlebt
Es wurde aber auch sehr schön gespielt. Sorte Pflug als Peterchen und Hansi S a l z m a n n als Anneliese waren die munteren Hauptpersonen, die in wallenden Nachthemden ihre wunderliche Mond- reise unternehmen und dabei so erstaunliche Dinge zu sehen bekommen; alle Kinder vor dem Vorhang
Gestern nun ging diese ganze Herrlichkeit zum ersten Male in Szene. Der gute Märchenonkel V o l ck hatte das Stück, wie alle Jahre zu Weihnachten, mit viel Liebe und Sorgfalt für das kindliche Gemüt hergerichtet und einstudiert, Kapellmeister K e r z i s n i k dirigierte die Musik, die Clemens S ch m a l st i ch um die sieben Bilder herum komponiert hat. Herr B ä u l k e hatte den niedlichen Sternentanz eingeübt. Herr Löffler, Herr Keim und Herr Huber hatten die übrige Ausstattung besorgt mit einer traumhaften und himmlischen Szenerie, mit allerlei schwierigen Beleuchtungen und Geräuschen und mit prächtigen Gewändern.
Gießener Gtadttheater.
Gerdt von Bassewitz: „Peterchens Mondfahrt".
1 5i an allen Weihnachtsmärchen, die wir in
Gau Bayern: Schweinfurt 05 — ASV. Nürnberg 4:2; 1860 München — Wacker München 1:0; Spvgg. Weiden — Schwaben Augsburg 1. FC. Nürnberg — Jahn Regensburg 2:0; Augsburg — Spvgg. Fürth 2:0.
Die Spiele der Bezirksklasse Grupp: Gießen-Dill.
VfB. Gießen — SV. 05 Wetzlar 1:4 (1:1).
BC. Sinn — 1900 Gießen 1:5 (0:2).
Naunheim — W.-Steinberg 4:2 (1:2).
In Sinn gewinnt 1900 5:1. Ein sehr abwechselungsreiches Spiel. Die ©inner konnten gegen die technische bessere Elf der SpVg. 1900 nicht aufkommen.
Steinberg führte in Naunheim bis 10 Minuten vor Schluß 2:1. Ein harter, aber gerechter Elfmeter für Naunheim führte zum Ausgleich. Steinberg spielte daraufhin zerfahren und der Tormann von Steinberg mußte noch zwei Bälle passieren lassen, so daß das Spiel am Schlüsse 4:2 für Naunheim stand. Auch bei diesem Spiel gewann der Sieger verdient.
DfV.-Reichsbahn I — Spv. Wetzlar I 1:4 (1:0).
Die Wetzlarer haben dank ihres größeren Stehvermögens und ihrer körperlichen Ueberlegenheit diesen Kampf verdient für sich entschieden. Bei den Gießenern fehlten die stärksten Kräfte, Lehrmund und Feuster; ein Umstand, auf den vielleicht die Niederlade zurückzuführen ist. Dem Unparteiischen stellten sich die Hiesigen in folgender Aufstellung: Helmert; Hauptfeld, K. Schmidt; Sauer, Knaus,
Nach drei Tagen wurde das Risiko für den Italiener doch etwas zu hoch, er fand es billiger, Herrn van Friß das Reisegeld nach Rotterdam zu borgen und seine Hotelrechnung zu bezahlen. Der Holländer fuhr ab.
Wer aber beschreibt sein Erstaunen, als kurz nach der Abfahrt Conte Campanello in sein Abteil tritt, eine Brieftasche zückt — und der Holländer sie als seine eigene erkennt, die ihm im Park geraubt wurde und den ganzen Gewinn von zweihunderttausend Franken enthielt. Conte Campanello aber erklärte Folgendes: Er sei ein alter Gast von Monte Carlo, und er wisse aus Erfahrung, daß alle Neulinge das Geld, das sie anfänglich gewinnen, wieder verspielen. Zumal wenn sie von ihrer „Methode" überzeugt seien. So habe es nur eine Möglichkeit gegeben, dem Holländer das gewonnene Geld zu retten: es zu rauben! Und hier sei es: abzüglich der Spesen! — Ein glücklicher Mensch fuhr weiter nach Rotterdam ... Für die Echtheit der Geschichte vermögen wir uns leider nicht zu verbürgen.
Gigantisches Hochzeitsessen.
(avk) Budapest.
Wenn zwei Hochzeit machen, dann gehen sie normalerweise zur Kirche, zum Standesamt, und an-
Die Kinder aber, sie hörten es gerne. Sie saßen mit heißen Bäckchen dabei und erfüllten das ganze Haus mit ihren Zwitscherstimmen. Und ich weiß welche, die diese Nacht vom Peterchen geträumt haben, von der Sternenwiese, vom großen Bären mit seinen roten Augen, vom Weihnachtsmann und vom Christkindchen in der Wiege.
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„Das ist nicht meine Sache. Dafür haben ine Herren auf der Wetterwarte zu sorgen. Ueberhaupt, du mit deinem Schuhlöffel-Niveau scheinst keine Ahnung von kosmischen Vorgängen zu Haden. Zweihunderttausend Meteorsteine fallen in diesen Nächten auf die Erde. Zweiyunderttausend Stück!"
„Wenn zweihunderttausend Meteore auf die Erde fallen, ist dein Radio auf alle Fälle futsch!"
„Dein häßlicher Schuhlöffel auch, Gott sei Dank!" „Was hast du gesagt? Mein ..."
„Häßlicher Schuhlöffel, jawohl!"
„Ist ja empörend! Weißt du nicht, daß der Schuh- löfsel ein Geschenk meiner Mama ist? »Andenken an Krümrnhübell steht drauf."
„Und wenn »Andenken an Magenübell draufsteht, mir ist's wurscht! ... Anna! ... Anna, was machst du? ..."
„Das wirst du sehn, Barbar!"
„Anna, bist du verrückt? ... Wo willst du hin ... Ich beschwöre dich, bleib' hier! ... Hierbleiben sollst du, sage ich ..."
Sie ahnen, was sich ereignet hat. Die Frau ist von ihrem Sitz hochgefahren, hat die Kabinentür aufgerissen, klettert hinaus. Der Mann, in wilder Bewegung, steigt ihr nach, erwischt ihren flatternden Mantel. Ein Schrei ertönt. Die Frau springt in die Tiefe. Der Mann, in verkrampfter Faust den Mantelzipfel haltend, kämpft noch einen Moment, verliert das Gleichgewicht, stürzt über den Rand des Flügels hinunter ...
Ist das alles nötig? Hat es einen Sinn, wegen eines Schuhlöffels — Anschaffungspreis regulär eine halbe Reichsmark, im Einheitsbazar zusammen mit einem großen Stück leicht angestaubten Streuselkuchens sowie einem Monstreprachtreklamelustballon fünfundzwanzig Pfennig — die Nerven zu verlieren? Nein, es hat keinen Sinn; es ist absolut idiotisch, und deshalb geschieht es. Und wenn der Mond wackelt und die Erde zerspringt, — Hauptsache, wir behalten wegen des Schuhlöffels recht! ...
So, jetzt können Sie wieder aufatmen, und auch das Blut darf in Ihre Wangen zurückkehren. Nämlich die ganze Geschichte ist bloß halb so schlimm: sie spielle sich auf dem Tempelhofer Feld drei Mi- nuten vor dem Start des Flugzeugs ab, die Frau sprang nur etwas über einen Meter tief, und der Mann setzte sich bei seinem Sturz Verhältnis- mäßig günstig auf einen konvex geschliffenen Körper- teil.
Wassermann, die Wolkenfrau und der Regenfritz, aber auch die Sonne und die Morgenröte, der Donnermann und die Blitzhexe. Am allerschönsten aber ist es ja wohl auf der Weihnachtswiese, wo der Weihnachtsmann das Christkindchen wiegt, und wo das Pfefferkuchenmännchen die Beete begießt, aus denen die schönsten Spielsachen wachsen: Puppen und Soldaten, Teddybären und Pferdchen und Bilderbücher.
Aber das kommt noch besser bei der großen Kanone, womit die beiden Kinderleins samt dem Käfer unter Donner und Blitz auf den Mondberg geschossen werden, an das eigentliche Ziel ihrer Wünsche und ihrer Reise. Na, da oben wohnt ja der Mann im Mond, der ein gräßlicher Kerl ist und nicht nur den Kindern ihre Aepfel und Spielgefährten wegfrißt, sondern sie selber alle beide am liebsten verschlingen möchte.
Es geht aber im letzten Augenblick ganz märchenhaft noch alles gut ab, und siehe da, am Baum hängt wahrhaftig das sechste Käferbein, das dem Sumsemann nun unter Hallo und mit viel Spucke wieder angeklebt wird. Und als die beiden Kinder in ihrem Bettchen am andern Morgen aufwachen, da wundern sie sich schrecklich über die sonderbaren Abenteuer in der vergangenen Nacht.
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N hnn finden wir sie wieder auf der Sternenwiese, üdi )ie kleinen Engelchen fingen und tanzen; und \\'\e\‘ von ihnen reibt sein Sternchen blitzeblank. 2 Mit ist der gute Sandmann dort mit seinem Hhirielsfernrohr, durch welches man auf die Erde Imititer schauen kann, sogar bis nach Gießen und n nl<in ins Theater hinein, wo merkwürdigerweise g;it»!ein Weihnachtsmärchen gespielt wird, und mit bl lei großen Bären, auf dem die Kinder samt dem
Iußball der Gauligamannschasten.
Hanau 93 behauptet die Führung.
Das wichtigste Spiel der sonntäglichen Gauliaa- Fußballkämpfe in Nordhessen war das Treffen zwischen dem Gaumeister Borussia Fulda und dem Tabellendritten Hessen Hersfeld, das die Borussen knapp 2:1 gewinnen konnten. Durch seinen Sieg konnte der Gaumeister seinen zweiten Tabellenplatz festigen, während Helsen Hersfeld auf die vierte Stelle zurückfiel, da der Spielverein Kassel durch seinen 2:1-Sieg beide Punkte aus Langenselbold mitnehmen konnte. Der derzeitige Tabellenführer, Hanau 93, behauptete feinen Platz, denn auch der gefährliche SC. 03 Kassel wurde auf eigenem Platz glatt 3:0 geschlagen.
Gau Südwest: Wormatia Worms — Union Niederrad 6:1; Borussia Neunkirchen — Saar 05 Saarbrücken 6:1; FSV. Frankfurt — Phönix Ludwigshafen 4:1; 1. FC. Kaiserslautern — Eintracht Frankfurt 3:1; Sportfreunde Saarbrücken — Kik- kers Offenbach 3:1.
schließend gibt es ein feudales Mittag- oder Abendessen, bestehend aus drei ober vier Gängen, für die engsten Familienangehörigen. Und wenn es schon ganz hoch hergeht, werden einige Freunde des Hauses mit eingeladen. Etwas großzügiger feierte die Verbindung zweier Menschenkinder ein wohlhabender ungarischer Großbauer, der die Tochter des hochwohllöblichen Dorfrichters zum Altar führte. Zunäckst wurden 440 Gäste geladen. Und diese ansehnliche Korona feierte drei Tage und drei Nächte. Und verzehrte während dieser Zeit geradezu phantastische Mengen von Speisen und Getränken.
Man höre und staune, wie eine Bauernhochzeit im Komitat Bacs-Bodrog im Jahre 1934 aussah. Es wurden drei Mastochsen, vier ausgewachsene Kälber, vier Schweine und 1000 Hühner geschlach- tet. Ferner 50 Enten, für die besonders feinschmeckerisch veranlagten Gäste. Man verbrauchte sechs Zentner Brot, 100 Kilo Zucker und 2000 (Eier. Die Versüßung der Stimmung besorgten rund 50 Riesentorten. Damit das „bißchen" Essen besser rutschte, trank die Festgesellschaft zunächst zwölf Hektoliter edlen Ungarweines, gemischt mit 1500 großen Flaschen Sodawasser. Und schließlich sechs Fässer Bier.
Ins ist wirklich eine allerliebste und märchenhafte «Glchichte, welche die beiden Kinder Peterchen und J Krdiefe da erleben, obwohl es nicht einmal Win- 1 tet unb Weihnachtszeit ist, sonbern Frühling unb wenn bie Maikäfer fliegen. Von benen Der» n intPch einer namens Sumsemann abends ins Kin- i In, immer, wo Peterchen und Anneliese ins Bett j Alt nacht werden, und kaum haben Mutti und Minna Nacht gesagt, da fängt er auf einer silbernen Mir an zu spielen und eine große Geschichte zu Imaolen. Das ist nämlich so: Sumsemann ist ein ! Efi i’äfer mit bloß fünf Beinen; das sechste, denkt «uh ist auf dem Mond. Wie es dahin gekommen i if; toas müßt ihr euch am besten selber im Theater |e npMen lassen.
Püterchen und Anneliese, denen der arme Sumse- i ittn leib tut, beschließen alsbald, auf die Reise ■ iul’ben unb bas sechste Käferbeinchen vom Monb p ölen. Das ist ja, wenn es auch im Schlaf unb - fern vor sich geht, eine ganz wunberliche Ge- I Werte mit vielen Erlebnissen unb Abenteuern. «Ö)?.n daß bie beiden plötzlich zu fliegen anfangen, EiVis;Sumfemann ihnen beigebracht hat mit Musik, i! Mchfi lustig anzusehen, wie sie so hoch über die [pH Gießen unb ben Gleiberg dahinschweben.
haben es von Herzen miterlebt. Rose Stirl war eine liebe Mutti, dje ihre beiden aufgeregten Kleinen LKchlfer alsbald baoonreiten. ! in ben Schlaf final, unb sie erschien später sogar als
Fi k ber Nachtfee ist großer Kaffeeklatsch, und ein-jllie majestätisch s^r.chlende Sonne. Luise Decker gie&m sind dazu viele merkwürdige Leute wie der! war die liebliche und freundliche Nachtfee, Heini
Oer Schuhlöffel.
Don Geora Mühlen-Schulte
Bitte, setzen Sie sich fest auf Ihren Stuhl und halten Sie den Atem an, — es kommt etwas Entsetzliches!
Da ist bas Innere der Kabine eines Flugzeugs der Linie Berlin—München—Mailand. Eine Frau und ein Mann, beide in Reifekleidung, hocken in den tiefen Sesseln, sind kochrot vor Wut, fletschen die Zähne, fauchen sich böse an ...
. Ich sage es dir noch einmal, Anna, ins blanke Gesicht hinein sage ich es dir: Du lügst! Nicht mit einem Buchstaben hast du von dem Schuhlöffel gesprochen."
„Da sieht man, wie zerfahren du bist. Du standst im Herrenzimmer und peterteft an dem Radio rum, da rief ich dir zu: »Steck' den Schuhlöffel ein; er liegt auf dem Hocker neben birst Natürlich hast du ihn nicht eingesteckt; dein Radio war dir ja wichtiger."
„Allerdings war es mir wichtiger. Ich höre mit dem Apparat die Löwen am Kongo brüllen; das soll mal dein Schuhlöffel leisten!"
„Den Schuhlöffel brauche ich, um meine Schuhe anzuziehen! Dabei können mir deine Kongolöwen nichts nützen. Uederhaupt, was mußtest du fünf Minuten vor Antritt der Reise noch Radio hören?!"
„So ein Kohlrabi! Ich habe gar nicht gehört; ich habe den Stecker des Netzanschlusses herausgezogen. Das war wichtig. Wenn der Blitz in die Leitung schlägt, ist der Apparat hin. Vierhundert Mark hat er gekostet; dafür kaufe ich einen Waggon Schuh
überwachen. Die beiden Kollegen kannten sich aber und regelten ihren Dienst in der Weise, daß der eine vormittags wachte, der andere nachmittags. Aber auch dahinter kam der argwöhnisch aewordene Gatte, er überwachte nun seine Frau selbst und ertappte sie auch bald mit dem ersten Detektiv. Noch nie soll ein Scheidungsprozeß nach dem Urteil der in dieser Beziehung verwöhnten Pariser eine solche Fülle amüsanter Einzelheiten geboten haben wie dieser.
Was sollen denn die Leute denken?
(k) Brüssel.
Hier wird jetzt folgende kleine Episode gern erzählt und viel belacht: Während des Brüsseler Kraft- droschken-Streiks setzte man in die Streikbrecher- wagen, um die Fahrgäste und Fahrer vor lieber* griffen zu schützen, stets einen stahlhelmbewehrten Polizisten. Als nun ein älteres Fräulein am Bahnhof eine Kraftdroschke nahm und hineinsteigen wollte, prallte sie entsetzt zurück. Was denn der Polizeibeamte in dem Wagen wolle? „Streikschützer" — sagte man ihr. Ob der denn die ganze Fahrt mitmache? Man mußte das bejahen ...
Das ältere Fräulein richtete sich entsetzt auf. Dann könne sie das Auto nicht nehmen! Was sollten denn die Leute von ihr denken, wenn sie allein mit einem Herrn im Auto fahre — und zudem mit einem uniformierten? Nein und nochmals nein! Dafür könne sie keinesfalls ihren guten Ruf aufs Spiel fetzen ...
Bis an den Kraterrand.
(r) Rom.
Vorbei ist es mit dem Frieden der Natur rings um den Aetna, mit jenem Frieden, der wenigstens dann herrschte, wenn der Aetna schwieg. Die Autostraße zum Vulkan hinauf ist nun dem öffentlichen Verkehr für alle Wagengewichte übergeben ...
Das knattert und braust und stockert und stöhnt den Aetna hinauf, seit die Touristen wisien, daß man nicht mehr auf Schusters Rappen zu reifen braucht, um in den Vulkan zu schauen. Freilich, 1,5 Kilometer muß man noch wandern, denn die Autostraße beginnt bei etwa 700 Metern und steigt dann in sanften Windungen bis zu 1880 Meter empor. 18 Kilometer sind die Serpentinen lang, 1000 Arbeiter haben seit 1931 daran gebaut. Heute stehen die staunenden Fremden oben und blicken über fast ganz Sizilien. Der Aetna aber tragt ruhig die neue Bürde, bis — nun man wird ja sehen ... Vielleicht werden die Touristen dann froh sein, daß die Autostraße nur bis auf 1,5 Kilometer an den Kraterrand heranführt.
Man sollte es nicht für möglich halten.
D. Monte Carlo.
Louis van Friß ist ein Rotterdamer Buchhalter. Eines Tages hatte er eine geniale Methode errechnet, mit der man sicher im Roulette gewinnen kann. Mit 3000 Franken fetzte er sich kürzlich während eines Urlaubs an den Spieltisch zu Monte Carlo, um die Richtigkeit seiner Methode zu erproben — und siehe da: sie bewährte sich! Als er um zwei Uhr früh den Spielsaal verließ, hatte er zweihunderttausend Franken gewonnen. Aber das Glück währte nicht lange. Kaum war der Buchhalter knapp hundert Meter durch den Park gegangen, als er sich einem maskierten Mann gegenübersah, der ihm, den Revolver in der Hand, das Geld abverlangte. Es war ein ungewöhnlich dreister Raubüberfall. Der Räuber entkam unerkannt. Am nächsten Tage machte der brave Holländer, der verzweifelt durch Monte irrte, die Bekanntschaft eines Conte Campanello, dem er feine traurige Geschichte erzählte. Der Italiener machte ihm den Vorschlag, mit seinem Geld nach der „Methode van Fnß" zu spielen und den Gewinn zu teilen. Der Holländer schlug ein.
Wieder wagte er dreitausend Franken, die dem Italiener gehörten. Aber die Methode bewährte sich nicht mehr. Er verlor das Geld. An noch zwei weiteren Tagen erhielt er die gleiche Summe von dem liebenswürdigen Grafen. Wieder verlor er.
löffel."
„Du machst dich ja lächerlich! Wir find im Winter; wo jöll va ein Gewitter Herkommen?."
^Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Der Mann im Schornstein.
(—ur) Portland (Oregon, USA.)
Seit fleinauf war Charlies E. Robert zur See fahren. Doch als er nun von feinen verschiedenen Schiffen, die ihn über die Meere getragen hatten, । ^schied nehmen sollte, wurde ihm so schwer ums i:erz, daß er tief in feinen Geldbeutel griff und I - den großen Schornstein eines alten abgewrackten I Dampfers erwarb.
;(Er hatte sich das auf seinen langen Seefahrten । , t durch den Kopf gehen lassen. Unb jetzt setzte er | t in die Tat um: teilte den Schornstein auf und mpstanzte in den obersten Stock eine Küche, dar- i unter das Schlafzimmer und ganz unten einen || Lstesaal!
•löenn nun draußen der Sturm heult, kann Char- i b immer ein wenig davon träumen, er sei noch : ois seinem Schiff. Ein Stück davon ist ja auch wirk- ! ich sein Haus geworden.
Hier studieren die „Maturaten".
(th) Oklahoma- City (USA.), i Was würden Sie sagen, wenn Sie in eine Schule I Innen, in der nur Leute mit langen weißen Bärten mherliefen? Sie würden gewiß meinen, Sie hätten verlaufen ... Ader in Oklahoma hat man eine । fnze Schule eingerichtet, in der nur Leute über 1 Jahren unterrichtet werden. Und bis zu 100 <tyren dürfen die „Schüler" alt sein. Der ehe- nJilige UniDerfitätsprofeffor Dr. McKeever, selbst i [ran ein alter Herr, hat diesen Plan gefaßt und 1h dann verwirklicht. Er beobachtete nämlich, daß
। öJle alte Leute sich einfach zur Ruhe setzten, nichts ' isthr taten und deshalb verfielen. Darum läßt er fi nun Literatur studieren und unterrichtet sie in SnnEenpflege. Aber auch kleine Handarbeiten, die d Zeit vertreiben, läßt er sie verrichten. „Mcttu- wen" hat man sie genannt, weil sie ja an sich über
I fts Lernalter hinaus sind und schon reif fürs Leben •bjunben würben — aber nicht zu alt finb, um nöjmal in bie Schule zu gehen ...
Die Liebe und der Detektiv.
DZD. Paris.
Das Tagesgespräch ber Pariser ist ber Schei- Logsprozeß bes Marquis D. Der ebenso reiche n * alte Hagestolz hatte sich vor nicht langer Zeit iijbie junge unb hübsche Tochter seines Freunbes xlliebt unb wenn auch zunächst bie junge Dame f über ben weißhaarigen Liebhaber, ber sie mit baren Geschenken überschüttete, lustig machte no seinen Antrag nicht ernst nahm, schließlich hatte ffiiihn boch erhört, unb beibe heirateten gegen ben Zöllen ihrer Familien, bie ber merkwürbigen unb schleichen Ehe ein schlimmes Enbe prophezeiten. 2 Familie bes Marquis wollte ben jungen, alten (Ermann sogar entmünbigen lassen, was ihr aber Vilit gelang; im Gegenteil, bie Ehe ließ sich ganz $i an. Die Fsm-lie bes Marquis hoffte nun auf ßiirm anberen Wege zum Ziel zu kommen. Sie nr überzeugt, baß bie junge, temperamentvolle i i u bas Leben mit bem alten Mann halb über* . dämmen würbe, unb baß es ihr an Verehrern Ijba.'« nicht fehlen würde, deshalb ließ man sie durch (ginn Detektiv überwachen. War es Zufall ober Ab>.cht, als man als Wächter einen jungen unb ch scheu Mann bestellte, vor Gericht konnte bar» ■üb'T keine Klarheit erzielt werben, {ebenfalls fiel «r Wer Marquise burch bie Art, wie er ihr auf Sciritt unb Tritt folgte, halb auf; sie ahnte nicht, Lo bas zu seinen Berufsobliegenheiten gehörte in hielt ihn für einen hartnäckigen Liebhaber, ber fidi burch nichts aus ihrer Nähe abhalten ließ. Der 2>rktiv bemerkte, baß er auf bie schöne Dame Viidruck machte, kurz, er begnügte sich nicht mehr m bem bloßen Ueberwachen, sonbern machte ihr geunüber kein Hehl daraus, wie er sie liebte und m.:be auch keineswegs abgewiesen. Der Marquis, liti) große Erfahrungen gewitzt, hatte die An- icerungen des jungen Herrn, von dem er ja nicht »Ate, daß er ein Detektiv ist, beobachtet und ließ ui:: seinerseits seine Gattin burch einen Detektiv
Mage.
" her auf bengp en wid stach, njeqtorungen Sud- Und Dfc negenfallen, tyg erschlechtenW $ ' der Luftdru^ ;et werden, hoji krungsgebietoü n 5 *Q g: ta ’ häufig aufheu, cken, nachts ich twoch: $oid mdigkeit. Dezember: ur Krad; am 10. t- im 8,1 Grad, ’ iren in 10 cm hob; am 10.1 - NiedeiM
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Uebrigens fiel ihm hierbei ber Schuhlöffel aus ber Tasche. Er hatte ihn richtig eingesteckt, der Gute! Letzten Endes tun wir Kerle ja boch, zum mindesten in Gedanken, öas Rechte, lNicht-wahr-


