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Vornan von Klothilde v. Siegmann.

12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Da übermannte sie der Schmerz. Sie lehnte ihren Kopf an die Wand, dorthin, wo einst das Himmel- bettchen der blonden Puppe Emeralda, ihres Lieb­lings, gestanden hatte. Und ein heißes Schluchzen erschütterte ihren Körper.

Da fuhr sie auf. Schritte tönten und hallten in dem leeren Nebenrccktm überlaut wider. Sie konnte sich kaum die Tränen abtrocknen, als ein junger Mann auf die Schwelle trat. Mit äußerster Ver­blüffung musterte er das junge Mädchen, das da an der Wand lehnte.

Wer sind Sie denn? Was machen Sie denn da?" Er wußte nicht, daß seine Stimme vor Erstaunen herrisch und unfreundlich klang.

Edelgard richtete sich auf; alle Verlegenheit ver­ging vor diesem befehlenden Tone und der inquisi­torischen Art der Frage. Wie kam dieser Unbekannte dazu, sie so zur Rede zu stellen? Vermutlich einer der Architekten oder Lieferanten.

Edelgard war von Natur der höflichste und sanf­teste Mensch, den man sich denken konnte. Aber sie hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen An­maßung und Schroffheit. Der Ton des Unbekannten empörte ihren Stolz. Dazu kam ihr Bestreben, um jeden Preis die Bewegung ihrer Seele zu ver­bergen.

Wer ich bin? Ich glaube, das geht Sie nichts an, mein Herr. Ich bin nicht gewöhnt, mich Herren vor- zuftellen das Umgekehrte ist wohl üblich. Und was ich hier tue? Nun, ich habe mich einmal um­geschaut, was aus dem schönen Hause geworden ist, seitdem man es von Kopf bis Fuß umbaut."

Wissen Sie, daß Unbefugten der Eintritt nicht gestattet ist, mein Fräulen?"

Das Blut war dem Fremden zu Kopfe gestiegen angesichts der hochmütigen Haltung Edelgards und ihrer eisigen Worte.

Ich brauche keine Belehrungen von Ihnen", gab Edelgard schroff zur Antwort.Ich habe den Polier um Erlaubnis gebeten solange der Besitzer des Hauses nicht hier ist, hat er darüber zu bestimmen, wer hier Zutritt hat. Und da Sie kaum mehr zu sagen haben werden als der Polier"

Sie schwieg verwirrt, denn der Fremde lächelte plötzlich es war ein unerwartetes, heiteres Lä­cheln und veränderte den horten, abweisenden Gesichtsausdruck, machte ihn weich, aufgeschlossen. Sie wußte auf einmal nicht weiterzusprechen.

Bitte, was wollten Sie noch sagen, mein Fräu­lein?"

Aber Edelgard schüttelte nur den Kopf; sie hatte auf einmal ein so banges Gefühl, bang und doch süß. Sie wagte es kaum und mußte doch noch einmal

Schon als Edelgard am nächsten Tage ins Büro-

Was dort weiß und zierlich hinter den entlaubten Bäumen hervorlugte, war wohl das Kavalierhäus­chen, in dem die ehemalige Besitzerin, Frau von Dönitz, wohnte. Schade, daß Studczynski ihm dies Fräulein von Dönitz so abschreckend geschildert sonst hätte er vielleicht doch einmal der alten Dame, der Mutter seines ritterlichen Kriegsgegners, einen Besuch gemacht. So aber war es besser, man hielt sich fern.

Firma, die etwas wegen der Wohnungseinrichtung zu besprechen oder irgendeine Sendung abzugeben gehabt hatte. Dann hatte er sie eigentlich ebenso unrechtmäßigerweise angefahren, wie sie ihn.

tn dies festgefügte junge Männergesicht schauen, dessen strahlende blaue Augen nun beinahe mit einem übermütigen Ausdruck auf ihr ruhten.

Und da war es mit all ihrem erzwungenen Hoch­mut vorbei. Sie schämte sich auf einmal ihrer trotzi­gen Worte. Eigentlich hatte der Fremde recht sie hatte hier ja nichts mehr zu suchen. Sie begriff sich jetzt gar nicht. Wenn dieser Fremde, der sie so schroff zurecht gewiesen, zum Beispiel der Besitzer gewesen wäre aber gottlob!, der kam ja erst in einer Woche! Aber dennoch jagte dieser Gedanke allein ihr eine heiße Welle durch den Körper und schon wandte sie sich um und lief beinahe hinaus.

Der Fremde sah ihr erstaunt nach. Er machte eine Bewegung, als wollte er Edelgard nacheilen. Dann schüttelte er, wie ärgerlich über sich selbst, den Kopf. Aber er ging dennoch zum Fenster und sah die schmale, helle Gestalt des jungen Mädchens durch den Vorgarten eilen nun durch das große schmiedeeiserne Portal nun in der Allee vor dem Hause verschwinden.

Wer mochte diese Unbekannte sein? Was für ein schönes, wunderschönes Mädchen! Er meinte, noch niemals ein so edel und rein geschnittenes Mädchen­gesicht gesehen zu haben. Und wie verlegen sie zuletzt war, fast verstört!

Es tat ihm beinahe leid, der Grund dazu gewesen zu sein. Sein jäher Zorn über ihre hochmütig ver­letzenden Worte war längst verflogen. Plötzlich mußte er auflachen; die Situation war auch wirklich zu drollig gewesen. Wenn die kleine schöne trotzige Dame ahnen würde zu gern hätte er einen der Arbeiter draußen im Vorgarten gefragt, wer ihn denn in seinem eigenen Hause so wenig liebens­würdig willkommen geheißen. Aber es erschien ihm unschicklich, die fremden Männer wegen dieser Dame zu befragen.

Vielleicht war sie eine Angestellte irgendeiner

Auf dem Korridor ihrer Abteilung fand Edelgard die jungen Mädels in aufgeregten Gruppen zusam- menstehen und miteinander tuscheln.

Wissen Sie es schon, Fräulein von Dönitz?" fragte die kleine dunkle Aenne Lehmann.Er ist

Wer?" Edelgard mußte über die wichtige Miene der kleinen kecken Aenne lachen.

Wer? Er! Der neue Chef, der Nachfolger von Direktor Kutschner! Heute früh ist er schon gekom-

Edelgard war aus dem Vorgarten ihres ehemali­gen Vaterhauses förmlich geflohen. Sie konnte sich immer noch nicht fassen. Immer wieder sah sie dies schöne, herbe Männergesicht vor sich, erst kalt und abweisend, dann lächelnd überlegen und doch gütig. Sie konnte es nicht aus ihrer Erinnerung bannen.

Was war mit ihr geschehen? War es nur die Scham, so als ein Eindringling vor einem Fremden dazustehen? Oder war es etwas, was sie nicht kannte? Sie ging so schnell sie konnte, bis sie außer Sichtweite des Hauses war. Dann stand sie still.

Wie schwer und angstvoll ihr das Herz schlug. Wenn Schritte kamen, zuckte sie zusammen; sie fürchtete, der Fremde oben aus ihrem ehemaligen Kinderparadies könnte es sein. Sie fürchtete es und konnte doch kein Glied rühren. Und ganz leise, ganz geisterhaft fragte wieder die unbekannte Stimme in ihr:Weißt du, was Liebe ist?"

Zum erstenmal seit langer Zeit tauchte das Bild Robert Kutschners vor ihr auf wie etwas, wohin man sich flüchten könnte, was einem Ruhe und Sicherheit gab vor der Wirrnis in der eigenen Seele. Zum erstenmal, daß sie sich in ihrer Not nach Robert Kutschner sehnte.

Robert Kutschner ahnte nicht, daß der erste zärt­lichere Brief, den er vierzehn Tage später in Neu- york empfing, geschrieben worden war aus der tiefen Herzensangst Edelgards heraus.

Glückselig las er die Worte der Geliebten immer und immer wieder. Endlich fand seine Sehnsucht einen Widerhall in ihr, endlich las er in ihren Zeilen etwas wie ein Geständnis ihrer Zuneigung. Scheu war sie, feine geliebte Edelgard. Und er liebte sie um dieser Scheu wohl noch heißer. Aber einmal würde auch diese Mädchenscheu vor der Liebe hin­wegschmelzen.

Seit er diesen Brief von ihr in Händen hatte, glaubte er sich seinem Ziele um vieles näher.

öojon ms croeigaro am nächsten sage ms Buro- v . gebäude trat, merkte sie, etwas Ungewöhnliches war

Komödie der Irrungen!" dachte er bei sich und > vorgegangen. Eine allgemeine Unruhe, eine eigen­wanderte belustigt weiter. Der Besitz war wirklich tümliche Bewegung herrschte im ganzen Hause. Es so schön, wie er es sich kaum vorgestellt hatte. Wenn , fing schon bei dem Pförtner, Herrn Lüders, an. erst alles in Ordnung war, ließ es sich hier leben. | Ganz gegen seine sonstige würdevolle Gewohnheit, Der weite Park, drüben der See in tiefem, kaltem stand er in einem lebhaften Gespräch mit dem Blau eine Erholung nach der Hetzjagd der ver- ! Botenmeister aus dem ersten Stock, über den er gangenen Jahre und dem Steinmeer der großen 1 sich sonst als der viel Dienstältere sehr erhaben Städte. fühlte.

men. Jetzt sitzt er in der Vorkonferenz mit den Ab­teilungsleitern zusammen. Schneidig sieht er ousl ganz jung noch, viel fescher als der »Alte' de? Kutschner"

Sie unterbrach sich, denn eine der Kolleginnen hatte sie in den Arm gekniffen.Was ist denn?" fragte sie entrüstet. Dann fiel es ihr ein: Ach, Herr« gott, das hätte sie vielleicht nicht in Gegenwart des Fräulein Edelgard sagen sollen, das mit Kutschner. Wenn sie auch Fräulein Edelgard nichts Böses zu» traute, und wenn der Franke auch ein Schandmaul war besser war doch besser!

Na, Sie werden ihn ja selbst sehen", schloß sie etwas unvermittelt und verschwand plötzlich in ihrem Arbeitszimmer. Auch die anderen folgten.

§ Man konnte nicht wissen, auf einmal konnte der neue Chef hier auftauchen. Was für einen Eindruck, machte es denn, wenn sie alle hier zu Haufen um» herstanden?

Nur Edelgard blieb einen Augenblick in Nach­denken versunken. Durch die Umzugstage und den Urlaub waren ihre Gedanken eine Weile gar nicht mehr hierher gegangen. Jetzt fiel ihr alles wieder ein. Wie mochte der neue Chef sein? Ob sie ihre Stellung als Privatsekretärin behalten würde? Der Abteilungsleiter hatte ihr vor ihrem Urlaub darüber nichts sagen können. Man müßte das natürlich dem neuen Direktor überlasten, hatte er gemeint; was an ihm läge, ihr die bevorzugte Stellung zu halten, sollte natürlich geschehen. Aber versprechen könne er nichts.

Edelgard war es bang zumute. Nun erst fühlte ! sie ganz, was der Fortgang Robert Kutschners be« \ deutete. Er hatte feine schützende Hand über sie gehalten, er hatte ihr den Betrieb hier so recht eigentlich heimatlich gemacht. Nun mußte man sich wieder auf einen ganz fremden Menschen einrichten, vielleicht einen launenhaften, vor dem man Angst haben mußte. Ach, sie war so gar keine Kampfnatur. Ihre Sicherheit und ihr Hochmut waren nur eine Maske, hinter der sie ihr ängstliches Wesen verbarg.

Leicht seufzend ging sie durch den Korridor bis in das Sekretärinnenzimmer. Hier hatte sie immer gearbeitet, seitdem Rudolf Kutschner sie zu seiner Privatsekretärin gemacht. Nebenan hatte er gesessen. Niemals, auch in der ersten Zeit noch nicht, als sie sich noch fremd gegenüberstanden, hatte sie ein un­geduldiges, herrisches Wort von ihm gehört. Er war immer gleichmäßig freundlich und gütig ge­wesen. Nie hatte man es zu spüren bekommen, daß er der Chef und man selbst nur eine kleine An­gestellte war. Wie würde es jetzt werden?

Mechanisch ordnete sie ihre Sachen, legte den Ste­nogrammblock zurecht, spitzte die Bleistifte an, legte Papier in die Walze der Schreibmaschine. Nun war hier alles bereit. Hinein in das Chefzimmer zu gehen wagte sie nicht. Solange sie nicht wußte, ob sie Privatsekretärin bleiben würde oder nicht, hatte fie ja kein Recht, ungerufen hineinzugehen.

(Fortsetzung folgt!)

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Vieh- und Krämermarkt

ZU Allendors an der Lumda.

Mittwoch, den 14. November 1934, findet der dies­jährige

Nikelsmarkt

der Stadt Allendors an der Lumda

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Auftrieb des Viehes von morgens 8% bis 9 Uhr. Es dürfen nur Tiere aus unverseuchten Gemeinden aufgetrieben werden. Der Auftrieb aus Sperr- und Beobachtungsoebieten ist verboten. Durch Ursprungs­zeugnisse muß seitens der Ortspolizeibehörden be­stätigt sein, daß die Tiere aus der Zucht desjenigen stammen, der sie zum Markt bringt. Von Händlern dürfen nur Tiere aufgetrieben werden, sofern sie nach Einführung in den Kreis die vorgeschriebene Quarantäne durchgemacht haben oder auf Grund der einschlägigen Bestimmungen von der Quarantäne befreit sind. Der Nachweis ist durck) ein Gesundheits­zeugnis eines beamteten Tierarztes zu führen.

Verlosung der Marktstände von 7% Uhr an auf dem Rathaus.

Es ladet zum Besuche freundlichst ein Hessische Bürgermeisterei Allendors an der Lumda.

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