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besuch abgestattet. Der Botschaftsrat Forster bat auch am Quai d'Orsay vorgesprochen, um Deutsch­lands Teilnahme am Tode Barthous zu bekunden.

Wie das Mental geschah.

Berichte von Augenzeugen.

Der festliche Empfang, den man dem südslawi­schen König zu bereiten gedachte, ist zu einem Trauerspiel geworden. Das gesamte franzö­sische Mittelmeergeschwader hatte sich auf der Reede von Marseille eingefunden, um den südslawischen. KreuzerD u b r o w n i t", der König Alexander nach Frankreich führte, einzuholen. Kriegsmarine­minister Piöträ war an Bord des Panzerkreuzers Colbert" dem südslawischen Schlachtschiff ent­gegengefahren. Er übernahm König Alexan­der an Bord einer Admiralsbarkasse, die beide in den alten Hafen von Marseille an Land brachte, wo Außenminister Barth ou und eine Reihe an­derer französischer und südslawischer militärischer und ziviler Würdenträger die Ankunft erwarteten. Bei der Einfahrt in den Hafen wurden 21 Salut­schüsse abgegeben. Der königliche Gast bestieg mit seinen Gastgebern einen offenen Wagen, der sich an der Spitze eines langen Zuges setzte. Mit dem König zusammen war der südslawische Außenminister I e f t i t s ch gekommen. Die K ö n i- gin Maria von Südslawien hatte die Reise nach Paris im Zug unternommen und wollte in D i - j o n zu ihrem Gatten stoßen. Als der Wagen auf dem Börsenplatz einbog, fielen die Schüsse, die dem König das Leben kosteten.

Der Führer des Kraftwagens des Kö­nigs schilderte einem Vertreter der Agentur Havas den Hergang wie folgt:Als der Wagen auf den

Börsenplatz einbog, sprang ein Mann auf das Trittbrett des Kraftwagens und gab vier oder fünf Schüsse auf den Herrscher ab. Ich habe den Verbrecher sofort am Hals gepackt, während ein Oberst, der sich neben dem König be­fand, mit seinem Säbel auf den Attentäter ein­schlug."

Ein anderer Augenzeuge, Piollet, der neben dem Wagen des Königs Alexander ritt, berichtet über den Verlauf des Anschlags folgendes:

Der Wagen, in dem sich König Alexan­der, Außenminister Barthou und Ge­neral Georges befanden, war gerade in Höhe der Börse, als ich bemerkte, wie ein Mann sich aus der Menge löste, an den Polizei­beamten oorbeiglitt, der am Bürgersteig stand, und an meinem Pferd voroei aus das Trittbrett des königlichen Wagens sprang. Ich gab meinem Pferd die Sporen, aber obwohl das Pferd sehr schnell vorsprang, konnte ich nicht ver­hindern, daß der Attentäter seinen Arm ausstreckte und mehrere Schüsse auf den König ab­gab. Ich erhob meinen Säbel und streckte mit zwei Schlägen den Mann zu Boden, während der Kraftwagenführer einige Schüsse aus ihn abgab. Der Mörder fuhr aber fort zu schießen, obgleich er am Boden lag. Seine Kugeln trafen zwei Polizeibeamte und eine Frau, die sich in der ersten Reihe der Schaulustigen be­fanden. Polizei und Garde Mobile stürzte sich auf den Mörder und versuchte die Menge von dem Wagen fernzuhalten. Der zu Boden gefallene Atten­täter wurde aufgehoben, worauf sich die Menge auf ihn warf und ihn gelyncht hätte, wenn die Polizei ihn nicht rechtzeitig beiseitegeschafft hätte.

Gehörte -er Mörder einer politischen Organisation an?

Auf der Suche nach Helfershelfern.

Wer war der Mörder?

Der Mörder König Alexanders, Petrus Kale- men, ist Kroate. Er stand nicht auf der Liste der verdächtigen Personen, die der französischen Polizei von der südslawischen Polizei mitgeteilt wor­den waren. Er ist am 20. Dezember 1899 i n Agram geboren und betrieb in dieser Stadt ein Kaufmannsgeschäft. Man fand bei ihm einen am 30. Mai 1924 ausgestellten P a ß. Kalemen war am 28. September nach Frankreich gekommen. Der Paß war vom tschechoslowakischen Kon­sulat in Agram ausgestellt worden. Auf diese Weise findet die Tatsache ihre Erklärung, daß die Belgrader Behörden die Ausstellung eines sol­chen Passes auf den Namen Kalemen in ihren Listen nicht feststellen konnten. Der Paß trägt ein Visum der südslawischen Behörden, gültig für alle Auslandsreisen mit Ausnahme Rußlands. Fer­ner fand man im Paß die Grenzvisen Südslaviens, der Schweiz und Frankreichs.

Der Täler, der bei seiner Festnahme nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde von der Polizei zunächst in ein Polizeiwachthäuschen und von dort in das Gebäude der Sicherheils, polizei gebracht, wo er von Polizeiärzten unter­sucht wurde. Jedoch schon nach kurzer Zeit starb der von mehreren Schüssen und Säbel­hieben getroffene Mörder.

Die Polizei hat den Revolver geprüft, mit dem Petrus kalemen den Anschlag ausge­führt hat. Ls handelt sich um einen zwanzig- schüssigen automatischen Revolver neue st er Konstruktion. In einer Tasche des Rockes des Mörders sand man außerdem mehrere Patronenstreifen, so daß er über ungefähr 100 Schuh Munition verfügte. Die Untersuchung der Leiche führte zu einer sehr interessanten Entdeckung. Am linken Unterarm harte Kalemen eine Tätowierung, die eine Krone von 5 bis 6 Zentimeter Durch­messer darstellt und von einem Toten­kopf mit zwei gekreuzten Knochen umgeben war und auherdem einige V u ch - stabenabkürzungen aufwies. Ls handelt sich bei den Duchstabenabkürzungen um die Worte:Freiheit oder Tod!" Ein südsla­wischer Journalist erklärte, dah diese Tätowie­rung das Zeichen der mazedonischen K o m i t a d s ch i s sei.

Die französische Polizei sucht jetzt vor allem fest- gustellen, ob Kalemen Helfershelfer gehabt hat. Die Tatsache, daß seine Spur in keinem der Marseiller Hotels aufzufinden war, läßt die Ver­mutung zu, daß er bei einem Freunde Wohnung genommen hatte. Es wäre natür- ich von großer Bedeutung, diesen Freund festzu­stellen.

Der Anschlag hat die Bevölkerung so stark er­regt, daß die wildesten Gerüchte in Umlauf sind. So wurde behauptet, daß fünf oder sechs mit Dolchen und Revolvern bewaffnete Männer den Mörder umgeben hätten, als dieser □ou einem Offizier niedergeschlagen wurde. Es Pollen sich Zeugen bereiterklärt haben, dies durch ; hre Aussagen zu bekräftigen, jedoch hat sich hierzu auf der Polizei noch niemand eingefunden.

Eine Meldung aus Brüssel besagt, daß, d i e Lütticher Polizei sich in der letzten Zelt m i t einigen verdächtigen Kroaten, die in Lüttich wohnten, au beschäftigen gehabt habe, dar­unter mit einem Kantinenwirt S o k o t a, per Bel­gien am 1. Juli ohne Angabe seines Wohnortes verlassen habe. In einer ande­ren kroatischen Kantine in Lüttich habe sich e i n Berga rch eiter namens Petrus Kal­me n s k i aufgehalten, der ebenfalls seit kurzem Lüttich ohne Wohnortsangabe v e r l a s s e n habe. Man frage sich deshalb, ob die Aehnlichkeit des

Namens des Letzgenannten mit dem Mörder des Königs Alexander ein bloßer Zufall sei oder ob mehr dahinterstecke.

Größte Bestürzung in Paris.

Nationaltrauer in Frankreich.

Paris, 9. Okt. (DNB.) Die Nachricht von dem verbrecherischen Anschlag auf den südslawischen König, die sich in Paris wie ein Lauffeuer ver­breitete, hat überall größte Bestürzung und Erregung hervorgerufen. Die Bevölkerung stürzt sich auf die in mehreren Extraausgaben er­scheinenden Abendblätter, um die Einzelheiten dieses nationalen Unglücks zur Kenntnis zu nehmen. Die Telephonleitungen zum Außenministerium und zur südslawischen Gesandtschaft sind ständig belegt von den zahlreichen Anrufern, die sich nach Einzelheiten erkundigen. Man ist überrascht darüber, daß es dem Attentäter trotz der starken Absperrung gelungen ist, feinen Anschlag auszuführen, da schon seit Tagen ein besondererUeberwachungs- dienst eingerichtet war. In Marseille waren 1200 Polizeibeamte, 191 Kriminalbeamte, 120 Gendar­men, 48 Mitglieder der Garde Mobile sowie aktive Soldaten zu Absperrungsmaßnahmen aufgeboten worden. Es scheint aber, daß der Attentäter sich bis zum Einbiegen des königlichen Wagens auf den Börsenplatz völlig unverdächtig in der harrenden Menge benommen hat und dann plötzlich durch die Polizeikette hindurch auf den Wagen sprang, in dem der König Platz genommen hatte.

Der Präsident der Republik, Lebrun, ist in Begleitung der Minister Herriot und Tardieu nach Marseille abgereist. Ein Onkel des auf so tragische Weise ums Leben ge­kommenen Königs von Südslawien, Prinz K a r a g e o r g e w i t s ch, ist mit in den Sonder- zug gestiegen. Sämtliche Mitglieder der Regierung hatten sich am Bahnhof zur Begrüßung des Staats­oberhauptes eingefunden. Sowohl auf der südslawi­schen Gesandtschaft als auch am Quai d'Orsay fan­den sich nacheinander die ausländischen Missions­chefs ein, um ihre Teilnahme an dem Trauerfall persönlich zu bekunden. Sämtliche öffentlichen Ge­bäude haben halbmast geflaggt. Ministerpräsident Doumergue hatte auf 18 Uhr einen außer­ordentlichen Kabinettsrat einberufen. Der Ministerpräsident hat dem südslawischen Minister­präsidenten das Beileid Frankreich telegraphisch zum Ausdruck gebracht und außerdem durch den Kabinettsrat eine Kundgebung gutheißen lassen, die am Mittwoch überall in Frankreich an­geschlagen werden soll. Die Regierung hat außer­dem beschlossen, daß das Heer, die Flotte und die Luftflotte für einen Monat Trauer anzu­legen haben. Ferner sind sämtliche Festlichkeiten während dieser Zeit abgesagt. Schließlich wurde an­geordnet, daß Außenmini st er Louis Bar­thou ein Staatsbegräbnis bereitet wird.

Vorwürfe gegen die Polizei.

Pariser Blätter foreern den Rücktritt des Kabinetts.

P a r i s, 10. Okt. (DNB. Funkspruch).Mali n" schreibt, die Tatsache, daß Barthou auf seinem Posten als Außenminister an der Seite eines aus­ländischen Herrschers gefallen sei, bringe ihm die tiefgefühlte Achtung des Landes ein. Seine letzte Absicht sei gewesen, die französisch-italie­nische Aussöhnung zu besiegeln und zur Annäherung zwischen Italien und Südslawien beizutragen.Petit Journal" schreibt u. a., wahrscheinlich habe der Verbrecher wegen kleinlicher innenpolitischer Streitigkeiten es nur auf den König abgesehen gehabt. Ein stärkeres Geschick habe es jedoch gewollt, daß sich Fran­zosenblut mit Südslawenblut ver­mische, um die Kraft der französischen Freund­schaft zu Südslawien zu bekräftigen.

Eine Anzahl Blätter richten in ihren Kommen­taren d i e schärf st en Angriff e g e g e n die

französische Sicherheitspolizei. So schreibt z. B. derJour", gestern habe eine Sicher­heitspolizei, die weder Disziplin halte, noch einen Chef habe, die Ermordung des Königs der Serben und des französischen Außen­ministers zugelassen. Es gebe überhaupt kein Wort, um angesichts einer solchen Schreckenstat die Ent­rüstung 3um Ausdruck zu bringen, die jeder Fran­zose in seinem Kopf und in seinem Herzen gegen eine staatliche Stelle empfinde, die so unfähig und so verbrecherisch sei, zuzulassen, daß eine solche Tat geschehe. Man habe am Dienstag früh in Paris gewußt, daß ein Atten­tat in Vorbereitung sei, und man habe die Stunden dieses tragischen Tages nicht dazu benutzt, um die Waffe zu verstärken. Nur der Gesamt- rücktritt des französischen Kabinetts

werde es dem befähigten und geachteten Doll« mergue erlauben, eine Regierung zu bilden, die fähig sei, mit Ehre und Sauberkeit zu re­gieren.Oeuvre" gibt bereits Gerüchte von einem Rücktritt des Innenministers Sar- raut und Entlassungen innerhalb der Leitung der französischen Sicherheitspolizei, ja sogar ein Ge­rücht von einem beabsichtigten Rücktritt des Gesamt­kabinetts Doumergue wieder.

Doumergue übernimmt einstweilen das Außenministerium.

Vari-, 10. ort <DMZ. Aunkspruch.) Bll zur endgültigen Regelung der Nachfolge Varthous hak Ministerpräsident Doumergue die Leitung des französischen Außenministeriums übernommen.

Das Scho in Südslawien.

Große Empörung in Belgrad.

Alexanders Verdienste allgemein warm anerkannt.

Belgrad, 10. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Nachricht von der Ermordung des Königs Alexan­der traf in Belgrad in den Abendstunden des Diens­tag ein, wurde aber nicht veröffentlicht. Trotzdem sickerten aber Gerüchte durch und ver­breiteten sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Gleichzeitig wurden die Telephon- und Tele­graphenleitungen mit dem Ausland und mit der Provinz unterbrochen. Da keiner Genaues über den Anschlag wußte, entstand in der Bevölkerung Ver­wirrung. Alle Kinos unterbrachen ihre Vorstellun­gen und alle Gaststätten wurden geschlossen. Die Straßen wurden sofort durch die gesamte Gendar­merie besetzt und die öffentlichen Gebäude durch st a r k e P o st e n gesichert. Da in den Straßen ein lebhafter Abendverkehr herrschte, kam es an einigen Stellen zu großen Stauungen. Schließlich eilten die Menschen in unbestimmter Furcht so rasch wie möglich in ihre Wohnungen. Eine halbe Stunde später waren die Straßen

fast menschenleer. Nur die Rundfunk- Hörer, die mit ihren Apparaten das Ausland erreichen konnten, konnten sich in den Abendstunden ein Bild machen. Der größte Teil der hauptstädti­schen Bevölkerung aber wußte nur, daß der König tot war. Von den übrigen Opfern des Anschlages war nicht einmal gerüchtweise die Rede. Als die Verwirrung des Volkes gewichen war, brach große Empörung durch. Gegen die mutmaß­lichen Urheber des Anschlages wurden Verwün­schungen laut.

König Alexander, dessen Fähigkeiten in den letzten Jahren auch von Zweiflern anerkannt wurden, hat sich großer Beliebtheit in Süd­slawien erfreut. Insbesondere seine Annähe­rung an Bulgarien hatte den Beifall der ge­samten südslawischen Bevölkerung. Die Massen sahen in Alexander nicht nur den Soldaten- könig, der alle Feldzüge mitgemacht hatte, son­dern auch den großen Staatsmann, der die Einigung der südslawischen Stämme verwirklicht hatte und eben im Begriffe war, durch die Versöhnung mit Italien das Werk zu krönen. Das Volk sah in ihm den starken Mann, der den Staat durch schwersten Schaden innen- und außenpolitischer Natur mit sicherer Hand leitete.

Die Nachfolge König Alexanders.

AmDonnerstagThronbesteigung König Peters.

EineProklamation an das südslawischeBolk.

Belgrad, 10. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die Agenz Avala" kündigt in einer amtlichen Ver­lautbarung an, dah der älteste Sohn des in Marseille verstorbenen Königs Alexander I. als Peter II. am 11. Oktober den Thron Südflawiens besteigt. In einer Prokla­mation an das Volk heiht es:

Unser großer König Alexander I. ist als Opfer eines erbärmlichen Anschlages am 9. Oktober um 16 Uhr in Marseille verstör- b e n. Der Märtyrerkönig hat mit seinem Blut sein Friedenswerk besiegelt, für das er seine Reise in das verbündete Frankreich unter­nommen hatte. Gemäh Artikel 38 der Verfassung besteigt sein er st geborener Sohn, König Peter II., den Thron des Königreichs Südslawien. Die königliche Regierung, das fjeer und die Flotte haben König Peter II. den Treueid geschwo­ren. Die königliche Regierung übernimmt in Uebereinstimmung mit Artikel 45 der Verfassung die Regierung bis zum 11. Oktober, um die Ab­legung des Treueides gemäh Artikel 59 der Ver­fassung vorzubereiten. Die letzten Worte, die König Alexander mit seinem letzten Seufzer aus- hauchte, legen Zeugnis ab für seine unendliche Vaterlandsliebe. Er sagte:W acht über Süd­slawien." Die königliche Regierung ruft die ganze südslawische Nation auf, in Treue und Würde über diese Erbschaft zu wachen.

Der Thronfolger aus einer englischen Schule.

Erst heute morgen vom Tode seines Vaters verständigt.

London, 10. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Der 11jährige Kronprinz Peter von Südslawien hatte in der Sandroyd-Schule in Sur­re y noch zwei Jahre als Zögling leben sollen. Als der Schuldirektor durch einen telephonischen An­ruf in Kenntnis gesetzt wurde, nahm der junge Prinz gerade an Schulspielen teil. Es wurde be­schlossen, ihm die große Aenderung, die in seinem Leben eingetreten ist, e r ft am Mittwochvor­mittag bekanntzugeben. Prinz Peter ging daher völlig ahnungslos zu Bett. Einstweilen steht nur fest, daß der Prinz zum Begräbnis feines Va­ters nach Südslawien zurückkehren wird. Wahrscheinlich wird dann seine Erziehung in Süd­slawien durch Privatunterricht fortgesetzt werden. Nach Bekanntgabe der Nachricht von der Ermor­dung des Königs Alexander wurde sofort die eng­lische Polizei angewiesen, die Schule in der sich der südslawische Thronerbe befindet, zu bewachen.

Die Benachrichtigung der Königin.

Paris, 10. Oktober (DNB. Funkspruch). Die Königin Maria von Südslawien, die mit ihrem Gemahl Mittwochfrüh in Laroche Zu­sammentreffen wollte, wurde Dienstagabend bei ihrer Ankunft in Befancon von dem Prä­fekten des Departements Doubs empfangen und mit möglichster Schonung über den schrecklichen

Anschlag unterrichtet, dem ihr Gemahl zum Opfer gefallen war. Der Sonderzug, mit dem die Königin nach Paris fahren sollte, wurde nach Marseille umgeleitet. Nachdem die Königin die traurige Nachricht von der Ermordung des Königs Alexander erhalten hatte, erlitt sie einen Ohnmachtsanfall. Der Zug wurde in Lons - Le Saunier angehalten, damit Aerzte der Königin Bei­stand leisten konnten. Die Ankunft des Sonderzuges in Marseille dürfte daher mit Verspätung erfolgen. Die Gattin des Saatsministers Herriot hat sich in Lyon der Königin zur Verfügung gestellt und begleitet sie bis nach Marseille. Königin Maria von Rumänien, die in London weilt, wird sich unverzüglich zu ihrer Tochter, der Königin von Südslawien, begeben.

Königin Maria ist Mittwochfrüh in Marseille e i n -g e t r o f f e n. Zum Empfang hatten sich der Marineminister und Vertreter sämtlicher Behör­den eingefunden. Die Königin, die in tiefer Trauer am Arme von Frau Herriot den Zug ver­ließ, wurde sofort zur Präfektur geleitet, wo die Leiche des Königs aufgebahrt liegt. Die Königin wird wahrscheinlich Marseille sofort wieder ver­lassen und über Paris nach Belgrad zu­rückkehren.

Das Testament Alexanders.

Ein Regentschaftsrat

für den minderjährigen König.

v e t g r a d, 10. Okt. (DNB. Funkspruch.) In An- Wesenheit von Prinz Paul, dem Vetter des Kö­nigs, dem Ministerpräsident Uzunowitsch, dem Belgrader Stadtkommandanten, Kommandant der königlichen Garde, General G i b k o w i t s ch und dem Flügeladjutanten des verstorbenen Kö­nigs Alexander wurde die Testamentseröff­nung vorgenommen. In dem Testament hat König Alexander während der Minderjährig­keit des Königs Peter zu Regenten eingesetzt:

Prinz Paul Karageorgewltsch, den Se­nator und ehemaligen Minister Dr. Zedenko Stan- kowitsch und den Ban der Banschaft San, Dr. Ivo P e r o w i t s ch. Als etwaige Nachfolger für Prinz Paul ist der Kommandierende General und militärische Befehlshaber von Belgrad, T o m i t s ch, für Senator Stankowitsch der Senator V a n j a n l a und für Perowitsch Senator Zeh bestimmt worden.

Der Ministerrat hat eine Landestrauer von sechs Monaten festgesetzt. Mittwochvormittag werden von allen Kirchen des Landes die Glocken läuten, in ganz Südslawien sind Trauer­gottesdienste angeseht. Von allen Häusern wehen bereits Trauerfahnen und sämtliche Schulen werden heute geschlossen bleiben.

Els Todesopfer

bei einem Banditenübersall in der Mandschurei.

In der Nähe von Tsitsikar (Prov. Helungkiang) hat eine schwerbewaffnete chinesische Bande einen japanischen Autobus, der mit Kolonisten besetzt war, überfallen und nach heftigen Kampfe fünf Japaner und sechs Koreaner getötet. Die Ban­diten haben außerdem drei mandschurische Staats­angehörige mit Frauen und Kindern in die Berge entführt.