sie stets in Ehren halten. Dank gebühre aber auch denjenigen Mitgliedern, die sich um die Herrichtung dieser Gedenkstätte besonders verdient machten (die Herren 8 i n A, Gebauer, Dr. Seid und L. Schmidt), sowie allen anderen, die durch Rat und Tat zur Schaffung dieser Stätte beitrugen.
Der Redner kennzeichnete sodann den Sinn der Gedenkstätte, die eine Stätte der Ruhe und der Erholung sein solle, und übergab den Ruhetempel, der die Tafel der Fünfzigervereinigung über dem Eingang trägt, seiner Bestimmung. In das abschließende breifache Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler stimmten die Teilnehmer der Feier freudig ein. Gemeinsam wurden sodann die ersten Verse des Deutscylandliedes und des Horst-Wessel-Liedes gesungen.
Professor Dr. Vanselow betonte in seiner kurzen Ansprache, daß es ihm eine Selbstverständlichkeit gewesen sei, der Vereinigung bei der Schaf
fung einer solchen Gedenkstätte zur Hand zu gehen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Vereinigung gerade dieses Fleckchen Erde gewählt habe. In seinen weiteren Worten sprach er in feiner Weise über die vielen Möglichkeiten, sich an dieser Stätte der Natur besonders verbunden zu fühlen, da ringsum alles von göttlichem Leben erfüllt sei, dessen wir auch ein Teil seien. An dieser Stelle, im Walde, spüre man Gottes Obern beut« kicher. Aus biesem Wissen erwachse unsere Heimatliebe unb Dolksverbunbenheit. Diese Stätte möge jebem einzelnen gehören. Er nehme bie Gebenk- stätte in seinen Schutz, unb jeder, der hier einkehre, sei ihm Freund und persönlicher Gast. Mit dem Wunsche, daß dieser Platz recht oft aufgesucht werden möge, beschloß Professor Dr. Vanselow seine dankbar und beifällig aufgenommenen Worte.
Nach verschiedenen Musikstücken und einigen gemeinsam gesungenen Liedern fand die schöne Veranstaltung ihren Abschluß.
Gemeindetag der Lukasgemeinde.
Gestern nachmittag fand auf der Liebigshöhe der diesjährige Gemeindetag der Lukasgemeinde statt. Die Veranstaltung war so stark besucht, daß die Teilnehmer in dem großen Saale kaum unterge-- bracht werden konnten.
Nach einigen flotten Märschen der Kapelle des Vereins für christliche Musik sang zunächst ein aus Mädchen der Lukasgemeinde zusammengestellter Chor unter Leitung von Frl. Ze iß „Lobt froh den Herrn".
Kirchenvorsteher Karl Noll begrüßte sodann die Besucher, wobei er u. a. sagte: „Diese Veranstaltung bezweckt, daß die Gemeindemitglieder einmal außerhaV des Gotteshauses miteinander in Verbindung treten. Bei unserer heutigen Veranstallung steht die Jugend im Vordergrund unseres Interesses, denn wir begehen heute den seit einigen Jahren angeordneten Jugendtag. Die Jugend ist der Träger der Zukunft im Staate, im Volkstum und in der Kirche."
Anschließend brachten Mädchen der Lukasgemeinde einen von Frl. Else Wagenbach einstudierten Sprechchor zu Gehör. Dieser Sprechchor veranschaulichte die verschiedenen Typen der deutschen Jugend. Die Darbietung, die von allen Beteiligten sehr wirkungsvoll vorgetragen wurde, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck.
Hierauf brachte Frl. von der Heydt zwei Lieder „0, hätt' ich Jubals Harf und Mirjams süßen Ton" von Händel und „Die Allmacht" von Schubert zum Vortrag. Die Sängerin, die von Frl. Möller verständnisvoll begleitet wurde, erntete reichen Beifall.
Nach einem gemeinsamen Gesang „Von des Rheines Strand" brachten Mädchen aus der Lukas- gemeinde einen von Frl. Zeiß einftubierten Volkstanz zur Aufführung. An bie Kinder der Kinderkirche wurden Brezeln verteilt, deren Kosten aus einer von Geh. Kirchenrat D. Dr. Krüger und dessen Gattin zur Erinnerung an ihre verstorbene Tochter Johanna errichteten Stiftung bestritten wurden.
Es folgten weitere Musikvorträge des Vereins für Christliche Musik, ein gemeinsames Lied „Aus der Jugendzeit", sowie zwei weitere Lieder von Frl. v. d. Heydt, „Ständchen" von Curschmann und „Gemäht sind die Felder, der Stoppelwind weht" von Beraer.
Pfarrer Bechtolsheimer betonte hierauf in einer kurzen Ansprache, daß die Veranstaltung als Nachfeier vom Jugendsonntag gelten solle. Er übermittelte der Festversammlung Grüßender Vorsitzenden der Frauenhilfe, Frau Prof. Zöppritz, die trotz ihrer 84 Jahre noch in der Gemeinde wirke und sich mit dieser verbunden fühle. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich recht viele
Gemeindemitglieder in der gleichen Weise mit der Gemeinde verbunden fühlen möchten. Er dankte allen Mitwirkenden und wies darauf hin, daß dieser Gemeindetag einen besonderen Charakter habe. Die Jugend liege der Kirche sehr am Herzen. Die kirchliche Jugend sei an die Hitler-Jugend an- gegliedert worden. Trotzdem habe bie Kirche an der Jugend noch große Aufgaben zu erfüllen. Dies geschehe insbesondere in der Kinderkirche. Es sei wünschenswert, daß bie ©emeinbemitglieber bahin wirken, daß alle Kinder zur Kinderkirche kommen. Auch bei dem Konfirmandenunterricht möchten die Eltern helfen, bie Kinder zu guten Christen zu erziehen. Der Redner kam bann noch kurz auf bie Bedeutung der Gemeindetage zu sprechen und gab der' Hoffnung Ausdruck, daß auch diese Veranstaltung dazu beitragen möchte, das Leben in der Gemeinde zu stärken und zu neuer Blüte zu bringen.
Es folgten noch zwei weitere Volkstänze, die ebenfalls sehr beifällig ausgenommen wurden, ein wirkungsvoll zu Gehör gebrachter Mädchenchor „Du meine Seele finge", sowie weitere musikalische Darbietungen. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Nun sich der Tag geendet" fand die schön verlaufene Veranstaltung ihr Ende.
Schweres Ltnweiier über Darmstadt.
Starker Hagelschlag.
Felder und Gärten unter Wasser.
Darmstadt. 9. Sept (LPD.) Nach einem brückend schwülen Nachmittag zog vom Ried her ein schweres Gewitter gegen den Odenwald. Kurz nach 16 llhr begann der Höhepunkt des 21n- welters mit einem ungeheuren Hagel- schlag, bei dem Hagelkörner bis zu Hühnerei- Größe Herniederprassellen. Fast eine Viertelstunde entluden sich diese Eismassen über Darmstadt und seiner näheren Umgebung. Besonders stark wurde die Gemarkung Arhellgen betroffen, wo bald die Felder unter Wasser standen und sich die Keller mit den Wassermassen füllten. Die Felder sahen teilweise aus, als sei starker Schnee auf sie herniedergefallen. In manchen Gegenden sind die Bäume völlig entlaubt, viele Vögel, die von den schweren Lisslücken getötet wurden, liegen auf der Erde. Teilweise lag der Hagetschlag 10 Zentimeter hoch. Besonders heimgesucht wurde auch P f u n g st a d t, wo der Vlih ganz in der Nähe der Zuschauer
reihen einschlug, die auf dem dortigen Sportplatz einem Fußballspiel zusahen. Einige Personen wurden zu Boden geschleudert. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die Feuerwehr wurde alarmiert, um aus den Kellern das Wasser zu pumpen. Die Gemüsegärten wurden fast vollständig vernichtet, während des Unwetters war es fo finster, daß die Autos ihre Scheinwerfer anstecken mußten.
Nrrndfunkprogramm.
Mittwoch, 12. September.
5-50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Fruhmelbungen. 6.55: Frühtonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk: „Der junge Schiller". 10.50: Praktische Ratschläge für Küche unb Haus. 11.45: Sozialoienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saarbienst, Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskon- 3ert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15.10: Dreimal 15 Minuten aus bem Senbebezirk. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Stunde der Jugend: Junge Gefolgschaft! Chorisches Spiel der Hitler-Jugend. 18.30: Interessantes von unserer Reichsbahn (II). Zwiegespräch.
18.50: Unterhaltungskonzert. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Unsere Saar. Den Weg frei zur Verständigung! 20.35: Reichssendung: Stunde der jungen Nation. 21: Huttens letzte Tage. Eine heldische Kantate. 22: Elsässische Volkslieder.
22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Nachtmusik. 24 bis 1: Nachtmusik.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
* Wetzlar, 10. Sept. Am kommenden Mittwoch, 12. September, findet auf dem Haarplatz in unserer Stadt Schafmar kt statt. Näheres ist aus der Anzeige vom vorigen Samstag ersichtlich.
* Volpertshausen, 9. Sept. Der 20 Jahre alte Eisendreher Albert Knorz von hier erlitt bei einem Motorra hu nsa 11 einen Bruch d e s linken Unterschenkels und mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
Kreis Biedenkopf.
* Weidenhausen, 9. Sept. Bei einem M o » torrabunfall erlitt her 22jährige Maurer Karl Watz von hier einen Bruch b es linten Unterarmes, der seine Ueberführung in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machte.
Petri Heil!
, Für die Liebhaber des „nassen Sports" gibt es viel * Freude und Anregungen. Doch bleibt ihnen auch das sog. „Petri Leid" nicht erspart. Meistens ist das „Leid" auf Unkenntnis der Bestimmungen zurückzuführen.
In weiten Kreisen der Berufs- und Sportfifcher bestehen Unklarheiten darüber, was unter einer „einfachen Handangel" und einer „erweiterten Handangel" zu verstehen ist. Die Folgen hiervon find Klagen der Berufsfischer und — Strafanzei- gen. Damit ist bas „Petri Leib" schon eingetreten. Um all dem vorzubeugen, ist folgendes zu beachten:
Die „einfache hanbangel".
Laut Bekanntmachung des Hessischen Ministeriums des Innern vom 15. Januar 1913 (Reg.-Bl. S. 37) ist unter einer „einfachen Handangel" im Sinne des Art. 35, 36 und 48 des Fischereigesetzes zu verstehen: „Eine Angel mit einer Schnur, an Der sich nur ein einfacher Angelhaken mit nur einem natürlichen oder künstlichen Köder unter Ausschluß von lebenden, toten und künstlichen Fischchen befindet. Die einfache Handangel muß bei bewegtem Wasser mit dem Strome treiben können und stets in der Hand des Fischers bleiben.
Hieraus ergibt sich, daß der Sportangler niemals eine Handangel an das Ufer steckt unb vielleicht noch mit einer zweiten Hanbangel in ber Hand fischen darf.
Mit einer einfache Hanbangel harf iehermann in schiffbaren Strömen unb Flüssen fischen. Er muß vazu jedoch eine Fischerei karte beim zuständigen Kreisamt lösen, die nur 3 Mark (Stempel) kostet. Noch weitere Erleichterungen sind dem Sportangler gestattet. „In schiffbaren ©tönten unb Flüssen darf hie Fischerei mit der einfachen Hanbangel nicht nur vom Ufer, sondern auch vom Nachen aus betrieben merben; es ist gleich, ob dieser im Flusse treibt, ober dort verankert ist. Eine Ausnahme hiervon machen die „Altrheine". In diesen ist also bas Fischen mit ber einfachen Hanbangel nicht jedermann gestattet.
Die „erweiterte hanbangel".
Die von ber hessischen Regierung gegebenen Begriffsbestimmungen lauten: „Die erweiterte Hanbangel, an ber eine Kurbel (Rolle) mit Leine angebracht sein kann, unter Verwenbung folgenber Köder: „Natürliche unb künstliche Köder, Löffel,
Drehfischchen, Devons (Spinner), lebende und tote Fischchen". Die Erlaubnis zum Fischen mit der „erweiterten Handangel" wird für bestimmte Fischereibezirke mittels der „Ermächtigungsscheine" durch die zuständigen Forstämter erteilt. Zu jedem „Ermächtigungsschein" ist eine Fischereikarte vom zuständigen Kreisamt 3 Mark (Stempel) zu lösen. Diese Bestimmungen gelten auch für Anteilschein» besitzer, die im Einvernehmen mit den zuständigen Fvrstämtern die Scheine von den Pächter erhalten.
Die Fischereigrenzen, die vielfach nicht bekannt sein wollen, sind auf den Fischereikarten, Ermächtigung^ und Anteilscheine bezeichnet und dürfen unter keinen Umständen überschritten werden, da sich der Inhaber einer Karte ober eines Scheines wegen unerlaubten Fischens strafbar macht (§ 370 DRStGB.).
Zum Schluß noch ein
Mahnruf an alle Sportfischer.
Aus fischereiwirtschaftlichen Grünben wird von allen weidgerechten Sportfischern erwartet, daß sie keine Fanggeräte in Anwendung bringen, die den Charakter ber sogenannten Reißangeln haben. Durch ihre Anwendung werden leicht eine große Zahl von Fischen schwer verletzt, so daß sie häufig unter großen Schmerzen eingehen. Ein echtes Anglerherz darf solche Schinderei niemals dulden."
Noch heute erwirb das Zeichen der Sportflieger!
2eber deutsche Volksgenosse kann es besitzen, wenn er Mitglied einer Flieger - Ortsgruppe wird.
Anmeldungen an die Geschäftsstelle der Flieger-Ortsgruppe Gießen, kreisaml Gießen.
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Roman von Anny von panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)
13. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Detlef Westkamp war es, als ginge er zu mitternächtlicher Stunde durch tiefes Waldesschweigen, als sähe er das fahle, bläulichhelle Licht des Mondes wie ein spukhaftes Wasser an den dunklen Baumstämmen niederrinnen und sich in Lachen auf bem moosigen Boben sammeln. Ferner Hifthornton zerriß das Schweigen des Waldes, und die Natur schien aufzuhorchen in angstvoller Spannung. Die Bäume bewegten ihre Aeste, denn jäh erwachter Sturm schüttelte sie, man hörte ihr Stöhnen; das Grauen ging durch den Wald, und ber Monb schob sich tief hinter büftere Wolken, als wollte er nicht mitansehen, was sich drunten begab.
Und nun fdjmebte es heran durch den dunklen Wald. Voran der gute Ekkehard, ber Warner, milb und mahnend. Dann kam das wilde Heer, voran die Berchta, das tolle Jagdweib, unb neben ihr flog ihre ständige Begleiterin, die scheußliche Totenkopfeule Tut-Ursel. In Flammen standen ihre mächtigen Schwingen, unb Funken stäubten nieder, wie feuriger Regen, ber den ganzen Walb in Flammen setzen wollte.
Detlef Westkamp mußte an bie Beschreibung der „Wilden Jagd" denken in Gerstäckers „Hüben unb Drüben", bie Musik machte alle Gestalten ber Erzählung zu einem wirklichen Erlebnis.
Er fror, als stände er in kalter Herbstnacht in einsamer Waldestiefe, und die wilde Jagd brauste über ihn fort mit Peitfchengeknall und Hussageschrei. Rüden bellten heiser und unheimlich, und Hirsche und Rehe liefen furchterregt in langen Reihen vor wütender Meute, vor gellem Hörnerklang, vor wütenden Jägersleuten davon. Eklas Zwergvolk kobolzte dazwischen, und Nachtgetier surrte und summte, daß bie Ohren schmerzten. Höllenschrecken tobte burch Finsternis, bie nur der gräßlichen Eule Feuerschwingen grausig erleuchtete.
Jäh brach das Spiel ab, und Detlef fuhr empor wie aus tiefem Traum. Fast ein wenig verstört erwiderte er den fragenden Blick des Musikers.
Ihm war es, als wiche langsam ein Bann von ihm. Er atmete hörbar.
„Das war sehr schön", erkannte er leise an. „Ich bin kein Musiksachoerständiger, aber das war alles fo leicht zu begreifen. Die wilde Jagd! Ich habe sie nicht nur gehört, ich habe sie eben sogar gesehen. Ich bin fest überzeugt: Sie werden großen Erfolg mit ber Symphonie haben, Herr Olden."
Werner Olden strahlte.
„Das war nur ein Teilchen des Ganzen. Aber es ist auch genug, es strengt mich an, bas zu, spielen — ich lebe es immer mit."
Er sprang auf I
„Dirigieren möchte ich bas selbst. Oh, es zuckt I mir in Hand und Arm, bas zu dirigieren! Aber da | läßt man mich natürlich nicht ran — das macht Professor von Eberbach. Ich darf stolz darauf fein, daß der meine Symphonie einstudiert und dirigiert."
Er lächelte.
„Man muß nicht gleich alles haben wollen!"
Die Tür öffnete sich, Donata erschien mit dem Teegeschirr, und ein Weilchen später folgte Frau Steffi. Man trank in bester Stimmung Tee. An die Taler dachte niemand mehr.
Sechzehntes Kapitel.
Erst nachdem Detlef Westkamp längst gegangen war, fiel Werner Olden ein, er fjatte dem Besucher ja die Taler zeigen wollen. Er öffnete mechanisch den niemals geschlossenen Schreibtischkasten und zwinkerte ein bißchen nervös mit den Augen, weil er bie Münzen nicht gleich sah. Er zog ben Kasten etwas weiter heraus unb schüttelte ben Kopf, rief feiner Frau über bie Schultern eine Frage zu.
Sie antwortete etwas erstaunt:
„Aber ich bitte bich, Mann, was soll ich benn mit den Talern — nicht mal die Brosche habe ich mir genommen."
Donata erklärte auf seine Frage, sie hätte bie Taler ebenfalls nicht genommen.
Er brummte ärgerlich:
„Die Taler finb ja nichts befonbers Wertvolles, aber von allein laufen sie doch nicht weg. Ich wollte sie Westkamp zeigen — es wurde dann vergessen."
Er schüttelte heftig den Kopf.
„Verlegt habe ich bie Dinger nicht, bas weiß ich bestimmt. Seit Jahren hebe ich sie im selben Kasten auf, und immer waren sie da. — Sonderbar, daß sie heute plötzlich fort sind!"
Seine Frau riet:
„Schau dich nur erst noch anderswo um — wollen zusammen suchen. An ben Talern vergreift sich keiner."
Er zuckte die Achseln.
„Ich bin zwar derselben Meinung, aber..."
Sie fragte:
„Du meinst, sie konnten gestohlen sein?"
Er zuckte wieder die Achseln.
„Ich meine gar nichts! Ich halte nur jede Sucherei für überflüssig unb stelle fest, daß bie Taler sich nicht mehr hort befinben, wo sie so lange still unb sicher gelegen tjaben."
Trotzbem begann man zu suchen, aber es blieb ergebnislos. .
Werner Olben hatte bie ererbten Münzen zwar bisher aufgehoben, ihnen aber niemals befonberen Wert beigemessen. Jetzt aber tat er plötzlich, als jehle ihm bas Wertvollste, was er überhaupt besaß.
Er erregte sich:
„Die Taler können erst heute fortgekommen fein, und niemand war heute hier im Zimmer außer ..."
Er brach ab, denn Donatas Augen blickten ihn so groß und erschrocken an, baß er bas Ende des Satzes verschluckte.
Sie rief jetzt mit deutlicher Empörung in ber Stimme:
„Vater, bu wolltest eben etwas ganz Unmögliches sagen!"
Er lachte ärgerlich.
„Nun, so ganz unmöglich ist bas gerabe nicht, was ich sagen wollte. Natürlich ist ber Gebaute abfurb, und es kann sich auch nur um einen etwas geschmacklosen Scherz handeln — aber außer Westkamp hat heute kein fremder Mensch das Zimmer betreten. Ehe ich zu Euch in die Küche kam, um Donata nach Rum zu schicken, versprach ich Westkamp, ihm nachher Die Taler zu zeigen, unb warf auch hin, wo ich sie aufhöbe. Er war minbeftens fünf Minuten allein im Zimmer unb —"
Wieber brach er ab.
Donatas Blick begegnete sich mit bem ber Mutter.
Frau Steffi rief ärgerlich:
„Werner, bu kommst doch nie von ber bösen Gewohnheit los, immer gleich alles, was bir burch den Kopf geht, unüberlegt herauszusprubeln. Wie darfst bu so eine Beschulbigung erheben!? Herr Westkamp weiß ja Gott sei Dank nichts bavon, aber du kränkst doch auch Donata, wenn bu ben Mann, ben sie liebt, mit solchem Verbacht belastest."
Er machte eine unwirsche Bewegung.
„Was könnte benn sie dafür, wenn er das wirklich getan hätte?! Es fällt mir ja auch schwer, es zu glauben, aber er ist der einzige Mensch, der gewußt hat, wo die Taler lagen, und es gibt Menschen, bie können nichts liegen lassen. Die finb wie Elstern. Wenn's blitzt unb funkelt, strecken sie bie Gierhände aus."
Er stampfte mit dem Fuß.
„Was soll ich benn glauben, unb wie soll ich's mir erklären, wo die Taler hingekommen sind?"
Donata schluchzte laut auf.
„Vater, du bist oft ungerecht — aber heute hast bu jebes Maß verloren."
Er stellte sich vor sie hin.
„Erkläre mir also, wo bie Taler hin finb, unb ich werbe alles reumütig zurücknehmen! Vielleicht soll's ein Scherz fein — ich sagte es ja schon! Vielleicht beabsichtigt er, uns mit ber Lösung ber Rätselschrift zu überraschen. Vielleicht benft er, solche Späße dürfe er sich erlauben als dein Zukünftiger."
Er warf sich auf einen Stuhl.
„Es gibt Menschen, die nehmen sich leicht zu viel heraus."
Donata schüttelte heftig den Kopf.
„Er tut bas bestimmt nicht, und wenn bu Detlef fo einschätzest, irrst bu bich sehr in ihm."
Sie verließ mit einem raschen „Gute Nacht!" bas Zimmer.
Oben in ihrer hübschen, bequemen Mansarben- ftube riegelte sie sich ein unb sank vor bem Bett auf bie Knie. Die Tränen liefen ihr über bas Gesicht. Wie bürste ber Vater fo etwas äußern wie vorhin! Es war zu häßlich, es war zu er- niebrigenb für ben Geliebten! Großer Gott, wenn ber etwas bavon ahnte!
Eigentlich hätte sie ben Vater auslachen müssen, aber bas hatte sie nicht gekonnt. Jebes Wort, bas I ihr Vater getan, hatte ihr wehe getan. |
Unten im Musikzimmer schalt Frau Steffi mit ihrem Mann. Sie war auch sehr erregt.
„Immer stellst bu bummes Zeug an, Werner! 2ch bin überzeugt, bie arme Donata weint sich jetzt bie Augen rot. Schließlich ist ber Name ,Vater' nicht bloß bazu ba, baß man, geschützt bavon, tun und reden darf, was einem durch den Kopf geht! Du hast halt zu viel Phantasie, und die ist vorhin wieder einmal gründlich durchgegangen."
21m nächsten Tag lag Gewitterstimmung über dem kleinen Haus der Spillingsgasse.
Alles war noch einmal gründlich durchsucht worden, doch die Taler blieben verschwunden, unb Werner Olden beharrte darauf, sie hätten gestern, als der Besucher gekommen, noch im Schreibtisch gelegen.
Nachmittags telephonierte Detlef Westkamp Donata an, fragte nach ihrem Wohlergehen, auch nach dem ihrer Eltern.
Da kam es ihr übe? die Lippen:
„Vater ist sehr verstimmt! Denk nur, Die Rätsel- taler sind verschwunden."
Die Rätseltaler sind verschwunden!, hämmerte es sich in Detlef Westkamps Hirn, und im Geist sah er das Paar aus ber alten Aepfelwirtschaft, bem er gefolgt war, ohne zu wissen, weshalb er es tat.
Allem scheinbar Zufälligen liegt eine Bestimmung Augrunbe!, burchzuckte es ihn, unb er rief in ben Apparat:
„Dein Vater soll guter Laune sein — manchmal kommen solche Ausreißer wieber zum Herrchen zurück!"
„Wie meinst bu bas?" fragte sie erstaunt und erschreckt.
Er wich aus.
„Es war nur eine Lebensart, Donata! Aber jetzt entschulbige, wenn ich bie Unterhaltung abbreche — ich werde abgerufen. Auf Wiedersehen morgen abend bei euch, wie verabredet!"
Da stand nun Donata Olden und mußte Den Telephonhörer auf Die Gabel legen. Wie hatte Denn Detlef das nur gemeint: Manchmal kommen solche Ausreißer wieder zum Herrchen zurück! Das klang ja wahrhaftig, als ob er etwas über ben Verbleib der Taler wußte.
Hatte er sie wirklich an sich genommen?
Ganz unmöglich dünkte es sie; aber das, was er eben durch das Telephon geantwortet, ließ ja fast keine andere Deutung zu.
Trotzdem: sie vermochte das nicht von ihm zu glauben — solch ein Scherz wäre zu dreist gewesen. Er hatte ihre Eltern erst gestern kennengelernt. Sie konnte doch dem Vater nicht ausrichten, was ihr Detlef Westkamp aufgetragen. Nie und nimmer täte ie das. Sie begriff gar nichts mehr und war froh, als es gleich darauf wieder anklingelte und Tante Röschen um ihr Kommen bat. Ihr Vater mußte heute zu dem Mufikerleger nach Mainz und hatte alle Schüler abbestellt.
Er war nervöser als je, und Frau Steffi atmete auf, als er bas Haus verlassen. .
(Fortsetzung folgt.)


