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Betriebe des Lebensmitteleinzelhandels, ohne Rücksicht auf Betriebsformen und Betriebsgröße und ohne Rücksicht auf das Verhältnis des Umsatzes in Nährstandsware und nährstandsfremder Ware, un­terliegen also sämtlich der Meldepflicht und werden, soweit sie der Anmeldung noch nicht nachgekommen sind, aufgefordert, dieser Pflicht bis spätestens 15. September 1934 bei der zuständigen Kreisbauernschaft, oder beim Landesverband des Hessischen Einzelhandels e. V., Fachgruppe Rekofei, Darmstadt, Ludwigsplatz 8, nachzukommen bei Mei- dung der durch das Gesetz festgesetzten Strafen.

Landesverband des Hessischen Einzelhandels.

Fachgruppe Rekofei, Sitz Darmstadt, gez.: Stabel, Landesverbandsführer.

Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Hauptabt. IV gez.: Moses, Hauptabteilungsleiter.

Der Kampf mit den Flecken.

Wie oft steht auch die Hausfrau auf dem Lande gewissen Flecken ratlos gegenüber. Ein Fleck am Kleide, in der Wäsche ist etwas häßliches, aber zu seiner Entfernung bedarf es des richtigen Reini­gungsmittels, sonst kann es zur Verschlimmerung oder zur Beschädigung des Stoffes führen. Merke vor allem: Entferne die Flecken möglichst sofort, lasse sie nicht alt werden; nehme zu dunklem Stoff nie einen weißen Reinigungslappen; behandle stets auch die Rückseite; mache zuvor auf einem Stück dessel­ben Stoffes einen Probeversuch, ob das Fleckmittel nicht die Farbe angreift. Panamarinde greift bei Schmutz- und Fettflecken die Farbe nicht an, während Seife, ja oft schon weiches Wasser far­benauflösend wirken. S a l m i a k g e i st, zehnfach mit Wasser verdünnt, entfernt Staub-, Schmutz-,

Fett- und Säureflecken und eignet sich ebensowohl für Wolle- als Seidenstoffe. Dieselbe Wirkung hat auch Benzin (nur bei Tageslicht reinigen, da feuergefährlich), das Fett, Wachs und Teer beseitigt und die Farbe nicht angreift. Terpentinöl (ebenfalls feuergefährlich!) löst Oelfarbe- und Harz­flecke. K l e e f a l z, in zwanzigfacher Verdünnung, nehme ich zu Tinten-, Rost- und Blutflecken; weil Kleesalz stark giftig ist, darf nichts in Kinderhände kommen; Stoff gründlich nachspülen. Bei Kalk- und Urinflecken tuts bei weniger empfindlichen Stoffen Essig. Streng achte man darauf, daß Chlor, gegen Obst-, Rotwein- und Tintenflecken sehr wirk­sam, aber nur bei weißen Leinen- und Baumwoll­stoffen zu verwenden ist, weil es die tierische Faser der Wolle und Seide völlig zerstört. Alkohol, mit Salmiakgeist vermengt, entfernt ebenfalls Harz- und Teerflecken. M. H.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Karneval und Liebe". Oberhessischer Verein für Innere Mission: 16 Uhr, Saal des Dereinshauses, Hauptversammlung. Deutsche Stenographenschaft: 19 Uhr, Pestalozzi- schule, Beginn eines Anfänger-Lehrgangs. Hotel Prinz Carl: 15.30 und 19.30 Uhr, Frauenvorträge.

*

** E i n Kastanienbaum blüht! An der Licher Straße ist gegenwärtig ein Kuriosum der Natur zu beobachten. Ein kleiner Kastanienbaum vor dem Hause des Schneidermeisters Stumpf trägt, nachdem er seine alten Blätter und seine Früchte bis auf wenige abgeworfen hat, neue zarte und frifchgrüne Blätter und etwa 25 schöne Blüten­kerzen.

ASKOV.-Orisgruppenversamlnllmg Gießen.

Die etwa 700 Mitglieder zählende Ortsgruppe Gießen der Nationalsozialistischen Krieasopferver- sorgung hielt am Samstagabend im Cafe Leib eine Mitgliederversammlung ab.

Ortsgruppenführer Moll

gedachte zunächst in ehrenden Worten des ver­storbenen Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls von Hindenburg. In einer Minute des Schweigens gedachten die Versammlungsteilnehmer des teuren Toten. Hierauf hielt der Ortsgruppen­führer eine längere Ansprache, in der er u. a. fol­gendes ausführte: Vor 20 Fahren feien jene, die heute die Kriegsopfer darstellen, freudig hinaus­gezogen, um die Heimat schützen zu helfen. Sie verteidigten die Heimat mit ihrem Blute und mit ihrer Gesundheit. Leider habe sich die Heimat in den Jahren nach dem Kriege wenig dankbar er­wiesen. Verbrecher und Kriegsdrückeberger nahmen damals die Regierung in die Hand, und in der Folge seien auch Männer an der Macht gewesen, denen das Frontsoldatentum nichts gegolten habe.

Die Kriegsopfer feien damals vergessen wor­den, vergessen auch ihr Anspruch auf Ehre und Achtung.

Im Volke sei gar eine Meinung gegen die Kriegs­opfer propagiert worden. An eine Aufbesserung der Renten sei unter diesen Umständen nie zu denken gewesen, denn es seien immer nur Männer in den führenden Stellungen gewesen, die den Krieg nur aus der Zeitung kannten. So habe der Kriegsver­letzte in den vergangenen 15 Jahren viel Bitteres erleben müssen.

21m so mehr fei es von den Kriegsopfern be­grüßt worden, daß Adolf Hitler, der Front­soldat, aus der Hand des Herrn Reichspräsiden­ten die Macht übernahm. Die nationalsozia­listische Regierung sehe sich zum größten Teil aus Frontkämpfern zusammen, die das Opfer der Kriegsverlehten zu würdigen wüßten. Da falle es den Kriegsopfern nicht schwer, der neuen Regierung alles Vertrauen entgegenzu­bringen.

Auch eine arme Nation dürfe an den Kriegs­opfern nicht achtlos vorübergehen, habe der Führer Adolf Hitler gesagt. Was bisher geschehen sei, sei bestimmt gewesen von dem Wunsche, das Los

der Kriegsopfer zu bessern. Einschneidende Maßnah­men hatten bereits die Milderung bestehender Här­ten zur Folge. Die Finanzlage des Reiches habe alleroings bisher noch nicht gestatten können, alle geplanten Hilfsmaßnahmen durchzuführen. Der Kriegsverletzte solle aber wissen, daß der Weg be­schritten sei, auf dem geholfen werde. Der Kriegs­verletzte müsse anderseits auch bedenken, daß es in Deutschland noch viele Erwerbslose gebe. Sie in Arbeit und Brot zu bringen, sei eine große na­tionale Aufgabe.

In dem am 1. April erschienenen Teilgesetz sei der Frontkämpfer besonders herausgestellt worden. Er erhalte eine besondere Zulage. Vergünstigungen gebe es ferner für die Schwerstkriegsbeschadigten und für die Hinterbliebenen. Dieser erste Schritt in der. Verbesserung der Lage der Kriegsopfer bringe dem Reichshaushalt, für das gesamte Reichsgebiet gesehen, bereits recht erhebliche Belastungen. Noch seien aber auch viele Härten zu mildern.

Es müsse berücksichtigt werden, daß kein Geld in der Kasse des Reiches gewesen sei, als der Füh­rer Adolf Hitler die Regierung übernommen habe. Was bisher geleistet worden sei, sei deshalb um so höher zu bewerten.

Die Kriegsopfer seien erfüllt vom Vertrauen zum Führer. 21fcin werde nach jahrelangem vergeblichem warten nun auch noch jene Spanne Zeit Geduld üben können, bis das neue Gesetz die wünsche der Kriegsopfer in erhofftem Maße erfülle.

Der Kriebsverletzte sei gerne bereit, soviel zu ar­beiten, wie es in seinen Kräften stehe; er wolle nicht Almosenempfänger sein. Anerkennenswert seien die Bemühungen um die Unterbringung der Kriegsverletzten in geeigneten Stellungen, ebenso anerkennenswert auch die Anstrengungen um die Schaffung von Eigenheimen für Kriegsopfer. Mit großer Freude erfülle es die Kriegsbeschädigten, daß sie endlich Ehrenbürger des Staates geworden seien.

Der kriegsverlehte Frontkämpfer habe für die Zukunft besondere Aufgaben. Er müsse helfen, den Kampf um die deutsche Gleichberechtigung zu führen.

Das könne geschehen, indem das Band von den Frontkämpfern auf deutscher Seite zu den Front-

Dom Fischer un syner Fru."

Ein Streifzug durch die Märchen der Völker.

Der Gedanke, der dem MärchenVom Fischer un syner Fru" zu Grunde liegt, ist uralt: Da wünscht sich ein Ehepaar, seltener ein einzelner Mann oder eine einzelne Frau, von einem gött­lichen oder dämonischen Wesen, dem sie aus einer Notlage geholfen haben und das ihnen Dank schul­det, in unersättlicher Gier die Erfüllung immer größerer Wünsche, bis der Glücksspender die Ge­duld verliert, ihnen die weitere Erfüllung der Wünsche versagt und alle bisher gewährten Glücks­gaben nichtig macht. Es ist das Verlangen des Menschen nach immer größerer Macht, sein Man­gel an Bescheidenheit und Dankbarkeit und sein Sichselbstoergessen, wenn ihm ein Wunsch erfüllt worden ist und wenn er glaubt, daß die Götter ihm günstig gesinnt sind. So ist es nicht verwunderlich, daß in den Märchen vieler Völker dieses Motiv auftaucht und in mannigfaltiger Abwandlung im­mer wiederkehrt. Zuweilen ist es, wie in dem deut­schen Märchen, die Frau, die ihren Mann dazu verleitet, immer größere Ansprüche zu stellen, die ihm in den Ohren liegt und jammert, bis er alle gewährte Freuden für wenig und kläglich hält, und sich vermißt, immer trotzigere Forderungen an das Glück zu stellen.

Bei den germanischen und slawischen Stämmen, gelegentlich auch in Frankreich und Spanien, han­delt es sich bei dem Glücksbringer zumeist um einen gefangenen Kobold in Fischgestalt, während es bei den Franzosen und Italienern der Herrgott selber ist oder der Himmelspförtner, zu dem der arme Mann an einer himmelhohen Bohnenranke empor­gelangt ist. Doch kennt auch, wie in dem bei Walter de Gruyter & Co., Berlin, erscheinendenHandwör­terbuch des deutschen Märchens" ausgeführt wird, eine ostpreußische Fassung diese Gestalten als Ge- währer der Wünsche. Dort ist esHoahnke on Hehnke on de heilge Petrus", der jo willfährig ist, die Wünsche des Menschen zu erfüllen; der Schluß ist hier umgebogen, und die Geschichte endet sogar glücklich. In einer elsässischen und in einer groß­russischen Märchenfassung ist der wunscherfüllende Dämon ein Goldvöglein, in einem kleinrussischen Märchen eine Linde, und in einem polnischen spricht St. Michael aus der Eiche, die gefällt wer­den fall. Das unbescheidene Wünschen und die Gier des Menschen nach immer neuen und größeren Ge­schenken wird in den meisten Fällen durch ein Zu­rückversetzen in die frühere Dürftigkeit bestraft. In einigen Fassungen werden dis unersättlichen Foy-<

derer von dem erzürnten Dämon in Tiere verwan­delt. Ein kleinrussisches und ein polnisches Märchen verwandelt sie in Bären, nach einem französischen Märchenmotiv werden sie in Eulen verzaubert, und eine italienische Fassung schildert die Strafe als eine Verwandlung in einen Bovist.

Ein abgewandeltes Märchen, in dem das Motiv zur Ausgestaltung einer Liebesgeschichte dient, ist hier ebenfalls anzuführen. Es ist das deutsche Mär­chen vom Glasbrunnen. Ein junges Mädchen stellt an ihren Freier immer größere Forderungen, die er erfüllen soll, ehe sie ihm ihre Liebe schenkt und seine Frau wird. Erst soll er ihr eine durch häß­liches Dornengebüsch verdeckte Quelle in ein Was­serbecken von Edelstein umwandeln, dann wünscht sie, daß er an Stelle des wilden Waldes einen schö­nen Garten anlege und schließlich fordert sie für ihr altes Schloß einen Palast aus Rubinen und Perlen. Die Mutter des Areiers, die eine geschickte Zauberin ist, erfüllt für ihn die beiden ersten Wünsche, über den dritten aber wird sie so un­willig, daß sie die beiden schon gewährten Wünsche wieder rückgängig macht, an die Stelle des schönen Gartens wieder das Waldgestrüpp setzt und an Stelle des Wasserbeckens von Edelsteinen wieder die verdeckte Quelle. Dort sitzt die Jungfrau nun, ihren Uebermut beklagend und sehnsüchtig nach dem Freier verlangend, der sie verlassen hat.

Das Märchen vom Fischer un syner Fru geht auf eine Aufzeichnung des Malers Philipp Otto Runge zurück, die in pommerscher Mundart ge­macht wurde. Grimm hat diese Aufzeichnungen verwendet und ausgeschmückt. Es ist in seinem Aufbau von typischer Dreigliederung. Den drei Stufen der Wünsche der Fischerleute entspricht eine dreifache Steigerung in der Kürze der Zufrieden­heit mit den gewährten Gütern. Auch die Um­gebung, das Wasser, in dem der Butt, dem Fischer erscheint, und der Himmel, der sich über ihm wölkt, nimmt dreifach verschiedene Färbungen an. Auch die dörfliche Kultur des Märchens ist aus vielen Wendungen und Beschreibungen anschaulich abzu­lesen. Die Frau ist die eigentliche Anstifterin des gutmütigen Fischers, der durch sie nie zur Ruhe kommt und nie die gewährten Wünsche genießen kann. Nur eine Märchenfassung, die die Brüder Grimm in Hessen hörten, unterscheidet sich von die­ser Darstellung, von der Schuld der Frau Dort ist der Mann ebenfalls unzufrieden und unbeschei­den und fordert, nachdem er König, Kaiser und Papst geworden ist:Nun möchte ich der liebe Gott sein und mein Frauchen Mutter Gottes"

C.K.

Besuch bei den letzten Köhlern im Deister-Gebirge.

Der Köhler ist in der deutschen Märchenwelt eine der bekanntesten Gestalten. Die meisten vergessen aber darüber, daß er früher auch wirtschaftlich eine recht bedeutende Rolle gespielt hat, die mit dem Aufkommen der modernen Industrie und der Aus­breitung des Kohlenbergbaus, der Oelproduktion und mancher anderer Erwerbszweige allerdings immer weiter zurückgedränat worden ist, so daß wir heute nur noch wenige Kohlenmeiler, und diese vor allem im Erzgebirge, im Siegerlande und in der Eifel, antreffen. Auch in dem kleinen Deister- Dörfchen Einbeckhausen zwischen Weser und Leine kann der Wanderer noch auf brennende Kohlen­meiler stoßen. Wie Hugo von der Masch in der Frankfurter Wochenschrift für Wissenschaft und TechnikDie Umschau" ausführt, berichtete der Kohlenmeister von Einbeckhausen von seinem Ge­werbe:Sehen Sie, der Holzkohlenertrag eines solchen Meilers ergibt etwa 60 bis 70 Zentner, und bei einem Meiler bleibt kaum ein Verdienst von neunzig Mark. Wir müssen dafür aber auch zu zweien vierzehn Tage ununterbrochen arbeiten. Es entfällt somit auf jeden ein Wochenverdienst von kaum sechzehn Mark. Zweihundert Jahre treibt nun unsere Familie dieses Gewerbe und erbte es fort von Generation zu Generation, so daß wir mit der Köhlerei fest verwurzelt sind und sie nicht aufgeben können."

Wenn die Kohlenmeiler auch allein brennen, so dürfen sie doch keine Stunde unbeaufsichtigt blei­ben, denn das Holz darf nur in langsamer Glut kohlen. Der Bau eines Meilers erfordert viel Er­fahrung und Sorgfalt; er erreicht durch Ueberein- anderschichtung von drei Holzlagen fast eine Höhe von drei Metern bei einem Durchmesser von vier bis fünf Metern und wird von außen mit einer Schicht von dünnem Knüppelholz versehen und mit großen Rasenstücken und Erde abgedichtet. Erst nachdem der Meiler auf diese Weise luftdicht abge­schlossen ist, darf er angezündet werden, und zwar derart, daß der Holzbrand unter der Rasendecke langsam schwelt, ohne jemals in eine offene Flamme überzugehen, die den so kunstgerecht auf­gestapelten Holzoorrat in kürzester Zeit gänzlich vernichten würde. Um die Glut gleichmäßig zu ver­teilen und richtig zu leiten, werden von außen Löcher in die Erde und in die Rasendecke gebohrt, die den Luftzutritt ermöglichen. Da jede aufzün­gelnde Flamme sofort gelöscht werden muß, ist eine ständige Beaufsichtigung des Meilers bei Tag und Nacht notwendig. Mit fortschreitender. Per-

kämpfern der ehemaligen Feindbundstaaten ge­schlungen und über übelwollende Regierungen hin­weg diese Brücke geschlagen werde, die der Be­friedung der Völker nur dienen könne. Die Kriegs­opfer stünden treu hinter dem Führer Adolf Hitler. Am Tage der Volksabstimmung sei dies nachdrück­lich bewiesen worden. Fast alle Kriegsverletzten stimmten ab, und nur einige wenige, die mit dem besten Willen nicht transportfähig waren, hätten den Abstimmungslokalen fernbleiben müssen.

Die Ansprache des Ortsgruppenleiters wurde mit großem Beifall ausgenommen.

Oie geschäftlichen Angelegenheiten.

Im geschäftlichen Teil machte Ortsgruppenführer M ö l l darauf aufmerksam, daß es unbedingt not­wendig sei, die Beitragsentrichtung pünktlich vor­zunehmen. Er gab im weiteren Verlaufe der Ver- jammlung bekannt, daß als Referentin für die Betreuung von Kriegerwitwen und Waisen im Be­

zirk Frau Ella Müller (Gießen) und für den Bereich der Ortsgruppe Gießen Frau A n a ck e r (Gießen) tätig fein werden. Weiter wies er auf den am kommenden Samstag und Sonntag in Kassel stattfindenden Reichs-Krieasopfertag hin. Im Rahmen dieser großen Kundgebung werde auch die Fahne der Gießener Ortsgruppe der NSKOV. geweiht werden. Von Gießen aus verkehre voraus, sichtlich am Samstagmittag ein Sonderzug, für den der Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt etwa 2,50 Mark betrage. Unterbringung und Verpflegung der Kriegsopfer erfolge kostenlos. Aus Gießen werde eine starke Beteiligung erwartet. Aus dem Bezirk lägen schon etwa 670 Anmeldungen vor. Nach einer in der Versammlung aufgelegten Liste wird die Beteiligung aus den Reihen der Ortsgruppe Gießen 104 Personen betragen. Nachdem der Orts- gruppenführer noch einige Fragen organisatorischer Art erörtert hatte, fand die Versammlung mit dreimaligem Sieg-Heil! auf den Führer und Volks- kanzler ihren Abschluß.

Militärische Trauerfeier.

Am Samstag zwischen 14 und 15 Uhr beging unser Gießener Bataillon in feierlicher Weise die militärische Trauerfeier für den am 6. September nach kurzem Krankenlager im Alter von 23 Jahren verstorbenen Obergrenadier Kurt Autor. Die Trauerparade unter dem Befehl des Oberleutnants Fett und das Trauergefolge unter dem Kommando des Leutnants Twellmann marschierten von der Kajerne zum Klinikgelände, um dort aus der Leichenhalle des Pathologischen Instituts die sterb­lichen Ueberrefte des entschlafenen Kameraden zur Ueberführung nach seiner letzten Ruhestätte in Allendorf bei Weilburg abzuholen und das Leichen­transportauto bis an den Stadtausgang zu geleiten.

Die beiden Kompanien nahmen vor der Leichen­halle des Pathologischen Instituts Aufstellung. Ferner hatte sich hier eine Abordnung der Vereini­gung des ehemaligen J.-R. 115, dessen Tradition die 1. Kompanie sortführt, mit der Fahne ein­gefunden. In der Halle fand eine kurze Trauer­feier statt, bei der der evangelische Militärgeistliche, Pfarrer A u s f e l d, die kirchliche Handlung vor­nahm. Als Vertreter des Bataillonskommandeurs wohnte Hauptmann Schiel der Feier bei, ferner waren als Vertreter des Bataillons Oberleutnant Voigtsberger, Oberleutnant Jordan, Leut­nant H e y m e l, weiter Generalmajor a. D. Gros und Major a. D. von Hannecken sowie der Korporalschaftsführer des Heimgeangenen und die Familienangehörigen zugegen. Im Anschluß an die kurze Feier in der Halle wurde der mit der Reichs­kriegsflagge bedeckte Sarg von Kameraden zu dem Transportauto gebracht, hierauf fetzte sich der Trauerzug in Bewegung. An der Spitze marschierte der Spielmannszug, anschließend folgte das Musik­korps des Bataillons unter Führung von Ober»

mufikmeister Krauße, hierauf die Trauerparade unter dem Kommando des Oberleutnants Fett, sodann der Militärgeistliche, hinter ihm das Auto mit dem Sarge, anschließend Hauptmann Schiel als Vertreter des Bataillonskommandeurs mit den übrigen vorgenannten Offizieren, dem Korporal­schaftsführer und den Angehörigen des Entschlafe­nen, sodann die Abordnung der Vereinigung ehe­maliger 115er mit ihrer Fahne, zum Schluß das Trauergefolge unter Führung von Leutnant T w e 11« mann.

Unter dumpfem Trommelwirbel und feierlicher Trauermusik bewegte sich der Trauerzug die Frank­furter Straße herab, dann durch die Liebigstraße, Bahnhofstraße, Horst-Wessel-Wall, wo die Trauer­parade kurz vor der Ecke Neustadt-Horst-Wessel- Wall Halt machte und sich in zwei Gliedern for­mierte. Die von Kameraden des Entschlafenen hinter dem Auto getragenen Kranzspenden des Bataillons, der 1. Kompanie, der KorporalschafL und der ehemaligen 115er wurden nun auf den Sarg im Wagen gelegt, während gleichzeitig dis militärische Trauergemeinde auf das Kommando Stillgestanden" mit der Front nach dem Auto zu den letzten Abschied von dem Kameraden nahm. Das Auto mit dem Sarge fuhr (der Militärgeistliche zu Fuß voran) in ganz langsamer Fahrt an der Front der Trauerparade entlang, die "zur gleichen Zeit als letzten soldatischen Gruß an den verstorbe­nen Kameraden die Ehrensalve aus 100 Gewehren dreimal feuerte. Langsam bog hierauf der Kraft­wagen um die Ecke in die Rodheimer Straße ein, um die Fahrt nach der Heimat des Entschlafenen anzutreten, während die beiden Kompanien nach militärischer Sitte unter Marschmusik in die Kaserne zurückkehrten.

Gedenkstättenweihe der Fünfziger-Vereinigung 1883-1933.

Im Forstgarten der Universität am Fuße des Schiffenberges herrschte gestern nachmittag festliches Leben. In einem stillen Winkel des Gartens waren die einfachen Tische weiß gedeckt worden, von zwei Fahnenmasten flatterten zwischen Tannen und Fichten die Hakenkreuzflagge und die schwarzweiß­rote Fahne. Ein kleiner Ruhetempel, bisher kaum oder nur wenig beachtet, war auf Veran­lassung der Fünfzigeroereinigung 1883/1933 mit beträchtlichem Aufwand an Arbeit und Kosten neu hergerichtet und ausgebaut worden. Diesen Ruhe­tempel, die Gedenkstätte der Fünfziger­vereinigung, galt es gestern nachmittag zu weihen. Viele Mitglieder der Vereinigung mit Frauen und Kindern hatten sich zu der Feier ein- gefunben.

Eine Musikkapelle eröffnete mit einigen Musik­stücken. Der zweite Vorsitzende der Vereinigung, Herr Götz, hielt eine kurze Begrüßungsansprache, in der er die Mitglieder der Vereinigung, besonders

aber Prof. Dr. Vanselow (in dessen Obhut sich der Forstgarten befindet), sowie den Vertreter der Partei, Herrn S ch o m b e r, herzlich willkommen hieß.

Nach dem gemeinsam gesungenen Lied der Ver­einigung hielt der erste Vorsitzende, Oberreallehrer Appel, die Weiheansprache. Es sei allein, so führte er u. a. aus, dem Führer Adolf Hitler zu danken, daß es möglich fei, diese kleine Feier zu begehen. Durch den Führer sei wieder Ordnung und Ruhe in das Land gekommen. Wir stünden in Treue zu ihm. Die Fünfzigervereinigung preise sich glücklich, daß sie ihre Gedenkstätte an einem so be­vorzugten Platz habe errichten dürfen. Das Ver­dienst und der herzliche Dank dafür gebühre in erster Linie Herrn Prof. Dr. V a n s e l o w , der in liebenswürdiger Weise dieses Fleckchen Erde zur Verfügung gestellt und das Werk mit allen Kräften gefördert habe. Er möge auch diese Stätte nunmehr unter seinen Schutz nehmen. Die Fünfziger würden

kohlung sinkt er immer mehr zusammen; die Erd­kruste muß jeweils entsprechend nachgestampft wer­den. Es dauert je nach der Witterung acht bis zwölf Tage, bis der Meilergar" ist. Sobald der milchige weißgraue Qualm in feinen blauen Dunst übergeht, kann gelöscht werden. Die schwarze stahl­blau schimmernde Holzkohle kühlt schnell ab und hat beim Aufstapeln einen metallischen Klang. Der Köhler fügte seinem Bericht noch hinzu:Aber schön und lieb ist uns unser Beruf doch. Denn sehen Sie, zwei Jahrhunderte sind wir bisher dieser Tra­dition treu geblieben, und alle Köhler werben alte Leute.

Eine gemütliche Eisenbahn.

Die moderne Technik hat sich nun bald die letzten weißen Flecken auf der Landkarte erobert, und durch fast alle Gebiete des Erdballs ziehen schon heute die Schienenstraßen der Eisenbahn. Damit sind aber die mit dem Dampfroß eroberten Länder noch lange nicht dieser technischen Neuerung ent­sprechend umgewandelt und oft ergeben sich Gegen­sätze, die grotesk und komisch aber auch höchst bedenklich sein können. So lief nach der Fertigstel­lung der Ugandabahn bei dem Verkehrsdirektor in Nairobi einmal von dem Stationsmeister Babu aus Simba folgendes gemütliche Telegramm ein- Dringend. Ein Uhr fünfundvierzig. Löwe auf btt Veranda. Bitte Lvkomvtiv- und Zugführer infinite* ren, vorsichtig Station einfahren. Passagiere war* nen, damit nicht aussteigen. Vorsicht auf dem Wege zum Amtszimmer." Während der unglückliche Babu, von dem Löwen belagert, in feinem Stationszimmer faß, kam jedoch als zufälliger Retter ein Jäger vor­über und befreite den bedrängten Beamten nut einem wohlgezielten Schuß aus feiner unbehaglichen Lage. Fünfzig Meter entfernt, stieß er auf eine Löwin, die die Schienen beschnüffelte, und konnte auch diese erlegen. Inzwischen aber hatte der Sta* tionsmeister von Simba weitere Abenteuer mit einem Löwen zu bestehen. Um neun Uhr abends traf bei dem Verkehrsdirektor nämlich ein zweites Telegramm ein:Ein Afrikaner sechs Uhr wieder durch einen Löwen verwundet; mit Draisine nach Makindu-Hospital gesandt. Bitte mit Dieruhrzug sicher Patronen schicken." Und ein paar Stunden später kam ein letzte Telegramm, diesmalExtra- dringend":Signalwärter von zwei Löwen aus Rückkehr von Signalposten angegriffen, sitzt jetzt aus Telegraphenstange bei dem Wasserbehälter. Zug dorr halten, mitnehmen und weiterfahren. Verkehrsdirer- tion bitte nötige Maßnahmen treffen." Der Berus eines Bahnbeamten der Uganda-Bahn schien also gewisse Schattenseiten zu haben.