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5amstag/0. März (954

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

m. 59 Zweiter Blatt-

Mit M. S.Pionier" nach Kamerun.

Die Bananeninsel zwischen Europa und dem Schwarzen Erdreil.

Von £)r. Paul Rohrbach.

II.

Las Palmas, Anfang März 1934.

Wir haben drei Tage ziemlich schlechte See ge­habt. Neber den Kanarischen Inseln liegt ein Tief eine meteorologische Seltenheit, aber solche Seltenheiten erlebt man öfters. Unser P i o n i e r" fährt gut 14 bis 15 Seemeilen die Stunde, langsame Schiffe sind für den Bananen­transport nicht geeignet. Man ist immer noch ge­wöhnt, Dampfer (D.) zu sagen, aber wir fahren gar nicht mit Dampf, sondern mit Dieselmotoren, sind also ein modernes Motorschiff (M. S.), 3700 Tonnen groß, also kein Riese und daher ziemlich in Bewegung.

Die Kanarischen Inseln sind uns bekannt als Heimat der Kanarienvögel (die hier aber grün sind), außerdem werden sehr schöne Spitzenarbeiten aus- geführt, Bananen und Co ch e n i l l e l ä u s e. Diese leben auf dem Opuntienkaktus, der aus Zen­tralamerika stammt, aber schon lange zu einer Cha­rakterpflanze der Mittelmeerländer geworden ist. Auf Las Palmas und Teneriffa wächst er massen­haft. Die weiblichen Cochenilleläuse (nur diese) ent­halten einen karminroten Farbstoff; sie werden von den Kakteen abgesammelt, getrocknet und verschickt. Das von ihnen gelieferte Rot war schon durch die künstliche Teerfarben (Anilin) verdrängt, wird aber jetzt wieder verlangt, weil es sich besonders gut für Lippenstifte eignet. So kommen die Opun- tien-Läuseweibchen von neuem zu Ehren.

Die Arbeiten in durchbrochenem Stoff, Tene - rifsas pitzen genannt, sind eine alte spanische Kunst. Unsre Damen zu Hause, die irgendeine west- afrikanische Beziehung haben, kennen sie gut. Durch sie kommt eine Menge Geld nach den Inseln, weil jeder Passagierdampfer Käufer bringt. Durch den tiefen Stand der Pesete und den hohen der Mark sind sie jetzt für den deutschen Reisenden billig. Ein merkwürdiges Gefühl übrigens, als Deutscher jetzt mit der Höch st en Valuta der Welt zu reisen. Gestern brachte der Bordfunk die Nachricht, der französische Franc solle auch um ein Sechstel ab­gewertet werden, damit Frankreich im Export mit den Abwertungsländern konkurrieren könne. Pfund und Dollar machen Schule.

Will man die Kanarischen Inseln heute wirt­schaftlich charakterisieren, so könnte man sie die Bananeninseln nennen. Es gibt noch eine andere solche Insel, das englische Jamaica in Westindien, früher eine Zucker- und Rum-Insel, und es gibt ein drittes, noch im Entstehen begrif­fenes Bananengebiet, das, wohin wir fahren: Kamerun. Die ersten Bananentransporte nach Europa kamen von den Kanarischen Inseln, weil man für den Transport über die kurze Entfer­nung keine Kühldampfer braucht. Allmählich wurde es Mode, Bananen zu essen, nicht nur als gelegentliche exotische Näscherei, sondern richtig als Obst. Amerika ging darin voran. Eine große Ge­sellschaft, dieUnited Fruit Company", baute eine ganze Flotte für den Transport von Bananen und anderen Tropenfrüchten aus Westindien nach den Vereinigten Staaten und machte dort schon vor zwanzig Jahren eine Riesenreklame: Eßt Bananen, eßt mehr Bananen! Nach dem Kriege erhielt sie eine englische Tochtergesellschaft (Fyffe!), die den Massenimport nach Europa aufnahm. Es hat sich ein eigener Schiffstyp für den Bananentransport herausgebildet, und während die Kanarischen In­seln das meiste ihrer Produktion nach Frankreich absetzen, sindFyffes" .mit den bekannten Re­klamemitteln auf dem kontinentalen Markt erschie­nen.

Daß Bananen auch für den Verbrauch i n Deutschland eine Zukunft hatten und daß i n

Kamerun sehr günstige Böden für die Bananenkultur vorhanden waren, erkannte man in Hamburger Kreisen schon vor dem Kriege. 1912 wurde dort unter Führung der Reederei F. Lae dieAfrikanische Fruchtkompagnie" gegründet. Sie erwarb Ländereien am Fuß des Großen Kamerun­berges, begann mit bedeutenden Pflanzungsanlagen und ließ zwei Schiffe für den Bananentransport bauen. Bevor es aber zur wirklichen Aufnahme des Geschäfts kam, brach der Krieg aus, und eines der Bananenschiffe erwarb großen Ruhm als HilfskreuzerM ö v e" unter der Führung von Kapitän Graf Dohna-Schlodien Sie wurde nie vom Feinde genommen, mußte aber auf Grund des Friedensdiktates mitausgeliefert werden, kam nach Amerika und dient dort heute wieder als Bananen-Transportschiff!

Die deutschen Pflanzungen am Kamerunberg stehen jetzt wieder im Eigentum ihrer früheren Besitzer, und auch die Afrikanische Fruchtkompagnie lebt, blüht und gedeiht. Beweis ist schon, daß wir mit ihrem schönen neuen MotorschiffPionier" nach Kamerun

fahren. Wie das alles zuging, verdient besonders erzählt zu werden, und ich will es mir aufsparen, bis ich die Schilderung des ganzen Kameruner Be­triebes und der Pflanzungen in ihrem jetzigen Stand mit meinem Bericht über ein Stück deutschen Könnens und Gelingens verbinden kann.

Pionier" liegt eben hinter der Mole von Las Palmas und bunkert Oel für feine Motoren. Vor drei Monaten, gerade aus Afrika zurückgekehrt, war ich in Wilhelmshaven an Bord unsererDeutsch­land", desTaschenschlachtschiffes", wie es die Eng­länder in mübiam maskierter Bewunderung nen­nen. Auch dieDeutschland" fährt mit Dieselmotoren. Die Motorschiffahrt bringt vor, sogar bei den mo­dernen Kriegsschiffen, zum Schaden von Englands berühmter Kohle. Und wer war Diesel? Ein Deutscher! der deutsche James Watt und Robert Fulton in einer Person! Seine Idee, auch ein deutscher Gedanke, pflügt jetzt die Ozeane. Aber, so meldet eben wieder der Bordfunk aus Paris: Deutschland soll minderen Rechts sein und bleiben unter den großen Völkern der Welt.

Die Hochzeit des Schivedenprmzen in London.

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Vor einem Londoner Standesamt wurde die Ehe zwischen dem schwedischen Königsenkel Prinz S i g v a r d und Erika P a tz e k, einer Berliner Kaufmannstochter, geschlossen. Unser Bild zeigt das junge Paar beim Verlassen des Standesamtes. Links der Bruder der Braut, der Trauzeuge war.

Gelbstgestaliung des Heims!

Von Werner Haverbeck, Leiter des Amtes für Volkstum und Heimat in der

NS.-Gemeinfchaff

Die Gestaltung des Heims ist für das seelische Leben des Arbeiters von entscheidender Bedeutung. Wie schon das Haus aus Stoffen gebaut sein muß, die den Arbeiter mit Wärme und Behagen umgeben und ihn so zur Ruhe und dem Gefühl der Gebor­genheit führen, jo muß auch die weitere Gestaltung der Jnnenräume von dem gleichen besetz der Wärme und Lebendigkeit bestimmt und dadurch die Möglichkeit geschaffen werden, dem Gestalteten mit dem Herzen nahe zu sein.

Der Weg, den Dingen eine solche persönliche Warme und Zugehörigkeit zum benutzenden Men-

Krast durch Freude".

schen zu geben, liegt in der Selbstgestaltung. Es ist eine der Hauptursachen der Entfernung des Men­schen von seinem eigenen Hausstand, daß er durch eine jahrhundertelange verkehrte Erziehung vom Selbstschaffen abgehalten worden ist. Es muß heute unser Ziel sein, daß wenigstens die Dinge, die im täglichen Leben über den Ärad der Nützlichkeit hin­aus einen besonderen familien-verbindenden Cha­rakter tragen: der Tisch les Hauses, die Brotschale, der Leuchter und manches andere wieder aus der Hand des Familienvaters geschaf- f e n werden, und daß die Hausfrau sich einen Teil

ihres Tischzeugs, Decken, auch einen Wandteppich und manches Stück Spielzeug webt und näht und bastelt. Gerade der Industriearbeiter, der in beson­ders schwerer Form dem Ansturm und der Dämonie technischer Kräfte ausgesetzt iftpbie an seinem Mark zehren, muß sich einen Bezirk schaffen, der dem Einfluß der Maschine von Anfang an entzogen worden ist. In der Arbeiterschaft lie­gen gerade für solche Selbstgestaltung unerhörte und bis jetzt nur von ganz wenigen Menschen in der Welt erkannte Kräfte und Möglichkeiten tief innerft verborgen. Es ist unsere Pflicht, an diese Urkräfte zu rühren, um die Menschen an einer Stelle, von der sie selbst am wenigsten wissen, mit dem schöpferischen Leben sichtbar neu zu verbinden. Das Verbrechen des Bolschewismus liegt gerade in der Ausschaltung solcher schöpferischen Selbstgestaltung des eigenen Raumes. Die Menschen sollten mit Absicht nicht zur Gebunden­heit und Ruhe in ihren eigenen vier Wänden kommen.

Auf dem Wege der Selbstgestaltung wird aber auch dem Arbeiter ein neues Verhältnis zum Handwerk gegeben. Er erkennt auf eige­nem Wege die Gesetze von Stoff und Maß und Stoffgestältung neu und lernt den Unterschied zwi­schen 'maschineller Erzeugung und dem Wesen echter Handarbeit durch die unmittelbare Tat kennen. Wenn er dann für die übrige Gestaltung seines Heims sich nach den Erzeugnissen des Handwerks umsieht, so wird er ganz andere, gediegenere Ansprüche an den Handwerker stellen, als er es frü­her konnte. Denn er ist ja nunmehr selbst hinter das Geheimnis echter, handwerklicher Arbeit ge­kommen. Dann wird er all das zurückweisen, was ihm ein mißgeleitetes Handwerk an prunkhasten Dingen anbietet, die zu feinem ehrlichen, klaren Lebensstil nicht paffen. Er wird aus einer neuen Liebe zum Stoff sich mit handfesten Dingen umstel­len, die inneres Leben haben, weil sie einfach und ungeschminkt sind. Wenn der Arbeiter mit solchen neuen Ansprüchen an das Handwerk herantritt, dann wird auch der Wert des Handwerks wieder steigen im gesamten Volke, da nur aus solchem echten Bedürfnis des Volkes die Arbeit des Hand­werkers auf neue Ebene gestellt werden kann. Be­sonders für das bäuerliche Handwerk, das landschaftlich gebunden ist und seit Jahrtausenden noch die alten guten Gesetze von Stoff und Maß verwaltet und Volkskunst ist wird der Arbei- beiter Verständnis finden und dadurch, daß er diese Dinge kauft, noch auf eine besondere Weise mit dem bäuerlichen Ursprung verbinden. Das alles ist ein einheitlicher Zusammenhang, der aus einem richtigen Ansatz der Erziehung sich ergibt.

Es ist natürlich klar, daß erst durch schöpferische Lehren dem Arbeiter der Weg in seine eigene Schöpferkraft gewiesen werden muß, denn ohne solchen berufenen Schatzheber und ohne solche innere Lockerung wird er nicht imstande sein, sich den nüchternen, unlebendigen Vorbildern seiner eigenen Vergangenheit und dem Einfluß einer noch nicht erwachten Umgebung zu entziehen. Ohne solche Erziehung wird er sich vielfach in Stoff und Maß vergreifen. Wir müssen also eine Reihe be­fähigter Lehrer, aber Lehrer nicht im schulmeister­lichen Sinne, sondern wirkliche Kenner, ansetzen, die imstande sind, diese Entfaltung der Urkräfte vorzunehmen. Diese Lehrer müssen ihrerseits Nach­folger ausbilden, bis schließlich ein Stab echter Nothelfer des Arbeitertums für diese besondere Ge­staltung im ganzen Volke wirkt. Das wird ein langsamer Vorgang sein. Ist aber erst eine Reihe von Leistungen sichtbar geworden, dann wird sie durch ihr Vorbild immer weitere Massen auf dem gleichen Wege mitreißen.

Ebenso wie für die Gestaltung des Heimes muß auch die Gestaltung des Lebens in der Familie unmittelbar hingeführt werden auf ein solches selbstschöpferisches Tun. Hier wird es be­sonders die Frau fein, die führt, wenn sie daran geht, die Feste in der Familie im Sinne unseres neuen Volkstums wieder neu zu gestalten. Auch bfrrt werden die geweckten Menschen zu viel höhern Möglichkeiten kommen, als heute noch ge-

Medizinmann in der Südsee.

Von Or. Erich R. Keilpflua

Außerhalb der viel geschmähten Zivilisation zu leben, auf einer meeroerlorenen Tropeninsel unter Südsee-Jnsulanern, hält mancher in Europa für ein großes Glück. Ich auch, aber mit Pausen. Das Süd­seeparadies verliert sofort etwas an Glanz und Schimmer, wenn man sich die Frage vorlegt, was eigentlich geschehen soll, wenn man mal einen Arzt braucht.

Von unseren Freunden, den Eingeborenen, wäre in solchen Fällen keinerlei Hilfe zu erwarten. Sie haben den an sich sehr gesunden Grundsatz, bei Krankheiten, die sie nicht kennen ober nicht zu be- hanbekn wissen, überhaupt nichts zu tun. Ein falsches Mittel mache bie Sache nur schlimmer, sagen sie. Allerbings hat bas System ber Ein­geborenen ben Nachteil, baß sie auch, wenn sie etwa Grippe bekommen, bie ja seit 1918 fast über bie ganze Welt verbreitet ist, keinen Finger rühren unb ben Körper zusehen lassen, wie er allein bamit fertig wirb; aber ein großer Vorteil ihres Systems ist, baß man sich ihnen, außer in ber Wunbbehanblung, bedenkenlos anvertrauen kann, wenn sie erklären, die Behandlung übernehmen zu können.

Die Augen geöffnet über den Wert der Heilkunst der Eingeborenen hat mir der Umstand, daß zwei von uns Europäern sich eine Krankheit, zuzogen, die wir weder kannten, noch behandeln konnten.

Der typische Verlauf dieser Erkrankung war folgender: Tagsüber erging es dem Patienten, ab­gesehen von dauernder Indisposition, regelmäßig ganz gut, aber jede zweite oder dritte Nacht setzten in den ersten Stunden nach Mitternacht die wilde­sten Magenkrämpfe und Leibschmerzen em. Der Brechdurchfall dabei war eine Kleinigkeit, ver­glichen mit den Schmerzen. Wir rieten hm und her, standen aber mit unseren vereinigten Medizin­kästen und Kenntnissen völlig ratlos da, so daß ich mich endlich darauf beschränkte, ein sehr erprobtes, schmerzstillendes und einschläferndes Mittel zu geben. Aber auch dessen Wirkung enttäuschte; zuerst blieb sie mehrere Stunden lang überhaupt aus, war aber dann, bis in den folgenden Nachmittag hinein, so nachhaltig, daß ich fast erschrak. Aehnlich ging es übrigens mit vielen anderen europäischen Medizinen, sie wirkten entweder gar nicht ober viel zu stark.

Schließlich würbe es uns zu bumm, unb wir baten bie Eingeborenen um Hilfe. Ihre Diagnose war sehr merkwürbig: eine Erkältung, die ber Patient sich wahrscheinlich daburch zugezogen hatte,

baß er im nassen Babeanzug ein Viertelstünbchen im Winb umherstand.

Nun erkältet man sich in den Tropen bekannter­maßen viel, viel leichter als bei uns, aber wir schüttelten doch die Köpfe, dachten an Ruhr und alles mögliche Schlimme, aber die Eingeborenen erklärten uns, sie hätten die Krankheit selber oft genug durchgemacht. Nach einigem Beraten der Frauen versprachen sie dann ein Mittel, das wir bestimmt nicht gegeben hätten: ein kombinier- tes Brech- unb Abführmittel. Die Spitzen ber Brotfruchttriebe dienten als brechreizerregende, ein Extrakt aus Nadelholz, Blüten unb anderen Dingen, die sie mir nicht verrieten, als abführende Ingredienzien. Drei Stunden nach dem Einnehmen des bräunlichen Tranks, in dem Kokosstückchen schwammen, mußte der Patient essen und trinken, soviel er nur konnte und wurde bann mit Liege­stuhl und Mückennetz ins Gebüsch am Berg ge­schafft, wo er sich der Wirkung der Medizinen hin­zugeben hatte. Und sie war, nach Aussage, äußerst angenehm, was viel heißen will bei einem Brech­mittel.

Der Erfolg war überzeugend. Nach ein paar Stunden schon war der Patient, nachdem er noch warm gewaschen und massiert worden war, fast wieder wohlauf. Von der Massage berichtete er übrigens, daß das in Europa gebräuchliche System ein grobes Verfahren dagegen sei. Sehr auffällig war mir, daß ein Bekannter von mir in Papeete, der -dieselbe Sache vorn europäischen Arzt behan­deln ließ, drei Wochen damit zu tun hatte.

Für die Massage wußten die Eingeborenen eine Paste zu bereiten, die deren Wirkung unterstützen sollte, sie kannten Beruhigungsmittel, gegen Blut­vergiftungen einen Brei, der sich eiskalt anfühlte und Freund S. schon ausgezeichnete Dienste ge­leistet hatte. Als bann einer von uns an einer fürchterlichen Migräne erkrankte, waren wir schon so weit, baß wir überhaupt nichts taten, fonbern gleich einen heilkunbigen Eingeborenen kommen ließen, besten Kopfmassage bann Wunber tat. Nur gegen Elefantiasis unb Lepra ist auch auf biefen Inseln kein Kraut gewachsen.

Ist schon bie Vielzahl ber Mittel oerblüffenb, über bie bie Eingeborenen verfügen, so beginnt man noch mehr zu staunen, wenn man sich fragt, wo sie sie her haben mögen. Jrgenbwo unb irgenbroann muß boch mal einer gewesen sein, ber mit glück­licherem Griff einer instinktsicheren Hanb es her­ausbekam, baß Hibiskusblätter ein sicheres unb milbes Mittel gegen Furunkeln barstellen.

Leiber sinb alle biefe höchst wertvollen Schätze einer aus innigster Naturverdunbenheit entstanbe- Inen Medizin in Gefahr, verlorenzugehen. Einmal,

weil sie sich nur mündlich weiterverbreiten, bann aber auch, weil bie Franzosen, hierin bem Beispiel aller folonifierenben Nationen folgenb, bie Aus­übung ber eingeborenen Mebizin als Zauberei verboten haben. Denn ber Mebizinmann, um ihn einmal so zu nennen ist bei primitiven Völkern immer auch zugleich eine geistliche unb politische Instanz, unb sein Einfluß baher Missio­naren, Beamten unb europäischen Aerzten in gleicher Weise unbequem. Ein Missionar, ben ich auf ben Neuen Hebriben kennenlernte, bezeichnete es sogar als einen befonberen Erfolg, baß er ben Sohn eines berühmten Arztes bekehrt hatte, unb baß biefer babei ben Eib abgelegt hatte, alle bie ihm vom Vater übernommenen Kenntnisse von Stunb an zu vergessen unb nie roieber anzuwenben.

Aber biefe Stellung ber Weißen zur Eingebore- nenmebizin ist nicht ganz richtig, scheint mir. Es wäre vielmehr nötig, wenn sich europäische Aerzte enblich bazu verstäuben, biefe Kenntnisse wissen­schaftlich zu funbieren unb sie schriftlich nieber- zulegen. Für bie Menschheit, bie auf biefen Inseln lebt, mag sie braun, weiß ober gelb sein, werben biefe Mebizinen immer ihren Wert behalten unb ben europäischen vielfach überlegen sein, unb viel­leicht würben bei biefer Fvrscherarbeit sogar etliche, auch gegen Krankheiten Europas nützliche Heilstoffe gefunden werden.

Wellington vor der Schlacht bei Belle-Alliance.

In einem ber berühmtesten Werke her engli­schen Erzählungskunst, in ThackeraysEitel­keitsmarkt" findet sich die Schilderung eines Balles, den die Herzogin von Richmond am Abend des 15. Juni 1815 veranstaltete, unb an bem auch Wel­lington teilnahm. Die Nachricht von ber bevor­stehenden Schlacht Blüchers gegen Napoleon bei Ligny platzt in diese Lustbarkeit wie eine Bombe herein. Jäh ist das Fest zu Ende; der englische Be­fehlshaber eilt jetzt erst seinen Verbündeten zu Hilfe. Diese glänzende Darstellung ist ites öfteren für unhistorisch erklärt worden, unb man hat be­hauptet, ein solcher Ball habe mitten in der ge­fährlichsten Situation bes Krieges nicht stattgefun- ben. Das aber der Dichter ein den Tatsachen ent­sprechendes Bild entworfen hat, zeigen die soeben veröffentlichten neuen Briefe von Thomas Cree- vay, die eine geschichtliche Unterlage für diese dichte­rische Schau in aller Ausführlichkeit bieten. Cree- vav, ein geistreicher Abenteurer, der sich ohne Geld uno ohne Namen eine angesehene Stellung in der besten englischen Gesellschaft zu verschaffen wußte, ist schon aus früheren Veröffentlichungen seiner

Korrespondenz als ein wichtiger Augenzeuge jener Epoche bekannt. Er war während derhundert Tage" mit anderen Engländern der Armee nach Belgien gefolgt und hatte feine Stieftochter, Miß Ord, mitgenommen. Diese schreibt drei Wochen später an ihren Bruder in Florenz:Lord Wel­lington gab jede Woche entzückende Bälle, und na­türlich waren hohe Offiziere von allen Nationen anwesend. Am 15. Juni waren wir alle zu einem Ball bei der Herzogin von Richmond eingeladen, und Lord Wellington erhielt in der Mitte dieses Tages die Nachricht, daß bie Preußen angegriffen würben. Als bann bie Melbung kam, baß Bona­parte gegen bas eine Enbe ber englischen Front so schnell wie möglich vorrückte, kann man sich benken, wie rasch ber Ball zu Enbe ging. Die Szene zu schilbern, ist unmöglich; es war zu schrecklich! ... Am 17. hörten wir mehrere Stun- ben lang eine Kanone, aus beren Erschütterungen wir fühlten, baß ber Kampf ganz in ber Nähe ftattfinben müsse. Du hast noch niemals etwas Aehnliches gesehen, wie bie Zustänbe in biefer Stabt bei Tag unb Nacht; bie Straßen mit Pfer­ben, Wagen, Artillerie, Solbaten unb Volk aller Art ganz verstopft Biwaks sogar in unserer kleinen ruhigen Straße ... Am Sonntag, bem 18. Juni, ben wir niemals vergessen werben, war alles von bumpfer Verzweiflung erfüllt. Dann und wann verbreiteten sich Gerüchte, die neue Verwir­rung stifteten, so z. B. daß französische Dragoner in der Stadt wären. Alles flüchtete in großer Furcht, die Wege waren versperrt, und gemeine Schurken, aus Verbrechern aller Nationen zusam­mengewürfelt, benutzten die Gelegenheit und plün­derten nach Belieben. Wohl die Hälfte der Offi­ziere der Armee hatten alles verloren. Creevey kam jedesmal, wenn er fortging, um Nachrichten zu holen, mit düsterem Gesicht wieder, bis wir schließlich gar nicht mehr zu fragen wagten." Cree- veys Schilderungen selbst sind noch ausführlicher. Er berichtet, wie er schließlich bei Morgengrauen des nächsten Tages die Kunde heimbrachte, daß der ruhmreichste Sieg erfochten worden sei, der das Schicksal Napoleons entschied. Der Herzog selbst gab dem hartnäckigen Wißbegierigen Auskunft. Wellington stand schon in aller Morgenfrühe an seinem Fenster und rief Creevey an, der unten auf der Straße wartete. Nun wandte sich der Schrecken in ungemessene Freude ...

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Professor Dr. Berthold Klatt von der Univer­sität Halle hat einen Rus auf ben Lehrstuhl für Zoologie an der Universität Hamburg ange­nommen.