Zum Tage des deutschen Rundfunks.
Wie kommt eine Funküberkragung zustande?
Von Max Fischer.
Nachdruck verboten!
Verschiedene Leser haben den Wunsch geäußert, einmal zu erfahren, wie eigentlich eine Funkübertragung zustande kommt. Nun. dazu gibt es viele Wege. Gewöhnlich ist die Sache ja so, daß ein im Besprechungsraum aufgestelltes Reißmikrophon — das bekannte Mikrophon mit dem in einem Ring hängenden Marmorblock — besprochen wird. Die dadurch im Mikrophon entstehenden Stromschwankungen werden zunächst etwas verstärkt und dann durch eine Fernsprechdoppelleitung in einem unterirdischen Kabel zum Sender geleitet, wo sie elektromagnetischen Wellen aufgedrückt und von der Antenne ausgestrahlt werden (Bild 1). Eigentlich ist
leitungen über Hunderte von Kilometer miteinander verbunden. Man kann also von einem Besprechungsraum oder von jeder beliebigen anderen Stelle aus nicht nur den eigenen Sender, sondern auch über diese Fernleitungen eine beliebige Zahl von anderen Sendern besprechen (Bild 5). In den
amt
Fernsprech-
Besprechung
Sender
Besprechung des Senders mit einem Reißmikrophon über das Fernsprechamt.
Sender
Reiß- । mikrophon
Besprechungsraum
Besprechung des Senders vom Besprechungsraum aus.
dies schon eine Uebertragung, denn der Besprechungsraum befindet sich ja gewöhnlich in der Stadt,, der Sender aber außerhalb der Stadt.
Nun haben die Sender unmittelbare Kabeladern zu allen den Stellen, von denen aus häufig Ueber- tragungen stattfinden, z. B. zur Oper, zum Schau- spielhaus, in die großen Musikcafes und Konzertsäle, zu häufig benutzten Sportplätzen, Rennbahnen usw. (Bild 2). Die Schaltung ist dann nicht anders, wie bei der Besprechung des Senders vom Funkhause aus, nur benutzt man im Opernhaus mehrere Mikrophone sowohl im Orchester als auch auf der Bühne, weil sonst die dem Mikrophon benachbarten Musikinstrumente usw. im Vergleich zu den ferneren zu laut gehört würden.
Es kommt nun aber auch häufig vor, daß man den Sender von einer Stelle aus besprechen will,
Opernübertragung.
Sender
Oper usw.
von der aus keine unmittelbare Leitung zum Sender führt. In diesem Falle legt man das Mikrophon mit seinem Verstärker an eine zum Ortsfernsprechamt führende Doppelleitung und läßt sie auf dem Fernsprechamt in der üblichen Weise mit einer zum Sender führenden Doppelleitung verbinden, genau so, wie sich jeder Sprechgast mit jedem anderen Sprechgast verbinden lassen kann (Bild 3). Es ist aber dabei nicht unbedingt notwendig, daß man an die Besprechungsstelle ein Reißmikrophon bringt, man kann den Sender vielmehr auch von jedem Fernsprechapparat aus besprechen (Bild 4).
Wie die Besprechungsräume der Sender mit den wichtigsten Stellen in der Stadt verbunden sind, so sind sie auch unter sich durch unmittelbare Fern
neueren Fernsprechkabeln werden hierzu zwei Drähte des sogenannten Kernvierers benutzt, also zwei von vier Drähten, die in der Mitte des Kabels liegen und von einem besonderen Metallmantel umgeben sind. Dieser Metallmantel verhindert es, daß Privatgespräche aus den übrigen im Kabel liegenden Leitungen in die zur Rundfunkübertragung dienende Doppelleitung oindringen. Die Kabel sind zwar ganz allgemein so gebaut, daß aus einer Leitung geführte Gespräche auf den anderen nicht mitgehört werden. Ganz kann man aber die sogenannte Induktion fast nicht vermeiden, aber ihr Rest schadet auch gewöhnlich nichts, weil er so schwach ist, daß die dadurch in den Fernsprechern der Sprechgäste erzeugten Schallwellen nicht mehr
Besprechung des Senders von einer gewöhnlichen Sprechstelle aus.
Fernsprech-
Sender
amt
gehört werden. Beim Rundfunk werden aber die elektrischen Ströme ganz ungeheuer verstärkt, und zwar natürlich nicht nur die, die man über die Leitung übermitteln will, sondern auch alle anderen, also auch die, die durch Induktion unterwegs auf die Rundfunkübertragung übergegangen sind. Die Folge d von wäre, daß auch diese Gespräche vom Sender ausgestrahlt würden, so daß man mitten in den Rundfunkdarbietungen alle möglichen Privatgespräche mithören würde. Dies würde nicht nur den Empfang stören, sondern auch gegen das Telegraphengeheimnis verstoßen, unter das ja auch die Gespräche fallen. Deshalb also hat man durch den Metallmantel des Kernvierers einen besonderen Schutz gegen solche Vorkommnisse geschaffen.
Es werden nun aber auch Uebertragungen von Plätzen notwendig, für die nicht immer eine besondere Rundfunkübertragungsleitung nach einem fernen Sender zur Verfügung steht. Soll man z. B. hören, wie der Zeppelin in Friedrichshafen aufsteigt oder landet, so wird man die Uebertragung auf einer gewöhnlichen Fernsprech-Fernleitung bis Stuttgart leiten (Bild 6), und von dort dann durch die Kernvierer auf die übrigen deutschen Sender, die die Uebertragung verbreiten wollen.
Alle diese Uebertragungen finden aber nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch auf Entser-
Sender “TE
Sender
Sender
Besprechungsraum
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Besprechung mehrerer Sender von einem Besprechungsraum aus.
nungen statt, die weit über die Reichsgrenzen hinausgreifen. Die Uebertragungen zwischen Deutschland, Polen, Ungarn, England usw. gehen in der geschilderten Weise über die Fernkabel, in die natürlich zahlreiche Verstärkerämter — etwa alle 150 Kilometer eines — eingeschaltet sind. Wenn wir aber eine Uebertragung aus Amerika oder z. B. aus Niederländisch-Jndien hören, so gehen diese Uebertragungen nicht nur über den Drahtweg sie werden vielmehr vom Sendeort durch einen Funk- sender — jetzt meist einen Kurzwellensender — gesandt und irgendwo in Deutschland mit einem Funkempfänger ausgenommen (Bild 7). Beim Empfänger werden die den Kurzwellen aufgedrückten elektrischen Reize — also die in elektrische Stromschwankungen umgesetzte Musik oder Sprache — den Wellen abgenommen und zum Sender geleitet, ohne hierzu in Schallwellen umgesetzt zu werden. Beim Sender werden sie von neuem den elektromagnetischen Wellen aufgedrückt, die der Sender ausstrahlt. Sie können natürlich vom Empfänger oder einem Sender aus auch über Fernleitungen, also nunmehr auf Draht, auf andere Sender weitergegeben werden.
Man sieht also, daß in den letzten Jahren für die Rundfunkübertragung sehr viel geschehen ist, und daß ihr ein durch ganz Europa laufendes Drahtnetz mit unzähligen Verzweigungen in feine und
feinste Aeste dient. Daß diese Uebertragung auch technisch ganz erheblich verbessert worden ist, dis haben wir alle miterlebt, wenn es uns auch nicht immer zum Bewußtsein kommt. Es ist ja heute schon beinahe erreicht, daß man kaum mehr unter- scheiden kann, ob eine Sendung vom eigenen Orts-
Uebertragung auf dem Funkwege.
Sender
Funkempfänger
sender ausgeht, oder von einem tausend oder mehr Kilometer entfernten Ort. Das ist hauptsächlich eben durch eine besondere Pupinisierung erreicht worden, das heißt durch die Einschaltung von solchen Spulen in die Kernvierer, die die Leitung nicht nur für die Sprache verbessern, wie dies bei den gewöhnlichen Fernleitungen der Fall ist, sondern sie auch für die Musikübertragung geeignet machen,
II
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Der Rundfunk im neuen Deutschland.
Oben links: Der Volksempfänger, der als zweckmäßigstes und billigstes Fernempfangs* gerät heute 600 000 deutschen Familien den Genuß der Rundfunkdarbietungen gestattet. — Oben rechts: Die gewaltigen Kühlanlagen für die Röhren des neuen Großsenders Berlin-Tegel. — Unten links: Gigantische Senderöhren, wie sie zur Erzeugung der modernen hochenergetischen Wellen benötigt werden. — Unten rechts: Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, der der Pflege des deutschen Rundfunks besondere Aufmerksamkeit angedeihen läßt.
Funk-Karneval!
Ein Blick hinter die Kulissen.
„Kraft durch Freude", diese Losung spannt seit Wochen Hunderttausende, Millionen von Herzen in frohe Erwartung. Der 11. Februar, der Tag des Rundfunks, wird das gesamte deutsche Volk erfassen. Durch den Aether werden die Wellen Freude über Freude ausstrahlen in alle Häuser, in alle Hütten. Aus dem Faschingserlebnis heraus wird der Rundfunk ein Programm gestalten, das Licht in den Alltag trägt, wie grau er auch immer fein mag. Es wird ein Faschingserlebnis werden, gebunden an deutsches Brauchtum, deutsches Spiel, ein Fafthing in echter, unverfälschter Fröhlichkeit.
Die Gestalter sind bei der Arbeit. In den Ausstellungshallen am Berliner Kaiserdamm klingt es wider vom Hämmern und Sägen. Dort arbeiten der Techniker mit dem Zimmermann, der Tapezierer mit dem Beleuchter. Man errichtet Tanzflächen und Bühnen, baut Lautsprecher, stellt Mikrophone auf, legt Kabel und Leitungen, und alle, die bei der Arbeit sind, tun diese Arbeit mit Begeisterung, mit Freude, mit einer Hingabe ohnegleichen, und in den Funkhäusern jagt eine Regiesitzung die andere, löst eine Besprechung die andere ab. — Im Berliner Funkhaus wacht Oberspielleiter H a i n i s ch über die Grundstimmung der gesamten Abendveranstaltung in den Ausstellungshallen ab 20 Uhr. Alles mutz echt sein, alles muß wahr sein, und die Veranstaltungen in allen sechs Hallen sollen zeigen, daß sie von" gleichem Wesen, gleicher Art sind, und zwei Stunden hindurch muß sich Hochstimmung an Hochstimmung reihen. Hier gibt es kein Oedland, hier blüht und blinkt allüberall in jeder Stunde der „Götterfunke" Freude.
In kleineren Kreisen arbeiten die einzelnen Leiter der Ausstellungshallen, jeder gestaltet ein anderes Programm, jeder fügt auf feine Art die Freude ein, und doch variiert jeder die Grundmelodie; denn alles zusammen bildet erst den Fasching des Rundfunks, der über alle Sender geht und in alle Säle übertragen wird, wo Menschen festlich Fastnacht feiern wollen.
Der Gesamtplan ist entworfen, die Aufträge sind verteilt; zum Teil sind die Arbeiten bereits einge
gangen. Tausend Aenderungen müssen vorgenommen werden; denn was 1500 Menschen schaffen, muß aus einem Geiste, aus einem Guß sein. In den Sendesälen hantieren ungefähr 15 „Stoßtrupps". Da gibt es Fahnenschwinger, Reigentänze r, Bändertänze (original bayrisch) und Singquartette; hier zeigen Zauberer Kunststücke, dort ringen Sprechkünstler um Meisterleistungen.
Und wieder andere Aufgaben: Kostüme müssen bestellt werden, Friseure müssen zur Stelle sein und Saalpolizei, Feuerwehr; kurzum 1500 Menschen aus allen Berufen, vom Dichter zum Zimmermann, vom Techniker zum Musiker: alles schafft im Dienst an der Gemeinschaft aus dem Willen zur Freude! Diese ganze Arbeit wird zusammenfliehen zum „Fasching um den Rundfunk", der Krönung des Programms vom 11. Februar.
Die bei allen Großtaten des deutschen Rundfunks beroärte Funkwarte-Organisation sichert das Mit- erleben im Reich; sie organisiert Parallelveranstaltungen in Tausenden von Sälen, sie läßt — wie in den Berliner Ausstellungshallen — zugleich auch in den Sälen vortanzen, vorsingen, fahnenschwingen usw.
So werden die Feste von Millionen zusammenklingen zu einem Fest der Freude, angeregt und organisiert durch die Reichsrundfunkkammer, gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsfront, gestaltet durch die Männer des Rundfunks und mitgeftaltet und miterlebt von allen, die guten Willens sind.
Hallo, Hallo, hier ist 6er Afrikasender ...
In diesen Tagen hat der deutsche Kurzwellen- ender m Zeesen seine Tätigkeit als Richtstrah- l e n s e n d e r für die einzelnen Erdteile aufgenommen. Bislang arbeiteten wir lediglich nach Nordamerika mit einer Richtantenne. Die anderen Erdteile wurden mit einem gemeinsamen Rund- strahler bedient, der seine Energien gleichzeitig nach allen Richtungen hin ausstrahlte. Der Vorteil der neuen Anlage liegt darin, daß die Richtstrahlantenne die Sendeenergien in einem kegelförmigen
Bündel unter einem bestimmten Winkel ausstrahlt, etwa wie das Bild eines aufgeklappten Zirkels. Die Dipolen, bas sind die besonders abgestimmten Antennendrähte, sind so ungeordnet, daß auch wirklich nur in einer Richtung Die Sendeenergien in den Aether hinausgehen und nicht etwa in der entgegengesetzten Richtung. Eine zweite Sicherung dafür ist in der Anordnung von sogenannten Reflektor-Dipolen gefunden worden, die nicht allein die ausgestrahlten Energien in der gewünschten Richtung festhalten und verdichten, sondern darüber hinaus eine größere Sendeintensität innerhalb des Strahlenkegels erreichen. Durch eine sinnreiche Einrichtung sind die Sende- und Reflektordipole um die eigene Achse bis zu 180 Grad zu drehen. Der Richtstrahler ist also auch in der genau entgegengesetz- t e n Richtung mit der gleichen Zuverlässigkeit einzusetzen. Diese Umkehrungsmöglichkeit wird in nächster Zeit auch in der Praxis zur Anwendung kommen. Der Bau eines Richtstrahlers nach Mittelamerika, der in der Umkehrung gleichzeitig Australien erreichen kann, ist bereits vorgesehen. Heute haben wir neben dem alten „Nordamerika-Sender", der das 'Gebiet von Kanada bis zum Panamakanal erfaßt, vor allem den wichtigen „A f r i k a f e n d e r" für das gesamte Gebiet der ehemaligen deutschen Kolonien und der südafrikanischen Union, während der „A s i e n s e n d e r" den Fernen Osten von Japan bis Niederländisch-Jndien erschließt. Endlich reicht der „S ü d a m e r i k a s e n d e r" bis zu der nördlichsten Spitze Brasiliens. Wenn dann auch der „Mittelamerikasender" fertiggestellt ist, bann wirb ber ganze Erbball lückenlos burch bie Richtstrahler bes beutschen Kurzwellenfunks umschlossen sein.
Heber die hervorragenbe technische Leistung hinaus haben biese Richtstrahlensenber aber für uns eine hohe welt- unb volkspolitische Bebeutung. Das junge Dritte Reich muß sich heute gegen eine Welt von Mißtrauen, Verkennung unb Äerleumbung behaupten. Wie ungemein wichtig es babei ist, baß ber beutsche Funk bie ganze Welt „bebienen" kann, baß er gewissermaßen bas Ohr ber Welt erreicht, liegt auf ber Hand Größer noch ist bie Aufgabe bes deutschen Kurzwellenfunks im Dienst unserer völkisch-nationalen Politik. Von hundert Millionen Deutschen lebt ein starkes Drittel außerhalb
ber beutschen Lanbesgrenzen. Wir wissen, baß unsere Auslanbsbeutschen zu ben besten unb am meisten mit Blut unb Heimat oerbunbenen Bestand- teilen unseres Volkes zählen. Es gilt, sie nicht nur nicht zu verlieren, sonbern sie immer roieber und immer mehr mit den Vorgängen im Mutterland, mit dem geistigen und kulturellen Leben unseres Volkes in Verbindung zu bringen und dieses Band ständig zu verstärken, seit wir durch den Rundfunk die technischen Voraussetzungen erfüllen können. Die Wirkungsmöglichkeit liegt hier gleicherweise auf beiden Seiten, sei es in der Sendung, die einen lebendigen und wirklichkeitsnahen Spiegel des völkischen und geistigen Lebens zu geben hat, sei es draußen im Empfang, der unseren deutschen Brüdern und Schwestern in aller Welt die Heimat für Stunden näherbringen kann — ein großes, alle Deutschen des Erdballs umschließendes Band. pf.
600000 Volksempfänger.
Die deutsche Funkindustrie hat in einer Sitzung mit der Reichsrundfunkkammer die weitere Auflage von 10 0 0 0 0 Volksempfängern beschlossen. Damit hat der Volksempfänger in 5V2 Monaten eine Gesamtauflage von 600 000 Stück erreicht. Es ist erfreulich, daß diese Neuauflage zum „Tag des Rundfunks" erforderlich wird, der der Tag der großen Volkstümlichkeit des deutschen Rundfunks werden soll. Außerdem beweist die unaufhörlich steigende Zahl der Auflagen des Volksempfängers, daß die Rundfunkpropaganda der nationalsozialistischen Rundfunkführung und der Reichsrundfunkkammer einen greifbaren Widerhall in den breiten Schichten unseres Volkes finbet. Immer mehr gewinnt bie Erkenntnis Raum, baß Runbfunkhören für jeben Volksgenossen eine staatspolitische Notwendigkeit ist, wenn er sich nicht selbst sowohl auf politischem wie auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet, von dem Gesamtleben der Nation ausschließen will. — 600 000 Volksempfänger zeugen zugleich von der wachsenden Gesundung der deutschen Funkwirtschaft, die ebenfalls auf die Durchschlagskraft ber nationalsozialistischen Rund- funkpropaganba zurückzuführen ist.


