Das Rätsel einer Frühlingsnacht Vornan von Gert Rothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Verlag, Halle, Saale
21. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Was aber sollte er denn nun eigentlich tun? Sollte er der Fürstin die Augen öffnen über ihre „Schutzbefohlene".
„Sie ist vor mir und dem Leben, das sie an meiner Seite erwartete, geflohen. Sie ist rein und schuldlos, meine kleine Gertraude."
Hatte nicht so ähnlich ihr Vater gesagt? Und was wollte er, Härtlingen, denn da tun? Diesem jungen Geschöpf den sicheren Zufluchtsort nehmen? Denn wenn die Fürstin alles wußte, dann würde sie die kleine Gertraude doch nicht länger bei sich dulden? Oder wußte sie eben doch alles?
Als hätte sie seine Gedanken erraten, so sagte Gertraude in sein Schweigen hinein:
„Durchlaucht weiß alles. Ich habe nichts verschwiegen — nichts. Wenn Sie es für nötig erachten, Herr Graf, so sprechen Sie doch noch einmal über all die Geschehnisse, die Sie mit der Familie Schwarzkoppen verbanden, mit der Frau Fürstin."
Er sah sie an, die aufgestanden war und nun zu ihm emporblickte.
Jetzt sah er auch, daß sie etwas kleiner war als gelia, daß sie ihm selbst kaum bis zur Schulter »-eichte.
Jetzt war er beinah fassungslos.
Die Fürstin Kleven wußte alles?!
Und trotzdem nahm sie Gertraude Schwarzkoppen in dieser gütigen vornehmen Weise bei sich auf?
„Herr Graf! Ich nehme das Geld nicht an. Mein Vater mag es ehrlich gewonnen haben oder nicht. Ich möchte, daß mit diesem Geld die große Schuld meines Vaters wieder etwas gutgemacht wird. Könnte man nicht ein Heim für Obdachlose errichten? Oder könnte man diese Summe einem solchen schon vorhandenen Heim zur Verfügung stellen? Bitte, raten Sie mir doch, Herr Graf! Ich bin in solchen Dingen nicht erfahren, und ich weiß ja auch nicht, wie hoch diese Summe ist, die mein Vater mir hinterließ."
Immer klarer wurde es ihm, daß dieses schöne kleine Mädel ganz und gar aus der Art dieser leichtsinnigen Schwarzkoppens geschlagen zu sein schien.
„Ihr Herr Vater war aber glücklich, Ihnen ein kleines Vermögen hinterlassen zu können!" sagte er unschlüssig.
„Bitte, verwenden Sie das Geld für irgendeine öffentliche Fürsorge."
Er verbeugte sich.
„Ich würde es tun, aber es ist eine Rechtsfrage. Wer ist eigentlich Ihr Vormund?"
„Niemand! Denn bis heute wußte ich ja nicht einmal, daß mein Vater iowischen verstorben ist", sagte sie tonlos.
„Ja — diese Frage muß aber doch geregelt werden! Wie alt sind Sie eigentlich, Fräulein Schwarzkoppen?"
„Ich werde in kurzer Zeit neunzehn Jahre."
Er lächelte ein bißchen weich, und Gertraude sah ihn atemlos an; dann sagte Härtlingen:
„Sehr jung! Es ist gut so, daß Sie hier bei der Frau Fürstin Kleven vor allen Gefahren, die einem jungen, schönen Mädchen drohen, geborgen sind. Ich werde morgen einmal in die Stadt fahren und einen Rechtsanwalt aufsuchen. Vielleicht übernimmt die Fürstin diese Vormundschaft; es ist ja nur für kurze Zeit."
Gertraude senkte den goldblonden Kopf.
Dieser Anblick des blonden, gesenkten Kopfes machte ihn plötzlich rasend. Dicht trat er vor Gertraude hin:
„Fräulein Schwarzkoppen, wissen Sie, daß Sie Ihrer Schwester zum Verwechseln ähnlich sind und daß mich diese Aehnlichkeit innerlich aufwühlt? Sie werden es begreiflich finden, wenn ich — wenn ich Sie meide, soweit es irgend angeht", keuchte er.
Das blasse Gesicht hob sich zu ihm, dessen Augen sie zornig anglühten.
„Ich wußte es, daß Sie bereuen würden, hierhergekommen zu sein; aber die Frau Fürstin meinte, ich — hätte doch nichts — mit dieser Vergangenheit zu tun."
Da überkam den Mann Beschämung. Tiefste Beschämung. Was ließ er es denn diesem reinen, schönen Geschöpf entgelten, daß sie Lelias Schwester war?
Gertraude sagte leise:
„Trotzdem haben Sie recht, wenn Sie den Haß, den Sie gegen meine Familie hegen, auch mit auf mich übertragen. Ich habe Sie — ja — auch — betrogen."
„Sie? Mich betrogen? Wieso? Wir kannten uns doch bisher nicht?"
Und von Gertraudes Lippen rang es sich zwischen einem verlorenen Lächeln:
„Sie haben recht, wir kannten uns ja bisher nicht!"
Ehe er noch etwas antworten konnte, trat die Fürstin, liebenswürdig lächelnd, wieder herein.
„Ja, ich wußte, daß Sie inzwischen Gesellschaft erhalten hatten, lieber Graf! Mein Jean sagte es mir. Und da habe ich gleich inzwischen noch eine sehr wichtige Angelegenheit mit erledigt, die ich beinah vergessen hätte. Aber das ist ja meine Sache. — Sie stehen beide, anstatt es sich gemütlich zu machen?"
Der Blick der Fürstin traf fragend in denjenigen Gertraudes. Die alte Dame spürte die Aufregung, in der sich die beiden Menschen befanden, und es
war ihr darum zu tun, ihnen Gelegenheit zu geben, sich wieder zu beruhigen.
Wie würde es enden? Graf Härtlingen war schwer erregt; er konnte es jetzt noch nicht verbergen. Wenn es doch möglich wäre, daß noch alles gut wurde?
Ein belangloses Gespräch anzufangen, hätte zu absichtlich ausgesehen. So sagte die Fürstin nur leichthin:
„Was sagen Sie zu der Ueberraschung, lieber Graf? Sie hätten es sich wohl kaum träumen lassen, Ihre kleine Schwägerin hier bei mir vorzufinden?"
„Nein, das konnte ich nicht erwarten", sagte er zwischen den Zähnen; aber fein Blick brannte auf dem weißen Nacken Gertraudes.
Die Fürstin sah es, und ein zufriedenes Lächeln stahl sich um ihren Mund.
Härtlingen sagte:
„Selbstverständlich habe ich mich gefreut, meine kleine Schwägerin kennenzulernen."
Einiges Hin und Her ergab dann die Frage, was mit dem Geld zu geschehen hätte, das Guido Schwarzkoppen für feine Tochter bestimmt hatte.
Die Fürstin erklärte nach einigem Nachdenken, sie werde ihren alten Rechtsbeistand, den Justizrat Heber, bitten, in den nächsten Tagen doch einmal zu ihr nach Kleven zu kommen. Da könnte das alles ja sehr gut besprochen werden, und dann könnte man ja auch gleich die Vormundschaftsfrage regeln.
Daß sie übrigens daran nicht schon längst gedacht habe. Sie werde eben doch alt und vergeßlich, was dieser Fall deutlich beweise.
Die Fürstin sagte es lächelnd, aber ihr teilnehmender Blick ruhte dabei auf Gertraudes beängstigend blassem Gesicht. Gertraudes Herz schlug laut und flatternd. Der Anblick des braunen Männer- gefichts, das sie so sehr liebte, ging über ihre Kraft. Sie wußte es schon jetzt, sie hatte sich zu viel zu- gemutet. Und — er haßte sie! Haßte sie, weil sie Lelias Ebenbild war! Konnte es anders sein? Ganz folgerichtig kam es, wie es kommen mußte und wie sie es geahnt hatte.
Das allgemeine Gespräch zwischen der Fürstin und Graf Härtlingen, die sich später über verschiedene festliche Veranstaltungen unterhielten, ließ sie völlig teilnahmslos dabeisitzen. Die Fürstin strich ihr nur ab und zu über die blonden Locken. Dann blickte Härtlingen kurz auf diesen jetzt wieder tief gesenkten Kopf, um den Blick sofort wieder einem anderen Gegenstand zuzuwenden.
Aber beide, Härtlingen sowie Gertraude, waren froh, als die Fürstin dieses Beisammensein beendete. Aber so viel stand für die Fürstin fest, daß Gertraude unter diesem Zusammensein viel härter leiden mußte als der Mann, dem ja vorerst nichts weiter zugemutet worden war, als daß er sich seiner Schwägerin gegenüber als Kavalier benahm
und es sie nicht entgelten ließ, was ihre Schwester ihm einst angetan hatte.
Was die nächste Zukunft brachte, ging aus dem heutigen Beisammensein noch keineswegs hervor. Das war auch durchaus nicht zu verlangen, daß man da jetzt schon klar sah. Aber daß Graf Härtlingen durch den Anblick des schönen Mädchens schwer erschüttert war, so viel wußte die Fürstin, und das ließ ihr die Hoffnung, daß doch vielleicht noch alles gut werden tonnte.
12. Kapitel.
Tage waren vergangen. Graf Härtlingen hatte sich einigen Herren enger angeschlossen und mied ein Zusammensein mit Gertraude Schwarzkoppen, soviel es anging, ohne daß ihm ein Vorwurf gemacht werden konnte.
Die Fürstin versuchte nicht, noch einmal mit ihm über die Vergangenheit zu sprechen, und er dankte es ihr wirklich von ganzem Herzen.
Doch mit der Ruhe, zu der er sich immerhin im letzten Jahre durchgerungen hatte, sah es übel aus.
'Er wunderte sich nicht, aber er zürnte dem Schicksal, daß es ihm die blonde Frau in den Weg geführt hatte. Voll zornigen Schmerzes fühlte er, wie jein Blut sich regte beim Anblick der kleinen Ger^ traude, wie er anfing, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verschmelzen, wie er dem eigenartigen Zauber Gertraudes unterlag, wie er damals beim ersten Sehen dem Zauber Lelias unterlegen war.
War es nicht bitterste Ironie, daß das Sehnen in ihm emporwuchs, mit aller Macht, daß alle Frauen, die hier in Kleven weilten, zu nichts zerrannen neben Gertraudes junger, blonder Schönheit? In feinem Zimmer ballte er die Hände.
„Es ist wie ein Fluch! Ich komme nicht los von Lelia, die sich in ihrer Schönheit in ihrer Schwester wiederholt", murmelte er. Dann lief er mit großen Schritten in feinem Zimmer hin und her.
„Abreisen! Es ist das Beste. Was soll ich hier? Was hat die Fürstin für eine Absicht damit verbunden, daß sie mich jetzt nach Kleven bat? Was versprach sie sich davon?"
Finsteres Mißtrauen kam wieder in ihm hoch.
Wenn Gertraude Schwarzkoppen eine ebenso gute Schauspielerin wäre wie ihre Schwester Lelia, die einen Mann wie ihn so täuschen konnte über den wahren Wert ihrer Persönlichkeit?
Wenn Gertraude mit ihrem Hiersein einen ganz besonderen Zweck verfolgte? Einen Zweck, in dessen Mittelpunkt er stand?
„Ich hasse sie! Sie und ihre tote Schwester. Ein zweites Mal unterliege ich dem verfluchten Zauber nicht!"
Graf Härtlingen keuchte es, stand am Fenster und blickte hinunter in den Park, wo die Fürstin, auf Gertraude gestützt, spazierenging.
(Fortsetzung folgt.)
z//v '
'TT
sEW V'*\tv -v.
sagt jeder — der NORA hört
• Lautstarker Fernempfang • herrlichste Klangfülle («Noraton») • höchste Selektivität sind vollendet vereinigt im Nora-Empfänger / In sämtlichen Fachgeschäften erhältlich NO RA 200 ab RM15O.wm.R.Z NORA321 ab RM220e*m.R. (sämtl.m. eingeb. dynam.Lautspr.)
Oberhessischer Kunstverein
IL Jahresausstellung vom 11. Febr. bis 4. März 1934 im Turmhaus am Brand platz
3 mitteldeutsche
Maler
Fritz Neuenhahn-Weimar (Aquarell)
Georg Kühn'Freiberg i. Sa.
(Kohle)
Franz Huth-Weimar (Pastell)
Besuchszeiten: Sonntags von 11-13 Uhr, Dientags, Mittwochs Donnerstags u. Samstags von 16 — 17 Uhr. Samstags ist allg. Volkstag mit freiem Eintritt
_____________________________ 829 D
Gasthaus „ZnrdeulschenEiclie" Klein-Linden
Sonntag, den 11.Februar: 848o
öffentlicher Tanz
Anfang 4 Uhr nachmittags.
Dienstag, den 13.Februar, anfang abends8Uhr: Großer Fastnachtsbummel Es ladet freundlichst ein Franz Rathenow.
Der blaue Festanzug
ist für die Arbeitsfront bestimmt. Am 1. Mai 1934 soll jeder Angehörige der Arbeitsfront beim Aufmarsch mit dem blauen Festanzug versehen sein. Der nationalsozialistische Führer der Schneider-Pflichtinnung für Stadt und Kreis Gießen ersucht alle Arbeitsfrontier, zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung das notleidende Schneiderhandwerk dadurch zu unterstützen, daß sie sich jetzt schon entschließen, den Auftrag ihrem Schneider zu übertragen.
Die Reichszeugmeisterei hat die Herstellung nach einheitlichen Richtlinien in Bezug auf Qualität des Stoffes und der Zutaten, sowie der Preise festgelegt.
Ernst Hartmann
830 A
Mercedes
Kleinschreibmaschine
nur 182.— RM.
schon fürmtl.RM.7.90
Franz Vogt & Co.
Seltersweg 44
Ruf 2464 5735/x
lllllllllllllllllllllllllllll
Detektiv K. Gerz
Bad-Nauheim Kurslraße 17, erleb. alle vertrauliche Privat- und Geschäftsangelegenheiten, wie Auskünfte, Beob- achtungen, Er- lnittelungen,Be- schassungvonBe- weismaterial in Straf-und Zivil- vroz., streng diskret. Svrechst.: 9-12^2 u. 3-6 Uhr.
miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiib
Das beliebte 793d
Rosenmontags Konzert!
Ausgeführt von der Kapelle des 1. Bataillons Infanterie - Regiments Nr. 15, unter Leitung des Herrn Obermusikmeisters E. KRAU SSE, im
Cafe Leib
Eintritt 50 Pfennig / Anfang 8 Uhr
Kein Kappenverkauf. Kartenvorverkauf Cafe Leib
Stadt Mainz
Faschings - Dienstag im Hotel Prinz Carl in sämtlichen neuen Räumen die große
Prinz-Carl-Redoute
Barbetrieb—Sektbülett — 2Tanzflächen. Einlaß nur gegen
Verzehrkarten zu RM.2.-,die imHotelbüro abgegeben werden
0701
Rosenmontag, abends 7 Uhr 0728 karneval. Konzert Am Samstag, Montag und Dienstag: 0713 Stimmungs-Konzert im Postkeller Gute Besetzung. Bis4Uhr nachts geöffnet
Wenn Sie
die Faschings-Tage fröhliche Stunden verleben wollen, dann besuchen Sie das O7o?
Cale-RestRheWö
Ab heute abend 8 Uhr
Stimmungs-Konzert
Sektbude — Bockbier
Bis 4 Uhr nachts geöffnet!
Turnverein von 1846
Gießen
Sonntag, den 11. Februar 1934 in der Turnhalle am Oswaldsgarten Großes karnevalistisches
WerWer Semmeln e.u. Konzert
Heute abend 8.11 Uhr
Hochstimmung
Samstag
Sonntag Montag Dienstag im
StadtKaffee
_________________________________0698
Caf6 Restaurant BiirOerbof, Plockstr. 5
An all. Tagen bis morgens Betrieb
Hotel Hindenburg
Verzehrkarten 1.50 Mk. Telephon 3945
820 D
Ihre Geschäfts-Drucksachen
stellen die Verbindung her zu Ihren Erzeugnissen. Man stellt eich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Briefumschläge, Postkarten, Rechnungen, Ge- echäftskarten Ihres Hauses beurteilt. — Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Druckarbeiten. Wir bieten eie Ihnen I
Brühl’sche Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251
Zumliowen
Neuen weg 28 853 d Samstag bis 4 Uhr nachts geöffnet Sonntag — Montag — Dienstag das firohe FatdiiDgstreiljen
• Sonntag, Montag nnd Dienstag: Das firobe Fascbinfislreiben Montag-u.Dienstagnachm.: Kinder-Kosttimfest _________________________________________________824 D
Stadt Laalerbacb
Lieber Straße 57 oes?
Heute abend:
KaDDen-Sitzunfi
mit Konzert!
Geöffnet bis 4 Uhr nachts.
1MM
Neustadt 27, J. Friesleben. Bahnhofstraße 48.
836Ö
Im Sause Oes
825 D
®efellf(8oft5oeteins,5onoenl(rflBe
Saalöffnung: 15 Uhr. Anfang 16.01 Uhr.
Eintrittskarten zu RM. 050 (auch für Nichtmitglieder) in den Vor verkauf ss teil en: Ernst Jung, Seltersweg 29, L. Bepler, Bahnhofstraße 11, G. Wahl,


