Ur. 55 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien)
Zamstag, 10. ßebruar 1934
machen böse Gesichter, und ein Traum scheint aus-
von 20 000 Kilometer Länge, Elektrifizierung ganzer Linien, Legung von 9500 Kilometer zweiter Gleise, Vermehrung des Lokomotioparks von 20 000 auf 24 000 Stück, neue Bahnbauten zwischen dem Donezgebiet und Moskau, zwischen Moskau nach dem Uralgebiet sowie dem Fernen Osten, Schaffung neuer Binnenschiffahrtswege durch den Moskau- Wolga-Kanal und Wolga-Don-Kanal — immerhin ein aufschlußreiches Programm.
Für die Gebrauchsmittel-Jndustrie, also für die Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigen Gegen st änden des täglichen Bedarfs, find 16,1 Milliarden Rubel angesetzt gegenüber 3,5 Milliarden im ersten Plan. Man ersieht daraus, wie groß der Warenhunger in Sowjetrußland tatsächlich ist. Wenn auch anteilmäßig die sogenannte Leichtindustrie an der allgemeinen Erhöhung der Gesamtproduktion von 43 auf 103 Milliarden nur mäßig beteiligt ist, so bedeutet der Aufwand im neuen Plan doch eine Steigerung von 4V2 mal gegenüber dem ersten Plan. Freilich weisen auf den 'ersten Blick auch die Eisen- und Stahlproduktion sowie der Maschinenbau hundertprozentige und mehr Steigerungen auf. Dieses Soll : wird aber erfahrungsgemäß sehr problematisch bleiben, denn schon im letzten Jahr des ersten Plans sind die Planziffern hier nur zu 50, 40, ja, in der Gußeisen-Produktion sogar nur zu 3 6 v. y.
all begeistert empfangen, Abschiedsreisen ins Innere durchführt. Ein Soldat und Edelmann, das zeigt der erste Blick. Während der ersten schweren Jahre mußte mit eiserner Hand regiert werden, — aber dann trat, bester altrömischer Tradition gemäß, a n die Stelle des Schwertes der Pflug. Badoglio kann mit Stolz auf sein Werk zurückblicken. Weiteste Strecken des Landes, vor allem in Tripolitanien, mehr und mehr aber auch in der Cyrenaika, die als noch nicht so weit entwickelt wie der andere Teil der Syrie, einem besonderen Vizegouvernement untersteht, sind urbar gemacht. Die arabische Lundwirtschaftskultur, die sich im allgemeinen auf wenige Feldfrüchte, auf Oel- und Dattelzucht beschränkte, wurde abgelöst durch eine bewußte landwirtschaftliche Planung, die nach den modernsten wissenschaftlichen Gesichtspunkten arbeitet. Die Wanderdünen, die immer und immer
sende von Kolonisten aus den Abruzzen hier hingezogen, in neuen sauberen Häusern untergebracht und ihnen eine Existenzmöglichkeit verschafft, die sie im Heimatland nicht finden konnten.
Ein Besuch in der Staatlichen Tabakfabrik in Tripoli ließ an praktischen Beispielen erkennen, wie ausbaufähig diese neue Produktion ist. Zwar erreicht der lybische Tabak wohl noch nicht die Güte des ägyptischen. Aber die beiden Spitzenleistungen der Staatlichen Zigarettenfabrik „Rose von Garian" und „Leptis Magna" können jede Konkurrenz mit besten makedonischen Zigaretten eingehen. Originell ist im übrigen dabei, daß Italien selbst sich recht weitgehend gegen die Tabakerzeugnisse seiner eigenen Kolonie abschlieht. Sie unterliegen dort ebenso einer Verzollung und natürlich auch dem Monopol, wie jeder andere Tabak. Dafür aber hat Italien mit Polen einen Wirtschaftsvertrag geschlossen, in dem der Tabak eine sehr wichtige bedeutsame Rolle spielt. Das polnische Tabak-Monopol ist nämlich völlig in der Hand der Italiener.
Mit dem Tabakanbau ist nicht nur neue landwirt- chaftliche Siedlungsmöglichkeit geschaffen worden, sondern er gibt auch neue industrielle Arbeitsstätten, die der für die Tabakbehandlung recht befähigten Eingeborenenbevölkerung in erster Linie zugute kommen. Die Einrichtungen der gouvernementalen Tabakfabrik können sich nach jeder Richtung hin, auch was Arbeitsschutz und Arbeitshygiene anbelangt, mit jedem europäischen Unternehmen messen. Die'Säle der berühmten Tabakfabrik in Sevilla wirken düster und verkommen gegenüber diesen lichten, von fröhlichem Mädchenlachen erfüllten Arbeitsräumen.
Für die Industrialisierung des Landes sind überhaupt noch unbegrenzte Möglichkeiten geboten. Es gibt eine Reihe von Bodenschätzen hier, die noch nicht so recht zur Nutzung gekommen sind. Badoglio legte offenbar den Hauptwert auf die landwirtschaftliche Kolonisation, die Bewässerung und den Straßenbau, die in der Tat auch eine bedeutsame Leistung darstellen, um so mehr als sie bis tief in die Wüste hieinge- trieben wurden. Zwar sind Handel und Industrie deshalb nicht zu kurz gekommen, aber sie sind das hauptsächliche Gebiet, auf das Marschall Balbo während seiner Amtszeit neben den militärischen und fliegerischen Dingen, seine Arbeit verlegen wird. Immerhin veranstaltet Tripolis nun schon im achten Jahr regelmäßige Messen, die auf einem eigenen Gelände in monumentalen Bauten abgehalten werden. Um sich eine Vorstellung von der Ausdehnung
wieder das bebaute Land bedrohten, sind nach vorbildlichen Einrichtungen der Versuchssarm Sidi Mesri bei Tripolis durch Bepflanzung festgelegt worden. Große Obstplantagen, Rebengelände, Mandel- und Maulbeeranlagen bringen heute bereits erstaunliche Ergebnisse. Auf der Hochfläche von Garian, etwa 300 Kilometer von Tripolis entfernt, — ein für den Touristen besonders interessantes Gebiet — sind Tabakpflanzungen ins Leben gerufen worden, die wohl das Vorbildlichste sind, was an kolonialer Betätigung geleistet werden kann. Nach einem feststehenden Plan werden Tau-
Suchen. Suchen. Kapitän Phipps kreuzt über den großen Meeresarm, in den die Flüsse Parana und Uruguay ihre Wasser ergießen. Die Stelle, wo die ,r___in hrmprr
in den Säckel.
Mit Feuereifer machte sich Phipps, von neuen Hoffnungen beseelt, ans Werk. Seine Kenntnisse als Zimmermann kamen ihm zustatten. Ein großer hölzerner Kasten wurde angefertigt, der sich konisch nach unten erweiterte. Die untere Seite blieb offen Aber in einer gewissen Höhe, die mit dem Stande des eindringenden Wassers übereinstimmte, wurde im Innern des Kastens ein Aufgang eingebaut, auf dem sich die arbeitenden Taucher bewegen sollten. So konnten sie, kalkulierte Phipps, bequem alle Gegenstände erreichen, die an der Tauchstelle auf dem Meeresboden lagen.
„ j An einem windstillen Tage ließ man die Taucher- I glocke, mit Eisenblöcken beschwert, in die Themse
Eine Glocke fällt ms Wasser.
Von Victor Klages.
i.
wieder aufrichten dürfen. Er freute sich seines Glucks,« und als ihm die Botschaft wurde, daß ein Seemann, der sonderbare Pläne im Kopfe habe, vorgelassen zu werden wünsche, gab er den Weg frei. You never can teil — man kann nie wissen — ist eine alte
Stalins zweiter plan.
Von unserem 7r.-Äerich1erstaüer.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Februar.
Entdeckungsfahrt nach Tripolis
Lybiens Aufbau und Entwicklung unter der italienischen Trikolore.
Von unserem Sonderberichterstatter Alfred W. Kames
Schon tauchen an Steuerbord die Kapverdischen Inseln auf. Da packt ein Ereignis den Kapitän Phipps, läßt ihn nicht mehr los, und wirbelnde Lichter tanzen von neuem vor feinen träumenden Augen.
Was geschah? Eine Glocke fiel ins Wasser. Nichts weiter.
William Phipps will seinem Diener läuten. Eine messingene Handglocke mit hölzernem Stiel steht auf dem Kästchen vor seinem Bett, und neben dem Kästchen steht ein kleiner Bottich, in dem er sich am Abend die Füße gewaschen. Phipps erwacht, Morgenmüdigkeit in den Gliedern. Will zur Glocke greifen. Sie fällt, hinein in den Bottich.
Sie fällt so seltsam, daß sie aufrecht im Wasser teht. Und als der Kapitän sie herausfischt, sieht ?r mit Verwunderung: die Höhlung der Glocke ist trocken, nur ein schmaler Streifen an der Innenseite des Glockenmundes ist benetzt worden.
Die Schätze der Fregatte. Eine Glocke taucht hinunter zum Meeresgrund, Luft und Trockenheit ist in ihr, Menschen können darin arbeiten, das Gold bergen. .
So entdeckte William Phipps das Prinzip der Taucherglocke. Und trug es jubelnd nach Hause.
IV.
Karl II. war ungnädig. Ein König, der einen hergelaufenen Seemann zum Kapitän gemacht hatte, damit er ihm Gold bringe, und der sich leeren Händen gegenübersieht, kann nicht anders als ungnädig sein. Von der Glocke wollte er nichts wissen. Alberne Fantastereien! Geschwätz des Erfolglosen, der um Frist buhlt und sich neue Aufträge verschaffen will. Geschlagen stand William Phipps. Die Höflinge weideten sich an seiner Niederlage.
Nur Einer nicht. Als der Kapitän, der nun keiner mehr war, das Schloß verließ, fühlte er eine Hand auf der Schulter. Der Herzog von Albemarle hatte die Genialität des Glockengedankens erfaßt und bot feine Hilfe an. Er tat einen tiefen Griff
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Tripolis, Ende Januar 1934.
Auch der zweite Plan ist seiner Anlage nach gigantisch zu nennen, wenn auch m seinem Mittelpunkt die Bedürfnisse der Menschenmassen stehen, für die erträgliche Lebensmoglichkeiten geschaffen werden sollen. Sollte der erste Plan die Grundlage der Industrialisierung schaffen, so ist der Zwecks
^Unhrimlich lastete die Stille nachdem Phipps geendet Jetzt mußte es sich entscheiden. Erfüllung oder Niederbruch. Die Höflinge lächelten. Ihnen war es ein heiteres Spiel, dessen Ausgang kaum zweifelhaft sein konnte. Als aber der König sich erhob lächelten sie nicht mehr. Wenige Worte nur sagte der König. Wie Brandungsgetöse sprangen sie an gegen William Phipps, mühsam tat er seinen Kniefall mühsamer karn er wieder auf die Beine, denn die Welt drehte aus den Angeln. . . .,
Karl II hatte ihn zum Kapitän eines Kriegsschiffes ernannt, mit dem Auftrag, die Schätze der spanischen Seeräuberfregatte vom Grunde des Rio de la Plata her-auszuholen.
Man schrieb das Jahr 1662.
III.
Vorbei, das leuchtende Licht hat sich hinter schwarzen Wolken verkrochen; Nacht lagert um den verzweifelten Kapitän. Durch die Nacht stoßt ine drohend Faust eines Kcmigs, der Gott) erwarte Das
9 Aber Phipps gibt nicht auf. Wenn der Pampero heult, reißt er an den Brassen und Geitauen und singt den Chanty, als sei er nicht der K^itan, sondern fein Bootsmann. Er will das Schiff finden, will heimkehren mit einer Last von Gold.
Es ist alles nutzlos. Die Mienen ber Matrosen verfinstern sich von Stunde zu Stunde. Jetzt stehen sie vor ihm, mit Beilen und Handspeichen bewaffnet. Fordern die Umkehr. Wenn er nicht willig^ ist, werden sie ihn zu Boden schlagen, und die Fische des Silberstroms werden sich an ihm delektieren. Phipps läßt das Ruder Herumwerfen und nimmt Kurs nach
Querholz am — Uruguay ihre zvunti -..... -- -
der Schätze, die reich beladene Schiffe,^panifd)e Fregatte gesunken, ist alcht zu finden. oer ' ö mit sich hinabgenommen i 2ßod)cn schon dauert diese Kreuzfahrt, die Matrosen — . ... et____ nut .' . -■> zn.ri.ti-- ___S Trmtm frhotnf «llici-
fann.
Das ist die erste seiner Ausgaben. Die zweite, sachlichere und wichtigere, ist die Verabschiedung des zweiten Fünfjahresplans. Auch seine Einzelheiten liegen seit langem fest, seine Durchführung ist in vollem Gange, ja, das erste Jahr des zweiten Planes ist bereits vorüber, nachdem der erste Plan bekanntlich auf vier Jahre herabgesetzt worden war. Da die bisherigen Ziffernergebmsie aber einen großen Unterschied zwischen Theorie und Wirklichkeit erkennen lassen, hat man vor seiner sachlichen Durchberatung die Parteisäuberung einge- schoben, um sich die notwendigen Blitzableiter — bezeichnenderweise zum ersten Male aus der Partei selbst heraus — für die „noch nicht genügenden Erfolge" zu schaffen.
Denn obwohl Stalins großer Bericht vor„ dem Kongreß von der sowjetamtlichen „Jswestiia a»s eine „neue Bereicherung der Schatzkammer der sowjetrussischen Wirtschaftssiege" gefeiert wird, obwohl der Diktator selbst von Erfolgen spricht, „die einem zu Kops steigen können", lassen Ziffern und Tatsachen erkennen, daß der zweite Fünijahresplan gezwungen ist, im großen und ganzen die Vollendung der Aufgaben seines Vorgängers zu uber-
zweiten die Gebrauchsgüter-Jndustrie. Da aber der erste Fünfjahresplan noch heute nicht erfüllt ist, sind neue erhebliche Investitionen nötig, um auch wirklich die Basis zu schaffen, auf der weitergebaut werden kann. Keine Neubauten in der Schwerindustrie, in den Metallwerken und im Maschinenbau, sondern nur Vollendung der Bauten des ersten Planes, dafür Vermehrung der Bautätigkeit in der Konsumindustrie, erhöhte Aufwendungen in der Landwirtschaft und im Transport. Allein zur Vollendung der im ersten Plan vorgesehenen Jndustriewerke braucht man noch gewaltige Kapitalien, und die erhöhte Aufmerksamkeit, die man besonders dem Transport widmet, ist ein Beweis, welche katastrophalen Folgen die Unterschätzung dieses Zweiges der Volkswirtschaft gehabt hat. Erneuerung des Oberbaues auf Strecken
Unmittelbar nach den Trauertagen, die vom 21. bis 23. Januar zur Erinnerung an Lenins Tod für die ganze Sowjetunion angesetzt waren, trat oer 17. Kongreß der Kommunistischen Pa r- t e i zusammen. Seit Sommer 1930 hat keine derartige Tagung stattgefunden. Die letzten Jahre des Stalin-Regimes find also ohne gewaltsame Erschütterungen innerhalb der Partei verflossen. Die Opposition wagt sich nicht hervor, nachdem ihre prominentesten Vertreter entweder bedeutungslos oder des Landes verwiesen worden sind. Wenn fetzt dennoch schon halb vergessene Namen, wie Sinawfew und Bucharin, auftreten, die neue Treueerklarungen ab- gcben und wieder einmal „aus dem Bauch angc- krvchen kommen", wie der Diktator seinerzeit pro- pheieit hatte, so sind das Gewohnheiten des Diktators, dessen Macht nur gemehrt werden kann, wenn die ehemals gefürchteten Gegner heute versichern, untertänige Handlanger der Parteileitung geworden zu sein. — Wie weiland die siegreichen römischen Eaesaren ihre besiegten Feinde vor ihrem Triumphwagen hertrieben, so spiegelt sich die Eigenliebe des roten Zaren, der über ein Sechstel der Erdoberfläche gebietet, in den hilflos gestammelten Reueworten seiner gestürzten Gegner.
Das ist aber nur Beiwerk. Die sachliche Betonung dieses Kongresses liegt auf dem Abschluß der großen Säuberungsaktion und m unmittelbarem Zusammenhang hiermit auf dem zweiten Fünfjahresplan, der von dem Kongreß verabschiedet wurde. Der eiserne Säuberungsbesen der GPU. hatte 3/< Millionen der Parteimitglieder das politische Leben gekostet. Aus der Partei ausgeschlossen zu werden ist schlimmer, als ihr nie angehört zu haben. Diese Leute müssen durch . ein raffiniert ausgedachtes Fegefeuer der kommunistischen Läuterung gehen, wenn sie je wieder anständige Genossen werden wollen. Der Termin des Zusammentritts des Kongresses ist eigens auf die Zeit nach dem Abschluß dieser Generalsäuberung gelegt worden. Er hätte nicht einen Tag früher zusammentreten können; denn wie im Herbst 1932 seine Tagung verschoben wurde, weil damals die Opposition in voller Blüte stand, so hat man auch jetzt gewartet, bis man den abschließenden Bericht über die durchgeführte Säuberung gutheißen lassen
Man könnte sich nach dem Besuch des Eingeborenenviertels von Tripolis hinsetzen und über „Tripolis ohne die Italiener" schreiben. Tatsächlich ist es so, daß das italienische Regime die Eingeborenen so weit als möglich sich selbst, ihren eigenen Sitten und Gebräuchen überläßt. So erhält sich ihre Eigenart, so beginnen sie mehr und mehr, die Kolonialherrschaft nicht mehr als eine feindliche Macht zu empfinden, und so werden denn auch wohl mit der Zeit die Wunden vernarben, die Krieg und Aufstand geschlagen haben. Wenn man bedenkt, daß es erst wenige Jahre her ist, da vor allem in der Cyrenaika die Kämpfe mit den Senussi tobten und wenn man heute noch von den Berbfestungen im Innern die Galgen herunterwinken sieht, so ist es einfach bewundernswert, was die Italiener an fried- ‘ 2_.’ 'es Landes geleistet haben.
Bei einem Besuch'im Gouvernementspalast sprach
An diesem Abend begann ein merkwürdiger Ge- bag Teer und nassem
Tauwert. den Tag über hatte es geregnet, nun war
englische Redensart. .. ,
Phipps war nicht geblendet vorn Glanz dieses
Hofes Es gab ein Licht, das stärker leuchtete. Er ... sprach mit der Kraft, die Ueberzeugung und em
über hatte es geregnet "un war^ Ipr^ verliehen. Das Lächeln der
Abend geworden, und die Themse ^a yi^ i[)n nicht. Und auch der König
Rblvvs saß auf 1 ni(ht \ur Seite, wo die belustigten Ratgeber standen; er sah William Phipps fest ins Auge und
erfüllt worden.
Der Mittelpunkt des zweiten Plans ist, wie betont, der Mensch. Daß der Kollektivbauer, der ein Getreide zu staatlichen Preisen abliefern muß, sich auf dem Markt keinen Pflug, keinen Kochtopf
Finanzfrage und nicht nur eine Frage des organisatorischen und technischen Könnens, sondern schließlich auch eine Frage der physischen Möglichkeiten. Eine gewaltige Steigerung des Reallohns der breitesten Schichten ist versprochen worden. Dieses Versprechen kann aber nur gehalten werden, wenn der Staat die Mittel besitzt, das heißt wenn Werte geschaffen werden. Hier hapert es aber sowohl am Können, wie an der praktischen Möglichkeit. Ertragssteigerung der Arbeit, bessere Ernährung, Heranbildung der „technischen Kadres", Finanzierung durch Verlängerung des Hungerkredits — ein Glied greift ins andere, und es entsteht der circulus vitiosus, aus dem ein Entrinnen selbst einem Stalin bestenfalls in Jahren und nur unter schwersten Opfern möglich sein wird.
Um einmal d<is besondere Kapitel der Landwirt-
von 1913 von 105 Millionen Hektar auf 129,7 Mil«>
Honen tz-ttar, aljo um 23 i>. H. gestiegen, während der Ertrag von 801 Millionen Zentner auf »98 Millionen Zentner, also nur um 12 v. H. zugenommen hat. Das bedeutet, daß mit der zuneh- m e n d e n K o l l e k t i v i e r u n g e i n st a n d i g e s Sinken der Erträgnisse Hand in Hand geht. Und die katastrophale Hungersnot, die heute auch von den amtlichen Stellen nicht mehr geleugnet wird, läßt kaum den Schluß einer Intensivierung in aosehbarer Zeit zu. Wie also will man die Erträgnisse der landwirtschaftlichen Erzeu- . gung bis 1937 verdoppeln?
Niemand wird aber behaupten, daß diese Erscheinung des unlöslichen Widerspruchs zwischen Plan und Wirklichkeit sich nur auf die Landwirtschaft beschränkt, daß sie nicht vielmehr f ü r a l 1 e Z w e i g e der Volkswirtschaft ohne Ausnahme Geltung hat. Das Wollen der zentralen Planstellen und der Moskauer Herrscher ist das eine — die volkswirtschaft-
und kein Kopftuch für seine Frau kaufen kann, ist nd)er Durchdringung dieses Landes geleistet haben, ein Zustand, der auch nach her Ueberzeugung der Bei einem Besuch im Gouvernementspalast sprach Moskauer Machthaber nicht andauern kann, wenn jch &en Marschall Badoglio, der jetzt sein Amt sich im Bewußtsein des Muschik nicht die Ueberzeu- an Marschall Balbo übergibt und zur Zeit, über- gung festsetzen soll, daß die ganze Planwirtschaft <-----
ein Loch hat ... Die poltische Richtung des ganzen zweiten Fünfjahresplans wird damit o fenbar. Dazu gehört auch das erstrebte Ideal einer auf den eilten Blick gewaltigen Vermehrung der landwirtschaftlichen Erzeugung und einer Steigerung der Lebenshaltung der Bevölkerung. Bis 1937 soll die Landwirtschaft ihre Produktion verdoppelt
i haben. Es ist aber außerdem die Gründung einer Nahrungsmittelindustrie vorgesehen, besonders der Bau großer Konservenfabriken und Fleischindustrien nach Chikagoer Muster, für die man amerikanische Facharbeiter nach Rußland bringen will. Dabei mag als besonders interessant die Tatsache gelten, daß auch der Ferue Osten eine Industrie erhalten soll, die im Falle eines Krieges die Versorgung großer Armeen sicherstellen soll.
Wenn Stalins Rechenschaftsbericht über die Planwirtschaft von 1928 bis 1933 auch bestrebt war, auf die Teilnehmer des Kongresses, die aus den entferntesten Ecken des Riesenreiches für wenige Tage nach Moskau gekommen find, durch fein Feuerwerk von Milliardenzahlen zu wirken, so lieh er doch bereits die schwachen Stellen erkennen. Der Plan ist in der offiziellen Sprache ein Muß, feine Ziffern find lauter kategorische Imperative — die ersten fünf Jahre Planerfahrungen haben aber gelehrt, daß er nur ein ftrebensroertes Ideal sein soll. Denn seine Durchführung ist nicht nur eine
versuchen! Gedanken aus der Nacht.
Er wanderte mit dem Lag nicht an
in den Tag und rmeder in ine unfern der Küste, der Mündung des Rio.dela -P1 ' e5 hieß, daß
ein spanisches feeraubersch sf^v feien? Gin
Goldberge in einem Bauch ' ^cick, machte leuchtendes Licht ging aU5Wi(li{inl Phipps trunken, den einfachen Seemann William WWV’3 riß ihn fort zu einer Tat.
Karl II., König non TEritannie^und Irland, hatte viel Sinn für bas Gold. Das a J @oIb drohte, Kriege standen vor der Tur, er ro &
brauchen. Ich werde zum König gehen, , - Phipps, und luchte !°m° b-st-n Kleid^ (,Qtte
Dem König war woh^ Grst or z z-rf.jcffa(5 in, yenoe yauii eine» jvu.uy», w. --- ----
er, nach manchen Wechselfallen des Sch | hämische Lachen der Höflinge zieht mit dem Wind ..
London einziehen und die Herrfchafl uer
einem Querholz, lauschte dem fernen Spuklaut, der. irHeinem Schädel erwachte. Wirklich: es war em^ Klingen. Tausende, Millionen von Dukaten rollten^ n,iVrübUerrd,eCinmnie- es mar schon eine ganze Zeit Seitbem — hatte er nur das Kreischen hp^mmermannstäge und das Klopsen der $)änv ^pr^m Obr gehabt. Es behagte ihm nicht. Draußen araße Meer, lockend auch bann, wenn es, «7au mu?r°°; das Meer rief nach Phipps, und ^Er^hatt^stch^hennngeschlagenb^aus^den Schissen,
rD'S- “ fein. Großer Reichtum .. gusruhenb in ber Ä”;t Äfii; * gedachte au c.- - , -
im Sturm Z-^prungen > f e5 au,
man an? Lageslicht zu holen
hinab. Zitternd vor Erregung wartete Phipps, an Bord bes Schiffes, auf bas Ergebnis. Es war über« rafchenb. Die Taucher arbeiteten mühelos unb er« lebigten alle Aufgaben, bie ihnen gestellt worben waren.
König Karl II. bewilligte ein neues Kriegsschiff, unb Phipps segelte zum zweitenmal nach byn Rio be la Plata.
V.
Dasselbe Mißgeschick. Von ber spanischen Fregatte keine Spur zu finben. Mächtig fluten bie Wasser bes Silberstroms ins offene Meer, treiben bas Schiff bes Kapitäns Phipps an ber Küste entlang, ein Schiff, über bem ber Tob schwebt. Denn wieber- um nur mit einem Sack voll Enttäuschungen nach Lonbon zurückzukehren — — nein, bas will er nicht, bieser Kapitän. Lieber ein Stück Blei in ben bummen Kopf, ber von Unerhörtem träumte.
lieber ben Meereshorizont steigt bie aufgehenbe Sonne, tiefrot. Phipps benft an eine Kanonenkugel, bie rollt, unb bie Kugel wälzt sich im Blut, unb eine bitte Blutbahn läßt sie hinter sich. Da liegen unser Wünsche, unsere Erwartungen. Breitgewälzt von ber mörberischen Kugel, bie hernieberfällt aus dem Irgendwo. Traurig wandert der Blick des Kapitäns Phipps über die See.
Da gewahrt er etwas, das ihn herausreißt aus seinen trübsinnigen Quälereien. Ein langes Pflanzengeschling schaukelt auf der Oberfläche des Wassers, die Strömung zerrt daran, aber es bewegt sich nicht von der Stelle. Also ist das grüne Zeug am Meeresboden angewachsen? Unmöglich. Hier lotete man Tiefen, die diese Annahme völlig ausschalten. Also ...?
Kapitän Phipps, ber Mann mit ben wunber- barften Ahnungen, pfeift bie Bootsleute. Er selbst {Dringt ins Boot, — pull away, boys, pull away! So ungebulbig war er nie.
Phipps hat recht. Die Pflanzensträhnen sinb nur Maske. Sie umkleiben ein schwimmenbes Stück Holl, unb an bem Holz ist ein Tau, bas hinabführt in bie bunflen Grünbe unter Wasser, unb an bem Tau hängt bie gesuchte Fregatte ...
Sofort beginnt bie Taucherglocke zu arbeiten. Innerhalb einiger Wochen hat Phipps PUllionen- merte an Golb unb Silber aus bem Seeräuberschiff geborgen. Triumphierenb kehrt er heim.
Unb bas Enbe ist wie im Märchen: William Phipps, ber ehemalige Zimmermann, wirb von ; König Karl II. in ben erblichen Abelsstanb erhoben , unb zum Gouverneur von Massachusetts ernannt.
Er würbe kein Gouverneur in Amerika geworben sein, wenn nicht eine Glocke ins Wasser gefallen - wäre.


