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Norwegen, das Land mit zwei Sprachen.

E. L.-Äerichierstaiier.

wozu die Nationalradikalen auch heute noch das Riksmal rechnen, ob-gleich es sich nun schon be­trächtlich vom Dänischen unterscheidet. DieMaal- streoer", die Sprachstreber, haben es jedenfalls soweit gebracht, daß Landsmaal sta a t li ch an­erkannt wurde, in allen Schulen gelehrt wird, beim Abitur obligatorisches Fach ist und von der Beamtenschaft gesprochen werden muß. Oslo hat ein offizielles Landsmaaltheater.

Wie bereits erwähnt, erfolgen alle Bekannt­machungen in den Eisenbahnen, Fjorddampfern undRutebiler" den Ueberlandautos, in der Lands- maal-Sprache. Auf dem Lande hat Landsmanl ein merkliches Uebergewicht gegen das Riksmaal: man korrespondiert in Landsmaal und verbittet sich die Dänensprache". Trotzdem das nebenbei denken die alten Bauern nicht daran, Landsmaal

Oer Weg zur Rentabilität.

In dem letzten Geschäftsbericht der C o n c o r d i a Bergbau AG. in Oberhausen wird auf die Tatsache hingewiesen, daß die hohe Syndi- katsumlage des Ruhrkohlenbergbaus ein rentables Arbeiten unmöglich mache. Kein Zweig der Industrie hat sich in der Tat im letzten Jahre so ausschließlich der Steigerung des Absatzes gewidmet und das Rentabilitäts­problem so völlig hinter dem der Ankurbelung der Mengenkonjunktur zurücktreten lassen wie der Ruhrbergbau. Rur so erklärt es sich, daß trotz der starken Zunahme des Kohlenabsatzes die Berabau- gesellschaft des Ruhrreviers noch immer Ber- luftabschlüsse vorlegen müssen. In der Zeit des Uebergangs von dem Tiefstand der Krise zu einem neuen Konjunkturaufstieg ist dieses Ringen um eine mengenmäßige Produktionssteigerung voll­kommen richtig. Eine gegenteilige Politik, d. h. eine Ausnützung der besseren Absatzmöglichkeiten zu Preissteigerungen, würde eine große Gefahr für den erstrebten Aufbau der deutschen Wirtschaft darstel­len und müßte daher mit allen Mitteln bekämpft werden.

Die Deutsche Bank hßt in ihren neuesten Wirtschaftlichen Mitteilungen" mit besonderem Nachdruck betont, daß die Steigerung der all­gemeinen Konsumkraft nach einer so star- kenWirtschaftslähmung und Massenarbeitslosigkeit, wie sie Deutschland nun hinter sich hat, eine län­gere Anlaufzeit erfordern. In dieser Anlauf­zeit müssen alle Preissteigerungen ver­mieden werden. Eine Ausnahme bilden nur die landwirtschaftlichen Preise, die erhöht werden muß­ten, damit die Preisschere zwischen den Agrarprei­sen und den Preisen der industriellen Fertigwaren sich schließt und die Landwirtschaft wieder auf-

Sie Facharbeit im Nationalsozialistischen Lehrerbund. Von dem Kreisfachschafisleiier für die höheren Schulen Or. Adolph.

nun auch zu sprechen. Sie haLen an ihren alten Dialekten fest, aber von dem Riksmaal wollen sie nun schon gar nichts wissen!

Wie aus der Entstehungsgeschichte hervorgeht, sind die Unterschiede zwischen den beiden feindlichen Sprachen nicht grundlegend. Die skandinavischen Sprachen sind doch recht eng verwandt, und so be­stehen auch gradlinige Verbindungen zwischen Däne­mark und Norwegen. Dem Fremden präsentiert sich das Landsmaal als ein Norwegisch mit größerem Reichtum an vollen Vokalen, stärkerer Biegung und drei Geschlechtern gegen nur zwei felleskjönn und intetkjönn beim Riksmaal. Die Unterschiede summieren sich bedeutend, wenn Landsmaal g e - sprachen wird; es macht dann sogar den gebil­deten Riksmaalleuten die also Kenntnis des Landsmaal zumindest von der Schule her haben Schwierigkeiten, zu folgen.

Die gesamte Landsmaalbewegung in ihrem sprach­lichen Teil steht in der Weltgeschichte unter Aus­nahme des Sanskrit einzigartig da. Man muß die Norweger um dieser Leistung willen ehrlich be­wundern.

nahmefähig für Jndustrieerzeugnisse wird. Diese Stärkung der landwirtschaftlichen Kaufkraft war die wichtigste Voraussetzung für die Belebung des deut­schen Binnenmarktes.

Kann nun aber die Industrie o h n e Preissteige­rungen zu einer ausreichenden Rentabilität gelan­gen? Die Deutsche Bank beantwortet diese Frage dahin, daß die Verbesserung der Gewinne a u f dem Wege über die Mengenkonjunk- tur erfolgen müsse. Zum Beweise dafür, daß das durchaus möglich ist, stellt sie fest, daß die Zahl der­jenigen industriellen Unternehmungen, die durch eine gesteigerte Ausnutzung ihrer Produktionsanlagen in eine bessere Rentabilität hineingewachsen, stän­dig zunimmt. Sie zeigt, wie in der Eisenindu- st r i e die erhöhte Produktionsleistung bereits zu einer erheblichen Verminderung der Unkosten und dadurch zu einer Besserung der Rentabilität ge­führt hat. Natürlich ist das Tempo, in dem auf die­sem Wege die Ertragsfähigkeit wiederhergestellt werden kann, in den einzelnen Industriezweigen sehr verschieden. Aus einer statistischen Zusammen­stellung der Deutschen Bank geht hervor, daß 12 Prozent der erfaßten Aktiengesellschaften, die im vorigen Jahre dividendenlos geblieben sind, diesmal ihre Dioidendenverteilung wieder äuf­ne h m e n konnten, während nur 7 Prozent im Vorjahr noch eine Dividende verteilt hatten, diesmal aber auf eine Dividendenausschüttung verzichten mußten. Die Ertragsfähigkeit der deutschen Industrie nimmt also offensichtlich zu. Auch für den deutschen Steinkohlenbergbau wird die Zeit kommen, in der der gesteigerte Absatz wieder eine bescheidene Renta­bilität gewährleisten wird. Vorläufig aber braucht die deutsche Industrie Absatz und Beschäftigung nö­tiger als hohe Dividenden.

Von unserem

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Bergen, Juni 1934.

Der Reisende, der sich für seinen Norwegen-Auf­enthalt vorsorglich mit einem Wörterbuch odereinem Sprachführer ausgerüstet hat, erlebt die Enttäu­schung, bei vielen Gelegenheiten z. B. in allen Verkehrsmitteln damit überhaupt nichts anfan­gen zu können. In den Fahrplänen, Aushängen und Schildern begegnet er einer Sprache, auf die sein Lexikon nicht zugeschnitten ist: dem sogenannten Landsmaal. Landsmaal heißtLandessprache" und steht im Gegensatz zum Riksmaal, der Reichssprache". Beide führen einen harten Kampf, der nicht auf das rein Sprachliche beschränkt bleibt; denn hinter dem Landsmaal steht das nationale Norwegen und insbesondere der Bauer.

Die Landsmaalbewegung datiert in ihren An­fängen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zu­rück und ist eng verbunden mit dem nationalen Selbständigkeitsgefühl, das sich -damals zu regen begann. Die Norweger entdecken nach der vier- hundertjährigen Nacht f i ch s e l b st. Fast 400 Jahre war Norwegen nicht viel mehr als eine d ä - nische Provinz. Die Mehrzahl der Beamten kam aus Kopenhagen, der Hauptstadt des Unions­reiches. Sie sprachen, schrieben und dachten dänisch, sie Übertrugen die dänische Sprache in die Ver­waltung und von da ins Volk. Zunächst in die Ober- klassen und dann in alle Schichten der Bevölkerung. Das Urnorwegisch, das /,Norröna°Maal", wurde verdrängt; einRiksmaal" entstand, das aber mit Norwegen nichts zu tun hatte. Das heutige Riksmaal hat freilich nicht zuletzt auch dank der Landsmaalbewegung nicht mehr die frühere Kongruenz zum Dänischen. Dennoch arbei­tet das Landsmaal mit Erfolg weiter an der Na- tiona.lisieruna der Sprache, die eine Richtung an der gradweisen Norwegisierung des Riksmaal, die andere für eine von Grund auf neue Sprache, wie sie im Landsmaal schon besteht.

Diese Sprache ist das Lebenswerk Ivar Aasens, eines norwegischen Dichters und Histo­rikers aus dem Westlande (1813 bis 1896). Schon der nationale Stürmer und Dränger Henrik Wergeland, der bedeutendste Kopf in der nor­wegischen Nationalbewegung der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, hatte eine Zusammenfassung der norwegischen Dialekte zu einemReinnorwe­gisch" prophezeit. Aasen führte aus, was Werge­land, der schon mit 37 Jahren die Augen schloß, nicht mehr erleben sollte. Er bewies, daß das Alt- norwegisch in den einsamen Tälern sein Leben weiterführte, sammelte'die Dialektwörter und brachte in mühseliger Arbeit eine vollständige Sprache zu- jammen, mit lückenlosem Wortschatz und vollkom­mener Grammatik, so, wie sie in Norwegen etwa zur Zeit der Kalmarer Union gesprochen worden sein muß. Es gibt in dieser Sprache keine Schrift­denkmäler, keine Uebe'rlieferung und keine Chroni- ken. Ivar Aasens Landsmaal konnte man zunächst nur als reine Kunstsprache bezeichnen.

Der norwegische Nationalismus, der seit der Auf­hebung der Union im Jahre 1814 freien Lauf hatte, nahm Aasens Werk mit Begeisterung auf.Die un­echte Lötung zwischen den beiden goldenen Halb­ringen", wie Wergeland die Dänenzeit genannt hatte, mußte überwunden werden, aus der vier- hundertjährigen Nacht sollte es aufwärts zum Licht gehen! Die Ideen und Entdeckungen der nationalen Forscher und Nationalromantiker jeiiW Zeit be­herrschten das gesamte Kunstleben in der M u - s i k Ole Bull, Kierulj und Grieg; in der Malerei Dahl, Tidemand und Gude; in der Dichtung von Welhaven bis zu Ibsens und Björnsons Ju- gendwerken. Asbjörnson und Moe sammelten ihre Norwegischen Volksmärchen", ein umfassendes Werk, das von Jacob Grimm als beste Märchen­sammlung bezeichnet wurde. So ging die ursprüng­liche Kunstsprache Landsmaal auch in die Dichtung ein; A. O. Vinje und Arne Garborg sind die Haupt­vertreter der Maaldichtung.

Die gesamte Bauernschaft stellte sich bald hinter das Landsmaal, das schnell zu einer politi­schen Kampfansage gegen alles Dänische wurde.

Die Fachschaft Höhere Schule hat sich bei ihrer Entstehung zunächst Rechenschaft geben müssen über den Sinn ihres Tuns. Sie hat ihre Organisation aüfgebaut und nach Wegen gesucht, auf denen sie vorwärtsschreiten könne, lieber diesen Anfangszu­stand ist sie nun hinaus. Sie hat sich ans Werk gemacht und ist mitten in die Einzelarbeit ein- getreten. Durch den Umbruch der Zeiten sind eine Fülle von Aufgaben aufgeworfen worden, die be­wältigt werden müssen.

Es gilt die großen Erkenntnisse der deutschen Revolution fruchtbar zu machen für den alltäg­lichen unterrichtlichen Betrieb.

In den verschiedenen Fächern, dem Deutschen, den Naturwissenschaften, den alten und neuen Sprachen

ist man rüstig dabei, den Acker zu pflügen und die neue Saat zu säen.

Wir möchten heute darauf verzichten, der Oeffent- lichkeit ein Bild von der oft mühseligen und opfer­vollen Kleinarbeit zu geben, die hier geleistet wer­den muß. Es liegt uns vielmehr daran, noch einmal auf die tragende Gesinnung hinzuweisen, aus der heraus die Arbeit erfolgt, und die großen Ziele auf­zustecken, denen sie zustrebt. Wir versuchen dies anhand desjenigen Faches zu veranschaulichen, das vielleicht den größten Anspruch auf eine allgemei­nere Anteilnahme erheben darf: des Deutschen.

3m deutschen Unterricht geht es um die deutsche Sprache. Den Schüler in ein rechtes Verhält­nis, man möchte jagen: in ein Liebesverhältnis

zu feiner Muttersprache zu bringen, bas fff bet letzte Sinn dieses Unterrichts.

So mag denn zunächst von der Sprache die Rede sein. Auch jetzt sei alles bloß Fachliche verbannt. Wir wollen sprechen von dem Wesen der Sprache, von ihrer Würde, von der Verpflichtung, die sie Lehrern wie Schülern und schließlich allen Deutschen auferlegt.

I. Oie deutsche Sprache.

Die Sprache hat verschiedene Aufgaben. Sie ist sicher auch ein Derständigungsmitkel der Menschen untereinander und insofern ein Werkzeug, das es zu handhaben gilt. Der Heranwachsende deutsche Mensch muß vor allem einmal richtig spre- chen und schreiben lernen. Er muß über den Wortstand Bescheid wissen, die Grammatik be- herrschen und einen ordentlichen Satz bauen können. Dem einen fällt das leichter, dem anderen schwerer. Es ist die Aufgabe des Lehrers, die Entwicklung seiner Zöglinge zu überwachen, vorhandene Fehler auszumerzen, Hemmungen zu beseitigen, tüchtige Ansätze zu fördern und das natürliche Wachstum der Sprache zu pflegen. Eindringliche Spracherzieh­ung zu Richtigkeit, Einfachheit, Sachlichkeit, Wahr­haftigkeit, zweckvoller Schönheit ist in der Schule das tägliche Brot des Unterrichts und muß immer wieder neu in Angriff genommen werden. Denn unser deutscher Sprachgarten ist verwildert. Diel Unkraut wächst auf den Beeten, das ausgejätet wer- den muß. Uns fehlt die große, bezwingende Tradi­tion, wie sie etwa Frankreich in feiner Art hat, und der Alltag mit feiner Sprachverschleißung verdirbt viel edles Gut. Es ist gerade auch ein Teil unserer Facharbeit, am Kampf um dierechte deutsche Sprache" teilzunehmen, über die wirkungsvollsten Lehrweisen nachzusinnen, Erfahrungen anderer zu prüfen und neue Wege zu versuchen.

Aber die Sprache ist nicht nur ein technisches Verkehrsmittel von Mensch zu Mensch. In diesem Falle käme sie über tote Zweckmäßigkeit nicht hin­aus. Sie ist vielmehr Ausdruck seelischen Lebens, Offenbarung der Innerlichkeit, unmittelbarstes und machtvollstes Symbol des Geistes. In der Sprache kommen wir erst zum eigentlichen Bewußtsein unse­rer selbst. In der Sprache drücken wir aus, was uns bewegt. Die Erschütterungen unseres Herzens, die Inbrünste der Seele, die höchste Verzückung und der tiefste Schmerz, Seligkeit und Jammer dieses Lebens alles dies gießt sich hinein in das Ge­fäß unserer Sprache. Ungeheuer bewegt ist das Le­ben der Seele in feinen verschiedenen Färbungen, Erleuchtungen, Verdunkelungen, Aufschwüngen, Nie­derbrüchen: es gleicht dem ewig wallenden Meer.

Der Reichtum der Sprache aber steht dem des herzens nicht nach. Die Sprache ist fähig, die unendliche $uUe innerer Möglichkeiten auszu­drücken. Sie ist wie geschmeidiger Ton, der jedem Eindruck nachgibt; sie schmiegt sich jedem hauch des Geistes an und verleiht ihm körper­hafte Dauer... Sie ist der lebendige Leib des nach Offenbarung strebenden Sinns.

Sie schenkt sich uns in den Stunden erhöhter Stim­mung und versagt sich nicht in Zeiten der Wehmut. Sie spiegelt das seelische Leben getreulich ab und blitzt auf in immer wieder neuen Bildern. Anders klingt die zärtliche Sprache der Mutter an der Wiege des Kindes und das Kommando des Führers, an­ders die Redeweise des Gelehrten und das Wort des- Vorarbeiters am Werk. Was immer Menschen bewegen mag: die Sprache trägt es nach außen, hebt es ans Licht, läßt es wirkende Wirklichkeit werden. Es ist die Begnadung des Dichters, daß er vor allen anderen zu sagen vermag, was er leidet. Aber jeder Mensch, und so auch Der Schüler, soll schließlich imstande fein, sich unverstellt auszu­drücken. Nicht, daß er sich in Eitelkeit selbst bespie­gele, daß er Stimmungskult treibe und ästhetisch schwelge in den vielfarbigen Tönungen seines Ge­fühls: nicht, daß er sich spreize wie ein Pfau und die Edelsteine seiner Wortkunst selbstgefällig funkeln lasse: sondern daß er sich mitzuteilen und zu geben vermöge, wie er ist, daß er nicht unaufgeschlossen bleibe und nicht strande an der Schranke des Worts. Denn die Sprache ist ja nicht einsames Selbstge­spräch. Sie entfaltet ihre eigentliche Kraft und Mächtigkeit erst im lebendigen Verkehr von Mensch zu Mensch, im Ringen der Geister untereinander.

Auf Der Insel des Grafen von Monte Christo.

Von Heinrich B. Kranz.

Copyright by I. L. A., Wien.

Chateau dIf, einsame Kalksteininsel in der Bucht von Marseille, ist voller Geheimnisse. Das Motor­boot verläßt den belebten Quai des Beiges. Das Meer ist blau, der Himmel ist klar und leuchtend. Spanische Segler, italienische Barken, ein deutscher Dampfer und unzählige Fischerboote gleiten vor­über sonderbare Täuschung, denn das Motorboot fliegt an ihnen vorbei, während sie ruhig daliegen.

Einsam steht die Kathedrale Notre Dame de la Garde auf dem Felshügel zur Linken. Zur Rechten, weit draußen, liegen Überseedampfer im riesigen Neuhafen. Goldgelb flieht die Sonne vom Himmel. Wir gleiten ins freie Meer. Schon taucht aus glitzernden Wogen am Horizont ein einsamer Felsen auf. Das ist die Gefängnisinsel Schloß Jf, das Geheimnis zweier Jahrhunderte, das Grab von hunderten Unglücklichen.

Geheimnisvoll ist schon der Name. Chateau dlf bedeutet Schloß der Taxussträucher. Aber die Fel­seninsel ist kahl, kalt, keine lebende Pflanze ist zu sehen. Stellt verlassen, ragen die Ruinenmauern der Gefängnisburg auf. Das Boot legt an. Es bleibt still. Schloß Jf, die Toteninsel, ist unbewohnt. Nur die Seufzer der Gefangenen geistern zwischen den spitzen Felsen.

Man klimmt über eine steile, steinige Treppe hin­auf. Da ist ein kahler Platz in greller Sonne vor der Burg mit den runden Türmen. Ein altes Holz­tor, letzte Wand zwischen Leben und Tod, öffnet sich. Ein kleiner, viereckiger Gefängnishof mit einem mo­dernden Holzbrunnen im Schatten dreihundertjähri­ger Felsmauern. Von hier gab es keine Flucht, kein Entrinnen. Die Eachots (Zellen) sind in den Felsen gemauert. Eine Galerie führt um den Hof. Sieb­zehn Eachots, fünf unten, zwölf oben, in denen Hun­derte dahinsiechten, erzählen Geheimnisse, lassen Ge­schichte auferstehen, der man nun nachspürt.

lieber den finsteren Gefängnislöchern hängen Tafeln. Namen und Jahreszahlen beginnen zu spre­chen. Rätsel werden gestellt. Jedes Gefängnis birgt ungezählte Rätsel, aber Chateau dIf ist die Königin aller seltsamen Gefangenenburgen. Da ist das Ge­heimnis des Grafen von Monte Christo, das Geheimnis desMannes mit bA eisernen Maske", unbekannte Schicksal« vieler berühmter und berüchtigter Menschen.

Der Graf von Monte Christo, Held des Romanes von Alexander Dumas, war in einer geräumigen Zelle gefangen. So erzählt der Roman. Heute er­scheint es als sicher, daß Edmond Dantes nie gelebt hat, daher auch nie auf Schloß Jf lebte. Die Legende und die Phantasie eines Dichters aber sind stärker als Geschichte. Der Freund des Grafen von Monte Christo, Abb6 F a r i a , ist historisch bekannt, aber auch er war nie auf der Gefängnisinsel, wenn auch seine Zelle gezeigt wird. Die Abenteuer der beiden Romanhelden sind so fest in den Herzen der Fran­zosen verankert, daß man gar nicht darüber lächelt, wenn man sie hier zwei Menschen bedauern sieht, die es kaum verdient haben.

Aber wieviel ungeschminkte Tragik hat diese heute verlassene Gefängnisburg erlebt, wie viel Schmer­zensschreie sind an diese kahlen Mauern gestoßen, .wie viele berühmte Männer haben hier gelitten und gehofft! In den oberen Cachots schmachtete viele Monate jenerMann mit der eisernen Maske", dessen Geheimnis auch heute noch nicht gelöst ist. Man weiß nur, daß im Jahre 1688 ein Mann von Herrn de Cinq Mars, damals Gouverneur der Ba­stille, mit versiegelter Order hierhergebracht wurde. Er trug eine eiserne Maske, welche völlig das Ge­sicht verbarg. Später wurde er auf die Insel 8t. Mar­guerite gebracht. Wer war dieser Mann? Ein natür­licher Sohn Ludwigs XIV. und der Lavaliöre? Ein älterer Bruder Ludwigs XIV.? Ein Kind Mazarins und der Königin Anna von Oesterreich? Zwei Jahr­hunderte lang beschäftigten sich Geschichtsschreiber mit dieser Frage. Dutzende von Büchern mit den abenteuerlichsten Versionen wurden geschrieben, alle haben eine gewisse Glaubwürdigkeit für sich, das Geheimnis desMannes mit der Maske" blieb ungelöst.

Ein anderes Verließ war von Louis Philipp d'Orlsans bewohnt, bekannt als Philipp Egalite, der später in Paris guillotiniert wurde. Auch Graf Mi- rabeaus Name findet sich auf einer der Tafeln. Viele Monate lang hat derKönig der französischen Tri­büne" auf Schloß Jf gelitten. Der eigene Vater hatte ihn hierhergebracht, weil er mit seiner eitlen ver­schwenderischen Gattin, der Marquise von Ma- rignan, Schulden auf Schulden häufte und schließlich einen Rivalen im Duell tötete. Auf Chateau dIf hat Mirabeau fein berühmtes BuchEssai sur le des- potisme geschrieben.

Heber einer anderen Zelle findet man die Namen des Generals Kleber, des Prinzen Casimir, eines Bruders Ladislaus' IV., des Polenkönigs. Er wurde wegen Hochverrat eingesperrt. Bekannt sind noch Chevalier de Balle st eros und Konsul L a -

horu, den Napoleon I. hierherbringen liefe, weil er angeblich französische Staatsgeheimnisse an Spa­nien verriet.

Chateau dIf war hauptsächlich politisches Ge­fängnis. Besonders während der Revolutionstage 1789, wo es ein Leichtes war, jeden Beliebigen auf Grund einer einfachen Anzeige oder mittels eines lettre de cachot hier für Jahre verschwinden zu lassen. Aber auch gewöhnliche Mörder ließen in dieser Felsenburg ihr Leben. 1775 wurden drei Männer eingesperrt, die nichts anderes verbrochen hatten, als daß ihre schönen Gattinnen von mäch­tigen Leuten am Hofe geliebt wurden. 1793, 1848 und besonders 1871 war das Gefängnis oft gleich­zeitig von vielen Hunderten in den sieben Zellen gefüllt.

Während des Weltkrieges wurden hier deutsche und österreichische Zivilgefangene und Soldaten ein- gekerkert. Damit endet die traurige Geschichte eines der mächtigsten Gefängnisse Europas. Hoffentlich für immer.

*

Festen und Mauern sind von Inschriften der Ge­fangenen übersät. Mühselig entziffert man Hiero­glyphen:Hotel du peuple souverain,Restaurant des lentilles (Linsen-Restaurant) u. a. Jahreszahlen und vergessene Namen bleiben Augenblicke im Ge­dächtnis haften. Aber eines Tages kam ein Italiener nach Chateau dIf, der weinend die Steine der Ge­fängniszelle des AbbL Faria umarmte.

Eines Tages kam auch Alexander Dumas nach Marseille und fuhr nach Chateau dIf hinüber, um den Schauplatz seines Romans zu besuchen, den er in der großen Welt berühmt gemacht hatte. Da­mals, im Jahre 1868 führte noch ® r o H o n , durch feinen Witz als Führer von Originalität bekannt, die Fremden in der Festenburg herum. Vater Groffon, wie man ihn allgemein nannte, konnte immer eine Menge Geschichten über Chateau dIf erzählen, die besonders romantisch anmuteten. Er plauderte so überzeugend und brachte feine Märchen mit solcher Entschiedenheit vor, daß selbst die hartnäckigsten Zweifler und Ironiker unter den Besuchern ver­stummten,

Vater Grosson ersparte auch dem Dichter keine seiner Legenden. Er zeigte ihm den unterirdstchen Gang, durch welchen sich der Graf von Monte Christo und Abbä Faria verständigt hatten.

Dieser Gang wurde vom Abbö mit einer Fisch­gräte ausgegraben", sagte er.

Interessant", sagte fein Besucher, Dieser Dumas hat das wirklich ausgezeichnet geschildert. Kennen Sie ihn vielleicht?"

Natürlich. Er ist doch einer meiner besten Freunde."

Der berühmte Romancier drückte dem Führer dankbar die Hand und steckte ihm zwei Louisdor zu. Es war ein fürstliches Geschenk für den armen Teufel, der von dem unerwarteten Glück so über­wältigt war, daß er sich kaum bedanken konnte.

Grosson pflegte auch neugierige Besucher auf die Akustik in der alten Kapelle aufmerksam zu machen. Er ließ sie das Ohr an eine Steinwand anlegen und man konnte dann einen eingemauerten Ge­fangenen um Tabak betteln hören. Vater Grosson war ein leidlicher Bauchredner. Aber es kam doch häufig vor, daß ihm mitleidige Damen ein Geld­stück in die Hand drückten. Er möge Dafür dem armen Gefangenen Tabak kaufen. Vater Grosfon war auch, wie alle Marseilleser, ein leidenschaftlicher Raucher...

Mit Flammenwerfern gegen Heuschrecken.

Sämtliche biblischen Plagen scheinen die Bevöl­kerung des Tanganjika-Gebietes in den letzten Jah­ren heimgesucht zu haben. Zuerst haben die Heu- schreckenschwärme 1932 furchtbare Verheerungen an­gerichtet, und bann folgte im Jahre 1933 eine hart­näckige Dürre, die empfindlichen Nahrungsmangel namentlich unter den Eingeborenen hervorrief, so daß sich die Regierung gezwungen sah, besondere Maßnahmen gegen die sich ausbreitende Armut und gegen die Gefahren der Hungersnot zu ergrei­fen. Auch in diesem Jahr fehlte es an den not­wendigsten Niederschlägen. Um das Unglück zu ver­vollständigen, sind auch jetzt wieder die Ernten der letzten Monate von den roten Heuschrecken stark mitgenommen worden. Nun hat die Regie­rung einen wahren Feldzug gegen diese Plage er­öffnet und eine größere Anzahl von eingeborenen Soldaten und Offizieren zur Abwehr gegen diese Plagegeister vieler afrikanischer Gegenden einge­setzt. Die neueste Waffe gegen die Heuschrecken sind Flammenwerfer, die mit einer Mischung von Rohöl und Petroleum geladen werden und mit denen bisher anscheinend schon gute Erfahrungen gemacht worden sind. Flugzeuge sind bereits seit längerer Zeit, besonders in der Südafrikanischen Union, ein wirksames Mittel zur Beobachtung und Bekämpfung der Heuschreckenschwärme. Trotzdem wird es selbst bei diesen modernen Abwehrmaß­nahmen aufeerordentlich schwierig fein, bas Uebel an der Wurzel auszurotten und die Heuschrecken- brüt mit Stumpf und Stiel zu vernichten.