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Nr. 152 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)

Samstag, 9. Juni 1954

Raffenprobleme der Neuen Well.

Von Otto (Lorbach.

Bis in die jüngste Zeit konnten die Länder der neuen" Welt, einschließlich Australiens und Neu- seelands ein für alle Mal als Domäne des weihen Mannes gelten, und noch heute gibt es in Europa verhältnismäßig wenig Menschen, die sich der schwierigen Lage, in die die weihe Rasse jenseits des Atlantik durch eigene Schuld geraten ift, bewußt geworden wären. Wohl gibt man sich in den Hauptstädten der alten Welt im allgemeinen keinen Täuschungen mehr darüber hin, daß der Vorgang derE n t e u r o p ä i s i e r u n a" in jenen überseeischen Gebieten abendländischer Kultur un­aufhaltsam fortschreitet, aber man hielt und hält es meist noch für ausgemacht, dah überall, wo die europäische Kolonialpolitik an Boden verliert, die Ueberlegenheit des weihen Mannes gegenüber far­bigen Völkern umso unerbittlicher durch die Aus­breitung der Herrschaft der Amerikaner zur Geltung kommen muß. Diese Annahme kann jedoch einer unbefangenen Würdigung der Wandlungen, die sich im panamerikanischen und im indopazifischen Raume vollzogen, kaum mehr standhalten.

Am allerwenigsten hätte man es sich in den füh­renden Kreisen der Yankees früher träumen lassen, dah die in der Union wie in Kanada fast ausge- rottete indianische Rasse sich südlich des Rio Grande del Rorte zu einem gefährlichen Wettbe­werber um die Vorherrschaft im panamerikanischen Raume entwickeln könnte. Man hatte über das Schicksal derLetzten der Mohikaner" fast verges­sen, daß sich die amerikanische Urbevölkerung im Wirkungskreise spanischer und portugiesischer Kolo­nisation doch in beträchtlichen Beständen zu er­halten vermochte, die, nach einem jahrhunderte- lanaen falt geschichtlofen Dasein, heute über­raschende organisatorische Fähigkei­ten auf wirtschaftlichem, kulturellem und volitischem Gebiete entwickeln. Bei näherem Zusehen macht man dabei die verblüffende Entdeckung, daß die europäischen Einwanderer die Urbevölkerung im großen und ganzen nur dort wirklich verdrängen und an ihrer Stelle mit dem Boden dauerhaft ver­wachsen konnten, wo die indianische Rasse selbst nicht wirklich seßhaft geworden war.

Während in den Ebenen des La Plata-Stromes, wie im Mifsisfippi-Tale die europäischen Kolonisten vorwiegend nomadisch lebende eingeborene Stämme antrafen, die sich nicht unterwerfen, aber leicht zurückdrängen oder ausreiben liehen, hatten sie es in Mexiko, Mittelamerika und einem Teile Südamerikas hauptsächlich mit seßhaft lebenden Völkern von verhältnismäßig hoher Kultur zu tun. 3ene Ebenen wurden rasch weißen Mannes Land, während in den Gebieten der Jncas von Ecuador bis Chile, der Mayas in Zentralamerika und der Tolteken in Mexiko wohl die politischen Gemein­wesen und die kulturellen Organisationen der Ein­geborenen von den weißen Eroberern zerstört wur­den, ihre rassischen Lebensbedingun- aen aber wohl eingeschränkt, nicht aber zer­stört wurden. Die spanischen Konquistadoren ver­achteten die Religion dieser Völker und standen ihrer intellektuellen Kultur verständnislos gegen­über; sie zerstörten beide, doch sie machten sich die technische Geschicklichkeit der Indianer und ihre Ge­wöhnung an eine gesetzliche Ordnung zunutze, nach­dem sie jeden politischen Widerstand grausam ge- brachen hatten.

Zwar kam es stellenweise unter der Wirkung der den Eingeborenen auferlegten Zwangsarbeit in Bergwerken, wozu sie von Natur nicht taugten, zu einem raschen Aussterben, aber sowohl die katholi­sche Kirche wie die spanische Krone legten sich bei­zeiten ins- Mittel, um ihnen genügenden Schutz angedeihen zu lassen. Es ist bekannt, daß der Benediktinermönch De Las Casas mit Erfolg die Einführung von Negersklaven für die aufreibende Arbeit in den Minen empfahl und

Es ward ein Gohn geboren...

Don Hans Franke, Heilbronn.

Wie schwer war es doch, von euch zu gehen! Da lagst du, wie ich es vor mir gesehen hatte, im Geiste, und neben deinem Bett stand der Korb mit dem Kinde, das leise sich bewegte und die Fäuste ballte, kein Engel, wie ihn die Dichtermaler bilden, sondern ein kleiner Erdenwurm mit einem greisen­haften Gesicht; aber mein Sohn! Uns Männer halt etwas zurück von den Stuben der Wöchnerin­nen, aber betreten wir sie, dann treten wir leise auf, sind schüchtern und gar ein wenig tolpatschig. Da quäken die kleinen Menschen, haben schwere Augen und seltsame Züge, in denen wir nach Ähn­lichkeiten spähen, uno liegen da fern allem Den­ken, Planen, Sorgen und Suchen.

Sohn! Sohn! Was alles erwartet dich! Drei-Ein­heit: was alles erwartet uns! Draußen Sommer, Sonnensommer, ewiger Frühsommer. Dies Jahr scheint aus Sonne gemacht, der Wem wird gut werden und die Seelen leicht sein, in diesem Jahre, da die Sterne nachts so hell funkeln und der Wind so weich ist und so gut die Luft.

Mein Sohn!

Ein Sohn marschiert in die neue Zeit! Sie druckt ihm die Fahne in die Hand, und die Standarten grüßen ihn von seiner Jugend an, er schreitet in eine männliche Zeit, in eine Männerzelt in eine barte Seit. Die Mütter stehen abseits. Noch sind die Horizonte der Zeit umdunkelt, aber die Grenzen sind abqesteckt, es gilt der Mann, und sein Atem erfüllt die Stunde. Auf den Thronen sitzen keine Puppen, sondern es befehlen Männer, sie haben ihre Garden um sich und halten Wache für das ganze Volk. Das Volk ist eine Einheit, steht um die Fahne, hält sich fest an den Symbolen, die ent­hüllt sind. Groß ist die Stunde, mein kleiner Sohn! Aber neben den Hörnern klingt die Flöte des San- gers noch ist sie zag und hat nicht Raum, aber sie wird einst Raum haben und mit 'hrem Atem aus dem der Hauch der Muse redet wird sie eine Ge- walt sein. Die Muse ist nie tot in unserem Volke nie, sie haucht ihren Schöpferodem aus unbj* dann filmten die Instrumente, bann fahren die Federn über die Bögen, dann Hammern d" Meist und die Pinsel schnellen über die Flache. Die Kunst

Und sie wird herrlich leben in unserem (Staate, mein Sohn, wenn der Künstler in dieser Grenzung und in diesem Gesetz die Freiheit wahrt, wenn er sich als Bekenner fühlt und den Mut hat, zu be­kennen! Bekennermut muß sein, es darf nicht der hohle Mund reden und der gefällige Pinsel regle-

Das llngliitk im Tierpark von Whipsnade.

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Das Löwengehege des Tierparks von Whipsnade bei London, wo, wie bereits gemeldet, ein Besucher von Löwen in Stücke gerissen wurde.

damit unbewußt dem Entstehen einer starken mas­senhaften Negerbevölkerung in Nordamerika Vor­schub leistete. Weniger ist es bekannt, daß die spa­nischen Herrscher in ihren Kolonien eine Arbei - tergesetzaebung schufen, die in mancher Hin­sicht einen Vergleich mit moderner sozialer Gesetz- gebung aushält. Schon 1563 wurde Oie Zwangs­arbeit für Indianer auf produktive Arbeiten öffent­lichen Charakters beschränkt, ein der Qualität der Arbeit angemeftener, die Lebenshaltungskosten sichernder Minimallohn voraeschrieben und die Ar­beitszeit auf 8 Stunden beschränkt. Ein Gesetz Philipps II. verbot Ende des 16. Jahrhunderts die Beschäftigung von Minderjährigen unter 8 Jahren und unterwarf die Beschäftigung von Frauen star­ken Beschränkungen. Karl II. verbot 1682 die Frauenarbeit auf großen Gütern und schuf eine gesetzliche Ordnung für das Lehrlingswesen.

Bei all diesen Maßnahmen verband sich die men­schenfreundliche Gesinnung katholischer Priester mit der Einsicht weltlicher Machthaber in die Geschick­lichkeit einheimischer Arbeiter. In Nordamerika und in dem südlichen Teile Südamerikas wurde der Eingeborene von den weißen Kolonisten als ein Rivale für den Besitz des Landes betrachtet, dessen Ausrottung die eigene Betätigung als Siedler erleichterte. Der zivilisierte Indianer der Hoch­ebenen war kein Passivum, sondern ein Aktivum, kein Feind, sondern ein Diener, kein Rivale, son­dern ein Werkzeug für die Gütererzeugung; zu feinem Glück waren die spanischen Eroberer, mit Denen er es zu tun hatte, im Gegensatz zu den Angelsachsen, von keinem übermäßigen Willen zur Rassenabsonderung beseelt. Die Eroberer mischten sich mit den Unterworfenen nicht nur durch unge­setzliche Verbindungen, sondern auch durch regel­rechte Heiraten. Die Kinder der Mischehen wurden nicht ausgeschlossen von der Gesellschaft, sondern konnten sich zu einem Bindeglied zwischen der wei­hen Aristokratie und der indianischen Arbeiterschaft entwickeln. Dazu kam, dah der weiße Einwanderer in den Hochebenen Mexikos, Mittel- und Südameri­kas vorwiegend von den unterirdischen Schätzen an­gelockt wurde und darüber die Möglichkeiten, als Siedler mit dem Boden des neuen Landes zu ver­wachsen, vernachlässigte. Er überlieh dem Einge­

borenen die Künste seßhafter Lebensweise und ent­wickelte sich in der Jagd nach immer neuen, reiche­ren Fundstätten von Gold, Silber und weniger wertvollen Metallen, neuerdings von Petroleum, zu einem modernen Nomaden ohne bodenständige Kultur. Seit Jahrzehnten sind nun die Länder mit in- dianischem Bevölkerungskern und schwindender wei­ßer Aristokratie Schauplätze sowohl einer raschen Industrialisierung und Modernisierung wie sozialer Revolutionen, die Farbige und Mischlinge immer stärker in den Vordergrund des öffentlichen Lebens Drängen. Der Schrittmacher dieser Entwicklung ist Mexiko, wo es unter einer Bevölkerung von 16 Millionen nach etwa 11 Millionen rein- blütige Indianer und Mischlinge gibt, deren Vertrauen der herrschenden nationalrevolutionären Partei ihren Hauptrückhalt gibt. Der Führer dieser Partei ist der ehemalige Präsident Calles, aber auch der gegenwärtige Staatsführer Rodriguez und fein voraussichtlicher Nachfolger General Car- d e n a s gehören ihr an. Die von diesen drei Män­nern gesteuerte nationalsoziale Revolution hat es fertiggebracht, nicht nur das fast völlig in fremde Hände geratene Eigentum an Bergwerken, Petro­leumquellen, Eisenbahnen, Banken, Fabriken usw. in erstaunlichem Umfange zu verstaatlichen, sondern auch mehr als 6 Millionen Hektar Land aus der unfruchtbaren Verfügungsgewalt der Kirche oder privater Latifundienbefitzer in den Gemeinbesitz von Dorfgenossenschaften überzuführen. Die Wirkung dieses ganzen Umschwungs trat auf der letzten panamerikanischen Konferenz dadurch plastisch in die Erscheinung, daß Cordell Hüll, der Vertreter der Washingtoner Regierung, unter dem Eindruck der Argumente, die der beredte mexikani­sche Bevollmächtigte Dr. Puig vorbrachte, in den Entwurf einer Erklärung entscheidende Sätze ein­schaltete, die dann die lateinamerikanischen Teil­nehmer in tosenden Beifall ausbrechen ließ: jede amerikanische Nation sollevon ganzem Herzen" die Doktrin anerkennen, dah die volle Unab­hängigkeit, die uneingeschränkte Souveränität, die vollkommene Gleichheit und politische U n - Verletzlichkeit jeder andern Nation, groß ober klein, zu achten und zu fördern fei.

Es handelte sich auf dieser Konferenz, die Ende

ren, es muß die Härte fein neben der Freude, die Eigenkraft neben Dem Dienst. Dienst und Freiheit heißt die große Parole, in der die Führer warten des Widerrufes aus ihrem Volke. Denn der Führer muß einsam werden, dem nur die eigene Rede widertönt, das freudlose Echo, die un- magische Wiederholung; er sehnt sich nach der Ver­wandlung der Substanz, er sehnt sich nach Freiheit im Gesetz seines Geistes.

Soldaten und Künstler sehe ich stehen; denn der Soldat muß ein Künstler fein und der Künstler ein Soldat, und es müssen die Gelehrten, die Kaufleute und die Techniker beides fein. Das ift der Stand unseres Volkes, in dieser Doppelpoligkeit bewegt sich unser Volk.

Wie geht dein Weg, mein Sohn? Wird ein soldatischer Künstler aus dir oder ein künstlerischer Soldat? Faßt du die Fahne um den Schaft ober flattert sie bir lieber um bas Haupt? Ach, ich weiß es nicht, unb wenn beine Stunbe bes Erwachens kommt, bann werbe ich nichts mehr gelten, unb du wirst entscheiden in dem flammenden Protest deiner Jugend. Wohl bist du lange noch unser, aber immer bist du deines Volkes! Vergih das nie! Denn wenn wir das je wieder vergäßen, dann würde wieder eine Zeit der Ohnmacht kommen, vieles würde sich wieder verhüllen, was herrlich und groß und erhaben.

Eines vergiß darum niemals, mein Sohn: daß der große Krieg gewesen ist! Nicht, daß er ein geschichtliches Ereignis darstellt, deren lernt ihr viele in der Schule, nicht, daß von vielen Völkern viele standen gegen das unsere: daß in diesen langen grausamen vier Jahren das Volk eine herr­liche Einheit war, daß nur durch sie die Mauer stand und stand! Die Toten dort draußen laß dir ein Unterpfand fein, es sind die Kameraden deines Vaters gewesen, und er ist stolz bis zu seinem Tode, solche Kameraden gehabt zu haben! Nimm dies als Pfand, als Vermächtnis. Prüfe daran deines Volkes Wünsche und Ziele, ob sie das Siegel der Einheit, der Eins-Werdung tragen und dann entscheide.

Mein kleiner, kleiner Sohn: es geht die Sonne auf über deinem Volke, du schreitest in seinen Frühling, es warten auf dich Tausende von jungen Kameraden mit Hellen blitzenden Augen: 9*r'

zu, sie werden deine Hand fassen und deine Bilder werden die ihren sein. .

Doch ich schreibe, als seiest du em Konfirmand, und du bist ein kleines winziges Wesen unb liegst wohl gerabe beiner Mutter an ber Brust, saugend die Lebensfülle, die sie dir spendet. Trinke, mein Sohn, werde! Wir wollen dich hüten, bis du em Mann wirst.

Bremische Anekdoten.

Von Karl Lerbel.

Nichlswürdlge Inschrift.

Dor dem Kriege hatte man in Bremen einen sehr stattlichen Geldbetrag gesammelt, der dazu dienen sollte, den Platz vor dem Dom mit einem Bismarck- Denkmal zu schmücken. Mit der Verwaltung der Summe wurde ein angesehener vielleicht nicht hinlänglich angesehener Verwalter betraut. Eines Morgens reiste er ab und packte in der Eile die Kassette mit der Denkmalsspende versehentlich mit in den Koffer. Als man feststellen muhte, dah er jur Angabe seines Aufenthaltsortes und zur Berichti­gung des Irrtums nicht gewillt sei, wandte man sich an einen reichen Petroleumimporteur, der die ihm in solchen Fällen zukommende Ehrenpflicht erfüllte und aus seiner Tasche die gaiue Geschichte noch ein­mal bezahlte. Mithin konnte das Denkmal enthüllt werden.

Am Morgen nach der Enthüllung fand man sei­nen Sockel mit zwei unheimlichähnlichen" Blei- stiftzeichnungen geschmückt links den hochherzigen Kaufmann, rechts den nichtswürdigen Verwalter. Unter dem Bilde zur Linken stand:Der Herr hat's gegeben;* unter dem zur Rechten:der Herr hat's genommen."

Das Frühstück.

Heinrich W., ein denkwürdiges Prachtstück aus der an Originalen einstmals besonders ergiebigen Hansestadt, leistete Unvergehliches in der Beseitigung geistiger Getränke. Als daher ein paar Freunde, die mit ihm eine Reise machten, ihn morgens um halb acht im Speisesaal des Hotels am Frühstücks- tisch hinter einer ziemlich geleerten Flasche Rüdes- Heimer fanden, waren |ie nicht erstaunt; aber sie waren immerhin entrüstet.

Heini!" sagte einer von ihnen mit sanftem Vor­wurf.Magst das wohl tun? Schämst dich denn gar nid)? Morgens um halb acht sitzt du all hinter'n Wein?"

Dja", sagte Heini wahrheitsgemäß und entschie­den.Und schämen tu ich mich da auch nicht um. Soll ich vielleicht meinen Kaffee trocken runter- würgen?"

Für Zeppelin.

2I?s nach der Vernichtung bes Zeppelinschen Luft­schiffs bei Echterdingen der Opferwille der Nation die Millionenspende schuf, fand auch Mutter Cordes aus der Kleinen Krummenstrahe in Bremen sich ein und zeichnete nicht ohne Mühe, aber mit berechtig­

tem Stolz einen Beitrag von 10 Reichsmark in bie Liste ein.

Der Sparkassenbeamte, ein mißtrauischer Funktio­när der nüchternen Rechenkunst, war erstaunt:Ja, haben Sie bas Gelb benn auch, Frau Cordes? -Das müssen Sie denn nämlich auch bezahlen!"

Och", versetzte Mutter Cordes mit einejn durch Erfahrung gehärteten Heroismus,ich dachte, ich wollte das denn woll absitzen."

Der Tausendfuß.

Am Marktplatz steht ein alter Herr, dem es sicht­lich schwerfällt, das feinen Jahren angemessene wür­dige Gleichgewicht zu bewahren. Ein anderer, gleich­artiger, aber in feiner Haltung durchaus unbeein­trächtigter Herr bemerkt den Vorgang mit Sorge.

Aber Heini!" sagte er vorwurfsvoll.Was ha­ben fe denn mit dir gemacht?"

Och", verteidigt sich der erste unter leichten Schlingerbewegungen,Christel hat dscha heute Ge­burtstag, nid)? Und da sagte er, da müßten wir einen auf trinken. Un denn sagte er, auf einem Bein könnte man nid) stehn. Un da hat er denn dscha auch recht an. (Mit einem Aufschluchzen:) Dschohann, auf s o viele Beine aber auch nid)!"

Dämonie und Körperfülle.

Ja, die Geschmäcker ändern sich. Wer sich die berühmten Frauen der Weltgeschichte etwa schlank und rank und jugendlich schön oorgestellt hat, wird nach den Untersuchungen eines englischen Geschichts­forschers bitter enttäuscht werden. Dieser Herr hat sich die Mühe gemacht, die dämonischen Schönhei­ten auf ihreLinie" zu prüfen und hat auf diese Weise interessantes Material gesammelt. Als die schöne Kleopatra mit dem römischen Feldherrn Antonius anbandelte, hatte sie durchschlagenden Er­folg trotz ihrer körperlichen Fülle. Sie war übrigens damals bereits 40 Jahre alt. Auch die britische Herrscherin Boadica, die ihre Heere gegen die römischen Eindringlinge ins Feld führte unb nach ber Eroberung Britanniens im Jahre 62 n. Chr. Selbstmorb verübte, war keineswegs eine Pinie, fonbern von burchaus stattlicher unb runb- sicher Figur. Mabame Pompadour, bie Frau, bie zeitweilig ganz Frankreich mit ihren Launen be­herrscht hat, muß man als recht mollig bezeichnen, unb bie Geliebte bes größten englischen Seehelben, Lady Hamilton, ftanb ihr barin nicht nach. Durch­weg korpulent waren bie Frauen aus Dem Ge­schlecht ber Medici, die in der französischen und italienischen Geschichte eine so verhängnisvolle Rolle gespielt yaden.

vorigen Jahres in Montevideo tagte, um nichts weniger als eine Kapitulation bes ,,®an« kee-Jmperialismus" vor bem F a k t o t Blut unb B o b e n" in ben lateinamerikanischen Ländern, wo ber große Krieg unb bie aus ihm sich ergebenbe Weltwirtschaftskrise bie Gelegenheiten für eine Art Rückeroberung großer Teile ber neuen Welt burch bie Inbianische Rasse schufen. Die Betei­ligung ber Union am Weltkriege ftanb im Wider- sprach zu ben Entwicklungsgesetzen ber neuen Welt, in ber bie weißen Kolonisten im Sinne ber War­nung George Washingtons vorverwickelnden Bündnissen" ihre Vorrangstellung nur dauernd sichern konnten, wenn sie sich durch keine europäi­schen Händel von dieser Ausgabe ablenken liehen. Die Rechnung der führenden Kreise des Angel- sachsentums zu beiden Seiten des Atlantic, durch die Lähmung Deutschlands alle Hände für die Ver­teidigung ihrer weltpolitischen Machtstellungen frei­zubekommen, mußte sich als falsch erweisen. Statt dessen sieht sich England mehr als ie in euro­päische Wirren verstrickt, droht b i e gelbe G r o ß - macht nicht nur bie abenblänbifdjen Kolonial­mächte aus Asien zu Derbrängen, fonbern auch bie Deffnung ber pazifischen Häfen ganz Amerikas, Australiens unb Neuseelands für eine asiatische Masseneinwanderung zu erzwingen, versagen in ben Vereinigten Staaten bie Kräfte, bie früher am Werke waren, aus Einwanderern ver- schiebenster Herkunft eine einheitliche Nation bilben, organisieren sich bie Schwarzen ber Union zu einem Staate, sehen sich bie weihen Amerikaner gezwun­gen, für bie herannahenben entfdjeibenben Kämpfe um bie Weltherrschaft auf bie Vormundschaft über aufftrebenbe inbianische ober halbinbianische Völ­kerschaften zu verzichten unb Siefen leere Räume zu überlassen, bie Hunberten von Millionen weißer Einwanderer Wohnsitze bieten könnten, während zugleich auch in Afrika bie kolonialen Machtstellun­gen des weihen Mannes immer stärker durch dis steigende Flut der Farbigen" bedroht erscheinen.

Werbeausstellung Hessischer

und Nassauischer Kunsttöpfereien.

LPD. Offenbach, 8. Juni. Heute nachmittag wurde in der Aula der Kunftgewerdeschule (Tech­nische Lehranstalten) zu Offenbach eine Werbeaus­stellung hessischer und Nassauischer Kunsttöpfereien eröffnet. Die Ausstellung wird durch den Reichs­bund Volkstum und Heimat, Fachamt Handwerkskultur, Ortsring Offenbach a. M., ver­anstaltet. Der Leiter des Fachamts für Handwerks­kultur, Professor Dr. Eberhardt begrüßte bet der Eröffnungsfeier die zahlreichen Gäste, insbe­sondere den Ministerialrat Ringshausen- Darmftabt, unb wies barauf hin, baß biefe Ausstel­lung einen guten Ueberblick über bas Schaffen bes Töpferhanbwerks gebe. Die Töpferkunst in Ober- Hessen unb im Obenwalb habe in neuerer Zeit roieber einen großen Aufschwung genommen.

In feiner Eröffnungsansprache wies Ministerial­rat Ringshaufen barauf hin, bah es in ber vergangenen Zeit nichr möglich gewesen fei, bie mit bem Volkstum verwurzelte Töpferkunst ins rechte Licht zu setzen. Jetzt feien bie Zeiten enblich vorbei, in Denen man bas Volkstum hintansetzte. Jetzt haben wir roieber eine Heimat unb bie Kräfte in uns selbst werben roieber geweckt. Wenn wir ber Heimat und bem eigenen Blut gerecht werben, bann feien wir auf bem rechten Wege. Wahre Volkskunst sei nichts Angelerntes, sie fei aus bem Volk selbst herausge- boren im Laufe ber Jahrhunberte. Diese Ausstel­lung zeige wirklich künstlerisches Gestalten. Zum Schluß betonte Ministerialrat Ringshausen, daß in dem Wiedererstarken der handwerklichen Kunst das Wirken des eigenen Volkes zum Ausdruck komme. Das entspreche auch dem Willen unseres großen Führers Adolf Hitler. Nachdem er die Aus­stellung für eröffnet erklärt hatte, wurde ein Rundgang durch die Ausstellung angetreten. Die aus bem Wefterwalb, aus Schlitz, aus Lauter­bach, aus Marburg, aus bem Dbenroalb, aus Marjoß usw. zusammengetragenen Gegenstänbe er­regten allgemeine Bewunberung.