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rüstungskonferenz trotz der gestern abend im Hauptausschuß einstimmig angenommenen Ent­schließung äußerst gering. Sobald man nämlich von der Oberfläche in die Tiefe des Problems zu drin­gen sucht, stehen sich die Gegensätze in unveränder­ter Schroffheit gegenüber, wie sie ja auch die der Entschließung vorausgegangene achttägige Debatte im Präsidium immer wieder gezeigt hat. Immer neue Vorschläge wurden gemacht und wieder ver­worfen, denn jeder vernünftigen Einigung stand FrankreichsNein" als unüberwindbares Hinder­nis entgegen. Damit ist der Beweis erneut erbracht worden, daß die Genfer Methoden unbrauchbar sind und der deutsche Entschluß, sich von Genf zurück- zuziehen, richtig war. Der von Deutschland einge­schlagene Weg zwei- oder mehrseitiger diplomatischer Verhandlungen hätte bereits zum Ziel führen kön­nen, wenn nicht auch hier FrankreichsNein" jede Fortsetzung der Verhandlungen unmöglich gemacht hätte. Frankreich will eben keine Verständigung, es will nicht abrüsten und auch keinen Rüstungsaus- tzleich, deshalb aber auch keine Konvention, die ihm irgendwelche Bindungen auferlegt. Bindungen will es nur für die anderen, selber aber möchte es sich volle Handlungsfreiheit Vorbehalten. Dahinein paßt auch der neueste Schachzug, Moskau vorzuschieben und unter seiner Führung die Sicherheit Europas durch zwischenstaatliche Militärbündnisse zu stabi­lisieren.

So zeichnen [ich in Genf auch durch die Ver­tuschungen gemeinsam gefaßter Entschlüsse die Fron­ten klar und deutlich ab. Auf der einen Seite stehen Großbritannien, gestützt von den Ver­einigten Staaten, und die sechsneu­tralen" Mächte, Schweden, Norwegen, Däne­mark, die Niederlande, die Schweiz und Spanien. Sie alle wollen den Abschluß einer Abrüstungskon­vention und verlangen eine Garantie der aus die­sem Abkommen entspringenden Verpflichtungen, die olle Mächte freiwillig übernehmen. Man muß sich ohne weiteres darüber klar sein, Laß die gegen­wärtige Genfer Politik Englands nicht etwa ein­seitige Parteinahme für das Deutsche Reich be­deutet, vielmehr gegen die Bündnispolitik gerichtet ist, die den europäischen Kontinent auf­spalten und über kurz oder lang zu kriegerischen Verwicklungen führen muß. Das will England, durch die Lehren des Weltkrieges gewitzigt, unter allen Umständen vermeiden. Sollte Barthou bei seinem ongekündigten Besuch in London den Versuch einer Einbeziehung Englands in das französisch-russische Bündnis machen, so dürfte er tauben Ohren pre­digen, zumal den Briten Litwinows Rolle als Friedensengel, für Europa sowohl wie für den Fernen Osten, einigermaßen verdächtig sein muß. Aber bei aller Anerkennung der englischen Aus- gleichsbemühungen und der Rede Sir John Simons, die den deutschen Ansprüchen in rüstungspolitischer Hinsicht gerecht wurde, wäre es verfehlt, aus dem englisch-französischen Gegensatz, der sich jetzt in Genf mit seltener Schärfe aufgetan hat, allzu große Hoff­nungen herleiten zu wollen.

Italien hat sich bei den Verhandlungen der letzten Tage eine außerordentliche Zurückhaltung auferlegt; das will aber nicht besagen, daß es nicht an der von Mussolini mehr als einmal fest­gelegten Abrüstungspolitik festhalten wird, und diese italienische Abrüstungspolitik gipfelt, was das Deutsche Reich anbetrifft, in der Anerkennung sei­ner wehrpolitischen Gleichberechtigungsforderung. Eine gewisse Sonderstellung nimmt Polen ein, das in Litwinows Beistandspaktplänen kein Heil erbllckt.

Auf der anderen Seite stehen Frankreich und die um Frankreich gruppierten Mächte: Sowset- r u ß l a n d, die T ü r k e i, die Kleine Entente, und teils sich überschneidend, die Mächte der Bal­kan-Paktes; sie alle machen in erster Linie die Sicherheit zu ihrem Leitmotiv, jene Sicher­heit, die in dem Plan eineseuropäischen Beistands- Saktes" man hat ein östliches und ein westliches iertragssystem und womöglich noch einen Mittel­meerpakt im Sinne ihren Ausdruck finden soll. Und diese Beistandspakte sollen, in Anlehnung an das berüchtigte Genfer Protokoll von 1924, aufge­baut sein auf der bekannten französischen Idee einer automatischen Kontrollgarantie. Diesen Zweck ver­folgt ja auch Litwinows famoseFriedens"- Konferenz, denn sie sollalle Mittel verfolgen, die die Sicherheit stärken könnten und rechtzeitig alle Maßnahmen treffen, um den Frieden zu sichern, wobei es sich um moralische, wirtschaftliche, finan­zielle oder auch andere Mittel handeln könnte". Frankreich und Rußland speziell sind, wie die Times" durchaus zutreffend bemerken, bestrebt, ein System von Defensivbündnissen gegen Deutsch­land auf der Grundlage der bewaffneten Macht zu bilden". Rußland will sich vor den französischen Ga­rantie- und Sicherheitswagen spannen, um dafür die Garantie seiner eigenen Grenzen durch Frank­reich, nicht nur in Europa, sondern auch im Fer­nen Osten einzutauschen. Als Sturmbock gegen das Deutsche Reich wird Sowjetrußland den Franzosen hochwillkommen sein; ob Frankreich aber zur Ge­genleistung, die eine Orientterung seiner ganzen weltpolitischen Konzeptton nach Moskau und Ver- Wicklungen mit Japan bedeuten könnte, bereit sein wird, ist eine andere Frage.

Diese Blockbildung in Gens kommt den Franzosen ungelegen. Sie hatten aus einen Ueberraschungssieg, ihrer Sicherheitsthese gehofft, aber nicht mit einem so entschiedenen Widerstand der von England ge­führten Mächtegruppe gerechnet, die nun nach der ongriffslustigen, aber vielleicht gerade durch ihren maßlos gereizten Ton verfehlten Rede Barthous den Spieß umdrehte und zusammen mit dem Prä- sidenten der Konferenz, dem Engländer Henderson, den Franzosen die Sorge für eine die Fortführung der Konferenzarbeit ermöglichende Entschließung zu­schoben. Nach langem Sträuben hat Barthou dann auch einen Entwurf vorgelegt, der in einer vertrau­lichen Besprechung mit Engländern und Amerika­nern so modifiziert worden ist, daß er nun als ein Kompromiß gelten kann, welches man im Haupt­ausschuß bei Vorbehalten Italiens, Polens und Per­siens immerhin zur einstimmigen Annahme gebracht hat. Das konnte aber nur dadurch gelingen, daß man, um möglichst allen Meinungen gerecht zu wer­den, Abrüstung, Durchführungsgarantien und re­gionale Sicherheitspakte zu einem undefinierbaren Brei zusammenmixte, dessen gänzliche Unverdaulich- feit sich sehr bald Herausstellen dürfte. Das inter­essanteste an dieser Entschließung ist der unver­hüllte Hinweis auf den leerenStuhlDeutsch- lands. Henderson sowohl wie die amerikanische und britische Delegation haben schon seit Beginn der Genfer Besprechungen die Meinung vertreten, daß es ohne Deutschlands Teilnahme keinen Sinn habe, die Konferenz fortzusetzen, wie ja auch eine Abrüstungskonvention ohne Deutschlands Mitwir­kung niemals praktisch werden könne. Barthou hatte dem anfangs mit schroffen, ironisch zugespitzten Wendungen widersprochen. Nun aber, wo er mit seiner eigenen These nicht jo schnell und restlos

Oie Weiterarbeit in Genf noch einmal erreicht.

Oie rettende Formel im Hauptausschuß angenommen. Man hofft auf direkte Verhand­lungen mit Deutschland. - Die wahren Schwierigkeiten sotten verschleiert werden.

Genf, 8. Juni. (DNB.) In der Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz, der be­kanntlich alle an der Konferenz teilnehmenden Staaten umfaßt, bezeichnete Barthou die Zu- ammenarbeit Englands und Frankreichs als eine wichtige Grundlage des Friedens. Er verlas dann nochmals den Entwurf und knüpfte an die wich­tigsten Abschnitte in freier Rede Bemerkungen. Bei der Stelle, die sich mit den besonderen Besprechun­gen der Regierungen befaßt, die das Ziel haben oll, den endgültigen Erfolg durch die Rückkehr Deutschlands zu erleichtern, betonte er, daß in dem ursprünglichen Text nur eine Andeutung auf Deutschland enthalten gewesen sei; ie sei aber zu deutlich gewesen, so daß man nun den Namen auch ruhig ausspreche n_ könne. Deutschland sei freiwillig ausgetreten, die Tür habe ich hinter ihm geschlossen, und nun müsse es frei­willig zurückkehren.Wir wollen keine Poli­tikoer Einkreisung, wir wollen sie nicht, ie liegt nicht in unseren Absichten und in unseren Taten." Frankreich habe allein zur Sicherung des Friedens Beziehungen mit einigen Staaten ange­knüpft.

Eden (England) erklärte, jetzt sei eine Lösung gefunden, die der Konferenz über d i e nächste Zukunft hinweghelse. Die Schwierigkei­ten seien in hohem Maße auf die Abwesenheit einer Großmacht zurückzuführen, deren Mitarbeit wesent­lich sei. Die Sache der Abrüstung und der 23er« tänbigung habe durch diesen Entschluß einen Schlag erlitten. Es sei zu hoffen, daß die Aenderung der Atmosphäre auch auf die Haltung der deutschen Regierung einen Einfluß ausübe und sie zur Wie­derbeteiligung an den Beratungen veranlassen werde.

Litwinow erklärte, man könne nicht erwarten, daß er von der Entschließung begeistert sei, ebenso­wenig, daß er sie ablehnen werde. Rußland fei nicht gegen d i e Rückkehr Deutsch­lands ; ohne jede Entschließung habe die Sowjet- Regierung mehr als alle anderen Regierungen dafür getan, um Deutschland zu dieser Konferenz und vielleicht zu den anderen internationalen Orga­nisationen zurückzubringen. Die von Rußland an­geregte ständige Friedenskonferenz werde man in Europa auf lange Zeit hinaus brauchen. Wenn er auch von den Militärs der Roten Armee sagen könne, daß sie die friedlichsten Leute seien, so dürfe man die wichtige Rolle, die die Militärs jetzt in dem Schicksal der Völker spielten, nicht übersehen.

Im Namen der sechs Neutralen erklärte der schwedische Außenminister Sandler, daß die Abrü st ungs frage nicht genügend hervorge- hoben sei. Die neutralen Staaten hätten ein besse­res Gleichgewicht zwischen den beiden Gruppen Abrüstung und Sicherheit gewünscht und behielten sich vor, ihre Auffassung im Laufe der Beratungen geltend zu machen.

Dann gab der italienische Vertreter Marchese di Soragna eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Die italienische Abordnung ist der Ansicht, daß die Wiederaufnahme der Arbeiten der Konfe­renz nur dann Wert hat, wenn diese im rich­tigen Geist und in Uebereinftimmung mit den wirklichen K o n f e r e n z z i e l e n vorge- nommen wird. Dazu fehlen aber noch eine ganze

Reihe wichtiger politischer Entscheidungen. Wir können zu keinem Beschluß unsere Zu­stimmung geben, der nicht der klare Ausdruck dieses Prinzips ist. Die italienische Abordnung wird diesem Prinzip auch im Hinblick auf die Ein­setzung der vorgeschlagenen Kommissionen treu bleiben, die für Italien nicht von Interesse sind. Da der Entschließungsentwurf dem Grundsatz der vorherigen Lösung gewisser politischer Fragen nicht Rechnung trage, könne ihm Italien nicht zu stimmen. Abgesehen von diesen Fragen der Methoden werde Italien aber der friedlichen und vollständigen Lösung der ernsten Probleme niemals seine Mitarbeit versagen.

Im Namen Polens machte Graf Raczynski

Genf, 8. Juni. (DNB.) Die auf Grund der englisch-französisch-amenkanischen Vereinbarung von der französischen Abordnung ausgearbeitete Ent­schließung hat folgenden Wortlaut:

Der Hauptausschuß zieht die Entschließungen, die ihm die Abordnungen der sechs Mächte, die Abordnung der Türkei und die Abordnung der Sowjetunion oorgelegt haben, in Erwägung; er berücksichtigt die Klarstellungen, die in seinen Arbeiten durch das französische Memorandum vom 1. Januar 1934, das italienische Memorandum vom 4. Januar 1934, das englische Memorandum vom 29. Januar 1934 und die deutsche Erklärung vom 16. April 1934 voraenommen worden sind; er ist überzeugt von der Notwendigkeit, daß die Konfe­renz ihre Arbeiten fortsetzt, um zu einem allgemeinen Abkommen über die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen zu gelangen; er ist ent­schlossen, die bereits unternommenen Studien un­verzüglich sor^usetzen.

(Er fordert das Präsidium auf, mit den von ihm für geeignet gehaltenen Mitteln und zum Zwecke der allgemeinen Annahme einer Abrüstungskonven- tion eine Lösung der in der Schwebe gebliebenen Fragen zu suchen, unbeschadet der besonderen Be­sprechungen, die die Regierungen etwa einleiten wollen, um den Enderfolg durch die Rückkehr Deutschlands zur Konferenz zu er­leichtern.

II.

Unter Feststellung der besonderen Wichtigkeit, die das Studium und die Lösung gewisser, seit Anfang der allgemeinen Aussprache hervorgetretenen Pro­bleme bieten, faßt der Hauptausschuß folgende Ent­schließung:

1. Sicherheit:

a) Da die Ergebnisse der früheren Studien der Konferenz seit einem Jahr den Abschluß ge­wisser regionaler Sicherheits abkom­men in Europa ermöglicht haben, beschließt der Hauptausschuß, ein Sonderkomitee zu er­nennen mit der Aufgabe, diejenigen Vorstudien fortzusetzen, die es für notwendig hält, um den Ab-

den Vorbehalt hinsichtlich der Ergebnisse der direk- ten Verhandlungen, fir.gte aber hinzu, daß es sich nur um eine Prozedurfrage handele. Schließlich machte der Vertreter Persiens den Vorbehalt wegen des Grundsatzes d er regionalen Pakte, von denen er eine Schuvächung des in den Artikeln 10 und 16 der Völkerd.undssatzung ausgesprochenen Gedankens der allgemeinen Unterstützung eines an­gegriffenen Staates befürchtete. Darauf stellte Hen­derson fest, daß die Entschließung mit den erwähn- ten Vorbehalten angenommen sei und berief den Hauptausschuß zu fviner nächsten Sitzung auf Montagnachmittag zusam men, damit er die weite­ren Maßnahmen auf Grund des angenommenen Arbeitsprogrammes treffen könne.

schluß der neuen Abkomme n der gleichen Art, die außerhalb der Konferenz verhandelt wer- den könnten, zu erleichtern. Es wird Sache des Hauptausschusses sein, die etmaigen Beziehungen dieser Abkommen zu der allgemeinen Konvention zu bestimmen.

b) Der Hauptausschuß beschließt, ein Sonde r« komitee zu ernennen mit ber Aufgabe, die Frage der Ausfuhrungsgantien zu studieren und die Arbeiten hinsichtlich der Kontrolle wieder auf­zunehmen.

2. Luftfahrt:

Der Hauptausschuß beauftragt fein Luftfahrt­komitee, sofort das Studium der in seiner Entschlie­ßung vom 23. Juli 1932 unter her RubrikI. Luft­streitkräfte" bezeichneten Fragen wiederaufzu- nehmen.

3. Waffenhersta'lung und Waffenhandel:

Der Hauptausschuß fordert feftn Sonderkomitee für die Fragen der Waffenherstellung und des Waffenhandels auf, sofort seine Arbeiten wieder­aufzunehmen und ihm im Dichte der Erklä­rung, die der amerikanische Vertreter am 30. Mai 1934 abgegeben hat, in kürzestmögücher Frist über die Lösungen, die er empfiehlt, zu berichten.

Diese Ausschüsse sollen nebenbeiiumber arbeiten. Das Büro hat die Aufgabe, die Ergebnisse zusam- menzufassen.

III.

Der Hauptausschuß überläßt es tem Präsi­dium, im geeigneten Augenblick b i e notwen­digen Maßnahmen z u ergreifen, damit er, wenn der Präsident ihn einberuft, soweit wie möglich einen vollständigen AbkommensLntwurf vor­findet.

IV.

In Anbetracht dessen, daß der DorscHlagder russischen Abordnung, bte Konferenz unter der Bezeichnung als Friedenskonferenz In Permanenz zu erklären, ein aufnnerksames Studium erfordert, bittet der Hauptausschuß den Präsidenten, die Regierungen mit diesem Porschlag zu befassen."

Oer Wortlaut der Entschließung

parisfeierteinenGieg"Barthou6

Die französischen glische Freundschaft gerettet.

Lurchzudringen vermag, wie man es sich in Paris I wohl gedacht hatte, scheint es ihm plötzlich zweck­mäßig auch seinerseits sich dem Wunsch nach Rück­kehr Deutschlands auf die Abrüstungskonferenz an- zuschließen. Nach allem Vorausgegangenem wird mau uns einiges Mißtrauen nicht verargen dürfen und uns die Frage erlauben, ob Herr Barthou uns vielleicht als Sündenbock zu mißbrauchen gedenkt, den die Schuld am Scheitern der Abrüstungskonfe­renz trifft, wenn er sich weigert, der Aufforderung, nach Genf zurückzukehren, Folge zu leisten? Den Glauben an eine ehrliche Bereitschaft zur Zusammen­arbeit ohne Hintergedanken und innere Vorbehalte hat uns Herr Barthou ja gründlich ausgetrieben. Der Wink mit der Gleichberechtigung genügt also nicht mehr, uns von unserer erst nach einem langen Geduldspiel eingeschlagenen gradlinigen Marsch­route wegzulocken. Die diplomatischen Verhandlun­gen, zu deren Versanden ganz allein Frankreichs Starrheit die Ursache gab, haben hinreichend die deutsche Bereitwilligkeit zum Abschluß einer Abrü­stungskonvention erwiesen, wenn in ihr Deutsch­lands Anspruch auf Gleichberechtigung auch nur im bescheidensten Ausmaß praktisch Rechnung getragen wird. Das ist Deutschlands letztes Wort. Mit der Liquidierung der Genfer Konferenz mögen diejeni­gen sehen, wie sie fertig werden, die mit ihrer Po­litik der Obstruktion und Verschleppung Deutsch­land einst gezwungen haben, sich von einer Dis­kussion zurückzuziehen, die um Herrn Simon zu zitteren nur um der Diskussion willen fort­gesetzt wurde.

Italien lehnt scharf ab.

Mailand, 9. Juni (DNB.- Funkspruch). Das Genfer Kompromiß stößt in der italienischen Presse auf entschieden st e Ablehnung. Die lieber« schristen der Genfer Berichte kennzeichnen die Genfer Formel einhellig als Maskierungsversuch des völligen Bankerotts der Konferenz. Italien habe an ihr nicht teil und werde, falls es in dem zu bildenden Komitee vertreten sei, nur als Beobachter auftreten.Popolo d'Italia" schreibt, die Franzosen und Engländer hätten einer Vereinbarung Leben gegeben, die tatsächlich auf Zweideutigkeiten basiere und versuche, fundamentale Unstimmigkeiten und den Zusammen­bruch der Konferenz zu v e r s ch l e i e r n. An einer so wenig ehrlichen Formel habe die italienische Delegation nicht den gering ft en Anteil. Die vereinbarten Punkte könnten als Versuch Frankreichs interpretiert werden, unter der Aegide des Völkerbundes Flotten- und Militär­allianzen zu bilden. Mehrere Punkte seien völlig absurd.Corriere della Sera" schreibt: Die öffentliche Meinung werde in den Worten des italienischen Delegierten die Absage an solche nutzlosen Kompromisse geben. DieStam- pa" äußert, man habe einer grotesken Far­rn e l zugestimmt. Bei den vorgeschlagenen Verein­barungen handele es sich um Dinge von allerge­ringstem Interesie, die gar keine Bedeutung hätten, solange nicht vorher einige politische Fragen gelöst feien, angefangen mit der Rück­kehr Deutschlands nach Genf.

Paris, 9. Juni. (DNB.-Funkfpruch.) Der fran­zösische Außenminister, der dem heute vormittag zu- sammentretenden Kabinettsrat über die Genfer Ver­handlungen Bericht erstatten wird, darf der ein­mütigen Zustimmung seiner tDl i n i ft e r tolle gen versichert fein. Die Presse tut natürlich das Ihrige, die Annahme des Entschließungsent­wurfes in Genf als einen großen persön­lichen Erfolg Barthous und der franzö­sischen Diplomatie gebührend zu feiern. Barthou habe nicht nur die Manöver, durch die Frankreich die Verantwortung für das Scheitern der Konferenz aufgebürbet werden sollte, durchkreuzt, sondern auch seine ursprüngliche Entschließung mit geringen Abänderungen durch gedrückt, so daß der französische Sicherheit st and- punkt letzten Endes doch gesiegt habe. Dor allem habe er d i e französisch-englische Freundschaft gerettet und gleichzeitig die französisch-englische-amerikanifche im September 1933 durch die Pariser Verhandlungen geschaffene mora­lische Front wieder hergestellt. Das etwa sind die Leitgedanken, in denen die Blätter sich bewegen und die außerdem die erste Auswirkung des fran­zösischenTriumphes" in einer Einladung Macdonalds an Barthou, nach London zu kommen, erblicken wollen. Der Besuch wird in der ersten Iuliwoche erfolgen. Nach Ansicht des Excelsior" dürste derFall Deutschland" in dem Mittelpunkt der Besprechungen stehen.Le Jour" führt die Einladung auf die Furcht vor der Bildung eines französisch-russischen

London, 9. Juni (DNB.-Funkspruch). Die eng­lische Presse schenkt dem soeben eröffneten inter­nationalen Kricket-Kamps zwischen Eng­land und Australien, dem größten Ereig­nis der diesjährigen Sportsaison, eine weit größere Beachtung als der Genfer Kompromißlösung. Keine Zeitung zeigt irgendwelche Begeisterung über die von der Abrüstungskonferenz angenommene Formel, der man höchstens den Vorzug einräumt, eine versöhnlichere Atmosphäre" geschaffen zu haben. Die Möglichkeiten einer Rückkehr Deutschlands nach Genf, die im ersten Para­graphen der Entschließung angebeutet sind, werden sehr skeptisch beurteilt. Die Blätter lassen sich aus Berlin melden, daß Deutschland nicht daran denke, von seinem Standpunkt abzugehen, daß zuerst die deutsche Gleichberechtigung g e s i cy e r t sein müsse, bevor Deutschland zurück­kehren könne.

Der diplomatische Mitarbeiter der franzojen- freundlichenMorning Post" schreibt, die Genfer Entschließung wiederhole nur die von den

Blocks zurück und warnt vor illusorischen Hoff­nungen auf die Erneuerung der entente condiale, begrüßt aber dennoch die Annäherung Englands an Frankreich, weil somit das Schlimmste ver­hütet werde.

Wir haben uns mit England wieder versöhnt", schreibtOeuvre",so daß die Note vom 17. Aipril kein Hindernis mehr für unsere guten Beziehumgen ist, obwohl wir keineswegs nachgegeben haben. Wkr haben unseren Standpunkt gegenüber Deutschland aufrechterhalten und durch England, Amerika und ganz Europa die französisch-ruf fische Kontinentalpolitik, die wir künftig be­treiben wollen, anerkennen lassen." Daß Barthou die Abrüstungskonferenz gerettet habe, ist auch die Ansicht desJournal" und desEcho de Paris", die jedoch nicht in dem Weiterdest^hen einiger Organismen bas Wesentliche erblicken, son­dern in den jetzt beginnenden diplomatischen Verhandlungen.Die Zukunft hängt mehr von den Ereignissen außerhalb Genfs ab", schreibtJournal",als von künstlichen Mitteln, die lediglich dazu bestimmt sind, einen offenen Bruch zu vermeiden." AuchEcho de Paris" häll das getroffene Kompromiß für recht beschei­den und sogar ä u ß e r st u n b e fti m m t. Es er­halte die Konferenz für einige Monate am Leben. Aber während dieser Frist werde man feststellen können, ob es möglich sei, Deutschland für die Rück­kehr nach Genf zu gewinnen, damit es dort in ein Friedenssystem eingespannt" werde.

verschiedenen Parteien seit dem Austritt Deutsch­lands behaupteten Standpunkte, weise aber nicht den Weg, wie Deutschland zurückgebracht werden könne. Dies erfordere wahrscheinlich noch viele Verhandlungen, falls nicht entweder Deutsch­land oder Frankreich ihren Ton änderten. Die Deutschen würden es wahrscheinlich nicht tun, und die Hoffnungen der englischen Regierung rich­teten sich daher auf einen Wechsel in Paris. Diese Hoffnungen gründeten sich auf die Erwä­gung, daß Frankreich jetzt zugänglicher für eine Wiederausrüstung Deutschlands fei (?), nachdem es draus und dran ist, mittels eines von Rußland garantierten Ostlocarno Sicherheit zu erhalten. 3" einem Leitartikel erklärt dasselbe Blatt, daß eine Abrüstungsvereinbarung nicht um einen Zoll näher- gerückt fei, denn die neue Genfer Formel fei eine leere Attrappe, die nicht im geringsten zur Schließung der beutsch-franzosischen Kluft beitrage.

Daily Telegraph" sagt: Die vorgesehenen neuen Ausschüsse werden die Abrüstungskonferenz etwa auf den Stand der vorbereitenden Abrüstungs-

Die englische presse nninieressierl und skeptisch.

Oie Genfer Einigungsformel eine leere Attrappe.

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