Nr. 132 Erstes Matt
184. Jahrgang
Samstag, 9. Juni 1934
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MchMtmichtsmWer Aust verkündigt den Staatsjugendtag.
Oer Gon ntag gehört der Familie. — Oer sechste Tag der Woche dient zur nationalsozialistischen Erziehung der Jugend.
München, 9. 3uni (DNB.) Zum ersten Male seit der Schaffung eines einheitlichen Reichs- ministeriums für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung weilti- dessen Leiter, Pg. Bernhard R u st, in München. Die Zusammenkunft des Reichsministers mit der /oanerischen Staatsregierung galt Besprechungen un'o Beratungen über eine Reihe vordringlicher Fw) Hf ragen. Den Abschluß der Verhandlungen bildete eine Massenkundgebung des NS.-Lehrerbundes im Zirkus Krone, auf der nach einleitenden Darbietungen aus den „Meistersingern" als ersten Redner Kultusminister S ch e m m ausführte, daß der unerschöpfliche Lebensquell die natioo.alfozialistische Weltanschauung, die deutsche Art und das deutsche Wesen sei. Die Schule kann nie Selbstzweck fein. Lehrer und Erzieher müssen immer mitten im Leben stehen. Den alten Schulen hat vor allem eins gefehlt, nämlich die Kameradschaft. — Weiter betonte der Staatsminister, daß er gar nicht daran denke, die Le^rnschule oder die Arbeitsschule auszuschalten. Bside aber müßten der Charakterschule untergeordnet sein.
Reichsuntemchtsminisier Aust nahm dann 'das Wort. Adolf Hitler schuf die Gegenwart, so scigte der Minister u. a.; die Kolonnen der deutsch- n Fugend, die heute marschieren, werden sich in' der Zukunft selb st behaupten müssen. 7)ie Vorbereitung hierzu liegt beim d e u t s ch n E rz i e h e r. Diejenigen, die Hitlers Erbe einst zu vollenden haben, können nur durch Nationalsozialisten erzogen werden. Elternhaus und Schule formen das Kind. Die Bewegung ist berufen, da für zu sorgen, daß die nächste Generation benKampf besteht. Das Schicksal hat die lebende Generation geglüht im Ofen des Leides. Die for/.imen, ukissen nichts davon, sie müssen also rechtzeitig erzogen sein für ihre große Aufgabe. llnb so kommt denn zwangsmäßig eine Er- scheinuing, die auf dem Gebiete der Erziehung neben Lehrer und Elternhaus mit einem Male neu 'in die Erscheinung tritt, die 53 u g e n b ■ selb /st, die unter der Fahne Adolf Hitlers steht. Nationalsozialist wird man nur im Lager und in d!er Kolonne. Wenn die Hitlerjugend heute die Atritik viel zu spüren bekommt, bann sage ich öfter/., ich stehe zur Fugend.
77un beginnt der Streit um die Zeit tyr Jugend, und Schule und Elternhaus und ff; 3. machen sich diese Zeit strittig mit dem Erfolg, daß keiner etwas hat. Ich habe es als meine erste Aufgabe angesehen, hier einzugreifen. Ich gehe von dem Grundsatz nicht ab und ich werde dafür sorgen, daß die Schaffung einer deutschen Staatsjugend nicht vergessen wird. Die ewige Zelle eines großen Volkes ist und bleibt die Familie. Ich habe daher im Einvernehmen auch mit der Führung der H3. eine klare Teilung vorgenommen: die Schule solle bekommen, was der Schule ist. Ebenso die HI. und die Eltern, was ihnen gehört. So habe ich den Sonntag wieder zum Tage der Familie gemacht. Den siebenten Tag der Woche der deutschen Familie. Den 6. Tag gab ich der deutschen Staatsjugend. Es wird darüber weder die deutsche Schule, noch das deutsche Volk zusammenbrechen. Denn an den übrigen Schultagen haben wir dann frische Buben und Mädels in unseren deutschen Schulen.
Es wirb eine neue Grunbeinteilungbes Jahres zu vollziehen sein, damit im Sommer alljährlich die Möglichkeit gegeben wirb, bie L e h- rcr ohne Unterschied des Faches zu sammeln unb sie wissenschaftlich, sportlichunbnatio- nalpolitisch zu überholen. Fn biesen Lagern gibt es keine erste unb keine zweite Klasse. Am Ende ber Uebungszeit wirb jeber seine Beurteilung bekommen. Es wirb niemanb in Deutschlanb daran gehindert, seine besonderen fachlichen Arbeiten und Studien zu betreiben. Was ich aber nicht brauche, ist Fachberatung, die hole ich mir, wo ich sie brauche. Fch werde mir Männer zur Fachberatung holen —und ich werde das bestimmt nicht unterlassen — die im ganzen Volke verstreut sind. Fch versichere: Wir wollen keine Zentralbürokratie. Wir brauchen auch eine ft a r k e fachliche Schulung u n s e r e r I u g e n d. Wir werden politisch niemals klein zu trugen fein, wenn wir Zusammenhalten. Aber wir müssen auch noch etwas anderes. Wir müssen auch das tägliche Brot uns selbst schaffen. Höchste Leistungsfähigkeit des deutschen Qualitätsarbeiters und umgestellte Forschung des deutschen Wissenschaftlers ist die Voraussetzung dazu. Den Führer hat nicht Gold und Macht geführt, sondern d er f elf e n feste Glaube an die unzerstörbare Kraft seines deutschen Volkes. Mr stehen nun- mehr am Anfang einer Neubildung des deutschen Erziehungswesens. Deutsche Eltern und Grjuber. Fch rufe Euch auf, nun mit mir auch diesen beut» chen Glauben zu zeigen, um Deutschlanb zu einem Volke zu machen.
Oer Oank der HI.
B e r I i n , 9. Funi. (DNB.) Fn einer Mitteilung tDes Reichsjugenbpressebienstes heißt es: Freitag-
abenb hat der Reichsminister für Erziehung und Unterricht eine entscheidende Neuerung des nationalsozialistischen Deutschland bekanntge- geben: den Staatsjugendtag. Eine wahrhaft nationalsozialistische Tat ist geschehen. Durch diesen revolutionären Schritt hat Reichsminister Rust der HI. die Möglichkeit gegeben, die 6 Millionen deutscher Jungens und Mädels, die in ihrer Organisation zusammengefaßt sind, an einem ganzen Tag in deutscher Staatspolitik zu schulen und dadurch das Vermächküis Adolf Hitlers in die kommenden Jahrhunderte wei- terzugeben. Dieses Abkommen zwischen dem
Reichsminister Rust und dem Reichsjugendführer Baldur v. Schirach stellt das Ergebnis von Verhandlungen dar, die zu einem schnellen positiven Abschluß führten, weil sie von dem Geist des jahrelangen besonders herzlichen Verhältnisses zwischen dem Reichsminister und dem Reichsjugendführer getragen waren. Reichsminister Rust hat sich durch diese Tat zur HI. bekannt und er und mit ihm der nationalsozialistische Staat haben damit die Erziehungsarbeit der HI. als einen entscheidenden gleichberechtigten Faktor der Erziehung der deutschen Jugend neben der Schule unb b e m Elternhaus bestätigt.
Schwere Bombenanschläge auf drücken internationaler Sisenbahnjirecken in Oesterreich.
Wien, 9. Juni. (DRV. Funkspruch.) In der heutigen Nacht sind zwei schwere Bomben« anschlägeauf Eisenbahnbrücken der großen internationalen Strecken verübt worden. Auf der V a h n- linie Wien—Salzburg — Innsbruck — Zürich wurde bei Vöcklamarkt auf die Eisen- bahnbrücke ein Vombenattentat verübt. Nach polizeilichen Mitteilungen ist die Eisenbahnbrücke derart beschädigt, daß mit einer sechs- tägigen Unterbrechung des Verkehrs gerechnet werden muß. Der Schnellzug Wien- Paris, der zehn Minuten nach dem Anschlag die Brücke passieren sollte, konnte gerade noch rechtzeitig angehalten werden.
Ein weiteres Vombenattentat ist auf der Strecke Wien — Triest zwischen Semmering und Breitenstein verübt worden. Nähere Einzelheiten stehen vorläufig noch aus.
Aus der w e st b a h n st r e ck e müssen die Züge
bis zur zerstörten Brücke von Vöcklamarkt herangeführt werden. Dort müssen die Reisenden aussteigen und werden über eine rasch errichtete Notbrücke geleitet, worauf sie dann in einen neuen Zug einsteigen können. Aus der Südbahnstrecke wurde der O-Zug-Fernverkehr über Bruck— Leoben—Selzlal auf die Westbahnstrecke u m geleitet. Das bedeutet für alle aus dem Süden kommenden Fernzüge eine Verspätung von vielen Stunden. Es besteht die Vermutung, daß es sich auch bei diesen Anschlägen genau wie bei den großen Anschlägen zu den pfingsifeiertagen, um die von langer Hand vorbereiteten Anschläge marxistischer Spreng- kolonnen handelt, die mit außerordentlicher Sachkenntnis, aber auch mit großer Kühnheit zu Werk gegangen sind. Besonders die Sprengstelle am Semmering befindet sich an einem ziemlich unzugänglichen Ort.
Generaiinspekleur Todt eröffneldieMünchenerAusstellung„DieSlraße"
München, 9. Juni. (DNB.) Heute vormittag wurde in München in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste die Ausstellung „Die Straße" eröffnet. Dabei hielt der Generalinfpckteur für bas beutfche Straßenwefen, Dr. Tobt, eine Ansprache, in der er u. a. folgende Gedanken ausführte: Seit es Menschen gibt, ist die Straße Kulturträger, ist Weg und Steg unablässig verbunden mit dem Menschen. Neben der Hütte und dem Acker, der Siedlung ist das erste, was der Mensch sich richtet, sein Weg, die Straße. Im primitivsten Stadium der Entwicklung hat die Straße ihre Bedeutung. Sie behält die gleiche Bedeutung in Zeiten höchstentwickelter Kultur. Immer in der Geschichte setzte in Zeiten einer aufsteigenden kulturellen Entwicklung und in Zeiten einer kraftvollen Machtentfaltung eine besonders lebhafte Tätigkeit im Straßenbau ein. Es ist eine erneute Bestätigung dieser geschichtlichen Zusammenhänge, daß im nationalsozialistischen Staat schon elf Tage nach der Machtergreifung, der Führer sein großzügiges Straßenbauprogramm angekün- bigt hat, das innerhalb Jahresfrist in ganz großem Umfang in Angriff genommen wurde und an ein
zelnen Stellen schon der Vollendung entgegengeht. Das Gesamtprogramm des deutschen Straßenbaues ist wichtiger Bestandteil des großen vom Führer eingeleiteten Planes der Motorisierung des Verkehrswesens.
Wenn die Reichsregierung auf Veranlassung des Führers schon im ersten Fahr des gewaltigen Bauprogramms ber Reichsautobahnen, in dem noch nichts Fertiges gezeigt werden kann, die Ausstellung „Die Straße" veranstaltet, so hat sie dafür verschiedene Beweggründe. Das Fnteresfe an der Straße soll bei der gesamten Nation wieder geweckt werden. Jahrzehntelang war die deutsche .Landstraße ein Stiefkind, vernachlässigt von denen, die sie benützten. Fetzt soll die von Fahr zu fFahr wachsende Zahl der Kraftfahrer voll Anteil nehmen an der Gestaltung ihrer Wege. Das Volk soll wissen, wie die Lebensadern der Nation gestaltet werden. Nur bei einer regen Anteilnahme ber gesamten Nation an einem derartig gewaltigen Bauvorhaben kann ein solches Werk organisch aus dem Volk heraus entstehen unb organisch in bie Nation hineinwachsen.
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Strafgefangene sollen 50000 Hektar Moor im Ausland Initiieren.
Ein Riesenprogramm des
An ber hollänbischen Grenze liegen die großen Moore des E m s l a n b e s. Ihre Kultivierung ist seit Jahren geplant unb stellenweise in Angriff genommen. Jetzt hat der preußische Justizminister Kerrl ein Projekt ausgearbeitet, bas bie Arbeit der Strafgefangenen für die Kultivierung dienstbar machen will. Dieser Plan sieht vor, rund 50 000 Hektar in Kulturland umzürn a n d e l n (vergleichsweise sei erwähnt, daß bie berühmte Urbarmachung ber pontinifchen Sümpfe durch bas neue Italien 75 000 Hektar erfaßte). Die ersten Arbeiten im Moor würben vo n Schutz- Häftlingen geleistet, die nunmehr im weitesten Umfange durch Strafgefangene ersetzt worden sind. Es bestehen jetzt in den verschiedenen Moorgebieten vier Lager. Die Zahl ber Lager soll in Kürze a u f a ch t e r h ö h t werben. Zur Durchführung bes Gesamtplanes finb im ganzen 21 Lager erforderlich. Für bie Justizverwaltung bebeutet bie Unterbringung einer so großen Zahl von Gefangenen gleichzeitig eine wesentliche Entlastung ber stärk überbelegten Zuchthäuser unb Gefängnisse unb gibt ihr vor allem bie Möglichkeit, ber katastrophalen Arbeitslosigkeit in ben Gefangenenanstalten wirksam zu begegnen, ohne sich bem Vorwurf einer Konkurrenz des
preußischen Zustizministers.
freien Handwerks oder Gewerbes auszusetzen.
Die Arbeiten werden unter Leitung der Kultur- und Kulturbauämter unb unter Zuziehung sachoerstänbiger Moorfachleute ausgeführt. Zunächst werden Wirtschaftswege angelegt unb Entwässerungsanlagen (Vorfluter) geschaffen. Die Bearbeitung des Moores felbst ist verschiedenartig, je nachdem es sich um Niederungsmoor ober Hochmoor handelt. Welche große wirtschaftliche Bedeutung ber Torfgewinnung zukommt, mag man daran ermessen, daß die Moore des Emslandes annähernd 150 Milliarden Kilowattstunden erzeugen, d. h. den ganzen Stromverbrauch des Deutschen Reiches auf acht bis zehn Jahre decken könnten. Die Ankaufs- unb Kultivierungskosten zur Durchführung des Gesamtprogrammes erfordern rund 44,5 Millionen RM. In welcher Zeit sich das Gesamtprogramm verwirklichen läßt, hängt im wesentlichen davon ab, wie schnell die erforderlichen Mittel verfügbar gemacht werden können. Wenn alle 21 Lager sofort in Betrieb genommen werden könnten, wären 12 Jahre nötig, um dieses Niesen- Werk der Kultivierung von 50 000 Hektar Moorboden zum Abschluß zu bringen.
Ser verschleierte Bankrott.
Don den beiden diplomatischen Paralleloeranstal- tungen in Genf, Abrüstungskonferenz und Völker» dunbsrat, hat letzterer seine Frühjahrstagung bereits beendet, unb zwar mit einem für Deutschlanb durchweg erfreulichen Ergebnis, so problematisch unb lückenhaft auch im ganzen genommen ber Ertrag seiner Arbeit auch biesmal gewesen ist. Der Dölkerbunbsrat hat sich ber ihm im Versailler Vertrag zugewiesenen Aufgabe unterzogen, für die Volksabstimmung im Saargebiet mit dem 13. Januar 1935 den frühestmöglichen Termin feftaulegen unb außerbem Maßnahmen für einen ordnungsgemäßen Verlauf ber Abstimmung zu treffen. Darunter fehlt allerbings zuguterletzt boch noch eine ber wichtigsten, nämlich bie Ernennung ber aus drei Neutralen gebildeten A b - stimmungskommission. Man hatte die Schweiz, Schweden und Holland dazu ausersehen, je ein Mitglied dieser für den reibungslosen Verlauf der Abstimmung mit ungemein wichtigen Aufgaben betrauten unb baher auch mit besonderen Vollmachten ausgestatteten Kommission zu fteüen. Aber nachdem der anfangs für diesen Posten ausersehene Schweizer bas an ihn gerichtete Ersuchen abgelehnt hat, scheint bie Suche nach einem Ersatz bisher erfolglos geblieben zu fein, fo daß ber Dölkerbunbsrat auseinanbergegangen ist, ohne biefe ihm noch obliegende Aufgabe erfüllt zu haben. Wir möchten nur wünschen, daß damit nicht ber vom Generalsekretär bis hinab zu ben Tippfräuleins mit Franzosen unb Franzosenfreunden durchsetzten Völkerbundsbürokratie im letzten Augenblick eine für uns gewiß höchst unerwünschte Möglichkeit eröffnet wurde, um ihren Einfluß spielen zu lassen.
Bei der ganzen Behandlung der Saarfrage in Genf ist das eine wieder einmal ganz deutlich geworden: der Völkerbund als solcher unb seine Organe finb ebenso unbeweglich wie unfähig zu schnellen unb präzisen Entschlüssen, daß das Saarproblem vermutlich genau fo auf die lange Bank geschoben worden wäre, wie die vielen andern internationalen Angelegenheiten, die seit Jahr unb Tag vor dem Genfer Forum fruchtlos hin- unb hergezerrt werben, wenn nicht bie an ber Saar- abstimmung allein interessierten beiben Mächte Frankreich unb Deutschlanb unter Vermittlung einer dritten gänzlich uninteressierten und daher auch wahrhaft unparteiischen Macht, nämlich Italiens in direkter Aussprache sich über alle wesentlichen Punkte der bei der Volksabstimmung zu beobachtenden Form geeinigt und auch untereinander Garantien für die Freiheit der Abstimmung ausgetauscht hätten, so daß dem Dölker- bundsrat tatsächlich nichts zu tun übrig blieb, als zu dem bereits Erreichten seinen Segen zu geben. Wie notwendig es aber ist, daß der Dölkerbunds- rat jetzt nicht auf feinen nicht selbst verdienten Lorbeeren ausruht, sondern mit aller Beschleunigung den Abstimmungsapparat aufzieht und vor allem die Abstimmungskommisfion in Funktion treten läßt, das sieht man aus den krampfhaften Bemühungen des famosen Herrn Knox, Präsidenten ber Regierungskommission bes Saargebiets, solange ihm noch bas Felb allein gehört, in aller Eile noch ein paar „Fälle" zu konstruieren, mit ber er seine Behauptung beweisen kann, Ruhe unb Drbnung im Saargebiet sei ohne erhebliche Verstärkung ber Polizeikräfte nicht aufrechtzuerhalten. Die Vorgänge in Saarlouis, wo Knox dem Bürgermeister die Polizeigewalt entzog, weil dessen Polizei angeblich einem Ueberfaü auf die Geschäftsstelle der Saarländischen Wirtschafts-Vereinigung untätig zuge- schaut hat, ist ein typisches Beispiel für die Torschlußpanik der Herren von der Regierungskom- Mission und ihrer Freunde aus dem Emigrantenlager.
In Wahrheit handelte es sich in Saarlouis um Ausschreitungen zweier stadtbekannter Trunkenbolde, ehemaliger Kommunisten, die dann bei der Wirt- schaftsoereinigung, einem separatistischen Unternehmen, Unterschlupf fanden, aber auch hier bald wieder ausschieden, und sich nun an ihrem ehemaligen Kumpan, dem Geschäftsführer ber Vereinigung, reiben wollten. Eine lächerliche Affäre, wie sie überall zu den Alltäglichkeiten gehört und so auch von ber Polizei zweckmäßig dehanbelt wurde. Aber Fran- zöslinge unb Emigranten müssen schon mit solchen Bagatellen vorlieb nehmen, um Herrn Knox Unterlagen für bie „unparteiische" Betätigung feiner landesverräterischen Fürsorge für die Saarländer zu geben. Unter Leitung des berüchtigten Separatistenhäuptlings Dr. Hector wurde vor der Geschäftsstelle der Wirts^aftsvereinigung aus zusammengeschleppten Einrichtungsgegenständen eine Szene gestellt und photographiert, die marxistische und Emi- grantenpresse schrie Zetermordio über diesen neuen „Terror" der Deutschen Front, die in Wahrheit an dieser reinen Separatistenkeilerei in keiner Weise beteiligt ober interessiert war, unb Herr Knox holte zum Schlage gegen ben Bürgermeister aus. Das Zu- sammenspiel zwischen Separatisten unb Regierungskommission hatte roieber einmal rounberbar geklappt. Damit aber enblich dieser jeder Unparteilichkeit hohnsprechenden und die eingesessene Bevölkerung Bes Saargebiets ungemein aufreizenden Methode radikal ein Ende gemacht wird, ist es Pflicht des Völkerbundsrats und aller beteiligten Stellen, für die beschleunigte Ingangsetzung des Abffimmungs- apparats Sorge zu tragen. Vielleicht können bann bie Saarbeutfchen vor ihrer Rückkehr ins Reich noch erfahren, was wahre Unparteilichkeit heißt. Bisher haben sie ja von ihr wenig genug zu spüren bekommen.
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Währenb also in ber Saarfrage durch eine direkte Aussprache ber beiben interessierten Mächte unter ber sehr geschickten Vermittlung Italiens eine Einigung geglückt ist, finb bie Aussichten für eine VerstäNbigung auf der Ab-


