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Die erzieherische Aufgabe -er Deutschen Arbeitsfront.

Staatsrat Ley zur Eröffnung der Reichsberufswettlämpfe.

Köln, 8. April. (DNB.) Bei der feierlichen Er- offnung der Reichsberufswettkämpfe, Gruppe Me­tall, erklärte im Kölner Gürzenich Staatsrat Dr. Ley, der Führer der Deutschen Arbeitsfront und Stabsleiter der PO., u. a.: In 10 Monaten find 4,5 Millionen Mitglieder aus 111 übernommenen Ver­bänden auf 20 Millionen Mitglieder in der Deut­schen Arbeitsfront angewachsen. Aus der stärksten Klassenorbanisation ist in zusammengedrängter, kür­zester Zeit die größte Gemeinschaft ge­baut worden. Und diese Deutsche Arbeitsfront ist beute genau so organisiert wie die Partei. In der Arbeit, in der kleinsten Gemeinschaft, im Block, gilt es nun, Anständigkeit und Ehre jedes einzelnen zu prüfen und zu werten. Hier muß jeder zeigen, wer er ist, keiner kann in der Misse untergehen und sich um seine Stellung­nahme zur Frage der Gemeinschaft drücken.

Das nationalsozialistische Deutschland hat aber auch als erstes erreicht, daß in einem Block Unternehmer und Arbeiter zusam- mengeschweißt wurden und dort auf ihre anständige Gesinnung hin geprüft werden können. Für die Partei ist das Fundament der Organisa­tion die Familie, für die Arbeitsfront ist der Betrieb die Grundlage. Die erste wichtige Aufgabe der Deutschen Arbeitsfront ist, den All-, tag des Menschenzu ordnen, d. h. sich um olles zu kümmern, was den Arbeitsplatz, das Ver­hältnis der Menschen untereinander in ihrer Arbeit betrifft. Sie hat die Betriebsgemeinschaft als treue Kameradschaft herzustellen.

Die zweite Aufgabe der Deutschen Arbeitsfront ist die Fortentwicklung des schaffen­den Menschen. Die deutsche Berufserziehung hat

sich das Hochziel gesteckt, aus jedem deutschen Menschen einen hochwertigen Fach­arbeiter zu machen. Wenn andere Völker mit Kuli-Arbeit Erzeugnisse schaffen und damit die Welt überschwemmen, so wollen wir uns bewußt Jon der Konkurrenz mit diesen Völkern fernhalten. Auf Grund der Hochwertigkeit seiner Rasse ist der Deutsche befähigt, neue Wege zu suchen und neue Werte zu schaffen. Deshalb wollen wir unser gesamtes Berufsschulwesen an die Betriebs­organisationen angliedern, damit in Anlehnung an neue Erfindungen und an das Fort­schreiten des Betriebes unsere Jugend geschult wird.

Daneben wollen wir dann den lebendigen Austausch der einzelnen in einzelnen Berufsgruppen für alle schaffenden deutschen Menschen fördern. Das ist das große und schöne Ziel der Berufswettkämpfe. Während sich bisher nur Spezialisten weiterbildeten und die Er­folge an gleichen Zielen arbeitender anderer Spe­zialisten verfolgten, soll nun die große Masse die fortschreitende Entwicklung der Arbeitsmethoden beobachten. Und wenn wir im Wettkampf Höchst­leistungen schaffen, dann werden wir auch das höchste Ziel erreichen, den wahren und höchsten Sozialismus, der sich darin erfüllt, daß er jeden Menschen auf den Platz stellt, der feinen Fähigkeiten und seinen Nei­gungen voll entspricht, der ihn nicht zer­stört und zermürbt und der ihn n i cht z u m Leer­lauf zwingt. Deutschland ist heute unter seinem Führer Adolf Hitler zu den gewaltigsten Anstren­gungen bereit, und es wird sein Ziel erreichen, weil es die Fähigkeiten dazu hat.

Belebung -er Wirtschaft wachsen-es Volkseinkommen.

Steigerung der Erzeugung und des Znlandabsatzes. Die Schwierigkeiten des Exports und der Oevisenlage.

Berlin, 8. April. Die R e i ch s b a n k hat den starken Ansprüchen am Quartalswechsel in vol­lem Umfang gerecht werden können. Sie gingen weit über die Vorjahreshöhe hinaus. Ein Beweis dafür, daß die Steigerung der Erzeu­gung unaufhaltsam fortschreitet. Diese Belebung, die auch eine Steigerung des Volkseinkommens be­deutet, wirkt sich auch in Industrien aus, die nicht unbedingt notwendige Verbrauchsgüter herstellen. So Ist die Erzeugung und der Umsatz der Z i ga­re t t e n i n d u st r i e zur Zeit so hoch, daß er den Umsatz von 1927/28 erreicht hat. Die Erhöhung des Einlagenbestandes bei den Spar­kassen hat seit Ende 1933 um mehr als 1 Millarde Mark zugenommen. Weiter meldet die Großeisenindustrie, daß nicht nur der Auftragsbestand gut ist, sondern auch die wachsende Erzeugung glatt abgesetzt werden konnte. Die Mehrerzeugung der Großeisenindustrie ist ebenso wie beim Steinkohlenbergbau in der Hauptsache vom Inland ausgenommen worden. Es ist also eine wesentlich stärkere Grundlage für die neue Arbeitsschlacht vorhanden, zumal auf der ganzen Linie eine Belebung des Baumark- t e s erfolgt ist, die vielfach schon dazu führte, daß in den Großstädten und in den Industriegebieten die Nachfrage nach gelerntenBauarbei- tern nicht voll gedeckt werden konnte.

In der Landwirtschaft hat die Frühjahrs­bestellung der Felder in einigen Gebieten darunter gelitten, daß es auch hier an Arbeitskräften fehlte, denn die Industriestädte haben wieder

eine Anziehungskraft gezeigt, die nicht nur sozial- politifch, sondern auch volkswirtschaftlich bedenk­lich ist.

Die große Sorge ist einstweilen noch, wie die Ausfuhr gesteigert werden kann, um den Ge­genwert für die unbedingt"notwen- digen Rohstoffe hereinzubekommen. Es ist dabei zu beachten, daß bei der Ausfuhr auch .die sogenannten S c r i p s eine Rolle spielen. Für den Betrag der auf Scrips geleisteten Ausfuhr kommen keine Devisen herein, was erklärt, daß der Gold- und Devisenbestand der Reichsbank seit Iah- resveginn keine Anreicherung mehr erfahren hat. Wenn die Gläubigerländer die Wiederauf­nahme des Zinsendien ft es im ganzen Umfange fordern, so setzt das voraus, daß sie sich bereit erklären, größere Warenmengen aus Deutschland einzuführen. Eine an­dere Form des internationalen Zahlungsausgleiches gibt es nicht, am wenigsten für ein Land, das, wie Deutschland, nicht mehr über nennens­werte ausländische Kapitalanlagen verfügt. Es dient auch nicht dem Wiederaufstieg, wenn im Ausland versucht wird, die Roh st o f f - e i n f u h r Deutschlands dahin auszugliedern, daß bestimmte Warengattungen angeblich Aufrüstungs­zwecken dienen. Diese Rohstoffe sind durchweg nötig für die elektrotechnischeJndustrie, deren Erzeugung für den Jnlandsmarkt seit Jahr und Tag vielfach um das Dreifache zugenom­men h-at.

IWflionen werden in der zweitenArbeilMlacht voraussichtlich wieder Veschästigung finden.

Berlin,?. April. (DNB.) In den letzten Tagen sind aus allen Zweigen der Wirtschaft auf Grund von Umfragen die Ziffern über die tatsächliche Verminderung der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten, sowie über die voraussichtliche weitere Verminderung im zwei­ten Vierteljahr 1934 veröffentlicht worden. Nach­zutragen sind diesen Mitteilungen aus Industrie, Handel, den Gemeindeverbänden, der Reichsbahn und Reichspost noch die Ergebnisse von Unter­suchungen im Handwerk und in der Land­wirtschaft. Im Handwerk darf man die Zahl der Mehrbeschäftigten Ende Fe­bruar 1934 gegenüber dem 1. Oktober 1933 auf etwa 255000 Mann schätzen. Dieser Rückgang war in erster Linie das Ergebnis der Reichszuschüsse für Jnstandsetzungsarbeiten. Bis zur Vollbeschäfti­gung des Handwerks glaubt man noch weitere 300000 handwerkliche Arbeiter unter­bringen zu können.

In der Landwirtschaft betrug der Arbeitslosen­rückgang von Ende Februar 1933 bis Ende Februar 1934 6 5,2 v. H. Man befürchtet bereits, daß für die kommenden Saisonarbeiten ein großer Man­gel an geschulten landwirtschaftlichen Kräften eintreten wird. Es wird darum an die übrigen Wirtschaftskreise, insbesondere an die indu­striellen Unternehmungen appelliert, dort etwa vor­handene landwirtschaftlich geschulte Kräfte der Landwirtschaft freizugeben und fte durch andere erwerbslose Kräfte zu ersetzen.

In allen Wirtschaftskreisen zusammen.darf man für März bis Ende Juni dieses Jahres mlt N e u- einstellungen von etwa 800 000 Ar­beitskräften rechnen. Rechnet man hierzu die bereits im ersten Vierteljahr 1934 eingetretene Ver­minderung der Arbeitslosigkeit um 700 000 Mann, so kommt man auf die Ziffer von 1-^. Millio­nen, um die sich im e rst e n Halbjahr 1934 die Arbeitslosigkeit voraussichtlich vermindern wird. Von dem Arbeitslosenheer, das die nationalsoziali­stische Regierung bei ihrem Antritt hat übernehmen müssen, dürften demnach in dem kurzen Zeitraum von nicht ganz anderthalb Jahren nahezu zw e i Drittel wieder in Arbeit und Brot gekommen sein.

Auch für Angestellte mehr Arbeitsplätze.

Wie die Stellenvermittlung der Deutschen Ange­stelltenschaft berichtet, hat sich der Arbeitseinsatz für Angehörige der Angestelltenberufe auch im März gebessert. Charakteristisch für die Besetzungsaufträge im einzelnen ist, daß sie, namentlich, soweit es ,lch um Stellenangebote für kaufmännisches Personal handelt, zum großen Teil aus Betrieben kommen, die mit Aufträgen aus dem Arbeitsbeschaffungspro­gramm direkt nichts zu tun haben. Die Frühjahrs­entlastung der Angestellten-Arbeitslosigkeit ist also Beweis für eine echte Konjunktur­belebung. Dafür spricht auch die verhältnis­mäßig sehr niedrige Zahl von Angestellten, die sich im gekündigten Arbeitsverhältnis als Bewerber haben eintragen lassen. Weitgehende Bemühungen durch den Dienst der Stellenvermittlung, ältere Angestellte ohne besonderen Auftrag der Firmen in ihre alten Betriebe zurück^uführen, waren leider nur sehr vereinzelt von Erfolg. Zwar haben einige größere Firmen von sich aus ihre früheren Mitarbeiter zurückberufen. Alles in allem aber ist das Problem der älteren Angestellten nach wie vor akut. Dafür spricht auch die altersmäßige Gliede­rung der Besetzungsaufträge. Ueberwiegend werden immer wieder nur jüngere Kräfte angefor­dert.

Ein Zeichen des sich durchsetzenden Optimismus ist die verstärkte Anmeldung von Bewer­bern in ungekündigter Stellung. Stel­lungswechsel nach ooraufgegangener Erweite­rung und Vertiefung des Berufswissens der Be­werber in den Lehrgängen und Arbeitsgemeinschaf­ten der Deutschen Angestelltenschaft führte erstmalig miedet in größerem Umfange zu Vermittlungen in Stellungen, in denen sich bessere A u f st i e g s - Möglichkeiten boten. Diese Entwicklung ist um so mehr zu begrüßen, weil in einigen Branchen, wenn zunächst auch erst bezirklich begrenzt, als Folge einer nicht richtig geleiteten Lehrlingsaus­bildung, im wesentlichen aber einer in den letzten Jahren außerordentlich beengten Fluktuation jünge­rer Gehilfen, Mangelan berufs - und fach- erfahrenen Bewerbern besteht. In rich­

tiger Erkenntnis der Gefahren, die der Wirtschaft von der Seite her drohen, versuchen auch Firmen, in Verbindung mit Stellenvermittlung und Be­rufsbildungseinrichtungen der Deutschen Angestell­tenschaft einen Bewerberaustausch anzubah­nen, der als solcher in nichts die Möglichkeiten zur Besetzung neuer offener Posten mit Altstellungs­losen beeinträchtigt.

Eine Abordnung des Handwerks beim Reichspräsidenten.

Reichspräsident von Hindenburg, Ehrenmeister des deutschen Handwerks, empfing anläßlich des 400jährigen Jubiläums der Berli­ner Sattler-Innung eine Abordnung des Berliner Handwerks, bestehend aus dem Obermeister Körner und dem Altmeister Budoch von der

jubilierenden Innung, dem Präsidenten der Berli­ner Handwerkskammer Lohmann und dem Vize­präsidenten des deutschen Handwerks Z e l e n y, die dem Reichspräsidenten eine in einer kunstvollen Ledermappe gebundene Adresse überreichten und den Dank des Handwerks für die diesem stets bewie­sene Fürsorge zum Ausdruck brachten. Reichspräsi­dent von Hindenburg erwiderte mit Worten des Dankes und Glückwünschen zu dem seltenen Jubi­läum und gab der Hoffnung Ausdruck, daß nun­mehr auch für das Handwerk nach schweren Jahren der Not wieder bessere Zeiten kommen. Der Reichs­präsident begrüßte dann die im Ehrenhof des Prä­sidentenpalais mit ihren Fahnen und Jnnungsladen aufgestellte Berliner Sattler-Innung und sprach auch dieser seine Glückwünsche aus.

Oer Mor-prozeß Waltershausen.

Oie ersten Feststellungen im Mordzimmer. Oer geheimnisvolle Einbruch.

Der vierte Derhandlungstag begann mit der Ver­nehmung des Gendarmeriehauptwachtmeisters Melber, des ersten Sicherheitsbeamten, der am Mordtage dort eingetroffen war. Er betrat das Schloß durch das Hauptportal und traf dort Liebig mit dem Polizeidiener. Im Mordzimmer waren nach feinen Feststellungen einzelne Gegen­stände, Wandflächen und Türen mit Blut beschmiert, auch der Nachttisch und die Waschschüssel. Das Nacht­geschirr stand auf einem Stuhl und war ein wenig auch mit Blut gefüllt. Alle Türen zum Schlafzimmer des Hauptmanns wa­ren verschlossen, ausgenommen die, die zum Schlafzimmer der Frau Werther führt. Auch die Tür, die von dem Gang aus, wo das Schlaf­zimmer der Frau Werther liegt, in das des Hauptmanns durch die sog. Kofferkammer führt, war verschlossen. Offen war lediglich die Tür, die vom Schlafzimmer der Frau Werther hinausgeht auf die Diele des zweiten Stockes. Nach Ansicht Melbers scheint die Behauptung der Frau Werther, daß der Täter durch die Kofserkammer ge­kommen oder ^gangen sei, unmöglich zu­treffen zu können. Liebig, der sofort vom Zeugen gestellt wurde, erklärte, daß er nichts ge­macht hätte. Er wurde sofort auf Blutspuren unter­sucht, und mußte sich bis aufs Hemd ausziehen; auch feine Fingernägel wurden von dem Beamten einer genauen Untersuchung unterzogen. Man fand aber an Liebig nicht die gering st en Blut­spuren. Liebig gab zu, eine Waffe zu be­sitzen; sie lag auch tatsächlich in der Schublade sei­nes Zimmers. Melber holte sie dort heraus. Es handelte sich um eine Selbstladepistole, ,d i e ge­putzt und frisch geölt war.

Damit ergibt sich ein Widerspruch zur Aussage des Polizeihauptmanns Fischer, der in seinem Gutachten ausdrücklich erklärt hat, er habe die Waffe Liebigs ungeputzt und ungeölt in die Hand bekommen und es fei frisch aus ihr ge­schossen worden. Es muß also, so meinte der Verteidiger, in der Zeit zwischen Beschlagnahme und

Uebergabe an den Sachverständigen mit ihr hantiert worden sein. Der Staatsanwalt fragte den Zeugen, ob die Waffe nach der Beschlag­nahme an andere als Gerichtspersonen gelangt sein konnte. Melber erklärte das für ausgeschlossen.

Oberkommissar Braun vom Erkennungsdienst Nürnberg, der mit seinen Kollegen Meier und Nast- oogel am zweiten Tage nach dem Mord nach Wal­tershausen beordert worden war, gab dann eine genaue Schilderung der an Ort und Stelle wahr­genommenen Einzelheiten. Die im Zickzack verlau­senden Blutspuren auf dem Teppich der Frau Werther könnten auch durch die bluten­den Hände hervorgerufen worden sein. Braun be­richtete außerdem über den Einbruch in der Nacht vom 5. zum 6. Januar 1933. Es war im ersten Stock im Südbau des Schlosses ein F e n - st er eingeschlagen, was den Anschein er­weckte, als ob dort der Dieb eingestiegen sei. Die zertrümmerte Scheibe war zunächst unauf­findbar; später ergab ein Gang durch den Schloßgarten, daß unter das Fenster ein Haufen Glasscherben gebracht war, of­fenbar um vorzutäuschen, daß der angeb­liche Dieb durch das Fenster eingestiegen sei. Außer­dem wurden in den Zimmern, durch die der Dieb gelaufen sein soll, zahlreiche Fingerab­drücke wahrgenommen, die von dem jungen Baron von Waltershausen, dem Bruder der Frau Werther, seiner Ehefrau und einem früher auf dem Schloß beschäftigten Kraftwagenführer herrührten. Es ist dem Zeugen außerdem verdäch­tig vorgekommen, daß der Korken einer in einem der erbrochenen Zimmer stehenden Weinflasche ein­gedrückt, von dem Inhalt aber nichts getrunken war. Oberkommissar Braun hielt es auch für auf­fällig, daß der Dieb die von dem Einbruchzimmer zu den anschließenden Räumen führenden Türen gewaltsam geöffnet haben sollte, obwohl in aller­nächster Nähe und sehr in die Augen fallend d i e Schlüssel zu diesen Türen hingen.

Aus aller Welt.

Großer Waldbrand bei Berlin.

Ein umfangreicher Waldbrand, durch den etwa 25 000 bis 30 000 Quadratmeter 120- bis 150jähri- ger Kiefernwald zerstört wurde, wütete Sonntag­nachmittag bei Frohnau am Jägerftiea in un­mittelbarer Nähe des Hubertus-Sees. Als die Feuerwehr kurz nach Ausbruch des Brandes an­rückte, stand das dichte Unterholz in hel­len Flammen. Mit rasender Geschwindigkeit griff das Feuer um sich, und hatte bald trotz des sofortigen wirksamen Eingreifens der Wehr einen Umfang von schätzungsweise 25 000 Quadratmeter erlangt. Bald war die ganze Umgebung in eine dichte Rauchwolke gehüllt. Unter tat­kräftiger Hilfe eines SA.-Sturmes rückten die Werhmänner dem rasenden Element systematisch zu Leibe. Nach einstündiger Arbeit gelang es auch tatsächlich, das Feuer einzukreisen und den Brand zu löschen. Wenn auch die hohen Kiefernstämme des mehr als 100jährigen Bestandes erhalten blie­ben, so muß doch befürchtet werden, daß der ganze Waldbestand durch die Brandschäden e i n g e h t. Heber die Entstehungsursache ist nichts bekannt.

Slrahenschlachl zwischen Armeniern in Boston.

In Boston kam es in der armenischen Kirche zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen zwei feindlichen Gruppen. Die Zusammenstöße arteten in einer regelrechten Schlacht aus, die schließlich i m Freien fortgesetzt wurde. Messer und Eisen- Haken wurden als Waffen verwendet. Eine Partei beschuldigte die andere, an der Ermordung des Erzbischofs Toursin in Newyork im De­zember v. I. beteiligt zu sein. Ungeheuere Men, schenmafsen sammelten sich an und sahen dem Kampf zu. Schließlich trafen 25 0 Polizisten mit Gewehren und Tränengasborn- den ein und machten dem Kampf ein Ende. Neun Personen wurden verhaftet. Alle wiesen erhebliche Stich- und Schnittwunden auf.

Die Fliegertragödie im Urwald Columbiens.

Nach ergänzenden Meldungen aus Bogota muß angenommen werden, daß auch der Mechani­ker H a n ck e, der bei dem Absturz des Flugzeugs über dem Urwaldsumpf verletzte worden war, in­zwischen den Tod gefunden hat. Am Ufer des Sipi-Flusses wurde eine Leiche gefunden, man vermutet, daß es sich dabei um Hancke handelt. Direktor Marshall, der bei dem Absturz des Flugzeuges auch eine Beinverletzung erlitten hatte, lebte zwei Wochen lang von dem Lebensmittel- und Wasservorrat des zertrümmerten Flugzeugs. Die Erschöpfung der Vorräte zwang Marshall schließlich, die Wanderung durch den Urwald anzutreten, wo­bei er dann von Indianern gerettet wurde. Die Indianer berichteten, daß die Leiche des Flugzeugführers Geck bei der Auffindung bereits kaum noch zu erkennen war.

Todesstrafe im Mordprozeh Renn.

Wegen der Ermordung des stellvertretenden Orts­gruppenleiters von Zorndorf Erdmann wurde der Rentner Renn wegen Mordes zum Tode verur­teilt. In der Verhandlung versuchte der Angeklagte seine Tat als einen Notwehrakt barzustellen. Als er Erdmann vor der Tür seiner Freundin, der Witwe Fiedler, getroffen und ihn aus dem Haus gewiesen habe, habe ihn Erdmann an feiner Wohnungstür angegriffen. In feiner Angst habe er zwei Schüsse auf Erdmann abgegeben. Dieser sei darauf fort­gegangen. Er habe nicht gesehen, daß Erdmann an der Straßenecke dann tot zusammengebro­chen sei. Die Zeugenvernehmung ergab aber ein

völlig anderes Bild. Die Zeugen bekundeten, daß Erdmann immer wieder von Renn bedroht worden ist. Renn war offenbar ohne jeden Grund eifersüch­tig auf Erdmann, dem er Beziehungen zu Frau Fiedler nachsagte. Der Angeklagte hatte der Frau selbst verboten, mit anderen Leuten zu sprechen und in raffinierter Weise kontrolliert, ob sie ihre Woh­nung verlassen habe. Dazu legte er Steinchen vor die Tür, um festzustellen, ob die Tür geöffnet wor­den ist. In der Urteilsbegründung betonte der Vor­sitzende, der Angeklagte habe die furchtbare Tat vorsätzlich mit Ueberlegung ausgeführt, durch die ein wertvoller Mensch, Vater von vier Kindern, zu Tode gekommen ist. Der An­geklagte habe die Tat von langer Hand vor­bereitet. Der Einwand der Notwehr komme keinesfalls in Frage. Das Gericht habe aber ange­nommen, daß die Tatsache der nationalsozialistischen Parteizugehörigkeit Erdmanns zwar das Mißtrauen Renns gegen Erdmann verschärft habe, aber daß dieses Mißtrauen sich erst als eine Folge der Eifer­sucht Renns gegen Erdmann entwickelt habe.

Eine internationale Schmugglerbande in Frankreich aufgespürt.

Seit längerer Zeit war ein reger Schmugg- terbetrieb an der französisch-belgi­schen Grenze beobachtet worden, ohne daß es bisher gelungen war, den Schmugglern auf die Spur zu kommen. Es wurde ein verschärfter Heber» wachungsdienst eingerichtet, dem es nunmehr ge­lang, eine Schmugglerbande abzufassen, bei der 1 4 0 0 Kilogramm geschmuggelten T a - baks gefunden wurden. Durch diesen Erfolg der Grenzkontrolle ist die Polizei auf die Spur einer in Belgien und Frankreich und wie vermutet wird auch in anderen Ländern weitverzweigten internationalen Schmugglerbande gekommen, nach der die Fahndung sofort ausgenommen worden ist.

Wettervoraussage.

Der Kern des Tiefdruckgebiets ist nunmehr bis in unseren Bezirk vorgerückt. Da jetzt ozeanische Luft angesaugt wird, nimmt das Wetter einen etwas unbeständigen Charakter an, so daß neben Bewölkung auch zeitweise Regen auftritt. Der Tem- I peraturausgleich zwischen Tag und Nacht macht da­bei weitere Fortschritte. Im ganzen bleibt es zu­nächst noch mild, doch wird mit dem Zustrom kühlerer Luft aus höheren Breiten späterhin ein allgemeiner Rückgang der Temperaturwerte zu be­merken fein.

Aussichten für Dienstag: Meist wolkig, zeitweise Niederschläge, Temperaturen zwischen Tag und Nacht weiter ausgeglichen, im ganzen noch mild, doch später etwas kühler.

Aussichten für Mittwoch: Wechselhaftes Wetter mit vereinzelten schauerartigen Nieder­schlägen.

Lufttemperaturen am 8. April: mittags 22,6 Grad Celsius, abends 12,6 Grad; am 9. April: morgens 7,4 Grad. Maximum 24 Grad, Minimum 3,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. April: abends 11,4 Grad; am 9. April: morgens 8,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 8 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiterr Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen^