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Nr. 82 Erstes Blatt

M. Jahrgang

Montag, 9. April W

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Zweite Anordnung für den 1. Mai.

voraussichtlich findet am Sonntag, 15. April, in Frankfurt a.2H. eine Tagung aller Kreis­propagandaleiter sowie aller Propaganda- warte der Ortsgruppen und Stützpunkte des Gaues Hessen-Nassau statt. Dabei wird das Programm für den 1. 7N a i bekanntgegeben.

Alle Kreise, Ortsgruppen und Stütz­punkte müssen unter allen Um st and en vertreten sein. Für die Ortsgruppen und Stüh- punktr, die noch keine Propagandawarte haben, müssen die Ortsgruppen- und Stüh­punktleiter selb st erscheinen. Entschuldigun­gen irgendwelcher Art werden nicht angenommen.

voraussichtlich findet die Tagung zwischen 12 und 14 Uhr im Schauspielhaus statt. Ab 15 Uhr wird zu Ehren der Propagandaleiter die Ko­mödieSchneider Wibbel" im Schau­spielhaus aufgeführt zu dem ungewöhnlich ge­ringen Einheitseintrittspreis von 0,60 Mark. Stück und Darstellung sind künstlerisch von gröhlem Werl. Der Besuch dieser Vorstellung ist für alle Teil- nehmer der Tagung Pflicht.

Mit der Reichsbahn werden Verhandlungen ge­führt betreffs einer bedeutenden Ermäßigung des Fahrpreises. Die Fahrtspesen tragen die Kreise bzw. die Ortsgruppen oder Stützpunkte.

Alle Propagandaleiter und Propagandawarte haben sich schon jetzt für den 15. April freizuhalten. Weitere Mitteilungen und etwa notwendige Aenderungen erfolgen wegen der Kürze der Zeit auher durch Rundschreiben an die Kreis­propagandaleiter auch durch die gesamte Presse innerhalb des Gaues.

Gez.: Müller-Scheld

Gaupropagandaleiter und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volks­aufklärung und Propaganda.

c

Die Mongolenschlacht bei Wahlflatt.

Eine Erinnerung an den 9. April 1241.

Von Wilhelm Sieberi.

Mhr denn je ist heute unser Blick nach dem Osten gerichtet. Wissen wir, was sich morgen am Amurbogen abspielen wird? Kennen wir die Absichten und Ziele der japanischen Staatsmänner? haben wir schon genügend Einblick in das Kräfte­spiel im Herzen Asiens erhalten, an dem Japan nicht ganz unbeteiligt ist? Nur dunkel empfinden wir, daß die Asiaten erneut im Auf­bruch sind und daß Japan darum kämpft, an die Spitze der asiatischen Völkerschaften zu treten. Schon heute ist der Ferne Osten genau so gut aus­gerüstet wie Europa, auch mit gleich guten und leistungsfähigen Kriegsindustrien versehen. Warten wir ein, warten wir zwei Jahrzehnte, dann kann es sein, daß Asien in Waffen starrt und erneut daran geht, den weißen Mann in seiner engeren Heimat aufzusuchen.

Gerade in diesen Zeiten sollte man sich eines Mannes erinnern, der zu Beginn des drei­zehnten Jahrhunderts an den Pforten Europas stand und bereits mehr als ein wohlver­wahrtes Tor eingerannt hatte. Batu, Enkel des gewaltigen Mongolenführers Dschingis Khan, hieß der Heerführer, der mit vier Heerhaufen vom Ural-Fluß aufbrach. Ihm war als Erbe das Reich Kiptfchak zugefallen, das damals einen wesentlichen Teil des heutigen Rußlands umfaßte. Die Welt er­obern, war die Weisung, die Dschingis Khan seinen Söhnen hinterließ. Baku ging auch sofort ans Werk. Zunächst galt es, die schon einmal tribut­pflichtig gemachten russischen Fürsten erneut zu un­terwerfen. Dreihunderttausend mongolische Reiter überquerten im Frühjahr 1236 den Uralfluß, um nun in raschem Siegeslauf alles über den Haufen zu rennen, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Städte an der mittleren und oberen Wolga wurden in Schutt gelegt, ihre Einwohner abgeschlachtet, die Frauen auf die Krieger verteilt, gewaltige Schätze wurden erbeutet;1238 ging Moskau in Flammen auf, Tschernigow und Kiew erlitten das gleiche Schicksal.

Wieder lag Rußland den Mongolen zu Fußen. Doch Batu wollte weiter, wollte die Welter- obern und auch die Völker im Westen in seine Gewalt bringen. Kundschafter der Spionage­dienst war bei allen mongolischen Führern aus­gezeichnet hatten ihm die Kenntnis von den Ländern westlich der Oder, an der Donau und auf dem Balkan vermittelt, Berichte gefangener Russen, die mit Europa im Handelsverkehr standen hatten ein übriges getan, seine Gier zu wecken. War er bis Kiew mit seinen Getreuen vereint marschiert, so trennte er sich hier von ihnen. Batu selbst wählte den Weg nach Ungarn, Prinz P om d ar hatte Polen zu unterwerfen und über die Oder zu gehen, Prinz Kadan sollte über Sr eben bür­gen vorrücken, während der Unterführer Subu- tai den Auftrag erhielt, die Walachei sengend und brennend zu durchziehen. Budapest war als ge­meinsamer Treffpunkt ausersehen.

Der Feldzug gelang. Kadan zwang die Sieben­bürger nach einer blutigen Schlacht bei Rodno m die Knie, Batu überschritt die Karpathen, belagerte zunächst Budapest zwei Monate vergeblich, zog sich

Oie neue Ebene für ein Nüstungsabkommen.

Frankreich sieht im Vorschlag Mussolinis den einzig möglichen Ausweg: Begrenzte und kontrollierte Ausrüstung Deutschlands, aber Beibehaltung des Nüstungsstandes der schwergerüsteten Mächte.

Gedämpfte Stimmung in London.

London, 9. April. (DNB.-Funkspruch.) Die Montagmorgenblätter beschäftigen sich eingehend mit der durch die französische Antwortnote geschaf­fenen Lage. Das ArbeiterblattDaily herald" schreibt: Zwischen London und Paris ist ein merkwürdiges und verwickeltes di­plomatisches Spiel im Gange. Die britische Regierung sucht die französische Regierung zur grundsätzlichen" Annahme eines gewissen Maßes deutschen Aufrüstens zu veranlassen, ohne sich selbst in der Frage der Garantien für die Ausführung eines Abkommens endgültig fefüulegen. Die fran­zösische Regierung sucht die britische Regierung zur grundsätzlichen" Annahme der Idee der Ausfüh­rungsgarantien und Sicherheitsgarantien zu ver­anlassen, ohne sich selbst in der Frage der deutschen Aufrüstung festzulegen. Die Gefahr besteht, daß der Gedanke einer st ungsver Min­derung in aller Ruhe beiseite gescho­ben wird.

Morning Post" sagt: Die französische Rote läßt die britische Anfrage nach der Art der verlangten Garantien unbeantwortet. Die Franzosen haben es anscheinend nicht eilig, ihre Be­dürfnisse hinsichtlich der Sicherheit zu bezeichnen. Sie wollen offenbar erst sehen, w i e das Ab­kommen aus sehen wird, und besonders, welches Maß an Aufrüstung Deutsch­land zugestanden werden soll, bevor sie ihre eigenen Bedingungen für die Annahme erklären.

Die französische Note wird insofern als nützlich belrachlet, als sie den bisher immer verworfe­nen Grundsatz einer teilweisen deutschen Auf­rüstung a n n i m m t. Zugleich ist es aber klar, daß nach französischer Ansicht eine solche Auf­rüstung nur zulässig ist, wenn keine A b - rüstung Frankreichs zu erfolgen braucht. Dies ist der Punkt, in dem Frankreich sich von dem britischen Plan wegwen­det, und dies ist so grundsätzlicher Art, daß tatsächlich das einzige praktisch mögliche Ab­kommen dem italienischen Vorschläge entsprechen würde, der auf b e g r e n z t e A u f - rüstung Deutschlands und Beibe­haltung der st ungen der ande­ren abzielt.

Daily Telegraph" führt aus: In einigen Lon­doner Kreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß ein Abrüstungsabkommen schließlich doch erreichbar sein werde. Dies mag dahingestellt sein. Es geht aber doch klar aus der französischen Rote hervor, daß ein Abrüstungsabkommen nicht den bri­tischen Entwurf zur Grundlage haben wird. Dieser hat nämlich eine wesentliche Ver­minderung der Land- und Luftstreitkräfte der schwer bewaffneten Mächte vorgesehen, und nicht lediglich eine Begrenzung auf d e m jetzigen Stande. Alles, was Frankreich bereit

zurück und lockte die Ungarn heraus, die er dann in offener Feldschlacht vernichtete. Darauf wurde Budapest dem Erdboden gleichgemacht. Aehnlich erfolgreich verlief der Zug des Prinzen Paidar. Lublin wurde erobert und verbrannt, Sandomir vernichtet, Krakau in Brand gesteckt, während zu gleicher Zeit ein Expeditionskorps bis in die Gegend Thorns oorstieß, um sich nachher mit Paidar an der Oder wieder zu vereinigen.

Was aber stellte sich den Eroberern hier ent­gegen? Das in der Stunde der höchsten Not ge­einte Deutschland? Nein! Im Heiligen Rö­mischen Reiche deutscher Nation hatte man andere Sorgen, hier lag der Kaiser mit dem Papst in Unfrieden, die Fürsten dachten nur an sich, einer befehdete den anderen, Deutschland war just in diesem Augenblick wieder einmal ein Land vol­ler Uneinigkeit, ein Reich der Kleinstaaterei angefüllt mit Hader bis obenhin. Und darum so ohnmächtig wie selten. So mußte der deutsche Osten sich selbst helfen, mußte alles zusammenraffen, was eben in aller Eile zusammengefaßt werden konnte. Wie schnell die Mongolen vorstießen, geht wohl am besten aus folgendem hervor- am 1. April plün­derten sie noch Krakau, am 8. April senden sie schon in der Gegend von Liegnitz. Sie müssen also mit ihrem gesamten Kriegsgerät, mit ihren Wurf­maschinen und ihrem gewaltigen Troß täglich, vierzig Kilometer zurückgelegt haben. Flücht­linge, die den Mongolen vorauf eilten, kamen kaum viel früher an, als die mongolischen Spitzenreiter selbst.

So schlossen sich denn rasch die D e u t s ch r i t t e r unter ihrem Hochmeister Poppo mit dem H e r - zog Heinrich II. von Schlesien und der nach dem Westen gedrängten polnischen Rit­terschaft zusammen. Bewaffnete Bauern und Städter eilten herbei, um sich den ansturmenden Horden entgegenzuwerfen. Die Vorhut der Dertei- diger lag in den Händen des Herzogs von Oder- fchlesien M i e z i s l a w, der sich vor den Mongolen über Ratibor und Breslau nach Liegnitz zuruckzog, ihnen allerdings bei Ratibor einen erfolgreichen

ist anzubieten, ist eine Begrenzung, die es aus finan­ziellen Gründen auf jeden Fall hätte vorneh­men müssen.

Nachdem Großbritannien, Italien und Belgien es bereits getan haben, erkennt jetzt auch Frank­reich endlich die Tatsache an, daß in seinem eigenen Interesse eine begrenzte und regulierte Aufrüstung Deutsch­lands auf Grund einer Vereinbarung einer unkontrollierten deutschen Aufrüstung mit der Wahrscheinlichkeit eines darauf folgen­den Wettrüstens bei weitem vorzuziehen

Waffengang lieferte. Breslau wurde von seinen Be­wohnern verbrannt. Erst bei Wahl st alt un­weit Liegnitz stellte sich ihnen die christliche Streitmacht am 9. April entgegen. Mit ungeheurer Uebermacht rückten die Mongolen heran, umschärm- ten die deutschen und polnischen Ritter, überschütte­ten sie mit einem Pfeilhagel, um immer wieder gegen sie vorzupreschen. Wohl hatten sie auf ihren Kriegs- und Beutezügen tapfer fechtende Heere gegen sich gesehen, aber noch niemals Männer, die vom Kopf bis zu Fuß in Eisen gehüllt wa­ren. Wirkungslos sprangen die Pfeile von den Rüstungen ab.' So mußten die Mongolen mit blan­ker Waffe heran. Ein wildes und blutiges Ringen von Mann zu Mann begann. Gewaltige Lücken schlugen die Ritter in die Reihen der anstürmenden Mongolenkrieger. Aber einer nach dem andern brach tödlich getroffen zusammen. Heinrich II. ließ sein Leben, die Deutschritter verloren ihren Führer Poppo. Die Besten der Ostmark blie­ben tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld. Viel­leicht wäre die Niederlage abzuwenden gewesen, wenn die Mongolen nicht von ihren chinesischen Stinktöpfen, aber auch von ihrem brennenden Naphta Gebrauch gemacht hätten, das sie in die Massen der christlichen Heerhaufen warfen. Unbe­kannt war den Rittern und Knappen, den Bauern und Städtern diese Waffe.

So blieb Prinz Paidar mit seinen Mongolen siegreich auf dem Kampfplatz. Aber die Männer in den Eisenkleidern hatten auf die Sieger einen nach­haltigen Eindruck gemacht. So wie man im christ­lichen Heer die Mongolen als eine mit dem Teufel verbündete Horde ansah, blickte man abergläubisch auf die eisernen Männer. Auf einen weiteren Vor­marsch in deutsches Gebiet hinein wurde verzichtet. Paidar führte seine Truppen über Glatz und Brünn nach Olmütz. Keine der Festungen konnten die sieg­gewohnten mongolischen Scharen erobern. Vor Ol­mütz fiel noch Prinz Paidar, so daß es nun kein Hatten mehr gab. Die Mongolen wandten sich nach Ungarn und vereinigten sich mit Batu, der jetzt noch einen blutigen Zug über Stuhlweißenburg bis Spa-

roäre. Die einzige andere Möglichkeit, die Frankreich gehabt hätte, würde in dem Versuch bestanden haben, sich gegen jede deutsche Aufrüstung zu erklären, und sie gewalt­sam zu verhindern. Da aber Grobrilan- nien das moralische Recht Deutschlands bereits anerkannt hat, Italien auch das juristische Recht Deutschlands und Belgien den Gedanken eines Präventivkrieges für Wahnsinn erklärt hat, konnte Frankreich nicht mehr an Zwangs­maßnahmen denken, bei denen es allein ge­standen hätte.

lato antrat und von dort am Schwarzen Meer vor­bei an die untere Wolga zurückging.

Ein gütiges Schicksal hat es gewollt, daß die mon­golische Gefahr durch die Ritterschaft des deutschen Ostens gebannt wurde, wenn dabei auch ganze Ge­schlechter vernichtet wurden. Zwar kamen die Mon­golen noch mehrmals über Polen hinweggebraust, sie tauchten bei Thorn auf, sie kamen viel später als russische Hilfstruppen bis auf ostpreußisches Gebiet, wo sie barbarisch hausten, aber ein zweiter Baku fand sich nicht wieder unter den Nachfolgern Dschin- gis Khans, der es wagte, in die deutschen Gaue einzudringen.

Ein Wunder ist es in der Tat, daß damals die Mongolen nach dem Süden abbogen. Sie hatten in ihren Kämpfen mit China, in Turkestan, im Süden Rußlands, in Indien gezeigt, daß sie unüberwindlich waren. Straff waren ihre Heerscharen durchorgani- fiert, sie trugen eigene Feldzeichen, waren uner­müdlich und von unübertrefflicher Schnelligkeit. Sie verstanden es, den Gegner erfolgreich auszukund­schaften, aber auch die Unzufriedenen im Bereich der anzugreifenden Fürsten aufzuwiegeln, so daß ihnen die Erreichung der gesteckten Ziele um so leichter wurde. Sie überwanden spielend weite Wüsten und höchste Gebirge, sie führten dabei noch schwere Waf­fen mit sich. Sie kannten auch kein Erbarmen. Volk­reiche Städte wurden in Trümmer gelegt, ihre Ein­wohner niedergemetzelt. Doch was unter dem Ban­ner der Mongolen focht, bestand bald nach Beginn des Siegeslaufes eines Dschingis Khan nur noch zu einem Bruchteil aus Mongolen. Asiaten schlechthin waren es, die von der mongolischen Oberschicht an­geführt wurden.

Wieder ist ein Volk daran gegangen, die Asiaten aufzurütteln. Die Kraft, die von ihm ausgeht, spürt Europa schon, wenn auch nur auf den Weltmärkten, die sich mehr und mehr in Schauplätze eines Rin­gens zwischen Ost und West, zwischen Asien und der übrigen Welt umwandeln.

Die neue Wendung.

Henderson von seinem Pariser Besuch befriedigt.

Paris, 7. April (DNB.) Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Henderson, hatte im Bei­sein des Direktors der Abrüstungsabteilung des Völ­kerbundes, A g n i d e s, eine Unterredung mit Außenminister Barthou. Henderson und Barthou haben sich während 1A Stunden über den allge­meinen Stand der Abrüstungskonferenz und ins­besondere über den Zusammentritt des Büros am Dienstag in Genf ausgesprochen. Für den Fall, daß ein Vorschlag gemacht werden sollte, den Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz für den 23. Mai einzuberufen, hat Barthou Henderson die Versicherung gegeben, daß sich die französische Abordnung diesem Vorschlag anschlie- ß e n würde.

Ich bin mit meiner Unterredung mit Barthou sehr zufrieden: sie ist äußerst zweckdienlich gewesen," sagte Henderson vor feiner Abfahrt nach Genf. Henderson fuhr fort: Wir erörterten zuerst die Lage im allgemeinen und dannschalteten wir uns nach Genf um und betrachteten die Lage aus diesem Winkel. Ich sehe nicht, weshalb es notwen­dig sein sollte, wegen der augenblicklichen Neigung zu einer Konferenz, die sich nicht mit der A b - rüstung, sondern mit einer Beschränkung der Rüstungen und sogar mit einer beschränkten Wiederaufr ü-st u n g Deutschlands beschäftigen solle, die rechtliche Grundlage der Konferenz zu än­dern. Der britische Abkommensentwurf liegt weiter­hin der Konferenz vor. Das Verfahren wird dahin­gehen, diesen durch Abänderungsantrag zu mobili­sieren.

$ratifoiö Poncet zur Berichterstattung nach Paris.

Paris, 9. April. (DNB. Funkfpr.) Die Pariser Presse meldet, daß der französische Botschafter in Ber­lin, Francois Poncet, am Sonntagabend mit dem Nordexpreß nach Paris abgereist fei. Die Blätter glauben, daß der Botschafter sich mit Außenminister Barthou über die Lage in Deutschland und das Ab­

rüstungsproblem unterhalten wird. Als wahrschein­licher Rückreisetermin des französischen Botschafters gibt derMatin" kommenden Mittwoch an.

Geteilte Meinung in Paris.

Paris, 8. April. (DNB.) Die Sonntagspresse bestätigt, daß nach der Unterredung zwischen Hen­derson und Barthou die Abrüstungsverhandlungen auf eine neue Grundlage gestellt werden sollen.Wir laufen kaum mehr Gefahr," schreibt Le Jour",aufgefordert zu werden, unsere Ver­teidigungsmittel zu vermindern, während Deutsch­land gleichzeitig die Ermächtigung erhalten würde, ein Heer aufzubauen. Der Hauptausschuß der Ab­rüstungskonferenz scheint im Gegenteil den Auftrag erhalten zu sollen, seine grundsätzliche Stellungnahme zu ändern, oder, wenn man offen sein soll, zu berichtigen. Es handelt sich nicht mehr um die Abrüstung, sondern um die Beschränkung der st ungen. Dieses kleinere Uebel kann noch etwas Gutes zei­tigen, wenn England endlich feine europäische Pflicht begreift und zugunsten eines Abkommens d i e Verpflichtungen übernimmt, die allein den Frieden sichern können. Hierauf kommt alles an, und hierin dürfen wir nicht nachgeben. DerPetit Parisien" sagt, wenn Frankreich und England sich einigten über die Einrichtung einer wirksamen, allgemeinen Kontrolle und über eine so­fort anzuwendende Reihe von wirtschaftlichen, finan­ziellen und militärischen Sanktionen für den Fall der Verletzung der Konvention, so stehe einer Wie­deraufnahme der Arbeiten in Genf kein unüber­windliches Hindernis mehr im Wege.

Dieser Optimismus wird nicht von allen Blättern geteilt. DasEcho de Paris" ist besorgt über d i e neue Wendung und möchte die Ge­wißheit haben, daß die vom Quai d'Orsay entfaltete Tätigkeit, so verführerisch sie auch sei, nicht zu dem gleichen Ergebnis führe wie das früherepassive Verhalten". Skeptisch abwartend bleibt auch der Figaro", der in der Ankurbelung neuer Verhand­lungen nur den Versuch erblickt, um die Verantwor­tung für das Scheitern der Abrüstungskonferenz herumzukommen.