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Gietzener Anzeiger (General-AnzeigersürOberheffen)
Kr. 58 Zweites Blatt
Das ungeschriebene Gesetz der Wahrung „des
Paar vor der Wohnung der Eltern der löraut uno entführten beide trotz sofortiger Verfolgung durch japanische Truppen ins Innere des Landes. Ge-1
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aus Newtfchuang. Die Räuber griffen das junge Paar vor der Wohnung der Eltern der Braut und
heimnisvolle Boten leiteten die Löseverhandlungen, brachten Briefe des Mädchens, die anfangs heroisch, dann später, als Monate vergingen, verzweifelte Rufe nach Befreiung zwischen den Zeilen trugen. Die Bande wechselte fortwährend ihren Aufenthalt. Sie schleppten ihre Opfer nachts in andere weltabgeschiedene Dörfer, in unwegsame Berggegenden. Japanische Kampfflugzeuge jagten nach den Räubern. Die Räuber forderten nebst unverschämten Summen in Goldwährung Kanonen und Maschinengewehre als L ö s e g e l d. Man erfuhr nie, wieso schließlich der Handel beendet wurde, die Geiseln kehrten elend und abgezehrt heim, nachdem der englische Generalkonsul in Mukden eine scharfe Rote an die Regierung gesandt hatte und ein englisches Kanonenboot in Newtfchuang erschienen war.
Seit den letzten Kämpfen gibt es wieder religiös fanatisierte Banden, die in echt chinesischem Aberglauben überzeugt sind, durch den Genuß verbrannten gelben Papiers unverwundbar geworden zu sein. Sie stürmen, nur mit kurzen chinesischen Schwertern bewaffnet, gegen japanische Panzerzüge. Sie sind nicht unter das Banditentum zu rechnen, wenngleich sie auf ihren „Kreuzzügen" auch Konzessionen und Dörfer niederbrennen und plündern. Sie erinnern in vielem an die „Boxer" genannten grausamen Scharen, die in den Schicksals- taqen im Jahre 1900 die ganze Welt in atemloser Spannung hielten, als sie das Pekinger Gesandt- schaftsviertel durch Wochen belagerten und stürmten.
Auch den energischen Aktionen der Japaner wird es wohl nicht gelingen, den „Chunchudsen" ganz zu vertilgen. Die weiten Ebenen und wilden Berge der Nordmandschurei sind ein Reservoir, aus dem der mit einer eigenen Romantik umgebene Räuber immer wieder hervorbrechen wird.
sichts" führt dann zu Verhandlungen, beide Parteien verlassen zufrieden den Kampfplatz. Handelt es sich aber um einen Ueberfall durch eine fremde Bande, dann endet der meist kurze Kampf
Die beste Erklärung der verworrenen Verhältnisse Chinas gibt die Erkenntnis, daß dieses riesige Reich mit seinen f ü n f h u n d e r t M i l l l o- nen Einwohnern sich in einer Struktur befindet, die den mittelalterlichen Zuständen Europas zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges gleicht. Dieser Vergleich gilt sinngemäß für alle Erschelnungen und Lebensäußerungen im heutigen China, ausgenommen natürlich die völlig unchmeßschen Verhältnisse in den Vertragshäfen und den ausländischen Konzessionen.
Mittelalterliche Zustände.
Die Mauer ist der beredste Ausdruck, das sinnfälligste Charakteristikum dieser Zustände: hinter ihr verbirgt sich das Reich: sie schließt Stadt und Dorf gegen das Land ab, ja jedes einzelne Haus versperrt sich hinter ihrem Schutz gegen die Welt ringsum. In den Städten wohnen die Zünfte in eigenen Gassen, die ihren Namen tragen; ängstlich schließen sich abends die schweren Stadttore vor den seit dreißig Jahren marschierenden Räuber- Heeren
Man wird Räuber in China aus Verzweiflung, aus Ehrgeiz oder aus Liebe zu diesem Beruf; denn es ist ein Beruf, eine seit undenklichen Zeiten sanktionierte Institution des staatlichen Lebens. Man ist eben Räuber, so wie man auch Kaufmann, Bauer und Silberschmied werden kann. So war es, als aus den Ebenen Jnnerasiens Dschingis Khan nach Europa ritt, so blieb es unter den verschiedenen Kaiserdynastien, die geheimnisvoll hinter den roten Mauern der „Verbotenen Stadt" regierten, so ist es noch heute. Da wuchsen zwar amerikanisierte Städte an den Küsten, ein paar Eisenbahnen drangen wie böse Geister ins Land, es kamen die Missionare und brachten die Petroleumlampe, das Kreuz und den Kasten mit den springenden Bildern mit. Das alles sind kleine Inseln, ringsum blieb das Mittelalter, der Aberglaube, der Bonze und der Räuber.
Letzterer, als eine der eigenartigsten Figuren auf der eigenartigen Bühne des chinesischen Volkslebens, verdient Beachtung. Banditismus ist ein Beruf. Die „Steuern" der Banditen.
Es gibt Land- und Seeräuber. Der Landräuber — in Nordchina und der Mandschurei „Chun- chudse" genannt — erwirbt sich in seiner Provinz durch einige Raubtaten Volkstümlichkeit. Er hat dann meist einen klingenden Namen, der in aller Munde ist, und bald sammelt sich um ihn eine vorerst Meine Bande, die sich aus Deserteuren und Bauernsöhnen rekrutiert. Das ist der Stamm, die Berufsbande, die manchmal nach den landesüblichen großen Ueberschwemmungen und Hungersnöten starken Zustrom aus den verwüsteten Gebieten erhält. Der dieserart durch die eigene Not getriebene Bauer kehrt stets wieder nach erledigter Katastrophe zu seiner Scholle zurück: er ist aber nun immer wieder bereit, zu „seiner" Bande zurückzukehren, falls dies ihm nötig erscheint. Die Ban^e kgt im Umkreis ihrer Tätigkeit Steuern auf, die das Dorf immer, die Stadt manchmal zahlt. Durch diese Steuereintreibung übernimmt die Bande ihrerseits die Verpflichtung, „ihr" Gebiet vor den Uebergriffen fremder Banden zu schützen.
Selten lehnt der Bauer sich auf. Dann bleibt das primitive Tor in der armseligen Lehmmauer des Dorfes geschlossen, ängstliche Wachen spähen über die öden Reisfeldersümpfe. Eines Nachts erscheint dann der Chunchudse; meist gibt es eine wütende Knallerei, viel Geschrei und Waffengerassel.
Kampfflugzeuge suchen ein verschlepptes Liebespaar. Die Chunchudsen der Nordmandschurei. - Banditentum als Beruf.
Von JR. E Strunk.
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mit der ganzen Grausamkeit, der der Chinese fähig brennende Dorf sieht Orgien der Gewalt
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ignoriert der „Militärkommandant" des seine Hilfspflicht, denn erstens war es so, daß seine Truppe nur auf den Löh-
Beeihoven-Gonaten.
Zum Klavierkonzert von Backhaus.
Beethovens Schaffen erscheint überaus stark in seiner Klaviermusik verwurzelt. Zeitweilig, namentlich in der ersten Werkperiode, weist der Klaviervirtuose Beethoven den Weg. Seine Fähigkeit zum Improvisieren war nach dem Urteil der Zeitgenossen für einen zweiten unerreichbar. Je stärkere Bindungen der Mensch Beethoven im Laufe der Entwicklung zu seinem Werk einnimmt, desto höher steigert sich die Klaviertechnik, die durch ihn ein wesentlich anderes Gesicht erhält als im vorausgegangenen Zeitalter Mozarts. Immer höher werden die Anforderungen, die der Meister an das Instrument stellt; in Verbindung mit Instrumentenmachern steckt er dem Klavierbau neue Ziele; er verlangt von dem Instrument größere Schallkraft und damit verbundene Tragkraft des Klanges; seinem Streben nach Vertiefung des Ausdruckes entsprechend, soll der Ton modulationsfähiger werden.
Als Dokumente stärkster persönlicher Kündung ragen unter seinen Werken die Klaviersvna- t e n hervor, und Hans von Bülow nennt sie berechtigter Weise „das neue Testament", in Gegenüberstellung zu Joh. Seb. Bachs „Wohltemperiertem Klavier", dem alten Testament. Nicht der zünftige Zeitgenosse, gerade der weniger durch zeitgemäße Tradition belastete Kreis der Musikliebhaber fand zuerst den Weg zu der neuen Eigenart dieser Sonaten. In einem Briefe spricht Beethoven davon, daß die großen Pianisten seine Sonaten nicht seinem Wunsch entsprechend vortragen. Sie haben nur „Mechanik" oder „Affektation"; er vermißt aber bei ihnen die „wahre Pflege seiner Geisteskinder". So haben seine Sonaten bis in die Jetztzeit das höchste und erstrebenswerteste Ziel einer ernsten Betätigung in der Hausmusik dargestellt. Im Konzertsaal haben sich immer nur wenige Berufene dieser Werke angenommen; denn für -ben Podiumsvortrag dieser Sonaten sind neben vollendetem technischem Können höchste musikalische und geistige Reife unbedingt vorauszusetzen.
In Berlin haben im Verlaus des letzten Konzertwinters zwei souveräne Beherrscher dieses Spezialgebietes es unternommen, das gesamte Sonatenwerk Beethovens zur Aufführung zu bringen: Frederic Lamond und Wilhelm Backhaus; jeder der beiden mit vollem Einsatz persönlicher Eigenart.
Die ^s-Dur-Sonate (op. 26) leitet einen neuen Abschnitt der Sonatenkomposition ein. In den
Oie Preisträger des Leserwettbewerbs „Mit Hitler in die Macht".
Bei dem Leserwettbewerb „M i t H i t l e r i n d i e Macht" haben von den über 200 000 Einsendern 1069 das Richtige getroffen. Nach den Bedingungen war der ausgesetzte Preis von 1000 Mark bei mehreren richtigen Lösungen in fünf Preise zu je 200 Mark zu teilen und die Preisträger durch das Los zu ermitteln. Als Preis- träger wurden ausgelost: Ilse Hempel mann, Bad Oeynhausen, Alfred Klemm, Berlin W. 50, Frau Peter Rauften, Aldegund, Post Bullay, Herbert Langer, Bunzelwitz (Schles.), Alice Scott-Preston, Kunstmalerin, Berlin W. 50. Der Zentralverlag Franz Eher hat in Anbetracht der außerordentlich zahlreichen richtigen Lösungen hundert Exemplare des Werkes yon Dr. Otto Dietrich „Mit Hitler in die Macht" als weitere Preise zur Verfügung gestellt. Diesen Preisträgern werden ihre Preise unmittelbar zugesandt werden.
Hochzeit des Prinzen Sigvarb mit Fräulein Pahek.
Die Eheschließung zwischen dem Prinzen Sig- vard von Schweden und Fräulein Patzek aus Berlin-Wilmersdorf ist am Donnerstagmittag in London vollzogen worden. Schon in den frühen Morgenstunden hatte sich vor dem Standesamt eine riesige Zuschauermenge eingefunden, die von einem starken Polizeiaufgebot kaum in Schranken gehalten werden konnte. Als das Brautpaar endlich erschien, wurden ihm begeisterte Huldigungen dargebracht.
Neue Mineralquelle in Vad Ems erbohrt.
Bei Bohrungen im Kesselbrunnen in der Brunnenhalle von Bad Ems wurde Mineralwasser gefunden, das eine Temperatur von 50 Grad und Alkalitäten von 30,5 ergab. Es ist dies genau die gleiche mineralische Zusammensetzung, wie sie der frühere rühmlich bekannte Kesselbrunnen enthielt, dem Bad Ems seine Bedeutung als Welt- und
„Das verliebte Hotel."
So heißt ein Filmschwank der Bayerischen Filmgesellschaft m. b. H., in welchem Anny O n d r a wieder mal als ausgelassener Kobold ihr munteres Wesen treibt, sich in die absonderlichsten Kostüme steckt und tausend Verwirrungen stiftet, indem sie von einem hamburgischen Rummelplatz in ein ziemlich vornehmes Seebad verschlagen wird, um dort, kraft einer Erbschaft, das Hotel „Atlantic" in Besitz zu nehmen; dies führt zu ungeahnten Ueberraschun- gen, weil es leider in dem Badeort zwei Hotels „Atlantic" gibt, die aber außer dem Namen nichts miteinander gemein haben. Zu dieser mißverstandenen Erbschaft kommt noch eine Liebesgeschichte übers Kreuz, die erst nach langwierigem Hin und Her auf einem zünftigen Matrosenball zur allgemeinen Zufriedenheit ins rechte Geleise gebracht wird. Regie führt, wie immer bei Anny Ondra, die Tempo und Tonart angibt, Karl L a m a c. Sonst sind an diesem kuriosen Abenteuer in erster Linie Matthias Wiemann, Gülstorff, Ode- mar und Erika G l ä ß n e r beteiligt. — Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Das Beiprogramm bringt Winterbilder aus dem Allgäu, einen Kabarettfilm und eine bemerkenswert aktuelle Wochenschau mit Ausnahmen von den Beisetzungsfeierlichkeiten in Brüssel.
vorausgegangenen Werken hatte sich Beethoven als Träger und Beherrscher der Traditionssorm, allerdings schon mit persönlicher Ausprägung, erwiesen. Jetzt bestimmt er die Form nach den Erfordernissen des Inhaltlichen. Daß er op. 26 mit einer Reihe von Variationen beginnt, darin mochte ihm Mozarts ^-Dur-Sonate den Weg gezeigt haben. Aber der weitere Aufbau erweist doch das Neue in der Gestaltung: die ersten beiden Variationen folgen in ihrer Figuration dem gegebenen Thema; die dritte in Moll läßt den kommenden Trauermarsch schon vorahnen; die vierte beutet das Thema nach der heiteren Seite aus; in der abschließenden fünften Veränderung zieht sich das Thema führend durch die lebhaft bewegten Nebenstimmen; sie schließt mit einer innigen Coda. Im Gegensatz zu der Kleinarbeit der Variationen spannt das „Scherzo" den melodischen und harmonischen Bogen erheblich weiter. Ein Trauermarsch voll packender Wucht führt in die düstere ^8-Moll-Sphäre; das lebendig beschwingte Finale gibt den lichten Ausklang.
In dem als „M o n d s ch e i n s o n a t e" bekannten op. 27 Nr. 2 (Ci8-Mvll) löst sich Beethoven völlig von der bisherigen Formtradition und verlagert den Schwerpunkt dieses Werkes in das Finale. Dem düsteren elegischen Gesang des Ein- gangsadagios hat man die verschiedentlichste Deutung aus dem Leben Beethovens geben wollen. Dieser schmerzlichen Welt dissonanzenreicher Vorhalte fügt sich ein Allegretto als Lichtblick an, das in feinem Trio auf den vorausgegangenen Satz zurückweist. Um so stürmender drängt es in dem Presto agitato des Finale, das zwar in seiner Form der Tradition sich anschließt, sich aber zu Höhepunkten größten Impulses erhebt, als ein Seelengemälde von erschütterndster Anschaulichkeit.
Wie Beethoven den Stil der Sonate immer mehr persönlich durchbildet, das läßt die zweisätzige Sonate op. 54 erkennen. Hier zieht sich ein menuettartiges Thema wie ein goldener Faden durch den ersten Satz; in seiner Gegenüberstellung zu hämmernden Oktaven wandelt es sich ab, indem es in feiner melodischen Kontur sich auflöst, mit dieser Eigenart in den späten Sonatenstil Beethovens vorfühlend. Das sich anschließende Alle- gretto-Finale kann als ein Gegenstück zum Schlußsatz in op. 26 angesehen werden; feine rhythmische Bewegtheit und sein geistiger Gehalt deuten auf diese Verwandtschaft.
Die einzige Sonate, der Beethoven ein Programm unterlegt hat, ist o p. 81a (E s > 2) u r). Abschied, Abwesenheit und Rückkehr des Erzherzogs Rudolf gaben die Veranlassung zu diesen drei über
aus stimmungsvollen Sätzen. Das „Lebewohl"- Thema des Adagio-Eingangs voller Wehmut wird für das nachfolgende Allegro als verhallender Scheideruf von ganz besonderer klanglicher Bedeutung. Das Andante espressivo gibt dem Trennungsschmerz mit seinem Gefühl des Verlassenseins Ausdruck. Zwar regt sich schon eine leise Hoffnung auf die Wiederkehr; sie wird zur Gewißheit in dem sich direkt anfügenden Finale, das in seinem glückhaften Jubel von Wiedersehensfreude überschäumt.
Die E-Dur-Sonate (op. 109) aus dem Jahre 1820 steht am Eingang der drei letzten Sonaten. Ein beschwingtes Präludieren, dem zwei Adagioepisoden schwärmerisch Einhalt gebieten, führt zu einem impulsiven prestissimo mit stärkstem innerem Drängen. Als Ausdruck der Ruhe beginnt das Finale mit einem gesangvollen Thema innigsten Empfindens, das in einer Reihe von Variationen ausgedeutet wird in ausdrucksvoller Linie, in klanglicher Auflösung, in rhythmischer Beschwingtheit, in strenger Imitation. Die Schlußvariation läßt das Thema sich zunächst klanglich verflüchtigen, um dann das Ganze in feiner Originalgestalt abzuschließen. Dr. H.
Schützenregimenter in einen Panzerzug verwandelt wurde, mußte der gelbe Bandit die Grundzüge der Taktik und Strategie lernen, um sein Handwerk ausüben zu können. Er verteidigte sich gegen die schrittweise vordringende Kultur wie ein erbittertes Raubtier.
Seit dem russisch-japanischen Krieg und dem daraus resultierenden Zusammenbruch der russischen Vormachtstellung in der Mandschurei gedieh der Chunchudse in der schwächlichen Clanpolitik Chinas als politischer Faktor zu ungeahnter Blüte. Er beherrschte das Land. Der Chunchudse ist von den verschiedensten Generalen und Gouverneuren als Verbündeter aufgerufen worden. Er ist modern bewaffnet, so daß eigentlich eine Unterscheidung zwischen Rebellenarmee und Bande oft kaum noch gemacht werden kann.
Das Ohr des Geraubten.
Zwischendurch taucht immer wieder der echte Räuber, der nur aus der Gunst der Verhältnisse Vorteil zieht, auf. Mit beispielloser Kühnheit wählt sich der Chunchudse die Straßen der Fremdenviertel in Harbin oder Mukden zum Schauplatz seiner Ueberfäüe. Er holt sich am hellen Tag prominente Mitglieder dieser Kolonie vom Golfplatz, vom Jagdausflug ober aus der Villa am Flußufer und fordert hohe Lösegelder von der, für ihren guten Ruf besorgten neuen Regierung. Bei Verzögerungen in den Verhandlungen sendet die Bande ein Ohr oder einen Finger des Geraubten. Eine der wildesten Affären war die Verschleppung einer jungen Engländerin und ihres Bräutigams, eines Beamten der „British Tobacco Compagnie“
Zeitschriften.
— „Der Naturforscher" vereint mit „Natur und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber: Dr. Oskar Prochnow. Jahrgang X, Heft 12, 36 Seiten Text, 2 Tafeln . und 20 Textabbildungen. Preis vierteljährlich 2,50 Mark, einzeln 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — lieber die Bedeutung der Rauschgifte und besonders über die des Alkohols für den Volkskörper gibt Dr. med. et phil. Ingo Krumbiegel im Märzheft eine Uebersicht unter Benutzung auch der neueren Zahlen. Es wird ausgeführt, daß von den rund 800 Nachkommen einer Trinkerin über 700 wenigstens einmal mit dem Strafrichter in Berührung gekommen sind, daß davon 37 zum Tode verurteilt wurden, daß 342 Trinker waren und insgesamt durch die Sippschaft dieser Trinkerin dem Staate mehr als 12 Millionen Gerichtskosten erwachsen sind. Ein Schulbeispiel für die Berechtigung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Das gleiche Heft gibt Nachricht von den Verfahren, die Wachstumsdauer der Pflanzen durch kurze Einwirkungen auf die keimenden Samen erheblich abzukürzen, so daß z. B. Wintergetreide — erst im Frühjahr gesät — noch im gleichen Jahre zur Reife kommt. Für viele Liebhaber werden die Angaben von Dr. P. Michaelis vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Züchtungsforschung wertvoll fein, die die Entwicklung und Aufzucht der Orchideen betreffen. Prächtige Bilder und Tafeln veranschaulichen die Aufzucht. Reizvoll sind auch ibie Bilder von den Waben verwilderter Bienen und von den Anfängen der Bienenzucht mit den Ausführungen von Pros. Max D i n g I e r, Gießen. Heber die Kohlevorkommen der ganzen Welt berichtet ein Beitrag von Bergassessor Siegmund. Andere Aufsätze behandeln die neuesten Fortschritte auf dem Gebiet der Zeitmessung, die Verarbeitung von Kohle zu plastischen Massen, Fragen aus der Vogelzugforschung, tierseelenkundliche Beobachtungen auf" dem Geflügelhofe u. a. m. Wie immer zeichnet sich auch das vorliegende Heft des „Naturforscher" durch seine Reichhaltigkeit und prächtige Bebilderung aus. Alle Beiträge sind leicht verständlich gehalten, so daß sie jedem Naturfreund eine Fülle von Wissen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften und der Technik vermitteln. Die Zeitschrift, die im April ihren neuen Jahrgang beginnt, kann wärmstens empfohlen werden.
nungslisten stand, die er dem Gouverneur einreichte, oder seine Soldaten hatten überhaupt keine Waffen. Die hatte irgendein „Machthaber" schon längst an die Armee der Nachbarprooinz ober gar an bie stärkste Banbe verkauft. Auch sagte bie Erfahrung, baß Truppen, bie zur Bekämpfung ber Chunchubsenbanben ausgerückt waren, nicht mehr heimkehrten, fonbern gleich selbst zu ben Banden übergingen, beim es schien aussichtsreicher, sich als Räuber einen Svlb zu holen, ben man als Solbat seit Monaten nicht mehr erhalten hatte.
Staatlich sanktioniert.
Aus biesen unb vielen anberen Grünben verftanb sich ber Gouverneur meist zu einer m i l b e n Tat« t i k gegenüber ben Banben, ja er suchte in langwierigen biplomatischen Verhanblungen sich bie Dienste ber Banbe zu sichern. Er legalisierte auf biese Art bie Banbe, bie nunmehr — ein Staat im Staate — als Gegenleistung einen bestimmten Prozentsatz ihrer Beute unb ihrer Steuereinkommen an ben „Gouverneur" sanbte. War nun ber Führer ber Banbe ehrgeizig und schlau, so stieg er über die Würde einer Leibwache im geeigneten Moment selbst in die Sänfte des Gouverneurs. Viele der bekannten Generäle und Machthaber des alten und neuen China find frühere Bandenführer.
Daß es neben dieser Art staatlich sanktionierter Räuberei natürlich weitaus unbequemere gibt, hat China seiner Modernisierung zu verdanken. Der mit Maschinengewehr und Automobil „arbeitende" chinesische G a n g st e r in Schanghai oder Hongkong hat seine Methoden dem Chicago-Kollegen in den importierten Filmen abgelauscht; er verdirbt Romantik und Renommee seines Genossen im Innern des Landes.
Kriegerischer Banditismus.
Eine besondere Stellung hat stets der Chunchudse der Mandschurei eingenommen. Hier, besonders aber in der Nordmandschurei, also im Bereich der eben im Mittelpunkt allgemeinen Interesses stehenden Ostchinesischen Eisenbahn, um Harbin herum und im Tal des Sungari sowie in den Felshängen des Khingangebirges, gedieh an der Nahtstelle der weißen und gelben Rasse aufdenSchlacht- selbem ewiger Kriege eine befonbers kriegerische Form bes Banbitismus. Hier im gesetzlosen Hinterland der sibirischen Sträflingskolonien winkte dem flüchtigen Verbrecher aus den Strafbergwerken um Jakutsk und Jenissei, dem geächteten mongolischen Pferdedieb eine fast uneingeschränkte Freiheit unter dem blutigen Banner der mandschurischen Chunchudsenkavallerie.
Auf ihren kleinen, unalaublich zähen Gäulen waren die Räuber dieses Landes in unausgesetzten Kämpfen mit den Kosaken des Zaren zu kriegs- tüchtigen Soldaten der Gesetzlosigkeit herangebildet. In diesem Niemandsland zwischen Weiß und Gelb, dessen Garnisonen stets schußbereite Vorposten waren, dessen Eisenbahnstationen Festungen sind, in dem jeder Postzug durch sibirische
Kaiserbad verdankte. Die Auffindung der Quelle gibt berechtigten Anlaß zu ber Hoffnung, baß bas Bad jetzt wieder zu seiner Weltgeltung kommen wird. Es ist interessant, daß gerade heute die Arbeiten an dieser Stelle eingestellt werden sollten, falls sich wieder kein Ergebnis zeigen würde. Aus der andern Lahnseite gehen ebenfalls die erfolgversprechenden Bohrungen weiter.
Motorradfahrer rast in eine SA.Kotonne. — Sechs Schwerverletzte.
In Neusalz a. d. O. fuhr der Schiffseigner T l e tz e aus Kuffer mit feinem Motorrad in eine S A. - K o l o n n e, die nach hinten durch drei Fahrräder mit Katzenaugen gesichert war. Fünf SA.- Männer wurden schwer verletzt, doch besteht bei keinem Lebensgefahr. Tietze erlitt einen schweren Schädelbruch. Er dürste kaum mit dem Leben davonkommen. Schuld an dem Unglück hat Tietze, der auf einem geliehenen Motorrad fuhr, dessen Bremsen anders angeorbnet waren als bei seinem eigenen.
Hinrichtung eines Mörders in Lübeck.
Der Mörder des Handlungsgehilfen Meinen, der 1903 geborene F i ck, wurde in Lübeck durch Enthaupten hingerichtet. Er war zum Tode verurteilt worden, weil er gemeinsam mit einem gewissen Käding am 31. Juli 1932 den Handlungsgehilfen Meinen überfallen unb getötet hatte. Käding hatte Meinen burch schwere Messerstiche verletzt. Fick hatte ben am Boben Liegenden mit mehreren Schlägen mit einem Knüppel getötet. Fick unb Käbing waren Angehörige bes Reichsbanners, währenb Meinen Nationalsozialist war.
Stürzender Kran bringt ein Lastschifs zum Sinken.
Ein sonderbarer Unfall ereignete sich auf dem Rangiergleis des Miltenberger Bahnhofs am Ufer des Mains. Der Kran der Firma B r e u n i g wurde von ablaufenden Güterwagen erfaßt und auf ein zu entladendes Lastfchiff gestürzt, welches durch den Anprall und unter der ungeheuren Last


