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entschlossen sein praktisches Interesse zuwenden. Die Reichsregierung wird der Entwicklung des Automobilsports die höchste irgendwie mög* liche Förderung angedeihen lassen. Sie wird vor allem weiterfahren, dieses neueste Verkehrsmittel in eine enge Zweckverbindung zu brin­gen mit der bisherigen großen Verkehrsinstitution, der Reichsbahn. Das Problem der nationalen Sicherung und Herstellung des Brennstoffes wird gelost!

Nach dem Volksempfänger auch das Volksauto.

Venn wir wirklich die Kraftwagenbesiher in Deutschland in die Millionenzaht steigern wol­len, dann kann dies nur gelingen, wenn w i r seinen Preis anpafsen dem finan­ziellen Leiftungsniveau der hierfür in Frage kommenden Millionenmasse der Käu­fer. Venn die deutsche Regierung wünscht, daß das deutsche Volk lebendigen Anteil am Kraft­wagen nimmt, dann muß aber die Wirtschaft für das deutsche Volk auch den geeigneten Kraftwagen schaffen und bauen. Vor we­nigen Monaten erst ist es der deutschen In­dustrie gelungen, durch die Fabrikation eines neuen Volksempfängers eine enorme Anzahl von Radioapparaten auf den Markt zu bringen und abzusehen. Ich möchte es nun als die bedeutendste Aufgabe für die deutsche Kraftwagenindustrie hinstellen, immer mehr den Wagen zu konstruieren, der ihr zwangsläufig eine Millionenschicht neuer Käu­fer erschließt. Denn nur, wenn es uns gelingt, die breiteste Masse für dieses neue Verkehrs­mittel zu erobern, wird nicht nur der volks­wirtschaftliche, auch der soziale Ruhen ein unbe­streitbarer sein.

Was die deutsche Industrie in den hinter uns Liegenden Jahren geleistet hat, ist bewunderungs­würdig. Es gibt heute kein Land der Welt mit mehr Fortschritt in der Konstruktion neuer Automobile als Deutschland. Dom Kleinwagen bis zum modern­sten Rennwagen, vom Lastwagen mit Dieselantrieb bis zum Motorrad sehen wir überall neue Wege einscylagen und wahrhaft ingenieuse Gedanken sich verwirklichen. Es ist bemerkenswert, daß diese Au­tomobilschau nicht planmäßig vorbereitet wurde, sondern daß sie nur eine Stichprobe dar­stellt der Produktion unserer Industrie. Indem ich das deutsche Volk einlade, diese Stichprobe zu be­sichtigen und zu überprüfen, bin ich überzeugt, daß es in freudigem Stolz anerkennen wird, was seine Ingenieure, seine Kaufleute und seine Arbeiter wie­der einmal geschaffen haben.

Neue Arbeit für Millionen Volksgenossen.

Ich möchte aber diese Stunde auch nicht vor­übergehen lassen, ohne erneut die Aufmerksam­keit eines jeden Deutschen hinzulenken auf die große Millionenzahl derer, die auch heute noch nicht durch eigene Arbeit das tägliche Brot gefunden haben. Es ist die Pflicht eines jeden Deutschen, sich mit diesen Volksgenossen solidarisch zu erklären und durch fein eigenes handeln und Verhalten mitzuhel­fen, neuen Arbeitern unseres Volks der Stirn und der Faust Betäti­gung und damit die Existenzmög- l i ch k e i t zu geben.

Am 17. März jährt sich zum 100. Mal der Tag, da derKonstrukteur des ersten Autorno- b i l s das Licht der Welt erblickte.

Neben Benz dürfen wir in Daimler nicht nur den Erfinder des ersten Automobilmotors sehen, sondern auch den Begründerder er st en und damit ältesten A u t o m o b i l fa b r i k der Welt. Welch eine gigantische Entwicklung seit jenem 16. September 1883, da zum ersten Mal ein Auto­mobilmotor in der Welt unter Patentschutz genom­men wurde, und heute? Wer kann daran zweifeln, daß es uns gelingen wird, diese wunderbare Ent­wicklung zum Nutzen unseres ganzen deutschen Volks weiter fortzuführen?

Aber darüber hinaus sehen wir in diesem neuen Verkehrsmittel ein Element menschlicher Zu­sammenarbeit, das weit über die Grenzen eines einzelnen Volkes hinausreicht, die Völker verbindet. In einer Zeit, da wir alle keinen sehnlicheren Wunsch besitzen, als in friedlicher Arbeit gemeinsam mit den anderen Rationen die Wunden der letzten Jahrzehnte zu heilen, sind wir glücklich, dec ganzen Welt eine sichtbare Aufklärung zu geben über das Wesen der Pro­bleme, die uns heute beschäftigen, und einen Beweis über die Fähigkeit, mit der wir sie meistern. So erkläre ich denn mit stolzer Freude die Internationale Automobil-Ausstel­lung 1934 in Berlin hiermit für eröffnet.

Nach der Rede des Führers brachte der Präsident Allmers auf den Führer und das deutsche Vater­land ein dreifaches Sieg-Heil aus. Die Feierlichkeit schloß mit dem gemeinsamen Gesang des Deutsch­land- und des Horst-Wessel-Liedes. Unter den Klän­gen des Badenweiler Marsches begab sich der Kanzler mit einem Teil der geladenen Gäste zur Besichtigung in die Ausstellung.

Ein neuer Emhetts-Metvettrag.

Berlin, 7. März (DNB.) Zwischen den Füh­rern des H a u s b e s i tz e s (Obersturmbannführer Tribius) und der Mieterschaft (Pg. Herrmann) ist über das neue Muster eines deutschen Mietver­trages eine Einigung herbeigeführt worden. Im Gegensatz zu den bisher gebräuchlichen Vertrags­formularen enthält das neue Dertragsmufter klare Bestimmungen, die keinem Teile übermäßige, mit gesundem Rechtsempfinden unvereinbare Lei- stungen auferlegen. Der Zentralverband deutscher Haus- und Grundbesitzervereine e. V. und der Bund deutscher Mieteroereine e. V. werden die ihnen unterstellten Verbände anweisen, nur noch dieses neue Mietvertragsformular auszugeben und die bereits im Verkehr befindlichen Formulare nach Möglichkeit zurückzuziehen. Die Vermieter- und Mieterverbände sollen des weiteren auf ihre Mitglieder dahin einwirken, daß nur noch dieses deutsche Einheitsmietoertragsmuster beim Vertragsabschluß verwendet wird. Andererseits soll es den Parteien nicht verwehrt sein, zur Anpassung an den einzelnen Fall besondere ergänzende Vereinbarungen zu treffen. Der Zentral-

England fordert Parität der Lustrüstungen.

Eine aufschlußreiche Debatte. - Kritik an Deutschland, aber man meint Frankreich. Churchill erklärt, ohne Gleichberechtigung kein ausreichender Luftschutz.

London, 8. März. (DNB.) 3m Unterhaus fand eine mit großer Spannung erwartete Auseinander­setzung über die ßuftrüftungen statt.Die Zeit ist gekommen, wo wir es uns nicht länger leisten können, die Tatsache zu übersehen, daß alle Nationen zwar von Abrüstung reden, daß aber fast alle außer uns selbst ihre Luftrüstungen in starkem Maße er­höhen. Wenn andere Nationen nicht auf unseren Stand herunterkommen wollen, dann fordert un­vermeidbar die Sicherheit Großbritanniens wie die des Britischen Reiches, daß wir bauen, um auf ihren Stand zu kommen." Diese Erklärung bildete den Kernpunkt einer Rede, mit der der Unterstaats­sekretär für das Flugwesen Sir Philipp S a s s o o n im Unterhaus die Voranschläge für das Flugwesen begründete. Er legte dar, daß zwar die nomi­nelle Erhöhung in der Kampfstärke der briti­schen Flugstreitkräfte vier Geschwader betra­gen wird, daß tatsächlich aber eine Erhö­hung um sechs Geschwader stattfindet. Sas- soon betonte, diebescheidene Ausgabenerhöhung" in den Voranschlägen begründend, daß darüber hinaus die dringende Notwendigkeit weiterer Maßnahmen weiteryin bestehen bleibt. Die Welt habe einen kritischen Punkt in der Frage der Abrüstung erreicht. Die Hoffnung auf eine befrie­digende Vereinbarung auf der Abrüstungskonferenz habe sich nicht erfüllt. Die Gefahren, die un­vermeidlicherweife ein unkontrolliertes Wettrüsten in der Luft im Gefolge haben würden, feien furcht­bar. Wir können es uns nicht leisten, so erklärte Safsoon, eine Stellung ständiger Unterlegenheit einzunehmen. Wir haben klargestellt, daß Groß­britannien, solange Luftstreitkräfte bestehen, P a - r it ät in der Lust besitzen muß, Wie auch immer diese Parität erzielt wird. England stehe indessen weiterhin zu seinem Abrüstungsmemoran­dum und beabsichtige nicht, im gegenwärtigen Sta­dium ein Bauprogramm vorzulegen, das die Ein­leitung für einen Luftrüstungswettbewerb sein könne.

Oer Konservative Abg. Guest erklärte, die britischen Luftstreitkräfte seien völlig ungenügend für den Heimatschutz. Deutschland habe die Absicht, so rasch wie möglich wiederaufzurüsten und Oe st erreich zu annektieren. Es sei vollkommen klar, daß Italien dann eingreifen werde. Dies würde sehr weitreichende internationale Verwick­lungen nach sich ziehen. 3n Frankreich werde es vielleicht in sechs Wochen eine Diktatur geben. England könne daher bei feinen Berechnun­gen über die internationale Verteidigung Frank­reich nicht in dieselbe Kategorie stellen wie vor fünf Jahren. Man wisse jedoch, daß Deutsch­land etwas über 1000 Zivilflugzeuge besitze. Hier operierte Guest wieder mit der schon widerlegten Behauptung, daß diese Verkehrsmaschi­nen sehr leicht in Militärflugzeuge um- gewandelt werden könnten. Die Zahl der deut­schen Flugzeugführer scheine fastunbe­rechenbar" zu fein. (!) Guest verwies auch auf die Zahl der Deutschen mit Flugzeugführerscheinen.

Churchill

stellte bann die bei ihm unerwartete Forderung auf, daß jedes Abkommen zwischen den Groß­mächten auf Gleichberechtigung begründet fein müsse, da es sonst nicht den geringsten Wert habe. Ein auf Gleichberechtigung begründetes Ab­kommen sei das einzige Mittel, um dicht bevölkerte Bezirke und große Städte, insbesondere London, zu schützen. Churchill bezeichnete die augenblickliche Lage als sehr gefährlich. England stehe in den Luftrüstungen an fünfter Stelle. Deutschland rüste rasch auf (!), und niemand werde es daran hindern. Deutschland sei in der Lage, mit großer Schnelligkeit eine mächtige Luftstreitkraft zu ent­wickeln. (?) Unter lautem Beifall erklärte Churchill: Keine Nation, die eine Rolle spiele wie England sie in der Welt spiele, habe das Recht, in einer so bedrohten Lage ohne genügenden Schutz zu verbleiben.

Baldwin

erklärt, die Lage fei ernst, man solle jedoch d i e Gefahren nicht übertreiben. Die Gefah­ren, von denen der konservative Abgeordnete Guest gesprochen habe, seien im Augenblick nicht aktuell, man müsse aber acht geben, daß sie nicht aktuell würden. Baldwin stimmte mit Churchill überein, daß sich die europäische Lage im letzten Jahr infolge verschiedener Umstände für England schwieriger gestaltet habe. Man müsse aber be­denken, daß der Grund, der Deutschland ver­anlasse, im gegenwärtigen Augenblick so besorgt um seine Gleichberechtigung in der Luft zu fein, das­selbe Gefühl der Besorgnis sei, das die Engländer wegen London empfinden. Dasselbe Ge­fühl ließe auch die Franzosen nicht mehr los. Wenn alle dieses Gefühl hätten, dann müßten ja Verbrecher in den Regierungen Europas sitzen,

wenn man nicht vereinbaren könnte, d l e De» fürchtungen soweit wie möglich z u b e - ch r ä n f e n. Eine wirkliche Gefahr für den Frie­den fei eine starke Luftmacht auf der einen Seite und ein wehrloses Land auf der anderen Seite. Die Welt fei noch nicht für eine internationale Poli­zeistreitkraft reif. Er habe noch keineswegs bie Hoffnung aufgegeben, daß eine Konvention ZU- standekomme, die die Gleichberechtigung in der Luft gewähre, was nach feiner Ansicht das erste Erfordernis zur Vermeidung der be­stehenden Gefahr bilde. Wenn jedoch alle Bemü­hungen scheitern sollten, so rief Baldwin unter dem lauten Beifall des Hguses aus, fo werde jede Regierung Großbritanniens zusehen, daß Großbritannien in der Luft nicht länger den Ländern unterlegen fei, die sich in d e r Reichweite der britischen Küste be- finden.

Leber jede andere Lösung, als diese."

Benesch protestiert scharf gegen die Möglichkeit einer Habsburger Restauration.

Paris, 9. Würz. (DRB. Funkspruch.) Der Son- derberichlerstatter desPetit Parifien" in Prag hatte eine Unterredung mit dem tschechoflowakifchen Außenminister Dr. B e n e s ch über die Frage der Wiedereinsetzung der Habsburger in Wien und Bu­dapest. Benesch sagte, er sei mit Dollfuß und Fey der Ansicht, daß die Frage der Herstellung der Monarchie in Oesterreich eine internatio­nale Frage sei, die im übrigen nicht aktuell sei. Sie gehöre deshalb auch nicht zu seinen gegen­wärtigen oder fernen Sorgen. Aber gesetzt den Fall, daß morgen durch einen Putsch oder auf andere Weise die Habsburger wieder eingesetzt wür­den, so würde der tschechoslowakische Ge­sandte in Wien sofort zurückgerufen werden. Das gleiche gelte, das glaube er sagen zu können, auch vomrumänischen und süd­slawischen Gesandten. Die kleine Entente würde mit allen Mitteln sich der Wie­dereinsetzung der Habsburger wider­sehen. Sie würde lieber jede andere Lö­sung annehmen als gerade diese, da die Herrschaft der Habsburger das Wiederaufleben aller Revisionsgelüste zur Folge hätte.

Frankreich als Vermittler zwischen Italien und der Kleinen Entente.

Paris, 7. März. (DNB.) Die Presse erklärt, daß gerade heute der Augenblick geeignet fei, m i t Italien zu einem günftigen Ausgleich zu gelangen. Frankreich könnte der Vermittler zwischen Italien und der Kleinen Entente sein.Libertö" behauptet, Außenminister Barth ou habe sich am Dienstag mit Graf Chambrun, dem französischen Botschafter in Rom, über die Punkte unterhalten, in denen Frank­reich und Italien einig feien. Das sei einmal die Unmöglichkeit einer weiteren Abrü - ftung Frankreichs, weiter die Aufrechterhal­tung der Unabhängigkeit Oesterreichs und schließlich das gemeinsame Bemühen, die Wirtschaftslage im Donauraum zu heben, wobei sogar die Rückkehr zum Goldstandard erörter wird. DerIntransigeant" bezeichnet Barthou als überzeugten Anhänger der französisch-italieni­schen Zusammenarbeit, der alles tun werde, um die neue Politik Roms nicht zu enttäuschen, ohne aber die traditionelle Freundschaft mit der Kleinen Entente zu stören. Deshalb bemühe sich Frank- reich auch bei der Kleinen Entente. So könnte das Werk Frankreichs von Bedeutung werden, wenn es zur Schaffung eines soliden Blockes Frankreichs, Italiens und der Klei­

nen Entente führen würde.Information" schreibt, über die Notwendigkeit der österreichischen Unabhängigkeit seien Frankreich und Italien zwar völlig einig. Mussolini fordere aber, um der Klei­nen Entente Zugeständnisse machen zu können, von Frankreich Zugeständnisse in der Abrüstungsfrage. Letzten Endes laufe also alles darauf hinaus, wer die Oberhand behalte.

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$ e ft er Lloyd" vertritt die Auffassung, daß sich Frankreich heute mehr denn je in ber Donau­frage zu einem Zusammengehen mit Italien ent­schließen könne, da die in den Ländern der Kleinen Entente aufgetauchten inneren Gegensätze diese in ihrer Stellung als Großmacht erschüt­tert hätten. Das Blatt schildert die innerpolitischen Zustände Rumäniens und Südslawiens in äußerst trüben Farben und meint, daß Frankreich auf diese beiden Länder bei der Neuordnung des Donau­beckens nicht bauen könne. Die freundlichere Haltung der Tschechoslowakei Italien gegen­über, das Gerücht einer Romreise Beneschs, der große Audienzbetrieb am Quai d'Orsay, das alles seien Beweise dafür, daß Frankreich in der Donaufrage auf eine gemeinsame Platt­form mit Italien kommen müßte, um auch Die Kleine Entente einer gemeinsamen französisch- italienischen Donaupolitik gefügig zu machen. Der liberaleMagyarorszag" hebt im Leitartikel hervor, daß nun der Jahrhunderte lange französisch-deutsche Grenzstreit zur Ruhe gekommen und der politische Schwerpunkt in das Donaubecken verschoben worden sei.

Nur wirtschaftliche Ziele." Italien wendet sich gegen falsche Gerüchte über die Dreierbesprechung.

Rom, 8. März. (DNB.) In unterrichteten italie­nischen Kreisen gibt man seiner Verwunderung dar­über Ausdruck, daß die Gerüchte über politische Ziele, die Italien mit der Dreierbesprechung in Rom verfolgen soll, nicht aufhören. In Rom wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Besprechun­gen ausschließlich und allein wirt­schaftliche Ziele verfolgen. Wenn die Dreier­zusammenkunft überhaupt eine politische Seite habe, so sei es eben nur die Tatsache selbst, daß die Regie­rungschefs von Ungarn und Oesterreich persönlich mit dem italienischen Regierungschef die Frage des wirtschaftlichen Wiederaufbaues im Donaubecken durchfprechen werden. Als Grundlage der Verhandlungen werde das italienische Donaumemorandum vom Herbst 1933 dienen, das eine wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht nur zwi­schen den drei genannten Staaten, sondern zwischen allen wirtschaftlich am Donaubecken interessierten Staaten vorsehe.

verband Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine wird jedoch eine Liste derjenigen Vertragsklauseln veröffentlichen, die von den Hausbesitzern selbst als unsozial mißbilligt werden und deren ver­tragliche Vereinbarung den Mitgliedern unter­sagt sein soll.

Belgien und die Abrüstung.

Der Schreck vor der eigenen Courage.

Brüssel, 8. März. (DNB.) Im Senat ergriff Außenminister Hymans nochmals das Wort, offenbar, um die Opposition in einem Teile der bel­gischen und französischen Presse gegen die außen­politischen Erklärungen der Regierung zu beschwich­tigen. Die Ausführungen Hymans am Donnerstag hielten sich in der Linie der früheren Erklärungen, wenn auch die Betonung des Einverneh­mens mit Frankreich, insbesondere bezüglich der Sicherheitsforderungen, stärker als in der Brocquevilleschen Erklärung zum Ausdruck kam. Hymans führte u. a. aus: Die Regierung zähle auf den gefunden Sinn des belgischen Volkes. Niemand werde glauben, daß die Regierung eine Wieder­aufrüstung Deutschlands zulassen wolle. Die Regierung habe nie etwas Aehnliches gesagt. Sie kenne zu sehr die Gefahr, die aus der Abschaffung der Verträge'hervorgehen würde. Belgiens Schutz ruhe auf dem Einvernehmen Frankreichs, Englands und Italiens. Die Regierung bemühe sich, dieses Einvernehmen zu sichern und ^usätzlicheSicherheitsgaran- t i c n zu erhalten.

Belgien habe stets gefordert, daß die Rüstung Deutschlands in den Grenzen des Ver­sailler Vertrages gehalten werde. Die Groß­mächte hätten jedoch selbst die Begrenzung der R ü ft u n g entsprechend den neuen Ver­hältnissen geändert. Wenn Belgien dagegen protestiert, so stände es allein. Ein solcher Protest würde außerdem noch das Einvernehmen der Groß­mächte durchkreuzen, an dem Belgien doch interes­siert fei. Belgien sei in engem Kontokd mit den drei Mächten gebjieben. Man habe versucht, glau­ben zu machen, daß Belgien mit Frankreich bezüg­lich der Abrüstung uneins fei. Dem müsse er -ent«

gegentreten. Es bestehe im Gegenteil volle Uebereinftimmung zwischen den bei» den Ländern über die Sicherheitsmaßnahmen, um die Wiederaufrüstung Deutschlands in vor- sichtigen Grenzen zu halten und ste einer wirksamen gegenseitigen allgemeinen Kontrolle zu unterziehen. Die beiden Länder seien auch einig darin, daß Sanktionen im Falle einer Ver­letzung des Abkommens ergriffen werden müßten, und zwar durch eine solidarische Aktion, um so eine illegale Aufrüstung Deutschlands zu verhindern.

Dor einer Kabinettskrise in Belgien?

London, 9. März. (DNB.-Funkspruch.) Der Brüsseler Vertreter derMorning Post" berichtet, daß Ministerpräsident de Brocqueville vor seiner bekannten Senatserklärung telephonisch m i t dem französischen Außenminister und Großsiegelbewahrer Eden gesprochen habe. Der Korrespondent hält eine Kabinetts­krise in Belgien für wahrscheinlich.

Der Pariser Mitarbeiter desNew Chronicle" berichtet, Barthou habe seine Reise nach Brüssel aufgeschoben, da die französische Regierung nicht wünsche, daß der Besuch mit der Rede de Brocque- villes im Zusammenhang steht.

Neuer Selbstmordversuch in der Stavisky-Affäre.

Der Verteidiger Romagninos leidet an Verfolgungswahn.

Paris, 9. März. (DNB. Funkfpruch.) Der be­kannte und erfolgreiche Pariser Strafverteidiger, Rechtsanwalt Raymond h u b e r t, der jetzt die Ver­teidigung des Privatsekretärs $ ta- vifkys, Romagnino, übernommen hat, hat am Donnerstagvormittag, wie erst jetzt bekannt wird, einen geheimnisvollen Selbst­mordversuch unternommen. Er stürzte sich un­weit seiner Wohnung, nachdem er kurz vorher im Gefängnis eine einstündige Unterredung mit Ro­magnino gehabt hatte, voneiner Brückeiu die Se i n e. Zwei Polizelbeamte warfen ihm einen Ret­tungsring zu, den Hubert, schon halb bewußtlos, er­

griff. Es gelang, ihn aus dem Wasser zu ziehen. Ec wusde in ein bei Paris gelegenes Sanatorium ge­bracht, dessen Name jedoch nicht bekanntgegeben wird. Hubert soll nach einer Lesart an Verfolgungs­wahnsinn leiden und schon mehrmals polizei­lichen Schuh angeforderl haben. Am Mittwoch hatte er noch eine vierstündige Unterredung mit dem Un­tersuchungsrichter, der den Fall Stavisky bearbeitet.

Auf Anweisung des Pariser Untersuchungsrichters ist gegen Henry Voix, der Stavisky auf feiner Flucht begleitet und darauf 45 Tage in Unter­suchungshaft gesessen hatte, ein neuer Haftbefehl er­gangen. Voix wird der Beihilfe zum Betrug und zur Hehler ei angeklagt. Er wurde in Chambsre, wo er sich am Donnerstag vor Gericht zu verantworten hatte, verhaftet. In verschiedenen Pa­riser Banken wurden am Donnerstagnachmittag Nachforschungen nach Stavisky-schecks angestellt, und tatsächlich 403 Schecks gefunden. An­geblich waren die Empfänger Personen, die keine große Rolle spielten oder spielen.

Arbeiterpartei erhält die Mehrheit im Londoner

Grasschafisrat.

London, 9. März. (DNB.) Am Donnerstag fanden die Wahlen zum Londoner Graf­schaf t s r a t statt, dessen Mitglieder ihr Amt drei Jahre hindurch ausüben. Der letzte Grafschaftsrat bestand aus 83 Konservativen, 25 Arbeiterparteilern unb 6 Liberalen. In den Morgenstunden waren 98 Ergebnisse der Wahlen bekannt. Danach waren ge­wählt 61 Arbeiterpartei! er und 3 7 Kon­servative Es steht bereits fest, daß die Ar - beiterp urteilet zum ersten Male mit ihren 61 Abgeordneten, die bis ietzt gewählt sind, di« Mehrheit erhalten haben.Morning Post^ sagt, die Sozialisten hätten jeden Mann und jede Frau an die Wahlurne gebracht, während die Geg­ner der Sozialisten völlig teilnahmslos gewesen wä­ren. Der arbeiterparteilicheDaily Hevald" kündigt eine gründliche Aenderung in der Verwaltung der größten Gemeinde der Welt an.

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