Nr. 58 Erstes Blatt
184. Jahrgang
Zreitag.y. Marz 1934
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Weg zum deutschen Volksauto.
Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet die Berliner Auto- und Motorrad-Ausstellung.
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Berlin, 8. März. (DNB.) In den Ausstellungshallen am Kaiserdamm eröffnete heute mittag Reichskanzler Adolf Hitler in Gegenwart der Reichsregierung, namhafter Vertreter der Wirtschaft und des Diplomatischen Korps die diesjährige Automobil- und Motorradaus- ftellung Berlin 1934, auf der hauptsächlich deutsche Firmen mit ihren besten Erzeugnissen
Der Führer bei der Besichtigung eines interessanten Standes. Im Hintergrund die Reichsminister Goering und Dr. Göbbels.
werben, um im kommenden Jahr Zehntausenden deutscher Volksgenossen Arbeit und Brot zu vermitteln.
Schon die Umgebung weist auf einen großen Tag hin. Lange Autokolonnen verstopfen fast die breite Fahrbahn des Kaiserdamms. An der Königin- Elisabeth-Straße steht Kopf an Kopf Motor-SA. Spalier. Der Festraum ist über und über mit Tannengrün und Blumen geschmückt. 3m Hintergrund steht, von Blumen und Blattgrün umrahmt, die Büste des Schirmherrn der Ausstellung* des Reichspräsidenten von Hindenburg, während darüber in Ueberlebensgröße ein Augenblicksbild vom Reichskanzler auf dem Nürnberger Parteitag herabgrüßt. Ringsherum haben Hunderte von Abordnungen der Motor- SA. Berlin-Brandenburg Aufstellung genommen. Punkt 11 Uhr ertönte, von der Adolf-Hitler-Leib- standartenkapelle gespielt, der Fanfarenmarsch. Adolf Hitler erscheint in Begleitung der Reichsregierung im Ehrenraum Unter den Anwesenden bemerkte man als Vertreter des Reichspräsidenten Staatssekretär Dr. Meißner weiter waren erschienen die R e i ch s m i n l st e r Freiherr von Neurath, Schwerin von Krosigk, Schnutt, Seldte, von Eltz-Rübenach, Goring Dr Goebbels, Heß, Röhm, Vertreter der Reichswehr, den Reichs- jugendführer B a l d u r v o n S ch t r a ch , den Fuh- rer der Motor-SA. und NSKK., Kronprinz Wil- Helm in der Uniform der Motor-SA., den Reichs- führer der SS. Himmler unb der Partei, der Wirtschaft und Industrie,die Botschafter von Frankreich, England und Stalin, f wie den Gesandten von Oesterreich. Als der Kanzler erschien wurde er von den Ehrengästen nut er- h°b°n°r Hand begrüßt und vom Präsidenten des RDA. Allmers zum Platz geleitet.
Oer Präsident des Keichsverbandes der Automobilindustrie Geheimrat
Or. Allmers
hielt die Begrüßungsrede. Eingangsi dankte ^dern Reichspräsidenten für die Uebernahme der Schirm Herrschaft. Sodann verwies er aus oen ,v unaufhaltsamen Rückgang der Abs Bekenntnis Fahren 1930 bis 1932, dem nach dem Bettnmn des Führers zum Kraftwagen tn fe Der-
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Drillens Hal die p o l i t i f ch e I d e o l o g i e der feit dem Zusammenbruch sich immer mehr und mehr durchsetzenden marxistischen Ideenwelt einen leider mehr als erfolgreichen Kampf für ein m ö g l i ch st primitives Ausmaß der Bedürfnisse geführt. Da nun der Theorie der Gleichheit zu allen Zeiten die Möglichkeit fehlte, die Aermsten auf das Niveau der Millionäre emporzuheben, versuchte sie dann aber wenigstens — prinzipienfest und dogmentreu — den Lebens- standard aller einheitlich nach der Tiefe zu drücken. Ein solches Ideal der Primitivität ist aber nicht nur kulturell gesehen ei n Rückschritt, sondern auch in seiner wirtschaftlichen Auswirkung von katastrophalen Folgen für ein Volk, das wie das deutsche von Geburt aus zu höherem bestimmt und durch einen jahrtausendlangen Wirtschaftsprozeß dafür organisiert und eingerichtet ist. So war es möglich, daß in unserem Volk noch in einer Zeit der Besitz eines Kraftwagens als Luxus galt, da in Amerika auf jeden fünften Einwohner, Frauen und Kinder eingerechnet, bereits ein Automobil kam.
bahn und dem Kraftverkehr. Die Schaffung reiner Autobahnen werde an die Automobilindustrie große Anforderungen stellen, deshalb hätten zwei große Fabriken Rennwagen nach neuzeitlichen Erkenntnissen gebaut, die als Vorläufer schneller Gebrauchsfahrzeuge anzusehen seien. Die ersten Versuche hätten unerhörte Höchstleistungen ergeben. Werke der Motorradindustrie seien dem Beispiel gefolgt. 3m friedlichen Wettstreit der Nationen würden sie die deutschen Farben in aller Welt zum Siege führen. Die modernen deutschen Personenwagen mit unabhängig gefederten Rädern hätten mit ihren wundervollen Fahreigenschaften in der ganzen Welt Sensation erregt. Infolge der hohen Zollmauern der meisten Länder käme jedoch diese Tatsache unserem Export leider nur bedingt zugute. Dafür seien Lizenzen nach einer Reihe von Ländern verkauft worden. Dies sei ein schwacher Trost. Die
Die Autoindustrie der Motor der Wirtschastsbete-ung
Lieferwagenindustrie hätte die weltumspannende Führung auf dem Gebiet des Diesel- Motors erfolgreich auf die kleinen Nutzlasten der Lieferwagen ausdehnen können. Auch in der Motorradinduftrie, die es infolge des Wettbewerbs der kleinen Wagen schwerer gehabt habe, habe sich der Absatz verbessert. Die A r b eite r z a h l in der reinen Automobilindustrie hat sich verdoppelt. Sie sei auf 64 000 gestiegen. 3edoch bleibe, um Deutschland auf dieselbe Stufe der Motorisierung wie England und Frankreich zu bringen, noch viel nachzuholen. Noch 1300 000 Stück fehlten, um auf das gleiche Verhältnis wie in England zu kommen. Bezüglich Frankreichs feien es sogar 2 Millionen Stück. Am Schluß dankte der Präsident nochmals dem Führer, der nicht nur schöne Worte gesagt, sonderen einem ernsten Programm schlagartig Taten gewaltigsten Ausmaßes habe folgen lassen.
Reichskanzler Adolf Hitler führte dann folgendes aus:
Männer und Frauen! 3m Auftrage des Protektors der Deutschen 3nternationalen Automobil-Ausstellung, des Herrn Reichspräsidenten, übermittele ich dessen aufrichtige herzliche Glückwünsche zum heutigen Tag. Der Herr Reichspräsident hat mit großer Freude Kenntnis genommen von der Entwicklung des deutschen Kraftfahrwesens in den hinter uns liegenden 12 Monaten. Denn: die deutsche Automobil- und Motorradindustrie hat im wesentlichen d i e Hoffnungen erfüllt, die auf sie gesetzt wurden und auf sie gesetzt werden mußten.
Als ich vor einem 3ahr die Ehre hatte, die erste Automobilausstellung im neuen Reich zu eröffnen, befand sich die deutsche Wirtschaft auf einem Tiefpunkt, der das Schlimmste befürchten ließ. Die Armee der Erwerbslosen, die Not ihrer Lebenshaltung, gaben den kategorischen Befehl, unter Verzicht auf alle wirtschaftlich-theoretischen 3llusionen und Phantasien die Maßnahmen durchzuführen, die allein noch geeignet sein konnten, dieser allgemeinen Not zu steuern. Dabei ergab eine eingehende Prüfung dieser Zustände und der Möglichkeit ihrer Behebung u. a. folgende eigenartige Tatsache:
Während das deutsche Volk früher in der Entwicklung des Verkehrs stets mit an der Spitze marschierte, istesinderMotorisierung des Verkehrs in einer zunächst einfach unverständlichen weife zurückgeblieben. Auf rund 125 Millionen Einwohner kommen in den Vereinigten Staaten über 24 Millionen Kraftwagen. Anter Annahme ähnlicher allgemeiner Verhältnisse würde dies f ü r Deutschland eine Zahl von mehr als 12 Millionen Wagen bedeuten. Daß diese Voraussetzungen für Deutschland nicht zutresfen, ist uns allen bekannt. Allein auch im Verhältnis zu den westlichen großen europäischen Nachbarstaaten müßte Deutschland heute einen Bestand von rund 3 Millionen Kraftwagen besitzen. Tatsächlich laufen zur Zeit in Deutschland aber nur etwas über 500 000.
Verkehrsbedürfnis ist in Deutschland, in einem Land mit einer so ungeheuren Industrialisierung, mit mehr als 50 Großstädten, sicher nicht kleiner, sondern mindestens genau s o groß wie in den angeführten Staaten.
Die Gründe für diese eigenartige Erscheinung sind andere: Erstens hat die deutsche Automobilindustrie durch den Krieg jede nähere Berührung für die Dauer von fast einem halben Fahrzehnt mit den gleichen Industrien der übrigen Volker verloren. Dies ist für eine Produktion sehr schädlich, die e r ft i m 21 u f b a u b e g r i f f e n , nur durch ununterbrochenes Messen mit der sie bedrohenden Konkurrenz im Fluß der Entwicklung bleibt. Zweitens hat der furchtbare allgemeine wirtschaftliche Zusammenbruch der Nachkriegszeit auch an dieser Industrie seine verheerenden Wirkungen ausgeübt.
Das Auw darf nicht mehr ein Luxus fein.
Zu behaupten, daß dies dem allgememen Lebensstandard, dem wirtschaftlichen oder technischen Vermögen unseres Volkes entspräche, ist unsinnig. Das'
Geheimrat Dr Allmers, der Präsident des Reichsoerbandes der deutschen Automobil- Industrie, begrüßt am Eingang der Ausstellung den K a n z l e r.
Diese Mentalität aber hatte um so üblere Aus» Wirkungen, als sich aus ihr heraus zwei Erschein nungen ergaben: Die deutsche Automobilindstrie war selbst angesteckt von der Auffassung desluxu - riöfen Charakters dieses neuen Verkehrsmittels und brachte dies in ihren Produktionsprogrammen konstruktiv und preismäßig mehr oder weniger unklug zum Ausdruck. Die deutschen Regierungen aber bemühten sich ihrerseits, durch Maßnahmen der Besteuerung sowohl als der behördlich geleisteten Derkehrspolitik, den marxistischen Grundsätzen jeden neuen Luxusartikel gegenüber eindringlich Geltung zu verschaffen.
Diesen vereinten Bemühungen mußte es gelingen, die Ausbreitung und Entwicklung des neuen Verkehrsmittels — wenn auch langsam, so doch sicher — abzuwürgen. Und es gelang ihnen! Das Jahr 1932 bedeutete hier ohne Zweifel den Höhepunkt der Auswirkung dieser Tendenzen und damit den Tiefpunkt der deutschen Automobilwirtschaft.
Wenn aber irgendwo, dann mußte gerade hier zum entschlossenen Angriff des neuen Regiments angesetzt werden. In einer Zeit, da über sechs Millionen M e n - scheu erwerbslos waren, konnte die Wirt- chaftspolitik sich nicht mit Plänen und Projekten befassen, die normal, wenn überhaupt, nur schwer durchführbar sind, in einer solchen Krise aber geradezu als verbrecherische Illusionen gelten müssen. Hier mußte alles einem einzigen Befehl gehorchen: Schafft Arbeit! Auf welchem Gebiet kann aber vernünftigerweise mehr Arbeit geschaffen werden als dort, wo man am rückständigsten ist?
Man prüfe und ermesse doch einmal die Bedeutung eines Bestands von 2,5 bis 3 Millionen Kraftwagen in Deutschland für unsere gesamte Volkswirtschaft. Abgesehen von der enormen direkten Arbeitsbelebung durch den Bau von jährlich 200 000 bis 300 000 Kraftwagen würden auch die indirekten Folgen ganz außerordentliche fein. Ein wirksamer Expo r t z. B. wird überhaupt nur dann möglich, wenn es uns gelingt, durch die höhe des garantierten deutschen Vinnenab- sahes Fabrikationszisfern zu erreichen, die unseren großen Werken die Möglichkeit geben, in der Preisgestaltung konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt aufzulreten. Denn die Frage des Exports deutscher Kraftwagen ist für uns in erster Linie nicht ein Problem des technischen Könnens oder der Gediegenheit unserer Arbeit, hier werden wir von niemand in der Welt geschlagen! Es ist aber klar, daß die enormen Produktionsziffern ausländischer Automobilfabriken eine andere Preisbildung ermöglichen als dies bei unseren so bescheidenen Serien der Fall sein kann.
Man bedenke weiter die ungeheure Befruchtung der zahlreichen Nebenindustrien durch eine solche Entwicklung Angefangen von der Zubehörindustrie bis zum Bauhandwerk, das die neuen Garagen her- stellt, nimmt fast lückenlos b i e ganze Wirtschaft irgendwie an dieser Entwicklung einen nützlichen Anteil. Es kann gar keinen Zweifel geben, daß in dieser Industrie heute eine ungeheure Möglichkeit für die Ueberroinbung ber Arbeitslosigkeit unb bamit ber Not für viele, viele Hundert- taufenbe von beutschen Menschen liegt.
Quelle der Freude und des Glücks.
Allein nicht nur aus dieser rein wirtschaftlichen Erwägung will der nationalsozialistische Staat die Motorisierung unseres Verkehrs mit allen Mitteln fördern. Solange das Automobil nur ein Verkehrsmittel besonders begüterter Kreise bleibt, wird es schwer sein, ihm seinen früher nun einmal angehängten flaffenbetonenben und damit leider aber auch klassenspaltenden Charakter zu nehmen. Es ist aber ein bitteres Gefühl, von vornherein Millionen braver, fleißiger und tüchtiger Mitmenschen von der Benutzung eines Verkehrsinstrumentes ausgeschlossen zu wissen, das gerade für diese in ihren sonstigen Lebensmöglichkeiten beschränkteren Schichten nicht nur nützlich sein könnte, sondern ihnen vor allem auch an Sonn- und Feiertagen zur Quelle eines uns bekannten freudigen Glückes würde.
Es ist daher der Wille der nationalsozialisti- schen Staatsführung, durch die Förderung des Automobilwefens nicht nur die Wirtschaft anzukurbeln und hunderttausenden von Menschen Arbeit und Brot zu geben, sondern damit auch immer größeren Massen unseres Volkes die Gelegenheit zu bieten, dieses modernste Verkehrsmittel zu erwerben. Wenn die Regierung ihrerseits aber alles tut und tun wird, um diese Entwicklung zu fördern, dann zweifelt sie nicht daran, daß auch die deutsche Wirtschaft ihre Pflicht erfüllt und die ernstesten Anstrengungen macht zur Erreichung dieses Zieles.
Die Regierung wird das im vergangenen Jahr verkündete Programm beharrlich und konsequent weiterführen. Sie wird dem gesamten Kraft- fahrwesen den großen Impuls geben, der nötig ist, um die allgemeinen Vorurteile einerseits und die Trägheit andererseits zu überwinden. Sie wird versuchen, die direkte und indirekte A b - aabenentlaftung des Kraftwagenbesitzers weiter fortzuführen. Das Reich wird neben dem AusbaudesgewaltigenAutobahn- straßennetzes nunmehr auch der Verbesserung der bisherigen Hauptstraßen


