Aus der Provinzialhauptstadt.
Lustschlösser.
Ich habe einen Freund von sonniger Natur. Es ist ihm die Gottesgabe der Fröhlichkeit geschenkt. Heiter erfaßt er das Leben.
Wenn morgens der Hahn kräht, begrüßt mein Freund das Himmelslicht und beginnt sein Tagewerk. Oft kommt er damit schon der Sonne zuvor. Des Abends aber geht er zur rechten Zeit zur Ruhe, dankt dem lieben Herrgott für den verflossenen schönen Tag und schläft dann ruhig, bis ihn die rosenfingrige Morgenröte zu neuem Schaffen erweckt.
Mein Freund hat noch zwei besondere Gaben. Er ist ein richtiger Wanderer, kennt die Heimat, darinnen Berg und Tal, Baum und Strauch und was da kreucpt und fleucht, den Salamander im Tümpel und den Goldweih im Aetherblau. Die Natur ist ihm lieb wie seine Mutter. Geld hat er immer in der Tasche. Wie viel? Gerade soviel, als er braucht. Hat er kein Geld, so braucht er eben nichts. Er bleibt weder seinem Schneider noch dem Tabakhändler noch dem Gastwirt etwas schuldig. Er kennt weder den Gerichtsvollzieher noch ist e r diesem bekannt. Mein Freund ist darum ein zufriedener Mensch. Dieses ist seine erste Art.
Und noch eine zweite Gabe schenkte ihm der Himmel. Einst wanderten wir durch eine Waldschneise. Die Blätter der Espe, der Zitterpappel, flirrten im Sonnenschein hellgrün am Wegrande, im hohen Wipftzl hämmert unsichtbar ein Specht und vom Waldteich, den wir erreichten, erhob sich mit raschem Flügelschlag eine Schaar Wildenten und strich von dannen. Äm erhöhten Uferrand ragten etliche Kiefern und streckten ihre Astenden wie Schwurfinger zum Himmel empor. Wir traten unter die Bäume und genossen den Blick in die blaue Ferne.
Hier möchte ich mir ein Haus bauen, meinte mein Freund.
Hast Du das Geld dazu?
O, entgegnete er, ich meine das ja nur so. Jst's nicht herrlich hier? Siehst Du, hierher kommt die Terrasse, darüber der Söller und wie herrlich wird die Aussicht auf die Berge da drüben sein, wenn sie in der goldenen Abendsonne leuchten!
Mein Freund wohnte schon ganz in seinem neuen Hause.
Weiter wanderten wir selbander und kamen auf die nächste Bergesböhe. Irgendwo sang eine Amsel.
Siehst Du, sprach mein Freund zu mir, da drüben den See, an dem wir vorhin standen? Jst's nicht auch hier oben herrlich? Hörst Du den Vogelruf? Siehst Du dort drüben die Burgen und den Fluß im Tale? Wie herrlich wäre es, hier oben zu wohnen — ich möchte ia das Haus am See nicht misten, allein hier oben wäre eine Hütte gleich einem Schloste ....
Sv ltand mein träumender Freund auf des Berge'-' Gjpsel — ein zufriedener Mensch.
Mein Freund baut Luftschlösier und ist mit und in ihnen zufrieden.
Die aber, die wahrhaftige Schlösier besitzen, können sie das auch aste von sich saaen? Wer so nahe der rauhen Wirklichkeit in Illusionen schweben darf, ist glücklich, ist beneidenswert wie mein Freund, der mit seinem Lose zufrieden ist, das ihm auf Erden zufiel, er ist glücklicher als die, die am Boden kleben, er ist ein wunderbarer Baumeister. Sind seine Schösser auch nur luftige Gebilde, so sind sie zua'eich auch lasten- und steuerfrei und in ihnen wohnen m^er Not po41 Forcen.
Ist es nicht schön, Luftschloßbaumeister zu s"in? XYZ.
— Tageskalend-r für Dienstag: S'odttheater, 20 bis 22 30 Uhr. „Der H»rr Senator". — Lichtspielhaus, Bahrchosstrake: „H-ute nacht aehfg los". — KDAS, 20,30 Uhr, Kunstwissenschaftliches Institut, Lichchildervortrag von S^adtbaurat G r a v e r t über „Das alte Gießen und seine Entstehung"
— Ein Konzert der SA. - Kavelle I/R. 116 unter Leitung des Musikzunführers Herrmann findet am morgigen Mittwochabend im
Cafö Leib statt. Interessenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht.
Fahrtrichtungsanzeiger, Schluß- und Stopplichter.
Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:
Bekanntlich sind mit dem 1. Januar 1934 die neuen Bestimmungen über Fahrtrichtungsanzeiger in Kraft getreten, nach denen insbesondere nur noch gelb-rotes Licht Verwendung finden darf, während das Schluß- und Stopplicht rot bleibt. Ferner sind nicht mehr zulässig die sogenannten Kapselwinker und die um eine mittlere Achse drehbaren Pfeile.
Zusammenfassend ist zu sagen, daß der Winker hinsichtlich der Bauart in eingeschaltetem Zustande an derjenigen Seite des Kraftfahrzeuges erscheinen muß, nach der abgebrochen werden soll, daß er in eingeschaltetem Zustande den Umriß des Kraftfahrzeuges verändern muß und daß er nur gelb-rotes Licht haben darf.
Hinsichtlich der Anbringung muß der Winker in eingeschaltetem Zustand für den Fahrer unmittelbar (d. h. z. B. mit Hilfe eines Spiegels) wahrnehmbar, in eingeschaltetem Zustand von vorn und hinten sichtbar und in ausgeschaltetem Zustande unsichtbar sein.
Die Kraftfahrzeugbesitzer werden aufgefordert, ihre Fahrzeuge alsbald entsprechend den Vorschriften ändern zu lassen.
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Vetr.: Kleidersammlung am 13. Januar.
Am kommenden Samstag, 13. Januar, findet im Ortsgruppenbezirk Gießen - Süd eine zweite Kleidersammlung für das Winter- hilfswerk 1 933/34 statt.
i Zum Ortsgruppenbezirk gehören sämtliche Straßen südlich der Bahnlinie Gießen—Lich, einschließlich der ganzen Liebigstraße.
Alle Bewohner, die über entbehrliche Kleidungsstücke verfügen, werden gebeten, diese bereitzuhalten, und den Begleitleuten an den Wohnungstüren, oder an den Fahrzeugen auf der Straße auszuhändigen. Die Sammlung erfolgt mittels Fahrzeugen der Reichswehr und wird durch Hornisten angekündigt.
Gez.: Friedel, OrtsgruppenwaUer.
Amt für Beamte der NSDAP. Kreit (Niesten.
An die sofortige Befolgung der nachstehenden, nochmals veröffentlichten Anordnung wird erinnert, wobei ich darauf aufmerksam mache, daß bei verspäteter Meldung die Aufnahme der säumigen Parteigenossen in das Amt für Beamte, dessen letztgültiger Aufbau keine weitere Verzögerung zuläßt, in Frage gestellt ist. Die Anordnung erstreckt sich ausnahmslos auf alle dem „Reichsbund der deutschen Beamten" angehörenden Mitglieder der NSDAP, im Kreis Gießen.
wichtig für Beamte!
Zwecks Aufnahme in das Amt für Beamte der NSDAP. Kreis Gießen, melden alle Mitglieder der Partei im Kreise Gießen, soweit sie als Beamte Mitglieder des „Reichsbundes der deutschen Beamten" sind, sofort mit Postkarte an meinen Stellvertreter Pg. Gustav Ulrich, Gießen, Liebigstraße 103:
a) Vor- und Zuname,
b) Amtsbezeichnung (Beruf),
c) Wohnort. Straße und Hausnummer,
d) Ortsgruppe,
e) (Eintritt in die NSDAP.,
f) Mitgliedsnummer.
Parteianwärter, d. h. solche, die noch nicht im Besitze des Mitgliedsbuches oder der Mitgliedskarte der NSDAP, sind, haben vorerst keine Meldung zu erstatten.
Ich erwarte von der Parteidisziplin der Beamten, daß obige Anordnung unverzüglich pfli^t- und ordnungsgemäß befolgt wird. gez. Heß.
Reichsbund der Deutschen Beamten kreiswart Gießen.
Die Sperre der Mitgliederaufnahme wird mit Wirkung vom 5. Januar 1934 an aufgehoben. Für die von diesem Zeitpunkt ab dem RDB. beitretenden Beamten tritt folgende Regelung ein:
Die Beitrittserklärung hat als Beitrittstag stets den nächsten M o n a t s e r st e n zu tragen. Mit der Beitrittserklärung ist der Beitrag für den nächsten Monat sofort an den Fachschaftsleiter bzw. Vertrauensmann zu entrichten. Gehört der neuein- tretende Beamte einer Fachschaft an, für die die Beitragszahlung im Gehaltsabzugsverfahren oorge- nommen wird, fo geschieht dies von der zweiten Beitragszahlung an. Vom 25. bis Schluß jeden Monats werden keine Neuaufnahmen vorgenommen, damit die Beitragseinziehung keinen Störungen unterworfen wird.
Die Beitrittserklärungen sind mit den zugehörigen Nachweisungen in der vorgeschriebenen Anzahl von Ausfertigungen durch die Fachschaftsleiter des Kreises an meinen Vertreter Oberzollsekretär G. Ulrich, Geschäftsstelle Gießen, Bismarckstraße 30, weiterzuleiten. gez. Heß.
Bürgervereinigung Sachsenhausen aufgelöst.
den. Der Vereinsschrank ist der Ortsgruppe Gießen- Nord der NSDAP., die Gewehre der Standarte zu- gedacht. Der Vereinsführer und vier der ältesten Mitglieder sollen die Liquidation durchführen. Kreisleiter z. b. V. B u l l m a n n gab in einer kurzen Schlußansprache feiner Freude darüber Ausdruck, daß sich, wie die Ueberroeifung des Vereinsvermögens an die NS.-Dolkswohlfahrt beweise, auch in den Reihen der Bürgervereinigung Sachsenhausen der Gedanke „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" durchgesetzt habe. Mit dem Horst-Wessel-Lied und einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer fand die Versammlung ihren Abschluß.
Der Beauftragte der Bürgeroereinigung Sachsenhausen macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß Forderungen an die Bürgervereini- gung bis zum 14. Januar bei Anton Wagner, Lahnstraße 15, anzumelden sind.
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** D i e Allg. Ortskrankenkassen Gie- ßen-Stadt und Gießen-Land weisen in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die Kassenräume, entgegen einer früheren Bekanntmachung, am 12. und 13. Januar wie üblich geöffnet fein werden, dagegen am 30. und 31. Januar wegen des Umzuges der Ortskrankenkasse Gießen-Land geschlossen sind.
ftanbes Bericht über die Vorarbeiten, Festsetzung
mäßigen Monatsversammlungen usw. Dann begann der gemütliche Teil, der reichhaltig gestaltet war und
Im Rahmen der Versammlung hielt der Kreis- leiter z. b. V. B u l l m a n n einen Vortrag über das Thema „Verein im nationalsozialistischen Staat." Im Staate Adolf Hitlers habe nicht jeder Verein Existenzberechtigung. Es könnten nur solche Vereine geduldet werden, für deren Fahne sich einer totschlagen lasse. Der Geist einer echten Kameradschaft werde jetzt in der neuen Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in der Deutschen Arbeitsfront gepflegt, die außerdem noch den schaffenden Menschen erfüllt mit Freude und frischer Kraft wieder seiner Arbeit zuführe. Die in dieser neuen Gemeinschaft gepflegte Kameradschaft und Geselligkeit werde sich
sehr harmonisch verlief. Musikstücke einer kleinen Kapelle, von welcher zwei Herren (Schwarzlose und Franz), sowie Mitvlied Otto Mecke auch durch gut zum Ausdruck gebrachte und dankbar aufgenommene Solovorträae erfreuten, wechselten mit dem gemeinschaftlichen Gesang von Liedern aus dem bereits fertig vorliegenden Liederbuche ab. Zwischendurch brachte ein aus Sangesbrüdern der Vereinigung zusammengesetzter Sängerchor mehrere mit Geschmack ausgewählte Gesangsstücke wirkunasvoll und sichtlich mit großer Lust und Liebe zu Gehör. Für die Heiterkeit, die mehrmals stürmischen Charakter an nahm besonders als er seinen Vortrag
Die Bürgeroereinigung Sachsenhau- f e n beschloß am Samstag in einer im „Frankfurter Hof" abgehaltenen Generalversammlung ihre Auflösung, da man von der Erkenntnis ausging, daß eine Vertretung von Interessen eines einzelnen Stadtteils durch eine besondere Vereinigung wohl im vergangenen Regime notwendig gewesen sein möge, im Dritten Reiche aber keine Existenzberechtigung mehr habe. Die Vereinigung beschloß deshalb
** Fünfziger-Feier. Man berichtet uns: Am Samstagabend hielt die Fünfziger-Vereinigung 1884—1934 bei ihrem Mitglied A. R e p p im „Post- keller" ihre erste Monatsoersammlung ab, die von etwa 120 Mitgliedern besucht war. Der geschäftliche Teil wurde schnell abgewickelt, die Hauptpunkte waren: Bestätigung des in der vorbereitenden Zusammenkunft vom 27. November 1933 aufgestellten Vor-
ihre Liquidation. Im Jahre 1888 von alten „Sach-1 des Mitgliedsbeitrages, Vorschläge für die regel senhäusern" gegründet, diente die Vereinigung mehr' wm^nari Ttnnn honnm
der Geselligkeit und der Kameradschaft.
wesentlich von der Geselligkeit in Geselligkeitsver- einen unterscheiden. In zahllosen jener Vereine sei heute noch viel liberalistischer Geist lebendig, der sich nur ungünstig für unsere Volksgemeinschaft aus- wirken könne.
Sodann gab der kommissarische Führer Pg. Thomas, die Auflösung des Vereins bekannt. Als Zeichen einer gemeinnützigen Gesinnung soll das Vermögen im ansehnlichen Betrag von 1000 Mark der NS.-Volkswohlfahrt zur Verfügung gestellt wer-
über die Nützlichkeit des „Petroleums" beendet hatte und plötzlich die elektrische Beleuchtuna des Saales infolge Kurzschlusses versagte, sorgte Alterskamerad Franz Adam mit seinen humoristischen Einlaaen. Also, alles in allem: ein sorgfältig aufgestelltes Programm, das alle Anwesenden auf ihre Kosten kommen ließ und die Mehrzahl bis in die Morgenstun- s”n hinein z"sommenhielt. Natürlich wurde auch in Wort und Gesang des neugestalteten Vaterlandes und seiner Führer gedacht.
Wika 1933 und die deutsche Kolonialsrase.
Vortrag von Or. Paul Rohrbach in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.
Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde setzte gestern abend in der Neuen Aula der Universität die Vortraasreihe des Winterhalbjahres 1933'34 fort Prof. Dr. Kluthe hieß die zahlreichen Teil- I nehmer des Abends willkommen und begrüßte da- I bei besonders Herrn Dr. Lauten fach, der glücklich von feiner koreanischen Reise zurückgekehrt sei.
Sodann sprach der Redner des Abends, Dr. Paul Rohrbach, der ja unseren Lesern aus vielen Aufsätzen und Reiseberichten her bereits längst bekannt ist, über das Thema: „Afrika 1933 und die deutsche Kolonialfrage". Der Redner führte u. a. aus:
Es sei tm Rahmen einer Vortkagsstunde nicht möglich, von allem dem zu berichten und zu erzählen, was man in Afrika erleben und erfahren könne. Er, der Redner, wolle ledialich ein Teil- I gebiet behandeln, und zwar die Siedlungsfrage, hier besonders aber das Thema der
Siedlung in Ostafrika.
In Südweftafrika fei die Frage der Siedlung ja entschieden: dort sei nur extensive Diehwirtschaft möglich.
Wenn man glaube, daß die Kolonien das Aufnahmegebiet für einen deutschen Bevölkerunqs' ber- schuß sein könnten, fo ist dies großer Irrtum. Dem stünden mancherlei Schwierigkeiten entgegen. Bewohnbar fei in Ostasrika nur das Land in einer gewissen Höhe. Es müsse außerdem der Raum abgerechnet werden, der an sich schon von Eingeborenen dicht besiedelt sei. Dann wieder aebe es Landstriche, deren Klima dem deutschen Menschen wohl die Ansiedlung gestatte, deren Boden aber nicht zur Siedlung geeignet sei.
In Ostafrika verbleibe unter Berücksichtigung all dieser Tatsachen lediglich ein Baum von der Größe des rechtsrheinischen Bayerns zur Ve-
Ghackteions Südpolexpedii on 1907/09
Don ^Ferner fcilltrma
Dor 25 Jahren, am 9. Januar 1909, erreichte die Südpolarexpedition Shackletons 88 Grad 23' südlicher Breite.
Heute, da die Propeller der modernen Luftschiffe über den endlosen Flächen sturmdurchwühlter Meere ihr metallenes Lied fingen, da der Zeppelin wie ein Symbol menschlichen Forscherdranges über den Wolkenkratzern Neuyorks dahingleitet, scheint die Sehnsucht von Jahrhunderten ihre Erfüllung gefunden zu haben. Welch dornenvoller Weg, welch zähes Ringen war nötig, um zu solchen Gipfelleistungen der Technik zu gelangen. Wieviel wertvolle Menschenleben sind dabei auf der Strecke geblieben, wie-1 viele einsame Nächte wurden in fieberhafter Arbeit durchwacht, wieviel geniale Pläne zerschellten an der Unzulänglichkeit der Mittel und an den erb ar- mungslosen Widerständen der Natur.
Unter den rastlosen und unentwegten Männern, die Zeit ihres Lebens von einer heldenhaften Initiative erfüllt waren, wird der Name des englischen Südpolfahrers S h a ck l e t o n immer einen besonderen Rang einnehmen Dieser Mann mit den harten, energischen Gesichtszügen hat keine Opfer ge- sch.ut, um den Traum seines Lebens, die Erreichung des Südpols, zu verwirklichen. Als in den Jahren 1901 bis 1904 die Expedition Scotts unterwegs war, um in die Geheimnisse der antarktischen Gletscherwelt vorzudringen, war der Name Shackletons, der an der Expedition teilnahm, nur den engsten Fachkreisen bekannt. Damals konnte! noch niemand ahnen, daß dieser unbekannte Shackle- ton einige Jahre später durch eine eigene, von Erfolg gefrönte Expedition in aller Welt von sich reden machen würde. Shackleton ließ sich durch den Mißerfolg der ersten Scottschen Expedition nicht entmutigen. Er war zwar mit Scott bis 82 Grad 17' vorgedrungen, mußte aber wegen Skorbuts vorzeitig umkehren.
Es ging Shackleton nicht anders wie den Südpolforschern vor ihm. Wen einmal die geheimnisvolle Eiswelt der Antarktis in ihren Klammem hielt, den läßt sie nicht mehr los. So arbeitete Shackleton auf eigene Faust weiter. Die Welt beachtete ihn nicht, und als er im Jahre 1907 mit der „Nimrod" auslief, waren nur wenige Freunde, die darum wußten. Oie Expedition verbrachte den Winter 1908 im Mac-Murdo-Sund, 32 Kilometer nördlich von den Winterquartieren. Im Herbst bestieg eine Truppe den Mount Erebus und nahm Dermessun-
gen feiner Krater vor. Im Frühling und im Sommer 1908 bis 1909 verließen drei Schlittenexpeditionen die Winterquartiere. Die erste drang nach Süden vor und erreichte die südlichste Breite, welche damals jemals Menschenfuß betreten hatte. Die zweite erreichte zum ersten Male den magnetischen Pol und eine dritte nahm die Vermessungen der westlich vom Mac-Murdo-Sund gelegenen Höhen- Züge vor.
Es war ein erhebender Moment, als auf 88 Grad 23' südlicher Breite, innerhalb hundert geographischer Meilen vom Südpol, die englische Nationalflagge gehißt wurde. Die aus vier Leuten bestehende Truppe stellte fest, daß sich eine große Bergkette von der 82. Parallele im Süden vorn Mac Murdo-Sund in südöstlicher Richtung bis zum 86 Breitengrade erstreckte und daß zwischen ihren Hohen einer der größten Gletscher der Welt hinabstieg und zu einem Plateau führte.
„Die Reise der Nordexpedition", so erzählt Shackleton selbst, „führte zur Erreichung des magnetischen Südpols, dessen Lage durch Beobachtung an Ort und Stelle und in der Nachbarschaft auf 72 Grad 25' südlicher Breite und 155 Grad 16' östlicher Länge bestimmt wurde. Der erste Teil dieser Reise wurde an der Küstenlinie von Viktoria- land entlang zurückgelegt und viele neue Gipfel, Gletscher und Eiszungen wurden neben einigen kleinen Inseln entdeckt. Der gesamte abgeschrittene Teil der Küste wurde trigonometrisch vermessen und die bestehenden Karten in verschiedenen Punkten richtig gestellt. Die Vermessung der westlichen Hohen- züge durch die Westexpedition brachte neue Informationen über topographische Details dieses Teils von Viktorialand ein und warf neues Licht auf die Geologie dieser Regionen. Die Entdeckung einer etwa 75 Kilometer langen, sich erst vom Cane North in südwestlicher und bann in westlicher Richtung erstreckenden Küstenlinie, war ein weiteres Stück wichtiger geographischer Arbeit."
Ungeheuer waren die Strapazen, die Shackleton l mit den Seinen erdulden mußte. Hunaer und Kälte, heulende Stürme von orkanartigen Ausmaßen und die Gefahr des Skorbuts zwangen ihn zur Umkehr, ehe er das heißersehnte Ziel, den Südpol, erreichen konnte. Oft entrannen die Männer nur knapp dem Tode, nur mit übermenschlicher Energie gelang es Hjnen, dem Eisgrab der Antarktis zu entkommen. । Als sie heimkehrten, waren sie von den ungeheuren Entbehrungen und Anstrengungen vollständig er- ; schovft
I 1 1914 unternahm der unermüdliche
Shackleton mit der „Endurance" eine Fahrt ins Weddelmeer. Er verlor jedoch sein Schiff durch Eispressungen und schlug sich mit seiner Besatzung nach lden Elefanteninseln durch. Er erreichte schließlich
allein auf einem Rettungsboot Südqeorgien, von wo er Hilfe holte. Als er im Jahre 1919 an Bord der „Alexandra" noch einmal versuchte, vom Weddel- See aus den Südpol zu erreichen, starb er an Gr'vpe in Südgeorgien.
Wenn auch die Erreichung des Südpols A m u n d - sen und ganz kurze Zeit nach ihm Scott vorbe- holten bfrb, so wird doch Shackleton als einer der erfolgreichsten Pioniere der Antarktis in der Ge- ' schichte der Südpolforschung weiterleben.
«Heute Nacht aehts los .*
Das Hübscheste an dieser grotesken und abenteuerlichen Kriminalaffäre ist eine kleine Liebesgeschichte, die in einm mit den merkwürdigsten Ueberraschungen in Szene gesetzten Juwelendi ch- stahl verwickelt ist und von Jenny I u g o und Hans Brausewetter in schüchterner Jugendlichkeit und unbekümmerter Natürlichkeit ganz reizend gespielt wird. Diese phantasievoll ausgesponnene Episode ist das Einzige, was an dem Abenteuer wirklich ernst zu nehmen ist: alles übrige entsvrang der Freude am improvisatorischen Einfall und unberechenbaren Zufall, der die Fäden zwischen den handelnden Personen des Lustspiels auf eine erstaunliche Weise verwirrt und zum guten Ende auch wieder zu lösen versteht. Der Reoisseur Hanns Schwarz beweist viel Verständnis für den lockeren Stegreifstil des filmischen Spiels, das übrigens auch musikalisch liebenswürdig und stimmungsvoll ausgestattet ist und begleitet wird. Ein unheimliches Quintett verdächtiger Kavaliere in Smoking und Strohhut bilden Anton P o i n t n e r, Theo Lin - a e n , Paul Heidemann, (Egon Brosiqk und Willi Schur. Dazu zwei Komiker von so verschiedenartigem Temperament wie Paul K e m p und der vor kurzem verstorbene Falkenstein: wie gewöhnlich macht B e i e r l e den Kommissar. — Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus. Das Beiprogramm bringt u. a. den Jahresrückblick der Ufa-Tonwoche mit Ausschnitten aus den bedeutendsten Hitler-Reden 1933. Außerdem: eine Wiener Walzer-Phantasie nach Motiven von Johann Strauß. —
docbfcbulnadirichten.
Geheimer Negierungsrat Dr. phil. Erich Kaiser, Ordinarius für Geologie an der Universität München, ist im Alter von 62 Jahren in München g e ft o r b e n. Erich Kaiser war am 31. Dezember 1871 in Essen geboren, habilitierte sich 1897 in Bonn, wurde drei Jahre später Dozent an der Berliner Bergakademie und Bezirksgeologe an der Geologischen Landesanftalt in Berlin. Im Jahre
1904 wurde Kaiser als Ordinarius an die Hessische Landesuniversität Gießen berufen, wo er bis ZU feiner Ueberfiebelung nach München im Jahre 1920 gewirkt hat. Kaisers Gießener Lehrtätigkeit wurde unterbrochen durch einen Studienaufenthalt in Alrika in den Jahren 1914 bis 1919: der Ausbruch des Krieges machte eine frühere Rückkehr des Geehrten in die Heimat unmöglich. Eine Frucht feiner Forschungsreise ist das im Jahre 1924 er- schren-ne Werk „Das südliche Diamantenoebiet Südwest-Afrikas". Professor Kaiser war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Mitherausgeber des „Neuen Jahrbuches und Zentralblattes für Mineralogie, Geologie und Paläontho- logie".
3n München verstarb nach längerem Leiden der hervorragende Kirchenrechtslehrer Geb. Konsisto- rialrat Professor D. Dr. phil. Friedrich Wiegand im Alter von 73 Jahren. Wiegand, am 14. Oktober 1860 in Hanau am Main geboren, hatte früher in Erlangen, Marburg und Greifswald gelehrt. Von seinen zahlreichen fachwissenschaftlichen Arbeiten seien hier nur das zweibändige Werk über die kirchlichen Bewegungen der Gegenwart, die Dogmengeschichten der alten Kirche, des Mittelalters und der Neuzeit, „Dante und Kaiser Heinrich VII." und „Aus dem Leben Caspar David Friedrichs" genannt.
Der italienische Staatsminister und Reichsstnator Graf V o l p i bi M i f u r a t a hat als Präsident des ersten internationalen Kongresses für Elektro- Radiobiologie, der im September d. I. in Pmedig ftattfinbet, folgende deutsche Gelehrten ins Ehrenkomitee des Kongresses berufen: Professor Dr. Friedrich Dessauer, Frankfurt a. M., Professor Dr. Emil Abderhalden, Halle a. S., Professor Dr. A. B e h n k e n , Direktor des Phnsikalisch-Che- miftfrn Reichsmstituts Berlin, und Professor Dr. L i ch t w i tz, Direktor des Rudolf-Dirchow-Kranken- Hauses, Berlin.
Professor Dr. Paul G i e f e f e, Ordinarius für Bürgerliches Recht, Handelsrecht und Wirtschaftsrecht an der Handelshochschule Berlin, hat einen Ruf an die Universität Marburg erhalten und angenommen.
Der Meteorologe und Direktor des Geophysikalischen Instituts Der Universität Leipzig, Professor Dr. phil. L. Weickmann, hat einen Ruf an die Universität Hamburg erhalten.
Die Philosophische Fakultät der Budapester Universität hat einstimmig beschlossen, den durch das Ableben des Professors Dr. Jakob B l e y e r vakant gewordenen Lehrstuhl der deutschen Philologie mit dem Professor an der Pester Universität, Dr. Theodor Thienemann zu besetzen.


