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Dr. Goebbels vor der Reichskullurkammer
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Ein Bild von der großen Jahreskundgebung der Reichskulturkammer im Berliner Sportpalast während der Rede des Reichs propagandamimsters.
DeL Erkaltung, Grippe und Epidemien wird durch das Sufammentrejfen mj vielen Menschen in Bahnen, Büro, Schulen, KinoS usw. die AnsteckungS' gefahr erhöht. Man beugt vor durcy
Geheimrat Max Planck. Zweite Auflage mit 58 Bildern. Verlag Knorr 8z Hirth, München. Geh. 4,50 RM., Leinen 5,70 RM. — (567) — Die Physik
i e n s unter Mussolini, die nationale Wiedergeburt Deutschlands unter Adolf Hitler, die Konzentration der Regierungsgewalt in England
viele herbe und schmerzliche Jahre durchleben muß, ehe der erlösende Tag kommt. So ist es auch hier in China. Es gibt Kreise — und sie sind keineswegs gering an Zahl --- die sagen, daß Tschiang- Kaischek, wenn er es für richtig und angebracht hält, heute die oberste Gewalt übernehmen und eine moderne chinesische Diktatur aufbauen könnte. Andere dagegen behauptet — auch sofern sie selbst Anhänger des Diktaturgedankens sind — daß die Zeit hierfür noch nicht reif fei und daß übereilte Schritte zu scharfen militärischen Auseinandersetzungen mit anderen Landesteilen, vornehmlich K a n - t o n, führen müßten, womit China erneut dem Unglück des Bürgerkriegs gegenüberstehen und neue schwere innere und äußere Rückschläge erleiden würde.
Die Entscheidung liegt bei den Chinesen selbst, die am besten die inneren und äußeren, die finanziellen und wirtschaftlichen Umstände beurteilen können, ehe sie sich zu neuen Schritten entschließen. Der ausländische Beobachter wird sich darauf beschränken müssen, das Spiel der Kräfte in China zu verfolgen und sich bei aller Hochachtung vor den Leistungen und dem Wollen der jetzigen chinesischen Zentralregierung auch über die Strömungen klar zu werden, die einmal die Dinge in China entscheidend beeinflussen können.
im ganzen Lande zur Verfügung steht. Diese Notwendigkeit hat niemand besser erkannt als Marschall T s ch i a n g - K a i s ch e ck, der sich mit unermüdlichem Eifer dem Aufbau einer einheitlichen Armee widmet. Er kann bereits erhebliche Fortschritte verzeichnen, und seine Truppen haben in den Kämpen gegen die Kommunisten gute Erfolge gehabt. In naher Zukunft aber dürfte er unter den jetzigen Verhältnissen sein Ziel noch kaum erreichen. In den Provinzen nämlich, die sich eine ziemlich freie Hand gegenüber Nanking bewahrt haben und vielleicht auch bewahren wollen, stößt er noch auf starke Widerstände, und selbst in den eigenen Reihen erhebt sich nur allzu oft das Mißtrauen, weil manche, aus der alten Ideologie der Kuomintang- Partei heraus, in der Stärkung einer konzentrierten Militärgewalt eine Gefahr erblicken zu müssen glauben.
Wie die Worte Wang-Tsching-Weis beweisen, ühlt man nicht nur in weiten Kreisen der Be- lölkerung, sondern auch in der Kuomintang-Partei elbst, daß China einer neuen Lage gegenüber- teht Nicht mit Unrecht spricht man daher zur Zeit von einer Kuomintang-Krise. Das Erstarken I t a -
Büchertisch.
— Zauber der Wildnis in deutschen Landen. Urkunden vom Wirken der Naturgewalten im Bilde der deutschen Landschaft. Von Prof. Dr. Walther Schoenichen, Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen, Leiter des Reichsfachamtes für Naturschutz im Reichsbund Volkstum und Heimat. Mit 96 Kupfertiefdrucktafeln und mit zahlreichen Abbildungen im Text (Verlag I. Neumann, Neudamm). Preis in Leinen geb. 4,80 RM. — (584) — Professor Dr. Walther Schoenichen, der Führer der deutschen Naturschutzbewegung, hat seinem vor kurzem erschienenen Werke „Urwaldwildnis in deutschen Landen", nunmehr unter dem Titel „Zauber der Wildnis in deutscher Heimat" einen zweiten Bilderband folgen lassen, der sich an alle Freunde der deutschen Landschaft und der deutschen Natur wendet. Don allem Herrlichen und Wunderbaren, was die weiten Gaue unserer Heimat enthalten, werden uns hier erlesene Beispiele in charaktervollen Lichtbildaufnahmen vorgeführt: von den Dünen und Kliffen unserer Meeresküsten, von den Felsmauern der Zerstörungswerk der Meeresbrandung, des fließenden Wassers und der Verwitterung, von den Schöpfungen des Windes, von der stillen Aufbautätigkeit der Pfanzenwelt und manchem anderen mehr. Und sie sollen dazu anregen, die Schönheit und die dem Wirken des vulkanischen Erdinnern, von dem Hochgebirge, von Seen und Wasserfällen, von Block- meeren und Schluchten, von alten Vulkanen, von Mooren und Heiden. Kurz die ganze Fülle land- schaftlicher Schönheit und Eigenart unseres Vaterlandes wird vor dem Beschauer ausgebreitet und durch eine fesselnd geschriebene Einleitung erläutert. Dabei hat der Verfasser solche Bildausschnitte bevor- zugt, in denen das Ursprüngliche und Urtümliche der deutschen Landschaft sich urkundetreue und unverfälscht ausdrückt. Entsprechend der Weltanschauung unserer Tage hat der Verfasser auch in diesem Buch das Kämpferische in den Vordergrund gestellt. Von dem unablässigen titanenhaften Widerstreit der Naturkräfte sollen seine Bilder Zeugnis geben: von Großartigkeit der deutschen Landschaft nicht bloß in den äußeren Formen und Farben, die sie unserem Auge darbietet, zu suchen, sondern auch in der wahrhaft überwältigenden und ergreifenden Dor- stellung von der Allgewalt jener Naturkräfte, die all dies Herrliche und Große geschaffen haben. So ist ein Werk entstanden, das allen Freunden der deutschen Heimat Freude machen wird, insonderheit auch denen, die als Wanderer unser Vaterland durchstreifen: ein Werk, das sich auch vortrefflich als Geschenk und für unsere naturbegeisterte Jugend eignet.
VrauchlWnaemeMalur?
Von unserem Gf-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Schanghai, 9. Oktober 1934.
Braucht China eine Diktatur oder eine Festigung der zentralen Regierunasge- walt? Diese Frage ist letzthin häufig von führen- den politischen Persönlichkeiten und in der Presse Chinas erörtert und b e j a h t worden, wenn sie neue Wege empfahlen, die China einschlagen müsse, um aus der jetzigen, noch keineswegs zufriedenstellenden Lage herauszukommen, sich die Gleichberechtigung zu erkämpfen und sich zu einem Faktor in der Welt- Politik zu machen, der mit der Bevölkerungszahl Chinas, seiner Größe und seinen Entwicklungsmöglichkeiten im Einklänge steht. Diese Erörterung fand bemerkenswerterweise in aller Oessentfach- k e i t statt, was immerhin beweist, daß sie gewissen Stellen in der Regierung nicht unwillkommen sein können, denn andernfalls wären sie wohl unterdrückt worden. So aber konnte z. B. die „Neue Renaissance Vereinigung" in Hankau ungestört ein Preisaus- schreiben über diese Frage veranstalten und zeichnete mit dem ersten Preis eine Arbeit aus, die die N o t - Wendigkeit einer Diktatur eingehend begründete und bejahte. Im gleichen Sinne äußerte sich die in Schanghai erscheinende Zeitung „Chen Pao", der man nachsagt, manchmal das Sprachrohr des Marschalls Tschiang-Kaischek zu sein.
Bedeutende politische Persönlichkeiten wie der ehemalige Außenminister C. T. Wang, das frühere Staatsoberhaupt T a n g ch i t f a i und der jetzige Kriegsminister H o y i ng ch i n ermahnten Studenten und Militärschüler, der Staatsführung unbedingtes Vertrauen in Wort und Tat entgegenzubringen, weil sonst China niemals aus seinen Schwierigkeiten her- auskommen könne. Der Außenminister und Chef des Exekutiv-Reichsamtes Wangtschingwei sagt in einer Erklärung, die er anläßlich des chinesischen Unabhängigkeitstages in der ihm nahestehenden ^eit- schrift „Dschunghuayüpao" (Monatsschrift) veröffentlichen läßt: Es sei bedauerlich, daß China keine Zentralgewalt habe, denn alle Opfer seien zwecklos, solange nicht die Konzentration auf politischem, finanziellem und militärischem Gebiet durchgeführt fei. Der Gesandte Chinas in Rom Liu- wentao äußerte bei seiner Ankunft auf heimatlichem Boden: „Was Ching braucht ist ein Mussolini!"
In diesen Worten liegt eine Kritik an dem Bestehenben; sie berechtigen zu der Frage, ob die Kuomintang-Partei ihre Aufgabe, ein neues China aufzubauen, erfüllt hat oder erfüllen kann. Und tatsächlich streifen die chinesischen Erörterungen über die Wirksamkeit der jetzigen Regierungsform sehr oft dieses Problem, wenn auch aus naheliegenden Gründen vermieden wird, allzu offen damit herauszutreten. Vorauszuschicken ist, daß derjenige, der eine Kritik am Bestehenden übt, einen argen Fehler begehen würde, sofern er das in den letzten Jahren in China Geleistete nicht sachgemäß würdigen wollte. Der unbefangene Beobachter muß im Gegenteil anerkennen, daß seit der vor einigen Jahren vollzogenen äußeren Einigung Chinas ein 1 Geist des Vorwärts st redens bei den 1 Regierungsstellen in Nanking und bei weiten Dolks- kreifen eingezogen ist, und daß fast auf allen Gebieten der staatlichen Betätigung erhebliche Anstrengungen gemacht und auch bemerkenswerte Leistungen vollbracht worden sind.
So ist das Verkehrswesen und ist die Landwirtschaft, sind die Industrie und das Militärwesen, das Erziehungs- und Kulturleben tatkräftig gefördert worden. Dabei dürfen auch keineswegs die Reformen im Staatshaushalt und die Sanierungsmaßnahmen für chinesische Anleihen vergessen werden.
hat seit der Jahrhundertwende eine wirkliche Revo. lution durchgemacht. Jeder, der den weltanschaulichen Fragen, die unsere Zeit bewegen, sich nicht em. ziehen will, muß sich einmal von dem hinreißenden Zauber packen lassen, der in der entsagungsvollen Arbeit der heutigen physikalischen Forschung M ihrem ewigen Stirb und Werde liegt. Das vorlie. genbe Werk gibt jedem die Möglichkeit, die neu» „Quantenphysik" kennen zu lernen, ohne alle Dor. kenntnisse in der Physik und fast ohne jede Mathe, matik. Dramatisch schält sich aus dem Weltbild der klassischen Physik ein neues heraus. Die einzelnen Kapitel des trefflich illustrierten Werks befassen sich mit dem Wesen der Materie und des Lichtes in bet klassischen und in der neuen Physik, mit den Licht, quanten, mit dem Bau des Wasserstoffatoms, niit den höheren Atomen, mit der Quantenmechanik, Materienwellen und deren Deutung, mit Neuen!, bedungen und Naturphilosophie. An dieser Darstellung der zeitgenössischen Physik wird lebendig, was sikalisches Denken überhaupt ist. Wie sehr dieses $fl streben auch von der Wissenschaft begrüßt wird, wo- aus der Tatsache hervorgehen, daß der Nobelpreis, träger Geheimrat Max Planck dem Werk eit Geleitwort mitgegeben hat.
— Boris Maschin: Russische Erd Romern aus dem heutigen Rußland. 318 Seiten Broschiert 3,20 Mark, Leinen 4,80 Mark. Brunn«, Verlag, Willi Bischoff, GmbH., Berlin SW 68. - (476) — Hinter dem Pseudonym Maschin nerbirot sich ein ehemaliger russischer Rittmeister. Er fennt also bas, worüber er schreibt. Sein Roman erschien zuerst im „Völkischen Beobachter" und hat dessen Leser so gepackt, so daß der Ruf nach einer Buchausgabe laut wurde. Das Buch strotzt von echt russischem Leben. Sibirien, Moskau, Berlin, Paris, überall, too es bolschewistische Drahtzieher gibt, und ihre Puppen tanzen lassen, ist der Verfasser zu Hause; seine fyb den führt er durch das ganze Grauen und ü« ganze Erbarmungslosigkeit des Sowjetstaates, in bet Polenkrieg, in die Tscheka, in die Verbannung uni in die Spionagearbeit.
— Theodor Kröger: Das vergessen! Dorf. Vier Jahre Sibirien. Ein Buch der flamt radschaft. 600 Seiten. Propyläen-Verlag, Berlin. — (532) — Krögers „Vergessenes Dorf" gehört zu den Büchern, vor deren Umfang man zuerst erschrickt, um sie bann in einem Zug auszulesen. Der in Petersburg geborene Deutsche Kröger versuch bei Kriegsausbruch nach Deutschland au gelangen. Der Fluchtversuch mißlingt. Das über ihn verhängte Todesurteil wird in „lebenslängliche Verbannung' nach Sibirien umgewandelt. 1919 findet Kröger, vom Schicksal zerschlagen, den Weg in die Heimat: Deutschland. Wir hören in Krögers Schilderung von sibirischen Zuchthäusern, von seiner flamerob- schäft mit deutschen Kriegsgefangenen, einer großen Liebe zu dem Tatarenmädchen Fayme und von bem bitteren Ausgang seiner sibirischen Jahre. Teil Kröger unter Russen aufwuchs, sind seine psychck- gischen Einblicke in die Seele Rußlands unb feiner Menschen van besonderer Tiefe. Man erlebt bei diesem deutschen Schriftsteller Schilderungen m Menschen und Gesprächen, die an die klassischen^- fischen Erzählungen erinnern. Neben dem rein I Menschlichen hinterläßt das Erlebnis vom Entstehen und von der Feuerprobe der Kameradschaft den tiefsten Eindruck dieses Buches. Diese Kamerad- schäft ist ein Gleichnis der echten Volksgemeinschaft, wie wir sie in Deutschland heute gestalten und erleben.
— Werner von Langsdorfs: Flieger am Feind. 355 Seiten und 83 Bilder. Gebunden 4.40 Mk, C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh. — (522) — Soldaten machen nicht viel Worte. Die Namen der Flieger, die hier erzählen, kennt wohl jeder, der in Polen, an der Somme oder im Flau- derndreck herumgekrebst ist. Was da an Ausklärungsflügen, Zeppelin-Englandsahrten und Lust- kämpfen erzählt wird, oft nur in knappen Tage- buchaufAeichnungen der Gefallenen, der Boellke, Ricythofen und Jmmelmann; oder als schlichter Bericht der Göring, Köhl, Schleich und all der Unbekannten in Führersitz oder Motorengondel, am MG. und Bombenhebel — immer erschüttert bie reine Tatsache. Einunddreißig Seiten meist unbekannter Originalaufnahmen begleiten den Text. - Das waren die Männer todbereiter PflichterfA | fang, Frontkameraden in Ernst und Fröhlichkeit. Heute lenken sie die Geschicke der Nation, Vorbild unserer Jugend.
— Gudmundur Kamban: Die Iist." f r a u a u f Skalholt. Roman. 506 Seiten 8» nen 7,50 RM. Deutsche Ausgabe, in BerbiiM mit dem Dichter besorgt von Edzard H. Schass Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (422) — Der ter Gudmundur Kamban ist 1888 auf Island fit* boren. Sein Vater war Kaufmann, seine Vorfahren bekleideten von der Besiedlung Islands im neunten Jahrhundert an hervorragende Stellungen in der Regierung des Landes. Seine Jugend hat Kamb^ auf dem Lande verlebt. 1910 kam er an die Universität Kopenhagen, mit 24 Jahren schrieb e£ le,n erstes Theaterstück. Lange Zeit war Kamban SP:e1’ leiter am Königlichen Theater in Kopenhagen. öj® Drama „Marmor" erlebte 1933 in Mainz feine Up aufführung. Daß Kamban ein hervorragender Dr» matifer ist, spürt man auch in seinem Roman. Roman behandelt Vorgänge, die sich im siebzehn-' Jahrhundert auf Island abgespielt haben, Dichter hat die Dokumente und Briefe, oon W ein Teil auch im Roman wiedergegeben wird, r den Archiven aufgefunden. Aber das wesentliche a. seinem Buch sind doch die menschlichen Beziehung - die sich vor dem historischen Hintergrundentwm- Kamban erzählt, auf Grund geschichtlicher X fachen, von dem Ringen des mächtigen Brynjolfur auf Skalholt mit seiner Tochter RW heidur, die sich in leidenschaftlichem Selbstbehaur tungstampf das Recht ihrer Liebe ertrotzen w Ueberlebensgroß gleich eddischen Gestalten W sie einander gegenüber, „des Landes stärkster B** und die einzige Frau, die es wagt, ihn beuge» zu wollen". Mitten in diesem harten Äampf' scheint das ewige Wunder des größten Frauene - nisses: Mutterschaft — und hier findet dieser w ' liehe Dichter Worte von zartester Schönheit, immer wieder zu dramatischen Höhepunkten o gende Werk hat Edzard H. Schaper nut Einfühlungskraft und dem feinen Sprachgesuo Dichters übertragen, fo daß der großartige/t aus dem germanischen Norden wahrhaft em sches Buch geworden ist.
China wäre vielleicht schon weitergekommen, wenn sich «nicht auch hier die außenpolitischen, finanziellen und wirtschaftlichen Erschütterungen in dex ganzen Welt störend bemerkbar gemacht hätten. Aber diese Lage ist nun einmal vorhanden und zwingt zum Nachdenken darüber, ob das jetzige System in sich stark und leistungsfähig genug ist, um das Land durch die kommenden kritischen Jahre sicher und erfolgreich hindurchzusteuern.
Als China durch die Berührung mit der Außenwelt aus seinen seit Jahrhunderten gewohnten Bahnen herausgeschleudert wurde, begann bie große Krise des „U ebergang s", die noch heute nicht überwunden ist. Suchend wandten sich die Augen patriotischer Chinesen nach der Außenwelt, um geeignete Methoden der Verwaltung zu finden. Das damals weit verbreitete demokratischparlamentarische Sy st em, unter dem z. B. Amerika einen riesigen Aufschwung genommen hatte, erschien den Revolutionären zunächst als das alleinige Heilmittel. Aber schon Dr. Sun - Pat-Sen erkannte die Schwächen dieses Systems für fein Land und arbeitete unter Anlehnung an russische Vorbilder und unter Anknüpfung an alte chinesische Prinzipien eine Verfassung der Fünf Reichsämter aus, die nach feinem Tode in Kraft trat. Es ist ein „Aus- schuß"-System, das mit gewissen Mängeln insofern behaftet ist, als die Verantwortung nur allzu leicht von einer Schulter auf die andere abgeschoben werden kann. Aber in einer Zeit, wo es ailt, das patriotische Denken und Fühlen aller Volksschichten auf eine ganz neue Grundlage zu stellen, um eine einheitliche Nation zu schaffen, in der das alte eingefressene liebel der unrechtmäßigen privaten Bereicherung bei Vergebung staatlicher Aufträge ausgemerzt unb gleichzeitig bie unheilvollen Einflüsse der Weltdepression, des eindringenden westlichen Kapitalismus und der außenpolitischen Schwierigkeiten niedergekämpft sind, da braucht, sagen die chinesischen Kritiker —, China ein System, das (wie in anderen Ländern) den Männern die Möglichkeit gibt, in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit mit starker Hand die Geschicke des Landes zu meistern. Denn nur fo lassen sich Worte und Pläne in die Tat umsehen, nur so können die dauernden Spannungen, die den Fortschritt hemme, beseitigt werden'
Die Erreichung dieses Zieles aber ist der Kuomintang-Partei noch nicht g e l u n g e n , obwohl sie die alleinige Partei in China ist, die an der Regierung teilnimmt. Die Hemmungen, die in ihrer geschichtlichen Entwicklung begründet liegen, sind noch $u stark und lassen sich wahrscheinlich auf dem jetzigen Wege überhaupt nicht beseitigen. Die G e - wabt der Zentralregierung hat sich — streng genommen — bisher nur in einer Anzahl Provinzen um den Pangtse herum durchsetzen können, während sie in anderen Landesteilen wie Kanton, Peking und gewissen Außenprovinzen nur unter Aufwendung von vielen diplomatischen Bemühungen ihren Einfluß geltend macht. Eine straffe, innere Einheit Chinas, tn der der Wille der Zentralregierung in allen Landesteilen unbedingt gilt, läßt sich nur erreichen, wenn ihr ein einheitliches und treu ergebenes Heer
unter der nationalen Regierung Macdonalds, bie Diktatur in Rußlanb unb besonbers auch bas autokratische Vorgehen Roosevelts in Amerika haben zu ber Forderung nach einer strafferen Zentralgewalt in China geführt. „Wenn überall in ben hauptsächlichsten Staaten ber Welt das bemokra- tische System gerabe in den Augenblicken stärkster Belastungen versagte, wie könnte es ba" — so ragen patriotische Chinesen, — „uns noch helfen, bie wir in einer weit schwierigeren Lage als anbere ßänber finb?" Vorgänge aus ber alten Geschichte Chinas, wo Männer mit biktatorischer Kraft sich - zu Kaiserwürben aufschwangen unb bas Reich vor bem Verfall retteten, werben herangezogen, um zu beweisen, bah ber Uebergang zu einem biktatorischen System keineswegs im Gegensatz zur chinesischen Trabition zu stehen braucht.
Bezüglich ber Form bie einer Diktatur in China gegeben werben könnte, nähern sich bie chinesischen Kritiker übrigens sehr stark ber nationalsozialistischen Auffassung. Die Diktatur soll nicht etwa eine Rückkehr zu ber Regierungsform bes alten Kaiserreiches ein, mit bem sich bei vielen Chinesen bie Vorstellungen von Stillstanb unb Korruption verknüpfen, andern muß Ausbruck bes Gesamtwillens bes Volkes fein. Sie soll sich auf eine Partei stützen, bie alle Volkskreise unb alleLanbesteileumfaßt. Das Wohl bes Volkes muß ihr oberstes Gesetz sein, bem alle Einzelinteressen unterzuorbnen sinb; sie muß im Volke leben unb von i h m getragen sein, sie hat sich so zu gestalten, daß sie ben Besonberheiten Chinas, seines Volkes, seiner Wirtschaft unb Politik entspricht unb gerecht wirb.
Von Marschall Tschiang - Kaischek geht die Bewegung „N e u e s ß e b e n" aus, bie entsprechend den Verhältnissen des ßanbes bem Volke neue Ziele gibt unb zum Teil auch schon bie Theorien ersetzt, bie noch bas Wesen ber Kuomintang-Partei ausmachen, ihre Weiterentwicklung aber hindern. Die Bewegung hat auch erkannt, baß sie nur bann einen Erfolg haben Fann, wenn gleichzeitig mit ihr eine Organisation geschaffen wird, die bank ihrer straffen (9lieberung die nötige Stoßkraft besitzt, um die neuen Gedanken ins Volk hineinzutragen unb ihre Anhänger auch zu treuen Mitkämpfern zu machen. In ben Kreisen dieser „Blauhemdenorgani- a t i o n", bie mit ihrer Agitation zunächst am stärkten unter bem Militär unb unter ben Zivilbeamten eingesetzt hat, werben bie von Aböls Hitler verfolgten Methoden eifrigst studiert unb in Vorträgen bargelegt. Die Bewegung hat in ben neun Monaten ihres Bestehens unzweifelhaft schon recht bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Ob sie aber schon stark genug t, bas Bestehende zu ersetzen, ist freilich noch zwei- elhaft; und es ist daher noch verfrüht, endgültige Schlüsse für bie Zukunft ziehen zu wollen.
Genau fo schwierig ist bie Beantwortung der Frage, wann benn nun in China ein Umschwung zur Diktatur erwartet werden kann. Die Erfahrung hat uns ja gezeigt, daß ein ßanb schon lange reif für biefe Regierungsform sein kann, aber bennoch
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