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Der ungarisch-südslawische Konflikt vor dem 2Roi.

Reichsinnenminister Or. Frick spricht in Wiesbaden zum Kirchenstreit

biet ihre Politik zu treiben und auf diesem Wege dem Dritten Reich Schwierigkeiten zu bereiten. Ich erkläre hierzu, daß die Reichs­regierung nicht gewillt ist, dieses Treiben bis ins Endlose mitanzu­sehen, sondern dah sie entschlossen ist, dort, wo es die politischen Rotwendigkeiten erfordern, auch gegen solche Staatsfeinde und Landes­verräter durchzugreifen. Das deutsche Volk hat diesen kirchenftreil satt. Ls hat gar kein Interesse an diesem Zank der Pastoren. Die Reichsregierung hat jedenfalls gar kein Interesse daran, Kirchen, die der inneren Er­bauung des deutschen Menschen dienen sollen, die aber nur Zank und Streit ins Volk tragen, mit zu finanzieren.

Sodann wandte sich der Reichsminister dem außenpolitischen Gebiet zu. Nicht Gewehre und Kanonen machen die Macht in erster Linie, son­dern die innere, die willensmäßige Ein­st e l l u n y der Menschen. Ehre und Gleich- berechtlgung, das sind die beiden Forderun­gen, von denen der Nationalsozialismus n i e m als a b g e h e n wird. Das deutsche Volk ist nicht für eine hemmungslose Aufrüstung. Wir wollen für uns nur d i e Sicherheit haben, die auch alle anderen Völker für sich in Anspruch nehmen. Am deutlichsten haben wir die Tatsache, daß Deutschland schon jetzt als Macht gewer­tet wird, erwiesen gesehen in der Frage der Saar. Wir hätten niemals diesen Erfolg im Dreierausschuß erzielt, durch den ein friedliches Ab­kommen zwischen Deutschland und Frankreich über die Saarabwicklung zustande kam, wenn nicht Deutschland an Achtung in der Welt ge­wonnen hätte. Das ist ein so großer Erfolg, daß wir diesen Tag als einen Tag des Sieges be­zeichnen dürfen. Wir haben gar nichts dagegen, daß eine internationale Polizei im 'Saar­gebiet eingerichtet wird, die absolut auf Ordnung und Ruhe hält und den ruhigen Verlauf der gan­zen Abstimmung garantiert. Wir rufen unseren Brüdern an der Saar zu: Haltet aus, haltet noch diese paar Wochen aus, wir stehen an eurer Seite und warten auf den Augenblick, wo ihr wieder zum Mutterlande zurückkehrt.

und Sicherheit des südslawischen Staates gewesen. Südslawien habe deshalb nicht zulassen können, daß eine Handlung, die sich unmittelbar gegen seine Einheit und Sicherheit richtete, als Frage all­gemeiner Natur verkleidet wurde. Trotz­dem hätte die südslawische Regierung nichts da­gegen einzuwenden, wenn diese Aussprache auch auf ein allgemeineres Gebiet getra­gen wird, um den Abschluß eines inter­nationalen Abkommens vorzubereiten, das an die Stelle des fehlenden guten Willens gewisser Regierungen tritt, damit sie an der Unterdrückung der terroristischen Handlungen auf ihrem Grund und Boden mitarbeiten.

Die ungarische Regierung habe wissen müssen, daß sich gewisse Behörden mit den in Ungarn an­sässigen terroristischen Elementen eingelassen hatten. Aus einer erneuten Aufzählung der in der südslawi­schen Denkschrift bereits geltend gemachten Argu­mente zog Jeftitsch die Schlußfolgerung, daß das Attentat von Marseille das logische Endergebnis der von der ungarischen Regierung auf ihrem Boden geduldeten verbrecherischen Umtriebe sei. Er erhob gegen Ungarn die weitere Anklage, daß auf feinem Gebiet nach dem Marseiller Attentat keine Feststel­lungen hätten getroffen werden können.

Oer ungarische Delegierte Tibor von Eckhardt

ging davon aus, daß feit Wochen ein heftiger Feldzug gegen die Ehre der ungari­schen Regierung betrieben werde und stellte die maßvolle Haltung Ungarns, das sich grundlos angegriffen fühle, gegenüber. Die südslawische Presse habe sofort nach Marseille ihre

Ferngas von der Saar zur Pfalz

Saarbrücken, 8. Dez. (WK.) Der G a s - lieferungsvertrag zwischen der Fern­gasgesellschaft Saar m. b. H. und der Pfälzischen Gas-Aktien-Gesellschaft Ludwigshafen ist unterzeichnet worden. Die Saarwirtschaft tritt damit in ein neues Stadium der Verwendung der auf den saarländischen Hütten­werken anfallenden Gasüberschußmengen, für die bisher eine wirtschaftliche Verwendungsmöglichkeit nicht vorhanden war. Die Ferngasgesellschaft Saar besitzt ein Gesellschaftskapital von 5,4 Millionen Franken. Die Gaslieferungen erstreckten sich bis­lang nur auf das Saargebiet und wurden von zwei Saar-Hütten getätigt. 1933 belief sich der Gas­absatz auf 12,5 Millionen Kubikmeter. Durch den nunmehr abgeschlossenen Gaslieferungsvertrag wird ein bedeutend größeres Absatzfeld für die bei den Saarhütten anfallenden Gasüberschuß­mengen gewonnen, so daß schließlich vier Saar­hütten an den Gaslieferungen teilnehmen wer­den. Dieser Vorteil wird sich nicht nur für die Saarhütten selbst günstig auswirken, sondern auch den bisherigen Gasabnehmern zugutekommen, in-

Deutschland jedenfalls damit einverstanden, dah die britische Politik sich auf ihre im Locarnovertrag übernommenen Pflichten besinnt. Die spürbare Ent­spannung der letzten Tage wird sich zu einer wahr­haften Befriedung erweitern lassen, wenn alle vier beteiligten Großmächte auch künftig im Geist europäischer Solidarität ihre gemeinsame Aufgabe begreifen. Das russisch-französische Techtelmechtel um den fast schon entschwundenen Ostpakt wird die deutsche Politik jedenfalls in ihrer durch den Füh­rer und seine engsten Mitarbeiter immer wieder zum Ausdruck gebrachten Ueberzeugung nicht irre machen, daß Europas Friede eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich voraussetzt und daß diese Verständigung sehr wohl möglich ist, wenn sie vom gleich guten Willen, von gleichem Vertrauen und gleicher gegenseitiger Achtung dik­tiert wird, wie das Saarabkommen in Rom.

dem der Gaspreis sich verbilligen dürfte. Eine weitere günstige Folge des Vertrages wird, durch den weit über das Land gehenden und sich ver­zweigenden Ausbau des Gasleitungs­netzes in Erscheinung treten.

Nmk an Italien.

Rom, 7. Dez. (DNB.) Der Chef der italienischen Regierung hat den deutschen Botschafter beim Quirinal empfangen, der ihm im Namen seiner Regierung für die Führung der Saorverhand- lungen in Rom dankte. Er empfing auch den englischen Botschafter, der im N-amen sei­ner Regierung einen gleichen Schritt unternahm. Aus Genf hat Mussolini folgendes Telegramm vom französischen Außenminister La- v a l erhalten:In dem Augenblick, in dem der Völ- kerbundsvat durch einstimmigen Beschluß das Ergeb­nis der unter den Auspizien des Dreierausschusses so glücklich geführten Saarverhandlungen in Rom be­stätigt hat, möchte ich Ew. Exzellenz meine Dankbarkeit und die der französischen Regie­rung ausdrücken für den Gei st Höch st er Unparteilichkeit, mit dem die italienische Re­gierung, vertreten durch Baron A l o i s i, diesen Ar­beiten präsidiert hat. Der Abschluß bieder Arbeiten bedeutet eine neue Garantie für d i e Auf­rechterhaltung des Friedens.

Die Agentur Havas bestätigte, daß Außenminister La v a l wahrscheinlich sehr bald nach Rom reifen wird. Die französisch-italienischen Verhand­lungen machten jetzt hinreichende Fortschritte, so daß die Reise Lavals nach Rom, die durch den Tod Bar- thous aufgeschoben wurde, wieder Gegenstand von Verhandlungen werde. Mussolini habe kürzlich Laval zur Kenntnis gebracht, daß er ihn mit Vergnügen möglich st bald in der italienischen Hauptstadt be­grüßen würde. Dieser Wunsch werde von Laval ge­teilt. Die Ereignisse in Genf und der Geist der Versöhnlichkeit, durch den sie gekennzeichnet seien, seien geeignet, eine Begegnung vorZu­ber e i t e n , deren Zeitpunkt noch nicht feststehe, die aber sehr bald vonstatten gehen könnte.

derer niemandem wegen seiner Sprache, Rasse und Religion Nachteile erwachsen dürfen, sollen den Uebergang erleichtern und werden auch heute schon im Saargebiet zur Entspannung beitragen.

Der Hauptteil des Berichts Aloisis beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen und finan­ziellen Fragen, die durch die Rückgliederung des Saargebiets aufgeworfen werden. Dabei handelte es sich einmal um die Aufrechterhaltung der An­sprüche aus der laufenden Sozialversiche­rung und ihre reibungslose Eingliederung in das deutsche Versicherungssystem. Deutschland hat da­für alle Garantien gegeben. Sie find sowohl vom Dreierausschuß wie vom Völkerbundsrat für aus­reichend befunden worden, lieber die Wahrung der Rechte der Saarbeamten schweben gegenwär­tig in Berlin noch Verhandlungen zwischen der Regierungskommission und den Regierungen Frank­reichs und Deutschlands. Nach dem positiven Er­gebnis der römischen Unterhandlungen darf man ohne weiteres annehmen, daß auch die Berliner Konferenz über die Beamtenfragen zu einer Ver­ständigung führen wird, die alle Beteiligten be­friedigen kann. Die bereits getroffenen Abmachun­gen beziehen sich im wesentlichen auf finanztech­nische Fragen, wie z. B. ausländische Guthaben in Fremdwährung, auf Gold oder Devisen lautende Verträge, im Saargebiet umlaufende französische Banknoten. In allen Punkten konnte unter Mit­wirkung einer Unterkommission des Finanzaus­schusses des Völkerbundes eine Uebereinfunft er­zielt werden.

Die weitaus wichtigste Frage in diesem Kom­plex betrifft den Rückkauf der Saargru- b e n durch Deutschland. Als Rechtsgrundlage für die Inbesitznahme der Kohlengruben des Saar- . gebiete mußte den Franzosen seinerzeit die angeb­liche Entwertung ihrer eigenen Bergwerke während des Krieges durch Artilleriefeuer und Bomben­abwurf dienen, obwohl sie und ihre Verbündeten daran nicht weniger beteiligt waren als wir. Die nordfranzösischen Bergwerke sind tatsächlich außer­ordentlich schnell und mit der modernsten technischen Ausrüstung wieder aufgebaut worden und haben bereits im Jahre 1925 ihren Vorkriegsertrag um 20 v. H. überschreiten können. Diese Tatsache wie der Ersatz des vorübergehenden Förderungsaus­falls durch Reparationslieferungen machen den An­spruch Frankreichs auf Abtretung des Saarberg­baus äußerst zweifelhaft. Trotzdem sprach der Ver­sailler Vertrag den Franzosendas volle und un­beschränkte Eigentum an sämtlichen Kohlenfeldern in den Grenzen des Saargebietes" zu. lieber ihre Rückgabe an Deutschland besagt das Saarstatut: Beschließt der Völkerbund die Vereinigung des ganzen Saargebiets oder eines Teiles mit Deutsch­land, so hat Deutschland die Eigentumsrechte Frankreichs an den in diesem Gebietsteil gelege­nen Gruben im Ganzen zu einem in Gold zahl­baren Preise zurückzukaufen." Die Reparations- fommtffion hat einmal den Rückkaufswert der Saargruben mit 300 Millionen Reichsmark bezif­fert, in Rom einigte man sich auf 150 Millionen Reichsmark, wobei auch von Frankreich angelegte Eisenbahnen, Grenzbahnhöfe u. a., also alle irgend­wie geartete Forderungen Frankreichs eingeschlossen sind und solche Zahlungsbedingungen vereinbart wurden, die die deutsche Devisenlage nicht beein­flussen. Um die Bedeutung des damit wieder zum Reich kommenden Saarkohlenbergbaus richtig wür­digen zu können, fei erwähnt, daß das Saargebiet zwar nur 0,4 v. H. der Fläche Gefamtdeutfchlands ausmacht, die Steinkohlenförderung der Saargru­ben aber in den Jahren 1925 bis 1930 8,3 v. H. und ihre Kokserzeugung 6,5 v. H. der gesamtdeut­schen Produktion betrugen. Die ausgreifenden Pläne, die Saarkohle vor allem für die Ferngas­versorgung Südwestdeutschlands einzuspannen, wer­den jetzt schnell ihrer Verwirklichung entgegengeführt werden können. Die Gruben des Warndt aller­dings bleiben, soweit sie von Stollen aus ausgebeu­tet werden, die jenseits der Grenze in Lothringen niedergeführt wurden, noch während der nächsten fünf Jahre im Besitz Frankreichs. Das Förderungs­recht ist aber mengenmäßig auf elf Millionen Ton­nen begrenzt worden. Diese Uebergangsmaßnahme war erforderlich, weil der französische Staat Gruben an private Bergbaugesellschaften, die Firma Sarre et Moselle u. a., verpachtet hatte. Diese zahlen während der fünf Jahre die Pacht an Deutschland.

So hat das Saarübereinkommen von Rom, das die einstimmige Billigung des Völkerbundsrats ge­funden hat, den Beweis erbracht, daß auch zwi­schen Deutschland und Frankreich eine nachbarliche Verständigung keineswegs unmöglich ist, wenn auf beiden Seiten der gute Wille dazu ernstlich vor­handen ist. Deutschlands besonderer Dank gebührt freilich dem Baron A l o i s i, dessen unbeirrbar sachliche und loyale Derhandlungsführung die Atmo­sphäre des Vertrauens schuf, in der allein Ent­schlüsse von größter politischer Tragweite gedeihen können. Dieser neuen Atmosphäre hat sich auch die neue Leitung der französischen Außenpolitik nicht entziehen können. Laval hat nicht nur durch seine Instruktionen die Uebereinfunft von Rom er­möglicht, sondern auch im Bestreben für eine ohne­hin verlorene Sache nicht noch Frankreichs Prestige aufs Spiel zu setzen, in Gens auf das von seinem Vorgänger Barthou beanspruchte Einmarschrecht französischer Truppen ins Saargebiet unter der Bedingung verzichtet, daß der Völkerbund seiner­seits durch eine internationale Polizei- truppe, an deren Aufstellung weder Deutschland noch Frankreich beteiligt sind, für die Aufrecht­erhaltung der Ruhe und Ordnung im Saargebiet Sorge trägt. Solche Maßnahme ist zwar keines­wegs erforderlich, da die vorbildliche Disziplin der deutschen Bevölkerung im Saargebiet einen ruhigen Verlauf der Abstimmung verbürgt und nur die gewissenlose Separatistenhetze unter dem Schutz der von der Regierungskommission mit hohen Der- waltungs- und Polizeiposten betrauten Emigranten eine gereizte Atmosphäre schuf. Trotzdem hat Deutschland sich mit dem Vorschlag Lavals einver­standen erklärt, weil die Reichsregierung in ihm ein Zeichen dafür sieht, daß Laval eine loyale Be­reinigung der Saarfrage wünscht.

Daß England entgegen früherer Entschlüsse sich mit einem eigenen Kontingent an der Bildung der für das Saargebiet bestimmten Polizeitruppe beteiligen will, hat überall größte lieber» raschung herovrgerufen. Staatssekretär Simon hat diesen auch von der öffentlichen Meinung durch­weg begrüßten Kurswechsel mit dem aus dem Saarabkommen sprechenden neuen Geist der fran­zösischen Politik begründet. Die der Rüstunas- mdustrie nahestehenden Pariser Blätter verhehlen allerdings nicht ihr Mißtrauen und wehren sich schon vorbeugend gegen irgendwelche Zumutungen, die sie von England a conto seiner neuen Haltung zu einem an sich rein kontinentaleuropäischen Problem nun in der Rüstungsfrage erwarten. Sehen wir von den hier sich andeutenden Möglich­keiten im Sinne einer stärkeren Befriedigung des

Wiesbaden, 6. Dez. (LPD.) In einer von über 5000 Menschen besuchten Kundgebung sprach im Paulinenschlößchen Reichsinnenminister Dr. Frick. Er verwies auf die großen Leistungen, die seit dem 30. Januar 1933 schon vollbracht worden sind, auf die Zerschlagung der Parteien, auf die Vernichtung des Partikularismus und die Schaf­fung einer wahren Volksgemeinschaft. Noch sei nicht der ganze Beamtenkörper national­sozialistisch. Hier müsse man Geduld haben, zumal doch unter den Systemregierungen jeder Beamte gemaßregelt wurde, der sich dem Nationalsozialis­mus anschloß. Der Minister erwähnte dann die stetig fortschreitende Reichsreform, die vom Ermächtigungsgesetz über das Reichsstatthaltergesetz bis zur künftigen Neugliederung des Reichs weitergehe, Die etwa 20 Gaue vorsehen werde. Der Minister verwies weiter auf den kom­menden Familienlaftenausgleich und auf die Ariergefetzgebung, die von dem Grund­satz ausgehe, daß Deutschland den Deutschen ge­hören müsse.

2Hif besonderem Nachdruck kam der Minister dann auf den Streif in der deutschen evangelischen Kirche zu sprechen. Es mag sein, so sagte er, daß die Reichskir­chenregierung in dem Bestreben, die 28 Landeskirchen in der Reichskirche aufgehen zu lassen, etwas zu stürmisch vorging und Anordnungen erließ, die der nötigen Rechtsgrundlage entbehrten. Dadurch entstand eine Gegenwirkung. Schließlich sah aber die Reichskirchenregierung ein, daß dieser Weg einer besseren rechtlichen Fundie­rung bedürfe und sie hat da wieder ange­fangen zu bauen, wo die Rechtmäßigkeit absolut feststand, nämlich auf der rechtmäßig erlassenen Verfassung der deutschen evangelischen Kirche. Der Staat denkt nicht daran, sich in kirchliche Dinge z u mischen, aber es bestehl leider der sehr begründete An­laß zu der Feststellung, daß sich unter dem Deckmantel kirchlicher Belange hier alle möglichen slaalsfeindlichen und landesverrälerischen (Elemente sammeln, um auf angeblich rein kirchlichem Ge-

G e n f, 7. Dez. (DNB.) Nach vielem Hin und Her ist der V ö l k e r b u n d s r a t schließlich doch zu seiner mit Spannung erwarteten Sitzung zusam- mengetreten. Kurz vor 15 Uhr waren Saal und Tribüne außerordentlich stark besetzt; auch der un­garische Außenminister wohnte der für fein Vater­land fo bedeutsamen Sitzung bei. Am unteren Ende des Ratstisches hatten auf der einen Seite der ungarische Delegierte Eckhardt, auf der an­deren Titulescu und Je f titsch Platz ge­nommen. Wie vorausgesehen, eröffnete an Stelle Beneschs der portugiesische Delegierte Bascon­celles die Sitzung. Er faßte den Sachverhalt der südslawischen Klage noch einmal ganz kurz zusam­men und erteilte dann dem südslawischen Außen­minister Jeftitsch das Wort.

Oer südsldwische Außenminister begann mit der Feststellung, daß der Mord 1 an König Alexander und Barthou in der Welt die größte Erregung hervorgerufen habe, besonders aber das südslawische Volk aufs schwerste erschüt­tert hahe. Mit Recht habe sich eine starke Volks­stimmung gegen diejenigen gewandt, die die Ver­brecher durch ihre moralische Unter­stützung befähigt haben, ihre finstere Tat zu vollbringen. Das südslawische Volk habe dabei nicht nur seinen heldenhaften König betrauert, fon» dem es habe sogleich empfunden, daß der Mord eine schwere Bedrohung des Friedens bedeute. Das Volk wende sich an den Völkerbund, um vor ihm auf die Verantwortung hinzuweifen, die die ungarischen Behörden auf sich ge­loben hätten. Die terroristischen Anschläge seien nur der Ausdruck einer in Ungarn organisierten und genährten Verschwörung gegen die UnversehrttchkeiL

futerfen neuen Regime nicht einverstanden sein französischen Sicherheitsbedürfnisses ab, so ist sollten, und über eine einjährige Frist, innerhalb'" ....... v .....

Kampagne begonnen, und die südslawische Reo-i rung sei zur Ausweisung ungarisch,. Staatsangehöriger geschritten, deren & samtzahl in der letzten Woche sich auf 3600 b laufen habe. Durch das Einströmen mittellch, Flüchtlinge sei an der ungarisch-südslawischen Tre^ eine unhaltbare Lage geschaffen. Die fön slawische Anklage halte der Prüfung nicht ftL Die Auflösung des Lagers Jank! Pußta fei im April begonnen und im Oktob' beendet worden. Niemals habe sich eine zivile ob militärische Behörde mit der terroristischen bildung von Emigranten beschäftigt, niemals b®, ten Emigranten von zivilen ober militärischen &. Hörden Waffen ober Explosivstoffe erhalten, Ur. niemals seien ihnen Gelbmittel geliefert morbe Auch hätten bie kroatischen Emigranten auf gejfB lichem Wege keine ungarischen Pässe erhalten föt nen. Ungarn habe keine Verschwörung gegen slawien angezettelt ober unterstützt. Das Asylrej, bas Ungarn ben Kroaten gewährt habe, sei tr­über die allgemein anerkannten Grunosätze ausgegangen. Die Bewegungsfreiheit ber b* garischen (Emigranten in Sübslawien bem Sturz Starnbuliskys unb ber ufrainijfc' (Emigration in ber Tscheche! sei größer » wesen als bie ber Kroaten in Ungarn. Der TlöA Georgieff f e i niemals in Ungarn g: wesen, keine Vorbereitungshandlung sei h ungarischem Boden ausgeführt worden,' nicht A mal von den Statisten des Marseiller AtientL Ungarn habe nicht die geringsten 23erantroortlis feiten. Die wahren Ursachen des Attentats feien i - der innerpolitischen Lage <5 ü b f h, Wiens zu suchen. Der ungarische Revisio­nismus, gegen den sich die Aktion der Äleinr.- (Entente im Grunde genommen richte, sei gerab das Gegenteil non Terrorismus. Er fei tu Mittel konstruktiver Friedenspolitik. Ueberbies höre Kroatien nicht zu ben Gebieten, auf die fe: der ungarische Revisionismus richte. Ungarn h^- stets den Wunsch gehabt, mit seinem südlichen Nat barn in Frieden und Freundschaft zu leben.

Kleine Entente und Balkanbund unterstützen Ieftitschs Klage.

Der türkische Außenminister T e w f i k R ü s chl: Bey forderte im Namen der Balkan-Entente, ba; das Doppelattentat von Marseille, das einen an- archistischen Zustand in (Europa geschaffen hab, völlige Aufklärung finde, und daß bie international! Zusammenarbeit zur Unterbrückung bes Xenon* mus organisiert werbe.

Der rumänische Außenminister T i tu lesen meinte, bie Kleine (Entente werde zu der AeußenM des ungarischen Vertreters, der südslawische Schrill sei ein politisches Manöver, Stellung nehmen mW. Man könne Staatsmänner ermorden, man tonne Könige ermorden oder mit bem Morb beb&'a, aber bie ßebenben hätten bas Recht, sich ju wr- teibigen.

Der tschechoslowakische Außenminister Dr. erklärte, bie Tschechoslowakei unb Rumänien Hütt«" sich bem sübslawischen Schritt ausbrücklich unb vck - inhaltlich angeschlossen, ba sie sich non b ev gleichen Umtrieben bedroht fühlten 1929 fei ein ähnlicher Anschlag gegen ben Bestand bei tschechoslowakischen Staates an ber Nordgrenze Un­garns vorbereitet worden. Die Tschechoslowakei werd!, bei künftigen Versuchen dieser Art sofort den Völker-- bunbsrat anrufen. Beim aufmerksamen Lesen den über 4 Jahre ausgebehnten ungarisch-südslawischer i Notenwechsels könne kein objektiver und ehrlicher: Mensch an die Unkenntnis der ungarischen Regie- - rung glauben. Es sei eine der großen Folgerung, des Weltkrieges, daß das Nationalitäten-' prinzip auf Mitteleuropa angewandt worben sei Die Kräfte, die Ungarn unterstütze, richten sich ge­radezu gegen die Verwirklichung dieses Prinzips Ungarn behaupte, daß sich fein Revisionismus nich gegen Kroatien richte. Das fei vielleicht richtig. -Der ungarische Revisionismus wolle aber die Tren­nung Kroatiens von Südslawien, ss wie es 1929 die Trennung der S1 o w a k e i von! tschechoslowakischen Staat gewollt habe. Benck | forderte die strenge Beachtung von Artikel 10 ö« Völkerbundsvertrags, der die gebietliche lln- | Verletzlichkeit aller Mitglieder verbürge fM die Anwendung ber Grunbfätze ber ßonboncr fr- tokolle über bie Begriffsbestimmungen des » greifen».

Die nächste Sitzung finbet am Samstag p Mffenausweisungen von beiden Setten.

93 el grab, 7. Dez. (DNB.) Die Behandlung & sübslawischen Völkerbunbsklage in Genf geht 111 einer Erschwerung ber Verhältnisse im uHQ' risch - sübslawischen Grenzgebiet Hans in Hanb. Beibe Staaten machen einanber ben I>or' wurf, bie auf ihrem Gebiet lebenben Angeborig^ bes anberen Staates in ber rücksichtslos ft en Weife z u vertreiben. So meldet c Prawba", baß in ben letzten Tagen an der nn garischen Grenze mehrere 3üge w ; Sübflawen eingetroffen feien, bie aus u garn ausgewiesen worben seien. Die nngo> scheu Behörben hätten ben Vertriebenen nicht e mal Zeit gegeben, ihre häuslichen Angelegenhel zu orbnen, sonbern sie von ber Polizei foglew ben Bahnhof gebracht. Dabei seien Fälle norge* men, in benen kleine Kinber von ijU (Eltern getrennt worben seien. Manche öj lien hätten sich erst nach einigen Tagen wieve ber sübslawischen Grenzstation zusammengefuM

Aus B u b a p e st kommen ebenfalls MeldE baß in ben letzten Tagen 2 314 Ungarn . Südslawien ausgewiesen seien. abend wird ein neuer Transport von 400 we^' ausgemiefenen Personen angekündigt. In SlJFL seien amtlich 500 bis 600 Protokolle aufgeno^ worden, aus denen sich ergab, daß an dieser v ftotion auch über 300 aus Südslawien ausgew deutsche Bauern (Schwaben) en2,e\Li' seien. Amtlich werden die Meldungen, nach ° die Zwangsausweisungen aus Südslawien am liehe ungarische Maßnahmen 3U rie seien, entschieden in Abrede ng

Blätter berichten im Tone der größten über die Notlage der Vertriebenen. Der Lloyd" erklärt, daß die ausgewiesenen 4>e^er, entsprechend den Bestimmungen des ^r,an nfür träges bereits vor vielen 3aYren Südslawien optiert hätten, unb ö° cfl(jen sübslawische Staatsbürgerecht sofort h^n müßen, baß aber bie sübslawischen ° gesetzliche Zuerkennung ihrer Staatsbu g Jahr um Jahr hinausgezögert ha»

Die Maffenausweisungen aus Sübslawie" . n, in Lonbon offensichtlich einen f ch I £ $ iae bruck gemacht.Times" schreibt, Die » e6 ix Wurzel bes Uebels sei barin zu suchen/