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Nr. 262 Erstes Blatt

184. Zahrgang

Donnerstag, 8. November 1934

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Eichener Anzeiger

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Italiens Politik im Oonauraum

werden sollte, würde eine völlig neue Lage entstehen, an der auch Laval scheitern könnte.

f) erriet erklärte Pressevertretern, es vergehe kein Tag, an dem er nicht schriftliche oder fernmünd­liche Todesdrohungen erhalte. Auf die Frage, ob die Kammer nicht über den Streit entscheiden solle, sagte er: Wäre es wirklich geschickt und mutig, gegen die Kammer einen neuen Gewittersturm und eine neue antiparlamentarische Welle Heraufziehen zu lassen? Das dürfte wohl nicht zu empfehlen sein."

slowakei bestehe gegenseitige Zurückhal­tung, auf die einmal Streitigkeiten örtlicher Be­deutung, aber auch die Verschiedenheit der Anschau­ungen über einige wichtige Fragen Einfluß hätten. Europa befinde sich im Zustand des gegenseitigen Abwartens und der Bildung neuer Kräfte und Fronten.Das Endziel unserer Politik ist das Ein­vernehmen und die Zusammenarbeit mit allen Staaten, vor allem auch mit Deutschland.

Eine bemerkenswerte Entscheidung des Warschauer Obersten Gerichts.

Warschau, 6. Nov. (DNB.) Das Warschauer Oberste Gericht hat in einem Prozeß gegen einige deutsche Frauen (polnische Staatsangehörige), bie bei der Ostpreußen-Automobilfahrt in Dirschau die durchfahrenden deutschen Wagen mit dem Rut j)eil Hitler!" begrüßt hatten und zu einer emp­findlichen Geldsttafe verurteilt worden waren mit der Begründung, ihr Verhalten drücke Uebelwollen und Geringschätzung gegenüber dem polnischen Staat aus und zugleich die Verbundenheit mit einer polenfeindlichen Bewegung, die polnische Staats­gebiete entreißen wolle, dieses Urteil der Vorinstanz aufgehoben und die Angeklagten f r e i g e sprachen.

schen Einmarsches in das Saargebiet demen­tiert. Andererseits hat er dabei den Standpunkt .. . _

aufrechterhalten, daß Frankreich gegebenen-1 zum Ausdruck zu bringen.

Deutschland verwahrt sich gegen französische Truppen im Saargebiet

sagt, daß Ausland dürfe nicht die Sensation eines tiefen innerfranzösischen Zwistes erleben, da es daraus Ruhen ziehen würde.

Der marxistischePopulaire" bezeichnet den wahrscheinlichen Rücktritt Doumergues als ersten Sieg gegen den Faschismus. Vom stän­digen Verwaltungsrat der Sozialistischen Partei wurde eine Entschließung gefaßt, die lautet:Wenn angesichts der Gefährdung der öffentlichen Freiheiten und der Freiheiten der Arbeiter die Republikaner sich entschließen könnten, ge­gen die faschistische Gewalt mit den repu-

Nie Aussprache zwischen Köster und Laval.

Frankreichs Standpunkt für Deutschland unannehmbar.

Berlin, 7. Nov. (DNB.) Das am Dienstag von havas veröffentlichte Kommunique über die Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter in I paris und dem französischen Außenminister bringt noch keine erschöpfende Klärung der Lage, wie sie sich letzthin in der Saarfrage ent­wickelt hat. Ls ist zwar erfreulich, daß Herr Laval, entgegen den bisher gerade von der französischen Presse gebrachten Nachrichten, militärische Vorbereitungen zum Zweck eines französi-

falls berechtigt und verpflichtet fei, durch Entsendung von Truppen für Ruhe und Ordnung im Saargebiet sowie für die Freiheit der Abstim­mung zu sorgen. Dieser Standpunkt ist für Deutschland selbstverständlich nicht annehmbar. Der deutsche Botschafter in Paris hat bei der Unterhaltung hierauf hingewiefen und um Fortsetzung der Aussprache ge­beten, weil, wie dies bereits bekannt war, Wei­sungen an ihn selbst sowie an die deutschen Missio­nen in London, Rom und Brüssel unterwegs sind.

die den ausführlich begründeten Auftrag der Reichsregierung enthalten, gegen die Ver­wendung französischer Truppen im Saargebiet Verwahrung einjulegen und gegenüber den auf verschiedenen Seiten hervorgetretenen Ten­denzen noch einmal ganz allgemein die deutsche Auffassung über die Behandlung der Saarproblems

13utn Ausdruck zu bringen.

faffung" der Fugend wurde soeben vom 7. Altersjahr auf das sechste herabgesetzt oder viel­mehr erweitert, die ABC.-Schützen machen also, wohl zum erstenmal in der Geschichte, ihrem Namen Ehre, ziehen die Uniform an und führen als Ab­zeichen auf dem schwarzen Hemd die römische Wöl­fin. Weshalb sie Balilla della Lupa heißen, die Wölflein.

Daneben zeigen die Zeitungen Mussolini, wie er im offenen Meer schwimmt,und das am 25. Okto­ber", wie er alte Häuser einreißt und glänzende Paraden abnimmt. Die Zeitungen erzählen breit und witzig über den Verliebten, der sich, um seiner Angebeteten, einer Traubenverkäuferin, immer nahe zu sein, an Trauben beinahe zu Tode essen mußte; sie berichten kurz und sachlich über den schauerlichen Prozeß in Cosenza, wo eine ganze Familie vor dem Richter stand, weil die Eltern aus Habgier sie hatten den Aberglauben, daß ihnen dann ein Schatz durch die Madonna geoffenbart werden würde den eigenen Sohn schlachteten. In aus­ländischen Zeitungen schreibt Mussolini, daß sich die Welt nicht bloß in einer ,Krisis" wirtschaftlichen Charakters befinde, sondern in einer völligen Um­wälzung. Die italienische Presse bleibt ruhig, kühl und leidenschaftslos, scheinbar sogar farblos. Sie handelt nicht, sie beobachtet.

Der ungarische Staatsbesuch in Nom.

Die politischen Richtlinien unverändert.

R 0 m, 7 Nov. (DNB.) Der ungarische Minister­präsident Gömbös ist am Mittwochvormittag von dem italienischen Regierungschef Mussolini zu einer zweiten Unterredung empfangen worden; gegen Mittag hatte er eine P r i v a t a u d i e n z beim Papst Pius XL, an die sich ein Besuch beim Kardinalstaatssekretär Pacelli anschloß. Zum Frühstück weilte Gömbös in der ungarischen Gesandtschaft beim hl. Stuhl. Gömbös hat abends Rom verlassen. Mussolini war persönlich am Bahn­hof erschienen, um sich von ihm zu verabschieden, lieber die Besprechungen zwischen Mussolini und Gömbös wird eine amtliche Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. heißt:

Die beiden Regierungschefs prüften auf der Grundlage und im Geiste des italienisch-österreichisch- ungarischen Protokolls vom letzten März alle Probleme, die besonders Italien und Ungarn an­gehen. Die beiden Regierungschefs konnten voll­kommene Einmütigkeit feststellen. Die Richtlinien beider Regierungen sind unverän­dert geblieben, ebenso die Absicht, die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Oe st erreich weiter zu fördern. In der Frage der w i r t s ch a f t- lichen Beziehungen vertraten Mussolini und Gömbös einhellig die Ansicht, daß das Märzproto­koll zur Zufriedenheit funktioniert. Für die künftige reibungslose Entwicklung der Wirt­schaftsbeziehungen sorgen zahlreiche Zusammen­künfte von Sachverständigen, von denen eine ge­rade in den letzten Tagen stattgefunden hat zu dem Zweck, die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern noch enger zu gestalten. Schließlich haben

blikanischen Kräften zu antwor­ten und eine Kampfregierung zur Errin­gung der demokratischen Freiheiten und der Behe- bund der Krise zu bilden, dann dürsten sie der u n- begrenzten Unter st ützung unserer Partei sicher sein." Dieser Beschluß soll auf die Fühlungnahme mit einflußreichen Radikalsozialisten zurückgehen. Wenn tat­sächlich in linksstehenden Kreisen über d i e Bil­dung einer Linksregierung verhandelt

Ein Kabinett Laval auf dem Marsch.

Doumergues Rücktritt noch heute erwartet. - Kann der Burgfriede gerettet werden?

',C6elbfte' Ungarn sieht sich m den Kreis vor- uehmer Zurückhaltung einbezogen, die Huldigungen, wie sie vor Jahr und Tag gang und gäbe waren, iahen nichts Drängendes mehr an sich, man liebt Zudapest wie eine schöne, fremde Frau ftill uno :ius der Ferne. Und die Liaison mit dem feschen Weaner Madl, dem noch vor einigen Wochen sein Mittelmeertum, d. h. seine lateinische Kultur im Gegensatz zu dem Barbarentum westlich von Passau ckürrnisch bescheinigt wurde? Kühl und 10 r » ekt, ein bisserl wehmütig vielleicht, berichten die Korrespondenten in Wien, die eine Zeitlang an Der Weltachse zu drehen glaubten, von den Bespre­chungen, die laut amtlicher Verlautbarung mit Den ,i,nazisti" gepflogen werden.

Weder in Prag, noch in Warschau könnte man sich über die Haltung der faschistischen Presse beklagen, das große Rom möchte der Kleinen Entente nicht mehr weh tun. Die (Erneuerung des Zehnjährigen Freundschaftsvertrages mit der Schweiz erfolgte ohne größere Belehrungen über hie italianitä des Tessin. Die Studenten italienischer Zunge auf Malta haben sich anscheinend beruhigt, (nie abessinischen Abgeordneten sind zu ihren wpflosen Fleischgerichten zurückgekehrt, ohne daß Mussolini feine Toga geöffnet und den Krieg ver­bindet hätte. Kurz: Pax romana.

Windstille in Rom. Man kann sagen, daß die Leitungen gegenwärtig von den Auslandskorre- chondenten geschrieben werden, so weit der Raum richt durch marschierende Kolonnen, Flugzeug- Schwärme und kriegerischen Geist in Anspruch ge- -ommen ist. Man hört keinen außenpolitischen L'ärm mehr, nur das Rollen der Geschütze und das Rauschen der Fahnen. Die militärischeEr-

Windstille in Rom.

Bon unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im November.

Die Befürchtung, daß Italien nur so lange Ruhe halten werde, bis Jugoslawiens toter König in seiner Gruft liege, hat sich als unbegründet er­wiesen, die Kalkulationen der Kanonenherren und Katastrophenpolitiker müssen geändert oder wenig­stens zurückgelegt werden. Rom bewahrt nicht nur kühles Blut, sondern eine fa st übertriebene Zurückhaltung, die daher ängstlichen Ge­mütern schon eher unheimlich erscheint. Von der neutralen Beobachtungswarte aus kann und muß 'estgestellt werden, daß in der Tat ein auffälliger Unterschied besteht zwischen der Aufregung, die Jen dramatischen Tod des österreichischen Bundeskanzlers begleitete, und der diploma­tischen Unbeweglichkeit in den Gesichtszügen Roms, tiie seit der Ermordung des Königs Alexander zur Schau getragen wird. Damals wurde die Presse, längst ein Kampfmittel des Heeres, der Nation in Waffen, über Nacht mobili­siert, sie mußte den Vormarsch der Divisionen Jecken und ein Feuer von unerhörter Gewalt auf Deutschland legen, um Frankreich nicht mißtrauisch jiu machen; es wurde gehetzt wie kaum in der Jnterventionszeit, in Leitartikeln und Karikaturen -raff das Blut nur so von deutschen Händen, rück­sichtslos wurde in Stunden zerstört, was in Jahren .wischen Berlin und Rom an Verständigung auf» gebaut worden war. Bei dem Königsmord Hin- Degen blieb die Presse zu Hause, ja, sie mußte bie über die Adria hinüberblickenden Fenster schließen und die Schlüssellöcher verstopfen, um nicht zu »Ören, was der Nachbar sprach.

Das ging dem Volk um so schwerer ein, als kurz vorher die Zeitungen in seitenlangenEnthüllungen über die bösen Absichten Jugoslawiens geschwelgt und jeder italienfeindlichen Aeußerung einen hun­dertfachen Resonanzboden verschafft hatten, lieber hie Zerstörung eines Markuslöwen im dalmatinischen Städtchen Trau konnte die ganze italienische Nation außer sich geraten, jetzt wurden weit kritischere Dinge verschwiegen. Von dem, was ausländische Zeitungen über italienfeindliche Demonstrationen Drüben" melden konnten, hörte der faschistische Zeitungsleser nicht ein Sterbenswörtchen, auch er wllte Augen und Ohren schließen. Freilich erfuhr r doch so manches, er merkte, daß der Krieg im Sommer nicht deshalb vermieden wurde, weil Italien sofort den Marschbefehl ergehen ließ, son- I hern deshalb, weil diese Truppen auf den Ein­marsch in Oesterreich verzichteten. Französische, ulfo unverdächtige Blätter verrieten ihm, daß die Italiener dort nicht deutsche, wohl aber auf ju­goslawische Truppen g e st 0 ß e n wären. UnD nun macht sich der Mann auf der Straße tben seinen Reim so, wie er's versteht.

Die italienische Presse läßt jedoch nicht nur den Erben des Erbfeindes" in Ruhe, sondern in die- i em Augenblick auch alle anderen Nationen, Deutsch­land nicht ausgenommen. Es sieht oft aus, als ob oer Friede des Augustus zurückgekehrt fei und auf Oer ganzen Welt mit dem Zentrum Rom »as schönste Einvernehmen herrsche. Gibt es über­haupt noch ein Drittes Reich? Kein böses Wort mehr darüber, aber auch kein gutes. Nichts. Wenn in der Wochenschau im Kino Deutschland an !oer Reihe ist, so sieht man etwa einen röhrenden Hirsch. Fertig. Oder die politische Tagesrundschau -im Rundfunk: Deutschland wird demnächst das Schillerjubiläum begehen. Aus. Den italienischen Zeitungskorrespondenten in Berlin wird allerhand gezeigt, man bringt sie zu einer Festaufführung in toie Oper nach Dresden, aber sie verstehen nun spal- nenlang zu schweigen wo sie früher spaltenlang und ',ehr freundlich plauderten.

Ihre Kollegen in Paris haben auch eine am here Tonart angeschlagen. Die lateinische Schwester wird nicht mehr beargwöhnt und belächelt, bte Angriffe auf die Demokratie, den Parlamentarismus unb die fuorusciti (Emigranten) find verstummt. Man führt nur noch wohlabgemessene Salon-

Mussolini und Gömbös auch die kulturellen Beziehungen zwischen Italien und Ungarn er­örtert. Man kam zu der Ansicht, daß sie noch enger gestaltet werden müßten, und beschloß, die notwendigen Maßnahmen dazu zu treffen. Dem gleichen Zweck dient die für die nächste Zeit bevor­stehende Zusammenkunft des italienischen und des ungarischen U n t e r r i ch t s m i n i st e r s , die ein Abkommen zwischen beiden Ländern abschließen sollen.

Auch der österreichische Bundeskanzler erneut in erwartet.

Wien, 8. Nov. (DNB.) Wie die amtlichePo­litische Korrespondenz" erfährt, werden sich Bundes­kanzler Dr. Schuschnigg und Bundesmimlter für äußere Angelegenheiten Berger-Walde» n e g g gegen Mitte des Monats nach Rom be­geben. Mit Rücksicht auf diese Reise des Bundes- kanzlers und des Außenministers wird sich eine kurze Verschiebung der ersten Tagung der neuer­nannten Körperschaften ergeben. Der Zusammen­tritt der Staatsräte dürfte erst nach dem 20. No­vember stattfinden.

Der Eindruck in Paris.

Paris, 8. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Das Er­gebnis der Aussprache zwischen Gömbös und Mus­solini in Rom ist in Paris trotz der gespannten innerpolitischen Lage mit Interesse erwartet wor­den. Der römische Berichterstatter desMat in" will aus der Erklärung folgern, daß das revisioni­stische Ungarn durch die Umstände gezwungen werde, den militärischen Status quo feierlich zu unterschreiben,was Deutsch­land zu denken geben sollte". Die gemeinsame Ver­lautbarung besage andererseits, daß Rom, wenn es auch gegen Wiederaufnahme der Zu-

Doumergue lehnt das radikal- WalWsche Ultimatum ab.

Besteht dieMöglichteiteinerLinksregierung?

Paris, 8. Nov (DNB.) Die radikalsozia- listische Kammerfraktion beschloß am Mittwochabend ihre am Dienstag gefaßte Ent- chließung unverändert aufrechtzuerhal- t e n Der Abg. Poon Delbos hat dem Minister­präsidenten die Entschließung zur Kenntnis gebracht und ihm den Wunsch der Radikalsozialisten über­mittelt, er möge Zugeständnisse machen. Wenn der Haushaltsplan bis zum 1. Januar nicht verabschiedet sein sollte, würden die Radikalsozialisten dann für die Haushaltszwölftel timmen. Doumergue hat diesen Vorschlag rund­weg abgelehnt und erklärt, er müsse auf fei» seinen Forderungen bestehen.

Doumergue erklärte Pressevertretern:Jetzt ist die Lage wenigstens klar. Die Verantwor­tung st e h t f e ft. Ich befinde mich jetzt in einer leichteren Stellung. I ch weiß was ich tun will, und ich werde es tun. Ich werde mor­gen um 10 Uhr ebenso ruhig, wie ich jetzt bin, zum Ministerrat gehen. Wenn mich natürlich die Mi­nister im Stich lassen, werde ich mich dem Parla­ment am Donnerstagnachmittag nicht vorstellen." Auf die Frage, ob der Ministerpräsident von allen ihm verfassungsmäßig zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch machen wolle, antwortete Dou­mergue:Um die Auflösung zu beantragen, ist ein Kabinettnotwendig. Ich will keine M i n- derheitsregierung bilden; denn dann würde man mich der Diktatur beschuldigen."

Niemand zweifelt mehr daran, daß der Bruch im Kabinett vollzogen ist und die Regierung ihren Rücktritt heule vormittag beschließen wird. Auf verschiedene Ratschläge hat der Ministerpräsident es abge­lehnt, mit sich über Reformen feilschen zu lassen, die er für unerläßlich halte. Doumergue wird die Gründe seines Entschlusses, in das Privat­leben zurückzukehren, in seinem Rücktrittsschrei- ben an den Staatspräsidenten darlegen und die Franzosen zur Einigkeit ermahnen. 2Nan erklärt, daß der Präsident vielleicht schon gegen mittag einem Parlamentarier die Neubil­dung der Regierung übertragen werde. Voraussichtlich dürfte die Wahl des Slaatspräsidenten auf Laval fallen, dem es, wie man hofft, gelingen wird, sehr schnell, viel­leicht noch im Laufe des Abends, ein Ka­binett des Ausgleichs aufzustellen, das den Burgfrieden a u f r e ch t e r h a l t e n könnte. Laval hatte am Mittwoch auch eine Aus­sprache mit Tar dien, den er am Kranken­lager aufsuchte. Laval möchte Tardieu in seinem neuen möglichen Kabinett nicht missen. Es heißt, daß Marschall P e t a i n und der Luftfahrt- minister General Denain sich nicht mehr an einem Kabinett beteiligen wollen. Nach dem Echo de Paris" soll Germain-Martin ats Finanzmini st er wahrscheinlich durch Flandin erseht werden. Die meisten Blät­ter sind der Ansicht, daß die Krise m ö g l i ch st schnell g e l ö st werden müsse.Excelsior"

Abwarten" das Kennzeichen der Lage.

Benesch hofft

auf deutsch-französische Verständigung.

Prag, 6. Nov. (DNB.) In einem vor beiden Kammern erstatteten Bericht über die auswärtige Lage erklärte Minister Benesch u. a.: Der (Eintrit Sowjetrußlands in den Völker­bund bedeute eine Aenderung in der europäischen Gruppierung. Ein die Unabhängigkeit Oesterreichs sicherndes Abkommen sei nicht zu­stande gekommen, da mit Italien völliges Einver­nehmen noch nicht erzielt worden sei. Das Saar- Problem sei einedelikate Angelegenhett", die in näherer Zeit ernste Verwicklungen herbeiführen könnte. Es liege auch im Interesse der Tschechoslo­wakei, daß die Saarfrage so gelöst werde, daß sie eine spätere französisch-deutsche Ver­ständigung die tatsächliche Vorbedin­gung des europäischen Friedens er­mögliche. Das Verhältnis zu Deutschland sei gut und könne durch jede Annäherung Deutschlands an die Freunde der Tschechoslowakei nur gebessert wer­den. Zwischen Polen und der Tschecho»