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Montag, 8. Oktober 1934

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Ui. 235 Drittes Blatt

12000 Benschen durch die Nugmeisterschast Neselers begeistert.

Der gestrige Großstugtag in Gießen ein voller Erfolg. - Auf -er ganzen Linie hervorragende stugfportliche Leistungen.

tionskolonnen und Trains XVIII A.-K. und seins Kriegstruppenteile, werden zur Teilnahme an die­sen beiden großen Wiederseyensfeiern aufgefordert. Die Anmeldungen zu den Festlichkeiten haben schnellstens zu erfolgen. Für Feldartillerie-Regiment 27 an Major Henke, Wiesbaden, Tennelbach- straße 67, in Frankfurt an Hans Dahlem, Mainzer Landstraße 143; für Feldartillerie-Regi- ment 63 an Oscar Kramer, Frankfurt a. M., Textorstraße 72; für Reserve-Feldartillerie-Regi­ment 21 an Dr. T h ü r e , Frankfurt a. M., Eschers- heimer Landstraße 107; für Reserve-Feldartillerie- Regiment 56 an Hans Schlegel milch, Frank­furt a. M.-Unterliederbach, de Nidderweg 4. Die Angehörigen der Ersatzregimenter werden gebeten, ihre Anmeldung an einer der vorgenannten Kame­raden zu vollziehen.

Wiedersehensfeier des Fufeartillerieregiments

Generlafeldzeugmeister.

Das Staatspresseamt teilt mit: In den Tagen vom 13. bis 15. Oktober 1934 feiert das

S(3 Flugzeug des Weltmeisters tm Kunstflug Gerhard Fieseler unmittelbar vor dem Aufstieg zu den Kunstflügen. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)

g;e|.> t hatte; hier spielten sich bei dem Kampf um dir Fahrmöglichkeit zum Teil Szenen ab, bei denen namentlich um die Kinder angst und bange nöi-to. einige Wagen mehr hätten zweifellos gute für "den rascheren Transport der Fahrgäste flieht und auch die Einnahmemöglichkeiten für die

zum Fahren bei vielen vorhanden war, die not­gedrungen laufen mußten.

Auf dem Flughafengelände vor dem F l u g c a f 6 hatten Tausende in weitem offenem Viereck um den Platz der Flugzeuge herum Auf­stellung genommen. Weitere Tausende hatten sich an den Waldrändern in derW aldeslu st"

und dabei, oder entlang der Landstraße aufgestellt, nachdem die ununterbrochen fahrende lange Kette von Automobilen und Motorrädern auf die vor­gesehenen Abstellplätze abgeleitet worden war. Es war ein eindrucksvolles Bild, die großen Menschen­massen auf dem Marsche und dann im Flughafen massiert zu sehen, ein Bild, das überzeugend bewieß, wie außerordentlich groß das Interesse in Gießen und in der Umgegend aus der viele Besucher mit Fahrzeugen aller Art und zu Fuß gekommen waren an der Fliegerei ist.

Als Vertreter des Reichsstatthalters Gauleiters Sprenger infolge einer schmerzhaften Seh­nenzerrung am linken Fußgelenk war es dem Gau­leiter und Reichsstatthalter nur mit große Mühe möglich, zum Landestreffen der DAF. nach Wies­baden zu kommen, den Besuch aller übrigen Ver­anstaltungen mußte er sich infolge seines Leidens versagen war der stellvertretende Gauleiter Re­gierungsrat Reiner erschienen, ferner waren u. a. Kreisleiter und Kreisdirektor K l o st e r m a n n an der Spitze von zahlreichen politischen Leitern, der Führer der Standarte 116, Obersturmbannführer Lutter mit dem Standartenadjutanten Sturm­bannführer M ü n k e r, als Vertreter der Flieger- Landesgruppe VII Süd-West des DLV. Fliegerkom­mandant S ch a e d e l - Darmstadt, zugegen.

Pünktlich um 15 Uhr nahm die Flugsportoeran- staltung ihren Anfang. Zunächst konnte man einen Begrüßungsflug bewundern, bei dem drei Flug­zeuge der Darmstädter Fliegerkette in Prächtiger sportlicher Disziplin und Ordnung, ausgerichtet wie an einer Schnur, mehrmals den Flughafen um­kreisten, um schließlich sich in fächerartiger Form zu teilen, wobei die einzelnen Flieger ihre Darbietun­gen mit verschiedenen Figurenflügen, wie Loopings, Rollen, Kehren usw. abschlossen. Dann ließ sich der Segelflieger Dr. I a n ck e (Gießen) von einem Motorflieger Hochschleppen, um nach dem Aus­klinken in schönem Flug seine Kurven zu ziehen und so genau zu landen, daß er am westlichen Rande des Flugplatzes den Boden wieder berührte. Hierauf sah man mit Freude die Darmstädter Flie- gerkette wieder in ausgezeichneter fliegerischer Form. Eine herrliche Leistung vollbrachte anschließend der bekannte Darmstädter Segelflieger F i s ch e r mit seinen Kunstflügen auf demRhön-Bussard". Fischer ließ sich zunächst auch von einem Motorflugzeug Hochschleppen und machte sich dann selbständig. Unter atemloser Spannung der Zuschauer zeigte er mit dem Segelflugzeug Kehren, Spiralen und Loopings, letztere mehrmals hintereinander, die einfach staunens- und bewundernswert waren; der­artige Leistungen im Seglflugzeug hat man noch vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten. Wer Augenzeuge dieser großartigen sportlichen Leistung war, muß zugeben, daß der glänzende sportliche Ruf Fischers als Segelflieger seine gute Be­gründung hat. Rach mehreren Flügen mit Ballon­rammen zeigte Schwarmführer Maier, der früher als Fluglehrer im Gießener Flughafen weilte, auf einem FlugzeugFieseler F 5" Kunstflüge, die eben­falls 4inb mit Recht gewaltiges Staunen deK Men­schenmenge auslösten. Maier übertraf dabei bei weitem die fliegerischen Leistungen, die man früher im Gießener Flughafen von ihm sehen konnte, er zeigte, daß er seitdem flugsportlich in bester Weise weiter gewachsen ist. Roch während Maier seine Fliegerkunst zeigte, wurde die Maschine des Welt­kunstflugmeisters Fieseler fertig gemacht, der sich dann unter gewaltigster Spannung der riesigen ! Menschenmenge mit ferner Maschine in die Luft erhob. Unb was man nun erlebte, übertraf in | weitem Ausmaß die Höchstgespanntesten Erwartun­gen, die man auf Grund der Vorankündigungen an das Fliegen dieses Weltmeisters geknüpft hatte. Es war geradezu ein Wunder der Flug­kunst, das Fieseler hier vor den Tausenden von Augenzeugen, die lautlos und mit größter Aufmerk­samkeit die einzelnen Phasen des Fluges verfolg­ten, zeigte. In steilem Flug, in einem Winkel von etwa 80 bis 90 Grad, stürmte Fieseler mit seiner Maschine zum Himmel empor, um schließlich aus dem Kulminationspunkt sozusagen auf der Stelle zu wenden und dann seine verschiedenen Figuren- flüge, darunter auch seinen berühmten Looping nach vorne, anzuschließen. Daneben standen in vollendeter Meisterschaft die Sturzflüge mit abge­stelltem Motor, ferner die Rückenflüge, das Tru-

;n den letzten Tagen der vorigen Woche sah es Kraftomnibusse^ besser^ausgenutzt,^da das Bedürfnis eh mulmig aus um das Gelingen des geplanten °'~1* u......""""

Snohflugtages in Gießen. Tagelang Regen in! immer wieder Regen. Der Führer der Flieger- )rsgruppe Gießen, Oberregierungsrat Dr. S ch ö n- ) o s, in dessen Händen die organisatorische Lei- urg des großen Flugsportunternehmens lag, machte id tagelang sehr ernste Sorgen wegen dieses ganz in! gar nicht passenden Wetters. Und in der Tat aasen diese Sorgen reichlich begründet. Noch am tag, ja am Samstagoormittag, standen die .A'tteraktien sehr faul", aber der Führer der fliZer-Ortsgruppe hatte sich doch zu dem Ent- ' lhljß durchgerungen, die Veranstaltung unter lUi'i Umständen steigen zu lassen. Am Samstag- icurmittag kamen noch einige Regenstüber, aber iia brummten schon die Motoren der Fliegerkette ! ierrFlieger-Landesgruppe VII Süd-West des DLV. ibc der Stadt und machten darauf aufmerksam, i>os das große flugsportliche Ereignis auf dem Gie- fc r Flughafen durchgeführt werde. Der Sams- istgJbend mit feinem sternenklaren Himmel kündete iitni Wendung des Wetters zum Besseren an, die irh ulicherweise nicht enttäuschte.

8ln Sonntagvormittag wurde es immer deut- Hfdjr, daß der Flugtag von der Wetterseite her imir einem guten Stern stehen und sich nicht f Mn meisten Vorgängern der früheren Jahre, die fift alle verregneten, anschließen würde. Um die Hitngsstunde "trat sogar ausgesprochenes Schön- ri(t!r ein, das einen angenehmen Herbstnachmittag

r»il ffreundlichem Sonnenschein brachte. Bei diesem per er setzte eine Massenwanderung im iwl-ften Sinne des Wortes zum Gießener Flug- ljchngelänbe und den angrenzenden Waldrändern kin.Tausende waren zu Fuß, mit der Straßenbahn, in raftfahrzeugen aller Art und auf Fahrrädern i|ritcroeg5. Die Mittagszüge der Reichsbahn timten aus allen Richtungen schätzungsweise mehr (Isiiroeitaufenb Personen nach Gießen. Zur Heim- tiefrberung mußten die Abendzüge mit besonderen $ hrtärfungeroagen ausgerüstet werden. Die Stra­ff bahn fuhr mit Einsatz aller verfügbaren Waten leider stehen zur Zeit einige, die durch ^kksehrsunfälle beschädigt wurden, zur Reparatur rtod im Depot meist schon vom Bahnhof aus mitibem selten benutzten SchildBesetzt" nach Fe: Dolkshalle; unterwegs an den Haltestellen war- tif?: viele Männer und Frauen und Kinder ver- c«d!»ch auf die Möglichkeit zur Mitfahrt, so daß ffc viele doch noch zum Fußmarsch entschlossen. $£n Der Volkshalle gab es Stürme und Kämpfe il nie leider nur wenigen Kraftomnibusse, tiü je Reichspost bei diesem Massenandrang bereit-

Dtr itelloertretende Gauleiter Regierungsrat Rein-er (ichs im Bild) und der Kreisleiter und Gießener 5ivi idirektor Kloster mann (links) sehen mit f TCdliger Spannung den Fliegern zu. (Aufnahme: 1 y Vboto-Pfaff.)

dein, die Rollen, der Turnflug, die vielfachen Loopings, die Kehren und vieles andere; es war eine solche Fülle glänzenden fliegerischen Könnens, wie man sie sowohl hinsichtlich der Zahl der Figu­ren, wie auch der wunderbaren Präzision und der Vielfältigkeit nach hier noch nicht zu sehen bekom­men hat. Weltmeister Fieselers Fliegen war für die riesige Menschenmenge eilt einzigartiges und unvergeßliches Erlebnis, eine bis­her in Gießen noch niemals gesehene fliegerische Spitzenleistung, die als wirkliche hohe Schule des Kunstflugs hier unvergeßlich sein wird. Gewaltiae Beifallssalven brachten dem Meister der Luft im Kunstflug nach seiner Landung den herzlichen Dank und die volle Anerkennung der Menschen­menge überzeugend zum Ausdruck, mit frohem Lachen und freundlichem Grüßen nach allen Seiten hin dankte Meister Fieseler für die Ehrung. Anschließend stieg die Gießener Fliegerin Frl. Mendel in einem Flugzeug zu ansehnlicher Höhe auf, um mit dem Fallschirm abzuspringen. Der Fallschirmabsprung gelang ausgezeichnet, die Flie­gerin landete wohlbehalten am Westrande des Flugplatzgeländes, wo sie mit einem Kraftwagen abgeholt und durch die beifallsfreudige Menge zum Startgelände zurückgebracht wurde, von wo aus sie sofort mit einem Segelflugzeug im Schlepp eines Motorflugzeuges zum Segelflug aufstiea. Mit ihrer glücklichen Landung hatte das wertvolle flugsport­liche Programm und damit die Veranstaltung felbst ihren Abschluß gesunden. Unmittelbar vorher war Weltmeister Fieseler nach herzlicher Verab­schiedung in seinem Flugzeug abgeflogen.

Die Veranstaltung, die von schätzungsweise m i n- bestens 12 000 Personen besucht war, stellt sich nach jeher Richtung hin als ein voller E r - folg bar. Der organisatorische Leiter, Oberregierungs­rat Dr. S ch ö n h a l s, unb alle feine Mitarbeiter unb Mithelfer barunter auch bie im Absperr-

bienft unb im Kartenverkauf tätigen Kameraben ber SA. unb des Arbeitsdienstes, ebenso die Flieger- ftürme und -horste wie auch die Flieger selbst können die glänzende Veranstaltung als einen ft arten Gewinn für d i e Sacke ber Flie­gerei verbuchen.

Weltmeister Fieseler im Rückenflug über bem Gießener Flughafen. (Ausnahme: Photo-Pfaff.)

Unterhaltung mit Fieseler.

Fliegerkapitän Fieseler äußerte sich zu einem unserer Mitarbeiter auf Befragen, baß er ben schon vor bem Wettkampf in Paris gefaßten Entschluß, an bem Wettbewerb um bie W e l t m e i st e r s ch a s t im Kunstflug nichtmehr teilzunehmen, auf­rechterhalte. Auf ben Vorhalt, baß es bebauerlich wäre, wenn Deutschlanb bann seine Führung an einen anberen Staat abgeben müßte, antwortete Fieseler bebächtig, baß dieser Entschluß für ihn nicht sehr leicht geworden sei. Nach seinem Dafürhalten würde dann Frankreich durch Fieselers stärksten Konkurrenten Detroit die Führung übernehmen, da dem deutschen Nachwuchs die Hebung fehlt. Aber ich kann schließlich nicht solange warten, bis unser Nachwuchs soweit ist" gibt Fieseler nachdenk­lich zur Antwort. Dabei sprach er von seinem Er­lebnis beim letzten Wettkampf in Paris, bei dem sich seine Traggurte losgelöst hatten, so daß er nur von einem Ersatzgurt gehalten seine kühnen Hebungen mit dem Kopf nach unten ausführen konnte. So behindert konnte er nur lang­samer seine Schleifen ziehen, und der Laie kann sich vorstellen, wie dieser Mann nur durch den Einsatz von ungeheurer Willenskraft, Mut und Heberwin­dung, sich mit den Händen feftflammernb, seine Hebungen beendete, ohne daß Die Zuschauer auf der Erde die Größe dieses allen Gefahren trotzen­den Wagnisses ahnten. Heute lächelt Meister Fie­seler darüber wie ein Feldgrauer, der den Schrecknillen -es Krieges heil entronnen ist.

Fieseler zollte dem Gießener Flugplatz, noch mehr aber der Gießener Fliegergruppe, Anerken­nung und Lob für das Wagnis einer so großen Flugveranstaltung. Er war erfreut über das große Interesse, das eine so zahlreiche Zuschauerschaft seinen Vorführungen entgegenbrachte.

Wir haben nur ein Leben", so sagte er,und das müssen wir ganz ausnützen." Darum will er feine reichen Erfahrungen jetzt nur noch der Flug- zeugkonftruktion und feiner Flugzeugfabrik zuwen­den. In Gießen hat er zum vorletzten Male seine hohe Schule des Kunstfluges gezeigt, die er nur' noch am Sonntag, 21. Oktober, noch einmal in Frankfurt a. M. zeigen will.

Fliegerkapitän Fieseler begrüßte sehr freund­lich Geheimrat König, den bekannten Vorkämpfer des Flugsportes in Gießen und des Flughafenbaues. Heber seinen Eindruck über den Gießener Flug­hafen von Geheimrat König befragt, erklärte Flug­meister Fieseler die Flughafenanlage für aus­gezeichnet und fügte lächelnd hinzu,nur leider zu Hein." Nach kurzem Händedruck rief Fieseler schon aus dem Flugzeug heraus seinAuf Wiedersehen Herr Professor!" dem alten Herrn zu, der erfreut zum Abschied winkte.

Der Meister begrüßte auch Polizeihauptwacht- meister Dietz von der Luftpolizei, dem er für sach­gemäße und verständnisvolle Mitarbeit bankte und mit dem zusammen er sich photographieren liefe.

Weltmeister Fieseler in Unterhaltung mit Kettenführer Zahn (in der Mitte) und Kettenführer ' ° Balluf (links). - Aufnahme: Photo-Pfaff.)

Selharlillenftentreffen in Wiesbaden und Mainz.

Vom 20. bis 22. Oktober veranstaltet das Feld­artillerieregiment 27 mit seinen Tochter-Regimen­tern und Kriegsformationen in Wiesbaden eine große Wiedersehensfeier, verbunden mit der Weihe des Denkmals für die Gefallenen. Zur Erinnerung an dem Tag, an dem vor 25 Jahren der Mainzer Verein ehemaliger 63er gegründet wurde, findet am 20. Oktober 1934 in Mainz ein Jubilaumsfest des Regimentsverbandes ehemaliger 63er statt. Hiermit wird die Weihe einer neuen Fahne ver­bunden fein. Alle Kameraden, die einst diesen stol­zen Regimentern angehört haben, ob im Krieg oder im Frieden, ob in einem der beiden aktiven Regi­menter ober in einer ihrer Kriegsformationen, den Re erve - Feldartillerie-Regimentern 21 und 56, Feldartillerie-Regiment 92, 111, 260, Landwehr- Feldartillerie-Regiment 15 ober Munitionskolonnen, sowie ber Regimenter F.-A.-R. 233, 235, 237, 248, 249, 265, 278, 302, Ref.-F.-A.-R. 5 unb 36, Murn-