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Zeiifragen des Mittelstandes.

Neue Arbeitsethik.

Don Or Carl Weltthor.

Der Nationalsozialismus hat den Gemeinschafts­geist, der wenigstens theoretisch vom marri- stischen Sozialismus gefordert wurde, mit der selbst- verantwortlichen Tätigkeit des privaten Unterneh­mers verbunden. Wirtschaftlicher Eigennutz soll nicht mehr die Haupttriebkraft sein, weder bei einzelnen Unternehmern, noch bei der Belegschaft, oder der Gesamten Arbeiterschaft. Dielen schien es so, als önne eine Abkehr von marxistischen Ideen nur zum ungehemmten Individualismus zurückführen. Der Nationalsozialismus lehnt es jedoch entschieden ab, daßder Gesamtnutzen die Summe aller Einzel­heiten" sein soll. Er reißt den Nur-Derdienern, die ihren Vorteil gemeinnützig verkleideten, das mo­ralische Mäntelchen herunter und zwingt sie zu wäh­len zwischen Eingliederung in die Gemeinschaft und der Räumung der bisher innegehabten Führerstelle.

So klar die Scheidung begrifflich ist, so schwierig ist sie praktisch. Es ist daher unvermeidlich, daß die Meinungen auseinandergehen und daß sich häufig nicht die besseren Gründe, sondern die größere Macht durchsetzt. Mit einem äußeren Angleichen der Betätigung an das neue Ideal ist es natürlich nicht getan. Es muß zu einer völligen Umstellung der An­schauungen und der Handlungen kommen. Dieser Prozeß ist langwierig. Noch steht der wirtschaftliche Erfolg des Einzelnen, gleichgültig wie er errungen ist, hoch im Kurs. Einkommen- und Vermögens- Unterschiede sind nicht umsonst jahrzehnte- ja jahr­hundertelang das wichtigste klassenbildende Moment gewesen. Jetzt ist die Auflockerung planmäßig in Angriff genommen worden, und zwar von unten. Gibt man den Menschen, die in einem Betrieb Zu­sammenarbeiten, die Möglichkeit, sich außerberuflich zu sehen und zu sprechen, so können Beziehungen von Mensch zu Mensch entstehen, die nach der frühe­ren gesellschaftlichen Ordnung ausgeschlossen waren.

Selbst unter denjenigen, die sich ehrlich der neuen Arbeitsethik hingeben, gibt es viele, die in ihre alte Dorstellungswelt zurückfallen und ihrem sozia­len Instinkt oder eiaentlich: ihrem sozialen Dün­kel die Zügel schießen lassen, wenn sie es sich leisten zu können glauben. Es ist deshalb unerläß­lich, daß jeder Einzelne sich Gelegenheit verschafft, mit den Menschen aus anderen sozialen Lagern per- sönlichen Umgang zu pflegen. Selbstverständlich darf dabei keine überschwengliche, oder heuchlerische Anbiederei herauskommen. Nach wie vor muß es die Möglichkeit geben, daß Menschen, die nicht zu­einander passen, einander meiden und zueinander achtungsvolle Distanz halten. Aber wenn sich auch nur wenige zueinanderfinden, so ist das von gar nicht hoch genug einzuschätzendem Nutzen für das Gemein­schaftsleben in einem Volk.

Für tüchtige, wertvolle Menschen gibt es einen unbedingt richtigen Maßstab dafür, ob man gegen­über seinen Auftraggebern oder gegenüber seiner ungeschriebenen Pflicht recht gehandelt hat: das eigene Gewissen. Damit ist Unbehagen wegen gerin­gen Nutzeffekts der geleisteten Arbeit durchaus ver- einbar. Aber erfolgreiche und erfolglose Tage lösen einander ab; man wird daraus Trost herleiten kön­nen, wenn man eines Tagewerks nicht recht froh wird und verlorenen oder halbverlorenen Stunden nachtrauert. Je mehr Einzelmenschen in solche höhere Wertung ihrer Pflicht und ihrer Leistung hineinge- zogen werden, auf desto festerem Boden ruht die neue Arbeitsethik. Selbstverständlich darf hierbei nicht das Vorzeichen umschlagen. Eine Ueberspan- nung der Arbeitsleistung etwa bei gleichzeitiger plan­mäßiger Einschränkung des Lebensgenusses ist kein erstrebenswertes Ziel. Die neue deutsche Arbeits­ethik ist eine erfreuende, das Leben bejahende, aber keine verdrießliche, das Leben verneinende Ethik.

Wer den Menschen anhält, sich mit seinem Käme- roden zu vertragen, darf ihm keine Waffen in die Hand geben, mit denen er ihn bekämpfen kann. Das ist der Grund, warum die Regierung Hitler vor nunmehr l1/< Jahren die Gewerkschaften auflöste unb die Unternehmeroerbände außer Funktion setzte, soweit sie Arbeitgeberverbände waren. In den letz- ten Jahrzehnten bestand die Tendenz, die Festlegung der Arbeitsbedingungen in immer höhere Sphären zu verlegen. Nachdem sich einmal derkollektive Ar­beitsvertrag" durchgesetzt hotte, war das Ziel der Reichstarif. So wurden zahlreiche Unternehmungen in ein Prokrustesbett eingespannt, an dem sie zu» arunde gingen. Selbst wo Unternehmer und Be- legschaft vollauf bereit waren, auf einem ermäßig­ten Lohnstand den Betrieb fortzufetzen, nur um die Schließung zu vermeiden, standen die starren Be­stimmungen des Reichstorifs entgegen. Die Vertre­tungen der Arbeiter taten nichts dagegen, weil sie es grundsätzlich vermieden, einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zuzustimmen; die Arbeitgeber­verbände ließen es sich gern gefallen, wenn ein Konkurrenzbetrieb ausschied. Die Menschen von Fleisch und Blut wurden durch starre Paragraphen daran gehindert, als Kameraden zu handeln und das gemeinsame Werk unter den möglichen Bedin­gungen fortzusetzen.

Die Kritiker der neuen Ordnung haben von einer Atomisierung des Arbeitsverhältnisses gesprochen. Wenn auch in der neuen Arbeitsethik das Leistungs- vrinzip einen gesicherten Platz einnimmt, so denkt doch in der Praxis niemand daran, etwa innerhalb eines Betriebes jede einzelne Arbeitskraft indivi­duell zu werten. Es find sogar Vorkehrungen getrof­fen, daß für ganze Gebietsteile und Branchen ein­heitliche Regelungen vorgenommen werden können, wenn die Praxis sie erfordert. Die Regel soll aber sein, daß sich Führer und Gefolgschaft innerhalb der Betriebe einigen und erst dann die Entscheidung einer übergeordneten Stelle anrufen, wenn alle Ver­ständigungsmöglichkeiten erschöpft sind. Das soll nur die Ausnahme sein. Die Beteiligten sollen es immer mehr als Mangel, ja als Verstoß gegen ihre be­triebliche Kameradschaftspflicht ansehen lernen, wenn sie zur Erzielung einer Einigung über das Ar­beitsverhältnis den Treuhänder anrufen müssen.

Der anstelle des ausgeschiedenen Generaldirektors Keßler mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Führers der deutschen Wirtschaft beauftragte bishe­rige stellvertretende Führer Grafvon der Goltz hat in einem Aufruf erklärt, daß die neue Wirt­schaftsorganisation es entschieden ablehne, dem Ar­beitgeber irgendwelche sozialpolitische Hilfsstellung au geben. Ebenso erfülle die Deutsche Arbeitsfront keine sozialpolitische Funktionen im Interesse der Arbeiter und Angestellten. Wenn vielfach noch an­dere Anschauungen bestehen, so erklärt sich dies daraus, daß in der Arbeitsfront das Gros der Mit- glieder selbstverständlich Arbeitnehmer sind, und daß die eigentliche Wirtschaftsorganisation mit ihren 13 Fachoerbänden überwiegend aus Betriebsführern,

also Unternehmern, zusammengesetzt ist. Vielmehr pflegt die Deutsche Arbeitsfront die Betriebskame­radschaft für sämtliche in der Wirtschaft tätige Per­sonenkreise, während die Wirtschaftsorganisation der Heranbildung einer einwandfreien Führerschicht und der Bearbeitung wirtschaftspolitischen Fragen dient.

Der Uebergang von überlebten Formen zu neuen Gebilden bringt Schwierigkeiten und Schmerzen. Wer diese Begleiterscheinungen zum Anlaß nimmt, um das Neue etwa als undurchführbar zu bezeich- nen, muß es sich gefallen lassen, daß man ihn bei

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Don Deichshandwerlss

Im neuen Reich hat das Handwerk viel von sich reden gemacht. Es veranstaltete im letzten Oktober eine große Werbewoche. Ueberall gingen die Handwerker auf die Straße und machten große Umzüge, die mit ihren bunten Trachten und Zeichen die tausendjährige Tradition des deutschen ^Hand­werks zeigten.Deine Hand dem Handwerk", das war die Losung, die damals Reichswirtschafts­minister Dr. Schmitt dem deutschen Volke auf den Weg gab. Auf der großen AusstellungDeut­sches Volk Deutsche Arbeit" schuf das Handwerk sich eine eigene Halle; dort stauten sich die Men­schen vor den zahlreichen Werkstätten, um den Volksgenossen aus dem Handwerk bei ihrer Arbeit zuzusehen. Inzwischen hatten wir auch in der Politik weithin sichtbare Handwerksereignisse erlebt: der Reichs st and des deutschen Handwerks war gegründet, und als erste Wirtschaftsgruppe erhielt dos Handwerk einen nationalsozialistischen Reichsführer.

Dies alles kann falsch verstanden werden: man könnte die Demonstration als das Wesen der neuen Handwerkspolitik auffassen. Das wäre ein schlim­mer Irrtum: es hieße den Aufmarsch mit dem Weg und dem Ziel verwechseln. Der Aufmarsch war nötig. Es galt, die Hand­werker selbst bis ins letzte Dorf aus ihrer müden Verzagtheit aufzurütteln. Es kam weiter darauf an, das deutsche Volk wieder an das Dasein des Handwerks, und zwar eines erwachten, zukunfts­freudigen Handwerks, zu erinnern. So mußten wir uns vor das Volk stellen und ihm zurufen:Wir Handwerker sind noch da: acht Millionen Meister, Gesellen und Lehrlinge in 1,5 Millionen Betrieben, mit unseren Familien ein Achtel des deutschen Volkes im Reiche! Wir haben das schlimme Jahr­hundert der liberalistischen Gewerbefreiheit über­standen! Wir haben den ganzen Hexensabbat von Raffaier, Schundproduktion, Qualitätsbetrug und schlechtem Publikumsgeschmack hinter uns gelassen! Wir sind erwacht und haben den Pessimismus über­wunden. Wir haben erkannt, daß die Zeit nicht mehr gegen uns steht, sondern mit uns geht. Wir haben Tritt gefaßt und marschieren in eine bessere Zukunft! Wir wissen, daß uns die neue Zeit be­sondere Aufgaben stellt, wir wollen an diesen Auf­gaben wachsen und wieder der Handwerksstand werden, den das deutsche Volk braucht."

Die Zeit des öffentlichen Aufmarsches ist vor­über. Das Handwerk ist jetzt in einen Abschnitt der stillen, emsigen, weitschauenden Kleinarbeit einge­treten. Es baut sich seine chm gemäße Organisation. Es erhält dazu den Auftrag durch eine neue Gesetz­gebung, die ihm mehr gilt, als Generationen von Handwerkerfüyrern an unerfüllten Hoffnungen mit ins Grab genommen hatten. Das Handwerk wird jetzt in öffentlich-rechtlichen Pflichtinnungen zusammengefaßt. Jeder handwerkliche Betriebs­inhaber muß ihnen angehören. Dadurch werden auch diejenigen erfaßt, geleitet, erzogen und über» | wacht, die bisher durch schlechte und unpünktliche Arbeit den Ruf des Handwerks geschädigt haben. Das Handwerk erhält seine eigene Ehrenge- richtsbarkeit. Sie soll Verletzungen der Stan- desehre und Verstöße gegen den Gemeingeist ahn­den. Hierzu gehört auch ausdrücklich Uebervorteilung des Kunden und unlauterer Wettbewerb.

Man hat behauptet, der neue Aufbau müsse ein kostspieliges bürokratisches Gebilde werden. Das Gegenteil ist richtig. Die Organisation, die bis­her wild gewachsen war, wird jetzt einfach und straff gestaltet. Ueberflüssige Geschäftsstellen werden aufgegeben, andere zusammengelegt. Das vermin­dert Bürokosten, Schreibwerk und Reisen. Weiter wird an Werbungskosten gespart. Pflichtorganisa-

Don

Mancher nennt den Bauern rückständig, weil er nicht gleich mit Begeisterung an jede neue land­wirtschaftliche Methode herangeht. Was ihn von der Einführung einer Neuerung abhält, ist nichts weiter als Klugheit oder, wie der Volksmund sagt,Bauernschlauheit". Der Bauer denkt nicht daran, das Versuchskaninchen für an­dere zu spielen und seine harte Arbeit und sein schwer erworbenes Geld für technische Dinge auf» zuwenden, deren Arbeitsmethode er nicht beherrscht, und über die längere Erfahrungen in der Praxis bisher fehlen.

Wer inmitten bäuerlicher Betriebe einen fort­schrittlichen Besitz bewirtschaftet und sich nicht scheut, selbst neue Erfindungen auszuprobieren, auch persönliche Fühlung mit den angrenzenden Bauern hat, der wird die Erfahrung machen, daß alle Nachbarn, ohne große Neugier zu zeigen, un­auffällig scharf beobachten, wie eine neue Maschine arbeitet, wie das neue Saatgut einschlägt, der neue Kunstdünger wirkt usw. Ist die Ernte ge­kommen und wird das betreffende Versuchsfeld ge­mäht, so hört man allmählich die eine oder die andere Aeußerung aus bäuerlichen Kreisen, selten zustimmend, nie ganz ablehnend, sondern a b - wartend!

Steht das Getreide gut, so fallen Worte wie: das Wetter war recht günstig, oderder Regen kam zur rechten Zeit", häufig auch, wenn dieses gar nicht stimmt. Handelt es sich um die Beurtei­lung eines neuen Gerätes, dann heißt esrecht gute Arbeit, aber die späteren Reparaturen wer- den doch wohl sehr kostspielig sein".

Bewährt sich nun aber im Laufe der Jahre die neue Maschine, die neue Kunstdüngermischung, das neue Saatgut, dann findet man allmählich auf den Dörfern all die gleichen Dinge in mehr oder weniger großem Ausmaß wieder. Der Bauer steht auf dem richtigen Standpunkt, daß jede neue

der Durchführung übergeht. Es ist nicht verwunder­lich, wenn es Jahre und Jahrzehnte dauert, dis der neue Geist der Führergeneration in Fleisch und Blut übergegangen ist; es wäre sogar unverständ­lich, wenn die neue Arbeitsethik, die ja doch aus neuer Gesinnung fließen soll, in wenigen Monaten eine Anschauungswelt verdrängen würde, die sich Jahrzehnte lang eingefressen hat. Es gilt, Geduld und Vertrauen zu bewahren und sich weder durch pessimistische Kritik, noch auch durch gelegentliche Rückschläge beirren zu lassen!

(ihrer W. G. Schmidt.

Honen haben es nicht nötig, mit erheblichen Agita- Honsfonds um neue Mitglieder zu kämpfen. Es wird künftig mit geringeren Kosten weit mehr fruchtbare Arbeit für das Handwerk geleistet wer­den können als früher.

So sind wir bestrebt, Reibungen und Leerlauf auszuschalten. Unsere OrganisaHon ist kein Selbst­zweck, sondern soll zwei höheren Zielen Dienen: einmal der nationalsozialistischen Wirt­schaftsführung ein lebendiges und leistungsfähiges Organ zu schaffen,.zweitens das Handwerk zu einem Stande von höchster kultureller, wirtschaftlicher und technischer Leistung und zuverlässiger, gemeinnützi­ger, nationalsozialistischer Haltung zu entwickeln.

Demonstration und Organisation ich gebrauche hier mit Absicht diese Fremdwörter sind keine Hauptsachen, sondern nur Begleiterscheinungen; sie sind nur Strecken auf dem Wege zu einem neuen blühenden Handwerkerstand. Dieser Weg führt nicht über krämerhafte Interessenvertretung, sondern über schrittweise Verwirklichung des alten deutschen Handwerksgedankens. Das Handwerk .soll wieder zu seinem eigentlichen Wesen geführt werden, bann wird es auch seinen wirtschaftlichen Lebensraum im deutschen Volke haben. Dieses eigentliche Hand­werkswesen ist zunächst eine kulturelle und erst in zweiter Linie eine wirtschaftliche Angelegenheit. Handwerklich arbeiten heißt seine Sache so gut und schön wie möglich machen, nicht um des Veroienstes willen, sondern aus Freude am Werk. Handwerk­lich arbeiten heißt etwas Einmaliges gestalten, an dem der Besitzer seine Freude hat, weil es durch die Arbeit des Meisters beseelt wurde. Handwerk­lich arbeiten heißt nicht, Formen und Entwürfe kopieren, die nicht zu unserer Zeit, zu dem Werk­stoff und zu dem Zweck des Werkstückes passen, sondern aus der Verbundenheit mit Volk und Heimat und aus dem Erleben der Zeit heraus die rechte Form suchen und finden, ohne Künstlerhochmut, aber mit künstlerischem Gewissen. Handwerksarbeit heißt, kurz gesagt, beseelte Wertarbeit.

Ich kenne die bequemen Einwände der Skeptiker gegen eine solche Handwerksauffassung. Sie sind alle nicht stichhaltig. Denn unser Begriff von Hand­werksarbeit verträgt sich durchaus mit moderner Technik und Geschäftsgebarung. Er kann mehr ober weniger in jebem Hanbwerksberuf fruchtbar gemacht werden. Er wird dem Handwerk immer mehr lohnenden Absatz ermöglichen. Denn der deutsche Mensch ist anders als das amerikanische Publikum mit seinem Standardgeschmack, er muß nur wieder zu sich selbst zurückfinden. Er ist auf dem besten Wege, das Echte, Gediegene, Gesunde, Dauerhafte und Beseelte wieder schätzen zu lernen.

Ebenso wie der Verbraucher ist auch der Hand­werker dabei, sich umzustellen, wo er es noch nötig hat. Alle Organisationsarbeit im Handwerk hat den Zweck, diese Umstellung überall durchzusetzen, und bann von Generation zu Generation bie Leistung unb ben gemeinnützigen Charakter der Handwerker zu heben. Es ist kein Zufall, daß gerade jetzt eine Schulungsaktion des Deutschen Handwerksinstitutes unter der LosungWertarbeit, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsethos" eine Zustimmung unb Aufnahme­bereitschaft finbet, wie sie vor dem 30. Januar 1933 nicht zu beobachten war.

Das Hanbwerk vertritt den Gedanken der Qua­lität der Arbeit und der Qualität des Menschen. Aus seiner Wesensart und den Not­wendigkeiten seines Daseinskampfes heraus geht es damit denselben Weg, der aus ben gleichen Grün- ben bem ganzen deutschen Volke in allen seinen Bestrebungen unb Einrichtungen vom Schick­sal gewiesen ist.

wartet ab!

fr von König.

Sache er st grünblichst ausprobiert werben muß. Er trägt auch keine Bedenken, ähn­liche Dinge in seiner Wirtschaft aufzunehmen, wenn sie sich in der Praxis ausreichend bewährt haben; denn jetzt fällt für ihn das Risiko für Ausgaben unwirtschaftlicher Art weg.

Soll man diese Taktik Rückständigkeit nennen? Sie entspricht nur der inneren Einstellung des Dauern, der sich im Laufe der Jahrzehnte nur langsam ändert unb sich stets persönlich erst G e - wißheit über alle Dinge verschafft, bevor er sie sich zu eigen macht. Betrachtet man einmal von dieser Seite unsere bäuerlichen Betriebe und ihre Einstellung zur landwirtschaftlichen Technik, so wird klar, wie schwer dort Erfolge mit Neuerun­gen zu erzielen, sie einzuführen sind. Man muß doch zugeben, daß die gewaltigen Fortschritte der Technik in ben letzten Jahrzehnten schon für den studierten Menschen überwältigend sind, und es ist auch bekannt, daß der Landwirtschaft überstürzte Mechanisierungen oft große materielle Schäden zu­gefügt haben. Das Pendel schlug zu weit nach der einen Seite aus, um jetzt oft zu weit nach der anderen Richtung zu gehen, so daß heute viele Bauern wenig ober nichts von landwirtschaftlichen Neuerungen mehr wissen wollen.

Der Bauer hat in den meisten Fällen als vor­sichtiger Mann Gewehr bei Fuß gestanden und ist zufrieden weggetreten, als viele landwirtschaftlichen Betriebe infolge falscher Mechanisierung zu sam- menbrachen. Er empfand aber nicht etwa Freude über ihren Zusammenbruch, sondern es gewährte ihm eine innerliche Befriedigung, daß sein Grund­satz des Abwartens, wie schon oft im Laufe der Geschichte, richtig war. Nur durch den prak­tischen Erfolg, den er mit eigenen Augen jahrelang beurteilen und verfolgen kann, ist der Bauer zu einem wirklich guten Freund der Technik zu machen. Man kann durch Wort und Schrift den

Boden vorbereiten, dadurch Verständnis und In- teresse wecken, aber zum Kauf bekommt man die Masse der Kleinbauern dadurch noch lange nicht.

Die Aufgabe der Stellen, die eine Neueinfüh­rung beabsichtigen, kann nur bann gelöst werben unb ist auch nur bann erfolgversprechend, wenn fortschrittliche Betriebe, bie inmitten bäuerlicher Gegenden liegen, die Erfindun - gen ausprobieren und bei der Mechanisie­rung und allen anderen Neueinführungen unter­stützt werden. Sind die Versuche von Erfolg ge­krönt, so muß das betreffende Gerät an Ort unb Stelle jahrelang weiter arbeiten, wird bann aber a a n 5 von felbft Eingang in die anderen Wirt­schaften finden. Wir brauchen daher möglichst viele Bei pielswirtschaften, kleinere, mittlere unb große. Das idealste wäre es, wenn in jedem Kirchspiel je eine vorhanden wäre. Der Umfang der Wirtschaft müßte davon abhängig gemacht werden, welche Besitzgröße in dem betreffenden Be­zirk überwiegt. Ebenso muß die Art der Bewirt­schaftung dieser modernen Betriebe genau ben ge­gebenen Verhältnissen angepaßt sein. Dabei dürfen sie wieder direkte, noch indirekte Staats- ober an­dere Zuschüsse erhalten, fonibern derartige Bei­spielswirtschaften müssen aus sich f e I b ft her­aus bestehen können. Die gründliche theoretische unb praktische Ausbilbung bes betreffenden Leiters muß den Erfolg in erster Linie verbürgen. Diesem kann aber dadurch geholfen werden, baß ihm die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Erfahrungen der Praxis mühe- und kostenlos zugänglich gemacht werden. Das geschieht am besten in der Weise, daß anerkannte Praktiker dem Leiter der Beispielwirt­schaft bei der Umstellung behilflich sind und ihm die zu beschreitenden Wege weisen und ebnen, sei es, daß Saatgutzüchter ihm den Nachbau ihrer Sorten übertragen, fei es, daß neue Maschinen unb Geräte auf feinem Hofe jahrelang geprüft wer­den. Wird auf diese Weise auf die Umgebung ein- gewirkt, bann ist der Erfolg sicher, wenn es auch Jahre dauert, bis bie übrigen bäuerlichen Wirt­schaften ihren Betrieb auf ähnliche Weise umgestellt haben.

Herstellungskosten von Gebäuden bei zinslosen Tilgungsdarlehen.

Der Reichsfinanzhof hat für Einkommensteuer­zwecke zu der Frage der Herstellungskosten eines Gebäudes, wenn der Bauherr zinslose oder gering verzinsliche langfristige Tilgungsbarlehen erhalten hat, in einigen Urteilen Stellung genommen. In diesen Urteilen unterscheidet der Reichsfinanzhof zwischen Grundstücken, deren Herstellung im Rah­men eines gewerblichen Betriebs erfolgt ist (Häuser, die zu einem Betriebsvermögen gehören) und Neu­bauten, die als Grundvermögen anzusehen sind. Bei letzteren sind die Einkünfte als Einkommen aus Vermietung und Verpachtung zur Einkommensteuer heranzuziehen.

In dem Urteil vom 8. November 1933, das ein zu einem Betriebsvermögen zählendes Grundstück betrifft, führt der Reichsfinanzhof u. a. aus:

Der Senat hat in feiner Entscheidung vom 23. Juni 1933 zur Frage der Herstellungskosten eines Gebäudes, wenn der Bauherr zinslose lang- friftige Tilgungsdarlehen erhalten hot, nach An­hörung der Spitzenverbände grundsätzlich Stellung genommen. Er hat ausgeführt, daß bei Berechnung der Herstellungskosten der geringere Wert der Be­lastung durch das Darlehen zu berücksichtigen ist. Er ging von der Erwägung aus, daß mit der Ge­währung eines niedrig ober gar nicht zu verzinsen- den Darlehens für den Darlehensempfänger also für den Bauherrn ein Vorteil vorhanden ist, der aber mit der Verpflichtung belastet ist, einen Bau auszuführen und Mieten zu beanspruchen, die niedri­ger find als die üblichen für Neubauten geltenden Mieten. Die Entscheidung zeigt, daß es nicht an­gängig ist, den Neubau ohne Rücksicht auf das un­mittelbar mit der Ertragsfähigkeit des Grundstücks zusammenhängende Darlehen zu bewerten. Würde man dem Steuerpflichtigen gestatten, einerseits den vollen Bauaufwand als Herstellungskosten zu akti­vieren und anderseits die niedrig ober gar nicht zu verzinsende Darlehensschulb voll zu passivieren, dann könnte er bei alleiniger Betrachtung des Grundstückswerts entweder nach Fertigstellung des Baues oder zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt durch Zurückgehen auf den niedrigeren gemeinen Wert einen Buchverlust herbeiführen, bem jede in­nere Berechtigung fehlt.

Zur Erläuterung der verschiedenen Auswirkungen soll ein Beispiel angenommen werden, wonach der Bauaufwand 70 000 Mark beträgt, der mit 35 000 Mark Eigenkapital unb mit einem unverzinslichen, in 50 Jahren gleichmäßig zu tilgenden Darlehen von 35 000 Mark aufgebracht worden ist. Der an­gemessene Grundstücksreinertrag soll 5 v. H. betragen. Die Höhe der Mieten ist durch den Darlehnsgeber beschränkt. Der Unternehmer ist trotz beschränkter Miethöhe, solange er außer der angemessenen Ver­zinsung für sein Eigenkapital auch die Tilgungs­raten von den Mietern vereinnahmt, mehr oder weniger nur Durchgangsstelle für die Tilgung des Darlehens. Er zahlt jährlich 700 Mark an ben Dar» lehnsgeber, bie er von den Mietern außer seiner Rente vereinnahmt hat. Für die Ansetzung eines Barwerts erscheint bei unverzinslichen, in gleichen Raten zu tilgenden, sehr langfristigen Darlehen kein Raum. Das Darlehen ist in voller Höhe von den Baukosten des Hauses abzusetzen. Die durch die Einsetzung bes Barwertes u. a. gewollte gleich' mäßige Verteilung der Kosten ergibt sich bereits durch die vertraglich festgelegten gleichen Dl' gungsraten. Es erscheint daher gerechtfertigt, die unverzinslichen Darlehen ebenso in voller Höhe von den Baukosten (70 000 Mark) abzusetzen, wie die verlorenen Bauzuschüsse. Denn in beiden Fällen handelt es sich um einen Vorteil des Bauherrn, der bei Fertigstellung des Baues noch nicht reali­siert ist. Im obigen Beispiel wären also die Her­stellungskosten mit 35 000 Mark anzusetzen. Da' gegen kann nicht außerdem die Hypothek mit 35 000 Mark als Passivum berücksichtigt werden. Denn bann würde gerade bas eintreten, was der Senat vermeiden wollte: Im Baujahre würde ein un­gerechtfertigter Verlust von 35 000 Mark erscheinen können, und in ben folgenden 50 Jahre" würden bie Gewinne um bie Tilgungsraten von je 700 Mark zu hoch ausgewiesen. Die Ertragsfähig' feit bes Hauses ist aber in diesem Beispiel gleich- bleibende Verhältnisse vorausgesetzt im ersten Jahre die gleiche wie im fünfzigsten Jahre. Aus Zweckmäßigkeitsgründen nämlich um ben fe­rn eiligen Stand der Tilgung erkennen zu können-- und mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, alle Schul­den in der Bilanz aufzusühren, ist Zwar die Hypo- chek mit 35 000 Mark in ben Passiven einzusetzeN,