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Krankheitsurlaub des Stabschefs.

Berlin, 7. Juni. (DNB.) Das Presseamt der Ober st en SA.-Führung teilt mit:

Der Stabschef der SA., Reichsminister Ernst Röhm, hat einen mehrwöchigen Krank­heitsurlaub angetreten. Dieser Urlaub wurde dem Stabschef von seinen Aerzten zum Zwecke eines notwendig gewordenen Kurgebrauches ver­ordnet. Um allen Mißdeutungen, die daran etwa geknüpft werden könnten, von vornherein vorzu­beugen, laßt der Stabschef erklären, daß er nach Wiederher ft ellung seiner Gesundheit sein Anzt in vollem Umfange weiter­führen wird. Ebenso wird auch die SA. nach ihrem wohlverdienten Juli-Urlaub neu gestärkt und unverändert ihre großen Aufgaben im Dienste des Führers und der Bewegung erfüllen."

Schaffung einer einheitlichen Frauenorganisation.

Frankfurt a. d. O., 7. Juni. (DRB.) Im Rahmen der Reichsverbandstagung des B e r b a n - des Deutsche Frauenkultur hielt Frau Gertrud S ch o l tz - K l i n k, die Führerin der NS.- Frauenschaft, des Deutschen Frauenwerkes und des weiblichen Arbeitsdienstes einen Vortrag zum ThemaFrau und Volk", in dem sie u. a. ihr Ziel bekanntgab, aus den noch bestehenden 31 verschie­denen Frauenverbänden und -Vereinen eine Ein­heitsorganisationDeutsche Frau" zu schaffen, eine Organisation, mit der der Führer rechnen könne. Wenn die verschiedenen Organisa­tionen ihre be sonderen Aufgaben gehabt hätten, so sollten sie auch fernerhin in ein­zelnen Abteilungen dieser Einheitsorgani- sation f o r t g e f ü h r t werden. Das Deutsche Frauenwerk werde die Zentralstelle für das Leben der deutschen Frau schaffen, womit die Garantie für eine klare Linie im Schaffen der Frau gegeben sei.

Kleine politische Nachrichten.

Der Stabsleiter der PO. und Fübrer der Deut­schen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, hat den Reichshandwerksführer W. G. Sch mib t zum Abteilungsleiter im Amt N S. - H ago der Obersten Leitung der PO. und gleichzeitig zum Führer der R e i ch s b e t r i e b s g e m e l n - fchaft Handwerk in der Deutschen Arbeits­front ernannt. Diese Anordnung bezweckt die ein­heitliche Führung des Handwerks in Partei, Ar­beitsfront und Wirtschaft.

Das Verbot derGrünen Post" ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden.

nehmer am Betreten der Halle zu verhindern. Wäh­rend der Versammlung selbst kam es öfter zu lauten Zwischenrufen. Die glänzend organisierte Schutz- staffel der Faschisten setzte aber die Störensriede, die teilweise in die eiserne Dachkonstruktion der Halle geklettert waren, sofort an die frische Luft. Mosley wandte sich gegen die Paktpläne Litwi­nows. England solle sich nicht dafür hergeben, die russische Grenze zu beschützen. England wolle auch keinen einzigen Soldaten für Strei­tigkeiten auf dem europäischen F e ft - lande aufopfern. Aber nur ein starkes Eng­land könne Einfluß in der Welt haben.Das Recht gehört dem Starken und nicht dem Schwachen." Mosley setzte sich daher für eine sofortige Aufrüstung Englands in der Luft und für eine Modernisierung und Mechanisierung der engli­schen Armee ein.

Rach Schluß der Versammlung wurden Faschisten, die im Kraftwagen abfuhren, von Kommuni- st e n angegriffen. Es wurden zahlreiche Stinkbomben geworfen. Kurz vor Mitternacht marschierte die Hauptmasse der Faschisten, ungefähr 5000 Mann stark, von berittener Polizei begleitet, nach dem Hauptquartier in Chelsea. Man sah, daß viele hinkten und von ihren Gefährten gestützt wur­den, einige wiesen Verletzungen an Kopf und Ge­sicht auf. Dutzenden waren die Hemden in Fetzen gerissen. Die Polizei verhinderte die Menge, ihnen zu folgen, so daß es in Chelsea keinen Zwischenfall mehr gab.

Goldfelder in Ostafrika.

Bekanntlich ist für den Beschluß des Landesrates von Deutsch-Südwe st - Afrika, das Gebiet der Südafrikanischen Union anzugliedern, die Tat­sache mitbestimmend gewesen, daß im alten deutschen Schutzgebiet große Goldfunde gemacht wur­den. Die deutsche Minderheit des Landesrates hat an der Abstimmung nicht teilgenommen, weil jener Antrag den internationalen Verträgen zuwiderläuft und es ist nicht anzunehmen, daß die englische Re­gierung eine solche Verletzung des bestehenden Rechts im jetzigen Zeitpunkt mitmachen werde. Aber auch aus dem ehemaligen D e u t s ch - O st- a f r i k a werden Goldfunde größeren Umfangs ge­meldet. Wie aus London berichtet wird, ist eine Gruppe von Sachverständigen von der Erforschung eines der bedeutendsten Goldfelder in Ostafrika zurückgekehrt, und ihre Berichte sind so günstig, daß private Gesellschaften sich bereits entschlossen haben, die Finanzierung zu übernehmen. Das neue Gold­feld liegt in dem Lupa-Gebiet des alten Deutschoftafrika. Dort wurde schon im Jahre 1922 Gold entdeckt, aber es hat bisher noch nie eine fachmännische Durchforschung und Untersuchung, ge­schweige denn eine Ausbeutung stattgefunden. Die Regierung hat schon längst den Wunsch gehabt, kapitalsichere Interessenten zu finden und hat der neuen Gesellschaft bereitwillig eine Reihe von Kon­zessionen erteilt, die u. a. die Lösung der so wichti­gen, aber schwierigen Transportfrage erleichtern sol­len. Die Gesellschaft will zugleich zwei Millionen RM. darauf anwenden, den Urwald in Landwirt­schafts- und Industriegebiet zu wandeln. Wenn diese Unternehmungen Erfolg haben, wird die ver­tragswidrige Forderung englischer Kreise, das Mandat vom Deutsch-Ostafrika mit der britischen Kenya-Kolonie zu vereinigen, mit verstärktem Nach­druck wiederkehren.

Rußlands Rüstungen im Fernen Osten.

London, 8. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Sonderlorrespondent desDaily Expreß" in Dairen (Mandschurei) meldet: Offiziere und Mannschaften des britischen Frachtdampfers Ashby, der aus Wla­diwostok in Dairen eingetroffen ist, erzählen, daß die Stadt mit Soldaten und Marine­soldaten überfüllt sei. Der Hafen sei voller Schiffe aus dem Schwarzen Meer, die Munition a u s I a b e n. Unter ben Schiffen im Hafen befän- ben sich neun britische Fahrzeuge mit Kriegsmaterial aller Art an Bord. Am 1. Mai seien 2 0 0 Militär- unb Marineflugzeuge über Wlabiwostok geflogen, währenb Dutzende von Tanks, Panzerwagen und schweren Geschützen durch die Straßen rollten.

jn des Waldes finstern Gründen...

Trauriges Schicksal eines Ehemannes in Frauenkleidern.

In der Umgebung von Prag hat sich unlängst ein tragikomischer Vorfall ereignet, der einem wür­digen Ehemann beinahe das Leben gekostet hätte. Der Mann war ein Wirt namens Marsik und hatte eine hübsche Frau, mit der er viele Jahre hindurch in schönstem Einvernehmen gelebt hatte. Eines lages lernte jedoch Frau Marsik einen jungen Mann kennen, in den sie sich über beide Ohren ver­lebte. Von diesem Auaenblick an war es mit der ehelichen Harmonie vorbei. Der Wirt hatte zwar keinen Beweis für die Untreue seiner Frau in Händen, dafür wurde er aber von einer furchtbaren Eifersucht gequält, die ihm den Schlaf und die Ruhe raubte. Wenn er seine Frau mit heftigen Vorwür­fen überhäufte, gebärdete sie sich als Unschulds­lamm, verdrehte treuherzig die blauen Augen, unb benahm sich so, als wäre sie bie anständigste und anhänglichste Hausfrau der Welt.

Der Wirt überlegte lange hin und her, wie er seine Frau auf frischer Tat ertappen könnte. Da er selbst zu wenig Zeit hatte, um sie zu beobachten, beauftragte er einen Freund mit dieser Aufgabe. Es dauerte auch nicht lange und der Freund machte dem Wirt die überraschende Mitteilung, daß er feine Frau mit ihrem Liebhaber im einem Wald in zärtlicher Unterhaltung gesehen habe. Nachdem sich der Wutausbruch des Herrn Marsik etwas gelegt hatte, sann er darüber nach, wie er seine treulose Frau beobachten könnte, ohne selbst erkannt zu werden. Er überlegte lange hin und her und kam endlich zu dem Entschluß, sich als Frau zu verkleiden. In fieberhafter Eile wühlte er in der

Garderobe seiner Frau unb wählte ein altes, un­scheinbares Kleib, das sie schon lange nicht mehr getragen hatte. Als er seine Toilette beendet hatte und sich im Spieael betrachtete, stellte er zu seiner Befriedigung fest, daß niemand in dieser korpulenten Dame den biederen Herrn Marsik erkennen würde.

Racheschnaubend und mit wogendem Busen eilte der betrogene Ehemann in den nahen Wald, in dem sich seine Frau mit ihrem Liebhaber versteckt hielt. Nachdem er etwa eine halbe Stunde gegangen war, bot sich ihm in einer anmutigen Lichtung ein über­wältigender Anblick: Seine Frau saß auf dem Schoß eines jungen, eleganten Herrn .. .Mit einem Schrei der Entrüstung stürzte sich der als Dame verkleidete Wirt auf seinen Nebenbuhler. Da geschah etwas, was er nicht vorausgesehen hatte. Da es schon ziem­lich dunkel war, glaubte die junge Frau Marsik, eine Frau vor sich zu haben unb nahm mit echt weiblicher Logik sofort an, es handele sich um eine Freundin ihre^ Liebhabers, die als zürnende Rache­göttin auf der Bildfläche erschienen sei. Nicht faul, ergriff die Frau des Wirtes einen knorrigen Ast unb schlug damit mit aller Wucht auf ihren Mann los. Der Wirt blutete schließlich aus mehreren Wun- ben unb blieb ohnmächtig liegen, währenb sich seine Frau mit ihrem Liebhaber entfernte. Als Frau Marsik erfuhr, baß bie vermeintliche Nebenbuhlerin niemanb anberes als ihr Mann gewesen war, war es schon zu spät. Die Ehe wurde aus ihrem Verschulden geschieden; außerdem hatte sie sich noch wegen schwe­rer Körperverletzung zu verantworten.

Aus aller Wett.

100 000' Mark Belohnung verteilt. Eine vorbildliche Spende der preußischen kriminal- polizÄ.

Für bie Aufklärung bes Eifenbahnatten­tat e s bei Jüterbog vom 8. August 1931 besten nähere Tatumstänbe noch bekannt sein bürs­ten hatten ber Reichsverkehrsminister unb bie Deutsche Reichsbahngesellschaft eine Belohnung von insgesamt 10 0 0 0 0 RM. ausgesetzt, bie jetzt zur Verteilung gekommen ist. Mit ben Ermittlungen waren Beamte ber Berliner Kriminalpolizei be­traut. Ihrer hervorragenben Arbeit unb bem Der- stänbnisvollen Zusammenwirken mit ben ungarischen unb österreichischen Kriminalbeamten, bie bas von bem gleichen Täter Matuschka verübte Eisen­bahnattentat bei Bia Torbagy bearbeiteten, ist es zu verbauten, baß bas Verbrechen restlos geklärt worben ist. In Anerkennung bieser Leistung ist ein erheblicher Teil ber Belohnung, 25 000 RM., ber preußischen Kriminalpolizei zugesprochen worben. Die Kriminalpolizei hat ben gesamten Betrag bem W interhilfswerk des Deutschen Vol­kes" überwiesen unb bamit ein Beispiel beut- scher Beamteneinstellung, Berufsauffassung unb na­tionalsozialistischer Volksverbunbenheit gegeben.

Reue Leitung des Gustav-Adolf-Vereins.

Der Zentralvorftand des Gustav-Adolf- V er ei ns hat an bie Stelle bes aus seinem Amt wegen Erreichung ber Altersgrenze ausgeschiebenen Universitätsprofessors Geheimrat D. Dr. Alfreb Schultze zu seinem Mitglied unb zu seinem stell­vertretenden Vorsitzenden Professor Dr. Hans Ger­ber, Ordinarius des öffentlichen Rechts an der Universität Leipzig, gewählt. Professor Gerber hat die Leitung des Gustav-Adolf-Vereins nunmehr übernommen. Bischof D. Heckel vom kirchlichen Außenamt der Deutschen Evangelischen Kirche ist von der ihm übertragenen vorläufigen Verwaltung dieser Stelle zurückgetreten.

Lin Südtiroler Geistlicher in der Verbannung auf Lipari.

Der Geistliche Michael Summerer in Bozen, früher Kooperator in der Gemeinde Luesen bei Brixen, der von Bozen nach Italien verbannt worden war, ist jetzt auf die Insel Lipari gebracht worden. Der Transport des Geistlichen von Süd­tirol nach der süditalienischen Insel erfolgte i n Fesseln. Summerer hat nach bem Urteil brei Jahre auf ber Insel zu verbringen. Die Verban­nung erfolgte, weil er bie Ballila, bie italienische Jugenborganisation, als einen Maskenscherz be­zeichnet hatte.

Das 15. Kind? Hindenburg wird Pate.

Dem Ziegenhirten Karl Röhr in Ostheim (Rhön) wurde dieser Tage bas 15. K i n b geboren. Reichs- präfibent von Hindenburg hat die Ehren­patenschaft übernommen und den Eltern ein Geschenk übersenden lassen.

Schreckliches Ende

eines Londoner Zoobesuchers im Löwengehege.

Infolge eigener Fahrlässigkeit ist in dem vor eini­ger Zeit eröffneten, wegen seiner landschaftlichen Schönheiten berühmten Tierpark von Whipsnade bei London ein Besucher von vierLöwen des Frei­geheges angefallen und vor den Augen der ent­setzten Besucher in Stücke geriissen worden. Dem Betreffenden war durch einen plötzlichen Windstoß der Hui vom Kops gerissen worden. Der Hut rollte in die Löwengrotte und in der Hoffnung, ihn doch noch wieder erlangen zu können, kletterte der Mann an dem eisernen Abschlußgitter der Grotte in die Höhe. Dabei wurde er plötzlich von vier Löwen angesprungen, die ihn mit ihren Pranken erfaßten und kopfüber ins Innere der Grotte zogen, wo sie ihn 40 Meter weit schleiften, ehe sie sich daran machten, ihn zu zerfleischen. Die Wächter, bie von Zuschauern alarmiert worden waren, be­mühten sich vergeblich, mit großen Stangen unb mit Revolverschüssen bie Tiere von ihrer Beute zu vertreiben. Das gelang erst, als jede Rettung zu spät kam.

Die Schreckenstat von Aichhalden.

Wie zu der Tat in Aichhalden noch bekannt wird, hat man in den Taschen des erhängten Mörders Lambrecht einen großen Bund Schlüssel und zahlreiche D i e t r i ch e gefunden. Neben der Leiche wurden ein feststehendes, dolchartiges Mester sowie eine Armeepistole 08 gefunden. Das Messer wies keine Blutspuren auf, jedoch wurde an den Händen des Erhängten Blut festgestellt. Die Pistole ent­hielt keine Munition mehr. Nachbarn haben aber in der fraglichen Nacht mehrere Schüsse fallen hören. Ob Lambrecht alle Familienmitglieder sr- schossen oder ob er sie durch Schläge auf den Kopf getötet hat, wird nicht restlos geklärt werden kön­nen, da die Schädel der geborgenen Toten auch ocn dem einstürzenden Gebälk zertrümmert worden sein

können. Lambrecht soll übrigens mehrere Pistolen und zwei Gewehre besessen haben. Man nimmt an, daß er schon jahrelang ein seltsames Doppel­leben geführt hat, was ihn offenbar seelisch stark belastete. Das Familienleben Lambrechts wird als harmonisch geschildert. Die wirtschaftlichen Verhält­nisse waren zwar nicht glänzend, jedoch immerhin erträglich.

Drei Kinder verbrannt.

In der Hütte einer spanischen Holzfällerfamilie bei Auderre brach nächtlicherweise ein Brand aus, der sehr schnell um sich griff. Während sich die Mutter mit dem jüngsten Kind in Sicherheit brin­gen konnte, kamen drei ältere Kinder in den Flam­men um s Leben.

Auf der Wanderung vom Tode überrascht.

Bei einer Wanderung durch den südlichen Schwarz­wald wurde der 24jahrige Zeichner Fritz Utech aus Berlin vom Tode ereilt. Utech war seit 6 Jahren Mitglied der NSDAP, mit der Mitglieds­nummer 89 965. Er war in der Gauleitung Berlin beschäftigt. Die Gauleitung Berlin wird die Leiche des verstorbenen Parteigenossen nach Berlin über­führen lassen, wo sie mit allen Ehren beigesetzt wer­den soll.

Zusammenstoß und Absturz zweier Flugzeuge fordert vier Todesopfer.

Bei einer Flugoeranstaltung in Sagan verun­glückten zwei Sportflugzeuge über der Sadt da­durch, daß sie, vermutlich -infolge der starken Son­nenblendung, mit den Tragflächen zusammen- stießen. Beide Maschinen stürzten ab, wobei mit den beiden Flugzeugführern Horn und Greß auch ihre Fluggäste Klein und S t o 11 m e -i ft e r ums Leben kamen.

Schwere Bluttat in einer Wirtschaft in Münster.

Eine folgenschwere Bluttat ereignete sich in einer Wirtschaft in Münster. Dort wurden der Wirt L i ch t e r b e ck und sein Bruder, der Kohlen­händler Lichterbeck, von zwei übelbeleumdeten Bur­schen, die in der Wirtschaft randaliert hatten und hinausgeworfen worden waren, erschossen. Der Wirt wurde durch einen Herzschuß sofort getötet, während sein Bruder an den Folgen eines Bauch­schusses kurz darauf verschied. Die beiden Täter wurden kurz darauf von der Polizei gestellt. Einer der beiden entzog sich der Festnahme durch Selbst- mord, während der andere feftgenommen werden konnte.

Massensterben von Fischen im Anlermain.

Verursacht durch die Armut an Sauerstoff des durch Abwässer aller Art verseuchten Mainwassers, sowie durch die Verschlammung des Flußbettes, in dem sich tödliche Sumpfgase entwickeln, wurde in den vergangenen Tagen im Untermain ein kata - strophales Fisch st erben beobachtet. Zu tau­senden trieben die Fischleichen in allen Größen den Main hinuter und wurden ans Land geschwemmt. Der Geruch, den diese vergifteten Tiere, unter denen sich eine große Menge der im vergangenen Jahre ausgesetzten Jungfische befinden, ausftrömen, ist ab­scheulich. Die Wasserbauämter Mainz und Frank­furt haben mehrere Arbeiter entsandt, die mit dem Begraben der Fischleichen beschäftigt sind.

Um einen Fliegenflügel.

Fliegen werden, wenn sie nicht gerade in großen Masten auftreten, nicht als besonders unangenehm empfunden. Sie kriechen ruckweise die Wände hoch, untersuchen den Frühstückstisch eingehend und fallen gelegentlich in die Kaffeetasse. Eines dieser so harm­los aussehenden Tierchen hat jedoch einen ganzen Prozeß auf dem Gewissen, nachdem es einem un­schuldigen Filmregisseur viel Kummer und schlaf­lose Nächte bereitet hatte. Dieser Filmregisseur hatte mit dem polnischen Städtchen Rogozno einen Ver­trag über Filmaufnahmen geschlossen. Als die Sache schon längst erledigt war und der Regisseur bereits bei seinem nächsten Film saß, forderte die Stadt­verwaltung plötzlich noch nachträglich eine ziemlich große Summe an. Der Regisseur überlegte hin und her, aber er konnte sich nicht entsinnen, der Stadt Rogozno noch etwas zu schulden. Darum prote- ftierte er lebhaft gegen den Zahlungsbefehl. Ehe der Protest jedoch durchdringen konnte, hatte der Magistrat bereits seine Wohnung gepfändet und sogar einen kostbaren Eichenschrank zwangsver­steigern lassen. Er hatte es anscheinend bitter nötig. Der Regisseur tobte, raufte sich die Haare aus uhb beschwerte sich schließlich bei der Aufsichtsbehörde. Daraufhin wurde das Hauptbuch der Stadtkasse gründlich untersucht, wobei man eine überraschende Entdeckung machte. Als eine bestimmte Seite um­geblättert wurde, machte sich eine Zahl, eine Sechs, selbständig, rutschte aus ihrem Kästchen und fiel auf den Tisch. Es war, wie man jetzt ganz klar er­kannte, der Flügel einer Fliege, der auf irgendeine rätselhafte oder ganz natürliche Weise dahingekom­

men war, gerade an die rechte Stelle, um eine Summe um 600 Zloty zu vergrößern. Die Gesichter der Stadtväter zogen sich merklich in die Länge, während der Regisseur triumphierte. Aber mit dem liebenswürdigen Entschuldigungsschreiben des Magi­strats und mit der Zurücknahme der Pfändung gab er sich keineswegs zufrieden. Er will feinen Schrank wiederhaben und hat deswegen einen Schadens­ersatzprozeß gegen die Stadt Rogozno angestrengt. Der Magistrat hat überall in den Amtsstuben Fliegenfänger aufhängen lassen ...

Der Floh im Bernstein, ein 5 Millionen Jahre aller Blutsauger.

Es geht das Gerücht und wer glaubte es nicht gern, daß der Floh, der kleine springlebendige Zeitgenosse und Erreger so mancher komischer Si- tuatiönchen, im Aussterben begriffen ist. Gern ver­nimmt die geplagte Menschheit diese Kunde, nur der Zoologe schüttelt kummervoll das Haupt bei dem Gedanken an den Verlust eines so ergiebigen Mikro­skopieobjektes, dessen Ahnenreihe nicht einmal ein­wandfrei erforscht ist. Hopste er schon durch das Dunkel der Vorgeschichte? Begleitete er seinenBrot­geber" auf seinen frühesten Gehversuchen auf dem Erdball? Kannte er schon den König von Thule? Zwackte er Hildebrand und Hadudrand? War er schon Stammgast im Amazonenheer? Becherte er (auf seine Art) arglistig mit den alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins? Ach, so viele Fragen sind zu klären, ein historisches und biologisches Rät­sel ist der Floh, eindunkler Punkt", so oft von Dichtermund besungen, und nur spärlich ist das Licht der exakten Wissenschaft auf seine unruhige Existenz gefallen.

In dieses Wirrsal von ungelösten Fragen und Empfindungen trifft die erfreuliche Nachricht, daß das staatliche Bernsteinwerk Palmnicken in einem unscheinbaren Stück Bernstein von der Größe einer Kaffeebohne einen oeritablen Floh entdeckt hat, den Professor Andree, der beste deutsche Kenner der Bernsteinformationen, auf mindestens fünf Millionen Jahre geschätzt hat. Ein Freudentag der Flohchronik. Es lebe Pulex III. Kann die Sta­tistik doch berichten, daß damit der dritte Floh gefunden ist, der in Bernstein konserviert, den Kreis­lauf zahlloser Jahrtausende überdauert hat, den Beweis erbringend, daß auch in den undurchdring­lichen Urwäldern der Bernsteinfichten schon Warm- blütler, also Säugetiere, gelebt haben.

Für den flohgeplagten Gegenwartsmenschen übrigens ein schwacher Trost, denn in dem Zeit­raum, in dem besagter Blutsauger aus einem Anfall von Lebensüberdruß oder Neugierde vom Rücken feines Gasttieres den Sprung auf den zäh­flüssigen schimmernden Harztropfen tat, gab es nach­weislich noch keine Spur von Menschen,^seinem spä­teren Ernährer und Wohltäter. So führt also auch die Frage nach den erlauchten Vorfahren des echten Menschenflohs in ein tiefes Dunkel zurück.

Das Großfeuer auf der Danziger Werft.

Zu dem bereits gemeldeten G r o ß f e u e r auf der Danziger Werft erfahren wir folgende Einzelheiten: In dem brennenden Hauptmagazingebäude lagerten in der Hauptsache Werkzeuge, Kleineisenzeug, Kabel, Bolzen, Schrauben usw. Beim Eintreffen der Weh­ren war der Brand bereits stark vorgeschritten. Sechs Feuerwehrleute sind an Gasvergiftung erkrankt; sie mußten von Kameraden aus dem ver­qualmten Gebäude herausgeschafft werden. Die ge­samten Danziger und Langfuhrer Feuerwehren waren auf der Brandstelle tätig, außerdem ein Lofchboot und ein Löschdampfer. Der Sachschaden ist außerordentlich hoch.

Kunst und Wissenschaft.

Tonkünstlcrfest 1935 in Hamburg.

Auf der Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Musik-vereins überbrachte Generalinten­dant S t r o h m die Einladung des regierenden Bür­germeisters Krogmann, das Tonkünstier- fest 1935 in Hamburg abzuhalten. Die Einladung wurde angenommen. Das Tonkünstlerfest findet da­mit zum ersten Male in Hamburg statt.

Wettervoraussage.

Der Luftdruck hat- sich über dem Festland weiter­hin gekräftigt, so daß bei absinkender Luftbewegung die Wolkendecke aufgelöst wird unb somit die Nie­derschlagtätigkeit aufhört. Bei erhöhter Einstrahlung wird es tagsüber wieder recht warm werden und die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht zunehmen.

Aussichten für Samstag: Neblig bis dunstig und leicht bewölkt, jedoch vorwiegend heiter, tagsüber warm, nachts frisch, meist trocken.

Aussichten für Sonntag: Fortdauer des heiteren, warmen Wetters, trocken.

Lufttemperaturen am 7. Juni: mittags 17,9 Grad Celsius, abends 13,2 Grad: am 8. Juni: morgens 9,3 Grad. Maximum 18,7 Grad, Minimum 4,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Juni: abends 17,4 Grad: am 8. Juni: morgens 12,7 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6% Stunden.

Sahne-P<udding.-

Dr. Detker'o puSülngpvloerSahne" 1 Päckchen 10 pfg. für 4 6 Personen