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Vor dem Frankfurter großen Aeittumier.

Das Programm.

Die Frankfurter Reitturniere haben einen guten Ruf. Diesmal ist ein Turnier im Werden, das alles bisherige in den Schatten stellen wird, denn nicht mehr im Hippodrom, sondern in der weit größeren Festhalle, dem mächtigen Kuppelbau der Ausstellun­gen, Messen und Feste wird das Turnier stattfin­den. Ein Massenaufgebot von Pferden und Reitern

SS.-Reiter in ihrem großen Schaubild.

ist zum Wettbewerb aemeldet. lieber 500 Pferde sollen erscheinen. Der Züchter, der Reiter, jeder der am Pferd seine Freude hat, wird Stunden der Er­bauung erleben, die unvergessen bleiben werden.

Sportlich ist das Turnier in Frankfurt a. M. auf großer Höhe. Die allerbesten Dressurreiter wie A. Staeck, O. Lörke, R. Wätjen, Sattelm. Eckhardt und von den Offizieren Rittm. Gerhard, Oblt. Stub- bendorf, Lt. Niemack, Rittm. v. Görne, die Amazo­nen Frau Franke, Frau v. Opel, Frau Gömöri, Frau Glahn usw. erscheinen mit Pferden wie Draufgänger (Olympiasieger 1928), Fels (Doppel­sieger in Berlin und Dortmund), Germane, Pardu­bitz, Alp, Elch, Kronos, Absinth. Kavalier, Burgs­dorff, Maharbal, Packard, Tantris, Bacharach, Ar­tus, Lausbub, Moselländer um nur

Landsknecht, Kronprinz, Erhard, Ursus, Harcherz, Ahnherr, Nanuk, Arnim, die Siegerin im großen Preis der Nationalen Erhebung Sabina zuerst zu erwähnen. Axel Holst, Gust. Lange, L. Seiferth, Lt. Niemack, H. Wienand sind Springreiter von Format. Die Amazonen Frau Franke, Frau v. Opel usw. werden es ihnen gleichtun. Diele Reiter der SA. und SS. treten zu Wettbewerben an.

Die großen Schau-Nummern.

Dem gewaltigen Ausmaß des Reitturniers in der Frankfurter Festhalle entsprechen auch die vor­gesehenen Schaunummern. Diese bilden heute mit einen Hauptanziehungspunkt für alle bedeutenden reiterlichen Veranstaltungen. Das Frankfurter Tur­nier beschreitet dabei ganz neue Wege. Massenauf­gebot ist die Grundidee und trotzdem ist alles auf die Wucht des Eindrucks abgestimmt und peinlich genau geordnet.

Fesseln wird besonders der große Aufmarsch der SA.-Reiter. Vier Schulreiter auf bewährten Dres­surpferden erscheinen unter dem Tiefstrahler und zeigen die schwierigsten Gänge der hohen Schule. Das ganze Bild klingt in den großen Zapfenstreich aus. Die straffe und genau abgestimmte Quadrille der SS.-Reiter wird wieder ein ganz anders ge­artetes Bild bieten.

Wieder voll eigener Wirkung und auf ganz an­derer Linie bewegt sich die große Schaunummer der berittenen Landespolizei. Die Polizisten wer­den einBahn-Manöver" in der Uniform der Kavalleristen des früheren 18. Armeekorps und an­derer hier in guter Erinnerung lebender Regimen­ter zeigen. Schließlich folgt noch die Schau edler Ostpreußen.

L

0,75 v. H., dagegen verloren Ilse Genuß und Har- pener je 0,50 v. H. Elektroaktien lagen gut gehalten, Licht & Kraft 0,50 höher. Schiffahrtswerte waren leicht erhöht, auch Zellstoffaktien befestigten sich bis zu 0,75 v. H. Von Einzelwerten waren Deutsche Linoleum ohne besonderen Grund stärker angebo­ten und 3 v. H. niedriger, auch Gebr. Iunghans gaben nach der gestrigen Aufwärtsbewegung 2 v. H. nach, ferner verloren Reichsbankanteile 1 v. H. und am Kunstseidenmarkt Aku 1,25 v. H. Im übrigen waren Cement Heidelberg und Holzmann um je 0,50 v. H., im Freiverkehr Wayß & Freytag mit 71 um 1 v. H. freundlicher. Autowerte lagen ruhig, aber gehalten.

Im Verlaufe konzentrierte sich das Hauptinteresse weiter am R e n t e n m a r k t auf Neubesitzanleihe, die bei lebhaften Umsätzen um ca. 0,50 v. H. auf 20,25 v. H. anziehen tonnte. Altbesitz blieb unver­ändert 96,75 o. H., späte Reichsschuldbuchforderun­gen waren um 0,13 v. H. auf 94,25 v. H. erholt. Bon Industrie-Obligationen waren Stahloerein- Bonds lebhafter und mit 74,75 um insgesamt 1,65 v. H. fester. Stadtanleihen lagen meist gut behaup­tet, teilweise auch etwa 0,50 v. H. fester, während Staats- und Länderanleihen kaum verändert waren. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen konn­ten überwiegend um 0,25 bis 0,50 anziehen, Liqui­dationspfandbriese blieben etwa behauptet. Fremde Werte lagen ruhig und zeigten kaum Veränderungen.

Am Aktienmarkt war die Haltung im Ver­laufe überwiegend etwas fester, und bei einzelnen Spezialpapieren wurde auch das Geschäft etwas leb­hafter. Im Vordergrund standen Elektroaktien, be­sonders Schuckert 104,50 bis 106,75, Siemens 149 bis 153,50, ferner Gesfürel 102 bis 103,25 und AEG. 31,40 bis 32, andererseits aber Bekula 132,50 bis 133 ( 1 v. H.). Außerdem waren Deutsche Li­noleum um 1,50 v. H. auf 53 v. H. erholt, auch Daimler wären lebhafter 54,13 bis 55. Reichsbank­anteile konnten sich um 0,75 v. H. auf 167 v. H. erholen, ferner waren Reichsbahn-Vorzugsaktien mit 113 um 0,75 v. H. höher, während Montan­aktien meist nur knapp gehalten blieben. Chade- aktien lagen 2 Mark, Lahmeyer, Kaliaktien und Scheideanstalt je 1 v. H. schwächer. Am Kassamarkt standen sich Kursbesserungen von etwa 1 bis 1,50 v. H. auch Verluste im selben Ausmaße gegenüber.

Am Aktienmarkt war die Stimmung eben­falls freundlich. Farbenindustrie, Aku, Licht 6c Kraft und andere Papiere lagen bis 0,50 v. H. höher, Rheinstahl gewannen 0,75 v. H. Die Mehrzahl der Aktienwerte blieb gegen den Berliner Schluß gut behauptet. Die Börse schloß in freundlicher Tendenz. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 20,30 bis 20,40, Alt- besitzanleihe 96,75, 6proz. Stahlverein-Bonds 74,50 bis 74,75, Schutzgebietsanleihe 9,50, Reichsbank 167, Harpener 96,75, Mannnesmann 70, Rhein­stahl 91,75, Laurahütte 34,75 bis 34,50, Aku 59 bis 59,50, AEG. 31,90, Bekula 132,75, Daimler 54,75, Scheideanstalt 183,50, Daimler 54,75, Deutsche Li­noleum 53,50, Licht & Kraft 108, IG. Farben 134,75, Gesfürel 104, Holzmann 77,25, Schuckert 106,50, Siemens 152,50, Zellstoff Waldhof 54,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 113, Hapag 30,40, Nordd. Lloyd 34,75.

frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 7. März. Das hervor­stechendste Moment am Frankfurter Getreidegroß­markt war die erneute Befestigung am Hafermarkt, wo die Notiz erneut 2,50 Mark per Tonne anzog. Das Angebot darin ist sehr klein geworden, wäh­rend der Konsum lebhaftere Kauflust bekundete und darüber hinaus gute Nachfrage des Exports nach Holland bestand. Die übrigen Futtermittel lagen ruhig, Kraftfuttermittel z. T. etwas abbröckelnd, so Sojaschrot, Palmkuchen und Treber. Von Brot­getreide blieb Weizen stetig, Roggen war aus Norddeutschland und Ostpreußen stark angeboten. Das Mehlgeschäft nahm auch heute bei unveränder­ten Preisen einen schleppenden Verlauf. Es notier­ten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo­gramm) in Mark: Weizen 197; Roggen 172,50 bis 173; Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 177,50; Hafer (ml.) 155 bis 157,50; Weizenmehl (Spez. 0, mit Austauschweizen) 29,40 bis 29,95, do. (ohne Austauschweizen) 27,90 bis 28,45; Roggenmehl (060 v. H.) 23,50 bis 24, do. (südd., Spez. 0) 24; Weizenkleie 10; Weizenfuttermehl 11 bis 11,25; Roggenkleie 10,60 bis 10,70; Sojaschrot 15,25 bis 15,40; Palmkuchen 15,05; Erdnußkuchen 16,30 bis 17,20; Treber 15,50; Trockenschnitzel 9,70 bis 9,80; Heu (füdo.) 6 bis 6,40; Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt ober gebündelt) 1,90 bis 2.

SdUDßinemnrff in

beste zu nennen. Natürlich fehlt der Sieger von 1933 und 1934 Frau Franke nicht.

Von iben Springpferden ist Egli beste deutsche Pferd des Jahres, das mehrmals den Franzosen das Nachsehen

1

Günstige Lage am kaufmän Arbeitsmarkt.

Nach den Beobachtungen der Kaufma Stellenvermittlung der Deutschen Ange konnte sich die relativ günstige Stellenr auch im Februar voll behaupten. Ein j bedingter Rückgang ist also nicht erfolgt, von der Beschäftigungslage für Arbei diesem Winter hierzu allerdings auch gegeben. Dafür ließ sich aber jetzt eine Zi in der Einrichtung neuer Posten er herrschte in gewissem Umfange das Be erst die Betriebskapazität, ausgehend Frühjahrsaufträgen und Arbeitereinftel zuwarten. Analog den Arbeitereinftellu dann notwendige Angestellten-Perfonalt durchgeführt werden. Trotz solcher Zu die im wesentlichen Neuplanungen r Stellen betrifft, übersteigt die Meldung sten auch im Februar wieder ganz e Zahl der Anmeldungen von Bewerber k ü n d i g t e r Stellung. Sie bleibt, entß verschwindend kleinen Zahl von Stille Betriebseinschränkungen, sowie Konkurs rig, daß die durch sie begründete Bei gung als absolut normal angesprochen t Im großen und ganzen erledigten sich d lenvermittlung aufgetragenen Besetzun flott. Früher oft beobachtete mehrfache lung von Entscheidungen gehört wieder tenheiten. Gesteigerte Vorsicht in den Entscheidungen kam allerdings wiede mehr, und zwar im Abschluß von Aus' trägen mit Klauseln,' in denen die U des Aushilfsverhältnisses in einen Fest vertrag in Aussicht gestellt wird, zun Ausgesprochene Zurückhaltung übten wied die auf Exportgüterherstellung und °H wiesenen Firmen. Alle Stellengesuche kc die Kaufmannsgehilfen - Stellenvermi. Deutschen Angestelltenschaft restlos befrie-'

*

* Verstär kte Jnlandaufträg mens-Konzern. In der gestrige, Siemens & Halske AG. führte Dr. C.

Die hinter C

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Franlsun a. in

Schluß» kurs

Schlußk. Abend» börse

Datum

6.3

7. i

% Deutsche Retchöanlelhe v. 1927

87,13

97,25

6% ehem.7% Dt. Reichsanl. v. 1929

ioo

100

6%% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Aul.-Ablbl.-Schuid mil

93,75

93,9

AuSlof.-Rechten

96,5

19,705

96,75

Desgl. ohne Auslos.-Rechte......

6% ehern.8°/«, Hess. Volksstaat 1929

20,4

(rückzahlb. 102%) ..........

93,75

93,9

6% Hess. Landesbank Darmstadt

Gold M. 12

92,5

92,5

W2% Hess. LandeS^Hypotheken»

bank Darmstadt Liqüi. .

Oberhessen Provinz-Anleihe mit

91,5

92,5

91

Auslos.^Rechten

Deutsche Komm. Sammelabl. An-

93

leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten

94,75

95,5

6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935

92,5

92,75

6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank

92,5

92,5

Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936

6Yi% ehem. 4%% Franks Hyp.» Bank-Liqu.-Pfandbriefe

91,65

91,5

6yz% ehem. 4%% Rheinische

92,25

Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe.

92,25

6% ehem. 8% Pr. LandeSpfand» briefanstalt, Pfandbriefe R. 19

6% ehem. 7% Pr. LandeSpsand-

94

94

94

94

briefanstalt, Pfandbriefe R. 10

Lteuerautsch DerrechnunaSkur»

97,13

97,13

4% Oeslecrelchttche Goldrenre.... 4,20% Oesterreichische SUberrente

rfi,5 1,35

18,3 1,35

4% Ungarische Goldrente .......

6,75

6,85

4% Ungarische Staatsrente v. 1910

16,5

6,5

4/j% desgl. von 1918........

6,65

6,6

5% äßfleft Goldmexikaner von 99

8,75

4% Türkische Zoll anleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe

6,65

6,65

Serie I.............

6,75

6,7

schrecklicher! Darum, nicht weil ich Ihnen Ihre Hilfsbereitschaft iibelnahm, kündigte ich Ihnen die Kameradschaft, als ich sah, daß Sie sie mißbrauchen wollten, indem Sie mit Ihren eigenen Sorgen noch eine fremde nach Köln heimbrächten. Wenn Sie wollen und mir versprechen, nicht wieder mit Ihren Kriminalfragen anzn- sangen, können wir unsere Kameradschaft fortsetzen!

Wir sind ja schon längst wieder drin! sagte der Doktor Schmitz and lachte sie mit der ganzen Wasserhelligkeit seiner Augen an; tmö ich will versprechen, nicht wieder anzufangen. Weil ich nun aber einmal Geschäftsmann bin, stelle ich fest: Fräulein Emilie Petersen will kein Gegenstand einer Hilfsbereitschaft sein; sie will weder Mitleid noch Mithilfe; nur wo man sie brauchen kann, nein, wo man sie braucht, wo sie nötig ist, da tritt sie ein! Habe ich meine Kameradin nun recht verstanden? Dann geben wir uns wieder die Hand!

Diesmal genügt mir der Handschuh! sagte er noch, als sie den ausziehen wollte; aber es war ein anderer Händedruck, den er gab und fühlte.

Nach diesem vorläufigen Abschluß ihres Geschäfts gingen die beiden eine Zeitlang schweigend, weil sie keine Konversation über Berge und Wolken, den Weg und die Blumen wie er gespottet hatte anfangen konnten. Und es mußte noch einmal der Groll des Morgens herhalten, dem Doktor Anlaß zu einem Gespräch zu geben:

Können Sie denken, daß ich den Ort Wollishofen da unten noch als ein richtiges Dorf gekannt habe, der heute auch schon von der gefräßigen Stadt verschluckt ist? Das war noch zu der Zeit, da wir alle die Schweiz liebten, nicht nur um der Berge, sondern um der gepflegten Menschlichkeit willen, die wir in ihren sauberen Ortschaften wohnhaft sahen. Wenn ich es scharf ausdrücken wollte, würde ich sagen: Europa ist den Schweizern nicht gut bekommen. In einer Stadt wie Zürich da unten ist unsere eigene Vorkriegs­zeit konserviert; das Leben läßt sich aber nicht auf Konserven ziehen. So wenig wie die Landschaft paßt die Stadt in die Zeit. Mit jedem Jahr mehr wird sie es zu spüren bekommen, daß der zerstörte Wohlstand Europas keine goldenen Eilande gestattet.

Meinen Sie nicht, daß zwischen den Schweizern und uns noch ein anderer Unterschied ist als die Mittel, die uns genommen sind und die sie noch haben? fragte das Fräulein; aber im selben Augenblick hielt sie der Doktor am Arm zurück, weil eine Blind­schleiche sich blank und dunkel über den Weg schlängelte.

Wer über eine Schleiche tritt, darf einen Wunsch haben! Illi wünsche mir, daß meine Kameradin bald in Köln gebraucht wird! sagte er mit einem breiten Schritt über das Tier. Sie aber zögerte noch, und ehe sie dann den Schritt hätte tun können, hatte die Schleiche sich schon seitwärts ins Gras geringelt.

Sie sehen, sagte sie wehmütig lächelnd, mir bleibt nichts zu wünschen.

Weil ich es schon gewünscht habe! dachte der Doktor und freute sich heimlich über die Zweideutigkeit.

Er hatte längst seinen Plan mit ihr; aber der war noch ein Säugling, in Windeln gewickelt, und er tastete nicht mit Worten an seine Wiege: Wenn er Milch haben will, wird er schon schreien! beschwichtigte er seine Ungeduld und ließ das Gespräch gleiten, wie es sich gab, indem er nach ihrem Vater, nach ihrer vor dem Professor gestorbenen Mutter und andern Dingen fragte, von denen zu sprechen seiner Partnerin offenbar eine willkommene Wehmut war.

Einmal saßen sie längere Zeit auf einer Bank und gestanden einander, daß sie gern ein wenig ausruhten; auch holte er seine Uhr heraus, die schon auf sechs zeigte und das Fräulein unruhig um seinen Abendzug machte, den er um ihretwillen versäumen könnte. Und es war wohl die Hast dieser Unruhe, daß sie nach­her an den Näfenhäusern den Abstieg nach links versäumten und geradeaus auf die Albishochwacht zugingen. Als sie es im Ge­spräch merkten, das immer kurzartmiger aber freier geworden war, waren sie schon zu weit, wieder umzukehren, und marschierten zuletzt tapfer drauflos, bis sich der Weg endlich nach Albis senkte, wo sie nicht mehr im Zweifel waren, daß sie nun eine gründliche Rast machen müßten, und im Hirschen einkehrten.

Ich freue mich auf einen Käs oder mehr! fagte der Doktor Schmitz und blickte, den Schweiß von der Stirn wischend, be­friedigt nach dem steinigen Fußweg zurück.

4.

Das erste, was sich im Hirschen entschied, war der Abendzug. Sie hätten, als der Doktor im Hausflur den aushängenden Fahr­plan ansah, stehenden Fußes umkehren und nach Langnau hlnab- laufen müssen; und dann war es nicht einmal gewiß, ob sie dort den Zug der Sihltalbahu noch erreichten.

Wenn Sie nach Köln müßten statt meiner, scherzte er das Taschentuch noch in der Hand und den Hut im Nacken, wenn Sie nach Köln müßten, würde ich sagen: Springen Sie los! Für meine alten Knochen ist es zuviel; ich muß jetzt eine halbe Stunde lang meine Beine ausstrecken, muß mindestens einen Käs essen und einen Veltliner trinken! Oder, wandte sich der Doktor er­schrocken zu seiner Begleiterin, wird es für Sie zu spät?

Dann müßte ich ja nun wohl allein springen! sagte das Fräu­lein mit einem fast mütterlichen Blick auf feine Verstrickung: Aber ich brauche ja nur auf den Zürichberg. Dahin komme ich schon!

Sie standen darüber im Flur, und der Wirt mußte ihre II.Verlegung gehört haben: Wenn die Herrschaften nach Zürich

wollten, hätten sie eine Gelegenheit, indem sein Sohn etwa in einer Stunde mit seiner Ford-Limousine hinabfahren würde, jemand am Bahnhof Enge abzuholen!

Der Mann lachte dröhnend dazu, als ob ein Witz in feinen Worten gewesen wäre; der Sohn, den er heranrief, bestätigte mit schwarzen Händen, er fei gerade dabei, einen Reisen zu flicken deshalb könne er sie nicht etwa rasch nach Langnau hinabfahren aber in einer Stunde sei alles bereit. Sie hätten gemächlich Zeit, sich auszuruhen!

Und etwas zu essen! vollendete der Doktor mit einer Ver­beugung zu seiner Begleiterin: Ob er sich die Ehre nehmen dürfe, seine Kameradin zum Abendessen einzuladen?

Sie bat um Tee, Brot und Butter, wenn es sein Wohlbehagen nicht störe! Und da er versprach, sich durch noch schlimmere Fruga- litäten nicht stören zu lassen, saßen sie bald an einem sauber ge­deckten Tisch einander gegenüber und sahen sich an, wie aufgelockert sie durch die Luft und Sonne und die letzte Anstrengung ihres Marsches waren.

Ob er in Zürich noch seinen Zug bekäme? fragte sie zuerst; und der Doktor sagte Nein! Der spätere Halbelfuhrzug habe keinen Zweck, weil er mit dem nur bis Basel käme. Er würde nun morgen früh denRheingold"-Expreß nehmen.

Es sei ihr sehr peinlich, daß er durch sie den Abendzug verspäte!

Durch sie sei richtig! gab er zu, der sein Glas mit dem roten Veltliner schon in der Hand hielt: Nur peinlich sei es nicht aus Gründen, die darzulegen er sich nachher die Erlaubnis erbitten möchte. Vorerst könne er nur versichern, daß ihm die fortgesetzte Kameradschaft einen versäumten Zug wert sei!

Darauf trank er ihr so feierlich zu, daß sie sich nur verneigen, keinen Einwand mehr Vorbringen konnte. Denn nun, wie er dasaß mit feinem Schalk um die wasserhellen Augen, hatten sich die guten Worte unterwegs mit in die Erscheinung gesenkt; sie sprachen gleichsam immer noch aus seinem Gesicht, das ohne den Hut im Nacken mit der breiten hochgelichteten Stirn wie sich das Fräu­lein gestehen mußte von seiner klar durchgearbeiteten Männ­lichkeit zeugte.

Passen Sie auf, was für ein Pedant Ihr Kamerad ist! scherzte der Doktor, als er sich noch einmal genau nach der Minute der Abfahrt erkundigt hatte, seine Uhr von der Kette nahm und sie auf den Tisch legte: Also noch dreiundfünfzig Minuten! In späte­stens dreiundzwanzig Minuten sind wir mit unferm Abendbrot fertig; es bleibt uns dann noch eine halbe Stunde, einen neuen Vertrag durchzusprechen, da der alte abgelaufen ist. Fragen Sie bitte nicht! wehrte er ihre erstaunten Augen ab. Erst müssen wir unfern Durst und Hunger niedergeschlagen haben. Sie wissen ja, wie die frechen Kölner sagen: Essen und Trinken sind nicht so wichtig wie die Predigt, aber nötiger!

Außer ihnen beiden war nur noch ein Gruppe junger Leute im Saal, die einen längeren Tisch mit ihrer lärmvollen Fröhlichkeit umringten und die beiden Saaltöchter reichlich in Anspruch nah­men, weil sie, in der Abrechnung begriffen, noch ihre letzten Scherze loswerden mußten. Als sie sich endlich hinausgekalbert hatten, war der Doktor auch mit seinemGeschnetzelten" fertig, während das Fräulein feinem Appetit mit Vergnügen zusah.

Hat's geschmeckt, Kamerad? fragte sie, und er dankte nach einem letzten behaglichen Schluck feines roten Veltliners, den er ihr wiederum artig zutrank, mit einer höflichen Verneigung.

Ich habe mich um drei Minuten verspätet! stellte er mit einem Blick auf die Uhr fest, legte die Serviette zur Seite und fragte: ob sie zu rauchen wünsche? und als sie verneinte: ob er sich selber eine Zigarre anstecken dürfe? Er tat dies mit Sorgfalt, stellte noch einmal fest, daß sie nun noch sechsundzwanzig Minuten Zeit hätten, und trat in die Präliminarien zu dem angekündigten neuen Vertrag ein, über den sich das Fräulein unterdessen ihre Gedanken gemacht haben mochte.

Gesetzt den Fall, begann er mit Behutsamkeit, gesetzt den Fall, Fräulein Emilie Petersen hätte nun wirklich Schwierigkeiten mit ihren Papieren und müßte also ihre Stellung in der Schweiz aufgeben, dann würde sie doch wohl nach Deutschland zurück­kehren?

Sie hoffe es nicht, doch würde ihr dann nichts anderes übrig­bleiben! sagte sie, mit ruhigen Augen seine Fortsetzung erwartend.

Es war vielleicht eine ungeschickte Einleitung! stellte er miß­billigend fest und fing an, mit der Serviette die Krumen auf dem Tischtuch zu verfolgen. Wie hatten wir uns geeinigt: Fräu­lein Emilie Petersen will fein Gegenstand einer Hilfsbereitschaft sein; wo man sie braucht, wo sie nötig ist, sagt sie zu?

Sofern sie nicht sonst Bedenken hat! schränkte sie ihre Bereit­willigkeit ein; und der Doktor nahm das Wort auf:

Würden solche Bedenken vorliegen, wenn ein Mann namens Schmitz seine Kameradin bäte, bei ihm als Hausdame einzutreten?

Ja! fagte sie sofort und war sichtbar selber erschrocken: das heißt, ich will den Mann namens Schmitz keinesfalls kränken, bog sie die Weigerung um, aber es würde doch wieder nur eine ver­schleierte Hilfsbereitschaft fein, zu der er sich gegen die Tochter eines Studienfreundes verpflichtet fühle!

Der Mann namens Schmitz habe befürchtet, daß ihm sein Vorschlag so ausgelegt würde! sagte der Doktor in seiner beharr­lichen Art: Ob er vor seiner Kameradin den Fall einmal aus­breiten dürfe, wie er tatsächlich läge?

(Fortsetzung folgt.)

'BeraufitDortlicfr; Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Vrühl'fche Universitäts-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.

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