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Ur. 57 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 8. Marz (934

Das Llnglülk auf der GrubeKarsten-Zenirum".

Noch fieben Bergleute verschüttet.-NettungSmannschast arbeitet mit allen Kräften

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Die Karsten-Zentrum-Grube bei Beuchen (Oberschlesien).

Beuthen, 7.März. (DNB.) Auf den Förder- turmen der Grube Karsten-Zentrum wehen seit Mittwochmittag die Fahnen auf Halbmast. Sonst deutet nichts im äußeren Bild der Schacht­anlage darauf hin, daß in fast 800 Meter Tiefe tapfere Bergleute mit den äußersten Kräften um das Leben von sieben Arbeitskameraden ringen. Werden sie noch am Leben sein? Diese bange Frage liegt auf den Gesichtern der ein- und ausfahrenden Bergleute und derer, die über Tage ihrer Arbeit nachgehen. Die Grubenverwaltung kann auf jede Frage nur immer die unbestimmte Antwort erteilen:Wir wissen nichts." Die Rettungsmannschaften tun ihr Menschenmöglichstes. Kolonnen gehen nun von zwei Seiten der zu Bruch gegangenen Strecke zu Leibe. Inzwischen ist es ge­lungen, mit noch einem weiteren Lebenden der abgeschnittenen Bergleute die Verbindung auf­zunehmen. Es ist zu hoffen, daß er im Laufe des Donnerstag geborgen werden kann. Nahrungs­mittel können ihm durch eine Rohrleitung zuge­führt werden. Im übrigen nahmen die Bergungs­arbeiten ihren planmäßigen Verlauf. Sie sind sehr schwierig. Man hofft, im Laufe des Donnerstag Gewißheit auch über das Schicksal der übrigen Ver­schütteten zu erhalten.

(Sin tektonisches Beben.

Zu dem Hergang des Unglücks erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Am Dienstag gegen 18.10 Uhr wurde das Beuthener Bergrevier von einem außerordentlich heftigen E r d st o ß heimgesucht, der auf der GrubeKarsten-Zentrum" und den Nach­bargruben besonders stark verspürt wurde. Auf Karsten-Zentrum" wurden im Flöz 14 die Sohlen von zwei 50 Meter voneinander entfernt liegenden gleichlaufenden Strecken emporgepreßt Auf den i Nachbargruben wurde größerer Schaden, wie bis­her bekanntgeworden ist, nicht angerichtet.

Wie wir von fachmännischer Seite erfahren, Han-1

delt es sich bei dem gewaltigen Erdstoß um ein tektonisches Beben, wie sie im oberschlesischen Bergrevier nicht selten sind. Die Erdstöße, die evd- bebenähnlichen Charakter haben, treten von Zeit zu Zeit auf und erreichen besonders im Gebiet der Stadt Beuthen die stärkste Auswirkung.

Bereits im Januar 1932 wurde dieKarsten- Zentrum-Grube von einem solchen tektonischen Be­ben hart betroffen. Damals wurden 14 Berg­leute von der Außenwelt abgeschnit­ten. Erst nach 144 Stunden aufopfernder Arbeit, als man bereits alle Hoffnungen auf Bergung der Ver­unglückten aufgegeben hatte, konnten die Bergungs­mannschaften zur Unglücksstelle vordringen und noch sieben Bergleute lebend bergen. Ganz Deutschland erlebte damals den heroischen Kampf der Rettungsmannschaften mit und dankte ihnen mit zahlreichen Ehrenbeweisen. Der am Dienstag auf dem Schlachtfeld der Arbeit gefal­lene Steigerstelloertreter S p a l l e k, der in der ver­gangenen Nacht geborgen wurde, war an den Ret­tungsarbeiten im Jahre 1932 hervorragend betei­ligt und wurde seinerzeit mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet.

Ein neues Unglück. Vier Bergleute schwer verletzt.

Auf der v. Giesche-Grube in Janow ereignete sich ein Gebirgsschlag. Im Richthofen-Schacht lösten sich riesige Kohlenmassen und verschütte- t e n vier Bergleute, die in einem Pfeiler arbeite­ten. Nach mehrstündigen Rettungsarbeiten konnten die vier Verunglückten lebend, aber mit schweren Verletzungen geborgen werden. Zwei von ihnen liegen hoffnungslos darnieder. Man vermutet, daß auch dieser Gebirgsschlag die gleiche Ursache wie das Unglück auf Karsten-Zentrum in Beuthen hat.

Auf den Spuren der Llrzeit.

Die jüngsten Zünde in cyprischer Erde.

Von p. Oikaios, Kurator des Museums von Nicosia und Leiter der Ausgrabungen auf Cypern.

Nicosia (Eypern), März 1934.

Wenige Länder der Erde geben dem Forscher so viel Gelegenheit, den Spuren künstlerischen Schaf­fens der Menschen vergangener Epochen zu folgen, wie die Insel Eypern. Und wenige Stätten sind aus bekannt, an denen man die Offenbarung archäischer Schönheit so rein und unverfälscht bewundern kann. Eine Wanderung durch cyprisches Land bedeutet tatsächlich eine Wanderung durch die Zeit, und der Versuch des Forschers, geschichtliches Leben und Den­ken aus längst vergangenen Tagen dem Verständnis der Gegenwart nahezubringen, wird unterstützt durch die Gebräuche und die Denkungsart der die Insel noch heute bewohnenden Menschen.

Eines der hervorstechendsten Merkmale der cypri- fchen Kultur ist, daß sie schon an den ältesten Fund­stätten in äußerst entwickelten Formen erscheint und in ununterbrochener Reihe durch die verschiedenen Stufen bis in die Gegenwart hineinführt. Die geo­graphische Lage der Insel bedingte das Hereinströ­men der verschiedensten Kulturen der Vorzeit und der Antike. Aber Eypern selbst zeigt von allem Anfang an eine eigene hohe künstlerische Ueberlieferung, die trotz der verschiedenen Einflüsse aus Griechenland, Anatolien und Aegypten sich wie ein roter Faden durch alle Erzeugnisse heimischer Künstler zieht. Der Steinzeit folgen die Metall- zeitakter Kupfer, Bronze und Eisen und in den entsprechenden Lagen findet man in ununter­brochener Reihe die späteren Epochen des klassischen Altertums, der griechischen, hellenistischen und römi­schen Kulturen. Byzanz hat seine eindrucksvollen Spuren hinterlassen, und die Gotik verschönte das Land durch wundervolle Kathedralen wie die von Nicosia und Famagusta, um nur einige zu nennen, Werke von erhabener Schönheit, die Enlart m seinerKunst der Gotik und der Renaissance auf Eypern" geschildert hat. Die Spitzbogen der goti­schen Kirchen, die nordische Menschen unter dem Himmel der kälteren Zonen schufen und ersänne , erscheinen in seltsamem Gegensatz und doch m herr­licher Harmonie in den Strahlen ciner ® t Sonne, unter einem fast ewig blauen 6"wamen^

Aber dieses bezaubernde Eiland entzuck: eben Nicht allein unser Auge durch seine natürliche Schön­heit und sein verschwenderisches Licht. Es gibt uns mehr. Es erzählt uns durch die zahllosen SpurenJ) i Vergangenheit künstlerischen Schaffens, d^ ßgur- tichen Ausdruck des Denkens unzähliger Geschlech­ter in dem sich, wie man fast sagen mochte, der Fortschritt der Menschheit spiegelt.

Hier soll in kurzen Zügen das bisherige Ergebnis der Arbeiten geschildert werden, die vom Museum von Eypern in jüngster Zeit unternommen wur­den. Ich spreche hier von den Forschungen und Funden des letzten Jahres, die die älteste bisher bekannte Kultur auf Eypern betreffen: die Stein­zeit.

Man braucht dem Leser wohl nicht erst die Be­deutung der Entdeckung ältester Zivilisation in einem Lande wie Eypern auseinanderzusetzen. Nur darauf sei hingewiesen, daß an sich schon die Auf­findung der Spuren einer derältestenKul- t u r e n, die am Anfang einer langen und schöpfe­rischen Entwicklung liegt, einen doppelten Sinn hat: einmal findet man so den Grundstein, auf dem sich das nachfolgende geschichtliche Gebäude aufbaut, und zum anderen wird dadurch das Verständnis für die späteren Epochen künstlerischen Schaffens erleichtert. Die Altertumsforschung hat so in Eypern ein reiches Betätigungsfeld gefunden. War die Insel doch be­reits vor der Zeit, da Altertumskunde eine moderne Wissenschaft wurde, der Schauplatz von zahlreichen Arbeiten von Seiten der Liebhaber-Forscher. Er­wähnt ei hier nur General Luigi Palma di Cesno la, dessen Ausgrabungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reiche Schätze an das Tageslicht förderten, die heute im Metropolitan- Museum von Newyork aufbewahrt werden. O h n e - falsch und Richter, dessen BuchCypern, die Bibel und Homer" auch außerhalb der Fachwelt bekannt geworden ist, haben beide ihren redlichen Anteil daran, daß Cypern als Fundgrube für Altertumsforscher berühmt wurde. Den erwähnten Forschungen folgten weitere Arbeiten, und als die Archäologie eine ernste Wissenschaft wurde und nicht mehr lediglich dem Vergnügen oder dem romanti­schen Abenteuer diente, begann eine Reihe von Forschungsgesellschaften auf Cypern zu arbeiten, die bald erkannten, daß die Insel ein Mittelpunkt der antiken Kulturwelt gewesen. Ein be­deutsames Werk,Handbuch der Altertumssamm- lunqen Cesnolas", wurde 1934 von Professor John L. Myres von der Universität Oxford veröffent­licht. Es handelt sich hierbei aber nicht allein um die Forschungsergebnisse des genannten Cesnola, sondern gleichzeitig um eine Beschreibung der frü­hesten cyprischen Kulturen bis zur Römerzeit. Zu­letzt hat eine schwedische Gesellschaft drei Jahre lang auf der ganzen Insel gearbeitet, und ihre Ergeb­nisse können als ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Erforschung der Vergangenheit Cyperns be­

trachtet werden. Nunmehr fetzt das hiesige Museum seine Nachforschungen fort, die die archäologische Be­deutung Cyperns mehr und mehr erweisen.

Bis vor ganz kurzer Zeit noch reichte das älteste Material der einschlägigen Forschung auf Cypern bis zu den Anfängen der Kupferzeit und der frühen Bronzezeit, also ungefähr bis zum Jahre 3000 v. Chr. Ausgedehnte Friedhöfe aus diesen Epochen lieferten zahlreiches Material, das auf das Bestehen einer entwickelten Kultur hindeu­tete. Hunderte von Gräbern wurden freigelegt und eine große Anzahl von Vasen, bronzenen Schmuck­stücken und dergleichen gefunden. Die Gefäße waren reich geschmückt, Reliefzeichnungen von den verschie­densten Tieren sind häufig anzutreffen, und die Form der Vasen zeigt, daß die Künstler ein sehr entwickeltes Gefühl für Harmonie hatten. Das Vor­handensein einer derart entwickelten Kultur konnte schwer erklärt werden, da man bisher nur wenige Spuren des den erwähnten Epochen voraufgegan­genen Zeitalters auffand, nämlich der Steinzeit. Schließlich gelang es mir, im vergangenen Jahre an der Südküste Cyperns eine ausgedehnte Sied­lung aufzufinden, die der zweiten Hälfte der Stein­zeit, dem sogenannten Neolithikum, zugehört. Es ist dies das Zeitalter, das vor der Erfindung der Me­tallbearbeitung liegt, also vor dem Beginn der Kupfer­zeit, den man um das Jahr 3000 vor Christi Geburt ansetzt.

Die erwähnte Siedlung, die ich auffand, lieferte mir nun reiches Material, das auf eine sehr ent­wickelte Steinzeitkultur hinwies. Jetzt können wir uns erst den Reichtum der Bronzekultur erklären und diese auf Grund der neuesten Forschungsergeb­nisse studieren, die die ältesten Kulturepochen Cy­perns betreffen.

Die neusteinzeitliche Siedlung muß lange be­wohnt gewesen sein, und die einzelnen Entwick­lungsstufen kann man aus den übereinander­geschichteten Lagen gut erkennen. Jede Lage ent­spricht einer Bauperiode, und hier finden wir ins­besondere Häuser in Kreisform, deren Inneres uns eine Fülle von Gefäßen aus Stein lieferte, deren große Schönheit bewundernswert ist: Vasen, Orna­mente, Schmuckstücke der verschiedensten Art, wie Halsketten, Idole und vieles andere mehr, offenbart sich dem staunenden Auge. Wir müssen dabei näm­lich stets bedenken, daß wir einer Epoche gegenüber­stehen, in der die Bearbeitung von Metallen gänz­lich unbekannt war, und daß alles, was zu jener Zeit gefertigt wurde, soweit es uns erhalten ist, aus einem einzigen Material bestand: näm­lich aus Stein. Und trotzdem ist der Geschmack, der bei dem Bau der Häuser und der Fertigung der Gefäße und Schmuckstücke bewiesen wurde, bewun- dernswert.Das alte Cypern war nicht allein wegen seiner Kupferminen bekannt, sondern auch wegen seiner Töpferkunst, und die Entdeckungen, die wir nun zu machen imstande waren, zeigen, daß eine lange Ueberlieferung in der Töpferei bis in die ferne Steinzeit zurückreicht.

Wie ich schon sagte, ist die Entdeckung der Stein­

zeitlager auf Cypern für die Forschung von großer Bedeutung. Und nicht nur für sie, denn die Funde enthüllen gleichzeitig eine bisher unbekannt gewe­sene hohe, ja glänzende Kullur. Der Forscher ist nunmehr in der Lage, an Hand eines reichen Mate­rials die ältesten Kulturen auf Cypern zu studie­ren, und mit ihm kann auch der Laie die Einzig­artigkeit und die Kunst dieser weltzurückliegenden Zeit bewundern, die am Anfang einer langen und fruchtbaren Entwicklung steht.

Wilhelm Backhaus.

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Der hervorragende deutsche Pianist Wilhelm Backhaus, Schüler von d'Albert in Frankfurt, begann bereits als Sechzehnjähriger mit Konzert­reisen durch Europa und Amerika, wurde 1905 Mufikprofessor in Manchester, lebte später als Groß­herzoglich hessischer Kammervirtuose in Darmstadt, machte von 1918 bis 1928 wieder Konzertreisen rund um die Erde und trat 1929 zum ersten Male wieder in Berlin auf. Im Juni 1933 gab er unter dem Protektorat des Führers ein Konzert in der Berliner Philharmonie, bei dem der Reichskanzler zugegen war. Backhaus hält nichts davon,Sklave der Fingerübungen zu sein"; er steht auf dem Standpunkt, daß schwerer und wichtiger als die Technik die Auslegung der großen Meister ist. Er ist der große Interpret der deutschen Klassiker Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann und Brahms, geblieben.

Landesbauemsührer Dr. Wagner spricht vor

oberhessischen dauern.

* Friedberg, 6. März. Anläßlich des Fried­berger Pferdemarktes fand heute in der Reithalle eine große Bauernkundgebung statt, bei welcher der Landesbauernführer Dr. Wagner sprach. Seiner Rede entnehmen wir folgende Aus­führungen:

Es wäre falsch, heute eine Rückschau zu halten auf die Jahre 1918 bis 1933. Denn mit der natio- nalsozialistifchen Revolution hat etwas ganz Neues begonnen. Wir befinden uns au dem Wege zum Dritten, zum üeutfchen nationalsozialistischen Reich. Dieses aber müssen wir uns erst aufbauen. Und weil dieses Reich von der Weltanschauung des Nationalsozialis­mus getragen werden soll, deshalb muß jeder Volks­genosse diese Weltanschauung zunächst in sich aus­genommen haben.

Ls wird oft gesagt, der Bauer sei Materialist. Das ist nicht wahr.

Im Gegenteil, der Bauer ist sehr real in seinem Denken, und das ift etwas sehr Vernünftiges und gar nichts Ungesundes.

Wenn wir die Geschichte des deutschen Volkes an uns vorüberziehen lassen, dann stellen wir fest, daß das wir in der Schule nichts anderes gelernt haben als eine Zahlenreihe nach der andern und daß die Interessen der einzelnen Fürstenhäuser die Politik bestimmt haben, aber wir haben nie etwas von dem roten Faden gehört, der durch die ganze Ge­schichte zieht:

die Revolution des Bauern gegen ein fremdes

Recht und gegen Dinge, die er nie verstehen konnte.

Wir werden dem Bauern helfen aus den Fesseln des Kapitals. Und diese Freiheit bedeutet nichts an­deres als eine ungeheure Verpflichtung gegenüber dem deutschen Volk und dem deutschen Staat. (Bei­fall.)

Denn in einem Staate, der den GrundsatzGe­meinnutz geht vor Eigennutz" vertritt, kann kein einzelner Volksgenosse und auch kein einzelner Stand den Rahm abschöpfen wollen ohne zu be­denken, daß die Existenz des Volkes das Wesent­lichste ist.

Aber deshalb ist es notwendig, daß wir den Bauern mit feiner gesunden Volkskraft zur Grundlage der Ration machen.

Mit diesen Rechten heben Sie sich nicht über das deutsche Volk hinaus, sondern Sie werden mitten in das Volk hineingestellt. Der Bauer muß sich damit abfinden, daß der Städter andere Lebensbedingun­gen hat als er, und der Städter muß verstehen, daß der Bauer ganz andere Dinge zum Leben ge­braucht, als er. Wenn diese Brücke geschlagen wor­den ist, zwischen der Stadt und dem Lande, dann haben wir die Volksgemeinschaft.

Sie haben als Bauern nicht nur R e ch t e, son­dern auch ganz ungeheure Pflichten. Und diese Pflichten müssen Sie erfüllen auf jedem Ge­biete, auf das Sie gestellt werden. Ich bin fest da­von überzeugt, daß sie diese Pflichten auch als etwas ganz Selbstverständliches erfüllen werden. Wenn es vor dem Jahre 1933 so gewesen ist, daß Sie mit allen Mitteln den Staat bekämpft haben, dann hatten Sie ein moralisches Recht dazu. Dann haben Sie als echte Revolutionäre gehandelt.

Ein Staatsmann, der das Bauerntum vergißt, entzieht sich den Boden, den er zum Regieren braucht.

Vor Jahren bereits hat Hitler gesagt:Deutsch­land wird ein Bauernreich sein, oder es wird ver­gehn wie die Reiche der Hohenstaufen und dec Hohenzollern". Denn beide haben Schiffbruch erlit­ten, weil sie ihre Kraft nicht aus dem Bauerntum ihres Landes holten, sondern ihre Ziele außerhalb ihres Landes hatten. Ich bin überzeugt, daß der letzte Hohenzoller auch ohne Weltkrieg und Revolte von 1918 gescheitert wäre.

Jeder muß leben können im Dritten Reiche des Nationalsozialismus, der Beamte sowohl, wie der Bauer, wie der Arbeiter. Es wird vor der Geschichte in fünfzig oder hundert Jahren kein Mensch fragen, wie wir uns zur Frage des Milchpreises gestellt haben, sondern man wird danach fragen, ob wir Kerle gewesen sind.

Von der preisfeite aus die Wirtschaft zu heben, hat sich als Fehler erwiesen,

vielmehr muß die Zinslast abgetan werden für alle Zeiten. Diese Möglichkeit ist gegeben worden in dem Reichserbhofgesetz.

In vier Fünftel von Deutschland galt dieses Recht schon immer. Und ausgerechnet wir in Hessen und Nassau hatten Realteilungsgebiete. Was daraus ent­standen ist, beweisen die armen Lehnbauerngeschlech­ter, die es niemals gegeben hätte, wenn wir ein Erbhofgesetz gehabt hätten.

Zwei solche Gesetze sind dem Bauerntum gegeben worden: das Reichserbhofgesetz und das Reichsnährstandgesetz. Mit diesen Gesetzen wollen und werden wir den Bauern frei machen aus allen kapitalistischen Bindungen. Wir werden aber auch rücksichtslos dafür sorgen, daß der Verbraucher keinen höheren Preis zu zahlen braucht, wie wir den Bauern auf der andern Seite zu chützen wissen werden vor Preisstürzen. Der Na­tionalsozialismus ist es gewesen, der den Bauern­stand auch geeinigt hat unter einer Fahne. Die einzige Bewegung, die den Bolschewismus von den Bauernhöfen fernzuhalten in der Lage war, das ist der Nationalsozialismus gewesen. (Beifall.)

Die Bauern haben alle Kämpfe, die sie bisher ührten, verloren, weil sie nicht einig mären«

Der Nationalsozialismus will e i n Volk und einen Führer. Und darum wollen wir auch nur einen Reichsnährstand.

An der Spitze des Reichsnährstandes steht der Reichsbauernführer. In seinem Namen entscheiden die Landesbauernführer. Wir haben es verstanden, als ganz Deutschland gegen uns war, den Weg ein­zuhalten, den wir für richtig erkannten, und wir werden diesen Weg um so eher einhalten, als wir jetzt mit dem Volke diesen Weg gehen.

Daß die Metzger und Bäcker usw. ebenfalls zum Reichsnährstand gehören, liegt im Wesen der Or­ganisation desselben. Denn wir müssen auch die an der Hand haben, die die Erzeugnisse des Landes an den Verbraucher abgeben. Der wichtig sie Teil des Reichsnährstandes ist die Ordnung des Jnnenmarktes. Der Bauer muß am Ende des Jahres einen gewissen Erfolg seiner Arbeit sehen.

Wan muh von der Freizügigkeit der wirtschaft zum festen preisgeseh kommen. Es gibt jetzt nur noch feste preise für Getreide. Der Landes-