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ein jäher Schreck. Warum sagte dieser fremde Mann das alles zu ihr? Sie fand keine Antwort.
Aber als sie wieder an ihrem Platze saßen, verfiel sie in tiefes Grübeln.
„Wir bleiben immer zusammen — immer, Rosemarie! klangen ihr Wangenheims Worte ins Ohr. Er hatte sein Wort gebrochen. Das würde dieser Mann dort niemals tun.
Aber sie war ja kein Mensch, dem man ein Wort zu halten brauchte.
Dieben und Betrügern braucht man kein Ehren- wort zu halten!, fuhr es ihr durch den Sinn.
Wieder richtete Fürst ßueberg das Wort an sie, doch das Gespräch blieb einsilbig. Wie gleichgültig war ihr dieser Mann!
Sie griff gierig nach ihrem Sektglase und trank in hastigen Zügen. Immer und immer wieder trank sie, bis auch ihr schweres Blut ein leichter Rausch überkam.
„Sie taut noch einmal auf, unser Kleinchen!" sagte Doktor Brunner, der Rosemarie den ganzen Abend über immer sorgenvoll beobachtet hatte.
Willenlos überließ sie sich dem kleinen Rausch. So wohlig leicht wurden ihre Glieder, und selbst das dumme, dumme Herz hörte auf, weh zu tun.
Mit einem Male machte es sogar Spaß, mit allen Männern hier ein bißchen zu flirten. Und in einer so reizenden, kindlichen Art scherzte sie mit dem Fürsten, daß er ganz glückstrahlende Augen hatte.
Langsam drehte er seinen schweren Wappenring vom Finger und zog ihn wie im Spiel über Rosemaries feinen, zarten Ringfinger.
Rosemarie beschaute das Wappen und ließ sich die einzelnen Figuren erklären.
„Zwei dieser Ringe gibt es in unserem Familienschmuck. Einen für den ältesten Sohn des Hauses — und den zweiten für seine Frau. Gut kleidel der Ring Ihre Hände — möchten Sie ihn tragen, Rosemarie?"
Wieder klang durch seine Worte unverkennbarer Ernst, der Rosemarie sofort aus ihrer leichten Sektstimmung riß.
Hastig streifte sie den Ring ab und legte ihn in Luebergs Hände. Sie war vollkommen nüchtern:
„Einer so hohen Ehre wäre ich gewiß nicht würdig, Fürst!" sagte sie lächelnd: dann nickte sie ihm leicht zu und ging zu Doktor Brunner, ihn zu bitten, heimzufahren.
5. Kapitel.
Rheinischer Frohsinn ... Rheinischer Wein ...
Im Hause Wangenheim herrschte eine ausgelassene Stimmung. Wolfgang Wangenheim hatte seine Freunde zu einem netten Herrenabend eingeladen. Man hatte soeben auf der Terrasse fabelhaft soupiert, lind nun kreiste der Becher. Fröhliche Stimmen klangen durch die warme Sommernacht. Zu Füßen der frohen Zecher rauschte der Rhein seine uralte, selige Melodie, und der Mond, der groß und rot
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von Zeit zu Zeit hinter den Wolken hervorlugte, schmunzelte über das ganze Gesicht, wenn man ihn übermütig anulkte.
Bei Wangenheim kam man gern zusammen.
Der Wein erhitzte die Köpfe. Immer kecker flogen Rede und Gegenrede.
Besonders der Jüngste in der Gesellschaft, Günther Beheim, der meist nur „Güntherlein" genannt wurde und der Meinung aller nach eigentlich noch ins Backfisch-Aquarium gehörte, wurde tüchtig hochgenommen.
Aber Günther war ein bildhübscher Kerl, der bei den kleinen Mädels viel Glück hatte. Er wußte das und renommierte deshalb auch oft vor den „alten Herren" mit seinen feschen Bekanntschaften, daß denen die Augen übergingen.
So zog er auch eben wieder bedächtig seine Brieftasche hervor und nahm mit spitzen Fingern ein Bildchen heraus, das seine letzte Bekanntschaft, die entzückende, kleine Lottelies darstellte.
Aber Lottelies schien nicht die einzige zu sein, die Günther im Herzen trug. Als er die Tasche wieder einstecken wollte, flatterte noch ein ovales Mädchenbildnis zur Erde, das scheinbar sorgfältig aus einer Zeitschrift ausgeschnitten war.
„Ach so. Kleiner, du sammelst wohl so alles Erreichbare an Bildern? Da klebst du wohl auch Filmdiven und Tänzerinnen in dein Sammelalbum? Ra ja, kindlicher Spieltrieb! Bor kurzem hast du noch Reklamemarken gesammelt, und jetzt sammelst du Bildnisse von der holden Weiblichkeit", spöttelte der lange Menke.
„Bist verrückt!" antwortete Günther erbost. „Das Köpfte da hab ich mir ausgeschnitten, weil ich etwas so Liebliches überhaupt noch nicht gesehen hab. Ich hab wirklich meine Freude an dieser hauchzarten Schönheit. Aber was weißt du schon davon! Für dich ist eben Mädel Mädel."
Run waren aber plötzlich alle interessiert an dieser „hauchzarten Schönheit", wie Günther sich so poetisch ausgedrückt hatte. Alle Köpfe beugten sich über das kleine ovale Bildnis, als Wangen- heim dem Menke das Bildchen hastig aus der Hand riß.
„Das ist ja..., das ist ja ...", stotterte er bleich.
„Die Bergmann vom Berliner Schauspielhause", ergänzte Günther Beheim sachlich.
Wangenheim schien es als habe er soeben vor der Tür des Paradieses gestanden und stürze nun jäh in einen tiefen Abgrund. Das waren doch Rosemaries wundervolle Blauaugen mit den leicht nach oben gebogenen langen Wimpern. Das war das feine Oval ihres Gesichts. Ihre ebenmäßige Rase und der fein geschwungene Mund, der immer leicht zu beben schien. Und ihre Haare, ihre goldig schimmernden lockigen Haare, die er so oft mit heißen Küssen bedeckt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
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und versuchte, alle zu überzeugen, daß er es nur gut gemeint habe. Er selbst sei von Rosemaries Talent noch gar nicht so sehr überzeugt gewesen.
Als er diese Aeußerung tat, ging sie in tosendem Gelächter unter, in das auch Rosemarie klingend einstimmte. p v
An diesem ganzen Abend saß ein ernster blonder Mann an Rosemaries Seite, die es auch bemerkte, daß feine Augen fast unablässig an ihrem zarten Profil hingen.
„Fürst Lueberg!" hatte er sich vorgestellt. Doktor Brunner war sehr gut mit ihm bekannt.
Der Fürst war ein großer Kunstfreund. Er besaß in Westfalen große Besitzungen, brachte aber einen großen Teil des Winters in Berlin zu. Er war Ende dreißig, und keine Dame der Gesellschaft hätte seine Werbung abgelehnt, da er außer seinem fürstlichen Namen auch noch ein bedeutendes Vermögen mit in die Ehe brachte.
Rosemarie war offensichtlich müde und abgespannt, trotzdem versuchte der Fürst immer wieder sie in ein Gespräch zu verwickeln.
In der Gesellschaft merkte man bereits, daß der Fürst sein Interesse an Rosemarie nicht verleugnen konnte. Zum ersten Male, daß der sonst so schweigsame Mensch aus sich herausging; aber auch zum ersten Male, daß er bei einer Frau scheinbar auf Widerstand stieß. Rosemarie sah seine bewundernden Blicke kaum, die ihr Bild in sich hineintranken, als wollten sie es für alle Zeiten im Geiste festhalten.
Nach ein Uhr erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Der Sekt hatte seine Schuldigkeit getan.
Nur Rosemarie hatte wenig getrunken. Sie war als einzige noch vollkommen nüchtern.
Stimmen wurden laut, die nach Musik verlangten. Es sollte noch etwas getanzt werden. Ein Lautsprecher wurde angeschlossen, und bald erklang eine gedämpfte Tanzmusik.
Der erste, der Rosemarie um einen Tanz bat, war Fürst Lueberq.
Paar um Paar schloß sich den Tanzenden an.
Als sie wiegenden Schrittes über das Parkett glitten, sagte Lueberg ganz leise:
„Für eine Frau wie Sie, Rosemarie, könnte ich alles hingeben. Alles was ich besitze."
So unvermittelt klang das, daß Rosemarie erschrocken zusammenzuckte.
„Vielleicht auch nicht, Fürst...", sagte sie mit einem herzzerreißend traurigen Lächeln. „Wenn es in Wirklichkeit darauf ankäme ..."
Da straffte sich sein Gesicht, daß es fast raub- ritterhaft wirkte in diesem Augenblick, und unbeugsame Härte klang aus seiner Antwort:
„In meiner Familie gibt es Gott sei dank noch klare Ehrbegriffe. Ein Lueberg hat noch niemals sein Wort gebrochen. Es sei denn, er t)abe sich selbst gerichtet."
Wieder durchzuckte Rosemarie bei seinen Worten
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Doktor Brunner verstand, daß sie sich in dem Trubel so vieler fremder, eleganter Menschen doch nicht wohlfühlen würde. Er ging hinaus, um seinem Chauffeur Bescheid zu sagen.
„Morgen früh komme ich gleich zu dir hinauf, Tantchen. Da können wir lange plaudern. Ach, du weißt ja nicht, wie glücklich ich bin, daß ich dich jetzt ein paar Tage hier habe. Manchmal dachte ich, ich könnte es vor Sehnsucht gar nicht mehr aushalten und müßte heim. Aber..."
Tante Berta wußte, was Rosemarie sagen wollte, aber sie unterbrach sie schnell:
„Nicht heute, Liebling. Nicht heute daran denken! Einmal wird es daheim doch vergessen — und dann kannst du wiederkommen."
„Ich kann nicht kommen, Tante, bevor nicht ein Wunder geschieht und meine Schuldlosigkeit bewiesen wird. Oh, ein Leben lang muß ich mich mit dieser fremden Schuld herumquälen. Ein Leben lang wird dieser Makel mir anhängen, und ich kann mich nicht dagegen wehren."
Wieder überkam der alte Schmerz Rosemarie, aber sie raffte sich gewaltsam zusammen, als sie m Tante Bertas bleiches Gesicht sah.
„Du hast recht, Tante. Heute will ich mir den Erfolg nicht verbittern, sondern ich will ihn hinnehmen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft!" sagte sie mit absichtlich heiterem Pathos.
Ganz leise hatten Rosemarie und ihre Tante dieses Gespräch geführt. Die Garderobiere, die fönst die Tinius bediente, hatte weit hinten im Zimmer hantiert. Doch ihre Ohren waren gespannt wie ein Luchs. Kein Wort war ihr entgangen.
Etwas Geheimnisvolles mußte um die Tochter der Helga Bergmann fein. Vielleicht interessierte sich die Tinius dafür. Eine Gelegenheit für sie, sich beliebt zu- machen.
In einem kleinen Salon bei Hiller waren schon verschiedene Damen und Herren versammelt, als Rosemarie an der Seite Onkel Brunners den vornehmen Raum betrat.
Sie wurde sofort umdrängt und umjubelt. Perlend schäumte der Sekt in den Gläsern, und immer wieder wurde das Glas erhoben auf ihre glückliche Zukunft. Doktor Brunner wurde scherzhaft beschimpft, weil er keinem von ihnen gesagt hatte, daß die kleine Neuß Helga Bergmanns Tochter fei, sondern sie bis heute abend alle genarrt hatte.
Brunner protestierte heftig gegen diese Vorwürfe
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