Donnerstag, 8. Hebruar X93<
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)
Nr. 33 Zweites Blatt
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Bilder von der pariser Bluinachi.
Die Lawmen-Kaiastrophe in den Apenninen.
-1 Man mußte sich zu mancher Wiederholung oer- n stehen. Karl Löffler schuf zu den bewegten und
Auf-
Gießener Stadttheater.
Brammer und Grünwald: „Die goldene Meisterin".
Daten für Donnerstag, 8.Februar.
1859- die Dichterin Gabriele Reuter geboren; — 1906: der Geograph Alfred Kirchhoff in Mockau bei Leipzig gestorben (geboren 1838); — 1920: der Dichter Richard Dehmel in Blankenese gestorben (geboren 1863). ______
farbenprächtigen Szenen den ebenso lebhaften Hintergrund, und L. Keim trug durch geschickte Beleuchtung sein Teil zum Erfolg bei. Die vielen chönen Kostüme stellte K. H u b e r.
Die Operette in ihrer Gesamtheit war Augen- und Ohrenschmaus zugleich, Unterhaltung in unbe- chwerter Heiterkeit, aus dem Milieu einer sorglosen Zeit geschöpft, einer Zeit, in der „ein golden Handwerk noch einen goldenen Boden hatte", geschaffen allein zu dem Zweck, einige sorglose Stunden zu
tiaes Wesen, der die Sehnsucht nach beiden Heimaten der der Geburt und der der blutmäßigen Herkunft, stets begleitet. In ihrer literarischen Anfangszeit war sie dichterische Revolutionärin der bürgerlichen Frauenwelt: ihre Romane „Aus guter Familie" und „Das Tränenhaus" waren Anklagen gegen ein Zeitalter, das die nicht zur Ehe gelangende Frauenkraft zum dürren Gespenst der „alten Jungfer" vertrocknen ließ, die es nicht verstand, auch
löst worden war. Bereits seit mehreren Tagen hat Holzer dem Mädchen, das auswärts in Stellung war, aufgelauert und mit Erschießen bedroht. Heute abend wartete er am Bahnhof, bis sie nach Lorsch zurückkehrte. Am Postamt stellte er dann das Mädchen und gab den tödlichen Schuß ab.
neuburg, die längst mit den richtigen Namen ver- ehenen Ringe zwischen der Meisterin und ihrem Gesellen gewechselt werden, dieweil der Ritter von Greifenstein abziehen muß. Um Meisterin und Gesellen, um Jaromir und den pfiffigen Gumpendors schart sich viel Volk, Damen und Herren der Ge ell- schaft, Gäste und Bürger, Bürgerinnen, Gesellen und Lehrbuben, Musikanten und Magde, Troubadoure usw. Und immer herrscht Leben in Ueberfulle
Brücken zur Wirtschastsbelebung!
Wirtschaftsbelebungl Das ist ein Wort, das als i eins der wichtigsten Lebensprobleme unserem Volke heute viel zu denken gibt. Wir lesen in der Zeitung, wir hören durch den Rundfunk: „Wirtschasts- belebung durch Arbeitsbeschaffung!" Aber ist es oft nicht schwer, Arbeit verteilen zu müssen, wenn anscheinend gar keine Möglichkeit für sie besteht?
Im Binnenhandel und -verkehr alle Deutschen in einigermaßen zufriedenstellenden Posten unterbringen zu können, das ist wahrlich ein Problem! Da gibt nun die einzigartige „N S D A P.- S t r a ß e n- Lotterie für das deutsche Winterhilfswerk" glänzende Möglichkeiten, Brücken zur Wirtschaftsbelebung und folglich auch zur Arbeitsbeschaffung zu bauen.
Es hat wohl noch keiner ernstlich daran gedacht, daß die billigen 50-Pf.-Losbriefe dieser Lotterie — außer der sehr begrüßenswerten Winterhilfe für die Armen — vielen Deutschen neue Erwerbsmöglichkeiten bieten.
Da ist zunächst der Straßenverkaufer der Lose: der graue Glücksmann! Er wartete schon lange auf Arbeit. Jetzt ist er untergebracht, jetzt kann er wieder seine Familie ernähren, jetzt kann er seinen Kindern und feiner Frau die notwendigen warmen Jacken kaufen!
Und dann: Haben Sie solch einen Glücksbrief gekauft und geöffnet, fallen Ihnen gleich die drei schönen Bildpostkarten, die Reproduktionen m Kupfertiefdruck herrlicher, alter, deutscher Meister- bilder oder Photos deutscher Geschichtshelden dar- stellen, entgegen. Die Photoarbeiten für diese Karten schenken doch auch wieder so und so vielen Leuten einen Verdienst! Schließlich die Papierherstellung, der Reklameentwurf für diese Lospackung, alle diese scheinbaren Kleinigkeiten setzten die Arbeitskräfte vieler deutscher Menschen in Bewegung, stifteten glückliche, gewinnbringende Beschäftigung.
An all das müssen Sie fortan denken, wenn Sie dem Glücksmann auf der Straße oder im Lokal
Links oben: Gaston Doumergue, der ehemalige Präsident der Republik, der mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt wurde. — Rechts: Ein großer Gaskandelaber, der an der Place de la Concorde um- geworfen wurde.
Demonstranten bemächtigen sich eines Omnibusses, um den schweren Wagen als Barrikade gegen die Polizei zu benutzen.
begegnen! So werden Sie sicherlich von jetzt a8 gern Lose kaufen und Ihr Lohn wird — auch wenn Sie vorläufig Nieten ziehen sollten — Ihnen gewiß sein. Denn je mehr Erwerbsmöglichkeiten geschaffen sind, desto mehr Geld ist in deutschen Händen im Umlauf, desto höher wird der Umsatz! Das werden auch Sie bald in Ihrem Geschäft oder Betrieb merken. Letzten Endes will Ihnen aber diese Winterhilfe-Lotterie nicht nur Probleme zu lösen aufgeben, sie will Ihnen auch ein nettes Vergnügen bereiten.
Erstens können Sie sofort ein recht annehmbares Geldsümmchen gewinnen, vielleicht gar 5000 RM.k Die sind bei der nächsten Geschäftsstelle der Lotterie oder bei einem öffentlichen Bankgeschäft gleich aus- zahlbar. Klappt es das erstemal nicht mit dem Gewinnen, so bleibt Ihnen ein ausreichender Trost mit dem angehefteten Prämienschein, der im März zur Verlosung gelangt und Ihnen vielleicht doch noch einen der Haupttreffer von 5000 RM. bringen kann. Was sagen Sie nun zu diesen z w e i schwerwiegenden Gewinnaussichten in einem einzigen Losbrief?
Ich glaube, jetzt werden Sie um so lieber helfen, Brücken zur deutschen Wirtschaftsbelebung zu schla- gen und dem großen Wiederaufbauwerk unseres Führers treu zur Seite stehen.
$ür 50 Pfennige 1OOO Mark!
Am Dienstagnachmittag hatte in Gießenein Volksgenosse aus einem Vororte unserer Stadt besonderes Glück in der Winterhilfe-Lotterie. Er kaufte sich bei einem der bekannten Glücksmänner ein Los für 50 Pf., das ihm den sehr erfreulichen Gewinn von 1000 Mark einbrachte. In seiner Freude über das Lotterieglück vergaß er das Winterhilfswerk nicht, dem er den Betrag von 50 Mark spendete. Die braunen Glücksbriefe der Winterhilfe-Lotterie haben in den letzten acht Tagen wiederholt recht beachtenswerte Gewinne auch in I unsere engere Heimat gebracht.
Mord und Selbstmord aus verschmähter Liebe.
LPD. Lorsch, 7. Febr. Heute nach 18 Uhr ereignete sich vor dem Postamt in Lorsch ein tragischer Vorfall. Der ledige Zigarrenarbeiter Ludwig Holzer gab dort auf die Juliane W a h l i g einen Schuß ab, der das Mädchen in den Kopf traf und aufderStelletötete. Nack der Tat schwang sich der Mörder auf sein Fahrrad und fuhr in die elterliche Wohnung, wo er f i ch durch einen Kopfschuß tötete. Holzer hat die Tat aus verschmähter Liebe begangen. Er hatte mit dem Mädchen ein Verhältnis, das von der Wahlig ge-
bereiten. . Ofe.
Es gab, besonders nach den ersten zwei Akten, anhaltenden und dankbaren Beifall. N.
Gabriele Reuter 75 Jahre alt.
Die bekannte deutsche Erzählerin begeht am 8. Februar ihren 7 5. Geburtstag. 1859 wurde sie als Kind auslandsdeutscher Eltern in Alexandrien "geboren — wie sie selbst bekennt, als ein zwiespäl-
Junafer" vertrocknen liefe, Die es nicht verfeano, auch > und von Hugo Boesen: „Der Rang des Seelischen diese Kräfte für einen überpersönlichen Dienst ein-tim Feierabendwerk."
zusetzen. „Ellen von der Weiden", Frau Bürgelm und ihre Söhne", „Liselotte von Reckling", „Frauen- seelen" sind leidenschaftliche Auseinandersetzungen mit der damaligen geistigen Umwelt. Immer lockte und reizte das Zeitgeschehen. Gabriele Reuter zur künstlerischen Formung und kritischen Betrachtung. Ihr biographisches Werk „Geschichte meiner Ju- gend", 1922 erschienen, hat den Reiz geistiger und seelischer Kultur einer Persönlichkeit, die es sich im Leben nie leicht gemacht, sondern um Wissen und Erkenntnis heiß gerungen hat.
Zeitschriften.
— Das innerste Wesen der deutschen Revolutionen zeigt R. Stadelmann im Februarheft der „Zeitwende" (C. H. Beck Verlag, München) in seinem Beitrag: „Vom geschichtlichen Wesen der deutschen Revolutionen". Es ist eine große geschichtsphilosophische Ueberschau über die weltbedeutenden Revolutionen von 1520 und 1810, aber diese anscheinend historische Betrachtung ist durchglüht von dem Atem unserer Zeit. In dieselbe Richtung weist das, was Walther Künneth über „Luthertum und Deutschtum" schreibt. Er zeigt, wieviel zur grundsätzlichen Besinnung auf diese die Gegenwart bewegende Frage Werner Elerts „Morphologie des Luthertums" beiträgt. In „Staat und Kirche nach katholischer und evangelischer Anschauung" zeigt Rudolf Oeschey, wie grundverschieden Augustin und Luther das Verhältnis dieser beiden Mächte zueinander ansahen. Hans ßiermann bespricht, welche Wandlung die nationale Revolution auch in unser Rechtsleben gebracht hat. lieber den „Kampf ums Saarland" unterrichtet Hans-Siegfried Weber klar und sachlich. Friedrich Langenfaß arbeitet in seinem Beitrag „Die Kirche in der Entscheidung" die überragende Bedeutung der Bekenntnisfrage klar heraus.
— Die Januarnummer der „Rheinischen Blätter": Das Feierabend-Werk, das der Kampfbund für deutsche Kultur im Rheinland herausgibt, ist ein erster Versuch, den großen Gedanken des Feierabendwerks geistig (nicht nur organisatorisch) zu Ende zu denken, sich über seine außerordentliche Möglichkeiten klar zu werden. Eingeleitet wird das Heft von den programmatischen Ausführungen des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, und des Landesleiters im Rheinland des K. f. d. K., Beigeordneter Robert Brandes. In einzelnen Aufsätzen werden die Aufgabenkreise des Feierabendwerkes abgegrenzt, die sich jeweils einer aus dem anderen entwickeln und so eine Einheit bleiben. Von grundsätzlicher Bedeutung sind die Aufsätze von Anton Heinen: „Sinn und Zweck der Erziehung"
auf der Bühne.
Die Aufführung verdient uneingeschränktes Lob. Die Spielleitung — Paul W r e d e — bewahrt den notwendigen Schwung bis zur letzten Szene Die Musik unter der Leitung von Fritz (5 u je halt den Charakter und den Rhythmus der Operette mit überraschender Sicherheit und Frische. Die Darstellung ist ohne Tadel. Die Kräfte des Ensembles sind sehr glücklich eingesetzt. Im Zusammenwirken aller entsteht eine gerundete Leistung.
Die „qold'ne Meisterin" wird von Maria P e r r y mit der hier angebrachten Koketterie, mit gut dosierter Eitelkeit und Drolerie verkörpert. Ihr quicklebendiges Auftreten ist voll liebenswürdigsten Charmes. Alfred F i e r m e n t zeigt sich als Christian in einer frischen jungenhaften Keckheit, die sein Spiel m jedem Augenblick bestimmt. Heinrich Hub als der dicke, weinseliae, scharmutzierende, bauernschlaue Fridolin von Gumpendors erscheint unübertrefflich, <>r bringt seine Witze immer im rechten Ton an den Mann. Sein Freund, Graf Jaromir von Greifenstein, der auf Meisterin und Geld spekulierende, ausgepowerte Ritter im gepumpten Staatskleid, der mit einer Braut und vier Kindern vorbelastete Freier, wird von Heinz-Albrecht Mar cks überzeugend dargestellt; eine ausgezeichnete ßeijtung. Erna Renz als mannstolle Haushälterin Port- schunkula von zweimal zwanzig Jahren reizt bei jedem Erscheinen zu stillem Schmunzeln und macht aus ihrer Rolle ein Kabinettstückchen Hansi S ta d - l e r umgibt sich als Comtezza Giuletta mit freundlicher Würde und feinem Humor. Grroal)nensmen sind der freche, vorlaute ßausbub und £^rlun-}* non Elisabeth Wielander, der ernste Altgeselle Kar! Michel, der gutmütige Bruder Ignatius von Karl Volck, der die Leute so geschickt aus- fragt, ferner der etwas beschrankte Geselle Wenzel (Peter Schorn) und die Brüder Severmus und Peregrini (Wilhem Sieten und Paul Nier en). Alle Mitwirkenden helfen die Stimmung verbretten die der Operette von Textbuch und Musik her zu eigen ist. ,, _ .
Aus der Handlung heraus wachsen Tanz und Reigen die von Theo Bäulke einstudiert, mel Originalität' offenbarten und in Verbindung mit bem gelungenen Wort lebhaften Beifall fanden.
Die Rettungskolonnen bei den ersten Bergungsarbeiten am Monte Robbiano, wo herabstürzende ßaroinen zahlreiche Menschen töteten und andere verletzten.
Aus der Provinzialhauptstadt
Das Stadttheater brachte gestern abend die führung einer lustigen Wiener Operette. Der wieder zu großen und verdienten Ehren gekommene Dreivierteltakt echt „weanerifcher" Prägung beherrscht die Bühne und Die Zuschauer, Denen es m Den Beinen kribbelt, die gerne mitschwingen mochten im Walzertakt, gleichwohl aber auch keinen Blick von der Bühne wenden möchten. Die drei unsterblichen Begriffe: Frauen, Walzer und Wein werden für drei Stunden einer unbeschwerten Unterhaltung qrofe geschrieben, und man vergißt während dieser Zeit ganz, daß es auf der Welt auch noch andere als diese drei Dinge gibt.
Wiener Musik! Man braucht kein Prophet zu fein, wenn man ihr im voraus Erfolg verspricht. Ihr ist ein alter Zauber zu eigen Die Seele schwingt mit. Der Äbend war em Singen und Gingen nicht nur auf der Buhne, sondern tn allen die Öhren hatten, zu Horen. Die Musik der Operette stammt von Edmund E y h l e r (einem gebürtigen Wiener), sie ist beschwingt, unverfälschten Wiener Geistes in ihrem Charakter gut gewahrte Tradition, karb a ideenreich trotz mancherlei Wiederholung, Lononh hem Tbema der Operette in glücklicher fiamonU mit dem Text, ja, sie erfährt in manchen Partten (hauptsächlich in den Choren) eine feine Steigerung nach der Spieloper hin.
Da- Libretto stammt ebenfallsvon ,«« Menern, s°°"Ä"d^ÄL7 Linie.,ll°E°rm°ben aus S
nette Wortspiel, viele von .urwuch igem Sjam leh^Jm Mittelpunkt der Handls >unge
möglichst aber sogar einen Fürsten - mtt Schloll natürlich, mit Dienern und vielen Pferden uno einem ganz feinen Namen von und zu yaven möchte. Es treiben sich auch Lwe, leider star^am- nanierte Ritter in der-Gold chrmede herum, um an di- Frau bzw an das Geld zu kommen Und das wäre den beiden Gaunern vielleicht auch gewttSl , wenn der Christian, G°ldschm,°d°g°I°ll° der die beiden lockeren Vogel schon von früh Y kennt, Dies nicht zu verhindern gewußt hattt ^acy mancherlei Schwierigkeit ist es dann g uckl rt) 1 weit, daß zwischen Dem „Faßlrutsch n und unge wollten Beichten auf Der Stiftsschenke zu Kloster
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