Ausgabe 
8.1.1934
 
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Nr. 6 Drittes Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Montag. 8.Zanuar 193<

Oie Ltralinda-Chronik.

Die Lleberschwemmungskatastrophe im Elsaß.

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Der bekannte Urgeschichtsforscher Professor Her­mann Wirth hat jetzt aufs neue eine friesische Mythen- und Rechtschronik herausgebracht, in der er die alte st e schriftliche Aufzeichnung der nordischen Völker erblickt. Es handelt sich um eine Aufzeichnung über Kriegstaten, Ein­richtungen, religiöse Vorstellungen und Gebräuche der alten Friesen, Die bis auf das Jahr 2193 v. Ehr.

zurückreichen soll. Von zahlreichen Germanisten «e- doch wird die Echtheit der Urkunde, die schon bei ihrem ersten Auftauchen, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, angezweifelt wurde, bestritten und sowohl Schrift wie Sprache als offenbare Fälschung bezeichnet. (Aus Hermann Wirth:Die Uralinda- Chronik". Verlag Koehler & Amelang, Leipzig.)

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Sir John Simon und Mussolini bei einer vertraulichen Aussprache im Garten des italienischen Außenmii.'.steriums.

Industrie- und Handelskammer Friedberg.

Die erste Jahressitzung.

Die Industrie- und Handelskammer Friedberg hielt am Donnerstag die erste Vollversammlung im neuen Jahre in ihrem Sitzungssaal in Friedberg ab. Der Vorsitzende der Kammer, F. von der Emde, eröffnete und leitete die Sitzung. In einem beifällig aufgenommenen Vortrag behandelte der Syndikus der Kammer, Dr. Göbel, das Thema Die Wirtschaft im neuen Staa t". Die Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft wurden eingehend dargestellt und die Bedeutung der neuen Wirtschaftsgesinnung, die das Gemein­wohl über das Eigenwohl zu stellen hat, besonders unterstrichen. Im Rahmen der Neuorganisation der Wirtschaft werden die Industrie- und Handelskam­mern einen wichtigen Grundpfeiler bilden, da sie zu den Einrichtungen gehören, die auch im neuen Staat ihre Berechtigung behalten haben, zumal ihnen die Wahrung der Gesamtinteressen der Wirtschaft obliegt Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit werden von der Kammer weitgehendst unterstützt und gefördert.

Ueber die Erfahrungen bei der Durchführung des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels wurde Be­richt erstattet und die Wichtigkeit dieser Schutzbe­stimmungen betont. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beschäftigte man sich mit der Lage in Bad- Nauheim und erörterte die dort zu treffenden Son­dermaßnahmen. Für das im Rhein-Maingeblet zu bildende Einigungsamt in Wettbewerbsfragen wur­den die Beisitzer bestellt. Auch die Bestellung von weiteren Sachverständigen wurde beschlossen Schließ­lich fanden noch eine Anzahl kleinerer Angelegen- heilen ihre Erledigung.

Der russische Emigrant S t r a o i s k y , der Haupt­schuldige des Bayonner Leihhausskandals.

OerLandesbauernführervonKurhesien beauftragt.

Lpd. Frankfurt a. M., 6. San. Der Reichs- bauernführer hat an Stelle des beurlaubten Landes­obmannes Metz den Landesbauernführer von Kur­hessen, Wagner, mit der Wahrnehmung der Ge­schäfte beauftragt.

Bad-Nauheim gegen unerwünschten Zuzug.

LPD. Bad-Nauheim, 6. Jan. In einer Bekanntmachung wehrt sich die Stadtverwaltung gegen den in letzter Zeit stark werdenden Zuzug hilfsbedürftiger Personen und Familien von auswärts nach Bad-Nauheim. Es wird darauf hingewiesen, daß der Unterstützungssatz für Neuzuziehende bedeutend geringer ist als für Einheimische. Außerdem können neuzuziehende Hilfs- bedürftige Personen auch nicht an der Verabrei- Äber besonders gewährten Brennstoff-, Kar-

und sonstigen Unterstützungen teilnehmen.

Ein falscher Sturmführer.

LPD. Marburg, 5. Jan. Der 24jährige Stein­metz Sauer aus Neustadt a. d. Hardt meldete sich im vergangenen Jahre, als er sich auf Wanderschaft befand, im Arbeitslager Dammühle bei Marburg. Als ihn der Lagerhalter, bei dem er Zutrauen ge­wonnen hatte, im Herbst v. I. zu einer Besorgung nach Marburg schickte, kehrte Sauer nicht zurück. Es stellte sich nun heraus, daß er einem Arbeits­kameraden 28 Mark Bargeld, einem andern ein Paar Schuhe gestohlen hatte. Sauer zog weiter in Deutschland umher, meldete sich in einem Arbeitslager in Frankfurt (Oder), wo man ihr ver­haftete und in ein Konzentrationslager bei Berlin ablieferte. Dort entwischte er alsbald, indem er eine entwendete Sturmführeruniform an­zog und ungehindert das Lagertor pas­sierte. Unter Inanspruchnahme der SA.°Heime, die ihm Nächtigung und Beköstigung gaben, ge­langte Sauer wieder nach Süddeutschland. In Nürn­berg wurde der falsche Sturmführer verhaftet. Wegen des Diebstahls im Arbeitslager Dammühle wurde er gestern vom hiesigen Amtsgericht zu 1 Jahr 2 Monaten Gefänanis verurteilt. Die Bestrafung wegen des unberechtigten Uniform­tragens erfolgt durch ein Berliner Sondergericht.

Der Bruch eines Zuleitungskanals bei dem Kraftwerk Urbeis in der Nähe von Kolmar (Elsaß) verursachte eine furchtbare Katastrophe. Die Wassermassen füllten mit ungeheurer Gewalt binnen weniger Augenblicke das ganze Kraftwerk und erstickten die neun Insassen. Nur dem glücklichen Umstand, daß die Deiche der benachbarten Dörfer den Wasserdruck aushielten, ist es zu verdanken, daß nicht noch eine weit größere Zahl von Opfern zu beklagen ist. Unser Funkbild zeigt das Kraftwerk inmitten des Ueberschwemmungsfees.

Ein Volk-ein Recht!

Oer erste Hessische Iuristentag.

Oer erste Tag.

LPD. Darmstadt, 6. Jan. Unter dem Kenn­zeichenVolk und Recht" begann heute in Darm­stadt der aus allen Teilen der hessischen Juristen- sront außerordentlich gut besuchte e r st e Hes­sische I u r i st e n t a g. Der große Saal des Städ­tischen Saalbaues war überfüllt, als Gauführer, Rechtsanwalt Amend, das Wort zur Begrüßung nahm. Besonders herzliche Worte richtete er an den Vertreter der Staatsregierung, Ministerialrat N e u r o t h>, und die Präsidenten der hessischen Ge­richte. Der Gauführer erklärte, nachdem die innere Organisation des Bundes nationalsozialistischer deut­scher Juristen in der Rechtsfront und im Rechts­stand geschaffen wäre, sei auf diesem Gebiet ein ge­wisser Abschluß erreicht. Jetzt müsse die Verbin­dung des Rechts mit dem Volk vertieft und neu­gestaltet werden im Zeichenein Volk ein R e ch t".

Die Glückwünsche der Landeshauptstadt über­brachte Oberbürgermeister Dr. Mülle r. Der Gauführer des Oberlandesgerichtsbezirks Naumburg und Generalinspekteur der Reichsleitung des Bun­des nationalsozialistischer deutscher Juristen über­mittelte die Grüße des Reichsjustizkommissars Dr. Frank. Er umriß die Aufgaben des BNSDJ. in großen Zügen und betonte, es fei Aufgabe für jeden der Rechtsfront angehörenden deutschen Men­schen, ein hundertprozentiger Nationalsozialist zu werden.

Darauf sprach der Oberregierungsrat im Reichs­justizministerium R. Sch raut, Mitglied der Aka­demie für deutsches Recht und stellvertretender Reichsgeschäftsführer des BNSDJ., über das Thema

Blutgebundenes Recht"

Er verbreitete sich zunächst über die Begriffe Rasse und Recht und erwähnte die Schaffung der rasse- rechtlichen Gesetze in der Gesetzgebung des neuen Reiches Man dürfe nicht mit übertriebenen Hoff­nungen auf eine nun rasch einsetzende Reform des gesamten deutschen Rechtswesens rechnen, denn es gelte, das gesamte deutsche Rechtsgut mit neuem Geist zu erfüllen, insbesondere die zivilrechtlichen und strafrechtlichen Vorstellungen miteinander in Einklang zu bringen

Das neue deutsche Recht müsse von Grund auf schöpferisch neu gestaltet werden; bas bedürfe einer langjährigen gründlichen Arbeit, zu der alle Mitglieder des *63X51)3. aufgerufen seien.

Der nationalsozialistische Geist müsse die Gerichts­säle und die Verhandlungen beherrschen. Wenn jeder mitarbeite, dann werde der Jurist im neuen Reich einen äußerst wichtigen Faktor darstellen, und das Vertrauen zum Juristenstand werde wiederkehren. Mit allen Kräften wolle der BNSDJ. am Werk des Führers Mitarbeiten durch die Schaffung eines im Volksempfinden verwurzelten deutschen Rechts.

Am Abend fand eine große öffentliche Kundge­bung statt. Der Gauführer Pg. A m e n d gab seiner Freude Ausdruck, daß eine so große Zahl Berufs­genossen erschienen sei. Besonders begrüßte er die Vertreter der Regierung, der Stadtverwaltung, die Dekane der Universitäten Gießen, Frankfurt am Main, Marburg und der Technischen Hochschule Darmstadt, sowie die Führer der nationalsozialisti­schen Bewegung.

Rechtsanwalt und Notar Dr. E. N o a ck (Halle), der Gauführer des BNSDJ., Gau OLG.-Bezirk Naumburg und Generalinspekteur der Reichsleitung des BNSDJ., hielt ein Referat über GtaatsrechtticheGedankenausHitlers ,Mein Kampfs"

Er führte u. a. aus: Ein eigenartiger Zustand habe sich in den letzten Monaten herauskristallisiert. Be­rufene und unberufene Vertreter von Fachgebieten erklären, wenn sie die Feder ergreifen:Was ich hier schreibe, entspricht der nationalsozialistischen Weltanschauung." Als Schriftleiter der juristischen Wochenschrift wundere er sich über solche Be­hauptungen. Er erinnere sich der Zeit, da er mit ganzen 30 nationalsozialistischen Juristen allein war. Er habe mit den Seinen immer gekämpft und ge­rungen aus den Worten des Führers: nicht einmal I als Kämpfer behaupteten sie damals:So ist es im nationalsozialistischen Geist". Diele, die heute!

von diesem Geist sprechen und schreiben, müsien sich ihn erst anerziehen.

Ls gibt eine weltliche Bibel des National- fojialismus: Adolf HitlersMein Kampf und einen Katechismus: Das Parteiprogramm.

Alles muß mit den Worten des Führers belegt wer­den können, aus seinen goldenen Worten muß man schöpfen. Der Staat im nationalsozialistischen Sinne kann nicht aus Begriffen der vergangenen Epoche definiert werden. Die Definition des Staates war früher bei jedem Universitätsprofeffor, in jedem Lehrbuch eine andere. Diesen Zustand kritisierte der Führer mit trefflichen Worten. Je unmöglicher ein Staat geschaffen ist, desto gekünstelter ist seine Defi­nition. Der Zweck war früher: Erhaltung der Staatsgewalt auf jeden Fall. Ein Gemengsel ethi- scher und sittlicher Werte wurde durcheinanderge­worfen. Auch die Juristen haben sich in der vergan­genen Periode gewunden wie die Aale, weil sie nicht anerkennen wollten, daß der Staat in feiner frühe­ren Form nicht lebensfähig war. Den Staat nicht als ein höheres Lebewesen, sondern als das Sekun­däre dem Volk gegenüber zu betrachten, lehrt Adolf Hitler. Die rassische, blutgebundene Einheit steht an erster Stelle. Der Führer definiert den Staat ganz eindeutig. Das Volkstum muß vor allem gesichert werden. Der Staat ist die organische Zusammen­fassung der deutschen Volksgenossen innerhalb des Staatsgebietes.

Die nationalsozialistische Weltanschauung sieht als primäres die Volksgemeinschaft an, als Sekundäres den Staat.

Das ist gerade umgekehrt, wie früher. Bei den alten lideralistischen Grundrechten vergaß man ganz und gor die Grundpflichten. In den Vordergrund zu stellen sind die Pflichten der Gemeinschaft gegenüber. Diese Gemeinschaft hat im Mittel­punkt zu stehen. Von einem materiellen hat man zu einem ideellen Standpunkt zu kom­men. Dabei kommen wir mitten in den Begriff des deutschen Sozialismus. Der oberste Wirt­schaftsgrundsatz muß in die Verfassung hineinwach­sen. Der Sozialismus im Nationalsozialismus un­terscheidet sich bei weitem von dem Sozialismus des Marxismus. Kampf für das Wohl d e r Gemeinschaft, das ist deutscher So- z i a l i s m u s. Die Wirtschaft dient der Gesamtheit. Wir wollen im Kampf das egoistische Ich besiegen. Bevor man eine Handlung ausführt, ist zu fragen: Liegt sie im Interesse der Allgemeinheit? Wenn'das nicht der Fall ist, hat diese Handlung zu unterblei­ben Das ist der Gedanke der Volksgemeinschaft. Früher verstanden der Arbeiter des Kopfes und der Hand einander nicht. Heute ist es gut, wenn im Ar- beitsbienfttager die Jugend sieht, was die Arbeit der Faust wert ist. Umgekehrt muß der Arbeiter der Faust die Gedankenarbeit und Jdeenarbeit des Arbeiters des Kopfes für die Gesamtheit richtig er­kennen.

Der Zweck des Staates ist die Erhaltung der Rasse. Dieses Ziel muß alle einheitlich be­herrschen.

Die Totalität unseres Zieles erzeugt die Unitarität unserer Gedankenrichtungen. Damit ist der Parla­mentarismus überwunden Der Redner erinnerte bann an die Halbheit der Parlamente. Halb war die Politik nach außen, halb die Polenpolitik, die Lösung der elsaß-lothringischen Fragen. Der Halb­heit erlag auch unser Heer. Daher 'der Zorn des Führers gegen den Parlamentarismus und fein Sieg über den Parlamentarismus. Der Parlamen­tarismus war für alle die Flucht aus der Verant- wortung. An feine Stelle tritt der Führergedanke, das Führerprinzip. Es gibt im nationalsözialisti- scheu Staat nur verantwortungsvolle Personen. Die Entscheidung trifft ein Mann: ihm stehen nur Be­rater zur Seite.

Verantwortlichkeit nach oben, Autorität nach unten, nur so kommen wir wieder zum

Aufstieg.

Im Führer finden mir unendlich viele staatsrecht­liche Gedanken. Selbst wenn man aber auf allen diesen Grundlagen ein umfassendes Recht nufbauca würde, müßte es als Menschenwerk Lücken auf­weisen Wir können die Lücken nur beseitigen durch Erziehungsarbeit am Volk, und wir Juristen durch Erziehung an uns f e l b ft