Ausgabe 
8.1.1934
 
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Montag, 8.Zanuar 1934

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 6 Zweites Blatt

Luftschutz tut not!

Ammon

Don Karl

(Nachdruck verboten.)

agszeit kreuze ich mit meiner Fünf- Wiese, auf der sich ein Karussell

Um die Mittag

Das Karussell

Don Hans Bauer.

und Verständigung zu fördern.

Das ist eine sehr trübselige Bilanz. Niemand bei uns freut sich darüber Jeder bei uns wird wünschen, daß man auf diesen Wegen wirklich zu Lösungen gekommen wäre, die Zeiten besser und friedlicher, friedenssicherer vor allem geworden wären, als sie seit Abschluss des Weltkrieges sind. Aber diese Bilanz ist eine Tatsache! Man beseitigt sie nicht, indem man sie übersieht, sondern sie zwingt zu Schlussfolgerungen und Handlungen, wie Deutsch­land sie mit Recht vollzogen hat.

Keiner Ausführung bedarf es, daß, wenn die Be-

$ Beethovens Streichquartette stehen wohl unter seinen sämtlichen Werken seinem mnersten persön­lichen Erleben am allernächsten. Oft ist m seiner Scha fensreihe dem Streichquartett die letzte Zusam­menfassung einer durchlebten Schaffensperiode bet ihm vorbehalten. Zumal die letzten.Quartette sind der Schlussstein im Rückblick auf em Leben des Kampfes und des Ueberwindens. Allerpersonlichste

griffe Verantwortlichkeit und Schuld herangezogen werden, diese Verantwortlichkeit und Schuld auf Frankreich fällt. Mit' einer unbeschreiblichen Starrheit lehnt es ab, die Veränderungen in der Welt zu sehen, die mit den Friedensverträgen und ihrer Durchführung und dann mit der welt­wirtschaftlichen Krise gekommen sind, da sind und wirken. Auf alle Weise sucht Frankreich seine Macht­stellung zu halten und steht nun den Entscheidungen in der Abrüstungsfrage gegenüber, die das

Als ich noch ein kleiner Junge war, erzählte mir meine Mutter viel von Gelnhausen. Dort war ihr Großvater Thurn- und Taxischer Postmeister ge­wesen und hatte einen riesigen Stall gehabt, denn in Gelnhausen gab es neue Pferde für die Post von

Gedanken werden hier bestimmend für das Gestal­ten, und in der Abstraktion des Stiles stößt er vor über seine eigne Zeitlichkeit hinaus. Fast möchte man in dem ^-Dur-Quartett die Stimme dessen zu vernehmen, der nach Ueberwindung des Lebens von hoher, geistiger Warte Ausschau hält.

So erstand der erste Satz in jener Mischung von Nachdenklichkeit und geläuterter Heiterkeit m klang­licher Klarheit durch das Wendlinq-Quartett. Das Scherzo erhob sich aus abwägendem Synkopen­rhythmus im Erwachsen durch Versetzen des Skalen­motivs zu immer eindringlicher gesteigerten Aus­brüchen der Eigenwilligkeit Klanglich versonnen, den Blick nach innen und aufwärts gewandt, wurde das Lento assai durch die klangliche Wiedergabe

ährigen eine Wiese, auf der sich ein Karussell etabliert hat, dessen Besitzer betätigungslos, gelang­weilt vor seinem Eigentum steht.

Meine Kleine ist hingerissen von dem wunder­baren Anblick und sie bittet inbrünstig, fahren zu

renz am 21. Januar an ja unweigerlich bringen wird. In dem Zustand wie heute wird die Rü­stungsfrage in Europa ganz bestimmt nicht ver­bleiben. Dem steht Frankreich gegenüber mit einem zweifelnden England, einem gegen es gerichteten Italien und mit einem Polen, das mit Deutschland direkt spricht, und doch auch selbst in seiner Krise seines innenpolitischen Seins steht.

Wie wird diese Krise im neuen Jahre ausgehen? Welche Wege wind das französische Volk suchen, das als solches den Krieg sicherlich nicht will, im letzten Jahre ja auch eine zweifellos vorhandene Kriegs- pnrtei nicht hat Oberwasser gewinnen lassen und das gleichwohl seine Machtstellung be­haupten will, die woran wir doch wieder erinnern müssen im Kriegsausgang nicht

Frankfurt a. M. zu besuchen. Reis wollte nunmehr auf das Politechnikum so hieß damals die Tech­nische Hochschule in Karlsruhe, aber sein Vor­mund war anderer Ansicht und gab ihn am 1. März 1851 als kaufmännischen Lehrling in die Farbwaren­großhandlung von Johann Friedrich Keyersdorf in Frankfurt a. M., wo er es schon im Jahre 1854 zum Lagerverwalter brachte. Während dieser Frank­furter Zeit bildete er sich selbst weiter und zwar hauptsächlich in Mathematik, Physik, Mechanik und Chemie, nebenbei trieb er Turnen und pflegte den Gesang.

Bei einem Besuch bei seinem früheren Schulleiter Garnier in Friedrichsdorf hielt ihn dieser als Lehrer in seiner Anstalt fest. Er heiratete dort die Tochter seines früheren Vormundes aus Gelnhausen, Mar­garete, geborene Schmidt, die ihm einen Sohn und eine Tochter schenkte.

In dieser glücklichen Zeit, etwa 1860, grub Phi­lipp Reis einen Gedanken aus, den er schon mit 18 Jahren gehabt hat, daß es möglich sein müsse, die menschliche Sprache über Telegraphendrähte zu leiten. Er konnte das Ergebnis seiner Arbeit im Physikalischen Verein in Frankfurt a. M. am 26. Ok-

tober 1861 einer größeren Versammlung vorfüh- ren, bei der es chm gelang, Töne und gesprochene Wörter zu übermitteln, wenn auch mangechaft. lei­der wurde Reis bald krank und konnte seine Erfin­dung, obwohl er noch mehrere Fernsprecher gebaut hat, nicht bis zur vollkommenen Brauchbarkeit ent­wickeln. Er starb schon mit 40 Jahren am 14. Ja­nuar 1874 in banger Sorge um das Schicksal seiner Lieben, denn er hatte sein Vermögen für seine Ver­suche geopfert. Kurz vor seinem Tode sagte er: Ich habe der Welt eine große Erfindung geschenkt, anderen muß ich überlassen, sie weiterzuführen."

Philipp Reis ging bei seinen Versuchen von den Vorgängen im menschlichen Ohre aus Er wußte, wie das Trommelfell unseres Ohres durch die es treffenden Schallwellen zum Mitschwingen gebracht wird und hatte auch eine Vorstellung davon, wie sich die Schwingungen des Trommelfells durch das Arbeiten der Gehörknöchelchen auf die Gehörnerven übertragen und so im Gehirn als Töne empfunden werden. Er schnitzte sich deshalb ein Ohr aus Holz und bildete sowohl das Trommelfell in Gestalt einer ausgespannten Haut, wie auch die Gehörknöchel­chen durch kleine Metallfedern nach, die lose auf­einander ruhten, lieber diese Federn leitete er einen elektrischen Strom aus einer galvanischen Batterie und machte diesen Strom in einer Vorrichtung hör­bar, die im Jahre 1837 von P ag e erfunden mor­gen war: Es war eine Stricknadel, um die eine Drahtspule gelegt war. Wenn man durch diese Spule einen zerhackten Gleichstrom oder einen Wechselstrom schickt, so gibt die Stricknadel dem Zeitmaß der Stromunterbrechungen oder -schwan- kungen entsprechende Töne wieder, aber nur schwach. Um die Töne etwas zu verstärken, setzte Reis die Spule mit der Stricknadel auf einen Schallkasten von der Form einer Zigarrenkiste für 25 Zigarren.

tigkeiten der Staaten beizulegen, liegt zutage der Kampf in der Mandschurei, der Krieg in Süd-

Bilanz der Welipoliiik.

Don £)r. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerun

Kürzlich ist das bekannte politische Jahrbuch der Neuen helvetistijchen Gesellschaft" für die Schweiz

Portugal dazu einlädt, weil lhre Interessen bort| auch berührt werden, ändert das nichts daran, daß es eine Konferenz außereuropäischer

Mächte sein wird.

An ihr wird Rußland gleichberechtigt teil- nehmen, das in diesem Sinne eine außereuropäische Macht ist und in Washington 1921/22 nicht an­wesend war. Man spielt in Rußland sogar schon mit dem Gedanken, daß im Fall eines Ungriffs einer imperialistischen Macht auf die Sowjetunion diese nicht auf die Möglichkeit eines Bündnisses mit einer anderen Macht verzichten werde, d. h. also, daß man in Rußland sogar an die Möglichkeit eines Bündnisses zwischen der Sowjetunion und den Ver­einigten Staaten im Fall eines japanischen Angriffs dächte. Das sind nur Seifenblasen, aber sie zeigen, wie die Situation sich verändert hat, die mit dem japanischen Vorstoß auf Mukden im Spätherbst 1931 heraufbeschworen wurde. Es ist wahrscheinlich, daß sie sich ohne kriegerischen Zusammenstoß dort löst. Aber der Völkerbund wird daran kein oder nur ein sehr geringes Verdienst haben. Japan ist aus ihm ausgetreten, Amerika und Rußland waren nie dabei; Amerika wird ihm nun erst recht nicht beitreten, mag zur Zeit auch Moskau aus seiner bedrängten Lage heraus etwas mit ihm liebäugeln.

So wird zunächst für 1934 Europa s i ch selb st überlassen sein W>rd es den Weg fin­den zu einer vernünftigen Revision von Zustän­den, die dieFriedens"verträge eben nicht als fried­lich geschaffen haben und die darum zwangsläufig immer grösste Konflikts- ja Kriegsgefahren in sich schließen? Wird es möglich fein, wenn die Un­ruhe von heute sich etwas beruhigt hat, wenn man überall die wahre Bedeutung der deut­schen nationalen Umwälzung und ihrer Friedenspolitik erkannt hat, dazu zu kommen, Artikel aus den Friedensverträgen zu streichen, die gar nicht aus dem Willen zum Frie­den geboren sind und darum den Krieg in sich tragen müssen? Oder wird die plan- und befin- nugslose Weise, die in den letzten Jahren die Ab­rüstungsgespräche nur als Wortgefechte behandelte und die'militärische Rüstung immer höher trieb, weiter die Signatur der europäischen Politik blei­ben und dann in sich eine Spannung erhalten und steigern, die schließlich einmal zur Explosion führen muß? Das ist der Ausblick für 1 9 3 4. Das

Das ist nur ein schlagendes Beispiel für eine Lage, die verschiedenartig mehr oder minder stark von Finnland und Estland im Norden bis nach Spanien im Süden, von England bis nach Griechenland und der Türkei in Europa festzustellen ist. Ja, das hat das Jahr 1933 gebracht: den Durchbruch neuer Gedanken und Forderungen über Staat und Wirtschaft, Rasse und Raum, Füh­rung und gegliederte Masse, all bies Neue, bas mit Wucht das Zeitalter des Liberalismus zum Teil abgelöst, zum Teil in hoffnungslose Defensive ge­drängt hat Es ist sehr lehrreich und interessant, daß alles einschließlich natürlich der Vorgänge in Nord­amerika zu verfolgen, vor allem vergleichend zu betrachten Für die große Politik aber wird dadurch die so oft beobachtete Folgerung verschärft:

Denn das ist das weitere Kennzeichen des Jah­res 1933, daß die einzelnen Völker und Staaten sich auf ihre eigenen Bedürfnisse b e - sonnen haben. Sie haben nicht einfach alle Ver­bindungen mit der Außenwelt zerrissen, wie es Rußland im November 1917 tat, aber die verbin­denden Fäden sind zunehmend schwächer geworden, AU Boden gefallen, an manchen Stellen allerdings auch zerrissen, wie mit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund. Die internationale Politik, die internationale Zusammenarbeit, wo sie auch ge­pflegt wurde, ist immer schwächer, lethargischer, stagnierender geworden Europa ist in dieser Be­ziehung in der Sackgasse!

Das Fiasko der Weltwirtschaftskon­ferenz als des Versuchs, die wirtschaftliche Not durch internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zu überwinden, liegt zutage Das Fiasko des Völkerbundes als des Versuchs, durch eine internationale Rechts- und Friedensordnung Strei-

Art auch sonst beweisen das zur Genüge. Das Fiasko der Abrüstungskonferenz gleichfalls zutage als eines Versuchs, durch inter­nationale Zusammenarbeit die Rüstungen zu bin den zu vermindern, dadurch die Friedensbereitschaft

zu einem Akt der Weihe.

Das Finale hat Beethoven als em Selbstbekennt­nis aufqefasst in der Gegenüberstellung der Er­wägungenMuß es sein?"Es muß sein! . die im Notenbild ihre symbolische Ausprägung erfuhren. Er läßt uns hier erfahren, wie er sich m das Un­vermeidliche zu schicken weiß; nicht Erbitterung er­weckt die zwingende Notwendigkeit m 'bm sondern aft möchte es dünken, daß er sein unabänderliches Geschickt mit Ergebenheit, ja, mit $)umor zu tragen weiß. Das war auch der Sinn der Ausdeutung, die das Wendling-Quartett diesem Satze gab.

Wenn man die große Zahl der Brahms - Feiern des vergangenen Jahres verfolgt hat und dabei, fei es im Konzertsaal fei es im Rundfunk, die leider in so geringer Zahl vorhandenen Streich­quartette von Joh. Brahms zu Horen bekam eins konnte man dabei zweifellos erkennen: so klar und mit solcher inneren Wärme erfaßt (jat manbas A-Moll-Quartett (op 51 Nr 2) nicht zu hören bekommen wie diesmal Die Ansatzpunkte der musikalischen Entwicklung treten bet Brahms nur dem sichtlich hervor, der ihn mit innerer Liebe zu erfassen und nachzugestalten versucht. Von solchem tiefgründigen Nachschürfen zeugte das Klangwerden der gestrigen Veranstaltung; das war Brahms m seiner nordischen Herbheit, aber auch in der Tief­gründigkeit seines Fühlens.

B Das 6-Dur-Quartett (op. 76, Nr. 1) von Haydn entstammt der letzten Schaffensperiode des Meisters. In der Feinheit der thematischen Durchdringung offenbart es im ersten Satz eine dem Ohr leicht eingängige Durchsichtigkeit. Das Adagio sostenuto nahm durch feine klangliche Schönheit und innere Tiefe den ^orer gefangen; die solistifch geführte erste Violine sei h er ebenso besonders hervorgehoben wie auch die fein diffe- renzirrte dynmnitche Ablchatt,erung des Satzes. Prickelnd, sprühend das Presto, reizvoll in feinem

Die Technische Nothilfe hat sich in den Dienst des Luftschutzgedankens gestellt und zum Zwecke der Werbung und zur anschaulichen Demonstration an der Ecke Sonnenstraße-Kreuzplatz die Attrappe einer 1000 = kg = <5prengbombe, einer Flie­gerbombe, aufgestellt. Die Bombe trägt die Auf­schriftLuftschutz tut not!"Bist Du schon Mitglied des Reichsluftschutzbundes?" (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)

Oer Erfinder des Kernsprechers

3um 100. Geburtstage von Philipp Reis.

Gießener Konzrriverein.

IV. Konzert: Das Wendling-Quartett.

Wiederum wurde das Wendling-Quartett stürmisch gefeiert; die Hervorrufe wollten kaum ein Ende nehmen. Und das mit Recht. Wie es schon so oft hier ausgesprochen werden konnte, bestätigte es sich diesmal aufs Neue: in jeder Hinsicht wird man das Wendling-Quartett in die vorderste Reihe der prominenten Quartettvereinigungen eingliedern müssen. Ein geschlossenerer Klangkörper, als chn jetzt dieses Quartett darstellt, wird auch bei den an­deren namhaften Fachvertretern schwerlich aufzu­finden sein. Gleichwertigkeit des Klanges in Wärme, Schönheit und dynamischer Modulationsfähigkeit ist hier jedem einzelnen Jnstrumentalvertreter eigen. Keine Stimme versucht, irgendwie den Rahmen des Quartetts zu sprengen, in den Vordergrund zu treten auf Kosten der anderen Mitwirkenden; hier ist jeder ein vollendeter Künsller seines Gebiets und meistert seinen Part mit ausgeprägter musika­lischer Individualität.

Dieses Strömen des musikalischen Vorganges ist in solcher Unmittelbarfeit und ursprünglicher Nm turhaftigkeit nur dadurch möglich, daß sich hier vier Musikernaturen zusammengefunden haben, die im Drange des Musikerlebens und Musikgestaltens sich innerlich so nahe gekommen sind, daß es scheint, als vermöchte der eine dem anderen in das Innere zu schauen, ihn in seiner letzten Absicht zu erkennen und so in inniger Verbundenheit des musikalischen Erleben den lebenswarmen Pulsschlag des Werkes wachwerden zu lassen. Sie erscheint etwas bloß gekonnt oder gar gewollt, immer wieder bestätigt sich der Eindruck: so und nicht anders muß es fein. Irgendwelche Auseinandersetzung über die Auf­fassung dieser oder jener Stelle, zu der man bei anderen Vereinigungen Veranlassung haben konnte, ja durch die Ueberspitzung des Ausdruckes dazu oft herausgefordert wird, erübrigt sich beim Wend­ling-Quartett angesichts der organischen Gefugtheit beim Erwecken des musikalischen Gesamtvorganges. Das zeigte sich bei B e e t h o v e ns letztem Quar­tett (op. 135) ebenso wie bei Brahms und

Dieser Mann, Philipp Reis, war am 7. Ja­nuar 1834 geboren; er war schon früh Waise. Sein Vater, ein Bäckermeister, starb schon als Philipp 16 Monate, seine Mutter als er 10 Jahre alt war. Bereits auf der Bürgerschule in Gelnhausen, die er vom 6. Jahre an besuchte, zeigte er besondere Be­gabung für Sprachen und Naturwissenschaften. Sem Vormund schickte ihn deshalb im Alter von elf Jah­ren auf die Garnierfche Schule in Friedrichsdorf bei Homburg v. d. H., wo er drei Jahre blieb, um dann zwei Jahre das Haffelfche Institut m

zum Jahre 1934 erschienen. Das ist ungemein lehr­

reich dafür, wie die neuen Gedanken un» o o a_o

ferer Tage, das neue Zeitalter der Staats- j Jahr 1934 vom Wiederzufammentritt der Konfe- unb Wirtfchaftsauffafsung, in dem wir leben und - *

kämpfen, auch in solchen Staaten wühlt, die eigent­lich bis vor kurzem mehr wie glückliche Jnjeln, be­haglich und gesättigt und fern von den Kämpfen unruhiger Nachbarn leben konnten. Das Bild im ganzen ist düster, mehr noch als das: was über Wirtschaft, Finanzen, Stadt und Land, Demokratie, Völkerbund ufrxj. berichtet wird, ist defensiv, zwei­felnd, müde. Dafür haben wir hier die Erörterung des sog. Problems derFronten", also der Be­wegung, die aus dem Volk, namentlich der Jugend heraus gegen die alten Parteien angeht, dort die positive Forderung, die Mängel des heutigen Systems durch einkorporatives Wirtschaftssystem" zu beseitigen. Der Gedanke der Korporation erklingt und mit der Forderung etwa einertotalitären Solidarität" einesoolkssolidaren Geistes" klingen

dürfen .

Ich kläre Käte auf, daß ich ihr gewiß eine Karusselfahrt gönnte, es mir aber durchaus an Zeit gebräche, und sie deshalb Verzicht leisten müsse.

Indes, das Mädel denkt nicht daran, sich meiner besseren Einsicht zu Öffnen und versucht, es nun­mehr, nachdem das Bitten nicht verfing, mit ihrem Heulgesicht. Die Sache endet, wie sie anders kaum enden konnte: ich gebe nach, wir lenken den Schritt nach dem Karussell Käte reißt sich von meiner Hand los, wartet irgendwelche Zeremonien nicht ab, son­dern setzt sich sogleich auf einen in Pferdegestalt ge­brachten Holzklotz. Ich frage nach dem Preis.

Fünf Pfennig."

Ein erschwinglicher, ein bescheidener Preis. Ich entrichte ihn. Aber wenn ich mir vorgestellt hatte, daß nun die Fahrt rasch vonstatten gehe, so habe ich mich geirrt. Der Besitzer trift keinerlei Anstalten, das Karussell in Bewegung zu setzen.

Ich mache ihn darauf aufmerksam, daß ich es eilig habe und frage bescheiden für wann ich wohl mit einer Inbetriebnahme feiner Maschine rechnen dürfe. Er murrt, daß das Karussell erst von minde­stens fünf Personen in Anspruch genommen sein müsse, ehe die Fahrt für ihn sinnvoll sei.

Ich empöre mich und rechne ihm vor, daß ich mich dann unter Umständen noch eine halbe Stunde gedulden müsse. Ob er ernstlich glaube, daß ich nichts anderes zu tun habe, als hier zu warten.

Der Karussellbeherrscher stellt die, wenn auch nicht sehr kundenfreundlich, so doch berechtigte Gegen­frage, ob ich ihm zumuten wolle, für kärgliche fünf Pfennig fünf Minuten lang das schwere Karussell zu schieben.

Mir liege fern, ihm Unbilliges zuzumuten, er­widere ich, während mein Kind strahlenden Antlitzes ihr Pferdchen auf- und niederwippt, aber anderer-

seits müsse er sich schließlich selbst sagen, daß ich mich nicht darauf einlassen könne, zu lauern, bis weitere Kundschaft käme.

Den Besitzer kümmert mein Einwand nicht. Er verbeißt sich darein, mir auseinanderzusetzen, daß andere als Sammelfahrten für ihn nicht in Betracht kämen. Wohin sollte er sonst kommen!

Es dämmert mir, daß hier das Motiv für einen interessanten Rechtsstreit gegeben ist, der kaum schon einen Präzedenzfall hat und einmal bis zum Reichs­gericht durchgeführt werden müßte. Gegenwärtig interessiert mich allerdings weniger die juristische Theorie als die konkrete Praxis dieser Angelegen- heit. Es eilt mir. Ich muß fort. Es ist ganz un- möglich, daß ich jetzt hier meine Zeit verplempere. Ich bin entschlossen, mein Geld schwimmen zu lassen, winke meiner Tochter und fordere sie auf, das un­gastliche Pferd zu verlassen. Woraufhin sie in ein herzzerreißendes Weinen ausbricht und Hände und Füße um den Holzklotz krampft.

Die Zeit geht hin. Betätiqungslos steht der Karuffellbefitzer. Verbiestert schielt meine Fünf­jährige. Zu Hause werde ich erwartet. Ratlos blicke ich in der Gegend umher.

Eine Schar kleiner Mädchen kommt über die Wiese. Ich zwinge meiner NNene Freundlichkeit auf und frage die Kleinen, ob sie nicht einmal unentgelt­lich Karussell fahren möchten. Sie stecken die Köpfe zusammen, tuscheln miteinander und schleichen sich dann mißtrauisch fort. Gewiß sind sie von ihren Eltern gewarnt worden, auf Erwachsene herein- zufallen, die ihnen Geschenke und Vergünstigungen anbieten, aber schlimme Absichten damit verfolgen.

Da kocht in mir Zorn hoch. Und dieser Zorn läßt es nicht zu, daß ich dem Karusiellbesitzer etwa einen Zuschlagsbetraa anbiete, vielmehr schlage ich ihm vor, mich die Arbeit des Karussell-Schiebens leisten zu lassen Er ist einverstanden. Ich mache mich an die Arbeit Quiekend bebt das Karussell in seinem Gestell Pferde, Wagen, Ochsen, Schiffe kommen in Bewegung. Selbstverständlich geschieht auch das ganz und gar Unwahrscheinliche: Einer meiner Be­kannten, demgegenüber ich Grund habe, auf eine gewisse Repräsentation zu halten, kreuzt die Wiese, sieht mich schwitzend durch den inneren Kreis stamp­fen, grüßt reserviert und denkt sich sein Teil.

Aber was ist alle Peinlichkeit, allq ungewohnte Mühe und aller Aerger über die versäumte Seit gegen die Riesenfreude meines Mädchens, das, mit das Tempo vorschreibend, glückstrahlend auf dem Pferde thront und dessen innere Achtung vor mir, einem Manne, der überraschenderweise sogar ein richtiges, großes Karussell meistern kann, unvor­stellbar gestiegen ist.

- rjpgf würdigen Mann aus Gelnhausen, der den sonder- * baren Gedanken hatte, über Drähte zu sprechen, t.:nJ unb der diesen Gedanken, wenn auch nach unseren heutigen Begriffen in sehr unvollkommener Weise, in die Tat umgesetzt hat.

Trio. Wie es aber auch bei Haydn aus dämoni- cher Hintergründigkeit aufzuckt, das zeigte das Finale. Es wird allen ein unvergeßlicher Augen­blick sein, wie sich dieser Satz mit seinem anfäng­lichen Drängen in O-Moll nach der Fermate zu lichtem, lebensbejahendem Dur erhellte. Dr. H.

.. . durch die französische Kraft errungen

selbst hier Ideen an, die man bisher als rückstän- worden ist? In dieser Frage liegt die Frage an die big ober gefährlich abwies und bie in Italien Entwicklung ber europäischen Politik für 1934. Sie und Deutschland solche Macht gewonnen haben. | ift ganz bestimmt nicht ohne Gefahren. Schwerlich gibt es in einem Lande Europas größere einfluß­reiche Greife, die bewusst einen Krieg wollen. Aber in der Politik liegen die Dinge nicht so einfach. Sie gewinnen oft ein eigenes Schwergewicht, wer­den stärker als die leitenden Staatsmänner.

Währenddem geht draußen sehr Großes vor. Es kann uns ziemlich gleichgültig sein, was sich in Afrika und in Südamerika abfnielt. Nicht gleich­gültig sind die Vorgänge im Fernen Osten, die durch die Anerkennung Russlands von feiten ber Vereinigten Staaten einen ganz neuen Aspekt erhalten haben. Hier zeichnet das Jahr 1934 am Horizonte ab die Umrisse einer neuen fernöst­lichen unb pazifischen We11konferenz, beren Entscheidungen an bie Stelle ber Beschlüsse ber Washington-Konferenz von 1921 bis 1922 treten würden. Es wird eine Verständigung angestrebt ....... ..

werden über Mandschurei und China, über Flotten- deutsche Volk aber hat die Gedanken unb die Li- rüftuna und Völkerrecht, in einem weltweiten Rah- nien und den Willen in sich aufgenommen, bem men an besten Rändern höchstens einige europäische Frieden und der Verständigung in diesem gequälten Großmächte beteiligt sind. England in erster Linie, und zerwühlten Kontinent zu menen.

Frankreich aber auch wenn man Holland und'