Ausgabe 
8.1.1934
 
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Das System auf -er Anklagebank.

Nie Htntergrün-e -es Bayonner Leihhausfkan-als.

ders an würden sich die gekennzeichneten Gren« zen am schärfsten bemerkbar machen. Hier liege die wesentliche Schwierigkeit für die im neuen Jahr zu treffende Entscheidung. Man müsse sich übeff eines klar sein, daß nicht alle Hemmnisse mit einem Schlage beseitigt werden könnten.

Unter -em Schutz -es Systems

verlangen, als sich bluffen zu lassen. Denn wir wol-

lassen, haben ihn, ohne daß dieser viel zu tun

brauchte, geradezu in

Mil­

sette aus Luft- und Tüllspitze. Etwa 100 Spitzenher- steller wurden mit Aufträgen bedacht. Automaten­maschinen dürfen bei der Herstellung nicht verwen­det werden.

erste Milllonen-Krach. Er hatte Bankiers und Wechselagenten um die runde Summe von 20 Millionen Franken betrogen. Diese Affäre, die da­mals viel Staub aufwirbelte, die die ganzen ersten Seiten der Boulevardblätter beherrschte, die dem schönen Alexander" den Beinamen desKönigs der Gauner" einbrachte, die während der näch­sten Jahre immer wieder vor Gericht kommen sollte, aber von Termin zu Termin vertagt wurde, und die nun am kommenden 26. Januar zur Ver­handlung kommen soll, dieser Millionenbetrug sollte den verantwortlichen Persönlichkeiten nicht bekannt gewesen sein? Nicht weniger als zwölfmal wurde

HvudertZahre deutsche Mrlschastsemheit.

DerHeichsfinanzmmisteraufder Hundertjahrfeier der Gründung des Zollvereins

Vom Winterhilfwerk find für Februar fünf _____

Honen Anfteckabzeichen auf Plauener Spitzen im Gesamtwerte von 300 000 Mk. bestellt worden. Durch diesen Auftrag bekommt die dar-- niederliegende Plauener Spitzenindustrie einen be­achtenswerten Auftrieb. Das Abzeichen ist eine Ro­

sa naiv, zu glauben, daß all die Parlamentarier, Mi­nister und Finanziers, die mit ihm zu Mittag spei­sten ihre Empfehlung mitgaben, sich mit i^m vor ausländischen Regierungen zeinten, keine Ahnung von der Vergangenheit dieses Schwindlers, gehabt hätten?

Als im Jahre 1930 in dem Städtchen Bayonne ein Leihhaus gegründet wurde, entsprach dies einem nicht gerade dringenden Bedürfnis. Zwei Freunde Straoifkys, Tissier und Cohen, wur­den zu Direktoren bzw. Sachverständigen dieses In­stituts ernannt, das von städtischer wie von staat­licher Seite kontrolliert werden sollte. Der Bürger­meister von Bayonne und radikale Abgeordnete G a r a t übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat. Er traf sich oft mit Stravisky im Pariser Claridge- Hotel, kannte ihn also zur Genüge. Es war ihm

Millionen fragen sich heute, wie es möglich war: ... Daß Stravisky nach seiner Haftentlassung neue Gesellschaften gründen konnte? ... Daß er mit diesen Gesellschaften, in deren leitende Stellen er sehr klugerweise sehr hochgestellte Persönlichkeiten, mit Vorliebe Ritter der Ehrenlegion, berief weiterhin funkle" Ge­schäfte machen konnte? ... Daß er in den höchsten Kreisen Einlaß fand, daß er in Stresa während der Wirtschaftskonferenz mit Mini­stern verschiedener Staaten zusammen speiste, daß er, mit Empfehlungsschreiben des fran­zösischen Außenministeriums bewaffnet und von einem französischen radikal-sozialistischen Abgeordneten flankiert, vor einem Jahre in Buda­pest von Ministern und anderen hohen Persönlich­keiten empfangen wurde? ... Daß er, trotzdem er

system zu schaffen. So hätten Bayern, Württemberg und 1818 auch Preußen ihre sämtlichen Bin­nenzölle aufgehoben. Der Minister wür­digte bann die Verdienste des preußischen Finanz­ministers Motz. Die glückliche Ausgestaltung des preußischen Zollsystems ließ immer mehr Klein­staaten sich dem preußischen Zollsystem anschließen. Im Jahre 1828 begannen unter tätiger Vermitt­lung des Buchhändlers Freiherrn v. Cotta Verhandlungen mit Süddeutschland, die den Keim zu der späteren Zolleinigung legten. Die Brücke über den Main war damit geschlagen. Der Minister schilderte bann bie weitere Entwicklung, die der Bildung des Deutschen Zollvereins voran- ging. Motz selbst erlebte die Erfüllung seiner Pläne nicht mehr, da er schon 1830 starb. Am 1. Januar 1834 trat der Deutsche Zollverein in Kraft. Die inneren deutschen Schlagbäume fielen, und ein neues Glied war in die lange Kette der Zeiten eingefügt, die den Markgrafenstaat der Hohenzollern bis zur Kaiserkrone hinaufführten.

Uns, schloß der Minister, die wir im vergange­nen Jahr den Aufbruch des Volks mit heißer Freude erlebt haben, ist die Gründung des Zollvereins, dieser Durchbruch aus der Enge in die Weite kein totes geschichtliches Ereignis. Er ist vielmehr symbolisch für das Geschehnis unserer Tage und ein Ansporn, in unserem Leben und in unserer Tagesarbeit rechte Mitarbeiter im Dritten Reich zu werden, das Adolf Hitler uns geschenkt hat. Mit einemSieg-Heil!" auf den Reichspräsidenten und den Reichskanzler schloß Graf Schwerin von Krosigk seine Festrede.

Das Dinterhilfsabzelchen für Februar auf Plauener Spitzen.

len den politischen Persönlichkeiten, die meill auf oud) bekannt, daß Stravisky wertvolle Edelsteine von der Linken stehen und der Radikal-Sozialistiscben bem Bayonner Institut beleihen ließ. Die Betrüge- Partei angehören, auf Grund der schweren !reien wurden auf höchst einfache Weise vorgenom- klagen, die gegen sie von ihren politischen Gegnern wen: Tissier standen Blancobons zur Verfü- erhoben werden, nicht nachsagen, daß' sie sich mit ftung. Sie lauteten auf 500 oder 1000 Franken. Die Stravisky bereichert hätten: das scheint nicht der Scheine selbst wurden von Tissier auf 500000 Fall zu sein, ab->r sie haben sichbluffenlassen Franken oder 1 Million Franken u m - w i e k l e i n e K i n d e r. Sie haben sich in geradezu geschrieben und mit diesen Beträgen diskontiert, unverständlicher Weise mit einem Verbrecher einge- $n den Büchern erschienen natürlich nur die rich - ....... hne daß dieser viel zu tuntigen kleinen Beträge. Den UeberschUß er- den Himm"l oehoben. Wer ist hielt Stravisky. Wenn dieser selbst Edelsteine ..... ~ ' zur Beleihung brachte, so wurden ebenfalls die

Von unserem A.E.-Korrespondenien.

Paris, 6. Jan.

DieRepublik der Kameraden", diesesSystem" des sich gegenseitig in die Hände-Arbeitens, das der Parlamentarismus in Frankreich unter vor- herrschendem Einfluß der Radikalsozialisten aus den Idealen der dritten Republik gemacht hat, wird heute durch den S t r a v i s k y - S k a n d a l der größ­ten Belastungsprobe seit der Panama-Affäre aus- gesetzt. Nicht als ob wir den Hanau-, den Oustric- Skandal, die Affären der Aero-Postale und der Transatlantique , dieser größten französischen Schiff- fahrtsgesellschast, vergessen würden! Diese Affären haben sicherlich zur Untergrabung desSystems" manches beigetragen. Aber der Stoß, den der Skan­dal des Crsdit Municipal von Bayonne, eines pri­vaten, aber unter städtischer und staal- licher Oberaufsicht stehenden Leihhau­ses, dem herrschendenSystem" gegeben hat, ist so stark, daß seine Gegner, bie täglich zahlreicher wer­den, mit einem fast bestialischen Zynismus in dieser Wunde herumwühlen, als ob es sich nur noch darum handle, einen kranken Körper langsam, aber umso sicherer, verenden zu lassen. Es spricht für die Langmut und den konservativen Gei st des französischen Bürgers, der in derdritten Re­publik", auch in deren heutiger Form, immer noch das A und O des Menschentums schlechthin erblickt, daß diesesfaule System", wie sich heute Blätter der äußersten Rechten und Linken ausdrücken, noch nicht so faul ist, daß man für die nächste Zukunft seinen Sturz Voraussagen kann. Das spricht aber auch für den materiellen Reichtum, dessen sich die französische Volksgemeinschaft erfreute, daß haute, fast zwanzig Jahre nach Kriegsbeginn, man immer noch nicht von einerVerarmung" des französischen Volks sprechen kann, obwohl es Milliarden und aber Milliarden verloren hat.

Stravisky, der allen Polizeistationen Europas, die in ihren Akten sein Lichtbild besaßen als noto­rischer Betrüger und Schwindler seit Jahren bekannt war, erkannte als Heller Kopf sehr schnell, daß dasSystem" die schönsten Ge­legenheiten für die verwegenstenKombinationen" bot. Aber er wäre wohl niemals bekannt geworden, wenn er sich, wie Hunderte und tausende seiner Kollegen, mit verhältnißmäßig kleinenKombina­tionen" zufrieden gegeben hätte. Nein, er ging von der Erwägung aus, je stärker man zuschlägt, je selbstbewußter man au stritt, je größer und mächtiger man erscheint, umso gefügiaer und williger das System" ist, dessen kleineGroßen", aus denen es sich in der Mehrzahl zusammensetzt, nichts anderes

Oie Bayonner Gchwin-elaffäre

Die Empfehlungen -es Herrn Ministers.

die gerichtliche Verhandlung vertagt. Ja, Stravisky wurde, nachdem er 1927 und 1928 etwa zwöl Monate in Haft war, wegen seinesschlechten" Gesundheitsstandes auf freien Fuß gesetzt. Wer hat gegen Wetter und Wind, gegen die besten Advokaten von Paris, diese zwölf Vertagungen des Prozesses, die Freilassung des notorisch bekannten Schwindlers erwirkt? Wäre dies einemge­wöhnlichen Sterblichen" gelungen, der statt 20 Millionen nur 2000 Franken erschwindelt hat? Hätte eingewöhnlicher Sterblicher" sich auch weiterhin mit sehr offiziellen Geschäften abgeben können?

kerbnn-sgehätter.

Ein ganz bestimmter Personenkreis würde Trauer- - flor anlegen, wenn eines Tages der Völkerbund für . immer keine Pforten schließen müßte. Das find die Angestellten und Beauftragten dieser Institution vom > Direktor hinab bis zum letzten Boten. Gerade die . leitenden Angestellten mit ihren engeren Mitarbei- > lern hatten es verstanden, sich Verträge zuzuschanzen, i die ihnen Einnahmen brachten, wie sie Inhaber weit« bekannter Firmen nicht zu verzeichnen haben. Eine I neue Höchstleistung auf diesem Gebiet hat jetzt der Lei- : ter des zugunsten der deutschen Emigranten vom Völkerbund ins Leben gerufenen Hilfswerks zustande i gebracht. Dieser Herr, namens Macdonald, den i man sich aus den Vereinigten Staaten von Nord­amerika verschrieb, ist bis heute durch irgendwelche Taten nicht aufgefallen, was bei den Emigranten besonderes Mißfallen ausgelöst hat. Dafür hat Mr. Macdonald zuerst einmal sein Hilfswerk auf eine vernünftige finanzielle Plattform gestellt, wobei der Begriffvernünftig" sich mit dem deckt, was man in den Kreisen der Völkerbundsbureaukratie unter ausreichender" Bezahlung für die anstrengende Ar- beit versteht. Macdonald hat also zunächst einmal 400 000 Franken gefordert. Sich selbst hat er ein Gehalt von 80 000 Franken zugebilligt, daneben aber den Ersatz aller Reiseunkosten, obwohl in den 80 000 Franken schon 20 000 Franken für derartige Zwecke enthalten sind. Sein Generalsekretär bezieht 30 000, sein erster Direktor 25 000, sein zweiter Direktor 15 000 und seine Privatsekretärin 15 000 Schweizer Franken. Das sind nette Summen, die auf diese Weise allein für Gehälter zusammenkommen. Was wird man erst verlangen, wenn das Komitee an­fängt, sich ernsthaft um die Emigranten zu be­mühen. Aber in Genf versteht man nur eins: statt­liche Summen einzukassieren, ansonsten gibt man ich weiter keine Mühe, die gestellten Aufgaben zu losen.

Das neue rumänische Kabinett

Titulescu bleibt Außenminister.

Bukarest, 7. Jan. (DNB.) Außenminister T i t u I e s c u hat sich nunmehr bereit erklärt, das Außenmini st enum im Kabinett Tata- re s c u beizubehalten. Titulescu soll als Bedin­gung für feinen Eintritt in das Kabinett Tatarescu den Rücktritt des Kriegsmini ft ers U i c a, sowie die Ersetzung des Pariser rumänt- chen Gesandten Cesianu gestellt haben. Titu­lescu soll weiter gefordert haben, daß verschiedene Veränderungen auf hohen Verwaltungsposten, vor allem im Gendarmerie-, Polizei- und Sicherheits­wesen, vorgenommen werden. An Stelle des Gene­rals Uica soll General Antonescu Kriegs­minister werden. Dieser war bisher Delegierter Rumäniens auf der Abrüstungskonferenz und gilt "ls Vertra-^r Titulescus. Änsch»in"nd steht die Forderung Titulescus nach einem Wechsel im Kriegs­ministerium mit seiner Politik in der Abrüstungs- frage in Verbindung. Der Pariser Gesandte Cesianu soll zum Hofmarschall bestellt werden.

Damit ist die rumänische Regierungskrise, die durch die Ermordung Ducas ausgelöst wurde, end­gültig beigelegt. Die Uebernahme des Außen­ministeriums durch Titulescu bedeutet, daß der bisherige außenpolitische Kurs Ru­mäniens weiterge steuert wird. Da Titu­lescu außerdem der Vertreter jener Richtung im Kabinett war, die von jeher ein scharfes Vorgehen gegen dieEiserne Garde" und andere rechts­radikale Strömungen gefordert hatte, und auch Ministerpräsident Tatarescu selbst mehrmals zum Ausdruck gebracht hat, daß er mit allen Mitteln gegen den Radikalismus vorgehen werde, ist nun­mehr auch der innenpolitische Kurs der Regierung eindeutig festgelegt.

Hungerstreik im österreichischen ~ Konzentrationslager.

Wien, 7. Jan. (DNB.) Sämtliche Insassen des Konzentrationslagers Wollersdorf sind in den Hunaerstreik getreten. Diese Tatsache wurde dadurch bekannt, daß von dem Krankenhaus in Wie­ner-Neustadt an die Wiener Psychiatrische Klinik das Ersuchen gerichtet wurde, 90 Plätze frei- zumachen. Es wurden jedoch nur sechs Personen m die Klinik eingeliefert, und zwar drei National­sozialisten und drei Kommunisten. Nur diese Klinik hat Praxis in der Zwangsernährung. Es verlautet, daß die in die Klinik eingelieferten Insassen des Konzentrationslagers unter dem Zureden der Aerzte den Hungerstteik auf gegeben hatten. Sie werden von vier Polizeibeamten bewacht, die.

Instituten anlegen würden. An die Versicherungs­gesellschaften ist ein ähnliches Schreiben gegangen. Stravisky und seine Strohmänner schlugen aus die­sen Briefen ein Kapital, das mit einer halben Mil­liarde Franken nicht zu hoch gegriffen scheint. Dalimier, der in der gegenwärtigen Regierung Chau- temps die Kolonien verwaltet, befindet sich also in einer denkbar peinlichen Lage, seineRichtigstel- lung", die er dieser Tage veröffentlichte, klang wenig überzeugend. Gewiß darf man mit Bestimmtheit annehmen, daß Dalimier beim Schreiben dieser Briefe die Zusammenhänge nicht klar erkannte, daß er sich vielmehr durch die hohen Protektionen, die Stravisky umgaben, bluffen ließ. Aber das kann einen verantwortlichen Staatsmann nicht frei­sprechen, kaum entschuldigen.

Die freunde.

Ganz Paris spricht heute von den mächtigen Freunde n", die Stravisky hatte. Der Abge­ordnete G a r a t wehrt sich zwar wie der Teufel, daß er von den Betrügereien seines Direktors etwas gewußt habe, aber er selbst hat aus welchen Gründen? Forderungen anderer Aufsichtsrats­mitglieder, gewissen Gerüchten nachzugehen und die Buchhaltung des Instituts zu prüfen, mehrmals abschlägig beantwortet. Der Pariser radikal-sozia­listische Abgeordnete Bonnaure besuchte sehr häufig Stravisky im Claridge-Hotel. Ein früherer französischer Botschafter, dessen Name heute in aller Munde ist, war Vorsitzender einer Gesell­schaft Straviskys. Andere klingende Namen werden genannt. Wer weiß heute schon, wo Wahrheit auf« nört und Dichtung anfängt? Stravisky selbst ist und bleibt verschwunden! Es ist Tatsache, daß er einige Stunden vor Ausbruch des Skandals gewarnt wurde. Die mächtigen Protektoren hat­ten keine Veranlassung, Sttavisky der Polizei und damit der Oeffentlichkeit euszuliefern. Bei einem Prozeß konnte er zuviel ausplaudern. Also ließ man" ihn laufen.Man" ist letzten Endes dasS y st e m", das der eigentliche Angeklagte in diesem Riesenbetrugsskandal ist.

Die Eintrittsbedingungen in -en Freiwilligen Arbeitsdienst

Berlin, 6. Jan. (DNB.) Der Reichsbeaufttagte für den nationalsozialistischen freiwilligen Arbeits­dienst, Oberst a. D. H i e r l, hat jetzt die Bedingun­gen für die Ausnahme in den Freiwilligen Ar­beitsdienst bekanntgegeben. Danach werden nur Bewerber eingestellt, die das 17. Lebensjahr bereits vollendet und das 25. Lebensjahr noch nicht über­schritten haben. Die Bewerbungen können persön­lich bei den Meldeämtern für den Freiwilligen Arbeitsdienst abgegeben werden. Dabei hat sich der Bewerber einwandfrei über feine Person auszuweisen. Ju­gendliche, die entsprechende Papiere nicht beizu­bringen vermögen, müssen durch Familienangehörige oder amtsbekannte Personen ausgewiesen werden.

Die Einstellungen zum Freiwilligen Arbeitsdienst erfolgen bis zum 15. eines jeden Monats zum nächstfälligen Monatsersten. Bei Annahme verpflichtet sich der Bewerber durch seine Unterschrift zu einer ununterbrochenen Dienstzeit von sechs Monaten. Bei der Einstellung hat er ein feierliches Gelöbnis abzu­legen, daß er feine ganze Kraft einsetzt, um am Aufbau des nationalsozialistischen Staates mitzu- arbeiten, den Anweisungen seiner Führer zu ge­horchen und die ihm übertragenen Aufgaben ge­wissenhaft und nach besten Kräften auszuführen. Des ferneren verpflichtet er sich, durch gesittetes Betragen und tadellose Führung in und außer Dienst, sich der Ehre würdig zu erweisen, dem Ar­beitsdienst anzugehören und die Tracht des Arbeits­dienstes als Ehrenkleid zu tragen, sowie allen An­gehörigen des deutschen Arbeitsdienstes, die mit ihm im gleichen Ehrendienst für Volk und Vaterland arbeiten, ein treuer Kamerad zu fein.

Berlin, 6. Jan. (DNB.) Zur Feier des denk­würdigen Tages, an dem vor hundert Jahren der Deutsche Zollverein geschaffen und damit als Vor­läufer der politischen Einigung ein einheit­liches Zollband um die deutschen Län­der gelegt wurde, sand am Samstagabend eine Festveranstaltung bei Kroll statt.

Ministerialdirektor E r n st erinnerte in seiner Be­grüßungsansprache an die 50-Jahrseier des Zoll­vereins. Damals habe sich die Feier aus ein Staatsdiner beschränkt. Die Oeffentlichkeit fei durch diese Erinnerung wenig oder gar nicht bewegt gewesen. Heute nach abermals 50 Jahren feierte aber an historischer Stätte.neben dem Staat mit außerordentlicher Anteilnahme auch das deutsche Volk, und zwar deshalb, weil es heute aus feinem gefährlichen Schlaf erwacht sei und in feinem wiedergefundenen nationalen Fühlen die volle Resonnanz für das große Geschehen der Ver­gangenheit besitze, die unser Führer uns weist.

Als zweiter Redner gedachte der Reichsfach- fchaftswart Oberzollinspektor M e h l i n g der auf­reibenden Tätigkeit der Zollbeamtenschaft. Der Bun- desgeschäftsführer der NSDAP. imSaargebiet Überbrachte sodann unter dem Jubel der Versamm­lung im Namen des Staatsrats Spaniol die herz­lichsten Treuegrüße der Saardeutschen.

Reichsfinanzminister

Graf Schwerin von Krofiak erinnerte an die bösen Jahre nach den Freiheits­kriegen, der Zelt tiefer Enttäuschung über das Schel- Lern des nationalen Einheitsgedankens. I n Preu­ßen hätten damals nicht weniger als einige 60 verschiedene Zoll- und Ak­zise-Tarife bestanden mit ebenso zahlreichen Zollschranken und Zollgrenzen innerhalb der preu­ßischen Gebiete. So wie in Preußen sei es in fast allen deutschen Staaten gewesen. Die Dringlichkeit einer Ordnung der Verhältnisse habe die Regle- rungen der größeren Bundesstaaten veranlaßt, we- nigstens für ihre Gebiete ein einheitliches Zoll-

mehrfach wegen Falfchfpieles aus franzö­sischen Kasinos ausgewiesen wurde, immer wieder dort Eingang fand? ... Daß die Anfragen des Kasinodirektors von Cannes, dem Stravisky, als er des Spielsaales verwiesen werden sollte, eine Karte der französischen Geheimpoli­zei vorzeigte, unbeantwortet blieben? ... Daß die Berichte gewisser Polizeikommissäre, in denen Stra­visky als der größten Betrügereien fähig, als ein Schwindler gana großen Formates geschil­dert wurde, ohne Folge, und die Forderungen der Polizei, Stravisky zu verhaften, unbeant­wortet blieben? ... Daß der Riesenbetrug des CrSdit Municipal von Bayonne viele Monate hin durch durch fortgesetzt werden konnte, obgleich bereits im letzten Jahre von verschiedenen Seiten ernste Warnungen kamen?

Die Steuerreform als Entlastung der Wirtschaft. Ausführungen des Neichsfinanzministers Grafen Schwerin von Krosigk.

Berlin, 6. Jan. (DNB.) Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk schreibt in einem Artikel über die Aufgaben der Finanzpolitik u a., daß sich die zusätzliche Arbeitsbeschaffung im neuen Jahr im wesentlichen auf die Fortfüh­rung des großen Werkes der Reichs- autobahnen werde beschränken können. Die Hauptaufgabe der Finanzpolitik werde darin be­stehen, das Ziel der Lösung der Wirtschaft aus der Krisenerstarrung weiter zu verfolgen. Der Weg zu diesem Ziel führe über eine allmähliche Ent- lastung des einzelnen Unternehmens. Zur bevorstehenden Steuerreform erklärt der Minister, die verantwortungsvolle Entscheidung, vor die das Reiechsfinanzministerium gestellt sei, sei die, wie weit mit der Entlastung gegangen werden könne, ohne die Grundlagen einer gesunden Finanzpolitik zu erschüttern. Seien daher der Steuerreform von vornherein gewisse Grenzen ge­zogen, so ließen sich doch auch in einem beschränk ten Rahmen bestimmte notwendige Ziele erreichen. Die Berücksichtigung bevölkerungspo­litischer Grundsätze, die im vergangenen Jahr in der Ehestandshilfe eine erste Rege­lung gefunden hätten, werde eine wichtige Rolle bei der Steuerreform spielen. Die technische Vereinfachung durch verständliche Fassung der Gesetze und durch Zusammenfassung der aus allen Reichs-, Landes- und Gemeindesteuern sich ergebenden Pflichten der Steuererklärung und -Zahlung werde eine zweite wesentliche Aufgabe fein. Bei der dritten Aufgabe, einen allmählichen Abbau, insbesondere der in den Krisenjahren neu geschaffenen zusätzlichen Belastungen, ein­treten zu lassen auf dieseSteuervereinfachung" komme es naturgemäß dem Steuerpflichtigen beson-

Scheine gefälscht, die er dann an dritter Stelle dis­kontierte. Da die Scheine erst in zwei Jahren fällig waren, konnten die Betrügereien in aller Ruhe bis in die jünofte Zeit fortgesetzt werden. Hauptankäufer dieser gefälschten Dons waren die französi- ' schen Versicherungsgesellschaften, die XItt ounner ulftcotnontt : für etwa 170 Millionen Franken Verluste erleiden

Straviskys Lebensroman die Geschichtet '^ . . ... . .. ,

pinrä Wieder fragt man sich, wie bie e Gesell cha ten

emes ^cywmvlers. Iso'che Millionenbeträge aufkaufen konnten. Die ein-

Sascha Alexander, alias Stravisky, im Jahre Wachste Ueberlegunq hätte ihnen sagen müssen, daß 1886 in Sobodka bei Kiew geboren, landete eines j ein einfaches Leihhaus in Bayonne doch n'cht Hun- Tages lange vor dem Krieg in Frankreich, via berte von Millionen umsetzen konnte. Aber sie waren Marseille. Er lebte schon vor dem Krieg von Mit- ' ja gewissermaßen von bemdamaligen'Ar- teln recht zweifelhafter Herkunft. Die Polizei mußte beitsminifter Dalimier aufgefordert sich öfters mit ihm beschäftigen. Er ließ fich worden, die Bons aufzukaustn. Dalimier hat an den naturalisieren und hatte 1914 schon genügend Angeklagten Tissier einen offiziellen Brief geschrie- Verbindungen, die es ihm ermöglichten, den Krieg ben, in dem er ihm erklärt, wie sehr er es begrüßen in Zivil mitzumachen. Nach einigen weiteren würde, wenn die Kassen der Sozialversicherungen Betrügereien kleineren Formats kam 1926 der' einen Teil ihrer Fonds in Kassenscheinen von Leih'