Kr. 2P6 Zweites Blatt
GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 7. Dezember 1934
Buntes Allerlei
Das Pferderennen in Nachthemden.
nächst unbeantwortet blieben. Wie konnte der Täter
der Täter und Ausdauer übertreffe, was von seinen Kame- gelangen, raden in Zweifel gezogen wurde. Da warf Hansum e und in • inrrrirr fetrton utrit/# nnh -
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Zeitschriften.
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Be- und jede
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Festvorstellung im Lichtspielhaus.
uinalroman lesen sich die Einzelheiten der Tat. '"er Mörder, der auf ungeklärte Weise bis in !>as Vorzimmer des Gewaltigen vor- i>e d r u n g e n war, wartete geduldig den Augen- ick ab, als Kirow die Vorarbeit an einem Referat, ns er am gleichen Tage in einer Parteioersamm- mg zu halten hatte, beendete und das Haus ver- .s:sfen wollte. Der Täter wußte von dieser Vor- !!?reitungsarbeit Kirows, denn er war vierzehn ixige zuvor, eigens zum Zweck der Ermordung ines Widersachers, in die Stadt gekommen und !itte Gelegenheit, sich in die Gepflogenheiten seines l^fers einweihen zu lassen. Da — als er hinter der lur das Geräusch eines weggerückten Stuhles oer- i "hm, sprang er hinter d i e Portiere, l Tür öffnete sich, der Mörder drückte ab.
tisr Getroffene sank zu Boden, von einem Schuß r den Nacken getroffen. Mit Blitzesschnelle hatte I fe alles abgespielt...
Wie aus einem schlechten Kriminalroman lesen fo diese Einzelheiten — oder wie aus dem Bericht eines jener Bolschewiken-Terroristen, die — w i e tot a l i n und Kirow selbst — in der Zaren- i ztt den aktiven Terror predigten und W s ü b t e n. Damals waren es Großfürsten, Gou- rrneure und andere „Zarenschergen", die unter dn Kugeln der „Volksrächer" ihr Leben aushauch- t i oder von ihren Bomben zerrissen wurden, — lute ist es Kirow, der aus einem fanatischen Re- ri utions-Terroristen selbst zum Inhaber eines der lichsten Posten geworden war, die der neue Staat z vergeben hatte; früher war es Kirow, der schoß - heute ist er das Opfer. Und wie früher, so t - Fen die Terroristenschüsse alarmierend, lösen SirDofität aus, lassen Rückschlüsse auf gewaltige irnere Spannungen zu, die zu Bestürzung und Be- frngnis Anlaß geben.
)0ie Sowjetbehörden haben von vornherein dar- «i verzichtet, dem Vorfall nur eine lokale Bedeu- zuzuschreiben. Dazu war die Persönlichkeit Kiiows nicht angetan, haß sie durch die Erklärung eii's nur persönlichen Racheaktes in ihrer Bedeu- tiry herabgesetzt worden wäre. Und auch die Sow- sjctiresse fand sofort das Stichwort, das nie bisher , Denagt hat, die Erklärung, die immer noch zutraf, jph'ie die größte Deutungsmöglichkeit besaß: „Der ; Mussen feind hat einen der größten Söhne
schnitt aus dem heldenhaften Kampf unter der Führung Lettow-Vorbecks um den Besitz unserer deutsch-ostafrikanischen Kolonie gegen eine unerhörte englische Uebermacht während des Weltkrieges. Er gibt ein Bild vom Leben und von der Kulturarbeit
Im Beiprogramm sahen wir zwei interessante Kulturfilme, „Allerhalterin Sonne" und „Thüringen, Land und Leute", ferner die neue Wochenschau und einen Vorspann zu dem Ufa-Film „Fürst Woronzoff". —r—
Das ist in großen Zügen die Fabel, die der Spielleiter Herbert Selpin in schönen klaren Bildern und lebendigen, spannenden und mitreißenden Szenen gestaltet hat. Ein winziger Ausschnitt nur aus einem jahrelangen, mit übermenschlichen Opfern, unendlicher Hingabe und heißer Liebe zum größeren Deutschland geführten Kampf; ein Schicksal, das sich hundertfältig so oder ähnlich damals auf verlorenem Posten in Ueberfee abgespielt hat; aber die Ereignisse rücken uns heute wieder nah, die Gestalten rühren uns lebendig und brüderlich an und lassen uns empfinden, was da draußen geleistet worden und oerlorengegangen ist, — daß wir stolz darauf fein dürfen, daß wir ein wohlerworbenes Recht darauf haben, und daß es bitter nottut, den deutschen Kolonialgedanken nicht untergehen zu lassen.
Die Handlung wird von ausgezeichneten Darstellern getragen, deren unmittelbare Wirkung darauf beruht, daß sie nicht „spielen", sondern einfach da sind, denken und handeln, wie alle damals draußen gedacht und gehandelt haben. Vor allem sind Sepp Rist (Hellhof) und Peter Voß (Creßwell) zu nennen, zwei prachtvolle Offiziere, aufrecht und anständig, männlich in Wort und Haltung, ritterlich und pflichtbewußt. Schlicht und überzeugend auch Ilse S t o b r a w a als die tapfere kleine Farmersfrau, die ihrem Mann als gute Kameradin im schweren Kampf unerschütterlich zur Seite steht, und Rudolf Klicks als der junge frische Volontär, der sein Versprechen mit dem Tode besiegelt und sich für die deutsche Truppe aufopfert. —
Hand den Entschluß gefaßt, die Freuden der „Tschel- luskin -Leute zu teilen, ohne an ihren Gefahren und Leiden irgendwie Teil gehabt zu haben. Er lM lns Wolgagebiet und trat dort als einer der „Tscheljuskin"-Helden auf, als Erinnerungszeichen an feine Polarreife ein kleines Eisbär-Moskottchen im Knopfloch tragend. Und nun hielt er, gastfreundlich aufgenommen und von Empfang zu Empfang und von Festmahl zu Festmahl geschleppt, ausführliche Vorträge über „feine Erlebnisse" in der Arktis, über Hunger und Kälte, über das fieben auf der Eisscholle und über die abenteuerliche Rettung durch die wackeren Flieger, die ihr Leben wagten, um das feine zu retten. Die Leichtgläubigkeit' der Be- wohner der abgelegenen kleinen Orte, die er vorsich- tigerroeife mit feinem Besuch bedachte, ermöglichte es ihm, fein Spiel eine geraume Zeit lang förtzu- fetzen, bann aber wurde fein Reifeprogramm auf unerwartete und ihm sehr unangenehme Weife durch höhere Gewalt abgeändert; da der falsche Polarfahrer sich getrost seines eigenen Namens bediente, unbf eine Erzählungen immer phantastischer wurden, so wurde eine höhere Regierungsstelle des Distrikts mißtrauisch und durchforschte die Lifte der Mitglieder der „Tscheljufkin"-Expedition. Und als ein Mann dieses Namens nicht darunter war, wurde eri n Haft genommen. Vor Gericht wird ihm nun selbst sein Eisbär-Maskottchen nichts mehr helfen.
der GPU. im Gebrauch ist? Wie kam er ungehindert in das Palais, das stets bewacht und gesichert ist? Wenn man hört, daß zehn Offiziere der Armee am Attentatstage verhaftet und eine Stunde später erschossen wurden, daß der Leiter der Leningrader GPU., der verdiente Bolschewist Medwedj, und mit ihm eine große Anzahl anderer leitender Beamten ihrer Aemter entsetzt und dem Gericht übergeben wurden, daß die oberste Rätebehörde eine drakonische Verschärfung des Gesetzes gegen die Feinde des Staates beschlossen hat, daß künftig st a nd rechtliche Erschießungen ohne lästige Gerichtsformalien verfügt und daß die Verwandten des Mörders und die Angehörigen aller sonstigen Verdächtigen verhaftet und mit abgeurteilt werden sollen, dann erhellen diese Maßnahmen noch mehr die dunklen Hintergründe dieser Tat.
Die dumpfe Ruhe, die bisher über dem Lande brütete, ist jählings zerrissen worden. In den großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen sich die
dächtige Anhänger des Regimes ausgenommen wurden. Dann aber ist auch sein Alter ein Beweis, daß er im b e ft e n Sinne Sow - j e t m a n n war. Als Dreißigjähriger gehört er zu jener Generation, die sich auf eine andere Vorkriegszeit nicht mehr entsinnen kann, die stets von Stalin als die stärkste Stütze des Regimes in Anspruch genommen und — zu Recht — erkannt wurde.
Wenn in räterussischen Parteikreisen heute dieser Zusammenhang zugegeben wird, wird damit auch anerkannt, daß es sich nicht um ein „weißgardi- stisches Unternehmen" handelt, sondern um eine interne Auseinandersetzung, um eine Angelegenheit der Opposition. Das ist das lieber« raschende an diesem Mord! Der Vorgänger Kirows auf dem Leningrader Poften war Sinowjew, der Führer der längst verschollenen — wie es schien! — „Abirrung von der Parteilinie". Nach seiner Entfernung schaffte Kirow auf radikale Weise Ordnung. Der ermordete Freund Stalins war einer der stärksten Vertreter der Richtung, die die völlige Vernichtung der „Deklassierten", der „Gestrigen" verlangte. Mit eisernem Besen kehrte er in Leningrad aus — um van einer Kugel aus dem Hinterhalt niedergestreckt zu werden. Es ist wenig beachtet worden, für die Hintergründe dieses Anschlags aber von größter Bedeutung, was die vorgesetzte Behörde des Mörders Nikolajew in ihrem Traueraufruf sagt. Mit aller Schärfe wendet sie sich gegen die „Ueberbleibsel der S i - n o w j e w i st e n", die noch immer unter der Oberfläche in Leningrad ihr dunkles Handwerk betreiben, und i h n en schreibt sie die Schuld an der Tat des Mörders zu.
Viele Fragen warf dieses Attentat auf, die zu-
unseres Volkes auf afrikanischem Boden; er ist ein Ehrenmal für die Männer und Frauen, die im Frieden und im Kriege da draußen bis zum letzten Tropfen Wasser und bis zum letzten Tropfen Blut ihre schwere Pflicht erfüllt haben; er führt dem schauer vor Augen, was wir verloren haben, was wir doch nötig haben — „so nötig wie andere Macht".
Oer falsche Polarheld.
Die russische Regierung hat die Teilnehmer der „Tscheljuskin"-Expedition auf Vortragsreisen durch die Sgwjetrepubliken geschickt, um durch ihr persönliches Auftreten ein lebendiges Interesse für die geplanten neuen Polarunternehmungen wachzurufen. In allen Städten und Dörfern, in denen die tapferen Männer das Wort ergreifen, werden ihnen stürmische Huldigungn zuteil, und oft sind sie nicht imstande, allen Bitten und Ersuchen nachzukommen, noch in dieser oder jener Vereinigung zu sprechen. Diese Vorträge hat sich nun ein früherer russischer Ballettmeister aus der im Ural gelegenen Stadt Ufa in aller Ruhe mitangehört und dann kurzer-
meraden' auf, sofort mit ihm, wie sie gingen und 'landen, einen Wettritt zu wagen. Fünf der Herren nahmen seine Herausforderung an, und einer schlug vor, da es doch nachtschlafene Zeit sei, das Rennen in Nachthemden auszutragen. Da ließen sich die Offiziere ihre Pferde und Hemden bringen, zogen die Hemden über ihre schmucke Uniform, schwangen sich auf. ihre Pferde, und dann ritten sie, wie vom Teufel Besessene, los, wohl vier Meilen über Stock und Stein, und Major Hansum, der Herausforde- rer, gewann. Das wiederbelebte alte Spiel, das den englischen Reitern viel Freude machte und beträchtliche Anforderungen an ihre Reitkunst stellt, soll naturgetreu in Tracht und Spiel und unter den gleichen Bedingungen auf der Olympiade aufgeführt werden, wie es auf der Internationalen Pferdeschau im Juni 1921 schon einmal gezeigt wurde. In neuer Gestalt soll also der alte Major Hansum dort den Beweis für seine Herausforderung erbringen, daß sein Pferd das beste sei!
Oer fliegende Schneider.
Ein Schneider, der zu Dalby, dreihundert Kilo- meter von der Hauptstadt von Queensland — Brisbane — entfernt, wohnt, besucht seine Kunden im Flugzeug. Er mietet sich zu diesem Zweck eine Maschine, wozu er ohne weiteres berechtigt ist, da er seine Fliegerprüfung bestanden hat. So stieg er kürzlich um 1 Uhr von Dalby auf, flog 80 Kilometer bis Chinchilla, nahm dort Bestellungen für sechs Anzüge auf und war um 4 Uhr zu Hause, worauf er sofort mit der Anertigung begann. Em andermal brauchte ein Bräutigam zu Cecil Plams em Hochzeitsgewand schon am nächsten Tage. Am folgenden Morgen um 7 Uhr landete der fliegende Schneider vor seinem Hause, nachdem er in der Frühe die 40 Kilometer zurückgelegt hatte, und brachte ihm den Anzug. Der Schneider erklärt, daß das Fliegen viel billiger sei als die Eisenbahnfahrt und daß er, seit er dieses moderne Verkehrsmittel benutzt, vorzügliche Geschäfte macht.
Oer Esel als Millionär.
Dor einem halben Jahrhundert etwa hat sich diese Geschichte von einem reichen Grautier in den Gold- feldern von Zentral-Idaho in den Vereingten Staaten zugetragen, und viele Augenzeugen haben mit den heiligsten Schwüren versichert, daß jedes Wort an ihr lautere Wahrheit ist. Zwei Goldsucher, Peck und Kellogg, hatten viele Monate zusammen in den Gebirgen von Zentral-Idaho ihr Glück versucht, aber kein Stäubchen Gold geriet in ihre Hände. Schließlich trennten sie sich, um nach ihrer Heimat zuruckzukehren. „Ueberlasse mir deinen Esel", sagte Kellogg, „du kannst zu Fuß nach Hause gehen, da es kaum ein paar Tagereisen sind, während ich
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- - - *n den Besitz eines Revolvers gelangen, raden in Zweifel gezogen wurde. Da warf Hansum rechte Hand I der nachweislich nur in der Roten Armee und in 1 zornig feinen Stuhl zurück und forderte feine Ka-
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Hinter -en Kulissen -es Mordes von Leningrad
Äon unserem 7l.-Berichterstatter.
Ein junger deutscher Farmer, Peter Hellhof, der sich in jahrelanger zäher Arbeit am Kilimandscharo seine Pflanzung aufgebaut hat, ist eines Tages am Ziel seiner Wünsche: er kann seine Braut Gerda aus Deutschland zu sich kommen lassen und mit ipr ein neues Leben beginnen. An dem Abend, als er mit ihr Hochzeit hält, erreicht ihn die Kunde vom Kriegsausbruch. Er muß sich stellen; sein bester Freund, Creßwell, ein Engländer, rückt eben« i.olls ein, und sie stehen sich nun als Gegner gegen» über. Sie deutsche Farm wird ein Brennpunkt im Kleinkrieg der englischen Uebermacht gegen die win- £ige deutsche Truppe, die Lettow-Vorbecks Rückzug decken soll. Creßwell erhält den Befehl, die Farm zu besetzen. Peter, der auf einem Erkundungsritt einen Abstecher nach Hause gemacht und Wiedersehen mit feiner Frau gefeiert hat, muß mit seinen x-eUff>rr s Ibhen, als Creßwell anrückt. Der besetzt oie Pflanzung — schweren Herzens, aber als rit= lerlicher Gegner. Hellhof lagert unweit und tut dem Feinde Abbruch, wo er kann, fängt einen Munitionstransport ab und steht durch Brieftauben und Lichtsignale heimlich mit seiner Frau in Verbindung. Creßwell merkt das und warnt Gerda, aber als die Engländer beschließen, durch Besetzung der wenigen Wasserstellen die Deutschen niederzuzwingen, bricht sie nachts heimlich mit ihrem getreuen kleinen Volontär Klicks und einer Eingebore- n«n auf, ihrem Mann und den Seinen, die dem Verdursten nahe sind, Wasser vom Ueberfluß der Farm zu bringen. Das Unternehmen wird entdeckt, Gerda von den Engländern gefangen, nur Klicks, obwohl zu Tode getroffen, kommt durch, bringt den Deutschen Wasser — und die Nachricht, daß ln Gefahr sei. Hellhof mit seinen Leuten überfallt nachts die Farm, überrumpelt die Posten, rettet Gerda, läßt den Engländern die Pferde fortlaufen, steckt die Pflanzung in Brand und reitet nad) kurzem Gefecht siegreich davon mit seiner yrau und seinen Reitern — hinaus in die Nacht, m Die. weite afrikanische (Steope, zu Lettow-Dorbeck.
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Sowjetregierung befindet, und bei der übermüd)» tfacn Spannung, die der neue Feldzug der Gottlosen und die heraufziehende Hungersgefahr mit r-4?-Rre’5cr^un$ ousgelöst haben, können sich die Schüsse von Leningrad verderblich auswirken. Innerhalb der Partei brodelt es ja bedenklich, und die Opposition greift zu Mitteln, die die Partei bisher nur gegen wirkliche Klassenfeinde kannte.
Die GPU. freilich braucht die neue Aktion, um das eingeschläferte Gewissen der die höchsten Posten begleitenden und sich im behaglichen bürger- lichen Wohlleben befindlichen Gefolgschaft aufzu- rütteln. Die ganze Geschichte des Regimes ist Beweis dafür, daß jetzt mit einer neuen blu- •J. 9 e ” Woge, in der Stalin auch den kleinsten Widerstand ersticken will, zu rechnen ist. Aber die geheimen Konventikel und die Zirkel in der Partei fefbft, die sich gegen die geistige und materielle Verelendung wenden, gewinnen erschreckend an Zu- lQJ,r2QtJinö, keineswegs bloß Fanatiker und „Weißgardisten'. Und so ist das Attentat im Smolny doch ein Fanal.
cdiialpolitik hervorragende Verdienste erworben; e^sii nur an die erfolgreiche Bekämpfung der Erbkrankheit erinnert und daran, daß noch heute iiirm-r wieder Rutsche Wissenschafller und Aerzte i'iitr Kolonien berufen werden. Daß die einge- v cie-e Bevölkerung von uns nicht unterdrückt wor- dlei rei, beweise wohl am besten ihre vorbildliche A |4™ng im Weltkriege. Während die Nachkriegszeit
-ie deutschen Kolonialbestrebungen eine schwere
J9etMen sei, sei mit der Machtübernahme d lud: ben Nationalsozialismus ein neues Morgenrot pmiam deutschen kolonialen Gedanken angebrochen. Hfa r sagt: Deutschland braucht Kolonien so nötig wm <?de andere Macht. — Die Kolonialbewegung mn't eine Volksbewegung werden. Der Zweck des F üri fei, alle Volksgenossen zu einer tätigen Mit- hmli um den deutschen Kolonialbestrebungen zu ge= mintm. Dann werde der Tag nicht mehr fern sein, ar|tkm das Hakenkreuzbanner des jungen Deutsch- la toi uuch in der Südsee und in Afrika weht — Die A Wache wurde mit starkem Beifall aufgenommen.
Am hohen Mittag ist inmitten einer stillen Sommerlandschaft hinter einer Hecke das laute Lärmen und Lachen einer seltsamen Herrengesellschaft zu vernehmen. Es sind zehn Offiziere in Uniformen aus der Zeit der Napoleonischen Kriege, die bei fröhlichem Trunk sitzen und sich bestens unterhalten. Keine Filmapparate sind auf die kleine Gesellschaft gerichtet, und keine Regisseure stehen bereit, die Szene aufzunehmen; weit und breit ist nichts zu sehen als die Pferde der Offiziere, die von kartenspielenden Knechten in gleicher Tracht bewacht werden. Die Zeit ist um mehr als ein Jahrhundert zurückgeschritten, und nichts stört das sonderbare Idyll, es sei denn, daß die Herren selber über einen Punkt ihrer Unterhaltung in Hitze geraten. Der Wem wird immer rascher getrunken, und immer schneller müssen die Becher aus den Krügen nach- gefullt werden, schließlich ist ein heftiger Wortstreit im Gange. Da springt einer der Offiziere auf und feine Geste verrät, daß er feine Kameraden herausfordert, den Beweis für einige ihrer Worte anzutreten, gegen die er nun mit Stentorstimme feine eigene Behauptung stellt. Und nun steigert sich das Geschehen ins Gespenstische! Der Herausforderer ruft nach seinem Knecht und heißt ihn sein Pferd und fein Nachthemd zu bringen und auch die anderen Herren geben ihren Knechten den gleichen Befehl, die bald in Habachtstellung vor ihnen stehen, die tänzelnden Pferde am Zügel führend und die Nachthemden gravitätisch bereithaltend. Wütend und schimpfend fahren die Herren in voller Uniform in die Nachthemden — und hinauf aufs Pferd! Und durch den hellen Sommertag geht die wilde Jagd über Hecken und Gräben. Die Sonne steht still, baß erstaunt über die Jagd der sonderbaren Käuze, bis der erste Reiter auf abgehetztem Pferd als Sieger wieder auf dem Platz des Trinkgelages eintrifft, während die Kameraden auf ihren Pferden folgen.
Lachend entledigen sich die Herren der Nachthemden und der Uniformröcke, nehmen sich Perücken und Bärte ab und schütteln sich vergnügt die Hände: junge Herrenreiter im Sportdreß, die dieses „Gymkhana", wie die Engländer scherzhafte sportliche Wettkämpfe nennen, als Hebung für die große Olympia austragen. Ein Glanzstück der Reiterkunst soll diese kleine Komödie werden, in der eine alte englische Legende ihren Ausdruck findet. Sie erzählt von einem Major Hansum, der mit seinen Offizieren eines Abends im Freien beim Liebesmahl faß und mit ihnen über die Vorzüge feines Pferdes sprach, das jedes andere an Schnelligkeit
tar Terrafilm „Die Reiter von Deutsch-Ostasrika", : ^kürzlich in Hamburg mit außerordentlichem Er- Isstc seine Uraufführung erlebte, und auf den an Löhr Stelle vor einigen Tagen bereits um seiner !M:dsätzlichen Bedeutung willen nachdrücklich auf- Kmi'fam gemacht wurde, lief gestern vor vollbesetz- UlmiHause zum erstenmal bei uns in Gießen. Für ■ »1 SeftoorfteUung am Abend hatte sich dankenswer- iieiceife die Gießener Militärkapelle zur Verfügung -'Sjitlüt, die unter Leitung von Obermusikmeister Sät uße zwei Stücke zum Vortrag brachte und Vüiiihre vortreffliche Leistung herzlichen Beifall 1 2512 te.
Stalins, den wichtigsten Mann in dem nach Moskau wichtigsten Bezirk der Sowjetunion, erschossen zu haben. Aber mit dieser Angabe erschöpfen sich im wesentlichen auch feine Aussagen. Er gab darüber hinaus nichts, aber auch gar nichts an, was auf seine Beweggründe schließen ließe — oder die ihn vernehmende GPU. sand es richtig, der Öffentlichkeit nichts darüber zu sagen.
Was aber aus der Vergangenheit des Mörders bekannt wurde, was zwischen den Zeilen ober in yalben Andeutungen der offiziellen Trauerkundgebungen zu lesen steht und was seit dem Tage des Attentats an Maßnahmen getroffen wurde, ist deutlich genug, um klarer zu sehen. Wer die Sowjetsprache versteht, sich in den Methoden der PGU. auskennt und hören kann, was in Parteikreisen geflüstert wird, kann sich ein ungefähres Bild dessen machen, was hier hinter den Kulissen vergeht.
War der Mörder ein „W eißgardist", wie es jetzt in der Presse und in den Erklärungen der Regierung heißt? Mit diesem Namen wurden d i e ehemaligen Kämpfer von Koltschak und Denikin, von Semonow und Un- gern-Sternberg belegt — Weiß im Gegensatz zu Rot. Er ist später ein Sammelbegriff ’ für alles das geworden, was ein „Feind des proletarischen Staates", ein „Klassenfeind" war. Dieses sind aber alle bürgerlichen Parteien von den Sozialrevolutionären bis zu den Monarchisten, alle „Bourgeois", alle „Kapitalisten". Wer nicht „unser" ist, ist „Weißgardist". — Nein, der Mörder war kein Weißgardist. Er war einmal Angestellter der Arbeiter- und Bauerninspektion, einer Sowjetbehörde, in der nur unver -
— Westermanns Monatshefte beginnen in der Dezembernummer mit der Veröffentlichung des neuen Ramans von Thor Goote „Berthold", ein deutsches Leben. Der Roman behandelt das Schicksal des Kampffliegers Berthold, des Mannes, der durch Verleihung des Pour le mdrite besonders geehrt wurde, der eine der berühmtesten Jagdfliegerstaffeln im Weltkriege führte und der um Deutschlands willen seinen Weg bis zum letzten bitteren Ende ging. Weitere Beiträge fmd „Geistige Brücken zum nahen Osten" von Dr. Johann von Seers, „Weltbild und Gestalt eines Volkes" von Adalbert Forstreuter und „Das Bildwerk im Wandel der Stile" von Wilhelm Müseler. Den weihnachtlichen Charakter des Heftes unterstreichen die Aufsätze „Weihnachten im Svielzeug- land" von Rotraut Hinderks-Kutscher, „Deutsche Weihnacht" von Erich Bockemühl und die Erzählung „Sankt Michael und die Magd" von Stephanie Roßmann. Das Heft enthält viele Bildwiedergaben, Gedichte und andere kleine Beiträge, die den Reich- tum der Zeitschrift vervollständigen.
: teer proletarischen Vaterlandes vernichtet..." jiüiefe Feststellung wurde bereits getroffen, wäh- [pni der Täter sich noch strikte weigerte, überhaupt Leir Aussage über feine Motive oder über feine [Mon zu machen. Fest stand damit auch, daß die art sich als Symptom wirkende Tat noch in fcher Folgeerscheinung hundertfach - er größert werden sollte, um auch aus ihr das zu konstruieren, was in den letzten Jahren immer □i’Oer zu dem taktischen Werkzeug der sowjetistischen Sraenpolitif gehörte: das Äbschreckungs- m t t e I.
freilich hat auch der Verbrecher dann zugegeben, ans politischen Motiven die rechte Hand!
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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, Anfang Dezember.
Ein geheimnisvolles, in seinen Zusammenhängen noch wenig geklärtes und in den Auswirkungen »öllig unübersehbares Verbrechen hat sich ereignet. Im Leningrader Smolny-Institut, das in ..er Zarenzeit eine vornehme Anstalt für Privilegierte war, das in den Sturmzeiten der Oktober- Evolution Lenin zu seinem Hauptquartier machte inb das seitdem der Sitz der dortigen Verwaltung inö der höchsten Parteivertretuna war, ist Kirow, Malins persönlicher Freund und sein zweiter Ge- lilfe, erschossen worden. Wie in einem Kri-
Dsr Führer der Vereinigung für koloniale Wieder- lvInnung Gießen, K. Tetzner, hielt darauf eine Äz Ansprache, in der er über Zweck und Sinn e; Films etwa folgendes ausführte: Der Schand- 'Ä-n von Versailles habe uns unserer Kolonien E'o.ibt und uns unter Vorbringung lügnerischer Ramente das Recht und die Fähigkeit zur Ver- idting überseeischer Schutzgebiete abgesprochen. Gr ifeien aber besser befähigt, Kolonien zu Dermal» I u Hs irgendein anderer Staat, was der Redner Jri eine knappe Widerlegung jener gegnerischen I ijumente eindringlich vor Augen führte. Besonders (hutsche Wissenschaft habe sid) um die praktische


