Abendliche Feierstunde in Mnberg
Der Vorbeimarsch vor dem Führer
Ein Standkonzert auf dem Adolf-Hitler-Platz.
des Arbeitsdienstes ist den französischen Bericht- sich allerdings nicht versagen, Anspielungen auf erstattern vor allem die militärische Hal- den soldatischen Eindruck zu machen, den die jun
soldatischen Eindruck zu machen, den die jun- Leute yervorgerufen hätten. „Times" sagt,
Im
Paris, 7. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Das Fest der Arbeit in Nürnberg wird von den französischen Blättern eingehend gewürdigt. Bei dem Aufmarsch
Von der englischen Presse wird der Aufmarsch des Arbeitsdienstes als äußerst eindrucksvoll geschildert. Einige Berichterstatter können es
sien", sei die polnische Politik in letzter Zeit „so wenig beruhigend" gewesen, daß man vorUeber- raschungen nicht sicher sei.
In Genfer Völkerbundskreisen behauptet sich das Gerücht, daß Barthou bald nach Beginn der Ratstagung einen Ratsbeschluß herbeiführen wolle, wonach Sowjetrußland ein ständiger Ratssitz zugeteilt werden soll. Damit wolle man die Vollversammlung vor eine vollendete Tatsache stellen und der Sowjetunion eine Brücke bauen, damit sie den formellen Zulassungsantrag stellen könne. Die Großmächte würden durch eine derartige Haltung ihre eigene Unsicherheit zeigen und die kleineren und nicht im Rat vertretenen Staaten vor den Kopf stoßen. Außerdem sei für ein derartiges Manöver Einstimmigkeit im Völkerbundsrat notwendig. Polens und Argentiniens Haltung in einem solchen Falle stünden keinesfalls fest.
Nürnberg, 6.Sept. (DNB.) Nürnberg ist am heutigen Abend wie verzaubert. Der Volksjubel und -trudel ist auf einen gewissen Höhepunkt angelangt; Zug um Zug rollte heute in die Nürnberger Bahnhöfe, und die Stadt war erfüllt von dem Tritt marschierender Kolonnen und von schmetternder Marschmusik. In den Straßen ein Leben und Treiben wie noch nie. Die Wege des Führers sind Triumphstraßen. Heute empfinden wir alle das noch mehr als an den Tagen vorher. Standen gestern die Spaliere 10 und 15 Glieder tief, so ballen sich heute die Menschen au dichten Trauben zusammen. Dort, wo gestern zehn Glieder standen, stehen heute 40 und 50 Glieder, die Tausende, die wenigstens auf der Fahrt zu den Veranstaltungen den Führer sehen wollen. Die Spalierbildung durch die SA. macht es sehr schnell offenbar, welchen Weg der Führer von seinem Quartier aus zu den einzelnen Veranstaltungen nimmt, und dieser Weg wird dann zu einer wahren Straße des Triumphes.
Heute am Abend sind die Häuser illuminiert, Lichterkette um Lichterkette säumt _ die Simse und Stockwerke. Um die Fenster und Türen ziehen sich Lichterkränze, und von den Dächern grüßen leuchtende Hakenkreuze und Huldigungen an den Führer. Das Wetter hat uns wieder einmal einen lauen Sommerabend geschenkt. In den Wassern der Pegnitz, an den Brücken und Stegen, zwischen Toren und Türmen, an geneigten Fachwerkgiebeln spiegeln sich Mond und Sterne und ver
Auf dem Adols-Sttler-PIutz.
Die Zufahrtsstraßen zum Adolf-Hitler-Platz sind vollständig abgeriegelt. Die Schaulustigen, die sich schon in den Vormittagsstunden eingesunden hatten, hatten auf dem prächtigen alten Platz so viel zu sehen, daß ihnen die Wartezeit wie im Fluge verstrich. Der Platz ist in der gleichen Art geschmückt worden, wie es die kunstliebenden Bürger der alten Noris beim Empfang Karls IV. getan haben. Wieder hängen aus allen Fenstern rostrote und weiße Tücher mit goldenen und silbernen Fransenketten gespannt. Wieder flattern von allen Dächern und Erkern die alten Wimpel und Fahnentücher und wiederum prankt auch der Erker der Liebfrauenkirche in violett-braunem Baldachin. Wieder laufen auf Schlag 12 Uhr die Männlein des berühmten Uhrwerks, der Herold und die Kurfürstin oberhalb dieses Erkers um ihren Kaiser. Die zur Aufmarschstraße im offenen Viereck erbauten Tribünen, die fast bis zum Erker der Kirche emporsteigen, sind längst bis auf den letzten Platz besetzt. Leni R i e f e n st a h l trifft ihre letzten Vorbereitungen. Besondere Bewunderung erregt dabei ein Filmoperateur, der auf einer hohen Feuerwehrleiter aus einer Nebengasse heraus direkt über der Einmarschstraße in luftiger Höhe steht, ein Platz, um den ihn viele der in drangvoller Enge stehenden Menschen beneiden. Jubel kündet das Eintreffen des Führers an, der die Mitglieder der Reichsleitung des Ar-
in der Grenzzonenfrage auszuüben.
übrigen scheinen die Blätter überzeugt zu sein, daß Polen seine ablehnende Haltung aufgeben werde. Allerdings, so erklärt „Petit Pari-
Der Aufmarsch des Arbeitsdienstes macht Eindruck im Ausland.
Das Echo der presse in Paris und London.
llm Rußlands Eintritt in den Völkerbund
Will Barthou der Schweiz mit Repressalien drohen?
Mit erhobener Rechten singen die Zehntausende das Deutschland- und das Horst-Wefsel-Lied, wahrend der Führer in seinen Wagen steigt, um nun durch das große Spalier wieder zurückzufahren in die Stadt, zum Adolf-Hitler-Platz, wo er den Vor- beimarsch des Arbeitsdienstes abnehmen wird.
gen Leute hervorgerufen hatten. „Times sagt, das Aussehen und die Haltung der Mannschaften müsse bei vielen Deutschen die gleiche Ueberraschung hervorgerufen haben, wie bei ausländischen Zuschauern. Es sei ein maleriscbes Bild gewesen, als dieses große Arbeitsheer auf ein Kommandowort hin wie ein Mann den Spaten schulterte und
stramm stand.
„M o r n i n g Post" spricht von einem Anblick von außerordentlicher Schönheit. Die Arbeiterabteilungen hätten auf der Zeppelinwiese und später beim Vorbeimarsch vor dem Führer die gleichen Eigenschaften militärischer Disziplin gezeigt. Die Nationalsozialisten erklärten, die Veranstaltung solcher Hebungen mit Spaten seien das eindrucksvollste Symbol des Wunsches, in Frieden zu arbeiten. Der Ausländer könne nicht umhin, festzustellen, daß diese sonnenverbrannten jungen Männer solide praktische Uniformen trugen und eine ausgezeichnete militärische Disziplin bewahrt hätten. Die Reichswehrgenerale schienen von dem Anblick der Freiwilligen der Arbeit befriedigt zu sein.
„Daily Telegraph" meldet, die Arbeiterbataillone hätten ein Bild militärischer Disziplin und Stärke geboten, das nur durch die deutsche Vorkriegsarmee hätte übertroffen werden können. Niemand, der ihren Hebungen zusah, habe Zweifel hegen können, daß in dieser Truppe einiges von Deutschlands künftiger militärischer Stärke stecke. Der Aufmarsch sei so vollkommen gewesen, daß General von Blomberg und seine Stabsoffiziere uneingeschränkten Beifall gespendet hätten.
werde. Jedenfalls sei die Beteiligung dieser neuen Truppe und der Reichswehr das bezeichnendste Ereignis des Nürnberger Parteitages.
Den Eindruck eines deutschen Sparta will „Petit Journal" von der Kundgebung mitnehmen. Die nationalsozialistische Begeisterung sei immer noch ungebrochen. Von „großen militärischen Manöverm und „Verschwendung" glaubt die „Journäe Industrielle" angesichts der aus Nürnberg eintreffenden Nachrichten sprechen zu sollen.
dieses Ver? nicht menget! kann) (Jubelnde Zustimmung.) Durch Eure Schule wird die ganze Nation gehent (Anhaltende Beifallskundgebungen.) Die Zeit wird kommen, da kein Deutscher hineinwachsen kann in die Gemeinschaft dieses Volkes, der nicht zuerst durch Eure Gemeinschaft gegangen ist. (Brausender Beifall und stürmische Heill-Rufe.)
Hnd wir wissen, daß dann für Millionen unserer Volksgenossen die Arbeit nicht mehr ein trennender Begriff sein wird, sondern ein alle gemeinsam verbindender, und daß insbesondere dann keiner mehr in Deutschland leben wird, der in der Arbeit der Faust etwas Minderes sehen will als tn irgendeiner anderen. (Stärkster Beifall.) ,
Wir wollen nicht Sozialisten der Theorie sein, sondern als wahrhafte Nationalsozialisten auch dieses Problem wahrhaftig anfassen und wahrhaftig lösen. Und dieses große Werk wird gelingen, weil hinter ihm nicht nur die Weltanschauung einer Deutschland beherrschenden Bewegung, son- dern weil hinter ihm unser Wille steht!
schmelzen sich mit den Konturen Altnürnberg zu einem zauberhaften Märchenbild.
Vor dem Hotel „Deutscher Hof", in dem der Führer wohnt, bietet sich immer wieder dasselbe Bild. Tausende haben sich hier zusammengeballt, jedes Aussichtsplätzchen ausgenutzt und harren hier nun — man könnte jagen, Tag und Nacht —, um die Anfahrt des Führers und feiner Mitarbeiter mitzuerleben, und das Leben und Treiben, wie es Kennzeichen eines Sammelpunktes von führenden Männern ist, aus nächster Nähe zu sehen. Viele haben sich sogar Klapp st ühle mitgebracht, und die man vormittags um 10 Uhr dort sitzen sah, trifft man auch jetzt noch abends um 8 Uhr an der gleichen Stelle. Sie haben sich ausreichend verproviantiert und können es sich leisten, sozusagen an bevorzugter Stelle Zeuge von Ausschnitten vom Reichsparteitag zu sein. Ab und au hallen Sprechchöre und man hört jene Verse, die das Erlebnis des 19. August auf dem Wil- Helmsplatz in Berlin populär gemacht hat: „Lieber Führer, sei so nett, komm doch mal ans Fensterbrett" und „Lieber Führer, komm doch raus, sonst geht uns die Puste aus". Immer wieder werden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gelungen. — Ein Ausländer, der Zeuge dieser Tage ist, verglich sie mit einem riesigen Volks- f e ft; aber uns sind diese Tage doch mehr als ein Volksfest, aus der Stimmung aller derer, die hier zusammengeströmt sind, spricht es ganz deutlich, daß sie sie empfinden als Feierstunden der Nation.
Schweden für die Ausnahme der Sowjetunion.
Gegen den Widerspruch der öffentlichen Meinung.
Stockholm, 6. Sept. (DNB.) Der schwedische Außenminister erklärte, daß Schweden eine Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund befürworten werde. Die liberale Zeitung „Aston- Habet" stellt baAU fest, man müsse von der Macht, die in den Völkerbund einzutreten gedenke, erwarten, daß sie die Verpflichtungen, die eine solche Mitgliedschaft mit sich bringe, auch anerkenne und sich den Regeln des internationalen Verkehrs unterwerfe, die der Völkerbund aufgestellt habe. Durch den Eintritt Rußlands sei die Möglichkeit gegeben, dieses Land zu kontrollieren und vielleicht auch einen Einfluß auf feine Politik und feine Mentalität auszuüben. Rußland müsse seine weltrevolutionäre Propaganda aufgeben. Die Aufnahme Rußlands würde dann einen großen Gewinn für die allgemeine Ruhe bedeuten können. Sollte jedoch Rußland seine Wühlarbeit fortsetzen, ohne daß der Völkerbund die Macht oder den Willen habe, dies zu verhindern, so würde der Völkerbund damit alles Ansehen verlieren. Der Völkerbund würde dann vor der ganzen Welt in krassestem Maße als Werkzeug einer französisch - russischen Militärallianz erscheinen.
Die konservative „Nya Dagligt Allehanda" schreibt u. a.: Was die Wahl der Sowjetunion in den Völkerbund betreffe, so könne man kaum daran zweifeln, daß die schwedische öffentliche Meinung ein solches Ereignis als Skandal ansehen werde, der geeignet sei, dem bereits schwer erschütternden Ansehen des Völkerbundes den Rest zu geben.
Gewaltherrschaft im Memelland.
Scharfer Protest des Landtags gegen erneuten litauischen Nechtsbruch.
Memel, 7. Sept. (DNB.) Am Donnerstagnachmittag ist der Memelländische Landtag zusammengetreten, um die Regierungserklärung des vom litauischen Gouverneur verfassungswidrig eingesetzten litauischen Direktoriums entgegenzunehmen. Durch Gewaltmaßnahmen des Gouverneurs aegen eine Anzahl Abgeordneter und durch das geschlossene Fernbleiben des litauischen Blocks wurde der Landtag erneut beschlußunfähig gemacht. Trotzdem gelang es dem Vertreter der memelländischen Parteien, noch vor der Vertagung einen flammenden Protest zu verlesen, in dem 18 memelländische Abgeordnete — d. h. zwei Drittel der Gesamtheit der Abgeordneten — gegen die wiederholte Lahmlegung des Landtages durch künstlich herbeigeführte Beschlußunfähigkeit, gegen die zahlreichen vom Gouverneur verfügten willkürlichen Mandatsentziehungen feierlich Verwahrung einlegen und geschlossen dem litauischen Direktorium ihr Mißtrauen aussprechen.
Gleichzeitig proteftierte der Landtagspräsident Waschkies dagegen, daß ihm als amtierenden Drä- sidenten das Hausrecht unter Bruch des Memel st atuts vom litauischen Direktorium
beitsdienstes und die SA.-Führer begrüßt. Als er sich der Ehrentribüne zuwendet, brauft erneut der yubel los, der kein Ende nehmen will, während der Führer zunächst die Minister, die Generalität, den Reichsbischof, den Abt Schachleitner und die Angehörigen der für die deutsche Freiheit in den Tod gegangenen Kämpfer begrüßt.
Punkt 13.30 kommen die vier Spielmanns- und Musikzüge des Arbeitsdienstes die Straße herauf und schwenken stramm vor den Tribünen ein. Hinter ihnen folgen vor den ersten Fahnen Reichsarbeitsführer Hier! und die Reichsleitung, und dann zieht mit geschultertem Spaten oder Hacke in vier Gruppen zu je 12 Mann eine endlose Kolonne vorüber. Brausender Jubel empfängt die prächtigen braun gebrannten Gestalten in ihren schmucken erdbraunen Uniformen, mit einem frischen Eichenbruch an den schutenförmigen Mützen oder Blumensträußen an der Brust und am Koppel. In den blitzenden Spaten fängt sich das Sonnenlicht. Es ist eine ungetrübte Freude, diese gesunden, kraftstrotzenden Prachtgestalten zu sehen, die Pioniere des Friedens, die Träger der Arbeit, die ihren Spaten mit jenem Stolze tragen, den ihnen das Bewußtsein vermittelt, daß der neue deutsche Adel der Adel der Arbeit ist. Dann schlägt das Meer des Jubels und der Verehrung erneut zusammen, als der Führer des Reichsarbeitsminister Hierl dankt und dann durch die Straße des Triumphes zur Kongreßhalle fährt.
t u n g der Arbeitsdien st männer ausgefallen, so daß die Tendenz aller Berichte darauf yinausläuft, es handele sich um einen Ersatz für d i e allgemeine Wehrpflicht bzw. die Vorbereitung auf den Kriegsdienst. „Matm" will in der Erklärung des Führers, daß die ganze Nation durch die Schule des Arbeitsdienstes gehen werde, eine Bestätigung sehen, daß noch vor Ablauf des Jahres 1935 der allgemeine obligatorische Arbeitsdienst eingeführt werden würde, so daß die deutsche Armee die allgemeine Wehrpflicht (?) neben ihrem Berufsheer haben werde. „Journal" schreibt, dieser Arbeitsdienst flöße der französischen Oeffentlichkeit großes Mißtrauen ein. Im Grunde genommen handele es sich wohl um einen alten Gedanken. Müsse der Aroettsdienst zu einer Kriegsmaschine werden? Man wolle nicht behaupten, daß dies nicht der Fall fein könne, doch glaube man, daß nach Hitlers Ansicht der Arbeitsdienst gleichsam der geistige Ersah für die Armee als Element der Erziehung fein
Ihr an dem Parteitag ver nationalsozialistischen Bewegung Deutschlands teil. Zum ersten Male seid Ihr in dieser Form zum Appell vor mir und damit vor dem ganzen deutschen Volke angetreten. Ihr repräsentiert ei ne große Idee. Was ich gestern in der Proklamation an das deutsche Volk verkünden ließ, erführt durch Euch f e i ne lebendige Verkörperung. Der Nationalsozialismus ist als Weltanschauung eine Angelegenheit der Erziehung und damit der Zucht des ganzen Volkes. Ihr seid nicht Nationalsozialisten deshalb, weil Ihr ein äußeres Lippenbekenntnis auf ein Programm abgelegt habt, sondern weil Ihr innerlich Euch bemühen wollt, nachdiesemPro- oramm z u leben und nach ihm zu handeln.
Das, was diesem Programm aber seinen tiefsten Sinn gibt, ist die Bildung einer wahrhaften Volksgemeinschaft und der Glaube an sie. Wir alle wissen, daß diese Volksgemeinschaft nicht bestehen kann, solange nicht über die bisher trennenden Auffassungen von Beruf, Klasse und Stand hinweg eine e i n- 3 i g e gemeinsame Auffassung unser Volk erfüllt. And dazu ist es nötig, zuerst den Begriff der Arbeit herauszustellen gegenüber dem nur mammonistischen Denken, eigensüchtigen Zwecken und eigensüchtiger Absicht. Ihr seid die er st en Zeugen dafür, daß
Paris, 7. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die Dor- berichte der Pariser Presse zur Dölkerbundstagung heben mit Bedauern und teilweiser Entrüstung d i e Haltung der Schweiz gegen den Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund hervor. Die Erregung der Schweizer Kreise soll so groß sein, daß das „Echo de Paris" lärmende Kundgebungen in Genf gegen Barthou vorausfagt und „Oeuvre" die bereits von einem anderen Blatt verzeichnete Meldung bestätigt, daß der Gedanke einer Volksbefragung in der Schweiz große Fortschritte mache. Barthou werde in Genf sofort mit Motta Fühlung nehmen und ihm klar machen, wie wenig ritterlich es wäre, die Mitarbeit am Frieden zu verweigern, wenn soviele Mächte wie Frankreich, England und die Vereinigten Staaten mit hohem Interesse die Freundschaft Sowjetrußlands befürworteten. „Oeuvre" läßt sogar die Möglichkeit offen, daß Barthou Motta mit der Verlegung des Dölkerbundssitzes von Genf nach Wien drohen werde. Es fei daher nicht unwahrscheinlich, daß Motta den ganzen Feldzug nur inszeniert habe, um einen Druck zur Beschleunigung der französisch-schweizerischen Verhandlungen
genommen und die Inhaber der von ihm recht- mäßig ausgestellten Einlaßkarten zum Publikumsraum durch Polizeiaewalt am Betreten des Landtages verhindert wurden. Das Direktorium hatte stattdessen für eine aus großlitauischen Parteigängern zusammengesetzte Zuschauermenge gesorgt, die bei der Verlesung des Mißtrauensvotums in höhnisches Gelächter ausbrach. Es war bezeichnend, daß der Führer des litauischen Aktionskomitees, der neu ernannte Oberbürgermeister Simonaitis, der sich ebenfalls unter den Zuschauern befand, die Menge zu einem jeder parlamentarischen Sitte widersprechenden Verhalten persönlich anfeuerte. Simonaitis ist der bekannte Führer des litauischen Einfalles von 1923.
Die Schmiergelder der Rüstungsindustrie.
In allen Ländern Agenten und bestochene „Vertrauensleute".
Washington, 7. Sept. (DNB.) Die vom Senatsausschuß am Donnerstag fortgesetzten Verhöre über die amerikanische Rüstungsindustrie ergaben, daß die amerikanische Electric Boot Company, die gleichsam das Monopol für U* Bootbauten besitzt, weitreichende Geschäftsabkom- men mit ähnlichen Firmen in Frankreich, Italien, Rußland, Japan, Belgien, Holland, Norwegen und Spanien besitzt und daß Regierungsabkommen zwischen diesen Ländern sowie mit England, Kanada, Dänemark und Schweden zum Zwecke einer erfolgreichen Regierungskontrolle des Baues von 0-Booten erforderlich wären. Ferner wurde fest- gestellt, daß Sir Basil Zahar off Großaktionär der Chase National Bank, der englischen Firma Vickers Armstrong und der amerikanischen Elektric Boat Company ist, und daß die letztgenannte Firma im Jahre 1916 unter Verletzung der nordamerikanischen Neutralität und entgegen dem Verbot dem Staatsdepartement vier Boote^für die italienische Flotte in Kanada bauen ließ. Im Jahre 1924 versprach die Elektric Boat Company dem türkischen Krieasminister für einen O-Boot- Austrag 12 500 Dollar; der Auftrag wurde jedoch einer italienischen Firma erteilt. Der Elektric Boat Company gelang es im Jahre 1928, zwei Vertrauensleute in den wichtigen Geschäftsordnungsausschuß des Repräsentantenhauses hinein- zubnngen.
Auf Grund der Geschäftskorrespondenz der Electric Boat Company wurde festgestellt, daß der Generaldirektor und der Generalsekretär des französischen Werftkonzerns Penhoet im Jahre 1922 je 5 0 0 0 0 Dollar für einen H-Boot-Auftrag forderten, und daß der Leiter der Ausländsabteilung dieses Konzerns sowie der Herausgeber des französischen Magazins „Moniteur de la Flotte" je 3 3 3 3 3 Franks Schmiergelder beanspruchten. Die Verhandlungen ergaben, daß die Rüstungskonzerne H u n • derttausende von Dollars für H - Boot- Au f t r äg e Argentiniens sowie zur Bestechung der argentinischen Presse zahlten.
Das Ausschußmitglied Senator N y e stellte den Beweis dafür in Aussicht, daß Rüstungsagenten während der Panamerikakonferenz


