Kr.81 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 7. April 193^
Die
Auf den Spuren des „samtfüßigen Teufels".
schaftlich durchaus einleuchtend, doch wird man sich klar darüber sein, daß der beste Kunde nicht immer gerade diejenigen Waren liefern kann, die sein Abnehmer selbst am meisten benötigt. Immerhin bleibt der Gedanke der Gegenseitigkeit als richtunggebend bestehen und die neue Handelspolitik des Reiches hat sich ihn durchaus zu eigen gemacht. Die Lage unseres Außenhandels ist, wie Herr v. Popen ausführt, bedrängt und sie hat mancherlei Pläne aufkommen lassen, um einen besseren Export zu ermöglichen. In Uebereinstimmung mit allen anderen maßgebenden Stellen lehnt der Vizekanzler aber die Üeberwindung der Schwierigkeiten durch eine Markabwertung ganz entschieden ab. Er hob hervor: wenn Deutschland bisher seinen Zahlungsverpflichtungen an das Ausland immer noch 311 einem beträchtlichen Teile nachgekommen sei, so sei dies weitgehend gerade auf das Verfahren mit Bonds zurückzuführen. Nur, wenn das Ausland die deut- che Wirtschaft verdienen läßt, ist Deutschland n der Lage, einengende Bestimmungen im internationalen Kapital- und Warenverkehr aufzuffeben. Diese Maßnahmen sind uns durch die Entwicklung der Weltwirtschaft aufgezwungen worden.
Als „Grundvoraussetzung" für bessere Wirtschaftsbeziehungen unter den Staaten nannte Herr von
Popen: den Abbau des gegenwärtigen Ueberprotek» tionismus, die Stabilisierung der Währungen und die Herabsetzung wirtschaftlich untragbar gewordener Schulden von Land zu Land. Er weist aber daraus hin, daß ganz entscheidend für eine wirtschaftliche Wiederannäherung und Zusammenarbeit der Völker die Schaffung der unerläßlichen politischen D e r t r a u e n s a tm 0- sphäre sei. — Diese Ausführungen des Vizekanzlers von Papen, wie auch die Ausführungen anderer führender Männer, sind der beste Beweis dafür, daß Deutschland bereit ist, auch auf handelspolitischem Wege mit allen Staaten Hand in Hand zur Üeberwindung des wirtschaftlichen Niederganges in der Welt zu arbeiten. Nur deshalb, weil ein organisches Zusammenwirken der größten Wirtschaftsmächte — man denke an die Mißerfolge der Londoner Welt-Wirtschaftskonferenz — nicht möglich war, mußte Deutschland das Schwergewicht auf den inneren Markt lenken. Wenn aber die Maßnahmen zur eigenen Wirtschaftsbelebung zu weiteren Erfolgen führen, dann wird eine neue Konjunktur um so schneller einsetzen, je mehr die Einsicht von einem zweckdienlichen Warenaus- | tausch auch in allen Ländern Platz greift.
LeWngssteigemng-Leistungserhaltung.
Von Or. med. Hans Doöke, beratendem Arzt beim Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront
behauptete Entdeckung der biblischen Stadt Saba durch den französischen Archäologen M. Mal- braux, der vom Flugzeug aus ihre Ruinen im Wüstensand Süd-Arabiens gesichtet haben will, weckt die mannigfaltigsten Vorstellungen an die sagenhafte Königin von Saba wieder, die einst an den Hof des Königs Salomo zog, um feine Weisheit durch schwierige Fragen auf die Probe zu stellen. Der weise König bestand seine Prüfung glänzend.
heben.
Im Gegensatz zur deutschen Entwicklung ist der verhältnismäßig geringe Abbau der amerikanischen Arbeitslosenzifser nur durch künstliche Arbeitsbeschaffung aus öffentlichen Mitteln erfolgt und Roosevelt steht jetzt vor der zweiten Phase, durch Arbeitszeitverkürzung Mehreinstellungen der Privatwirtschaft zu erzwingen, wodurch allerdings bei gleichzeitiger Lohnerhöhung die Gestehungskosten st eigen, was nicht in der amerikanischen Binnenwirtschaft, aber für den Absatz amerikanischer Waren auf den Auslandsmärkten sich schädlich auswirkt. Nur durch Aufgabe solcher Ziele, wie die Rooseveltianer sie als Eroberung größerer Absatzmärkte verkünden — also der liberal - wirtschaftsimperialistischen Kampftendenzen — kann der Weltwarenverkehr, das Verhältnis der Gläubiger- zu den Kundenländern gebessert und die mehr als 200 Milliarden Mark betragende internationale Verschuldung nach und nach liquidiert werden.
Das Problem des Außenhandels findet nun auch in Deutschland immer mehr die Beachtung, die es im Zusammenhang von Weltwirtschaftsbelebung und Weltverschuldung verdient. Der Reichsführer des Handels Dr. Lu er hat bei der Neugrundung der Außenhandelsstelle für das Rhein-Main-Gebiet hierüber bemerkenswerte Ausführungen gemacht. Er aing dabei von der Tatsache aus, daß die Welt Deutschland ebenso nötig braucht wie dieses den Warenaustausch mit anderen Ländern. Die Wiedereinschaltung des mächtigen deutschen Konsumenten werde erst die Weltwirtschaft wieder in Gang bringen: denn in Deutschland sei ein steigender Bedarfan Gütern vorhanden, der durch Austausch deutscher Erzeugnisse gegen fremde Rohstoffe gedeckt werden könne. Um diesen Austausch aber zu. ermöglichen, müßten zunächst einmal dieBschuld- nerischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Gläubigerländern entwirrt werden.
Die gleichen Gedankengänge wie Dr. Luer hat auch der Vizekanzler von Papen soeben in einem Aufsatz über die deutsche Handelspolitik entwickelt. Er zeigt hier, daß für Deutschland eine hundertprozentige Selbstgenügsamkeit, also eine volle Autarkie weder erreichbar noch wünschenswert sei. Anderseits könne Deutschland aber auch nicht mehr nach den alten liberalistischen Grundsätzen die Außenhandelsfragen einfach der freien Entwicklung überlassen. Zwischen den beiden Extremen stehe der Mittelweg einer gesunden Nationalwirtschaft- l i ch e n Außenhandelspolitik. Er prägte ein neues volkstümliches Schlagwort: „Kaufe beideinem besten Kunden". Dieser Leitsatz ist volkswirt-
„Du hast mehr Weisheit und Guts, denn das Gerücht ist, das ich gehört habe", bestätigte sie. „Und sie gab dem Könige hundert und zwanzig Zentner Gold und sehr viel Spezerei und Edelsteine. Es kam nicht mehr so viele Spezerei, als die Königin von Reicharabien dem Könige Salomo gab." Von der sagenhaften Königin erzählt eine über 800 Jahre alte Ueberlieferung, die Hauptmann C. Cran- ford von einer arabischen Forschungsreise mitbrachte; bei der er mit Hilfe eines Araberstammes das Hoflager Ophir der Königin entdeckte. Nach dem Bild, das dort noch heute in den Bergen der Eingeborenen weiterlebt, sei die zierliche Königin ebenso lieblich wie grausam gewesen, hre Stimme war so sanft wie der Hauch des Abendwindes; doch konnte diese Herrscherin blutdürstig sein wie ein reißendes Tier. Ihre Umgebung lebte in Furcht und Schrecke vor den Launen des „samtfüßigen Teufels", wie sie genannt wurde, weil sie hinkte. Auch daran knüpft sich eine Legende: In früher Kindheit wurde die Königin von Pygmäen aus Abessinien geraubt, um an einen Baum gebunden und dem Löwengott geopfert zu werden. Schon hatte eines der heiligen Tiere ihren einen Fuß zerrissen, als ihr die Flucht gelang. Von nun an herrschte die grausame Königin auf ihrem goldenen Thron, der mit Diamanten und Rubinen, mit Smaragden und Opalen geschmückt gewesen sein solle. Noch hat niemand die Ruinen- ftadt betreten, aber Forscher und Eingeborene trachten gleichermaßen darnach, diesen Thron und andere Zeugnisse ihres sagenhaften Reichstums und ihrer Herrschermackt zu finde«.
Braunau am Inn — eine altbayerische Stadt.
Der Geburtsort unseres Volkskanzlers hat das Bild einer spätmittelalterlichen gotischen Stadt noch ziemlich rein bewahrt und ist in seinem
Charakter ein vortreffliches De'iplel süddeutscher Stadtschönheit, wie Eduard Kr"chbaum m einer Abhandlung des „Geographischen Anzeigers des Näheren ausführt. Am 26. August 1806 wurde
Warenabnahme eine Bezahlung Zug um Zug unmöglich machte. Hierin liegt zutiefst der jetzige Roöseveltsche Plan, durch Abbau der Zollmauern als Folge seines Währungsexperiments einen Teil der amerikanischen Rohstoffausfuhr durch die Hereinnahme von europäischen Jndustriewaren bezahlen zu lassen. Aber daß der frühere Zustand nicht wieder erreicht werden kann, bedarf eigentlich keines weiteren Beweises, obgleich noch 1925 der Schatzsekretär Mellon die These verfocht, durch amerikanische Kredite müsse die Kaufkraft Europas für Agrarprodukte gestärkt werden, wobei übersehen wurde, daß eine solche Anleihepolitik Europa in eine Zinsknechtschaft gestürzt hätte, unter der in den Vereinigten Staaten selbst die Industrie und die Landwirtschaft verrotteten, bis durch die Dollarabwertung und eine wenn auch sehr ungleichmäßige Preiserhöhung die Schuldner des amerikanischen Kapitalismus einen erheblichen Teil ihrer Verpflichtungen los wurden.
In der Zeit des Wettlaufes um die schlechte st e Währung konnte das eine oder andere Land gewisse Vorteile erzielen, aber nur solange, als die Länder, die am Goldstandard festhiel- ten stillschweigend damit einverstanden waren. Die Preisgabe des Goldstandards aber vermehrte die Schwierigkeiten des Zahlungsausgleiches; durch das Prinzip der Kontingentierung und Anti-Dumping- Zölle wurde die Absonderungstendenz vermehrt und schließlich, da internationalen Zahlungen, worunter auch die deutschen Verpflichtungen fallen, nur in Gütern und Dienstleistungen liquidiert werden können, kam der Zeitpunkt, wo weitere Währungsverschlechterungen tatsächlich sinnlos wurden.' Durch Währungsverschlechterungen allein konnte keine entscheidende Besserung der Handelslage der Welt, nicht einmal, wie England und die USA. bewiesen, der einzelnen Nationen erreicht werden. Vor allem hat man in den USA. die elastische Abwehr Englands unterschätzt und die Möglichkeiten, künftig die Preise nach oben zu treiben, überschätzt. In der letzten Zeit ist nicht nur unter dem Einfluß der schlechten Lage der öffentlichen Finanzen der USA., der Dollar gegenüber dem Pfund wieder schlechter geworden, England verteidigt mit allen Mitteln den geringen Valutaentwertungsvorsprung, der ihm überhaupt noch gewisse Gewinne aus diesem Experiment einträgt, und voraussichtlich wird bis August/September, wo England saisonhaft gezwungen ist, amerikanische Baumwolle und Getreide aufzunehmen, das Pfund gegenüber dem Dol-
Es gibt in unserer Zeit wenig Begriffe, die der Härte des Lebenskampfes, in dem wir stehen, so sehr Rechnung tragen, wie der Begriff der Leistungssteigerung. Der schwere Kampf um den Arbeitsplatz und die Sorgen um die berufliche Zukunft zwingen jeden einzelnen, seine Leistungs- ähigkeit auf das Aeußerste zu steigern, damit er ich behaupten kann. Wir wissen, wie schwer es ist, eelisch und körperlich den Anforderungen zu genügen, die heute im Berufsleben an uns gestellt werden. Um so stärker wendet sich unsere Aufmerksamkeit den Fragen zu, wie wir unsere Arbeitskraft am besten ausnutzen können und wie wir sie uns erhalten.
Der erste Weg, der sich hier uns eröffnet, ist der der beruflichen Weiterbildung. Wir vermehren unsere technischen Kenntnisse, wir erweitern unser Wissen und unser geistiges Blickfeld durch die Beschäftigung mit den Problemen der Wirtschaft und wir vertiefen unsere Kenntnisse von der Ware und ihrer Herstellung, um jeder Aufgabe gewachsen zu sein, die an uns herantritt. Um auf einem Arbeitsgebiet etwas Vollkommenes leisten zu können, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt fern. Neigung und Eignung sollten wir schon bet der Berufswahl voraussetzen können. Bei dem nächsten Faktor „richtige T e ch n i k", also zweckmäßige Gestaltung der Arbeitsweise, aber lassen sich häufig Fehlerquellen finden, die man bei einigem Nachdenken leicht aus der Welt schaffen kann.
Vielfach kommt es auch nur darauf an, daß man sich einmal den Arbeitsgang und die persönlichen wie beruflichen Handlungen ansieht, die man gewohnheitsmäßig tagtäglich immer wieder wiederholt. Diese Arbeiten werden allmählich so mechanisch ausgeführt, daß sie jedem mit allen ihren Fehlern in Fleisch und Blut übergehen. Hier können Aende- rungen oft unerhörte Zeit- und Energieeinsparungen erzielen, von denen sich in diesem Umfang niemand etwas hat träumen lassen. Dazu ist es notwendig, daß man sich die Arbeit einmal gründlich überlegt und nicht davon überzeugt ist, daß das, was nun jahrelang nur in einer bestimmten Weise gehandhabt worden war, auch richtig und zweckmäßig und nicht verbesserungsfähig ist. Ausreichende Uebung, technische Vervollkommnung ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung.
Aber die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten allein bestimmen nicht unsere Arbeitskraft. Wesentlich wird diese von der körperlichen und
lar eine ziemlich starke Position haben. Es hat mehr und mehr den Anschein, als ob es dem Dollar nicht gelingt, die Pfundentwertung aufzuschlucken und damit den ursprünglichen Rooseveltschen Plan der Eroberung gewaltiger Absatzgebiete auf Kosten Englands zu verwirklichen. Deshalb mehren sich in USA. die Stimmen für eine Beendigung des Währungsentwertungskampfss.
Auf hem Weltmarkt haben sich trotz aller amerikanischer Gegenwirkungen die Preisrückgänge fortgesetzt, nur bei Kautschuk hat in London eine Besserung verzeichnet werden können und die M e t a l l p r e'i s e zogen nur winzig an. Die Zinnhausse scheint zum Stehen gekommen zu ein. Die Getreidepreise waren weiter rück- jängig, auf dem Baumwoll markt wurde von Spekulationsgruppen ein Angriff unternommen, der noch nicht voll durchdrang. Katastrophal bleibt aber noch immer — und das ist schließlich ausschlaggebend für das Experiment Roosevelts — daß die amerikanischen Farmer keine höheren Preise erzielten. Die sechs Millionen amerikanischen Farmer hatten sich infolge her Motorisierung überschuldet, aber die Preise fielen zwischen August 1929 und August 1932 um volle 60 v. H. und seitdem ist es nicht gelungen, Anbaubeschränkungen durchzuführen, also die Ueberproduktion abzustoppen, und die erzielten Preise den Voraussagungen Roosevelts anzupassen. Mit rein monetären Maßnahmen gelingt es nicht, Preise zu steigern und hie Konsumkraft zu
hier der Buchhändler Palm aus Nürnberg wegen Vertriebes der Schrift „Deutschland in seiner tieften Erniederung" erschossen. So verknüpft sich auf diesem Erdenfleck die Erinnerung an die Epoche des nationalen Niedergangs vor 100 Jahren, die zur nationalen Erhebung der Freiheitskriege führte, mit der Persönlichkeit, die der Träger der nationalen Erneuerung von heute ist. Das kleine Städtchen mit seinen kaum 5000 Einwohnern dehnt sich malerisch auf einer steil zum Inn abfallenden Erhebung aus und hat auf dieser Seite noch den Charakter der altersgrauen Feste bewahrt. Zwei Brücken verbinden das dicht an der österreichischen Grenze gelegene Oertchen mit der bayerischen Stadt Simbach. Braunau ist eine ed)t altbayerische Siedlung, die mit dem Inn-Viertel 1779, endgültig aber erst 1816 an Oesterreich kam. Der Name wird 1125 zum erstenmal erwähnt, und zwar als Landgut des Auqustinerklosters, das bei der Pfalz Rans- hofen lag. Nach 1270 finden sich die ersten Burgernamen, und es zeigt sich eine Verbindung mit Schwaben, die nach heute in der Schwabengasse -um Ausdruck kommt. Infolge seiner wichtigen strategischen Lage war Braunau schon früh mit Mauern umgeben, aber erst seit dem Dreißigjährigen Kriege wurde es eine wichtige bayerische Grenz- feftung, um deren Mauern viele Kämpfe tobten. Kurz vor der Zeit Napoleons, der mehrfach in der Stadt geweilt hat, im Jahre 1779, verlor Braunau auf der Landseite seine Umwallung. Die Epoche der kriegerischen Zeitläufte sah auch das wirtschaftliche Aufblühen der Feste. 1626 besaß Braunau neben München und Ingolstadt die stärksten lud)- macher-Zünfte in Bayern, und erst im 19. Jahrhundert setzte die wirtschaftliche Verkümmerung ein die durch die Grenzlage verschärft wurde. Der köstliche gotische Kern ist trotz vieler Verwüstungen und Brände gerettet und bildet ein Kleinod verborgener Stadtschönheit mit den formvollendeten, stolz aufragenden Türmen von St. Stefan und der Spitalskirche zum Heiligen Geist, die die ältesten und bedeutendsten Gotteshäuser der Stadt sind, mit dem Spitzhelm des Salzburgertor-Turmes und den vielen hohen Giebeln alter Burgerhauser. Einzelne Straßennamen weisen auf den Sitz der alten Gewerbe hin. Die beiden Schmieden liegen noch heute in der Nähe der längst abgetragenen äußeren Stadttore, die eine neben Hitlers Geburtshaus, einem ländlichen Einkehr-Gasthof. Trotz des großen Brandes von 1879, der manches alte Denkmal vernichtete, ist noch viel von der Romantik der Häuser und Winkel aus ferner Vergangenheit erhalten. Gotische Binnenhöfe sind selten, häufiger die malerischen Renaissancehöfe, wie deren einen m herben Formen auch Hitlers Geburtshaus besitzt. So fugt
„Der Baute."
Von Michael KohlhaaS.
Baule" ist schwäbisch und bedeutet soviel wie Kater und „h'r Vett'r Jooseph", mit zwei ausgefallenen e und einem dafür um so längeren 0 unb etwas singend ausgesprochen, ist ebenfalls schwäbisch und bedeutet einen dem Allgäu entstammenden Bauern in einem Dorf bei Augsburg.
D'r Vett'r Jooseph nun hat eines Morgens einen Hasen angemäht und weil d'r Vett'r Jooseph ein gutes Herz hat und kein Tier leiden sehen kann, so versetzte er dem Hasen als letzten Gruß dieses für viele fo anstrengenden Lebens einen Schlag hinter die Löffel und trägt ihn heim.
Du Bäs," fagt er daheim zur Base Kathrem, die" ihm die Hauswirtschaft führt, „den Hasa bau, Öen richst in d'r Soß, und i lab a paar Nachbaura dazu-! Manmal müeß- au mi Baura was habe Don d- Parad-isäps-l, dia d- Stad l-ut Tag sur Tag ins Maul n-ihang-" Und di- Bas- Kathrem beizte den Hasen und d'r Vett'r Jooseph lud die Nach- baes geschah aber ferner, daß d'r Vett'r Jooseph gerade an dem Tag. da mittags das Gastmahl an- gesetzt war, plötzlich und unaufschiebbar zu Verwandten in die Stadt reisen mußte, also, "aß es zu seinem großen Leidwesen durchaus den Anschein hatte, als ob der Soßhase ihm ent- miMen 11 nb nur ben brei gelabenen Nachbarn zu- falkn sollte Diese schicksalhafte Herbheit bes Ge- chehens suchte nun d'r Vetter Jooseph baburch zu Sjrn daß er zur Base Kathrem sprach: „Bas, wö?ßt was? Mer schlachte unsren Baute und du sttzt oifach be brui Nachbaura statt n Hasa an
Unb so geschah bes weiteren, baß her Baute, her gepriesen unb restlos verspeist würbe er herueit- tebens nicht ermangelt hatte, überall jn
feine Katzenpersönlichkeit zu betonen. I , eil dem Hinteren Stubeneck gar munter cm 6 B Bi7r lief, so tarn es sogar so weit baß bi. brei Nachbarn den Baute als Hasen hochlebeni ß -
eine Ovation, für hie her Baute wäre er zuvor g fragt worben, schon als Charakter, her aller Ueber schätzung abhotb, gebankt hatte.
Wo steht die Weltwirtschaft?
Die Unbeftänbigfeit ber Währungen unb bas Fehlen eines internationalen Wertmessers für ben Weltwarenverkehr finb vielleicht hie größten Hemmnisse für eine Zunahme bes internationalen Warenaustausches. Die verschieben große Kaufkraft ber einzelnen Nationalwirtschaften ist tebigtich eine Wirkung, aber nicht, wie vielfach gerabe in her amerikanischen Presse angenommen wirb, hie Ursache bes internationalen Hanbelsrückganges. Als Enbe ber neunziger Jahre mit ber Einführung her Mc-Kenna-Zölle hie Vereinigten Staaten sich gegen bas Einbringen europäischer Fertigwaren schützten, waren sie insofern in einer gewissen Monopolstellung, als hie europäischen Jnbustrie- länber gezwungen waren, ihre Baumwolle, ihr (Betreibe, Kupfer usw. aus bem amerikanischen Wirtschaftsgebiet zu beziehen. Ihr Hanbel mit ben USA. war burchweg passiv unb biefe Passivität würbe zumeist nur baburch ausgeglichen, baß ber europäische Hanbel anbere Absatzgebiete fanb unb ber europäische Warenaustausch sich ver- bichtete. Aber inzwischen kamen Australien unb Neuseelanb, Argentinien unb Kanaba, Aegypten (für Baumwolle) als Rohstoffquellen für Europa immer mehr in Betracht.
Die amerikanische Prosperity nach bem Kriege war lebiglich burch ben zeitlich bebingten europäischen Warenhunger möglich; sie brach zusammen, als Europa gesättigt war, bas Penbel gleichmäßig ausschlug unb hie europäischen Kunben- länber erlebten, baß ihr Lieferant ihnen burch
Um bie gleiche Stunbe geschah es enblich, baß h’r Vett'r Jooseph von ber Stabt zurückkam. Als er nun feine brei Nachbarn so wohlgemut oorfanb, unb sie auf feine Frage, wie es ihnen geschmeckt habe, in einstimmige Lobpreisungen bes Wilbbrets wie ber Kochkunst ausbrachen, ba glaubte er, ihnen den Wermutstropfen nicht vorenthalten zu burfen, den das Erbenleben für jebe Freubenftunbe bereit hält, unb sagte bemzufolge mit grüblerischem Bedacht: „Nur daß ’r 's wisset, ihr Herra: da hant ’r an Baule gfressa." Womit auf einmal der Bedacht ich auf die Seite der drei fröhlichen Nachbarn chluq, unb bas so schwer, baß sie anfänglich uber- ,aupt keine Worte fanben. Nach einer Weile aber agte ber Nachbar Schäufele: „'s ischt ja wahr unb Iaht sogar qeschriewe, baß b'r Mensch net bloß vom Brot alloi lebt; aber, Vett'r Jooseph, a Katz muaßt deswege bo no lang net unter seine Mahlzeite soi.
Als Voresse," erroiberte b’r Vett'r Jooseph, „staht nix bagege, unb brum sollt ’r jetzt, wo i selb'r au mithalte ka, au ben richtige unb leibhaftige Soßhasa als Nachspeis friagc. Bäs, trag auf!"
Unb bie Base Kathrein trug auf, ber leibhaftige Soßhase kam, bas Fäßlein im Stubeneck hinten lief unb lief, unb ob solcher Häufung ber besten Dinge auf biefer Welt machte sich eine bermaßen versoh- nenbe Behaglichkeit breit, baß in ben brei nachbarlichen Bauernmägen einträchtlich sogar zusammenkam, was sonst im Leben sich nicht gern gesellt: Katz und Has. .
Nur ganz zum Schluß erst, als enblich bie brei Nachbarn zu gehen sich anschickten, kam noch so etwas wie ein Mißklang auf. Es erklärte da nämlich einer ber Gäste, unb bas zugleich im Namen der zwei anbern: „Bloß baß b’ woißt, raia bu bra bischt, Vett'r Jooseph: fürn Baule alloi hatte mer nix verlangt; weil mer aber an Hasa habe au no fresse müasse, verlange mer, a jeder, zwoi Marri für Zeitverfäumnis: wenn's anberfdjt net gayl, sogar abvokatisch." Womit hinwieberum auf feinem Dach broben bie Überraschung b r Dett r Jooseph hatte, genau nach bem Schwabenwort: s fetnb Ueberraschunge oft guat fürs Geblaat; nur solle fic net imm'r ben nämliche treffe.
seelischen Spannkraft abhängen, bie uns zu eigen ist, von unserer Lebenskraft schlechthin. Diese roieberum ist ein getreuer Spiegel unserer Lebensführung. Wir haben hier ein gut Teil unseres Schicksals in ber Hanb, unb wir sollen es uns nicht nehmen lassen, bie kleinen Dinge unseres Lebens einmal auf ihren Wert ober Unwert nachzuprüfen; auf viele Fehler werben wir babei stoßen, auf Kraftvergeubungen unb auf manche Untugenb, die unserer Gesundheit und damit unserer Arbeitskraft abträglich find. In der Zeit der Rationalifie- rung dürfen wir aber mit unserer Arbeitskraft nicht unrationell umgehen. Die vielen kleinen Alltags- fänden, die falschen Gewohnheiten beim Essen, Trinken und Schlafen erscheinen unbedeutend unb nicht ber Beachtung wert. In Wirklichkeit wirken sie burch bie tägliche Wieberholung als chronische Schäben, bie bann auch zu ben chronischen Erkrankungen unb ßeiftungsminberungen in späteren Lebensaltern führen. Auf biefe hygienischen Fehler ist ein großer Teil ber Nerven-, Herz-, Kreislauf- unb Stoffwechselkrankheiten zurückzuführen, beren Zahl sich von Jahr zu Jahr vermehrt. Sie stören ben einzelnen in seiner Leistungsfähigkeit — auch hinsichtlich bes Genusses an Lebensfreube — unb verursachen ihm unb ber Allgemeinheit unnötige Kosten. Aber leiber ist bas Beharrungsvermögen ber Menschen im Falschen nirgenbroo so stark wie bei gesunbheitlichen Dingen.
Das gilt nicht nur für ben Mann, ber im Berufe steht, fonbern auch für bie Frau in ber Hauswirtschaft. Sie hat bie schwierige Aufgabe, bie zur Verfügung stehenben Gelbmittel für eine richtige Ernährung unb gute Haushaltsführung zu verwenben, sie hat dafür zu sorgen, daß für alle Familienmitglieder das Heim eine Stätte des Ausruhens, der Entspannung und Sammlung, eine Quelle ber Kraft bleibt, sie übt einen entscheidenben Einfluß auf bie Lebensweise ihrer Angehörigen aus. Jn ber Erziehung ber Kinber ist sie vor allem verantwortlich für beren späteres Ergehen unb ihre Leistungsfähigkeit. Auch im Arbeitsgebiet ber Hausfrau gilt es, bie Leistungsfähigkeit zu erhalten unb zu förbern.
Sinb diese Voraussetzungen erfüllt, so bleibt als ein weiteres Kennzeichen richtiger Arbeit d i e Fähigkeitzugei st igerSammlung. Gute Technik, Uebung, Eignung unb Neigung allein schaffen es nicht, wenn es an biefer Eigenschaft fehlt. Geistige Sammlung setzt aber auch geistige Entspannung voraus. Die Frage ber zweckmäßigen
sich der ganze Ort harmonisch in bie liebliche ßanb- schaft zwischen Salzburg unb Passau ein. „Wer hier", sagt ber Verfasser, „in behaglichen Muße- ftunben Einige Tage burchs ßanb roanbert, ber wirb als Natur- unb Geschichtsfreunb bie Seele des altbayerischen Stammesbodens fühlen. Hier ist und war nie Grenzland, sondern immer deutscher Boden!"


